Jaroslav Rudiš

 3.8 Sterne bei 25 Bewertungen
Autor von Nationalstraße, Grand Hotel und weiteren Büchern.

Neue Bücher

Winterbergs letzte Reise

Erscheint am 25.02.2019 als Hardcover bei Luchterhand.

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Nationalstraße

Nationalstraße

 (13)
Erschienen am 29.02.2016
Grand Hotel

Grand Hotel

 (6)
Erschienen am 03.11.2008
Die Stille in Prag

Die Stille in Prag

 (4)
Erschienen am 13.01.2014
Alois Nebel

Alois Nebel

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Erschienen am 10.02.2012
Grand Hotel

Grand Hotel

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Erschienen am 27.04.2018
Winterbergs letzte Reise

Winterbergs letzte Reise

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Erschienen am 25.02.2019
Der Himmel unter Berlin

Der Himmel unter Berlin

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Erschienen am 08.03.2016
Alois Nebel - Leben nach Fahrplan

Alois Nebel - Leben nach Fahrplan

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Erschienen am 01.03.2013

Neue Rezensionen zu Jaroslav Rudiš

Neu

Rezension zu "Nationalstraße" von Jaroslav Rudiš

Ein Blick in das Hirn eines Prager Vorstadt-Säufers
Nilvor 2 Jahren

Vandam, der Mann der 1989 den ersten Schlag auf der Prager Nationalstrasse ausgeteilt hat.

Vandam, mehr als 20 Jahre später ein armer Säufer in der Betonburg, eine Plattenbausiedlung am Stadtrand von Prag.

Vandam, ein belesener Schläge, der in die Fußstapfen seines Vater tritt und den Halt verliert.

Vandam, der nur noch seien Saufkumpels aus der Severka, seine Stammkneipe, hat.

Der Roman Nationalstrasse von Jaroslav Rudiš ist im Grund eine monologisierte Milieu-Studie aus den Gedanken des Protagonisten Vandam heraus.

Stilistisch hat sich der Autor enorm gut in diesen Schläger-Alki eingearbeitet. Das wir hier auf ca. 150 Seiten einem Monolog lauschen, merkt man kaum, aber ein unverzichtbarer Blickwinkel um zu verstehen.

Hart ist das Leben und widerlich dieser Vandam. Wunderbar hat Rudiš neutral seine Position eingenommen und lässt den Leser alleine entscheiden wie er das, was er da präsentiert bekommt, finden mag.

Hier zwei Sätze, die den gesamten Roman durchziehen:

"Wenn der Krieg kommt, sind die Dicken dünn und die Dünnen tot." Und "Frieden ist nur eine Pause zwischen zwei Kriegen."

Einzige Kritik gilt eher den Pressestimmen zum Roman. Dort wurde immer und immer wieder der Aspekt der Nationalstrasse stark betont. Was die Lektüre mit Nichten bestätigte. Aus meiner Sicht nicht der Kern des Romans.

Fazit: Kein schönes Buch, aber ein bildendes! Gute Lektüre für einen düsteren Sonntag Nachmittag auf der Couch!

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Rezension zu "Nationalstraße" von Jaroslav Rudiš

Selbstrechtfertigung eines halbfiktiven Schlägers
derMichivor 2 Jahren

Als braver Normalbürger fragt man sich, ähnlich wie professionell schockierte Reporter, anhand diverser Gewaltexzese oft, was denn nun im Kopf der Täter vor sich geht. Rudiš ist offenbar nicht daran gelegen, allgemeingültige Lösungsansätze und die Verantwortung der Gesellschaft zu diskutieren. Vielmehr schreibt er, inspiriert von einer wahren Begebenheit, die Geschichte Vandams schonungslos als die eines tschechischen "Wendeverlierers", den sein Frust in die Arme der selbstgerechten Gewalt getrieben hat. Als Nazi sieht er sich keineswegs, obwohl er gerne mal den Arm zum "römischen Gruß" erhebt. Immerhin waren die Römer für ihn nicht nur militärische Genies, sondern die ersten "wirklichen Europäer".
Die Begeisterung für Kriege, die nach Vandams Meinung nur kurz von Friedensphasen als "Pause dazwischen" unterbrochen werden, spricht für sich. Das Klischee vom dummen Rechten greift nur teilweise, in Bezug auf sein Lieblingsthema ist er überaus belesen. Dafür stempelt Vandam alle, die seine Meinung angreifen, als bigotte Lügner ab, die für alles Schlechte in der Welt mitverantwortlich sind. Ihn selbst trifft natürlich keine Schuld, er ist ein Opfer der Umstände und wiederholt seine Mantra der Ungerechtigkeit in scheinbar endlosen Monologen. Die Erzählung wechselt nur für ein Kapitel in die Sichtweise eines auktorialen Erzählers, welches gleich einer Filmszene stimmungsvoll erzählt wird. Ansonsten wirft der halbfiktive Vandam als Ich-Erzähler dem Leser seinen Hass weitgehend ungefiltert entgegen. Er hat ja nichts gegen Minderheiten, aber Anstand und Ordnung müssen sein. Und so findet sich immer wieder ein Grund für Ausfälligkeiten gegenüber anderen, den er nur vor sich selbst und in traumartigen Szenen im Gespräch mit seinem Sohn rechtfertigt.
Wer sich neue Erkenntnisse über den Weg ins faschistische Milieu erhofft, der wird von "Nationalstraße" vermutlich enttäuscht sein. Es ist eine leicht vereinfachte, eher symbolische Geschichte, die sich zwar an manchen Klischees abarbeitet, dafür aber zeigt, dass es nicht nur in Deutschland Probleme mit gewalttätigen Wutbürgern gibt.

Originaltitel: "Národní třída"
Seitenzahl: 160
Format: 13,4 x 20,5 cm, Broschur
Verlag: Luchterhand

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Rezension zu "Nationalstraße" von Jaroslav Rudiš

"Frieden ist nur eine Pause zwischen zwei Kriegen"
Bea1002vor 3 Jahren

"Adolf Hitler hat mir das Leben gerettet.
Ich weiß, was du sagen willst.
Sag es nicht."


Klappentext
Frieden ist nur eine Pause zwischen zwei Kriegen

[...]

Gekonnt schlüpft Jaroslav Rudiš in diesem brillanten Monolog in den Kopf und den Körper eines Schlägers: »Da wird mir das alles zu viel, meine Hand zuckt schon wieder, mein Herz pocht, ich spüre, wie sich alles in mir staut, wie es raus will, wie mein ganzer Körper kribbelt. Ich atme tief ein und aus, zum Schluss habe ich mich wieder.« Rudiš Buch gleicht einem Schlag in die Magengrube – und basiert auf einer realen Figur.

Für meine Rezension habe ich den Klappentext um zwei Drittel gekürzt, da er zu viel preisgibt.

Inhalt
Vandam ist der Held seiner Plattenbausiedlung, auch heute noch, Jahrzehnte, nachdem er die Samtene Revolution in Prag losgetreten hat. Er war der erste, der zugeschlagen hatte. Gern lässt er sich von seinen Freunden für diesen Triumph feiern, in seiner Stammkneipe im Plattenbauwald.
Er ist ein Römer, ein Europäer. Und jeder, der ihn einen Nazi nennt, hat ja mal so gar keine Ahnung. Provozierst du ihn oder benimmst dich daneben, dann erteilt er dir eine Lektion. Und diese Lektionen tun weh...

Autor & Buch
Jaroslav Rudiš ist Schriftsteller und Drehbuchautor, der in Prag, Berlin und Zürich Deutsch und Geschichte studierte. Er schrieb Gedichte, Erzählungen und Songtexte bevor sein Roman "Der Himmel unter Berlin" 2006 verfilmt wurde.
2012 und 2014 folgten seine Werke "Die Stille in Prag" und "Vom Ende des Punktes in Helsinki".
Die Originalausgabe von "Nationalstraße" erschien erstmals 2013 im tschechischen Verlag Labyrint.

Im Nachwort schildert der Autor, dass das Buch auf einem Gespräch basiert, welches er vor Jahren in einer Prager Kneipe mit einem Mann führte, der sich Vandam nannte und ihm "Geschichte für Geschichte" vom Leben erzählte...

Aufbau & Schreibstil
Nationalstraße besteht aus 13 Kapiteln, wobei zwölf davon einen Monolog der Figur Vandam darstellen und eines aus der Sicht eines personalen Erzählers geschildert wird. Dies ist auch das einzige Kapitel, welches eine Überschrift trägt.
Über den Rest des Buches erstreckt sich ein Monolog. Der Schreibstil ist kurz und prägnant. Vandam sagt das, was er sagen möchte, ohne Umschweife, malerische Ausschmückungen oder dergleichen. Der Text ist von permanenten Wiederholungen durchzogen, durch die schnell klar wird, auf was es für Vandam wirklich im Leben ankommt. Ein sehr direktes Leseerlebnis, wodurch ich die 150 Seiten recht fix in zwei Tagen durchgelesen hatte.

Meine Meinung
Ich musste mich an den Stil des Monologes erst gewöhnen. Es wurde sehr häufig das rhetorische Stilmittel der Anapher benutzt, was mich an sich nicht gestört hat, ich die Menge an Anaphern allerdings als übertrieben empfand.
" Sie labern dich voll, von wegen du sollst glücklich sein. 
Sie labern dich voll, du sollst dankbar sein."

Diese "Sie labern dich voll"-Sätze erstrecken sich über zwei Seiten.

Vandam nahm für mich zunächst die Rolle des typischen "braunen" Mitbürgers ein. Mit der Zeit konnte ich mich allerdings immer mehr in ihn einfühlen und verstand seine Wut und Denkweise.
Eine zentrale Rolle in seinem Leben nimmt seine Stammkneipe ein, wo er täglich nach der Arbeit dieselben Freunde trifft. Gemeinsam stoßen sie auf die Geschichte an und das, was ihre Väter damals geleistet haben. Es scheint, als hätten sie nichts, wofür es sich in der Gegenwart zu leben lohnt. Sie klammern sich voller Begeisterung an die Vergangenheit und lassen die alten Tage aufleben.
Wenn man den Gedanken zulässt, dass Vandam aufgrund zahlreicher äußerer Umstände erst so geworden ist, wie er ist, kann man sogar ein wenig Sympathie und auch Mitleid für ihn empfinden. Weiterhin erkennt man mit der Zeit, dass Vandam durchaus kein dummer Mann ist. Er ist themenspezifisch sehr belesen und auch ebenso gewissenhaft, was körperliche Ertüchtigung betrifft.

Der Klappentext verrät viel zu viel über den Inhalt dieses Buches. Es wird in ihm alles vorweggenommen, wodurch der Leser Momente des Erstaunens oder der Erschütterung erleben könnte. Sehr schade!

Fazit
Mich hat dieses Werk überrascht. Meine anfänglichen Schwierigkeiten und dadurch entstandenen Zweifel habe ich sehr schnell wieder über Bord geworfen. Dieses Buch erzähl die niederschmetternde Wahrheit über Teile der Bevölkerung eines Landes, welches mit den damaligen politischen Veränderungen nicht zurecht gekommen ist. Dass die Geschichte auf einer wahren Begebenheit beruht, macht es nur noch ernüchternder...

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