Janis Otsiemi

 3.8 Sterne bei 6 Bewertungen

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Libreville

Libreville

 (6)
Erschienen am 01.03.2017
Le chasseur de lucioles

Le chasseur de lucioles

 (0)
Erschienen am 03.04.2014

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Rezension zu "Libreville" von Janis Otsiemi

Zu konfus und gar nicht spannend
Schlehenfeevor 5 Monaten

Libreville ist die Hauptstadt des afrikanischen Landes Gabun und in dieser Stadt spielt auch der Kriminalroman des gabunischen Autors Janis Otsiemi.

Erzählt wird der Ablauf der Polizeiarbeit von circa einer Woche, leider werden die Fälle nicht besonders spannend beschrieben und relativ routiniert aufgeklärt. Man bekommt einen Einblick in die Polizeiarbeit eines armen und korrupten afrikanischen Landes und das entsprach nicht meinen Erwartungen, denn dem Roman fehlte komplett ein Spannungsbogen.

Der Hauptfall ist die Ermordung eines Journalisten, dessen Leiche am Strand gefunden wird. An diesem Aufhänger erzählt der Autor viel über sein Land, angefangen von der korrupten Herscherfamilie, die man leider in einigen Dritte-Welt-Ländern antrifft, der Korruption, der mangelnden Ausstattung der Polizei und des öffentlichen Dienstes bis hin zu Kritik an der Behandlung des Landes durch die alte Kolonialmacht Frankreich.
Vieles von diesen Punkten fand ich interessant, da ich so gut wie nichts über das Land am Äquator wusste, andererseits machten all diese Details den Roman zu überladen. Mir schien es, als wolle der Autor möglichst viele Infos über Gabun einfließen lassen.

Zu verwirrend waren auch die gleich klingenden Namen der Polizisten. Die Fälle werden zunächst von Ermittlerpaaren zweier verschiedener Instanzen bearbeitet. Ich kann leider den Unterschied der Institutionen nicht erklären, noch wusste ich zeitweise, wer da jetzt gerade handelt. War aber letztlich auch egal, denn die Ermittler sind alle nicht so sympathisch.
Der Schreibstil springt „von Hölzchen auf Stöckchen“, dazu der fehlende Spannungsbogen, was dazu führte, dass ich mich durch die Handlung schleppte. Zum Glück ist es ein kurzes Buch.

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Gwhynwhyfars avatar

Rezension zu "Libreville" von Janis Otsiemi

Afrika pur: Gabun
Gwhynwhyfarvor einem Jahr

»Die Stadt Libreville wiederum, die 1849 gegründet wurde, verdankt ihren Namen den freigelassenen Sklaven, die mit dem brasilianischen Sklavenschiff Elizia hier ankamen. Ursprünglich an der Küste, rund um das Fort d`Aumale errichtet, breitete sich Libreville immer weiter ins Landesinnere aus.«

Ein Krimi aus Gabun, einer fremden Welt für mich als Leser. Machos regieren die Welt, Korruption, Angst, Gewalt. Die Verhörmethoden sind so alt wie das Werkzeug der Polizisten. Verdächtige werden solange malträtiert, bis sie die Wahrheit sagen, bis sie gestehen. Von daher sind die Verhöre kurz und effektiv, Verdächtige kommen schnell in Plauderlaune. Der einzige PC ist im Besitz des Chefs und nur er kann ihn bedienen. Die Polizisten mühen sich auf einer Schreibmaschine ab, die aus der de Gaule-Zeit entstammt.

»Als er den Vorfall meldete, hatten sich die Polizisten gar nicht erst gefragt, wo und wie er zu so viel Geld gekommen war. Für sie war klar, dass auch er sich aus dem Staatssäckel bedient hatte. In Gabun war Korruption ein Nationalsport!«

Der Journalist Roger Missang wird ermordet in der Nähe des Präsidentenpalastes der Hauptstadt von Gabun, Libreville, angeschwemmt. In seiner Hosentasche befindet sich eine Patronenhülse, die zu einem anderen Mordfall hinweist. Wurde er ermordet, weil er über die Ermordung von Pacel Kurka, dem Sicherheitschef der gabunischen Verteidigung und über die Korruption im Land einen kritischen Bericht schrieb oder soll das ein Ablenkungsmanöver sein? Parallel wird in anderen Fällen ermittelt. Jemand hat pornografische Fotos von zwei Mädchen ins Internet gestellt, die darauf Suizid begangen. Wie soll man ohne technische Hilfsmittel ermitteln, wenn dazu noch klar ist, dass der Server des Täters sich im Ausland befindet, keine Ahnung davon hat, was eine IP-Adresse ist. Eine Frau wird mit Baby auf dem Arm von einem Geländewagen überfahren, beide sind tot. Einem einflussreichen Mann, ein ehemaliger Minister, wurde das Scheckheft geklaut und die Diebe erweisen sich als gute Unterschriftenfälscher, räumen sukzessive das Konto leer. Die Polizisten Owoula und Koumba, die Lieutenants Boukinda und Envame stehen unter Ermittlungsdruck.

Machos, wo man hinschaut. Ein Polizeiwagen fährt kaum ohne laufende Sirene los, es wird von allen Seiten bedroht und erpresst. Ein echter Kerl hat in Gabun neben der Ehefrau eine Geliebte. Aber die muss er auch finanzieren, ihr eine Bruchbude und den Lebensunterhalt bezahlen, Schulgeld für das Kind. Das funktioniert stressfrei, solange die Geliebte nicht schwanger wird. Denn die Ehefrau würde den Schlägel schwingen, nicht noch einen Bastard aufziehen wollen mit den eigenen Kindern und der Zorn des Schwiegervaters ist mächtig. Soweit die privaten Sorgen unserer Ermittler. Wir begleiten die Polizisten durch Libreville, über holprige Straßen, in miese Quartiere, flirrende Hitze, Staub, Verflechtungen von Regierung und Verbrechen, Krach mit Ehefrau und Geliebter. Man muss vorsichtig sein, wem man in dieser Stadt auf den Fuß tritt.

Janis Otsiemi hat eine eigene Sprache, was für mich sehr sympathisch daherkam. Wohl gängige Floskeln wurden nicht im Kontext übersetzt, sind aber verständlich, andere Ausdrücke werden im Glossar übersetzt: »Man konnte sehen, dass er Koumbas Mund nicht teilte.« (Nicht seiner Meinung sein), »gute Freundin« (Geliebte), »Feuer im Mund haben« (zänkisch sein). Aber es gibt auch Begriffe, die symptomatisch sind, wie »in die Flasche scheißen«, ein Begriff, der einen brutalen Verhörraum bezeichnet oder »Mange-mille«, so nennt man einen Polizisten, der Autofahrer abzockt, um in die eigene Tasche zu wirtschaften. Ein Krimi, der Einblick in die sozialen Verhältnisse von Gabun gibt, in afrikanischen Denkstrukturen, mit Liebe zum Land und Leuten, aber nicht ohne die kritische Seite außen vor zu lassen. Viel Stoff für 207 Seiten, und genau das ist am Ende das Problem. An sich ist der Krimi spannend, humorvoll, es gibt starke Milieustudien. Doch zum Ende war ich ein wenig enttäuscht über die schnelle Auflösung aller Fälle, die hopp, hopp durch Kommissar Zufall erledigt wurden. Ein lesenswertes Buch, um ein wenig mehr über Gabun zu erfahren.

Der Gabuner Janis Otsiemi erhielt 2010 den »Prix du Roman Gabonais« für seinen Kriminalroman »La vie est une sale boulot« (Deutsch: »Das Leben ist eine schmutzige Arbeit«). Er ist Secrétaire Général adjoint der «l`Union des Écrivains Gabonais.«

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Wurm200s avatar

Rezension zu "Libreville" von Janis Otsiemi

Libreville
Wurm200vor einem Jahr

Janis Otsiemi
Libreville
Polar Verlag

Autor: Janis Otsiemi wurde 1976 in France­ville, Gabun, geboren. Dichter, Es­sayist und Autor von Kriminalro­manen. Er erhielt 2010 den Le Prix du Roman Gabonais für sein Buch La vie est un sale boulot. Bei Edi­tions Jigal erschienen außer­dem La bouche qui mange ne parle pas (2010) und Le chasseur de lu­cioles (2013) sowie sein neuester Roman Les voleurs de sexe (2015), der für den Prix Ivoire 2016 nomi­niert ist. Er ist Secrétaire Général adjoint de l‘Union des Écrivains Gabonais. Seine Romane verfasst er in Fran­zösisch. (Quelle: BdB)

Nach langer Standzeit im Stau steigt der Polizist Louis Boukinda aus seinem Auto, weil er eine Menschenmenge sieht. Als er sich durch diese durchgekämpft hat, sieht er den Grund dafür am Strand legen, ein Toter. Sofort ruft er seinen Kollegen Hervé Envame an. Nach einigen Hypothesen wird klar, es handelt sich um Mord.

Das Buch ist in 10 Kapitel plus einem Epilog unterteilt, die all wiederum in mehrere Unterkapitel unterteilt sind (außer der Epilog). Jedes neue Kapitel ist auch ein neuer Tag in der Story des Buches, weshalb zur Überschrift immer auch der Wochentag gehört, der dick gedruckt ist. Die Unterkapitel selbst bestehen dann aber nur aus der Zahl des jeweiligen Unterkapitels. Die Zählung fängt hier mit jedem neuen Kapitel wieder bei 1 an. Vor dem Neuanfang eines neuen Kapitels finden wir außerdem eine Seite, auf der die Schlagzeilen der Zeitung zu finden sind. Schon beim Lesen des Klappentextes wird klar, dass es sich hierbei um keinen normalen Krimi handelt. Allein der Handlungsort Gabun ist alles andere als das, was man gewohnt ist. Auch die Ermittlungsmethoden drücken aus, dass dieser Krimi an einem Ort spielt, der nicht zeitgemäß ausgestattet ist. Auch der Tatsache des Handlungsortes geschuldet, sind die teils schwer auszusprechenden Namen. Hier greift der Autor dem Leser jedoch etwas unter die Arme und stellt am Ende des Buches ein kleines Glossar zur Verfügung, wo alle unbekannten Wörter erklärt stehen. Das Umblättern stört zwar etwas den Lesefluss, lässt sich aber verkraften. Der Autor gibt die Situation in dem Land auch sehr detailliert wieder, was dazu führt, dass man sich als Leser sehr gut in die Story reinfinden kann. Im Laufe des Buches begegnet dem Leser dabei auch mehr als nur einen Fall, den es gilt aufzuklären. Dabei wird schnell klar, dass die Zustände in dem Land alles andere als optimal sind. Leider werden die Tage teilweise sehr schnell abgehandelt (Beispiel ist der Donnerstag, dieser geht von Seite 83 bis 97). Außerdem sind mir leichte Unstimmigkeiten in den Namen aufgefallen (im Klappentext sind die Namen scheinbar zusammengewürfelt. Dies ist jedoch nur ersichtlich mit dem Klappentext auf dem Buch).

Cover: Das Cover ist fast ausschließlich Weiß gehalten (dies passt gut zum Namen des Verlags). Auf der Vorderseite sehen wir dann eine Zeichnung von Menschen, die wegrennen. Der Titel des Buches steht unter dieser Zeichnung und ist in Rot gedruckt. Aufgrund dieser Farbe hebt sich der Titel auch gut vom Hintergrund des Covers ab. Auf der Rückseite des Covers sehen wir gleich ein Element, das uns im Buch häufiger begegnen wird, nämlich das, was in Rot gedruckt wurde (die Schlagzeilen einer Zeitung).

Fazit: Ein nicht ganz alltäglicher Krimi, der sich dennoch lohnt zu lesen. Für sein Geld bekommt man mit diesem Buch ein Setting, welches man noch nicht allzu oft gesehen hat. An die vielen Fremdwörter muss man sicherlich erst gewöhnen, jedoch hilft einem das Glossar dabei. Gerne mehr Bücher dieser Art. Von mir gibt es 5/5 Sterne.

Klappentext: Ein Jahr vor den Wahlen wird Roger Missang, Journalist der Èchos du sud am Strand von Libreville nahe dem Palast des Präsidenten der Republik mit durchschossener Kehle aufgefunden. Er hat kritisch über die Ermordung von Pacel Kurka, dem Sicherheitschef der gabunischen Verteidigung, berichtet. Wegen seiner kritischen Untersuchungen über die heimlichen wirtschaftlichen Beziehungen in Ghana war er den Mächtigen des Landes ein Dorn im Auge. Er prangerte hemmungslos die Korruption an. Für die Presse ist sein Tod offensichtlich ein politischer Mord. Louis Boukinda und Hervé Envame, zwei Polizisten, die ohne die bei uns übliche DNA-Analyse und Forensik auskommen müssen, werden mit den Ermittlungen beauftragt. Sie sind auf Zeugenaussagen und Informanten angewiesen. Die technische Ausrüstung ihrer Einheit beschränkt sich auf eine Schreibmaschine aus der de-Gaulle-Zeit. (Quelle: BdB)

Autor: Janis Otsiemi
Titel: Libreville
Verlag: Polar Verlag
Genre: Krimi
Seiten: 220
Preis: 14,00
ISBN: 978-3-945133-43-9

http://wurm200.blogspot.de/

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