Janko Marklein Florian Berg ist sterblich

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Inhaltsangabe zu „Florian Berg ist sterblich“ von Janko Marklein

Janko Marklein ist ein phänomenaler Chronist der Abgründe westdeutscher Jugend.“ Olga Grjasnowa
Florian Berg möchte sprechen und kann oft nur stottern. Er will manchmal rennen, aber stolpert still vor sich hin. Er will sogar küssen und sieht doch zuerst den Leberfleck über Lines Mund. Er ist der beispielhafte Antiheld seiner Generation: matt, witzig, böse und voller Sehnsucht. Ein sauguter Debütroman, voller Komik und Wahrheit.
Florian Berg ist der menschgewordene Widerspruch. Kein Wunder bei diesen Eltern. Der Vater ist Pastor und in ihrer niedersächsischen Gemeinde für die Hochzeiten zuständig, die Mutter ist Pastorin und übernimmt die Beerdigungen. Florian zieht zum Studium nach Leipzig, doch die Widersprüche ziehen mit: Er ist Couch-Potato und Abenteurer, fühlt sich zu Mädchen hingezogen und von ihnen abgestoßen, er sehnt sich nach Liebe und hat Angst vor ihr. Bis er sich eines Tages von der Couch erhebt und auf große Tour geht. Kaum unterwegs, stellt er fest, dass er die größte Rechnung noch mit sich selbst begleichen muss.
„Florian Berg ist ein herrlicher Freak, der selbst den Jungs aus der ‚Big Bang Theory‘ Konkurrenz macht.“ Michael Wildenhain

Eine Story mit vielen unsympathischen Personen, anfangs sehr witzig und geistreich, gegen Ende eher schleppend

— fredhel

Handwerklich nix auszusetzen. Ansonsten ein lauwarmes Buch und der Klappentext streußelt Glitzer auf diese Wollmaus von einem Protagonisten.

— Tree_Trunks

Ein Roman über die Jugend der gewöhnungsbedürftig geschrieben ist

— Caroas

Interessant, da mal andere, sehr spezifische Charaktere mit vielen Macken und Problemen - mit seltenem Schreibstil, sprich schwarzer Humor..

— cheshirecatannett

Florian Berg: sterblich, pubertär, orientierungslos. Seine Libido treibt ihn nach Chile. Sein Liebeskummer zurück. Jugend: schwierig, auch.

— Buchstabenliebhaberin

Florian Berg wandelt durchs Leben, stumpf, fast schon stoisch und auf subtile Art und Weise gemein und doch verletzlich! Schwierig, aber gut

— Wortteufel

.....das Ende war entäuschend!

— Amina-Romano

Sehr eigenwillig und etwas anstrengend, regt aber zum Nachdenken an

— raven1711

Überspitztes Porträt eines jungen Studenten, der, von seiner schwierigen Jugend geprägt, auf dem Weg ist, sich selbst zu finden..

— mareike91

Amüsanter und skurriler Erzählton, der jedoch nicht von der Handlungsarmut des Romans ablenken kann.

— leselea

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  • Janko Marklein | FLORIAN BERG IST STERBLICH

    Florian Berg ist sterblich

    Bookster_HRO

    26. September 2017 um 15:50

    INHALT: Florian Berg (der sterblich ist, weil er ein Mensch ist und alle Menschen sterblich sind) studiert im ersten Semester Philosopie in Leipzig. Groß geworden ist er in einem kleinen Nest im Bremischen, wo er zwischen Harry-Potter-Romanen und Forellenteichen die ganze Breite ländlicher Langeweile kennenlernen durfte. Die spannendsten Dinge hier sind der wöchentliche Bücherbus und der heimische Eisvogel. Selbst sein Verein zur Pflege der Umwelt in Dorf und Umgebung, den er mit ein paar Freunden gründet, verkommt zu einem ziellosen Haufen von Dorfjungs, deren Horizonte aus Prügeleien und LAN-Partys bestehen. Seine neuen Bekanntschaften in Leipzig sind die politisch sehr korrekte Line und ihr tumber Ex-Freund Stefan, mit dem er sich eine Wohnung teilt. Und dann ist da noch Anna, seine Logik-Tutorin, in die er sich ein bisschen verschossen hat und der er aus einem Bauchgefühl heraus bis nach Chile folgt und mit ihr an Studenten-Protesten teilnimmt. FORM: Der Roman ist in fünfzehn Kapitel gegliedert, die abwechselnd in Leipzig (später in Chile) und im Bremischen Wulsbüttel ein paar Jahre früher spielen. Janko Marklein (*1988) wählte für seinen Erstling einen nüchternen Schreibstil fernab aller künstlerischer Spielereien. Klare, disziplinierte Sätze, die alles beschreiben, nur nicht die Innenwelt der Charaktere. Die muss man sich als Leser schon selbst zusammenschustern und da fällt eine Tatsache ganz besonders auf: Florian Berg ist furchtbar antriebslos. Alle Figuren haben Ziele, und wenn es nur das Beschaffen des nächsten Joints ist. Florian hingegen lässt sich treiben, reagiert nur und hat ganz klare Defizite in Sachen Empathie, ein Phänomen, dass sich nicht nur in der westdeutschen Provinz beobachten lässt (wie es unpassenderweise im Klappentext steht). Marklein hat dieses Vor-sich-hin-Leben stilistisch ganz gut eingefangen, die Frage, die sich mir stellt, ist jedoch: Wozu soll ich das lesen? Ich spoilere mal etwas, indem ich verrate, dass sich Florian so gut wie nicht weiterentwickelt (der Entschluss, seiner Angebeteten nach Chile zu folgen, ist schon das Äußerste an Aktivismus). Zu einem guten Roman gehört doch aber auch, dass die Figuren eine Entwicklung durchmachen und am besten zu irgendeiner Erkenntnis kommen. Das war hier leider nicht der Fall. Es gibt im letzten Kapitel ein Gespräch, bei dem Florian so etwas wie eine passable Selbstbeschreibung liefert, das fand ich als finale Einsicht allerdings etwas dünn. FAZIT: Marklein hat viel Talent aber wenig zu erzählen – drei Sterne. *** Diese und viele weitere Rezensionen könnt Ihr in meinem Blog Bookster HRO nachlesen. Ich freue mich über Euren Besuch ***

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  • Florian Berg, der Postheros

    Florian Berg ist sterblich

    ltrtrpunktde

    07. February 2016 um 15:25

    „Im Philosophischen Institut roch es nach Klebstoff. Florian kratzte sich am Kopf. Um ihn herum standen zahlreiche blasse Studenten. Manche lehnten an den Wänden des Ganges, die Hände in den Hosentaschen, den Kopf gesenkt. Andere saßen im Schneidersitz auf dem geblümten Teppichboden und tippten auf ihre iPads." So beginnt Florian Berg ist sterblich, und es ist schon auffällig, wie die Romanwelt gleich zu Beginn abgesteckt wird. Kein Aufbruch, nirgends. Stattdessen die übliche Uni-Studi-Topographie: Institut, Sprechstunde, Studenten, Büro-Feeling. Keine Ent-, sondern Begrenzung des Settings und des Personals. Als frage sich selbst Florian Berg, wo sein Autor ihn hineingesetzt habe, ist seine erste Romantat ein Kopfkratzen. Wenn er ahnen könnte, wie wenig aufregend die nächsten 335 Seiten für ihn (und den Leser) sein werden, hätte er vielleicht noch geseufzt oder den Kopf sinken lassen. Er wird in der Folge in eine Leipziger Studenten-WG einziehen, mit dem Mitbewohner Pizza essen, sich in seine Logiktutorin verlieben, Harry Potter lesen und sich für die Studienstiftung bewerben. In den kapitelweise zwischengeschalteten Rückblenden, in denen Florian als norddeutsches Provinzprodukt aus Wulsbüttel skizziert wird, geht es nicht weniger listenhaft zu. Eine Jugendbande wird gegründet, ein Bücherbus fährt vor, Florians Pastoreneltern streiten sich, Florian hängt Wahlplakate für „Die Grünen“ auf und ruft bei der Gemeinde an, als diese durch CDU-Plakate ersetzt werden. Diese karge Unaufgeregtheit und dieses weltanschauliche Understatement setzt Marklein stilistisch bis in das Vokabular hinein um: Florian Berg holt sich keinen runter, nein, er wichst auch nicht, Florian Berg „onaniert“. Er hat auch keinen Schwanz, sondern einen „Penis“, und als er irgendwann endlich mit seiner Tutorin Anna schläft, liest sich das so: „Florian schob seinen Penis wieder in Annas Vagina, stieß ein paar Mal kräftig zu, dann noch ein paar Mal nicht ganz so kräftig, Annas Becken zuckte.“ Das letzte Zitat zeigt beispielhaft: Es gibt wenig Konjunktionen in diesem Roman, wenige Und-So’s, Deshalbs, Weils oder Dahers. Irgendeine Welt dreht sich, irgendwelche Menschen reden miteinander, und ab und zu, wenn Florian genug Speichel im Mund oder Luft in der Lunge hat, sagt er auch ein paar Wörter wie „Mal sehen“, „Verrückt“, „Hm“ oder „Okay“. Gefühle wie Liebe oder Angst sind diesem Protagonisten fremd; wenn er denn etwas spürt, dann Körperlichkeiten, etwa „wie die Feuchtigkeit durch seinen Hosenboden und seine Unterhose bis an seine Pobacken dr[ingt].“ Mehr ist da nicht. Wenn dieser Florian Berg sich durch wenig mehr auszeichnet als durch sein Vorhanden-Sein, dann werden Nebensächlichkeiten zu einer geradezu aufsehenerregenden (und aufschreibwürdigen) Angelegenheit: „Florian sagte, er habe versehentlich zu viele Tomatenscheiben abgeschnitten, ob noch jemand welche wolle? Florians Vater lächelte Florian zu und sagte: »Gerne, mein Sohn.«“ Oder: „Professor Berger zog eine Pfeife aus seinem Jackett und fragte in die Runde, ob jemand Feuer habe. Tobi reichte ihm eine Packung Streichhölzer. Professor Berger zündete sich seine Pfeife an.“ So geht das in einem fort. Parallel zum Fort- und Leerlauf des inhaltlich und stilistisch Belanglosen steigt die Erwartung, dass dieser bräsige Deskriptionsstil doch in irgendetwas münden muss, dass Marklein alles in einer kühnen Volte zusammenstürzen lässt und einen narrativen Coup offenbart. Etwa wie es Alexander Schimmelbusch 2014 mit Die Murau Identität versuchte, als er cineastische Hardcore-Splatter-Szenen in seine Handlung einmontierte. Bei Florian Berg ist sterblich aber kommt nichts mehr. Janko Marklein verwehrt sich jedweder Art des Wagnisses mit einem non-chalanten „Nein, ich möchte das nicht“, um dann auf eine Art zu erzählen, als wäre er in Leipzig (Studium: Literarisches Schreiben) nie in Kontakt getreten mit dem Nervositätsstil von Rainald Goetz, den mäandernden Schleifen Thomas Bernhards oder W. G. Sebalds oder dem Schreibschulenliebling Raymond Carver. Womöglich ist gerade das radikal konsequent. Schließlich muss bei einem solch lümmeligen und lethargischen Protagonisten der erzählerische Coup ausbleiben. In dieser Fiktion hat nun einmal niemand Volten zu schlagen, weder Florian Berg noch sein Autor und schon gar nicht der Leser. Um mal eine These zu wagen: In dem Sinne ist Florian Berg das Konterfei der westlichen, postheroischen Gesellschaft. Er ist kein Held, nicht mal mehr ein Anti-Held, der sich ja als negativer Doppelgänger an ersterem ausrichtet und dadurch an Kontur gewinnt. Florian Berg aber kennt weder Commitment noch Zuneigung, er ist kein Gewinner, auch kein Loser, und er überlässt anderen die Verwaltung seiner Umgebung und seiner selbst. Wer wissen will, wie heldenlos die deutsche Seele geworden ist, lese, wie Marklein auf aheroische (und also wagnislose) Weise davon berichtet, wie Florian Berg die Geschichten des Zauberlehrlingshelden Harry Potter liest. Das nämlich ist der state of the art der deutschen Befindlichkeit. Diesem Befund entspricht auf anderer Ebene die liederliche Einfallslosigkeit, mit der Janko Marklein sein eigenes Leben literarisiert. Die Kurzvita am Ende des Romans lautet: „Janko Marklein wurde 1988 in Bremen geboren. Er studierte Literarisches Schreiben am Deutschen Literaturinstitut Leipzig und Philosophie an der Universität Leipzig sowie der Freien Universität Berlin. Ein Auslandsstudienjahr verbrachte er in Santiago de Chile.“ Wer will, darf jetzt kurz raten, wohin Florian Bergs Auslandsemester ihn führt oder in der Nähe welcher norddeutschen Stadt Florian Bergs Kaff liegt. Wieder kassieren die postmodernen Schreiberlinge eine Absage. Keine ironischen oder semi-faktischen Verdrehungen à la Christian Kracht, die die Souveränität des Autors beweisen, kein pseudo-biographisches Abdriften ins Fiktive, wie es Felicitas Hoppe in Hoppe kürzlich vorgemacht hat, keine hyperbiographische Detailderbheit, wie sie uns Karl Ove Knausgărd vorgelegt hat. Florian Berg ist Janko Marklein ist Florian Berg. Dieses Provinz- und Studileben Markleins bzw. Bergs wird ohne jegliche Kühnheit runtererzählt. 2013 versuchte Jan Brandt in seinem Romanerstling Gegen die Welt die deutsche Provinzjugend noch durch allerlei Schreib-Gimmicks aufzupeppen: durch den sog. „epischen Atem“ des Romans (927 Seiten), durch eine Simultanstory, die parallel zum Hauptplot über 150 Seiten im unteren Seitendrittel verläuft sowie durch typographisch abgesetzte Einschübe. Marklein will nichts dergleichen, und bis zuletzt stellt sich mir die Frage, ob der Roman deswegen wenig mehr ist als ein stilistisch bewundernswert präziser Betrug, der nichts will, der einem nichts gibt, für den man irrigerweise aber Zeit und Geld opfert. Oder er ist in seiner Poetik symptomatisch für die Jetzt-Zeit und bildet auf hervorragende Weise das Gegenwärtige ab, für das wir, die wir mittendrin stehen, bereits blind geworden sind. Nehmen wir letzteres an: Dann hat Janko Marklein mit Florian Berg ist sterblich die feuilletonistischen Vorwürfe, die den deutschen Jungautoren gelten, zu einem literarischen Entwurf umgestülpt. Maxim Biller warf der jungen Literatur in einem Text mit dem Titel „Letzte Ausfahrt Uckermarck“ vor, „so unglaublich langweilig“ zu sein, Enno Stahl sprach davon, dass es sich um eine Literatur handele, die „sehr langweilig ist, da sie zu großen Teilen von Autorinnen und Autoren verfasst wird, die nichts erlebt und nichts zu erzählen haben.“ Und Florian Kessler antwortete auf die selbstgestellte Frage, „warum [..] die deutsche Gegenwartsliteratur so brav und konformistisch“ geworden sei, mit der Polemik, dass sie lediglich von anpassungswilligen Arzt- und Richtersöhnen verfasst werde. (Janko Marklein ist übrigens wie sein Protagonist Pastorensohn.) Markleins Antwort hierauf, brav und subversiv zugleich: Ich bin also langweilig und bieder? Zwar schreibhandwerklich hervorragend ausgebildet, bloß ohne jegliche Erfahrung, die weiter reicht als Erasmus? Ja, gut, dann bitte, voilà, ich gebe euch: Florian Berg ist sterblich. erweiterte Fassung der Kritik auf: www.ltrtr.de

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  • Florian Berg regt mich auf!

    Florian Berg ist sterblich

    Tree_Trunks

    Es tut mir leid für den Autor, dass er eigentlich ein guter Handwerker ist, aber dafür ein Erzähler ohne Geschichte. Vielleicht missdeute ich ja auch alles und es ist Absicht, den Lesern mit der Abwesenheit von Erzählenswertem zu quälen. Herr Marklein, es hätte der Roman für meinen Jahrgang werden können. Einen ganzen Stern habe ich gespendet für LAN-Parties mit schwerem Equipment und Spielen wie Monkey Island bis Warcraft 3.  Und noch einen Stern für mein good ol' Hypezig. Sehr nett. Nur leider ist der Protagonist kein widersprüchlicher Antiheld, der einen mutigen Schritt wagt -  wie es der Klappentext beschönigt. Florian Berg ist ein armes Würstchen, eine Wollmaus von einer Romanfigur. Das Buch ist bestenfalls lauwarm und das ändern auch nicht die chemielosen aber expliziten Sexszenen. Und überhaupt: Wie schafft es diese menschgewordene Raufaser-Tapete eigentlich ständig von diesen merkwürdigen Mädels ohne sein zutun gevögelt zu werden? Aber immerhin ein weiterer Stern für die Nutzung von Kondomen, die werden in der Literatur sonst eher selten erwähnt. Dann ist auch noch ein bisschen Politik dabei und das rettet diese ganze Geschichte vor der absoluten Bedeutungslosigkeit, obwohl Florian Berg so richtig keine Überzeugung zu haben scheint. Schließlich ist hier auch noch ein Hauch von bodenständiger Jugend im Grünen und eine Prise seltsame Eltern, aber wer hatte das nicht? Vielleicht ist dieser Verriss ungerechtfertigt, weil es vielleicht auch nur enttäuschte Erwartungen sind - gepaart mit kompletten Unverständnis der Absicht des Autors. Tut mir leid Herr Marklein, du bist bestimmt nett, aber ich mochte das Buch einfach nicht.

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    • 3
  • Die schonungslose, abgründige Schilderung einer durchschnittlichen westdeutschen Jugend?

    Florian Berg ist sterblich

    Wortteufel

    16. December 2015 um 10:17

    Was ist geschehen? Florian Berg ist sterblich! So die logische Konklusion aus den Prämissen, dass alle Menschen sterblich sein und Florian Berg schließlich auch nur ein Mensch. Doch Florian Berg ist nicht einfach ein Mensch. Aufgewachsen im ebenso malerischen wie durchschnittlichen Wolfenbüttel in Niedersachsen, geht der Musterschüler schließlich nach Leipzig, um Philosophie zu studieren. Er erzählt seine Geschichte selbst und Retrospektiven auf die Jugend wechseln sich ab mit den Schilderungen des Studentenlebens in Leipzig. Dabei ist das eine wie das andere eigentlich unendlich normal und gradlinig. Doch Florian Berg ist irgendwie anders. Während er sein Dasein in einem sonderbaren Zustand der absoluten Teilnahmslosigkeit fristet, entwickeln sich keine Beziehungen, keine echten Freundschaften. Florian Berg glänzt mit absoluter Empathielosigkeit – ein Zustand, der bis zum Abitur anhält und den er schließlich auch im Gepäck hat, als er Leipzig erreicht und so setzt sich in seinem Studentenleben fort, was in der Jugend begann – Florian Berg kann einfach nicht anders. Was ist davon zu halten? An ihm scheiden sich die Geister und so schrecklich einsilbig, oberflächig und irgendwie langweilig Florian Berg auch ist – er erhitzt die Gemüter, er regt auf, er lässt den Leser den Kopf schütteln und eigentlich tut er doch immer nichts. Doch das ist das schlimme, das grausame an ihm. In ihm brennt kein Feuer, lodert keine Leidenschaft – für nichts! Dabei ist Florian Berg durchaus ein durchschnittlicher Jugendlicher. Er engagiert sich für den Umweltschutz und zockt mit seinen Freunden auf LAN-Partys die Nächte durch. Er kommt aus geordneten Verhältnissen, die Eltern sind beide Pastoren und obwohl in der Ehe nicht immer eitel Sonnenschein herrscht, gelingt es den Bergs doch, einen gemeinsamen Weg zu finden. Doch spätestens an der Beziehung Florians zu seinen Eltern reibt sich der Leser und fragt sich, was mit dem Protagonisten eigentlich nicht stimmt, denn während es für alle Welt mehr als deutlich scheint, dass die Ehe Florians Eltern in der Krise steckt, geht diese an ihrem einzigen Sohn vollkommen unbeachtet vorbei – allen Bemühungen des Vaters zum Trotz, den Sohn irgendwie „auf dem Laufenden“ zu halten. Was hier beginnt, will dann nicht enden. Gleich, ob es sich um Florians erste, zweite oder dritte Begegnungen mit dem anderen Geschlecht handelt oder in seinen Beziehungen zu seinen Schulfreunden und später zu seinen Kommilitonen, Florian bleibt seltsam kalt und teilnahmslos. Nicht einmal den lang erhofften Sex mit seiner Angebeten vermag irgendeine echte Regung in ihm auszulösen. So gerät Florian Berg – zweillos vom Autor gewollt – zum absoluten Unsympath. Eine Figur, die genau das ist, was der Leser von einem Jugendlichen der 90er Jahre erwartet und doch wieder nicht. Zudem erzählt Janko Marklein eine Geschichte ohne Geschichte, denn alles in allem ist Florians Leben und Dasein so eintönig und durchschnittlich, dass es des Erzählens eigentlich nicht wert ist. Was den Leser an die Geschichte bindet und in ihr hält, sind zum einen Florians Andersartigkeit, die Marklein so erschütternd trocken und als gegeben darstellt, dass es fast schon wehtut und zum anderen der gelungene Erzählstil, denn Marklein versteht sein Handwerk. Mehr Farbe und Leben erhält die Geschichte durch all die Randfiguren, denen Florian begegnet. Menschen, die oft mit sehr viel mehr Leidenschaft bei der Sache sind und doch auch alle ihr Päckchen tragen. Keiner von ihnen ist so ganz normal und doch ist niemand wie Florian. Am Ende packt es Florian und die Sehnsucht nach der geliebten Frau treibt ihn zu einer Reise nach Chile. Spätestens hier wird die Geschichte leider etwas zäh, denn obwohl Florian für seine Verhältnisse viel Einsatz zeigt, um die Angebete zu erobern, verpuffen diese Bemühungen doch im Nichts. Florian bleibt unsympathisch bis zum Schluss, nicht einmal mehr bedauern mag ihn der Leser. Fazit: Dennoch ist „Florian Berg ist sterblich“ das mehr als gelungenes Debüt eines jungen Autors, der ein überspitztes Bild der Zeit seiner eigenen Jugend zeichnet und neben Bov Bjorgs "Auerhaus" so gut in das aktuelle Programm von Blumenbar passt, wie kein zweites Buch. Markleins Erzählstil und -technik sind überraschend ausgereift und wirken trotz aller Handwerkskunst nie gewollt oder gezwungen. Der Leser darf gespannt bleiben, was Janko Marklein in Zukunft noch für uns bereithält. Diese und weitere Rezensionen findet ihr auch auf meinem Blog www.wortteufel.de!

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  • Gefühlskalt

    Florian Berg ist sterblich

    fredhel

    15. November 2015 um 20:13

    Florian Berg ist Philosophiestudent in Leipzig. Kapitel, die sein Studentenleben schildern, wechseln sich ab mit Rückblicken aus seiner Jugend im malerischen niedersächsischen Wuhlsbüttel. Er ist intelligent mit guten Schulnoten, er hat Freunde, er engagiert sich politisch. Dennoch werde ich das Gefühl nicht los, dass er sein Leben wie unter Glas lebt. Eine echte Beziehung kommt nicht zustande. Seine Kontakte zu Mädchen und Frauen dienen nur seinen eigenen Interessen. Ich finde ihn opportunistisch und vor allem unsympathisch. Doch auch seine Mitmenschen kommen alle nicht gut weg. Sein depressiver Vater oder die plumpe Kommilitonin Line oder der sich später umbringende Udo zum Beispiel, von ihnen allen werden eher die negativen Seiten gezeigt,  Zum Glück hat der Autor eine sehr humorvolle Art zu schreiben, die mich lange Zeit schmunzeln und jede Seite mit Begeisterung verschlingen ließ. Doch gegen Ende, auf Florians Trip nach Chile, verließ mich die Begeisterung. Es wurde einfach eine zähe Geschichte.  Das und die unsympathischen Charaktere tragen dazu bei, dass ich Florian Berg leider nicht die volle Punktzahl geben kann.

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  • Große Verlosung zum Leserpreis 2015: 5 Buchpakete mit je 50 Büchern!

    Ein ganz neues Leben

    Daniliesing

    Lust auf eins von 5 riesigen Buchpaketen zum Leserpreis 2015? Es ist wieder soweit - für den Leserpreis 2015 suchen wir eure Lieblingsbücher. Wir sind schon wahnsinnig gespannt, welche Bücher euch in diesem Jahr am meisten begeistern konnten und können das Ergebnis, das am 26. November feststehen wird, gar nicht erwarten! PS: Die Gewinner stehen mittlerweile fest! Hier könnt ihr alle Preisträger und Platzierungen sehen! Unsere große Verlosung für euch! Jedes Jahr, wenn der Leserpreis näher rückt, dann kommt bei uns eine ganz besondere Stimmung auf. Es ist ein bisschen, als würde Weihnachten einfach mal 2 Monate nach vorn gezogen und würde ganz lange dauern :-) Deshalb möchten wir euch neben den tollen Buchempfehlungen und der Möglichkeit selbst mitzuentscheiden, auch eine ganz besondere Verlosung bieten. Wir werden nach der Bekanntgabe der Leserpreis-Gewinner insgesamt 5 Buchpakete mit jeweils 50 Neuerscheinungen verlosen. Fünf Gewinner dürfen sich also über eine ordentliche Ladung neuen Lesestoff freuen! Und mal ehrlich - davon kann man doch nie genug haben, oder? 1. Um an der Verlosung teilzunehmen, gibt es verschiedene Möglichkeiten - 3 der 5 Buchpakete verlosen wir unter allen Bloggern, die auf ihrem Blog über den Leserpreis berichten und darauf verlinken. Bitte teilt uns den Link zu eurem Blogbeitrag hier mit, indem ihr oben auf den blauen "Jetzt bewerben"-Button klickt und das Formular komplett ausfüllt! http://www.lovelybooks.de/leserpreis/ Grafikmaterial findet ihr hier! 2. Wenn ihr keinen Blog habt, könnt ihr alternativ auf den Social Media Kanälen wie Facebook, Twitter, Google + und ähnlichen auf den Leserpreis hinweisen. Unter allen, die das machen, verlosen wir noch mal 2 Buchpakete mit jeweils 50 Büchern. Wichtig ist hier, dass ihr euren Beitrag öffentlich teilt und ihn uns hier verlinkt. Bitte verlinkt, indem ihr oben auf den blauen "Jetzt bewerben"-Button klickt und das Formular komplett ausfüllt, direkt auf eurer Posting und nicht auf euer gesamtes Profil. Außerdem müssen in eurem Social-Media-Posting unbedingt der Link zum Leserpreis und der Hashtag #Leserpreis enthalten sein. http://www.lovelybooks.de/leserpreis/ 3. Ihr habt weder einen Blog, noch seid ihr auf einem der Social Media Kanäle aktiv? Dann verratet uns, indem ihr oben auf den blauen "Jetzt bewerben"-Button klickt und das Formular komplett ausfüllt, ein Buch, das ihr durch den diesjährigen Leserpreis entdeckt habt und das ihr jetzt unbedingt lesen möchtet. Unter allen, die das machen, verlosen wir noch mal 5 einzelne Bücher, die die jeweiligen Gewinner auf ihren Wunschzetteln haben. Ihr dürft natürlich auch 1 & 2 oder 1, 2 & 3 kombinieren und so eure Chancen steigern :-) Die Teilnahme ist bis einschließlich 29. November möglich! Wir wünschen euch ganz viel Spaß & schaut doch mal rein, welche Bücher in diesem Jahr das Rennen gemacht haben! PS: Die angehängten Bücher sind ein paar Beispiele, was sich im Buchpaket befinden könnte. Wir haben hier aber eine ganz bunte Auswahl und ihr könnt euch dann von einem riesigen Überraschungsbuchpaket begeistern lassen!

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    • 1599
  • Florian Berg

    Florian Berg ist sterblich

    Letizia

    10. October 2015 um 09:16

    Florian Berg ist ein ganz gewöhnlicher Jugendlicher und auch wieder nicht. Er ist ein wandelnder Widerspruch, der geborene Antiheld mit einer ungewöhnlichen Geschichte. Seine Eltern leiten als Pastor und Pastorin die Kirche der Gemeinde. Seine Freunde gehen mit ihm zur Schule und zusammen veranstalten sie LAN-Partys. Auch mit Mädchen macht er bald seine ersten Erfahrungen. Doch auch mit dem Umzug nach Leipzig bleibt die Andersartigkeit an ihm haften. Die Geschichte wird aus Florians Sicht erzählt. Dabei bekommt der Leser Einblick in seine Kindheit/Jugend und seine Zeit als Philosophiestudent in Leipzig. Die beiden Sichten wechseln sich in den Kapiteln immer ab. Manchmal etwas zu unvermittelt, so dass man sich erst immer wieder zurechtfinden muss. Der Schreibstil ist anfangs etwas stockend, bis man dann in die Geschichte hineinfindet, hat man sich aber daran gewöhnt.  Florian Berg ist ein eher ungewöhnlicher Hauptprotagonist. Eigenwillig mit merkwürdigen Charakterzügen. Man könnte ihn fast einen Außenseiter oder Freak nennen. Doch seine eigene Art und die Widersprüche, die er verkörpert, machen ihn auch in gewisser Weise zu einem Antihelden. Die Geschichte bietet dem Leser sehr viel. Witzige wie traurige Passagen, aber auch Szenen, die einem zum Nachdenken bringen. Trotzdem hat mir bis zum Schluss etwas gefehlt. Die Nebencharaktere sind oft eher fad und nicht so ausgearbeitet wie der Hauptprotagonist. Auch wusste ich nicht wirklich wohin die Geschichte führen soll und das Ende hat mich daher auch nicht wirklich überzeugt. Ein interessantes Buch über das Leben und Erwachsenwerden, aber leider nicht ganz überzeugend.  

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  • Ach, Jugend ...

    Florian Berg ist sterblich

    Buchstabenliebhaberin

    Florian Berg studiert Philosophie. Das erklärt auch den Titel, denn er ist eine logische Herleitung aus "Alle Menschen sind sterblich.""Florian Berg ist ein Mensch." Aber so poetisch ist das Buch nicht! Florian und seine Weggefährten sind unbeholfen, grausam, eher emotionsarm denn romantisch. Aber es sind Jugendliche auf ihrem Weg erwachsen zu werden. Der geschätzte Leser, oder Leserin, dürfte sich selbst an einigen Stellen wiedererkennen. Für mich ist Florian Berg ein ganz normaler Jugendlicher, auch seine Eltern im Dienste der Kirch finde ich recht banal mit ihren kleinen Problemchen und depressiven Verstimmungen. Die Kindheit der Bande auf dem Dorf liest sich sehr amüsant, die Kids probieren sich aus, spielen Verein, Mutprobe, Bürgerwehr, Umwelt- und Tierschützer. Sie hänge ab und rum, es ist die Zeit der ersten Computerspiele, was sollen sie auch anderes machen, als dreimal um den Teich laufen oder Ballerspiele spielen. Das Buch wechselt zwischen Kindheit/Teenager und Studentenleben. Der junge Erwachsene Florian schleicht irgendwie passiv durch die Uni, landet so auch in den berechenbaren Armen der fiesen Line, die gleich auf frontalen Körperkontakt geht. Er will sie nicht, will aber den Zugang zur Philosophie-Vorlesung, den Kontakt zum WG-Mitbewohner, Infos zur heißen Tutorin Anna. So nehmen die Dinge ihren Lauf. Und wie es oft so ist: Nicht unbedingt so, wie Florian sich das gewünscht hätte! Das Buch ist wunderbar unaufgeregt. Die Sprache ist beobachtend und beschreibend - ein Stil, den ich mag, der meine Fantasie anregt. Mich stören überbordende Gefühlsregungen nur, die brauche ich nicht. Die Jugendlichen sind, wie Jugendliche meiner Meinung nach oft sind. Starr, wenn die Eltern unsicher werden und sie mit komischen Emotionen belasten. Distanzierend, wenn die Freunde sich daneben benehmen. Experimentierfreudig, wenn es um sexuelle Aktivitäten geht. Sie probieren sich aus. That´s it. Warum sollte der frischgebackene Student bereits die Weisheit mit Löffeln gefressen haben? Er trudelt, er verliebt sich, er hat Sex. Er demonstriert, er opportuniert, er reist. Studentenleben. Ab und an fällt der Groschen. Bei Florian. Aber nur ein bisschen. Was mich störte, waren die auffällig vielen Markennamen. Ja, sie stellen einen zeitlichen Bezug her, geben Zeugnis über demografische Daten. Hier hätte mir ein wenig mehr Neutralität gefallen. Insgesamt finde ich es ein tolles Jugendbuch. Nicht nur für Jugendliche. Weil es so normal ist. Das Normale macht es zum Besonderen. Für mich.

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    • 2

    wandablue

    19. September 2015 um 09:27
  • Leserunde zu "Florian Berg ist sterblich" von Janko Marklein

    Florian Berg ist sterblich

    JankoMarklein

    Florian Berg möchte sprechen und kann oft nur stottern. Er will manchmal rennen, aber stolpert still vor sich hin. Er will sogar küssen und sieht doch zuerst den Leberfleck über Lines Mund. Er ist der beispielhafte Antiheld seiner Generation: matt, witzig, böse und voller Sehnsucht. Florian Berg ist der menschgewordene Widerspruch. Kein Wunder bei diesen Eltern. Der Vater ist Pastor und in ihrer niedersächsischen Gemeinde für die Hochzeiten zuständig, die Mutter ist Pastorin und übernimmt die Beerdigungen. Florian zieht zum Studium nach Leipzig, doch die Widersprüche ziehen mit: Er ist Couch-Potato und Abenteurer, fühlt sich zu Mädchen hingezogen und von ihnen abgestoßen, er sehnt sich nach Liebe und hat Angst vor ihr. Bis er sich eines Tages von der Couch erhebt und auf große Tour geht. Kaum unterwegs, stellt er fest, dass er die größte Rechnung noch mit sich selbst begleichen muss. --- Jetzt bewerben! Ich lade euch alle ganz herzlich ein, an der Leserunde zu meinem Debütroman "Florian Berg ist sterblich" teilzunehmen. Ich bin sehr gespannt auf alle Leseeindrücke und werde natürlich selber mitdiskutieren. Bewerbt euch mit einem Klick auf den blauen "Jetzt Bewerben"-Button und im Unterthema "Bewerbung/Ich möchte mitlesen", gerne mit ein paar Worten dazu, warum ihr mein Buch lesen möchtet und was ihr erwartet.* Und hier noch eine kleine Leseprobe, die allerdings noch nicht zu viel verrät: --- Leseprobe aus "Florian Berg ist sterblich" An Florians fünfzehntem Geburtstag wurde Wulsbüttel zum ersten Mal in der Tagesschau erwähnt. In der Nacht zuvor war der zehnjährige Sebastian aus einem Schlafsaal des Dreptehofs verschwunden. Der Dreptehof war eine Herberge, die von Schulklassen aus ganz Deutschland besucht wurde und bereits zahlreiche Auszeichnungen von überregionalen Herbergsmagazinen erhalten hatte. Sogar im Reiseführer Lonely Planet Deutschland gab es im Niedersachsenkapitel einen kurzen Artikel über den Dreptehof, in dem vor allem die herzliche Art des bärtigen Herbergsleiters Rupert lobend hervorgehoben wurde. Für Florian wurde sein Geburtstag eine Enttäuschung. Zwar bekam er von seinen Eltern einen neuen Computer mit NVidia-Grafikkarte geschenkt, doch bereits beim Mittagessen drehten sich die Gespräche nicht mehr um ihn, sondern nur noch um den kleinen Sebastian aus Osterholz-Schambeck, von dem man befürchtete, er sei einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen. Florians Mutter erzählte, am Vormittag habe Sat1 angerufen, um mit ihr ein Interview zu vereinbaren. "Warum denn gerade mit dir?" fragte Florians Vater und tat sich noch ein paar Tortellini auf. Sie sei eben Wulsbüttler Gemeindepastorin, sagte Florians Mutter. "Na und", sagte Florians Vater, er sei doch ebenfalls Wulsbüttler Gemeindepastor. "Wenn du willst", sagte Florians Mutter, "kann ich Sat1 darum bitten, das Interview mit dir zu führen." Florians Vater nahm einen Schluck Orangensaft und sagte: "Ach was!" Während des Nachtischs erzählte Florians Mutter, sie sei auf dem Weg zum Edeka in eine Gruppe von über zwanzig Polizisten gelaufen, begleitet von mehreren Spürhunden. Florians Vater berichtete, die Wiese vor der Volksbank sei mit zahlreichen Polizeimannschaftswagen zugeparkt. Florian sagte, das sei noch gar nichts. Er habe, als er mit dem Schulbus nach Hause gefahren sei, am Himmel einen Polizeihelikopter gesehen, beim Gebiet, direkt über den Forellenteichen. Florians Mutter sagte: "Ach Gott, der arme Sebastian, hoffentlich ist ihm nichts geschehen." Als Sebastian auch in den nächsten Tagen verschwunden blieb, kündigten im Dreptehof nach und nach alle Reisegruppen ihre Reservierungen. Sobald Florian hiervon erfuhr, rief er beim bärtigen Rupert an, und dieser erklärte sich bereit, Florian den großen Gemeinschaftsraum für seine Geburtstagsfeier zu überlassen. Wegen des günstigen Mietpreises, zehn Euro pro Tag, lud Florian seine Vereinsfreunde zu einer ununterbrochenen Drei-Tage-LAN-Party ein. Sie trafen sich an einem Freitagnachmittag. Wie immer brachte jedes Vereinsmitglied seinen eigenen Computer mit, außerdem Chips, Cola, Fertigpizzen, eine Isomatte und einen Schlafsack. Alle Vereinsmitglieder besaßen wuchtige Towergehäuse, dazu 17-Zoll-Röhrenbildschirme, sodass es über eine Stunde dauerte, bis die Computer aufgebaut und verkabelt waren. In der ersten Nacht spielten sie Age of Empires II, jeder gegen jeden, dann eine Weile Battlefield 1942, dann Unreal Tournament. Florians bester Freund Ole gewann jedes Spiel. Nur einmal gelang es Florian beinahe, Ole in einem Warcraft-III-Match zu schlagen. Mit einem Spähtrupp von fünf Ghuls und einem Schattenritter stürmte er Oles Lager und tötete all seine Arbeiter. Doch Ole konterte mit einer übermächtigen Armee aus Speerwerfern. Am Morgen brachte der bärtige Rupert ein Tablett mit frisch geschmierten Marmeladen- und Honigbrötchen. Malte, Juria und Tobi frühstückten, ohne vom Bildschirm aufzublicken. Florian und Ole saßen eine Weile zusammen mit Rupert in der Sofaecke. "Früher", sagte Rupert, "waren die Kinder verschmitzter." Florian fragte, wie er das meine. Rupert sagte: "Ihr guckt ja den ganzen Tag nur auf die Glotze!" Als Rupert wieder gegangen war, sagte Ole: "Der hat den kleinen Sebastian doch selbst vernascht, das alte Schleckermaul." Florian steckte sich den Rest seines Honigbrötchens in den Mund. Sein Blick blieb an Maltes Towergehäuse hängen. Er hatte es an der Seite aufgeschraubt, um den Prozessorlüfter nicht zu überlasten. Auf dem Motherboard blinkten drei grüne Dioden. Auf dem CD-Laufwerk klebte ein Sticker mit der Aufschrift: "ENTER THE HELL OF GAMING". Gegen Mittag, nachdem Ole bei Counter-Strike vier Stunden lang ununterbrochen die Liste mit den Kills angeführt hatte, den normalen und den Headshots, zog er sich die Kopfhörer von den Ohren, blickte mit weit aufgerissenen Augen in die Runde und rief, das sei ja nicht mitanzusehen, dieses orientierungslose Herumgeballere, eine Schande für den Verein. Eine Weile nervte er die Gruppe, indem er sich seine rechte Hand zuerst vorne in die eigene Hose steckte und dann einem der anderen Vereinsmitglieder dicht vor die Nase hielt. Dabei rief er "Achtung, Sackgeruch!" oder "Pipialarm!" oder "Mjam, mjam, Eichelkäse!" Er ging reihum, ließ nur Florian aus, sodass dieser in kurzer Zeit auf der Kills-Liste auf den zweiten Platz anstieg, übertroffen nur noch von Malte, der sich von Oles stinkender Hand nicht ablenken ließ. Am Sonntagmorgen kam für ein paar Stunden Oles jüngerer Bruder Jonas vorbei, begleitet von seiner Freundin Isa. Gemeinsam spielten sie eine letzte Runde Battlefield 1942. Florian war sehr müde und wurde ständig erschossen. In den Wochen nach seiner Geburtstagsparty war es in Wulsbüttel so heiß, dass Florian die meiste Zeit zu Hause verbrachte, wo es dank der dicken Pfarrhaussteinwände immer erfrischend kühl blieb. Nachmittags saß er allein in seinem Zimmer und spielte Computer. Wenn er mit den Hausaufgaben begann, lagen seine Eltern oft schon im Bett. Einmal, als er spätabends an ihrem Schlafzimmer vorbeiging, um sich in der Küche noch einen Kakao zu machen, hörte er, wie sein Vater rief: "Mäuschen, mein liebes, liebes Mäuschen!" Florian blickte durch den Türspalt. Florians Mutter saß auf der Bettkante, noch in Bluse und Anzughose. Florians Vater, der schon seinen rotgepunkteten Pyjama trug, saß hinter ihr und massierte ihre Schultern. Florian ging in die Küche, kochte Milch auf und rührte sich den Kakao an. Als er zurückkam, war im Schlafzimmer seiner Eltern das Licht ausgeschaltet, doch von drinnen war erneut die Stimme seines Vaters zu hören, plötzlich heiser. "Ich würde mir wünschen...", sagte er. "Was denn?" fragte Florians Mutter. "Ich würde mir wünschen...", sagte er noch einmal. "Wir könnten einmal versuchen, zum Beispiel..." Florians Mutter schnalzte mit der Zunge und sagte: "Gute Nacht." Die Bettdecke raschelte. Florian blieb noch eine Weile im Flur stehen und pustete in seine Tasse. Im Herbst war der kleine Sebastian Thema einer Spezialausgabe der ZDF-Kriminalsendung Aktenzeichen XY ungelöst. Kurz darauf stellte die Polizei offiziell ihre Suche ein. Es gab eine Trauerfeier vor dem Wulsbüttler Dorfgemeinschaftshaus, bei der es die ganze Zeit regnete. Als Pastorensohn stand Florian wie immer in der ersten Reihe, als einziges Kind zwischen einer Delegation niedersächsischer Landtagspolitiker. Der Bürgermeister hielt eine kurze Ansprache, dann trat Sebastians Mutter an das Redepult, bedankte sich bei den Wulsbüttlern und bei der Polizei für die Unterstützung und brach in Tränen aus. Als Letztes sprach Florians Mutter, sie sagte: "Manchmal können wir Gott nicht verstehen." Florians Vater hielt ihr während ihrer Trauerrede einen Regenschirm über den Kopf. Die Vermisstenfotos, die in Wulsbüttel an jedem Laternenpfahl hingen, wurden vorerst noch nicht abgenommen. Sie zeigten den kleinen Sebastian im Schlafanzug, auf einem blauen Kinderbett. Im Arm hielt er ein Plüsch-Pokemon, den putzigen Pikachu. Am Abend, als Florian bereits vor sich hinschlummerte, kam sein Vater noch einmal ins Zimmer und setzte sich zu ihm auf die Bettkante. Er räusperte sich mehrmals, bevor er zu sprechen begann. "Du hast sicher schon bemerkt", sagte der Vater, "dass dein Penis manchmal wie von alleine größer und dicker wird." Florian richtete sich auf und schob sich ein Kissen in den Nacken. Der Vater hatte das Licht nicht eingeschaltet, sodass Florian nur eine dunkle Silhouette sah, deren Oberkörper leicht nach vorne gebeugt war. "Vielleicht", sagte der Vater, "hast du deinen Penis auch schon einmal angefasst und daran gerieben und es ist dann eine weiße Flüssigkeit herausgekommen." Als Florian hierauf nichts antwortete, sagte der Vater mit plötzlich leiser Stimme: "Na ja, ist ja auch egal." Dann stand er auf und ging wieder hinaus. Am ersten Advent wurde in einem Waldstreifen bei Stade, eine Autostunde von Wulsbüttel entfernt, eine Kinderleiche gefunden. Doch bereits nach wenigen Stunden gab die Polizei bekannt, dass es sich nicht um den kleinen Sebastian aus Osterholz-Schambeck handelte, sondern um die kleine Anna-Lena aus Wunstdorf bei Hannover. Trotzdem liefen kurz vor Weihnachten noch einmal ein paar Reporter durch Wulsbüttel und fragten die Menschen auf der Straße, ob sie heute, ein halbes Jahr nach der Tragödie, wieder im Alltag angekommen seien. Ein paar Tage später wurde zu dem Thema in der Nordseezeitung eine Statistik mit Balkendiagramm veröffentlicht. Siebzig Prozent der Wulsbüttler waren noch nicht wieder im Alltag angekommen. Zwanzig Prozent waren zwar wieder im Alltag angekommen, spürten jedoch eine große Leere oder ein ähnliches Gefühl der Vergeblichkeit in sich. Lediglich zehn Prozent waren der Meinung, die Tragödie vollkommen überwunden zu haben. Neben der Statistik war ein Interview mit dem Wulsbüttler Bürgermeister abgedruckt, in dem er den Fall Sebastian als eine unendlich tiefe Wunde bezeichnete. Eine wenig originelle und zugleich unlogische Metapher, befand Florians Mutter, als das Interview beim Abendessen zur Sprache kam. Florian schnitt sich eine Tomate auf. "Da warst du ja besser", sagte Florians Mutter und streichelte Florians Vater über den Oberschenkel. Florian sagte, er habe versehentlich zu viele Tomatenscheiben abgeschnitten, ob noch jemand wolle? Florians Vater lächelte Florian zu und sagte: "Gerne, mein Sohn." Florians Mutter hatte den Termin mit Sat1 aus Zeitmangel schließlich doch an Florians Vater abgegeben. Im Interview hatte Florians Vater behauptet, der kleine Sebastian sei Wulsbüttels Hurrikan Katrina, und obwohl er sich während des Gesprächs immer wieder an die Nase und an den Hals gefasst hatte, war es beinahe ungekürzt im Boulevardmagazin Blitz gesendet worden. Florians Vater legte sich eine Tomatenscheibe auf sein Schwarzbrot, streute Pfeffer darüber. Florians Mutter sagte: "Florian, wir müssen mit dir reden." Florians Vater nickte und wurde rot. Gegenwärtig, sagte Florians Mutter, kursiere in Wulsbüttel das alberne Gerücht, dass sie eine Affäre habe, mit dem zweiten Kirchenvorsteher, Herrn Zwickau. "Mit wem?", fragte Florian. "Mit Herrn Zwickau", sagte Florians Vater, "dieser Mann mit dem Schnurrbart, der bei Mamas Predigten immer in der ersten Reihe sitzt." "Du weißt doch, was eine Affäre ist?" fragte Florians Mutter. Florian nickte. Florians Vater senkte den Kopf und nahm sich eine Scheibe Salami. Florian fragte: "Und stimmt das Gerücht?" Florians Mutter lachte und sagte: "Natürlich nicht." Florian verteilte die restlichen Tomatenscheiben auf seinem eigenen Schwarzbrot, nahm einen Schluck Kamillentee, verbrannte sich die Zunge. Florians Vater sagte, einer seiner Konfirmanden habe ihm heute einen Witz erzählt, der sei wirklich lustig gewesen, doch leider könne er sich jetzt nicht mehr daran erinnern. Unter der Schirmherrschaft von Florians Mutter veranstaltete die Kirchengemeinde Wulsbüttel das christliche Rockfestival Kirocko. Am Samstagabend spielte Security, eine Männerband aus Oldenburg, auf einer von Florians Vater erbauten Tribüne, direkt vor dem Altar. Im Mittelgang der Kirche tanzte das Publikum, vornehmlich Menschen im Alter von Florians Eltern. Die Stühle standen in den Seitenflügeln. Neben der Orgel gab es einen Getränketisch, an dem Florian Rotwein und Traubensaft ausschenkte. Während des Konzerts tanzte Florians Mutter nacheinander mit allen Männern des Kirchenvorstands, Florians Vater tanzte zwei Lieder mit Oles Mutter, dann kam er zu Florian an den Tisch und bat um ein Glas Traubensaft. Der Gitarrist von Security zog sich sein T-Shirt aus, sein Oberkörper glänzte. Er sang: "And the wind, and your love, and the wind!" Florians Vater trank seinen Traubensaft aus, dann verabschiedete er sich, er gehe jetzt schlafen. Nach der ersten Zugabe kam Florians Mutter an den Getränketisch und bat ebenfalls um ein Glas Traubensaft. Sie wippte im Takt der Musik, ihre Augen waren gerötet. Als Florian ihr das Glas überreichte, rief sie: "Mein Sohn!" Die Tanzfläche hatte sich geleert, im Seitengang saß eine Gruppe Bauern und spielte Karten. Florians Mutter stützte sich mit einer Hand auf den Tisch, blickte Florian in die Augen und fragte: "Was hältst du eigentlich von Papa?" Security kam noch einmal auf die Bühne. Florians Mutter stellte ihr Glas ab, steckte sich Zeige- und Mittelfinger in den Mund, pfiff und rief: "Security! Yeah, yeah, yeah! Security!" Auch die Bauern pfiffen und klatschten und trampelten mit den Füßen. Florians Mutter wandte sich wieder an Florian: "Findest du, Papa ist dir ein gutes Vorbild? Findest du ihn – ", sie zögerte, "männlich?" Florian nahm ein Glas in die Hand, betrachtete es einen Moment, stellte es zurück auf den Tisch. Die Musik setzte wieder ein und Florians Mutter ging zurück auf die Tanzfläche. Als das Konzert zu Ende war, kam sie erneut zum Getränketisch und entschuldigte sich, sie habe zu tief ins Weinglas geschaut, das seien keine Fragen, die man seinem Sohn stelle. Sie strich ihm über den Kopf und sagte: "Mein Kleiner." Nachdem alle Besucher gegangen waren, sammelten Florian und seine Mutter noch gemeinsam die leeren Weingläser ein, dann gingen sie schlafen. Während der Wintermonate ging Florian regelmäßig ins Gebiet. Häufig joggte er um den großen Forellenteich, setzte sich danach auf das Plumpsklo und rauchte eine Marlboro Light. Einmal baute er zusammen mit Ole und Malte einen Schneemann, der sich mit der Hand zwischen die Beine, also an den oberen Rand der größten Kugel, fasste. Ein anderes Mal schlugen sie drei Löcher ins Eis, zogen sich bis auf die Unterhosen aus und stiegen ins Wasser. Malte kletterte nach zwei Minuten wieder aus seinem Loch und sagte, er sei zu alt für diese Kinderkacke. Florian schaffte vier, Ole neun Minuten. --- * Im Gewinnfall verpflichtet ihr euch zur zeitnahen und aktiven Teilnahme am Austausch in allen Leseabschnitten der Leserunde sowie zum Schreiben einer Rezension, nachdem ihr das Buch gelesen habt.

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  • Sympathischer Schreibstil, dröge Charaktere

    Florian Berg ist sterblich

    kruemelhino

    17. September 2015 um 16:14

    Florian Berg, Sohn einer Pastorenfamilie, wächst in geordneten Familienverhältnissen auf. So begleitet der Leser Florian etappenweise durch die Zeit seiner frühen Jugend bis zu seinem Abitur, hin zu den Anfängen seines Lebens als Student. Florian wird im Klappentext als Antiheld beschrieben: u.a. als böse, matt und witzig. Während man als Leser zunächst einen recht gewöhnlichen Eindruck von Florian erlangt, beschleicht einen zunehmend das beklemmende Gefühl, dass mit Florian etwas nicht stimmen könnte. In Gegenwart seiner Familie wirkt er oftmals unbeteiligt, fast schon apathisch. Seine Annäherungsversuche gegenüber dem weiblichen Geschlecht sind von Widersprüchen gekennzeichnet. Bösartigkeiten und auch die Anwendung physischer Gewalt kommen bei Florian zum Vorschein. Seine politischen Aktivitäten während seiner Jugend wirken hauptsächlich wie eine Suche nach Gesellschaft Der Schreibstil fällt sehr sympathisch aus, detailliert beobachtend, beschreibt nur von außen Sichtbares. Die Gedankenwelt der Charaktere bleibt dem Leser damit vollkommen verwehrt, was für mich den Schwachpunkt des Romans ausmacht. Schließlich fällt Florians Leben, gelinde gesagt, sehr handlungsarm oder anders ausgedrückt, weitestgehend emotionslos aus. Bindung in irgendeiner Form zu den Charakteren aufzubauen, ist mir leider nicht gelungen. Zu oft agiert Florian einfach nur kalt und wie betäubt, zeigt keinerlei herzerwärmende Züge auf. Witzige Eigenschaften, wie auf dem Klappentext beschrieben, habe ich bei ihm nie erkennen können. Ähnliches gilt für die übrigen Charaktere, für die ich oftmals nur ein Kopfschütteln übrig hatte. Bereits nach der Hälfte des Buches musste ich für mich feststellen, dass mir Florian und die übrigen Figuren einfach zu dröge gezeichnet sind, um mehr von ihnen lesen und erfahren zu wollen. Es gibt leider auch wirklich keine Figur, die diese Trägheit sprengen könnte. Am Ende hat mich der Schreibstil durchhalten lassen und der Gedanke, dass auch ein Florian Berg tief fallen könnte. Zufrieden hat mich das Buch damit nicht zurückgelassen.

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  • Denn sie wissen nicht, was sie tun

    Florian Berg ist sterblich

    TochterAlice

    17. September 2015 um 09:07

    ist ein Film aus dem Jahre 1955 mit dem großen, viel zu früh verstorbenen James Dean, in dem die Probleme der damals jungen Menschen, der sog. "Silent Generation" thematisiert wurden. Diese ca. zwischen 1925 und 1942 Geborenen könnten die Großeltern, ja die Urgroßeltern von Florian und seinen Freunden, um die es in diesem Buch geht, sein, einer Generation, die in den 1990ern und 2000ern heranwuchs und zu dem wurde, was sie jetzt ist und auch oft genug nicht weiß, was sie tut. So zumindest kommt es in diesem Buch rüber: Florian studiert in Leipzig, aber es scheint so, als ob er weder ein klares Konzept für seine Zukunft noch für die nächsten Monate, geschweige denn Jahre, hat. Er lässt sich so treiben. Bei seinen Kommilitonen ist es teilweise ähnlich, doch auch wenn sie - und das betrifft vor allem die Repräsentantinnen des weiblichen Geschlechts, die in diesem Buch um einiges willensstärker rüberkommen - durchaus energisch schalten und walten, fehlt ihrem Tun die konstante Sinnhaftigkeit. Und dem Buch damit auch teilweise: ich zumindest habe mich stellenweise gefragt, was der Autor mit seinen Zeilen bezweckt. Ein Buch über einen jungen Menschen, wie es der große Salinger mit "Catcher in the Rye" über die bereits erwähnt "Silent Generation", bzw. einen ihrer Repräsentanten verfasst hat, oder auch wie Plenzners "Die neuen Leiden des jungen W." ist es nicht. Finde ich jedenfalls. Weder wird die Zerrissenheit des Protagonisten geschildert noch irgendein Versuch, eine Sinnhaftigkeit zu finden, zu identifizieren. Er lässt sich vielmehr einfach so treiben, lebt in den Tag hinein und auch die Rückblenden in seine Kindheit und (frühere) Jugend sind diesbezüglich nicht wirklich aufschlussreich. Ein schön und unterhaltsam geschriebenes Buch, das mir aber leider keine neuen Erkenntnisse beschert hat. Vielleicht habe ich es einfach nicht verstanden und Vertreter der Generation, um die es geht, erkennen sich hier wieder. Die Lektüre war nicht enttäuschend für mich, aber auch nicht weiterführend, von daher keine Leseempfehlung - es ist eher etwas für zwischendurch, wenn es sich gerade mal so ergibt. Das passt dann auch zu den beschriebenen Inhalten.

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  • Ein ganz normaler Junge, nicht Florian Berg

    Florian Berg ist sterblich

    Caroas

    16. September 2015 um 14:57

    Das Buch wird aus Sicht von Florian geschrieben, ein Junge dem die Welt und das Drumherum nicht wirklich interessiert. Es werden sein Leben als Teenager und als Student parallel erzählt. Florian zieht die chaotischsten Menschen an und erlebt mit diesen das eine oder andere Abenteuer das er aber eher teilnahmslos betrachtet. Fazit: Eine dunkelschwarze humorvolle Geschichte über das Leben der Jugend in den 80ern. Florian ist ein typischer Antiheld, eine schwierige Persönlichkeit und man benötigt Durchhaltevermögen 

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  • Florian, oh Florian..

    Florian Berg ist sterblich

    cheshirecatannett

    13. September 2015 um 21:57

    Die Hauptfigur Florian Berg hat wirklich einen sehr seltsamen - leicht soziopathischen - Charakter. Ich finde das Buch ist mal ganz was anderes und bringt einen auf ganz andere Art und Weise manchmal zum Lachen, zum Stocken, zum Aufregen und zum Kopfschütteln. Einige sexuelle Stellen verstören einen auch etwas - aber das gehört irgendwie alles dazu, das macht dieses eigenartige, ganz andere Buch aus:  Der Schreibstil ist passend und gekonnt - schwarzer, trockener Humor, mit einigen versteckten Augenzwinkern. Alle Figuren um Florian haben auf ihre Art und Weise einen Schaden!  Und das ist irgendwie auch interessant, Generell finde ich, geht es in der Geschichte eher nicht um Action oder eine gewissen Handlung - wer das sucht, ist falsch. Sondern es geht um den Menschen an sich: Wie er anders sein kann, wie er seine eigenen Gedanken haben kann, beeinflusst durchs Leben, durch die Familie, Freunde und seinen eigenen Blickwinkel. Und egal wer man am Ende ist und wie man ist - so ist eben jeder am Ende sterblich. Und jeder hat eben doch auch irgendwo Gefühle, auch wenn es anfangs nicht direkt so scheint - auch Florian Berg!

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  • Florian .... macht mich nachdenklich....

    Florian Berg ist sterblich

    Amina-Romano

    11. September 2015 um 22:03

    ....als Mama eines fast 16 jährigen Jungen.

    Florian Berg macht mich

    sprachlos...
    nachdenklich...
    schmunzelnd...
    traurig....

    Der Autor erfreut mich dennoch mit seiner
    großen Kunst der trivialen Sprache
    und der unnötigen Details,
    die doch so unendlich wichtig sind
    für die Charakterdarstellung des Protagonisten.

    Danke für die Leserunde Herr Kollege!



  • Sehr eigenwillig

    Florian Berg ist sterblich

    raven1711

    11. September 2015 um 09:45

    Inhalt aus dem Klappentext: Florian Berg ist der menschgewordene Widerspruch. Kein Wunder bei diesen Eltern. Der Vater ist Pastor und in ihrer niedersächsischen Gemeinde für die Hochzeiten zuständig, die Mutter ist Pastorin und übernimmt die Beerdigungen. Florian zieht zum Studium nach Leipzig, doch die Widersprüche ziehen mit: Er ist Couch-Potato und Abenteurer, fühlt sich zu Mädchen hingezogen und von ihnen abgestoßen, er sehnt sich nach Liebe und hat Angst vor ihr. Bis er sich eines Tages von der Couch erhebt und auf große Tour geht. Kaum unterwegs, stellt er fest, dass er die größte Rechnung noch mit sich selbst begleichen muss. Meinung: Dieses Buch steht schon auf meiner Wunschliste, seit ich die Verlagsvorschau des Aufbau Verlags durchgesehen habe. Er kürzlich erschienen zog der Roman schnell bei mir ein und blieb natürlich nicht lange ungelesen. Wir begleiten in diesem Buch den Studenten Florian Berg, welcher in Leipzig Philosophie studiert. Dabei trifft er z. B. auf die aufdringliche Line, die ihm bei der Einschreibung für Kurse sehr nützlich ist. Oder auch auf Lines Ex-Freund Stephan, mit dem er eine WG gründet. Auch die attraktive Tutorin Anna lernt Florian in Leipzig kennen, doch diese ist nicht an Florian interessiert. Zumindest nicht auf intime Art, denn Anna ist ein Freigeist und in einer festen Beziehung. Aber Florian lässt sich dadurch nicht entmutigen und wird einige Erfahrungen sammeln, die ihn zwingen, über sein Leben nachzudenken. Florian ist ein merkwürdiger Protagonist. Das war mir zwar schon klar, als ich die Inhaltsangabe gelesen habe. Wie verquer er aber wirklich ist, musste ich beim Lesen dieses Buches schnell feststellen. Eigentlich ist Florian ein Unsympath und zeitweise ein richtiges Ekel, aber er weist auch Züge auf, die ihn verletzlich erscheinen lassen. Er ist unsicher und wirkt manchmal unbeholfen und aufdringlich. Er ist ein Mitläufer und nicht in der Lage, seine eigene Meinung kundzutun oder sich dafür einzusetzen. Ich hatte das Gefühl, als ob Florian es jedem Menschen, dem er begegnet, recht machen möchte, um ja nicht alleine dastehen zu müssen. Deshalb erträgt er auch ihm eigentlich unangenehme Menschen, schaut weg, wenn er hinsehen sollte und schweigt, wenn er reden sollte. Oft wusste ich nicht, woran ich an Florian bin. Janko Markleins Schreibstil ist geradlinig, schnörkellos und pointiert. Er richtet seinen Blick auf Kleinigkeiten, die dadurch bedeutsam wirken und Florians Generation treffend skizzieren. Stellenweise liest sich das Buch wie ein Bericht und wirkt oft ziemlich unpersönlich. Das macht die Lektüre noch um einiges schwieriger, da man es ja auch mit einer sehr anstrengenden Hauptfigur zu tun hat. Das Buch wird sowohl in der Gegenwart, als auch aus Florians Vergangenheit erzählt. Kapitelweise wechseln sich hier die Zeitebenen ab, und man versteht als Leser immer besser Florians Verhaltensweise. Erzählt wird das Buch aus der dritten Person und die Kapitel sind nicht zu kurz und in einer passenden Länge. Allerdings ist es definitiv keine Lektüre für zwischendurch, in die man sich mal kurz reinliest, denn das Buch erfordert Aufmerksamkeit von der ersten bis zur letzten Seite. Das Ende und die Auflösung der Geschichte waren für meinen Geschmack etwas sehr knapp gehalten. Das regt zwar zum Nachdenken an und grundsätzlich war ich zufrieden mit dem Ende, doch es hätte gerne einen Tick mehr Infos enthalten können. Fazit: Florian Berg ist sterblich ist ein nicht ganz einfaches Buch, das eine schwierige Hauptperson mit sich bringt und in einem etwas kühlen, manchmal unpersönlich wirkenden Schreibstil daher kommt. Das hat zum Nachteil, dass die Botschaft dieses Buches schnell überdeckt wird, denn Florian ist anstrengend und erfordert Durchhaltevermögen. Aber das Buch hinterfragt auch und regt zum Nachdenken an und ich denke, dass jeder entweder sich oder andere in Florian oder den anderen Figuren in diesem Buch wiederfinden wird. Von mir gibt es 3,5 von 5 Punkten.

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