Jannis Plastargias , Raik Thorstad Kräuter-Code

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Inhaltsangabe zu „Kräuter-Code“ von Jannis Plastargias

Kräuter-Code ist eine Anthologie aus zehn Kurzgeschichten rund um das schwule Leben. Süße, bittere oder herzhafte Genüsse erwarten den Leser.
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  • Rezension zu "Kräuter-Code" von Jannis Plastargias

    Kräuter-Code
    Koriko

    Koriko

    31. January 2013 um 09:50

    Mit der Anthologie „Kräuter-Code“ schickt der Incubus Verlag seine erste Veröffentlichung ins Rennen. Auf knapp 210 Seiten präsentieren 8 unterschiedliche Autoren Geschichten, die sich um Kräuter und das schwule Leben drehen. In der Geschichte „Hunger“ entführt C. Dewi den Leser nach Chile und gibt Einblicke in das Leben des jungen Julian, der bei der Zollabfertigung arbeitet und dort Romero kennenlernt, der in Chile als Koch sein Glück versuchen will. Doch in Romeros Container befinden sich einige Sachen, die eigentlich nicht eingeführt werden dürfen und stellen Julian vor eine Entscheidung … „Hunger“ ist eine sehr stimmungsvolle, gut geschriebene Geschichte, die einen schönen Einblick in die chilenische Gesellschaft gibt. Im „Das Chilispiel“ von Tracy S. geht es um eine ungewöhnliche Wette bei einem Grillabend unter Freunden: fünf feurig scharfe Chilischoten essen und damit den Kuss des Gastgebers gewinnen. Tracy S. gelingt eine nette, kleine Geschichte, in der die Erotik eindeutig im Vordergrund steht. Mit „Triebe und Scherben“ legt Levi Frost seine erste Kurzgeschichte in dieser Anthologie vor, in der es um das Hoch und Runter in der Beziehung zwischen Torben und Dirk geht, die letztendlich an einer Affäre zu zerbrechen droht. Die zweite Geschichte aus der Feder dieses Autors trägt den Titel „Unter Feuer“ und ist eine der ungewöhnlicheren Geschichten der Anthologie, da hier die Thematik BDSM sehr überzeugend und nachvollziehbar dargestellt wird. Beide Geschichten sind sehr schön, humorvoll und ansprechend geschrieben und können überzeugen. Insbesondere „Unter Feuer“ gibt einen interessanten Einblick in eine Welt, die nur wenige kennen und nachvollziehen können. „Madonna in Madrid“ stammt von Jannis Plastargias und fällt ein wenig aus dem Rahmen, da sein Schreibstil und der Aufbau der Geschichte gänzlich anders sind und dementsprechend nicht jeden Geschmack treffen können. Er erzählt von der letzten Reise eines jungen Mannes nach Madrid, dem Treffen mit dessen Exfreund und der Suche nach einem Platz im Leben. Raik Thorstad steuerte ebenfalls zwei Geschichten bei: „Der Duft an deinen Händen“, in der die Beziehung zwischen Antonio und seinem Freund immer wieder auf eine harte Probe gestellt wird, da ersterer schon lange das Interesse an Sex verloren hat, und „Gottes Wege“, in dem der Leser im Tagebuch eines Jungen stöbern darf, der ein katholisches Internat besucht und nach und nach erkennt, dass er homosexuell ist. Die Autorin hat einen sehr schönen, interessanten Schreibstil und kann mit beiden Geschichten überzeugen. Es gelingt ihr sowohl die Gefühlswelt eines Erwachsenen („Der Duft an deinen Händen“), als auch die eines Teenagers („Gottes Wege“) einzufangen. In der Kurzgeschichte „Custom Painting mit Würze“ von Gerry Stratmann geht es um den Künstler und Airbrusher Rainer, der mit einem Freund Motorräder und Autos verschönert. Als der gutaussehende Marcel dort auftaucht, um seine Maschine aufzuwerten, kann Rainer kaum mehr an etwas anderes denken – und das obwohl er niemals passiv ist und ihn eigentlich Marcels arrogante Art abschrecken sollte … Gerry Stratmann Kurzgeschichte ist flüssig und humorvoll geschrieben, und geizt nicht mit erotischen Szenen. Mit „Die Grillparty“ von Nik S. Martin findet eine Mischung aus den Kurzgeschichten „Das Chilispiel“ und „Custom Painting mit Würze“ einen Platz in der Anthologie, denn es vermischt die Aspekte „Grillen“ und „Motorräder“ miteinander. Gregor lernt auf der Grillparty seines Bruders den Motorradfahrer Jo kennen, der ihn später zu einer Spritzfahrt ins Grüne einlädt. Auch bei dieser Kurzgeschichte steht die Erotik im Vordergrund. Trotz allem ist sie schön geschrieben und weiß Dank der etwas älteren Charaktere zu gefallen. Eine ganz besondere Perle bildet den Abschluss dieser Anthologie: „Noahs Körper“ von Devin Sumarno. In dieser gefühlvollen und eindringlich geschriebene Geschichte geht es um die Liebe, die Beziehung das Vertrauen zweier Menschen, die auf eine harte Probe gestellt werden: Noah ist teilweise gelähmt und auf die Hilfe und Pflege seines Partners Sebastian angewiesen. Doch das gemeinsame Leben hat seine Grenzen, insbesondere weil stets unausgesprochene Worte zwischen beiden stehen, die keiner wagt zur Sprache zu bringen. Devin Sumarno ist eine außergewöhnlich ergreifende und tiefgründige Kurzgeschichte gelungen, die zwar stilistisch ein wenig schwächelt, jedoch einfach nur unter die Haut geht. Die Charaktere sind außergewöhnlich gut getroffen – man kann sowohl Noah, als auch Sebastians Beweggründe nachvollziehen. Wie man vielleicht schon an den Kurzbeschreibungen merkt, bietet „Kräuter-Code“ eine wundervolle, vielseitige Kurzgeschichtensammlung, die in nahezu allen Punkten überzeugen kann. Es ist bewundernswert wie unterschiedlich die Geschichten ausgefallen sind und welch Perlen sich mitunter in dieser Sammlung verstecken. Stilistisch können die meisten Autoren überzeugen und ich würde mich freuen von dem ein oder anderen Autoren bald einen Roman in den Händen zu halten. Die Aufmachung der Anthologie fällt ebenfalls positiv ins Auge – sowohl das ansprechende Cover, als auch der Druck zeugen von Qualität. Einzig und allein der Satz stimmt nicht immer, da gerade die Anführungszeichen nicht einheitlich sind und von einer Geschichte zur anderen schwanken, was wahrscheinlich daran lag, wie der Autor die Zeichen gesetzt hat. Auch fehlen mir Kurzvitae der Autoren – so etwas muss meiner Meinung nach in jeder Anthologie vorhanden sein, da ich mich gerne über die Schreiberlinge informiere, die mir besonders gut gefallen haben. Nichtsdestotrotz ist „Kräuter-Code“ eine ausgewogene und gelungene Anthologie, die ich jedem bedenkenlos ans Herz legen möchte. Der Incubus Verlag legt eine wunderschöne Sammlung bunter Kurzgeschichten vor, die Lust auf mehr machen und den Leser mit einer Mischung aus Neugierde und Lust auf mehr zurücklassen. Zu empfehlen.

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