Janwillem van de Wetering Eine Tote gibt Auskunft

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Inhaltsangabe zu „Eine Tote gibt Auskunft“ von Janwillem van de Wetering

Adjudant Grijpstra und Brigadier de Gier werden zu einem Hausboot gerufen. Ein Nachbar ist in Sorge um die schöne Maria van Buren. Zu Recht. Jemand hat die junge Frau ermordet. Schon nach den ersten Ermittlungen stellt sich heraus, dass sie die Geliebte von drei Männern war. Und wenn einer der drei mit einem Wurfmesser umgehen konnte, dürfte der Fall geklärt sein: ein Fall von Eifersucht.<br />Doch da keiner der Männer in der Lage oder bereit ist, Einzelheiten über das Leben der Toten zu liefern, fliegt der Commissaris, der Vorgesetzte von Grijpstra und de Gier, nach Curaçao. Denn von dort stammte Maria van Buren.<br /><br />Die schöne Maria von Buren ist bei einem Zauberer in die Lehre gegangen. Aber gegen den Dolch in ihrem Rücken hat auch keine Hexerei geholfen. Die Vernehmung ihrer drei Liebhaber bringt die Ermittler nicht weiter. Die Lösung des Falls wartet auf Curaçao, der Heimat der Toten, und hat mit gefährlichem Aberglauben zu tun.<br /><br />«Man verliebt sich einfach in den begnadeten Erfinder van de Wetering und in seine Figuren.» (Süddeutsche Zeitung)<br /><br />«Wetering ist mit Recht einer der meistgelesenen Thrillerautoren hierzulande.» (Generalanzeiger für Bonn) (Quelle:'E-Buch Text/01.07.2013')

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    Eine Tote gibt Auskunft

    Gulan

    21. October 2016 um 16:53

    „Wenn sie Ihre Freundin war und auf Ihrem Hausboot wohnte, dann dürfen wir annehmen, dass sie auch für ihren Unterhalt aufkamen.“ „Ja“, sagte Drachtsma, „ich gab ihr jeden Monat Geld.“ „Wussten sie, dass sie andere Liebhaber hatte?“ „Ja. Es kümmerte mich wenig. Ich habe mich immer telefonisch mir ihr verabredet. Oft hat sie mich im Büro angerufen.“ „Ich hoffe, Sie nehmen es mir nicht übel, dass ich es sage, aber ihr Tod scheint Sie nicht sehr zu beeindrucken“, sagte der Commissaris. Drachtsma gab keine Antwort. „Finden Sie nicht schlimm, dass sie tot ist?“ „Ist ihr Tod nicht eine Tatsache?“, fragte Drachtsma. „Tatsachen, die man nicht ändern kann, muss man akzeptieren. Alles geht einmal zu Ende.“ Dem Commissaris verschlug es den Atem. Es dauerte eine halbe Minute, bis er die nächste Frage formulieren konnte. (S. 78) Auf einem Hausboot in Amsterdam wird eine junge Frau erdolcht aufgefunden. Maria von Buren wurde offenbar von einem reichen Industriellen ausgehalten. Doch nebenher empfing sie noch zwei weitere exklusive Liebhaber auf ihrem Boot: Einen belgischen Diplomaten und einen amerikanischen Offizier. Doch alle Männer haben Alibis. So begibt sich der Commissaris auf eine Reise in die Vergangenheit der Toten nach Curaçao, während seine beiden Mitarbeiter Grijpstra und de Gier eine Spur auf die Nordseeinsel Schiermonnikoog verfolgen. Janwillem van de Wetering zählt zu den bekanntesten niederländischen Krimiautoren, insbesondere durch die 15bändige Reihe um die „Amsterdam Cops“. Van de Weterings Biografie selbst ist äußerst interessant. Anfang der 1950er arbeitete er in Südafrika, später auch in Kolumbien, Peru und Australien. Ende der 50er Jahre studierte er u.a. Philosophie in London und lebte auch achtzehn Monate in einem japanischen Zen-Kloster. Er kehrte Mitte der 1960er nach Amsterdam zurück und arbeitete dort nebenher im Polizeidienst als Ersatz für seinen bis dato nicht geleisteten Wehrdienst. Ab 1975 bis zu seinem Tod 2008 lebte van de Wetering in Maine/USA und schrieb viele seine Bücher zweimal: in Englisch und Niederländisch, teilweise mit einigen Abweichungen. Seine „Amsterdamer Polizisten“ sind Adjudant Grijpstra und Brigadier de Gier mit ihrem namenlosen vorgesetzten Commissaris. Grijpstra ist verheirateter Familienvater und scheinbar so ein wenig in der Midlife Crisis, de Gier ist ein junger Single, der mit einer etwas dominanten Katze zusammenlebt. Die Lebenssituationen der beiden werden in den Dialogen gerne auch spöttisch kommentiert, doch insgesamt arbeiten beide freundschaftlich-kollegial zusammen. Die Arbeit wird durchaus auch mal für persönliche Vorlieben unterbrochen, so spielen Grijpstra und de Gier im Büro Schlagzeug und Flöte oder fahren zu einer verlängerten Mittagspause in de Giers Wohnung, um sich eine Schallplatte anzuhören. Uneingeschränkte Respektsperson ist jedoch der ältere, väterliche Commissaris. Die Kriminalfälle lösen sie in einer ruhigen, gelassenen Atmosphäre. Verhöre und Zeugenbefragungen spielen eine große Rolle. Philosophische Betrachtungen kommen zur Sprache. Insgesamt erinnerte mich die Atmosphäre ein wenig an Simenons Maigret, den van de Wetering wohl in der Tat verehrte. „Eine Tote gibt Auskunft“ ist der zweite Band der Reihe und interessant an diesem Band sind vor allem die Gegensätze zwischen den Schauplätzen und Kulturen innerhalb des Königreichs der Niederlande. Die Tote stammte aus Curaçao und hatte durchaus einen Hang zur Zauber- und Hexenkult der Karibik. Der Commissaris lässt sich auf seiner Dienstreise vom dortigen Flair treiben. Auf der anderen Seite steht die (relative) Beschaulichkeit der Niederlande, exemplarisch der westfriesischen Insel Schiermonnikoog. Wenn ich schon „Maigret“ als Referenz nenne, sollte dem erfahrenen Krimileser klar sein, dass hier kein spannungsgeladener Actionreißer (wobei der Showdown auf Schiermonnikoog doch etwas überrascht) erwartet werden sollte. Man erhält allerdings einen etwas altmodischen, aber immer noch lesenswerten philosophisch-psychologischen Kriminalroman.

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