Eine kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt

von Jaroslav Kalfar 
3,9 Sterne bei45 Bewertungen
Eine kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt
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Traurig, lustig, spannend

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Ein Buch mit vielen schönen Ansätzen und Ideen - leider keine davon richtig zu Ende gebracht, die Story zog sich dann nur belanglos hin.

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Inhaltsangabe zu "Eine kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt"

Jakub Procházka, erster Raumfahrer der tschechischen Geschichte, träumt davon, seinem Land Ruhm und Ehre zu bringen. Doch nach dreizehn einsamen Wochen im All beginnen Jakubs Sinne verrückt zu spielen. Als dann auch noch seine Frau mit ihm Schluss macht, nimmt die Mission einen ungeahnten Lauf.

»2018, Odyssee im Weltraum: Jaroslav Kalfars außergewöhnliches Debüt ist nicht von dieser Welt.«
The Guardian

April 2018: Die JanHus 1, das erste Raumschiff in der tschechischen Geschichte, erhebt sich in den Himmel. Eine ganze Nation ist auf den Beinen, um den Start vom staatseigenen Kartoffelacker aus mitzuverfolgen. Die Besatzung besteht aus einem einzigen Raumfahrer: Jakub Procházka, Spross einer Kollaborateursfamilie und Professor für Astrophysik mit einschlägiger Erfahrung in der Erforschung interstellaren Staubs. Nach dreizehn eintönigen Wochen im All ist der Forscherdrang Jakubs jedoch beinahe erloschen. Einziger Lichtblick sind die wöchentlichen Video-Chats mit seiner Frau Lenka. Doch als die ihn verlässt, gerät Jakubs Leben im Orbit in Schieflage. Und als wäre das nicht genug, schleicht sich auch noch ein haariger, achtbeiniger Mitbewohner in Jakubs Raumschiff ein. Jaroslav Kalfars Debüt ist verrrückt und voll überbordender Phantasie, dabei romantisch und ein klein wenig philosophisch.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783608503777
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:368 Seiten
Verlag:Tropen
Erscheinungsdatum:05.08.2017
Das aktuelle Hörbuch ist am 22.03.2018 bei Audible Studios erschienen.

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Rezensionen und Bewertungen

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    Printyvor 2 Monaten
    Kurzmeinung: Traurig, lustig, spannend
    Super geschrieben.

    Eine kurze Geschicht der böhmischen Raumfahrt ist eine klare Empfehlung für den Lesesommer! Selten liest man ein Buch bei dem wirklich alles stimmt. Ein Buch über Geschichte, Familie, Politik, Freundschaft, Verrat und Science-Fiction. Dazu noch viel Humor. Ein toll geschriebenes Buch das man nicht mehr aus der Hand legen will. Eine Hauptperson mit der man mitfiebert und mitleidet. Von allem ein bißchen und von nichts zuviel. Schade das es irgendwann zu Ende war. 

    PRINTY, LESTER, LEGASTIKER, BUCHLER

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    BettinaR87s avatar
    BettinaR87vor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Fantastisch! (und übrigens NULL SciFi).
    Böhmischer Humor auf Abwegen im All

    Die JanHus1 ist eine böhmische Rakete, die sich im Frühjahr 2018 von den verstaatlichten Feldern der kleinen, tschechischen Republik erhebt und eine lange Reise antritt. Der darauf anwesende Astronaut Jakub Procházka hat die ehrenwerte Aufgabe, einen mysteriösen Nebel in der Milchstraße zu untersuchen - und nicht nur sein Land, sondern die ganze Welt schaut ihm dank Social Media dabei zu. Die Distanz von vielen hundertausend Kilometern jedoch schadet seiner Ehe - seine Frau Lenka kommt damit nicht klar und verlässt ihn spontan. Und jetzt? Jetzt dreht der liebe Jakub in seinem kleinen Cockpit, den Feuchttüchern für Hintern und Gesicht, dem Fertigessen und den drei Flaschen Whiskey vollends am Rad ...

    Die Kritik

    Schon nach zwei Seiten ist klar: Hier liegt ein ganz besonderes Buch vor. Die Sprache, die Art zu schreiben - Zucker und Baslam für die eigene Seele. Es hält den Geist wach wie eine Portion Kaffee und motiviert nicht nur, sondern treibt gerade zu zum Lesen an. Weiter, noch die nächste Seite, los geht's! Und schon sind wir mit unserem Hauptprotagonist im All und spüren die Sinnlosigkeit seiner Anwesenheit dort oben.

    Der Zauber eines kleinen Landes mit all seinen seltsamen und teils nerdigen Eigenheiten liegt ab der ersten Seite in der Luft und sofort verliebt man sich ein wenig in das Land, das in Europa so wenig Beachtung erfährt - und dabei direkt neben uns liegt. Je weiter man liest, desto tiefer stößt man in die Psyche eines Menschen vor, der seines Lebensalltags beraubt in Isolation lebt. Er sucht Trost und findet sie in seiner Einbildung, die er mit zurück zur Erde nimmt. Fragt sich nur: Unterscheidet er sich wirklich so sehr von all den anderen, von dir und mir? Befinden wir uns nicht in einer ähnlichen Isolation, wenn wir in die U Bahn einsteigen und um Himmels Willen bloß jeden Blickkontakt vermeiden? Noch dazu, weil seine persönliche Manifestation, der Weberknecht, mit dem schlimmsten und größten Ereignis seiner Kindheit zusammenhängt (kein Spoiler, findet recht bald Erwähnung): Dem tödlichen Unfall seiner Eltern. Dort erschien ihm der Weberknecht, ob nun in echt oder als Einbildung das erste Mal bewusst.

    Ein weiterer positiver Eindruck kommt daher, dass der liebe Jakub kein perfekter Held ist, der im Alleingang die Welt retten muss - und immer perfekt aussieht, ob nun seit 3 Tagen im Kampfgetümmel oder ähnliche Szenarien. Nein, er darf sogar hochoffiziell auf die Toilette gehen, wo der Unterdruck an seinen Exkrementen zupft. Eine hochamüsante und wirklich herrlich charmante Schreibweise!

    Nicht zuletzt ein kleienr Hinweis: Es geht hier um einen Mensch im All, nciht die Raumfahrt an sich. Wer also auf der Suche nach Science Fiction ist, bekommt seinen Wunsch in diesem Fall absolut nicht erfüllt. Es geht auch eher weniger um das All an sich als die persönliche Reise von Jakub und wie sie ihn verändert.

    Fazit: Zuckersüß, dennoch anspruchsvoll und stellenweise einfach erheiternd - absolute Lese-Empfehlung mit 6 von 5 Sternen.

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    Fortis avatar
    Fortivor einem Jahr
    Kurzmeinung: Anders als erwartet - eher Familien- und Landesgeschichte statt abgefahrene Raumfahrtgeschichte.
    Anders als erwartet

    Der Titel und das Cover haben mich gleich angesprochen. Ich erwartete eine etwas abgefahrene, osteuropäische Geschichte. Daran dass der Autor schon seit seiner Jugend in den USA lebt, soll das auch nicht unbedingt scheitern. Es fing auch vielversprechend an: eine ganz schön absurde Geschichte, die in einer sehr nahen Zukunft angesiedelt ist. Tschechien schickt das erste Mal ein Raumschiff los, besetzt mit nur einem Astronauten. Klar, dass der irgendwann spinnt. 
    Es war aber selten witzig und auch nicht so absurd, locker und abgefahren, wie ich erwartet (gehofft?) hatte. Das Buch von Jaroslav Kalfař ist oft eher nachdenklich und arbeitet zudem die böhmisch-tschechische Geschichte auf: von Jan Hus über die Wende bis zur Jetzt-Zeit. Der Ich-Erzähler arbeitet in der Einsamkeit des Weltalls seine persönliche (Familien-)Geschichte - wenn nicht sogar die jüngere Geschichte seines ganzen Landes - auf. Das ist zwar interessant, wirkt auf mich aber manchmal etwas lang und schwermütig. Verpackt ist das vom Autor (und Übersetzerin) aber in eine flüssige, gut zu lesende Sprache. 
    Das Buch war nicht schlecht (keinesfalls!), aber ich hatte etwas anderes erwartet und vielleicht auch deshalb hatte das Buch für mich zwischendurch Längen.Wenn man sich nicht auf eine phantastievolle Raumfahrtgeschichte einstellt, sondern auf eine Aufarbeitung der neueren tschechischen Geschichte, wird man gut und durchaus ungewöhnlich unterhalten.

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    Aqua__s avatar
    Aqua__vor einem Jahr
    Auf ins All...

    Auf ins All - So lautete für mich das Stichwort zu Jaroslav Klafars Roman "Eine kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt". Bisher habe ich mich nie großartig mit der Raumfahrt beschäftigt, noch wirklich an sie gedacht. Ich weiß, dass der Hund Laika das erste Lebewesen im All war, nun macht sich im Jahr 2018 der Tscheche Jakub Prochaska als erster Raumfahrer seiner Nation auf den Weg.
    Es hat sich nämlich eine Wolke im Weltall gebildet, die genauer untersucht werden soll. Nach einigen Wochen im All glaubt Jasolav ein spinnenähnliches Wesen in seinem Raumschiff zu sehen, dass er Hanus tauft. Nachdem sich auch noch seine Frau von ihm getrennt hat, bleibt ihm im All nur noch Hanus mit dem er philosophische Gespräche über Gott und die Welt führt.
    Irgendwie absurd, aber irgendwie auch gut. Es ist ein Anstoß zu Philosophie, ein Anstoß von elementaren Fragen, die sich die Menschheit schon lange stellt und die sich auch jeder selbst stellen kann.
           

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    campino246s avatar
    campino246vor einem Jahr
    Langatmig

    Die Geschichte über den ersten böhmischen Astronauten in der Zukunft hat mich sehr interessiert. Es hörte sich alles etwas abgedreht und surreal an. Leider war ich von dem ebook sehr enttäuscht.

    Der Erzählstil hat mich nicht überzeugt. Schon zu Beginn des Buches erfolgt die Trennung von Jakub und seiner Frau. Das war mir zu früh, da ich Jakub gefühlt noch nicht richtig kannte und es dann schon surreal wurde. Die Rückblenden aus Jakubs Kindheit wären interessant, aber nicht in dem Kontext. Die Probleme die die Tschechen beschäftigen, die Uneigenständigkeit, der Druck durch die EU und natürlich die nicht aufgearbeitete Vergangenheit wären zusammen ein spannendes Thema. Aber als Rückblick wie in diesem Buch konnte dem meiner Meinung nach nicht Rechnung getragen werden.

    Meiner Meinung nach fehlte dem Buch ein Charakter, den der Leser mag und eine gute Prise Humor. Statt einer Liebesgeschichte wäre mir Humor wichtiger gewesen und hätte auch besser gepasst.

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    wusls avatar
    wuslvor einem Jahr
    enttäuschend

    Dieses Buch hat mich wahnsinnig interessiert, ob seiner äußerlichen Qualitäten. Zum einen ist dass das schöne Cover und zum anderen der vielversprechende Klappentext. Also habe ich es mir gekauft und freudig losgelegt.

    Aber wo, bitte, ist die Romantik, von der hier geschwärmt wird. Und das bisschen Philosophie, dass hier so lautstark angepriesen wird, ist schwer zu finden und doch eher Hausfrauengeplapper. Verrückt ist hier vor allem der Hauptdarsteller. Ob er das nur wird, weil er so lange alleine im Weltraum rumsegelt oder doch eher, weil die Eifersucht ihm im Nacken sitzt, sei mal dahingestellt. Der Erzählstil ist abschweifend und langatmig und ergeht sich in Ergüssen über die Vergangenheit der Tschechischen Republik, der Vergangenheit des Hauptakteurs und über allerlei Dinge, die eigentlich gar nichts mit der Handlung zu tun haben.

    Apropo Handlung. Die ist frei von Spannung und Aktion und ich fühlte mich bald ähnlich wie der Raumfahrer im luftleeren Raum, dem Wahnsinn nahe. Am Ende habe ich nur noch quergelesen. Schade.

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    D
    DreamingBooksvor einem Jahr
    Interessante Geschichte, die ans Herz geht


    Ich muss sagen, dass mich dieses Buch zu erst gar nicht unbedingt überzeugen konnte, denn ich finde sowohl das Cover als auch der Titel, führen den Leser ein wenig in die Irre, auch wenn er auf andere Art und Weise wieder sehr treffend ist. 
    Hätte ich allerdings nicht den Tipp einer Freundin zu Herzen genommen, wäre mir wohl ein wundervolles Leseerlebnis durch die Lappen gegangen 
    Denn natürlich erzählt dieses Buch, das leben eines Astronauten im Weltall, doch diese Geschichte erzählt eigentlich so viel mehr, der Inhalt des Buches geht unfassbar zu Herzen, den es erzählt, über Einsamkeit, über verlassen und verlassen werden und es erzählt über das Leben im allgemeinen, mit aller Schwermütigkeit, aber auch mit allem schönen 
    Und das alles wiedergespiegelt innerhalb einer ungewöhnlichen Kulisse, mit einem außergewöhnlichen Protagoniste, der mir spätestens nach der Hälfte des Buches ans Herz wuchs. 
    Für mich ein 4 Sterne Buch, da es doch eine weile gebraucht hat, bis ich Zugang zur Geschichte fand, doch dann ist es ein herzergreifendes manchmal auch humoristisches Buch

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    BonniesBuchemotions avatar
    BonniesBuchemotionvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Insgesamt hat mir das Buch super gefallen und ich bin gespannt, was uns in Zukunft von Debutautor Jaroslaf Kalfar noch so erwartet.
    Schwerelosigkeit im All und Gedankenausflug der besonderen Art

    Worum geht es? Jakub Procházka ist Raumfahrer, der erste in der tschechischen Geschichte. Außerdem ist er Professor für Astrophysik mit einschlägiger Erfahrung in der Erforschung interstellaren Staubs. Und das bringt ihm so einige Probleme ein... denn die tschechische Nation steht vor einer einmaligen Gelegenheit: Der Erforschung eines galaktischen Nebels, der Chopra-Wolke. Nachdem eine amerikanische Mission bereits gescheitert ist, stehen die Tschechen bereit und wollen herausfinden, wie groß die Bedrohung der Erde durch die Wolke im All ist.  
    Jakub würde gerne ein Held sein und nimmt daher die Strapazen einer Vorbereitung auf die Raumfahrt auf sich, die ihm schon viele Schwierigkeiten bereiten. Er startet ins All, alleine - jedoch nicht ganz. Schon nach kurzer Zeit findet er heraus, dass er einen Begleiter an Bord hat, mit dem er so einige spannende Gespräche führt... und sein Nutella teilt ;-) 
    "Nicht allein unsere Wissenschaft und unsere Technologie reisen durch dieses Vakuum, nein, auch unsere Menschlichkeit, unsere Schönheit in Gestalt Jakub Procházkas, des ersten Raumfahrers aus Böhmen, der die Seele der Republik zu den Sternen tragen wird." (S. 14)
    Meine Meinung Jakubs Geschichte hat mich schon vom Klappentext her gleich in ihren Bann gezogen. Und das Buch hat mich nicht enttäuscht. Man darf keine großen Abenteuer erwarten, keine SciFi Beschreibungen der Vorgänge im All. Vielmehr vermittelt das Buch ein Gefühl der Schwerelosigkeit. Man lässt sich treiben in Jakubs Gedanken, in seinen Gefühlen und sinniert mit ihm und seinem außerirdischen Begleiter über Sinn und Unsinn des Lebens, der Menschheit, der Missionen ins All. Was würdest Du tun, wenn Du 13 Wochen alleine im All wärst? Jakub hat eine wahnsinnig interessante Hintergrundgeschichte, in die wir phasenweise eintauchen dürfen. Sein Vater war im kommunistischen Dienst mitverantwortlich für die Folterung zahlreicher Menschen. In früheren Zeiten wurde die Familie dafür gefeiert, hatte überall ein hohes Ansehen und auch hinsichtlich der staatlichen Leistungen einen sehr hohen Stand. Doch nach dem Zusammenbruch des politischen Systems hat Jakub als Kind einen harten Einschnitt erleben müssen. Was das mit ihm gemacht hat kann man durch die eingängige Beschäftigung mit Jakub selbst, aber auch durch zahlreiche Dialoge mit seinem Begleiter erforschen, aber auch in seiner Verarbeitung des ganzen in einer späteren Phase des Buches. 
    "Ich wollte sehen, wie Gott das Universum berührte und durch den schwarzen Vorhang griff, um die Fäden zu schütteln, an denen die Planeten hängen." (S. 255)
    Mein Fazit"Eine kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt" hat es mir als Buch sehr angetan, denn ich liebe die philiosophische Sprache und den gewandten Wortwitz in diesem Buch. Gegen Ende wurde es mir dann doch etwas zu langatmig, zu viele Stränge wurden konsequent zu Ende geführt - was einerseits rein schriftstellerisch gut ist, jedoch beim Lesen doch die ein oder andere Länge erzeugte. Insgesamt hat mir das Buch super gefallen und ich bin gespannt, was uns in Zukunft von Debutautor Jaroslaf Kalfar noch so erwartet. 

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    killmonotonys avatar
    killmonotonyvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Sci-Fi-Fantastereien à la Solaris, vermischt mit der tschechischen Geschichte, einer Prise Philosophie und einer Nutella-vernarrten Spinne!
    Rezension: Eine kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt

    Wie unwahrscheinlich! Und doch sind wir hier.

    Ohhh, dieses Cover!  Wie sehr hat es mich gelockt! Und dann klang auch noch der Klappentext so vielversprechend… Wo ist der Haken? Spoiler: Es gibt keinen! Jaroslav Kalfars Debütroman „Eine kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt“ hat mich so von den Socken gehauen, dass es echt schwer war, fast drei Monate nichts zu verraten. Aber jetzt ist die Pressesperre vorbei und endlich darf ich euch etwas über dieses wunderbare Buch erzählen. Beginnen wir mit dem Inhalt:

    Jakub, ein Astrophysiker aus Tschechien, wird im Frühjahr 2018 mit dem Raumschiff JanHus1 ins All geschossen, um eine mysteriöse Staubwolke zu erkunden, die aus dem Nichts erschienen ist und den Menschen auf der Erde ein permanentes Lichterspektakel beschert. Woher kommt dieser Staub? Wieso scheint er sich zu verändern? Das sind die Fragen, denen Jakub nachgehen muss. Und er soll auch eine Probe mit zurück auf die Erde bringen. Während des doch sehr zeitintensiven Fluges erinnert sich Jakub zurück an seine Kindheit, die irgendwo in einem kleinen tschechischen Dorf seinen Lauf nahm, sein Vater ein Kommunist, dessen Handeln irgendwann der ganzen Familie schadet. Spätestens, nachdem seine Frau Lenka sich weigert, mit ihm zu telefonieren und plötzlich wie vom Erdboden verschluckt scheint, ist Jakub in der Einsamkeit des Alls dazu gezwungen, sich seiner Vergangenheit zu stellen. Eines Tages bekommt er sogar Gesellschaft an Bord des Schiffes: Ein riesiges Spinnenwesen mit 34 Augen und einer Vorliebe für Nutella („Köstlich, dieser Nutellaaufstrich. Reichhaltig und cremig, wie die Shtoma-Larven zu Hause. Man knackt sie auf und saugt das Fett heraus.“) hat sich in seinem Raumschiff eingenistet und ist auf einen Plausch aus. Doch ist das nur ein Hirngespinst Jakubs oder ist Hanuš real? Und was wird aus seiner Ehe, wenn er wieder zu Hause ankommt?

    Ich wollte sehen, wie Gott das Universum berührte und durch den schwarzen Vorhang griff, um die Fäden zu schütteln, an denen die Planeten hängen. Ein Beweis. […] Ich wollte einen Beweis für das Chaos. So sehr wollte ich ihn, dass ich ihn gar nicht wollte. Ich wollte, was jeder Mensch will. Dass jemand mir sagt, wofür ich mich entscheiden soll.

    Jaroslav Kalfar hat mit seinem Erstlingswerk eine Perle geschaffen, die inmitten der Belletristik-Neuerscheinungen funkelt und glänzt. „Eine kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt“ ist nämlich nicht nur das, sondern auch eine Geschichte über Tschechien, seine Kriege, seine Kämpfer, und mittendrin Jakub und seine Familie und eigentlich über Jakub gesamtes Leben. Kalfar erzählt hier mit einer derben, aber doch poetischen und nachdenklichen Sprache, wie Jakub im Weltraum über all diese Dinge kontempliert, und ich muss sagen, obwohl ich gar nicht der Geschichts-Typ bin, fand ich das Buch doch zu keinem Zeitpunkt langweilig. Kalfar nimmt uns mit auf eine Reise, nicht nur in vergangene Zeiten Tschechiens, sondern auch in ferne Weiten. Dass Jakub im All Besuch bekommt, ist dank dem Klappentext keine Überraschung mehr, trotzdem ist man positiv überrascht, als Hanuš das erste Mal in der JanHus1 erscheint. Jakub wächst das große Spinnenwesen im Verlauf des Buchs doch ziemlich ans Herz, aber was passiert, wenn er erst einmal wieder auf der Erde ist? Erfährt er Geheimnisse von Hanuš‘ Welt? Bekommt er sie vielleicht sogar zu Gesicht? All diese Fragen geistern dem Leser während der Lektüre im Kopf rum, und auf manche erhält man auch tatsächlich die Antwort. „Eine kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt“ ist so hervorragend erzählt, dass ich, obwohl ich noch nicht ahnte, wohin die Reise geht, von Anfang an schon gemerkt habe, dass ich hier ein wahres Schätzchen in den Händen halte. Humor und Philosophie ecken hier aneinander, gewürzt mit einer kräftigen Ladung „Was ist der Sinn?“.

    Die vollständige Rezension findet ihr auf meinem Blog: http://killmonotony.wordpress.com

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    Fornikavor einem Jahr
    Nutella im All

    Ein kosmischer Sternennebel verändert den Nachthimmel. Während sich die Großen der Raumfahrt noch zieren, legt das kleine Land Tschechien vor und schickt Jakub Procházka als Ersten auf eine Aufklärungsmission ins All. An Bord reichlich Technik, ausreichend Wodka und jede Menge Nutella. Gerade die braucht Jakub dringend, denn nach endlosen Wochen Flug ist er plötzlich nicht mehr allein an Bord. Und sein Mitbewohner sehr angetan von der Haselnuss der Erde.

     Eine Geschichte über einen böhmischen Raumfahrer in gefährlicher Mission, in nicht allzu ferner Zukunft; klingt doch interessant, oder nicht? War es auch. Der Autor schrieb witzig, gleichzeitig nachdenklich und lies noch einiges an jüngerer böhmischer Geschichte einfließen. Ein wunderbarer Roman. So bis zur Hälfte. Ab da hatte ich wirklich keine Ahnung mehr, wohin der Autor eigentlich mit seiner Handlung wollte. Er wahrscheinlich auch nicht. Sollte es ein Sci-Fi-Abenteuer werden, mit haarigen, achtbeinigen Aliens? Ein psychologisches Kammerstück über einen einsamen, einsamen Astronauten? Ein Eheratgeber (Quintessenz: sei kein Egoist, flieg nicht 8 Monate ins All, das hält deine Frau nicht aus)? Ein Sachbuch über böhmische Geschichte mit besonderem Augenmerk auf die Revolution um 89? Ein Nutellawerbespot?? Ich neige zu Letzterem, den alles andere gibt nicht so wirklich Sinn. Die Handlung verlief sich im Sternenstaub… ähm Sande und ich war letztendlich froh das Ende erreicht zu haben. Sprachlich fand ich die Geschichte recht ansprechend, das konnte aber über die inhaltlichen Mängel nicht hinweghelfen. Eine schöne Romanidee, die bei mir allerdings eine derbe Bruchlandung hingelegt hat.

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    »Man muss Jaroslav Kalfars böhmische Raumfahrtsgeschichte nicht an Kafka, Lem, Hasek oder Philipp K. Dick messen. Der junge tschechische Autor mit amerikanischem Pass und einem auf den rechten Unterarm tätowierten Astronauten bringt in seinem Romandebüt Realität und Fantasie auf eine durchaus eigene Formel.«
    Walter Famler, spectrum, 24.02.3018

    »Der Roman platzt vor Geschichten und Fantastereien, weil sein einfallsreicher Autor mit so ungebremsten Erzähldrang bei der Sache ist. Ebenso groß ist dementsprechend auch der Lesedrang.«
    Katharina Granzin, taz, 13.02.2018

    »„Eine kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt", teilweise eine Auseinandersetzung mit der jüngsten tschechischen Geschichte, andererseits ein skurriler Sciene-Fiction, besticht vor allem durch die Fabulierkunst des geborenen Ich-Erzählers Jaroslav Kalfar.«
    Hans Durrer, buchkritik, 12.2017

    »davon spricht dieser so überschäumend erzählte wie klug konstruierte Roman auf jeder Seite: Was hat sich durch den Systemwechsel geändert, was ist geblieben und was sind die Faktoren, die das eine wie das andere bewirken?«
    Tilman Spreckelsen, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.08.2017

    »Kalfar hat mit "Eine kurze Geschichte der böhmischen Raumfahrt" einen rasanten, turbulenten Debütroman geschrieben; einen Roman, der an die frühen Bücher eines Jonathan Safran Foer oder eines Gary Shteyngart erinnert ... einen ebenso absurden wie realistischen, einen gleichermaßen komischen, klugen und melancholischen, vor allem aber als junger amerikanischer Autor einen typisch tschechischen Roman«
    Gerrit Bartels, Der Tagesspiegel, 03.08.2017

    »In imaginärer Lichtgeschwindigkeit verbindet Kalfars Roman Politik, Märchen, Trash und die Geschichte einer scheiternden Liebe mit dem ersten und letzten Dingen. Steven Spielberg trifft auf Bohumil Hrabal.«
    Stefan Kister, Stuttgarter Zeitung, 07.08.2017

    »Eine wunderbare Sommerüberraschung. Spannend, unterhaltsam, nie oberflächlich.«
    Irene Zöch, Die Presse, 20.08.2017

    »[Kalfar] vermischt Elemente von Thriller, Science-Fiction und Liebesstory mit packenden Ausflügen in die Geschichte der Tschechischen Republik. Prager Geheimdienstler und ihre Opfer spielen ebenso mit wie Moskauer Himmelsstürmer.«
    Karin Grossmann, Sächsische Zeitung, 05./06.08.2017

    »Mit Kalfars Werk erhält diese literarische Landschaft eine weitere Perspektive, die absolut lesenswert ist: die unmittelbare Verbindung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, von persönlichen, kollektiven und historischen Erfahrungen, von tragischen und komischen Momenten. Großartig.«
    Martina Winkler, zeitgeschichte-online.de, 01.08.2017

    »es ist ein herrlicher Unfug, den Jaroslav Kalfar da verfasst hat.«
    Katja Zimmermann, missmesmerized.wordpress.com, 31.07.2017

    »Alles zusammen ergibt einen modernen, interessanten tschechisch-amerikanischen Roman, der davon lebt, dass der philosophisch veranlagte Kalfar seine Wurzeln erforscht und sie zugleich bis in die menschliche Seele und ins wundersame All ranken lässt.«
    Christian Endres, Geek!, August 2017

    »Ein Debüt voll überbordender Fantasie, sprühend vor Vitalität und Originalität.«
    New York Times

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