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JannisBecker

vor 2 Jahren

Bewerbung/Ich möchte mitlesen

Stell dir vor, Dein Leben wäre vernichtet, und Du hättest nur noch den einen Wunsch: zu sterben ...

So geht es Kim, nachdem sie auf einer nebligen Landstraße ein 12-jähriges Mädchen überfahren hat. Wie kann man mit einer solchen Schuld leben? Die Frage beantwortet sich von selbst, als Kim nächtlichen Besuch bekommt: Auf dem Flur vor ihrem Zimmer hört sie scharrende Geräusche; etwas Schweres schleift sich auf gebrochenen Beinen über den Boden, kratzt an ihrer Zimmertür. Es ist das blanke Grauen. Kim ist überzeugt, dass der Geist des toten Mädchens sie heimsucht und ihren Tod verlangt.

Doch sterben ist gar nicht so einfach. Kim meldet sich in einem illegalen Internet-Forum an, wo die Teilnehmer die richtigen Suizid-Methoden beraten. In diesem Forum lernt sie einen Gleichaltrigen kennen, den arbeitslosen Krankenpfleger Patrick. Auch Patrick will sterben, weil er sein Leben für sinnlos hält. Doch bald merkt Kim, dass er zarte Gefühle für sie entwickelt: Er bittet um Aufschub, möchte ihre Gründe verstehen, am liebsten sogar bei ihr sein. Kim wagt nicht, ihm zu erklären, warum sie sterben will – gewiss würde er nicht glauben, dass sie von einem Geist verfolgt wird. Er würde denken, sie sei verrückt, würde sie in die Psychiatrie einweisen lassen ... Kann sie ihm vertrauen?

Vollgepumpt mit Beruhigungsmitteln fährt Kim in die Berge, zu einem Sommerhaus, das einst ihrem Vater gehörte. Das tödliche Gift, das ihr Leben beenden soll, liegt schon bereit. Per Skype hält sie Kontakt mit Patrick – doch nicht nur er teilt ihre letzten Stunden; auch der Geist des toten Mädchens ist mitgereist und erfüllt das einsame Berghaus mit unheimlichen Geräuschen und Erscheinungen. "Stirb!", ist seine Botschaft. "Bleib am Leben–- bleib mir!", ist Patricks verzweifelter Wunsch.

Kann Liebe stärker sein als das Grauen der Schuld und die Macht des Schicksals? Dieser Frage muss Kim sich stellen, und die Antwort wird über Leben und Tod entscheiden.

WARNUNG: Dieses Buch geht an die Nieren – und es enthält mehr Wahrheit, als ich euch sagen kann und darf. Sich auf diesen Text einzulassen, bedeutet, bis ins Innerste erschüttert zu werden und sich mit todernsten Fragen auseinanderzusetzen. Bilder können entstehen, die einen nicht mehr loslassen ... so wie sie auch mich nicht losgelassen haben. Wer sich dieser Herausforderung gewachsen fühlt, ist herzlich eingeladen. Ich werde versuchen, euch die nötige Kraft zu geben – oder sie gemeinsam mit euch zu finden.

Bis zum 28. Mai könnt ihr mit etwas Glück 10 eBooks (!) gewinnen. Ich freue mich auf eine interessante Leserunde mit euch.


Euer

Jannis Becker

Autor: Jannis Becker
Buch: Der Flug des Schillerfalters: Roman

Huschdegutzel

vor 2 Jahren

Sehr ärgerlich - ich finde das Buch nur als Ebook. Da ich gerade die aber nicht leiden kann, stellt sich die Frage - kommt das auch als Print heraus?

Klarabella

vor 2 Jahren

Bewerbung/Ich möchte mitlesen

Das hört sich ja wirklich interessant und spannend an. Ich würde sehr gerne mitlesen und erfahren, wie es mit Kim und Patrick weitergeht, ob die Schuld oder die Liebe siegt.
LG

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Samtpfote

vor 2 Jahren

Leseabschnitt 7: Tag 7 samt Epilog
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Hallo ihr Lieben, hallo Jannis

Ich habe das Buch gestern beendet und irgendwie habe ich zu den letzten paar Abschnitten gar nichts schreiben können. Ich werde jetzt noch alles nachlesen und dann vielleicht einzelne Gedanken da lassen.

Ich kann sagen, dass ich froh bin, dass ich persönlich noch nie allzu sehr betroffen war von den beschriebenen Themen. Ich hatte und habe in meinem Freundeskreis zwar sehr viele Menschen wie Kim und Patrick. Diese Zeit ist aber nun auch ein wenig vorbei, weil diese Menschen dann doch anfangs zwanzig "irgendwie die Kurve gekriegt" haben. Ich hoffe, ihr versteht, was ich meine.

Vielleicht konnte mich das Buch darum nicht berühren. Beeindruckend Patricks medizinisches Wissen, aber viel Unbekanntes war jetzt da für mich nicht dabei. Auch von der Sprengstoffmethode hatte ich schon mehrmals gehört. Kim blieb mir eher fremd, was aber auch so gewollt war und leider konnte ich sie erst am Schluss des Buches fassen. Ihre Verabschiedung von Cora hat sie für mich menschlich gemacht. Irgendwie fand ich sie als Frau nicht fassbar beschrieben. Auch noch dieser Geschlechtsverkehr am Ende und die zu vielen offenen Fragen haben mich eher irritiert als berührt.

Coras Familie fand ich toll dargestellt. Aber auch nur am Anfang, bevor das Tagebuch gefunden war und am Ende, als sich die Eltern nach Sandras Klinikaufenthalt treffen.
Was ich dazwischen empfunden habe, lässt sich schwer in Worte fassen. Leider geht es ja in dieser Situation immer auch irgendwie um Schuld. Oder eben auch um das Gefühl, dass es eigentlich keine Schuld gibt, dass man sich aber trotzdem schuldig fühlt.
Dass Coras Eltern sie so gar nicht gekannt haben, ist definitiv nicht einfach nur, weil Cora ohne ihr Wissen erwachsen geworden ist. Es ist wirklich so, dass die Eltern sich weder für sie und ihre ganz persönlichen Bedürfnisse interessiert, noch Veränderungen in ihrem Verhalten erkannt haben. Ich sehe sogar meinen Schülerinnen an, wenn sie sich verliebt haben und wenn sie lügen. Wie bitte können dies Eltern nicht merken? Und auch die Erkenntnis von Michael, dass Sandra Cora dies alles (Parties, einen Freund) wirklich nicht erlaubt hätte, zeigt ja, wie fern die Eltern ihrer Tochter waren. Es schien mir so, als wolltest du Jannis zwei gegenteilige Familien beschreiben. Kims Eltern und Coras Eltern. Aber Kim und Cora wachsen mit der gleichen Ignoranz auf. Sie werden beide geliebt, aber sie werden beide nicht verstanden und es geht in beiden Familien nicht um die Kinder, sondern nur um die egoistische Selbstverwirklichung der Eltern durch ihre Kinder und durch die Projektion von Wünschen und Träumen auf ihre Kinder. Beide Elternpaare trifft grosse Schuld.
Typisch, dass Michael dieses Filmchen und somit einen anderen "Schuldigen" findet. Ich hatte mir schon länger gedacht, dass Cora sterben wollte. Mir war dies alles, sowohl der Hintergrund als auch die Darstellung dieses Erzählstranges zu klischiert. Dass es aber an Michaels und Sandras Versäumnis lag, dass es mit Cora überhaupt so weit kommen konnte, daran denkt er nicht einmal. Und jetzt kommt mir bitte nicht mit der Pubertät und damit, dass Kinder sich nun mal von ihren Eltern distanzieren. Bei Eltern einer zwölfjährigen Tochter ist es notwendig, dass sie sich bewusst sind, dass ihre Tochter erwachsen wird. Es ist logisch, dass diese Tochter sich verliebt und Parties besuchen will und es ist wichtig, dass man im Familienverband Regelungen für solche Situationen trifft. Gerade weil sie ein Einzelkind war, hätte die ganze Konzentration der Eltern auf ihrer Tochter ruhen können. Aber sie haben nicht einmal ihre einzige Tochter gekannt. Ich frage mich sehr, wie Cora zu ihren Eltern gestanden ist. Das wird aus dem Tagebuch nicht wirklich ersichtlich und wäre eine Rückblende wert gewesen.

Auch die vielen Selbstmordversuche...ich weiss ja nicht. Es tut mir leid, dass hier so viele Betroffene bei diesem Buch mitlesen und dass du, Jannis, auch so einiges erlebt hast. Nur wird dies alles für mich nicht greifbar. Ich habe viel Literatur zum Thema gelesen. Belletristik, Fachbücher, psychiatrische Schriften...alle diese Bücher haben für mich fassbarer gemacht, was "Der Schillerfalter" sagen will, mir aber nicht sagt.

Dies tut mir leid, weil Jannis sich so gut um die Leserunde gekümmert hat und eben weil ihr so viele persönliche Erlebnisse eingebracht habt. Ich hake dieses Buch ab und es wird mich nicht weiter beschäftigen und ich frage mich einfach, ob ich hier die kalte Seele im Raum bin...?

Samtpfote

vor 2 Jahren

Leseabschnitt 6: Tag 6
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Legeia schreibt:
Zu Patrick: Wenn man nicht funktioniert und die Leistung bringt, ist man eben nichts wert, obwohl so oft Krankheiten oder schlimme Vergangenheiten dahinterstecken, danach fragt keiner. Die sehen jemanden, sehen den Lebensstil und schon ist alles für sie klar. Dabei sind sie alle nicht unfehlbar. Und zu dem Grund, dass Patrick gehen will, weil er sich selbst als Last der Gesellschaft sieht, kann ich nur sagen: Sind wir nicht alle eine Last? Welches Leben ist mehr wert als das andere? Wer entscheidet das? Hat es ein Reicher mehr verdient, nur weil er das Glück hatte, ein Unternehmen zu erben oder sich als Manager hochzubeißen? (Wobei ja solche gern über Leichen gehen und sich anderer nicht annehmen, so wie Patrick es im Moment tut). Das Recht zu leben definiert sich nicht über das, was wir erreichen.

Ich finde Patrick sogar sehr stark. Was er sich auszusprechen getraut und dass er es wagt, dass Leben und unserer aller Existenz und Glück in Frage zu stellen, finde ich doch sehr mutig von ihm.
Er hat in jedem Punkt recht. Wirklich in jedem. Natürlich besteht das Leben nur aus Leben und Sterben, Fressen und Gefressen werden und es gibt keine Gerechtigkeit, keinen Frieden, kein unendliches Glück.
Wer dies aber in unser Gesellschaft in Frage stellt, wird abgeschoben und wenn er dann noch eher schwach scheint, wie Patrick dies zu tun glaubt (er wird aber in seinem Verhalten gegenüber Kim, Michael und seinem Bruder überhaupt nicht so beschrieben, Absicht oder Versehen?), hat er erst recht keine Chance.
Dass es einzelnen gelingt, die - nicht zu widerlegenden - negativen Aspekte zumindest zeitweise auszublenden und so doch auch ein wenig Glück zu empfinden, macht es für Menschen wie Patrick nur noch schwerer.

Samtpfote

vor 2 Jahren

Leseabschnitt 6: Tag 6
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@Ein LovelyBooks-Nutzer

Die Szene mit den Briefen hatte ich leider auch schon erwartet und dass die Mutter sie immer wieder zurück geschickt hatte auch. Nur hätte ich erwartet, dass die Mutter sie von sich aus zurück geschickt hatte und nicht auf Kims Wunsch hin. Die Mutter hätte da aber auch definitiv mehr Stärke und Empathie beweisen und Kim dazu überreden müssen, die Briefe zumindest zu behalten. Ihr komplettes Lossagen von Männern und vor allem von Kims Vater und ihre permanente Demonstration von Stärke versteckt nur viel Schwäche und Verletzlichkeit.
Grundsätzlich denke ich, dass es in dieser Geschichte leider nur um total kaputte Menschen geht. Zum Glück habe ich dies noch in keiner Situation erlebt. Irgendjemand konnte das Ganze am Ende immer abfedern.

JannisBecker

vor 2 Jahren

Leseabschnitt 7: Tag 7 samt Epilog
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Samtpfote schreibt:
Ich hake dieses Buch ab und es wird mich nicht weiter beschäftigen und ich frage mich einfach, ob ich hier die kalte Seele im Raum bin...?

Nein, keine Sorge, das bist du sicher nicht. :)

Ich denke eher, es ist einfach so: Berühren kann einen nur, wozu man innerlich einen Bezug hat, und zwar keinen sachlich professionellen (wie du), sondern einen Bezug im eigenen Erleben. Menschen sind nun mal sehr verschieden, und es gibt immer Grenzen des Verständnisses, weil wir sozusagen in völlig verschiedenen Welten leben. Die Welt, in der ich lebe, ist offenbar nicht deine; daher eröffnen dir abstrakte, wissenschaftliche Darstellungen dieser Welt eher einen Zugang als Erlebnisdarstellungen - etwa so ähnlich, wie man aus einem (guten) Reiseführer mitunter mehr über ein fremdes Land erfahren kann als aus dem Tagebuch eines Einheimischen.

Deine Themen sind auch ganz andere. Aufgrund deines beruflichen Hintergrundes spielen für dich z.B. Fragen der pädagogischen Verantwortung eine wichtige Rolle, wie du es am Beispiel von Coras Eltern dargestellt hast. Ich verstehe, was du meinst, denke aber zugleich, dass Kategorien wie "Schuld" oder "Egoismus" wenig geeignet sind, um all die komplexen Fehlentwicklungen zu beschreiben, die sich in dem unendlich sensiblen Verhältnis zwischen Eltern und Kindern ergeben können. Ich mache ja z.B. meinen Eltern auch nicht den Vorwurf, mich nicht "verstanden" zu haben. Und wenn du es mal auf dich selbst anwendest: Angenommen, du hättest ein Kind, das so ähnlich denken/fühlen würde wie ich, dann könntest du es ja auch nicht verstehen und würdest ihm innerlich fremd bleiben (wie es deine Reaktion auf das Buch zeigt). So etwas kann man niemandem als mangelnde Empathie vorhalten; es gibt da einfach Grenzen der Verstehensfähigkeit und dementsprechend unüberwindliche Fremdheiten zwischen Menschen (und zwar durchaus auch dann, wenn sie nahe verwandt sind).

Für mich ging es einfach um andere Themen, z.B. den Lebenswert einer Welt, in der Unfälle wie der von Cora geschehen - und solche Unfälle SIND ja geschehen, auch ohne Selbsttötungsabsicht des Unfallopfers und eventuelle Verantwortlichkeit unempathischer Eltern. (Für den Unfall gab es ein konkretes, tatsächlich geschehenes Vorbild, wobei in diesem realen Fall bis heute unklar geblieben ist, ob eine suizidale Absicht bestand).

Ähnliches gilt für Kim als Charakter, der für dich nicht fassbar erscheint. Ich habe mehrmals die seltsame Erfahrung gemacht, dass "künstliche", literarisch konstruierte Fantasiecharaktere für die Leser einfacher zu verstehen sind und darum auch glaubwürdiger wirken, während gerade Porträts realer, wirklicher existierender Personen befremdlich wirken können. Das ist paradox, denn es bedeutet ja, dass gerade das Reale gegenüber dem Erfundenen als weniger glaubwürdig wahrgenommen wird. Erklären kann ich mir das wirklich nur durch die letztlich unnachvollziehbare Einmaligkeit, die einen realen Menschen - auf eine im Grunde sehr tragische Weise - vom restlosen Verständnis durch andere trennt. Einfacher ist in der Regel, mit Identifikationsfiguren zu arbeiten, die dann weniger wirklich und individuell, dafür greifbarer und verständlicher sind. Ich habe beides schon getan, und es ist sicherlich immer eine Gratwanderung. Im Fall dieses Buchs jedoch wollte ich so tief wie irgend möglich in die realen Personen hineinfühlen (was auch für mich eine schwierige Aufgabe war).

Ansonsten... naja, es wird dich kaum über deine Enttäuschung hinwegtrösten, aber sagen wir einfach: Meine Fragen sind nicht deine, und dazu möchte ich dich übrigens wirklich beglückwünschen. Für mich wird die entscheidende Frage im Buch von Patrick gestellt, nämlich ob die depressive Weltsicht womöglich wahrer sein könnte als die "gesunde". Wer entsprechende Erfahrungen (wie du) eher nicht hat, wird auch das Schreckliche dieser Frage schwer empfinden können. Ich weiß nicht, ob es Sinn macht, um dein Verständnis zu werben - wahrscheinlich nicht; ich versuche es trotzdem noch einmal zu erklären...

Seit nahezu 500 Millionen Jahren gibt es empfindungsfähige Lebewesen mit Nervensystem auf der Erde, und die überwiegende Mehrzahl dieser Lebewesen wurde entweder gefressen oder ging qualvoll an Krankheiten, Auszehrung oder Naturkatastrophen zugrunde. Das individuelle Leiden dieser Wesen, einer unvorstellbaren Summe von Billiarden Einzelschicksalen, war unermeßlich und unvorstellbar. Mit der Entwicklung des Bewusstseins kam zum Schmerz noch die Angst, und mit dem reflexiven Selbst-Bewusstsein des Menschen die Möglichkeit, sich in jedem Augenblick des Lebens auch kommenden Leidens bewusst zu sein. Das ganze Ausmaß dieses Grauens würde ein Leben mit Bewusstsein völlig unmöglich machen, wenn nicht eine Art neuronaler Filtermechanik im Gehirn es gewöhnlich "ausblenden" würde - was bedeutet: Wir müssen permanent verdrängen, um überhaupt existieren zu können. Wenn man nun die depressive Weltsicht als eine Erlebnisform deutet, bei der dieser Filtermechanismus nicht richtig funktioniert (worauf auch neurologische Befunde mittlerweile hindeuten), dann kann man diese Art des Erlebens zwar als "krank" im Sinne von selbstschädlich einstufen, nicht aber als unrealistisch oder "pessimistisch", was ihren Wahrheitsgehalt betrifft. Heilung könnte dementsprechend nur darin bestehen, dem Betroffenen zu helfen, dass er "besser verdrängen" lernt - also: sich von der Wahrheit entfernt, die er zu seinem eigenen Schaden deutlicher und illusionsloser erkennt als andere.

Ich persönliche finde diese kritische Anfrage Patricks buchstäblich todernst, denn wenn zutreffende Erkenntnis der Wirklichkeit ein (philosophischer) Wert ist, dann steht der Wert "Gesundheit" dazu in genauem Widerspruch. Wie soll man denn "gesund" werden, wenn dies bedeuten müsste, Erkenntnisse aus dem Bewusstsein auszuschließen, von denen man doch weiß, dass sie zutreffend sind? Heißt das nicht, dass man sich selbst betrügen müsste? Und: KANN man das überhaupt?

An solchen Fragen muss man jahrzehntelang bis ins tiefste Innere gelitten haben; sonst - keine Frage - wird dieses Buch einen kalt lassen. Mich begleiten solche Dinge schon lebenslang, aber selbstverständlich kann das nicht jeder nachvollziehen. Mit den Erscheinungen Coras ist es dasselbe; ich habe Alpträume dieser Art seit mehr als vierzig Jahren (d.h. soweit meine Erinnerung an Kindertage überhaupt zurückreicht), und wer so etwas nicht kennt, den kann es natürlich auch nicht berühren; das ist doch klar (und niemandes Schuld). Wer über solche Erfahrungen nicht verfügt, der wird nur an Horrorfilme denken und Klischees wahrnehmen.

Ich glaube, in einem der anderen Threads hattest du einmal sinngemäß gesagt: Schade, dass es hier nur um kaputte Menschen geht. - Ja, darum geht es. Und man kann niemandem, der nicht in irgendeinem Sinne "kaputt" ist, anlasten, dass er dazu keinen Bezug herstellen kann. Also, ich halte dich keineswegs für "kalt" - ich glaube, du bist bloß, wie die Psychiatrie das nennt, "resilient" und vor Erfahrungen dieser Art in einem hohen Maß geschützt. Mein Rat wäre daher: Leg das Buch beiseite und sei (auch weiterhin), was du bist. Ich habe selbst einmal mit einer pädagogischen Tätigkeit geliebäugelt - das ist lange her - aber im Nachhinein bin ich SEHR froh, dass Kinder von Menschen wie dir unterrichtet werden und nicht von solchen wie mir. Ich bin in der Konsequenz sogar soweit gegangen, keine eigenen Kinder zu haben, da ich die (unzweifelhaft vorhandene) genetische Disposition zur Depressivität nicht weitervererben wollte.

-

PS - eine mögliche gedankliche Vermittlung fällt mir gerade noch ein. Dein Nickname deutet darauf hin, dass du Katzen magst. Ich auch; ich habe zwei. Es sind Maine-Coons, sehr anhänglich, aber auch sehr aktive und erfolgreiche Jäger. Nicht selten habe ich mit ansehen müssen, wie sie ihre Beute töten - und es waren nicht nur Mäuse; aufgrund ihrer rassebedingten Größe und Kraft war auch schon mal ein Kaninchen dabei. Einmal habe ich beobachtet, wie mein Kater eine lebende Maus fraß, die in seinem Maul noch zitterte - also, die Bewegungen waren deutlich zu erkennen, bis er die richtige Stelle zum Zubeißen gefunden hatte. Angesichts derartiger Gräuel natürlicher Vorgänge, hast du da nie grundsätzliche Zweifel an der Welt? Hm, vielleicht nicht... Ich schon, und ich habe nur eine Möglichkeit der Vermittlung gefunden, nämlich eben Liebe. Denn ich liebe meine Katzen, wie sie sind, auch wenn sie solche Dinge tun. Das sollte für mich das Bild des fliegenden Schillerfalters aussagen, dessen Schönheit man lieben kann, selbst wenn man weiß, dass er auf der Suche nach Aas herumflattert und seinen Saugrüssel in Blut und Kot tauchen wird. Für mich ist daher die gedankliche Figur - Liebe als "Gegengift" zu der Welt, in der wir existieren - kein Klischee, sondern etwas wirklich zuinnerst Erlebtes und Empfundenes.

Samtpfote

vor 2 Jahren

Leseabschnitt 7: Tag 7 samt Epilog
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@JannisBecker

Ich habe gerade fast eine Stunde lang eine sehr, sehr lange Antwort auf deine Antwort getippt. Dann ist mein Lovalybooks abgestürzt und meine Antwort ist verschwunden. Du wirst sicher verstehen, dass ich nicht noch einmal von vorne beginnen will.

Deine Antwort irritiert, verletzt und beleidigt mich, weil du nicht verstanden zu haben scheinst, was ich genau kritisiere.

Lies meinen Beitrag zu Kapitel sechs und zu Patrick, dort wirdest du viele Antworten zu deinen Fragen finden.

Ich habe nicht dich und nicht deine Figuren und nicht die Handlung kritisiert, sondern ich habe gewisse Stilmerkmale und Handlungskonstruktionen an deinem Buch kritisiert. Ich habe Kim keineswegs nicht verstanden, sondern nicht fassen können, was an deiner Art lag, sie zu beschreiben und an meinem persönlichen Lesegeschmack.

Deine wissenschaftlichen Belehrungen beleidigen mich und deine Vorwürfe tun dies ebenso. Ich verstehe, dass du als selber pesönlich betroffener Autor nicht trennen kannst zwischen dem Buch, das du geschrieben hast und an dem ich gewisse Punkte (literarisch objektiv und geschmacklich subjektiv) beurteilt habe und deiner Person, deinen Erlebnissen und deinen geschaffenen Charaktere. Somit wurde deine Antwort an mich persönlich und verletzend und hat mein Verständnis, sowie meine Bereitschaft und meine Fähigkeit zum Verständnis angezweifelt. Trotzdem finde ich, dass du alle meine Beiträge noch einmal auf objektive und im Gegenzug auch subjektive Kritik am Schreibstil und der nach meinem Geschmack zu konstruierten Handlung durchforsten solltest. Ich kenne dich als Menschen nicht und würde darum nie dich kritisieren. Ich bin im Gegenteil ganz be- und gerührt von deiner Präsenz in der Leserunde und deinen vielen und langen Beiträgen auch wenn du in deiner letzten Antwort an mich meiner Meinung nach zu fest versuchst, mein Mitleid oder vielleicht eher Mitgefühl zu erwecken, das du aber - wenn du es denn willst - schon lange haben kannst. Ich habe dein von dir geschriebenes Buch und somit dich als Autor kritisiert aber auch gelobt. Auch wenn dies deine Geschichte ist, ist dies keine Kritik an dir als Mensch.

Die Leserunde ist für mich hiermit beendet und ich werde meine Rezension - die übrigens alles andere als schlecht ausfallen wird - in den kommenden Tagen hier einstellen. Wenn ich das Bedürfnis habe, werde ich noch einzelne Kommentare da lassen, dies wird aber noch nicht so schnell der Fall sein.

Euch allen wünsche ich einfach nur alles Gute, ich hoffe, dass dies in Ordnung ist so

Livia

JannisBecker

vor 2 Jahren

Leseabschnitt 7: Tag 7 samt Epilog
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Samtpfote schreibt:
Deine Antwort irritiert, verletzt und beleidigt mich

*entsetzt* Tut mir leid, das wollte ich nicht! Ich hab das wirklich ernst gemeint, dass ich sagte, ich finde dich keineswegs "kalt", keineswegs zu wenig empathisch, und auch, dass ich froh bin, dass Kinder von Menschen wie dir unterrichtet werden und nicht solchen wie mir. Vielleicht hast du das Positive auch etwas überlesen.

Es ist jetzt morgens halb 5; ich konnte nicht schlafen, nachdem ich den Post gelesen hatte, bin jetzt wieder aufgestanden und hab beschlossen, doch zu antworten - aber kurz. (Ich schreib immer viel zu viel, ich weiß). Mir ist ehrlich nicht klar, was an meinem Rechtfertigungsversuch für dich verletzend sein konnte - aber ich glaube, darauf kommt es nicht an; man kann Falsches in bester Absicht tun, und entscheidend ist, dass es Schmerz verursacht hat, was es nicht sollte.

Daher bitte ich dich um Verzeihung! Ich erkläre mal jetzt nichts weiter, denn ich hab zu große Angst, dass ich womöglich wieder wunde Punkte treffe und die Sache eher schlimmer mache. Besser, wenn ich jetzt schweige.

Alles Gute für dich und deine Samtpfoten von mir und meinen Samtpfoten.

Samtpfote

vor 2 Jahren

Leseabschnitt 7: Tag 7 samt Epilog

Hier noch der Link zu meiner - hoffentlich genügend differenzierten - Rezension zum Buch. Sie ist heute ebenfalls auf meinem Blog (samtpfotenmitkrallen.blogspot.com ) erschienen:

http://www.lovelybooks.de/autor/Jannis-Becker/Der-Flug-des-Schillerfalters-Roman-1159200134-w/rezension/1160580281/

Vielen Dank für diese spannende und intime Leserunde

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