Janine Berg-Peer

 4,3 Sterne bei 27 Bewertungen

Lebenslauf

Janine Berg-Peer, geb. 1944, ist selbst Mutter einer psychisch erkrankten Tochter. Sie ist aktiv im Verband der Angehörigen psychisch Kranker e.V., Mitglied von Bipolaris – Manie und Depression e.V., und deutsche Repräsentantin bei EUFAMI, dem europäischen Dachverband der Familien mit psychisch kranken Angehörigen. Sie hält zahlreiche Vorträge im In- und Ausland, moderiert Workshops zum Thema und berät Angehörige direkt.Gemeinsam mit ihrer Tochter bietet Janine Berg-Peer regelmäßig eine kostenlose Online-Gruppe für Angehörige psychisch Erkrankter an.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Janine Berg-Peer

Cover des Buches Schizophrenie ist scheiße, Mama! (ISBN: 9783596189144)

Schizophrenie ist scheiße, Mama!

(23)
Erschienen am 20.06.2013
Cover des Buches Aufopfern ist keine Lösung (ISBN: 9783466346172)

Aufopfern ist keine Lösung

(2)
Erschienen am 02.11.2015
Cover des Buches Wer früher plant, ist nicht gleich tot (ISBN: 9783442142408)

Wer früher plant, ist nicht gleich tot

(2)
Erschienen am 16.03.2020

Neue Rezensionen zu Janine Berg-Peer

Cover des Buches Schizophrenie ist scheiße, Mama! (ISBN: 9783596189144)
supersusis avatar

Rezension zu "Schizophrenie ist scheiße, Mama!" von Janine Berg-Peer

supersusi
ein wichtige Buch !

Ein großartiges Buch. Großartig deswegen, weil es so wichtig ist.

Die Autorin bekommt einen Anruf aus dem Internat, sie möge bitte ihre Tochter abholen. Und damit beginnt ein Alptraum sowohl für die Mutter, als auch natürlich für Lena, ihre Tochter. Ob es sich dabei um Schizophrenie handelt, oder um eine manisch-depressive Erkrankung mit psychotischen Episoden ist im Grunde nebensächlich (es existieren beide Diagnosen für Lena, was öfter vorkommen kann, wenn man bei verschiedenen Psychiatern ist). 

Das Leid der Tochter, ihre Ungeduld, ihre Ängste, ihr Bemühen um Normalität und ihr Scheitern, ihr ausuferndes, lautes irrationales Verhalten, ihre Anschuldigungen (aus Verzweiflung, aus wahnhaftem Erleben heraus), ihr Geld ausgeben, ihre Verwahrlosung - das alles ist für die Mutter nur schwer zu ertragen und auszuhalten. Sie will helfen und unterstützen, sie will das Leid ihrer Tochter lindern und ihr beistehen. Aber wie ? Was kann sie tun ? Was braucht ihr Kind jetzt ? Was ist richtig, was ist falsch ? Völlig allein gelassen von Ärzten und Pflegekräften sucht sie nach Informationen über die Erkrankung und versucht ihr möglichstes, um Lena zu helfen. Sie sucht Wohnungen, wenn Lena wieder rausgeflogen ist, sie gibt ihr Arbeit, sie besucht sie täglich in der Klinik, sie putzt und räumt auf, wenn Lena es nicht schafft, sie versucht sie zu motivieren ihre Medikamente zu nehmen und sie moralisch zu unterstützen und aufzubauen. Sie gibt ihr Bestes. Aber das ist nicht leicht bei so einer Erkrankung.

Viel Zeit und Energie hätte sie sich sparen können, wenn sie von Ärzten und Pflege aufgeklärt worden wäre über die Erkrankung und was sie erwarten kann. Ich arbeite seit 25 Jahren in der Psychiatrie und weiß, dass Angehörige kaum wahrgenommen werden, dass sie in erster Linie gesehen werden, als die, die den Patienten die Sachen bringen (Zigaretten, Kleidung, Geld, Shampoo etc.), dass man sich zu wenig Zeit für sie nimmt und in ihrer Verzweiflung oft alleine lässt. Ich verweise meist auf Angehörigen Gruppen, die bei uns an der Klinik sehr gut sind und wo Angehörige die nötige Unterstützung bekommen, die der Autorin hier so dringend fehlt. In Angehörigen Gruppen erhalten die Eltern/Geschwister/Kinder/ Partner/Freunde nicht nur Psychoedukation, also Aufklärung und Infos über die Erkrankung, die Medikamente und deren Nebenwirkung und  wie sie mit dem Patienten und dessen Verhalten umgehen können, sondern auch Unterstützung, Anteilnahme, Entlastung, das Gefühl, sie stehen nicht alleine da, andere machen die gleichen Erfahrungen, Trost Hoffnung und Zuversicht. In den Gruppen berichten Angehörige davon, was bei ihnen geholfen hat, was funktioniert hat und was nicht. Sie werden Schuldgefühle los (Hab ich was falsch gemacht, bin ich schuld, was hätte ich anders machen können, hätte ich sie besser auf der Schule gelassen trotz mobbing, hätte ich strenger sein müssen oder lascher, hätte ich mehr Zeit mit ihm verbringen sollen oder ihm mehr Freiraum gönnen sollen usw.) und können auch ihrem Ärger Luft machen. Manche Erkrankungen z.B. Depressionen können wütend machen und fast alle Erkrankungen lassen einen verzweifeln und lösen Hoffnungslosigkeit und Hilflosigkeit aus. Hier kann man sagen, wie man sich fühlt ohne, dass man schief angesehen wird. Hier geht es um einen selbst, nicht um den Patienten, auch wenn über ihn, seine Erkrankung und sein Verhalten gesprochen wird. Es gibt Ratschläge und Infos bzgl. Betreuung, Einweisung oder was man macht, wenn der Sohn sich verbarrikadiert hat, wenn er aus Verfolgungswahn aggressiv wird, wenn er aufgrund von Vergiftungsideen nicht mehr ißt und trinkt, wenn der Mann in seiner Manie alles Geld verschenkt oder sonstwie ausgibt, wenn die Patienten sexuell völlig enthemmt sind und Job, Wohnung etc. verlieren, wenn sie Kontakt abbrechen und nur noch sich zurückziehen und verwahrlosen etc. 

An dieser Stelle möchte ich auch auf den Trialog hinweisen, den es in vielen Städten gibt. Dort sitzen Angehörige, Patienten und Profis (Psychiater, Pflege, Sozialarbeiter, Therapeuten) zusammen, ohne miteinander zu tun zu haben . Es sind also nicht die Angehörigen der Patienten, die daran teilnehmen, sondern Fremde. Und dann schildert jeder wie er das Verhalten der Patienten, ihre Erkrankung etc. erlebt. Wären es die Angehörigen des Patienten, wären die Emotionen zu hoch, um informativ seine Sicht der Dinge darlegen zu können, aber auch so erfährt man viel von der Sicht der anderen und versteht so viel besser, warum sich jemand weigert, die Medikamente zu nehmen, warum in der Klinik auf Tagesstruktur Wert gelegt wird, warum die Eltern einen haben einweisen lassen, warum man Nachts alle Möbel auf die Straße räumt, um Angreifer abzuwehren, warum es in der Klinik nachts keinen Kaffee mehr gibt etc. etc.  Alle 3 Teilnehmergruppen profitieren enorm von diesem Austausch, der ja auch völlig ohne Schuldzuweisungen abläuft, da die drei sonst nichts miteinander zu tun haben. 

Für Profis : Ich finde, dieses Buch sollte jeder, der in der Psychiatrie arbeitet als Pflichtlektüre lesen, egal ob Arzt, Therapeut, Pflege oder Sozialarbeiter. Denn es ist so, wie die Autorin es schildert, die Angehörigen kommen oft zu kurz und werden mit ihren Fragen und Sorgen allein gelassen. Wir versuchen zwar uns Zeit für Angehörigengespräche zu nehmen, aber auf einer Akutstation ist dies nicht immer möglich und so verlieren wir die Angehörigen oft aus dem Blick. Dieses Buch würde uns wieder bewußtmachen, dass wir uns mehr Zeit nehmen (müssen). 

Für Angehörige ist dieses Buch auch sehr hilfreich, da sie sich hier sicher wiederfinden werden und merken, sie stehen nicht alleine da. Auch sind im Anhang viele nützliche Adressen und Literatur aufgeführt.

Für Patienten kann dieses Buch auch hilfreich sein, damit sie -ähnlich wie beim Trialog- besser verstehen können, warum Angehörige oder Freunde sie in die Klinik gebracht oder eine Betreuung eingerichtet haben und wie ihre Erkrankung auf Außenstehende wirkt. Vielleicht ermöglicht dies Buch ihnen, mit ihrer Familie ins Gespräch zu kommen, was sie sich in einer Krankheitsphase für sich wünschen, was sie als hilfreich empfinden etc.

Für  Nichtbetroffene : Psychische Erkrankungen sind immer noch mit einem großen Stigma behaftet, oft , weil es befremdlich wirkt und Angst macht. Was man nicht versteht, wird abgelehnt. Auch die Autorin stößt -selbst im Freundeskreis- auf Unverständnis, Ablehnung und völlig deplazierte "gute Ratschläge". Dieses Buch gibt einen guten Einblick in die Schwierigkeiten, mit denen es betroffene Familien zu tun haben und ich finde, es ist immer gut seinen Horizont zu erweitern, um mehr Verständnis für andere Menschen zu haben. Also, liebe Leute, lest dieses Buch.

Ich habe schon viel Literatur zu diesem Thema gelesen, sowohl von Patienten selbst, als auch von Angehörigen (auch die Bücher  "Der Tag an dem meine Tochter verrückt wurde" und "Ich habe dir nie einen Rosengarten versprochen" sind sehr gut). Dieses hier finde ich aber besonders eindringlich, da es hier wirklich um die Erfahrungen als Angehörige geht und nicht die Erkrankung selbst im Mittelpunkt steht. Und wie gesagt, ich halte es für alle, die in der Psychiatrie arbeiten für ein Muß, damit die Angehörigen und ihre Bedürfnisse wieder mehr gesehen werden. Ich werde es jetzt nachkaufen und allen jungen Kolleginnen schenken.

Cover des Buches Wer früher plant, ist nicht gleich tot (ISBN: 9783442142408)
carolawolffs avatar

Rezension zu "Wer früher plant, ist nicht gleich tot" von Janine Berg-Peer

carolawolff
Champagner gegen Demenz

Wie möchte ich mein Alter gestalten, was für Möglichkeiten habe ich (und welche nicht?)

Die Autorin Janine Berg-Peer stellt sich furchtlos und unerschrocken diesen Fragen (und auch etlichen anderen, die unterwegs auftauchen). Sie nimmt uns mit auf ihre Recherche-Tour, lässt uns teilhaben an Arzt- und Behördengesprächen und als Leserin habe ich oftmals geschwankt zwischen Lachen, Weinen und Wut.

Altersdiskriminierung, Kampf mit sturen Institutionen und Behörden, Umgang mit verständnislosen Ärzten: die Autorin hat alles erlebt. Das Wunderbare daran: sie hat weder ihren Mut noch ihren (manchmal ganz fantastisch schwarzen) Humor unterwegs verloren, und vor allem, sie hat das alles für uns gut aufbereitet und handlich verpackt mit vielen guten Tipps und Ideen versehen.

Ob Patientenverfügung, Death Cleaning, Sarg-Club oder die Funktionsweise eines Krematoriums, ich weiß jetzt, was alles auf mich zukommen kann und bin gewappnet.

Eines meiner Lieblingszitate:

„Kreuzfahrtschiffe sind zwar Klimakiller aber ein Paradies für alte Menschen. Alles ist dort behindertengerecht ausgestattet, und es gibt dort auch immer eine Kranken- und Dialysestation und ausreichend Särge.“

(Ich musste beim Lesen laut lachen)

Ich hoffe, die Autorin bleibt uns noch lange erhalten und bin schon sehr gespannt auf ihr nächstes Projekt.

In diesem Sinne: große Leseempfehlung!

Cover des Buches Schizophrenie ist scheiße, Mama! (ISBN: 9783596189144)
Marcys avatar

Rezension zu "Schizophrenie ist scheiße, Mama!" von Janine Berg-Peer

Marcy
Nein Danke!

Ihr würde jedem der sich tatsächlich für das Thema Schizophrenie interessiert davon abraten. Nach einigen Seiten habe ich das Buch schon zur Seite gelegt und nach einem anderen geguckt. 

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