Jared Diamond

 4.3 Sterne bei 106 Bewertungen
Autor von Kollaps, Arm und Reich und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Jared Diamond

Sortieren:
Buchformat:
Kollaps

Kollaps

 (32)
Erschienen am 08.09.2011
Arm und Reich

Arm und Reich

 (27)
Erschienen am 18.05.2006
Der dritte Schimpanse

Der dritte Schimpanse

 (19)
Erschienen am 16.04.2010
Warum macht Sex Spaß?

Warum macht Sex Spaß?

 (6)
Erschienen am 11.02.2011
Vermächtnis

Vermächtnis

 (3)
Erschienen am 25.10.2012

Neue Rezensionen zu Jared Diamond

Neu
M

Rezension zu "Der dritte Schimpanse" von Jared Diamond

Rezension zu "Der dritte Schimpanse" von Jared Diamond
Mario_Veraguthvor 4 Jahren

Eine Vielfalt an Themen schneidet der Autor in seinem ersten Werk an und zeigt Ähnlichkeiten mit menschlichen Normen im Tierreich bei Staatenbildung, Sozial- und Sexualverhalten, Drogenkonsum und rudimentärer Landwirtschaft anhand der evolutionären Entwicklung. Auch die Ursprünge und Entwicklungsgeschichte von Kommunikation, Fremdenfeindlichkeit, Kunst und Kriegsführung werden ausführlich beleuchtet.

Der Einfluss der Umweltbedingungen lässt sich gut anhand der Unterschiede zwischen Bonobos und Schimpansen erläutern. Durch den unüberwindbaren Kongo getrennt, entwickelte sich die friedliche, matriarchalisch geprägte Lebensweise der Bonobos in einem von Überfluss und angenehmen Lebensbedingungen geprägten Umfeld, während der Lebensraum der hierarchisch gegliederten und überaus gewaltbereiten Schimpansen eher karg und unwirtlich war. Somit drängt sich die These auf, widrige Umweltverhältnisse würden strengere Rangordnungen und ein generell konflikförderndes Verhalten bedingen, während die Art von Wohlstand der Bonobos es erst ermöglicht, auf soziale und friedliche Weise miteinander zu kooperieren. Im Widerspruch dazu gibt es aber sowohl Tierarten als auch spezialisierte Menschengruppen, die unter widrigsten Bedingungen trotzdem normal miteinander umgehen. Direkt von einer aggressiveren Grundmentalität auszugehen wäre allzu weit vorgegriffen, obwohl die für Forscher unerklärlichen, weil für die Gruppe schädlichen Verhaltensmuster von Schimpansen wie sinnlose Gewalt, Hetze und Verfolgung einzelner Gruppenmitglieder und die weit über das Maß anderer, territorialer Tiere hinausgehende Gewalt bei Eroberungsfeldzügen inklusive Kannibalismus schon einen Vorgeschmack auf den Menschen gaben. Und dass Bonobos vom Aussterben bedroht sind, weil sie in durchaus als tierische Vorstufe zum Genozid zu bezeichnenden, organisierten Angriffen der Schimpansen erschlagen und vertrieben werden, zeigt sowohl eindrucksvoll als auch traurig, dass sich die Mentalität des Menschen schon lange vor dessen Aufstieg in den ihm nähesten Verwandten abgezeichnet hat.

Wie oft sich Diamond für seine anderen, später veröffentlichen Bücher aus diesem Werk bedient hat, grenzt teilweise an leichte Unverschämtheit. So flossen Teile aus dem Kapitel über die Eroberer der Welt in das Buch „Arm und Reich: Die Schicksale menschlicher Gesellschaften“ ein und Abschnitte über die Bedeutung des Lebensraumes findet man in „Kollaps: Warum Gesellschaften überleben oder untergehen“. Bei persönlichem Interesse ist die Lektüre der ausführlichen Beschreibungen beider Werke in jedem Fall eine Option, wenn durch die verhältnismäßig kurzen Erklärungen dieses Werkes Neugier geweckt wurde.

Gegen die Präferenz, den Menschen als wahrscheinlichsten Verursacher vergangener Artensterben verantwortlich zu machen und dem Klima eher zweitrangige Bedeutung zuzuschreiben, gibt es aufgrund der eindeutigen archäologischen Hinweise wenig Argumente. Es mag schon sein, dass der Wechsel von Eis- und Warmzeiten in bestimmten Regionen stärkere Einflüsse hatte, aber speziell in den immer relativ moderaten Klimazonen zieht dieses Argument aufgrund der Anpassungsfähigkeit der meisten Tiere nicht. Es wird auf Seiten der Skeptiker damit argumentiert, dass das Finden von Fossilien ein zufälliges Glücksspiel ist, das keine seriösen Zahlenschätzungen zulässt. Nur wenn man immer genau in den mit Menschenwanderungen zusammenfallenden Sedimentschichten übermäßig viele Knochen ausgestorbener Tiere findet, ist das ein eindeutiges Indiz.

Diamond richtet gegen Ende des Buches einen engagierten Appell an die Menschen, aus den immer gleichen Fehlern und den Zyklen von Expansion, Artensterben und Umweltzerstörung endlich auszubrechen und zumindest nicht noch mehr Schaden anzurichten. Ein nobles Anliegen, denn gerade aus der Perspektive eines Evolutionsbiologen muss es überaus frustrierend sein, über Jahrzehnte hinweg zu beobachten, wie zu erforschende Lebensräume einem förmlich vor der Nase weg irreversibel zerstört werden.

Kommentieren0
3
Teilen
M

Rezension zu "Kollaps" von Jared Diamond

Rezension zu "Kollaps" von Jared Diamond
Mario_Veraguthvor 4 Jahren

Die passende Ergänzung zu Diamonds Werk„Arm und Reich“ liefert eine Fülle an vergangenen und aktuellen Szenarien verschiedener Umweltbedingungen und dem Meistern beziehungsweise kläglichen Scheitern der Völker beim Versuch zu bestehen.

Speziell anhand isolierter Gesellschaften, bei denen der soziokulturelle Aspekt durch das Ausbleiben von Invasoren oder fremden Störfaktoren wesentlich stärker in den Fordergrund tritt, werden die Abläufe, die zur Bildung heutiger Ruinen oder prosperierender Städte führen, beschrieben.

Als klassisches positives Beispiel kann Island genannt werden, dass der Trostlosigkeit der Klimazone und der Unfruchtbarkeit der kargen Bögen mit engem Gemeinschaftsgefühl und intelligenter Landwirtschaft ein Schnippchen schlagen und bestehen konnte. Andere isolierte Inselstaaten wie die Osterinseln und andere Geistereilande hingegen wurden vom Sog gesellschaftlicher Ausartung erfasst und durch sinnbefreite, prestige- oder religionsgetriebene Bauprojekte, Bürgerkriege, Ausbeutung der Natur bis zum Zusammenbruch des Ökosystems oder ein bisschen von allem in den Untergang getrieben.

Häufig gab es auf den gescheiterten Inselstaaten eine alte Tradition bewährter Überlebensstrategien, deren Praxis aber im Zuge des Wahns meist vergessen oder ignoriert wurde, was im Zusammenbruch des Gesellschaftssystems mündete.

Wie sich die Thesen des Autors auf die Entwicklungsgeschichte größerer, kontinentaler Nationen anwenden lassen könnten, wäre hochinteressant, würde aufgrund der zusätzlichen Komplexität aber vermutlich den erlesbaren Rahmen sprengen, weswegen Diamond darauf verzichtete. Die berücksichtigten Faktoren wie Klimaveränderungen, feindliche Nachbarn, Umweltzerstörung, Bruch eines Bündnisses oder Verlust von Unterstützung durch befreundete Nachbarn und als entscheidender Faktor die Reaktion von Bevölkerung und Herrscherkaste, bergen bereits ein großes Komplexitätspotential, weswegen durch eine Einführung zusätzlicher Faktoren wie im Fall des römischen Reiches oder anderer ausgesparter, gescheiterter Großreiche nicht mehr mit wissenschaftlicher Seriosität geschlussfolgert werden könnte.

Bemerkenswert ist, dass das Schema der langsamen Degenerierung über schleichenden Abbau von kulturellen sowie natürlich gegebenen Ressourcen sowohl verhältnismäßig primitive, fast noch steinzeitliche Gesellschaften genauso unerwartet treffen kann wie hochentwickelte und militärisch fast unbesiegbare Großreiche. Den Kassandrarufern der damaligen Zeit zum Trotz wurden Fanatismus und Größenwahn zum Leitmotiv und im Nachhinein ersichtlich unsinnige und selbstzerstörerische Mechanismen sickerten in die Politik ein, bis diese als normal akzeptiert und Kritik bis zum Untergang negiert wurde.

An diesem Punkt bietet es sich an den Bogen zur Gegenwart zu spannen und das klassische Wiederholen der Geschichte anhand verschiedener Beispiele zu illustrieren. So werden auch nach Dutzenden plastischer und anschaulicher Lernbeispiele aus der Geschichte davon, was man als Staat tunlichst vermeiden sollte, heute die gleichen, eigentlich klar erkennbaren Fehler begangen. Sei es fahrlässige, irreversible Umweltzerstörung, politische Destabilisierung bis zum Zerbrechen des Staatsgebildes samt Genozid und Zerstörung der kärglichen Infrastruktur über Rückfall in archaische Regierungsformen und Gottesstaaten gibt es eine breite Palette von Mustern, deren Verwendung der Menschheit derart erstrebenswert zu sein scheint, dass immer erneute Versuche nicht mehr als Beharrlichkeit ausgelegt werden können. Sondern schlichtweg nur mehr als Ignoranz und Inkompetenz von Führungseliten, denen ein kurzes Überlesen eines beliebigen Geschichtsatlasses mannigfache Beispiele für die Sinnlosigkeit ihres momentanen Handelns geben könnte.

Die große und bange Frage nach Abschluss der Lektüre bleibt die, ob wir wohl nicht schon ein klein wenig zu lange auf einen Zug aufgesprungen sind, der nicht nur, wie im Buch beschrieben einzelne Inseln, Landstriche oder Staaten, sondern den gesamten Planeten und die darauf befindliche Zivilisation, also uns, auf direkten Weg in den Abgrund steuert.

 

Kommentieren0
5
Teilen
M

Rezension zu "Arm und Reich" von Jared Diamond

Rezension zu "Arm und Reich" von Jared Diamond
Mario_Veraguthvor 4 Jahren

Revolutionäre Theorien sind es, die sich dem Leser auftun und die mit alten, rassistischen Konzepten über die Entstehung von Hochkulturen und Staaten den Boden aufwischen. Anhand unabstreitbarer geografischer und biologischer Fakten ermöglicht der Autor eine Sichtweise, die sich nur den kreativsten Köpfen ohne derartige Darstellung eröffnet hätte.

Aufgrund des Umfangs und der teilweisen Länge des Werks würde ich angehenden Sachbuchfetischisten empfehlen, den Blick für die teilweise autobiografisch gefärbten Einschübe und trockenen statistischen, beziehungsweise sehr fachbezogenen Ausführungen zu schärfen, um diese bei Zeitmangel oder Unlust überlesen und die Filetstücke dafür noch umso besser genießen zu können. Es darf selbstverständlich auch das gesamte Menü genossen werden, nur die Längen werden meinem gutgemeinten Rat wohl das eine oder andere Mal Recht geben und gerade bei so hervorragender Literatur wie der vorliegenden wäre es eine Schande, wenn das Leseerlebnis dadurch geschmälert oder im schlimmsten Fall gar vorzeitig beendet wird.

Neben der eigentlichen Flora und Fauna der verschiedenen beschriebenen Weltgegenden bildet als primäre geologische Schicksalsinstanz die West-Ost- beziehungsweise Nord- Südachse den entscheidenden Faktor über Aufstieg und Fall der Völker. Das Glück oder Pech mit gut domestizierbaren Tieren oder aufgrund großer Halsstarrigkeit zur Viehzucht absolut ungeeigneten Vertretern der Herbivoren beziehungsweise ertragreichen, widerstandsfähigen oder wenig abwerfenden, empfindlichen Pflanzen spielt eine weitere wichtige Rolle.

Betrachtet man sich die Kontinente, so ergibt sich einzig in Eurasien eine auf etwa den gleichen Breitengraden und ähnlichen Klimazonen gelegene West-Ostachse, die den Austausch von Pfanzen und Tieren über Handelsrouten wesentlich erleichtert, da diese in ähnlichen Umgebungen wesentlich bessere Überlebensbedingungen vorfinden, als wenn man sie über eine Nord- Südachse von Norwegen nach Südafrika oder von Chile nach Kanada transportieren würde. Dadurch wurde der Übergang zu Ackerbau und Viehzucht sowie die damit einhergehende Möglichkeit, durch Überschuss an Nahrung Spezialisten wie Handwerker, Krieger und Wissenschaftler zu ernähren und auf den Zug zum Großstaat aufzuspringen, wesentlich erleichtert. Als wäre das nicht genug der vorgegebenen Ungerechtigkeit, befinden sich auch noch die meisten der ertragreichsten Saatpflanzen und Nutztiere im eurasischen Raum, während selbige auf anderen Kontinenten rar gesät sind. In Lateinamerika sowie Afrika sind sowohl gut für den Hausgebrauch geeignete Großsäuger als auch ertragreiche Pflanzensorten relativ selten. Und selbst wenn dem nicht so gewesen wäre, hätte ein Austausch über die verschiedenen Klimazonen hinweg kaum funktionieren können.

So sind in Afrika sowohl extrem aride Gebiete als auch tropische Dschungel oder schlichte Savanne für keinen Tiertransport zu empfehlende Besichtigungspunkte und auch den Zimmerpflanzen dürfte es übel bekommen. In Lateinamerika verhält es sich ähnlich, wenn auch nicht ganz so extrem. Dass sich das militärisch einst unersetzliche Pferd auch noch just der südlichen Hemisphäre entsagen musste war ein weiterer wesentlicher Nachteil. Wie der Autor so treffend anführt, hätte nur ein gutmütigeres Wesen von Bisons oder Nashörnern vonnöten sein müssen, um den Lauf der gesamten Weltgeschichte zu verändern. Wenn Hunnenheere und Mongolen auf, im Vergleich zu den potentiellen und wesentlich robusteren Reittieren des Südens, schlichten Pferden Weltreiche errichten konnten, wäre das kriegerische Potential von bis zu fast einer Tonne schweren Bisons und bis zu über drei Tonnen schweren Nashörnern noch wesentlich durchschlagender gewesen. Man stelle sich diese Tiere zu Tausenden und im Stil eines Paladinpferds gepanzert mit Pfeilhagel schwirren lassenden Reitern vor.

Es erschließen sich anhand der minutiösen Schilderungen verschiedener Sachverhalte noch diverse Ideen für Uchronien, die schöner nicht sein könnten, da sie im Gegensatz zu weit hergeholten, unwahrscheinlichen Vermutungen und Lehrmeinungen auf nachweisbaren Grundlagen beruhen.

Dem Autor gebührt, nicht nur aufgrund seines beeindruckenden bisherigen Werks, zu Recht der Ruf eines Wissenschaftsautors der Spitzenklasse, sondern auch und gerade für die Serie an Hammerschlägen, die er auf die, als fleischgewordene Anachronismen längst durch einen Paradigmenwechsel in das intellektuelle Nirwana zu schickenden, Vertreter seiner Zunft niederprasseln lässt, die seinen Denkansetzen wenig entgegenzusetzen haben. Außer irgendjemand aus dem Universitätsbetrieb entblödet sich wirklich noch, etwas von kultureller Überlegenheit oder anderer rassistischer, verbaler Diarrhöe zu halluzinieren.

Kommentieren0
5
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Community-Statistik

in 200 Bibliotheken

auf 21 Wunschlisten

von 17 Lesern aktuell gelesen

von 2 Lesern gefolgt

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks