Janine Adomeit

 4,2 Sterne bei 9 Bewertungen

Lebenslauf von Janine Adomeit

Janine Adomeit, 1983 in Köln geboren, studierte Literatur- und Sprachwissenschaft. Sie nahm an der Schreibwerkstatt der Jürgen Ponto-Stiftung und an der Autorenwerkstatt Prosa des Literarischen Colloquiums Berlin teil. Sie lebt und arbeitet als Autorin und Texterin in Flensburg. ›Vom Versuch, einen silbernen Aal zu fangen‹ ist ihr Debütroman.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Janine Adomeit

Cover des Buches Vom Versuch, einen silbernen Aal zu fangen (ISBN: 9783423282963)

Vom Versuch, einen silbernen Aal zu fangen

 (9)
Erschienen am 23.07.2021
Cover des Buches Vom Versuch einen silbernen Aal zu fangen (ISBN: 9783546100120)

Vom Versuch einen silbernen Aal zu fangen

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Erschienen am 02.02.2022

Neue Rezensionen zu Janine Adomeit

Cover des Buches Vom Versuch, einen silbernen Aal zu fangen (ISBN: 9783423282963)
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Rezension zu "Vom Versuch, einen silbernen Aal zu fangen" von Janine Adomeit

Gibt es eine zweite Chance im Leben?
Sigismundvor einem Jahr

REZENSION - „Früher war alles besser“, ist der von Jüngeren ungeliebte Satz vieler älterer Menschen. Nichts im Leben ist unveränderlich. Die Welt dreht sich, Zeiten ändern sich, denen man sich anpassen muss. Doch nicht allen gelingt dies oder nicht in ausreichendem Maß. Von dieser Hoffnung auf Wiederkehr der „guten, alten Zeit“, von Hindernissen und Mühen, sich auf seinem Lebensweg umzustellen oder gar Neues zu wagen, von der Angst zu versagen, aber auch von der Vorfreude auf eine neue Chance, sei sie auch noch so unrealistisch, also „vom Versuch, einen silbernen Aal zu fangen“, handelt der gleichnamige Debütroman der Schriftstellerin Janine Adomeit (38), im Juli beim dtv Verlag erschienen.

Gefühle der Verbitterung, der Existenzangst, aber auch der Hoffnung auf die ersehnte zweite Chance erleben wir bei den Einwohnern des einst florierenden rheinischen Kurorts Villrath. Vor 17 Jahren versiegte plötzlich die heilbringende und einkommenssichernde Marienquelle. Viele Jahre lang wollte man es die Villrather nicht wahrhaben: „Als einen vorübergehenden Schluckauf der Natur hatten es auch die Villrather abgetan. … Jeder hatte daran geglaubt, dass alles schon wieder gut würde. Woran sonst?“ Doch die Katastrophe blieb unabwendbar: „Danach war nichts mehr wie zuvor. Kein Weinfest. Keine ausgebuchten Fremdenzimmer mehr. Keine Reisebusse aus Holland und Belgien. Auch die Pläne für die Therme und die Rehaklinik verworfen. Die Jüngeren, Gesunden hatten Anstellungen in der Zucker- oder Brikettfabrik gefunden. Die anderen nichts.“

Für die Zurückgebliebenen scheint seitdem das Leben stillzustehen. Änderung zum Besseren ist nicht in Sicht. Doch völlig unerwartet beginnt nach Bauarbeiten an der einstigen Quelle wieder etwas Wasser zu rieseln. Ist es die alte Heilquelle? Bekommt Villrath eine zweite Chance? Die von der Autorin etwas schrullig charakterisierten, aber vielleicht gerade deshalb so liebenswerten Einwohner wittern eine neue Einnahmequelle, neuen Wohlstand, eine Rückkehr in längst ergangene Zeit. Vera, die als letzte Trägerin der Nixenkrone wegen des Versiegens der Quelle damals nicht mehr zum Einsatz kam, inzwischen Wirtin einer unrentablen Gastwirtschaft mit Stammgästen ohne Lebensperspektiven ist, will nicht nur ihr Recht wahrnehmen, nun endlich als Nixe auftreten zu dürfen, sondern beschließt mit allen Mitteln, nach all den verlorenen Jahren ihren alten Jugendtraum umzusetzen. Der vom Leben frustrierte Kamps kämpft mit Klappstuhl und Gewehr im Garten gegen die neue Zeit. Während manche Erwachsenen am Zeitenwandel verzweifeln, andere auf ihre zweite Chance warten, versucht der heranwachsende Johannes seine erste Chance zu nutzen und sich aus der kleinbürgerlichen Enge zu befreien. Doch geblendet von euphorischer Hoffnung, verlieren alle die Realität aus den Augen. „So etwas wie eine zweite Chance gibt es nicht. Man kann nichts wiederholen. Man kann nur andere, neue Fragen stellen und andere, neue Antworten finden“, meint die Autorin folgerichtig in einem Interview.

In ihrem lesenswerten, auch sprachlich ausgezeichneten Romandebüt über die Zerbrechlichkeit von Lebensträumen beschreibt Janine Adomeit ihre charakterlich so verschiedenen, aber in ihrer gemeinsamen Hoffnung auf ein besseres Leben so einige Protagonisten auf sehr berührende, mitfühlende und psychologisch tiefgründige Weise. Und doch lässt die Tragikomik ihrer Geschichte über den verzweifelten Aktionismus der Romanfiguren uns Leser auch leicht schmunzelnd, vielleicht sogar etwas nachdenklich zurück. „Vom Versuch, einen silbernen Aal zu fangen“ ist ein viel versprechendes Erstlingswerk, das auf weitere Romane dieser Autorin hoffen lässt.

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Cover des Buches Vom Versuch, einen silbernen Aal zu fangen (ISBN: 9783423282963)
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Rezension zu "Vom Versuch, einen silbernen Aal zu fangen" von Janine Adomeit

Wenn die (Geld)Quelle versiegt…
Kristall86vor einem Jahr

Klappentext:

„Morgen wird alles anders oder jetzt ist auch schon egal. So leben die Bewohner des heruntergekommenen rheinischen Kurorts Villrath. Seit die lokale Heilquelle vor Jahren versiegte, stehen die Gästezimmer leer. Da fördern Bauarbeiten ein mineralhaltiges Rinnsal zutage. Was könnte den Glanz vergangener Tage zurückbringen, wenn nicht das gute alte Heilwasser? 

Vera, letzte Trägerin der Villrather Nixenkrone und Wirtin des »Stübchen«, beschließt gegen jede Vernunft, einen alten Jugendtraum wiederzubeleben. Notfalls mit Lug und Trug. Der alte Kamps bringt sich mit Klappstuhl und Gewehr gegen die Dämonen der Vergangenheit in Angriffsstellung. Und während die Erwachsenen abgelenkt sind, bricht Johannes auf in Richtung Freiheit oder was er dafür hält.“


Janine Adomeit hat mit „Vom Versuch einen silbernen Aal zu fangen“ eine wahrlich tragische aber auch urkomische Geschichte verfasst, die unsere Gesellschaft auf sehr gute Art und Weise widerspiegelt. Was einst dort in Villrath plötzlich für Wohlstand und Reichtum gesorgt hat, ist ebenso plötzlich verschwunden - die Geldquelle versiegte und schwupp, war der Traum verpufft, ausgeträumt. Oder doch nicht? Was hier durch Vera achso vermeintlich urkomisch wirken soll, kommt mit einem feinsinnigen, schwarzen Humor rüber, ist eine sehr genaue Analyse über das Verhalten unserer Gesellschaft. So lebt es sich eben! Wer hält sich gern diesen Spiegel vor? Eben…das macht nämlich niemand gern, aber es ist nunmal das Bild einer Gesellschaft, welches hier dargestellt wird. Ein Bild, das niemand auf sich nehmen würde, aber es ist hinter vorgehaltener Hand genau diese Beschreibung. 

Wie bereits angesprochen, ist Adomeit mit einer spritzigen Wortwahl hier unterwegs, mit einer genauen Beobachtungsgabe, ein wenig ausgefeilter Fantasie und jeder Menge Realität, die natürlich jeder von uns abstreiten würde….Dafür gibt es 4 von 5 Sterne.

Kommentare: 2
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Cover des Buches Vom Versuch, einen silbernen Aal zu fangen (ISBN: 9783423282963)
Aus-Liebe-zum-Lesens avatar

Rezension zu "Vom Versuch, einen silbernen Aal zu fangen" von Janine Adomeit

Sprachlich brillant
Aus-Liebe-zum-Lesenvor einem Jahr

„Morgen wird alles anders oder jetzt ist auch schon egal.“

Janine Adomeit erzählt in ihrem Debutroman „Vom Versuch einen silbernen Aal zu fangen“ von zwei großen Chancen – für die Kneipenwirtin Vera, die selbst ihr bester Gast ist, und für das Örtchen Villrath, das durch die Wiederentdeckung einer Heilquelle die vielleicht letzte Ausfahrt vor dem Verfall anvisiert.

Die Beschreibungen des Städtchens und vor allem deren Bewohner sind so herrlich originell, ein bisschen überzeichnet, aber nie klischeehaft. Und dennoch konnte ich mich leider nicht ganz in die Protagonisten hineinversetzen. Erzählt wird die Geschichte aus der Perspektive verschiedener Bewohner, deren Leben mehr oder weniger mit dem der anderen verknüpft ist. Der Wechsel zwischen den einzelnen Personen bringt Schwung in die Handlung und verrät dem Leser immer ein bisschen mehr, als die Figuren selbst wissen.

Sprachlich bewegt sich das Buch auf sehr hohem Niveau. Man merkt, dass Janine Adomeit das Schreiben gelernt hat und dennoch übertreibt sie es mit der sprachlichen Finesse nicht.

Einen kleinen Wermutstropfen bildet für mich der Schluss, der mir zu plump für die ansonsten so subtile Handlung ausfällt.

Janine Adomeit liefert ein lesenswertes Debut ab, das vor allem sprachlich überzeugen konnte. Ich bin gespannt auf ihr nächstes Werk.

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