Jasmin Ramadan Kapitalismus und Hautkrankheiten

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Inhaltsangabe zu „Kapitalismus und Hautkrankheiten“ von Jasmin Ramadan

Teresa Kugler ist rastlos, promiskuitiv und liebt niemanden außer ihren Bruder Ture, der sich manchem Ungeziefer verbundener fühlt als jeglichen Menschen. Immer wenn Teresa sich unter Druck gesetzt fühlt oder sie diffuse Erinnerungen an die Kindheit überkommen, wird sie von einer imaginären Schleimschicht befallen. Zuflucht sucht sie bei Ture, der ihr rät, die Ursache ihrer Neurose zu ermitteln. Denn er ist sicher: Es gibt einen Zusammenhang zwischen dem Zerwürfnis ihrer Eltern, dem Wegzug der eng befreundeten Familie Tinn, mit denen sie in den Achtzigern eine wichtige Zeit in Nicaragua verbracht hatten, und Teresas verirrtem Dasein. Teresa beginnt, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen. Dadurch wird nicht nur ihr Leben aufgewühlt.

Schönheit und Reichtum, die Pfeiler der Gesellschaft. Ein skurriler, überzeichneter, aber sehr lesenswerter Roman.

— Wortwelten
Wortwelten

Abgedrehte Geschichte mit skurrilen Charakteren, die mit den verschiedensten Macken und Neurosen zu kämpfen haben.

— Lunamonique
Lunamonique

Krasses Buch über die Tragödie einer Familie ... in der ein jeder von Selbsthass, Gier, Geilheit und Einsamkeit zerfressen wird ...

— 19angelika63
19angelika63

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  • Eine Gesellschaftskritik

    Kapitalismus und Hautkrankheiten
    Bella5

    Bella5

    "Teresa Kugler ist rastlos, promiskuitiv und liebt niemanden außer ihren Bruder Ture, der sich manchem Ungeziefer verbundener fühlt als jeglichen Menschen. Immer wenn Teresa sich unter Druck gesetzt fühlt oder sie diffuse Erinnerungen an die Kindheit überkommen, wird sie von einer imaginären Schleimschicht befallen. Zuflucht sucht sie bei Ture, der ihr rät, die Ursache ihrer Neurose zu ermitteln. Denn er ist sicher: Es gibt einen Zusammenhang zwischen dem Zerwürfnis ihrer Eltern, dem Wegzug der eng befreundeten Familie Tinn, mit denen sie in den Achtzigern eine wichtige Zeit in Nicaragua verbracht hatten, und Teresas verirrtem Dasein. Teresa beginnt, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen. Dadurch wird nicht nur ihr Leben aufgewühlt …" Meine Meinung: Zuerst war ich fast ein wenig enttäuscht, da ich dachte, Ähnliches mit einer ähnlichen Figurenkonstellation und ähnlichen Konflikten schon gelesen zu haben. Ture & Teresa stehen im Schatten der berühmten Eltern (va der Mutter). Bärbel ist eine erfolgreiche Schauspielerin, die Ehe mit dem Mann aber eigentlich am Ende, sie liebt ihn, er zieht unters Dach, leidet an Schuppenflechte, Teresa und Ture leiden irgendwie an OCD und sind sich näher als den Eltern. Ture ist fast ein wenig autistisch und auch die Fixierung auf die Insekten ist fast ein Topos und soooo neu m.E. nicht. Jasmin Ramadan hat aber mit ihrem gesellschaftskritischen, surrealen Roman etwas Eigenes geschaffen, das sprachlich und stilistisch einfach klasse ist. Es gibt keinerlei Längen im Roman. Kaputte Familien, Materialismus, Sex als "Währung" und eine krankhaft auf Jugend fixierte Gesellschaft ohne Werte (dafür aber mit 'Ersatzreligionen' wie Fitneß und Vegetarianismus) prangert die Autorin an. Außerdem eine Misogynie, die Frauen zu a) Sexobjekten macht (falls sie noch jung sind) oder b) zu unsichtbaren Wesen (falls sie 'zu' alt sind). Männer fortgeschrittenen Alters gieren wie selbstverständlich nach jungen Frauen, und die jungen Frauen setzen ihre Sexualität entpersonalisiert als Mittel zum Zweck ein. Kinder verkommen zum Accessoire, und der Neoliberalismus hält auch im Privaten Einzug. Doch auch der linke, politische Aktionismus der '68-er Generation wird als Selbstzweck entlarvt, und im Alter ist von den Idealen nichts mehr geblieben, politisch korrekt werden z.B. Tiere gerettet bzw adoptiert. Menschen werden nur noch nach ihrem "Marktwert" beurteilt. Ture und Teresa Kugler, die neurotischen Zwillinge, sind das Produkt ihrer Umwelt. Ihre Eltern Bärbel und Dietrich leben zwar noch unter einem Dach, aber nicht mehr miteinander: "Sie liebt ihn, er ist pleite." Eigentlich hat aber Bärbel eine Höllenangst, allein zu sein. Der Akademiker und die Schauspielerin sind trotz ihrer Zugehörigkeit zur upper class keine Vorbilder, zeichnen sich durch wenig Empathie für ihre Kinder aus. Der ehemalige Professor Kugler ist moralisch gesehen ein absoluter Versager, seine Krankheit womöglich die Manifestation von Schuld; Teresas und Tures Krankheiten eine Folge der kaputten Familienverhältnisse. Beide sind zur Mitmenschlichkeit unfähig, Teresa findet jeder schön, aber keiner mag sie wirklich, als ehemaliger Kinderstar steht sie stets im Schatten der Mutter und hat doch als Model und Werbeikone ein Auskommen. Am Ende des Romans werden große Familengeheimnisse enthüllt, die zum totalen Zusammenbruch des Systems führen und die Züge einer griechischen Tragödie tragen ( genau weiss man es nicht, das Ende ist offen); für Bärbel scheint eine Katharsis möglich. "Kapitalismus und Hautkrankheiten" liess mich oft an Eugène Ionescos "Nashörner" und Michel Houellebecqs "Elementarteilchen" denken. Die Figur Ture erinnert an Houellebecqs "Michel". Ausserdem kam mir Frédéric Beigbeders "Neunundreissigneunzig" in den Sinn, als es um die Werbebranche ging. Ramadan entlarvt manche "Glaubensinhalte" als hohle Attitüde: "Ich esse doch gar kein Fleisch! " "Deshalb bist du kein besserer Mensch!" Obwohl manche Elemente für mich nicht neu waren, möchte ich Ramadans Roman zur Lektüre empfehlen, da er mich sprachlich, stilistisch & thematisch absolut überzeugt hat. Ich vergebe 5 von 5 Sternen.

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    awogfli

    awogfli

    18. November 2014 um 11:43
  • Leserunde zu "Das indiskrete Leben der Alice Horn" von Anne Lise Marstrand-Jørgensen

    Das indiskrete Leben der Alice Horn
    Insel_Verlag

    Insel_Verlag

    Frauen, Familie und freie Liebe – wie frei ist der Mensch? Ein freies, selbstbestimmtes Leben führen zu können, war lange nicht – und ist noch längst nicht überall auf der Welt – selbstverständlich. Mit der sexuellen Revolution in den 1970er Jahren nahm die Entwicklung dieser Freiheiten ihren Anfang. In Das indiskrete Leben der Alice Horn nimmt uns die Autorin Anne Lise Marstrand-Jørgensen mit zurück in diese turbulente Zeit. Mit emotionaler Kraft und psychologischem Feingefühl erzählt sie von einer Frau, die dem Treibsand des Selbstverrats zu entgehen versucht, von Töchtern, die sich und ihre Weiblichkeit neu erfinden müssen und von einer Familie, deren Grundfeste sich auflösen ... Mehr über das Buch: Es ist das Jahr 1969. Getrimmte Hecken, akkurat gestutzte Vorgärten und penibel vorgezogene Gardinen bestimmen das Leben der Vororte. Doch die Verheißung einer neuen Zeit liegt in der Luft: Revolutionäre Ideen verbreiten sich wie Lauffeuer, Kommunen und Swingerclubs schießen aus dem Boden, und in der Sommerhitze lassen immer mehr Menschen ihre Hüllen fallen: Freie Entfaltung! Freie Liebe! Freie Sexualität! Während Eric sich den neuen Idealen mit Haut und Haar verschreibt, stürzt seine zurückhaltende Frau Alice in einen zermürbenden Konflikt: Kann sie eine offene Beziehung führen, mit anderen Männern schlafen? Was wird aus ihrer Ehe, ihrer Familie, ihren Töchtern? Zwischen sexueller Experimentierlust und Prüderie, Emanzipation und Selbstaufgabe verliert Alice zunehmend den Halt in ihrem Leben und sich selbst aus den Augen. Und steuert auf eine Katastrophe zu, die ihre ganze Familie zu verschlingen droht … Hier geht’s zur Leseprobe » Die Zeitschrift Elle schreibt über Anne Lise Marstrand-Jørgensens Roman: »Mad Men trifft auf Desperate Housewives.« Wenn Ihr Lust habt, Euch in den fesselnden Roman dieser beeindruckenden dänischen Gegenwartsautorinnen zu stürzen, dann bewerbt Euch um eines von 25 Exemplaren von Das indiskrete Leben der Alice Horn, indem Ihr uns bis zum 06. Oktober 2014 folgende Frage beantwortet*: Was bedeutet für Dich, ein freies Leben zu führen? Mehr über die Autorin: Anne Lise Marstrand-Jørgensen wurde 1971 in Frederiksberg/Dänemark geboren. Sie studierte Literaturwissenschaft und arbeitet als Literaturkritikerin für die Zeitung Berlingske Tidende. Sie veröffentlichte bereits mehrere Gedichtsammlungen und Romane. 2013 wurde sie mit dem Otto-Gelsted-Preis der Dänischen Akademie ausgezeichnet. Anne Lise Marstrand-Jørgensen lebt mit ihrer Familie in Kopenhagen. *Bitte beachtet, dass ihr euch im Gewinnfall zur aktiven Teilnahme an der Diskussion in allen Leseabschnitten und zum Verfassen einer abschließenden Rezension verpflichtet.

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  • Leserunde zu "Kapitalismus und Hautkrankheiten" von Jasmin Ramadan

    Kapitalismus und Hautkrankheiten
    Klett-Cotta_Verlag

    Klett-Cotta_Verlag

    Wir würden gerne einmal wieder eine Leserunde mit euch starten. Diesmal zu einem Buch aus unserem Imprint Tropen Verlag. Seid ihr dabei? »Kapitalismus und Hautkrankheiten« der neue Roman der Bestseller-Autorin Jasmin Ramadan Infos zum Buch: Teresa Kugler, Schauspielerin und Gelegenheitsmodel, ist Anfang dreißig, bildschön und erfolglos. Sie möchte mit ihrem Leben endlich ins Reine kommen. Dabei ist ihre prominente Mutter keine Hilfe, auch der Stubenhocker-Vater macht alles nur noch schlimmer. Ihr misanthropischer Zwillingsbruder gibt ihr schließlich einen Hinweis auf ein Familiengeheimnis. Neugierig geworden? Dann könnt ihr hier ins Buch reinlesen. Wir wünschen viel Spaß! Teresa Kugler ist rastlos, promiskuitiv und liebt niemanden außer ihren Bruder Ture, der sich manchem Ungeziefer verbundener fühlt als jeglichen Menschen. Immer wenn Teresa sich unter Druck gesetzt fühlt oder sie diffuse Erinnerungen an die Kindheit überkommen, wird sie von einer imaginären Schleimschicht befallen. Zuflucht sucht sie bei Ture, der ihr rät, die Ursache ihrer Neurose zu ermitteln. Denn er ist sicher: Es gibt einen Zusammenhang zwischen dem Zerwürfnis ihrer Eltern, dem Wegzug der eng befreundeten Familie Tinn, mit denen sie in den Achtzigern eine wichtige Zeit in Nicaragua verbracht hatten, und Teresas verirrtem Dasein. Teresa beginnt, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen. Dadurch wird nicht nur ihr Leben aufgewühlt … Kurzinfo zur Autorin: Jasmin Ramadan, geboren 1974, lebt in Hamburg. Ihre Mutter ist Deutsche, ihr Vater Ägypter. Sie studierte Germanistik und Philosophie. 2009 gelang ihr mit ihrem Debüt »Soul Kitchen« zum gleichnamigen Kino-Hit von Fatih Akin ein Überraschungserfolg. Für ihren neuen Roman »Das Schwein unter den Fischen« erhielt sie den Hamburger Förderpreis für Literatur. Mehr über die Autorin unter: www.jasminramadan.de

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  • Kapitalismus und Hautkrankheiten

    Kapitalismus und Hautkrankheiten
    Blaustern

    Blaustern

    24. July 2014 um 16:26

    Teresa Kugler ist Werbemodel, wäre aber viel lieber wie ihre Mutter, eine erfolgreiche Schauspielerin, in dessen Schatten sie seit langem steht. Doch dazu wird es nicht kommen, denn sie ist nicht in der Lage, sich in jemanden hineinzuversetzen bzw. hineinzufühlen. Ihr oberflächlicher Charakter macht sie in dieser Hinsicht unfähig. Sie ist sich selbst fremd, obszön und unterhält keinerlei Beziehungen, weder Liebes- noch Sozialbeziehungen. Einzig ihren Zwillingsbruder Ture vergöttert sie, doch der ist lieber von seinen Insekten umgeben. Auch der kennt keine emotionalen Verbindungen, und während Teresa ihre Sexpartner wie Unterwäsche wechselt ohne einen Gedanken an ihre Partner zu verschwenden, bekommt Ture nach dem Sex Aggressionen. Der Vater und Ture leiden an einer Hautkrankheit, Teresa bei jeder Erinnerung an ihre Kindheit an einer eigenartigen eingebildeten Schleimschicht. Was ist bei ihnen falsch gelaufen? Liegt es an den Unstimmigkeiten und eigenartigem Zusammenleben ihrer Eltern? Seit 20 Jahren schreibt ihr Vater an dem Roman „Kapitalismus und Hautkrankheiten“ und lebt auf dem Dachboden; ihre Mutter hat aber aus Angst vor dem Alleinsein nicht die Traute, sich von ihm zu trennen. Ist ein vergangenes Familiengeheimnis Schuld an dem Zerfall dieser Familie? Ture rät Teresa, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen, und damit bringt sie schließlich alles in Aufruhr. Die Charaktere in diesem Roman sind allesamt kurios und absonderlich und völlig ichbezogen. Mitleid, Trauer oder Schmerz sind ihnen fremd, von Verständnis gar nicht erst zu reden. Sie sind nie für jemand anderen da, dementsprechend kommt das Echo zurück. So leben in einer trostlosen Welt ohne jegliches Glücksgefühl und Liebe. Sex dient nur zur schnellen Befriedigung der momentanen Bedürfnisse. Was zählt sind Aussehen, Vermögen und Glamour. Trugbilder unserer heutigen Gesellschaft. So bleibt die Verständigung natürlich auch auf der Strecke, was in dem Roman voll und ganz zum Ausdruck kommt. Die Autorin hat einen ganz individuellen Schreibstil, der sich von der Masse ausgrenzt und auch Stil hat. Höhnischer Humor wird unbewusst wahrgenommen, und der Spannungsbogen ergibt sich aus der Neugier nach dem Familiengeheimnis, welches solche weitreichenden Folgen haben kann. Die Entscheidung eines offenen Endes passt perfekt zu diesem Roman.

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  • Was für ein krasses und abgefahrenes Buch - ich bin fasziniert!

    Kapitalismus und Hautkrankheiten
    19angelika63

    19angelika63

    Klappentext Teresa Kugler ist rastlos, promiskuitiv und liebt niemanden außer ihren Bruder Ture, der sich manchem Ungeziefer verbundener fühlt als jeglichen Menschen. Immer wenn Teresa sich unter Druck gesetzt fühlt oder sie diffuse Erinnerungen an die Kindheit überkommen, wird sie von einer imaginären Schleimschicht befallen. Zuflucht sucht sie bei Ture, der ihr rät, die Ursache ihrer Neurose zu ermitteln. Denn er ist sicher: Es gibt einen Zusammenhang zwischen dem Zerwürfnis ihrer Eltern, dem Wegzug der eng befreundeten Familie Tinn, mit denen sie in den Achtzigern eine wichtige Zeit in Nicaragua verbracht hatten, und Teresas verirrtem Dasein. Teresa beginnt, sich mit ihrer Vergangenheit auseinanderzusetzen. Dadurch wird nicht nur ihr Leben aufgewühlt … Teresa Kugler ist die Hauptprotagonistin in diesem Buch. Sie ist Anfang 30, lebt in Hamburg, ist hübsch und hatte schon als Kind die eine oder andere Filmrolle. Seit dem wuselt sie sich so dadurch. Mal hat sie ein Modeljob, dann mal wieder eine Filmrolle. Sie liebt schnellen und unverbindlichen Sex, denn zu Gefühlen ist sie nicht fähig. Außerdem hat sie gelernt, dass schneller Sex ihr auch beruflich hilfreich ist. Einzig ihren Bruder Ture liebt sie. Und er liebt sie. Ture ist Teresas Zwillingsbruder und auch nicht fähig Gefühle auszudrücken oder zu lieben. Einzig Tiere jeglicher Art liebt er und das in einer Art und Weise, in der man Menschen lieben sollte. Dann sind da noch Bärbel und Dietrich. Die Eltern der beiden. Sie leben seit einem Vorfall in den 80zigern räumlich voneinander getrennt. Bärbel ist eine erfolgreiche Schauspielerin und Dietrich versucht sich seit dem Vorfall als Schriftsteller. Tja und eines haben Teresa, Ture und Dietrich gemeinsam … seit jenem Vorfall leiden alle unter einer Hautkrankheit. Nie wurde darüber gesprochen und nun versucht Teresa herauszubekommen was damals geschehen ist. Was für ein krasses Buch!!! Kennt ihr das auch? Es gibt Bücher, in die taucht man ein und ist in einer anderen Welt. Und dann gibt es Bücher wie dieses … da wird man mit den Protagonisten nicht wirklich warm, kann keine rechte Beziehung aufbauen und dennoch ist da etwas … Sie ziehen dich in ihren Bann. Du stehst praktisch als Voyeur da und siehst ihnen zu, wie sie ihr Leben vor dir auspacken und sagst … man wie krass ist das denn und fragst dich … wie abgefahren wird das denn noch … und schon kannst du nicht mehr aufhören zu lesen. Die Autorin schildert die Tragödie dieser Familie zum Teil mit einer Wortwahl, die mich irritiert und zugleich fasziniert. Sie zeigt auf wie in deren Welt Gier, Selbsthass, Geld und Einsamkeit ihren Platz haben. Man sagt, die Haut ist das Spiegelbild der Seele. Daher ist es für mich völlig logisch, dass Teresa, Ture und Dietrich eine Hautkrankheit haben. Sie kommen mit ihrem Leben, den Schuldgefühlen und einer heuchlerischen Gesellschaft  nicht klar. Sie haben ihren Platz in der Gesellschaft nicht gefunden und irren umher. Nachdem ich das Buch beendet habe, habe ich noch lange darüber nachgedacht. Vielleicht ist dieser Roman ein Spiegelbild unserer Gesellschaft? Heißt es nicht immer wieder Sex Sells? Nur wer schön, schlank und gesund  ist hat Erfolg? Und was passiert, wenn wir diesem Druck nicht standhalten immer „perfekt zu sein? Dann spiegelt die Seele dieses auf unserer Haut wieder. Eine Stelle im Buch dazu: „Dietrich hielt die punktuelle Verschlimmerung seines Zustandes für eine logische Konsequenz, das gehörte zum langwierigen Prozess der Genesung. Wobei? Musste er überhaupt genesen? War vollkommene Gesundheit grundsätzlich erstrebenswert oder möglich? War das Ideal der absoluten Fitness nicht eher ein kapitalistisches Druckmittel, um Frust und Selbsthass zu erzeugen, um den Arbeitnehmer besser zu kontrollieren? Wie konnte man sich besser wehren als mit einer Krankheit, die nicht lebensbedrohlich war, aber eben nicht schön anzusehen. Ein wirklich guter Trick der Seele, sich zu Wehr zu setzen!" (Seite 48) Wir leben in einer Gesellschaft … in der jeder mit jedem Sex hat … hier und dort gekifft/ gekokst wird …  Geld die Welt regiert, denn hast nix biste nix … und … und … Das wir diesem ständigen Druck auf Dauer nicht standhalten, denn wir wollen ja alle in der ersten Liga mitspielen, ist klar. Irgendwann kommt der Kollaps, sei es in Form einer Hauterkrankung oder eines Burn Outs. Willkommen in unserer schönen neuen Welt! Wer also einmal etwas anders lesen möchte, fernab vom Mainstream, etwas wirklich abgefahrenes und krasses, der sollte unbedingt dieses Buch lesen!!! Mich hat es einfach nur fasziniert und in seinen Bann gezogen!

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    • 10
  • Wenn der Anschein wichtiger ist als die Wahrheit

    Kapitalismus und Hautkrankheiten
    Wortwelten

    Wortwelten

    25. June 2014 um 15:12

    Teresa fragte: »Wie kann das, was so viele Jahre zurückliegt, mir noch schaden?« »Erinnerungen kontrollieren dich, solange du dich vor ihnen fürchtest. Dein ganzes Handeln ist mehr oder weniger eine Flucht. Sich etwas Schmerzhaftes nicht einzugestehen, beansprucht viel Kraft. Und alle Gefühle laufen auf Sparflamme, auch die guten« (S. 42f.) Teresa Kugler ist Model, will aber eigentlich lieber Schauspielerin sein, nur irgendetwas fehlt ihr dafür. Ordnung im eigenen Leben vielleicht, eine gewisse emotionale Tiefe, doch sie strauchelt von einem Tag zum nächsten, schläft eigentlich nur, wenn noch irgendein Typ mit ihr das Bett teilt, und außer zu ihrem Bruder Ture unterhält sie keine festen sozialen Bindungen. Der wiederum ist ein erfolgreicher Werbesprecher, Ordnungsfanatiker und hält wenig von anderen Menschen, aber umso mehr von Insekten. Dazu kommen Teresas und Tures Eltern, die berühmte Schauspielerin Bärbel und der Vater Dietrich, der seit zwanzig Jahren an seinem Buch Kapitalismus und Hautkrankheiten schreibt und auf dem Dachboden wohnt. Liegt die Ursache für Teresas Desorientierung und die Zerrüttung innerhalb der Familie in einem lange zurückliegenden Geheimnis, über das niemand jemals spricht? Wie gewöhnlich sie doch geworden war, das musste an ihrem ausschweifenden Lebensstil liegen. Sie war ein so fröhliches, friedliches kleines Mädchen gewesen, noch immer träumte er nachts davon, wie sie Hand in Hand über einen unendlichen, frisch gemähten Rasen liefen. Nichts würde diesem Gefühl von Glück jemals wieder nahekommen, da war er sich sicher. (S. 26f.) An dieser Familie, eigentlich an fast allen Figuren in diesem Roman, ist so einiges merkwürdig. Sex gehört zum alltäglichen Umgang, Empathie und Verständnis füreinander allerdings kaum. Sie sind alle auf ihre eigene Weise sehr egozentrisch, gefangen in ihren begrenzten Weltbildern und in Idealen, die sie selbst nicht erfüllen. Viele haben irgendeine Form realer oder eingebildeter Hautirritation, ein Ausdruck unterdrückter Probleme und der Unfähigkeit, sich mit sich selbst und den anderen wirklich auseinanderzusetzen. Jasmin Ramadan überzeichnet ihre Figuren schamlos, dennoch wirken sie authentisch, zumindest innerhalb des gesellschaftlichen Rahmens, in den sie eingebettet sind, ein soziales Niveau, in dem Geld, Schönheit und Anschein bedeutender sind als Wahrheit und Gefühl. Wirkliche Kommunikation untereinander findet kaum statt, was auch in den sehr raschen und auf das Wesentliche beschränkten Dialogen zum Ausdruck kommt. Immer wieder funkelt lakonischer Humor in Form pointierter Ironie hindurch, der zusätzlich zur Überzeichnung der Figuren beiträgt. Obwohl die eigentliche Handlung, die Aufdeckung lange zurückliegender Familiengeheimnisse, im Vergleich zu der Präsentation der eigentlich allesamt unsympathischen Figuren und deren Leben relativ wenig Raum einnimmt, liegt unter der gesamten Geschichte ein gut herausgearbeiteter Spannungsbogen, der einen in diesen sehr skurrilen und überzeichneten Roman hineinsaugt. Ein eigenes Auto lehnte er ebenso ab, obwohl er sich eines mit seinem famosen Auskommen hätte leisten können. Aber er konnte einfach den Gedanken nicht ertragen, dass etwas, das zu ihm gehörte, die Nacht einsam und unbeaufsichtigt in der Dunkelheit verbrachte. (S. 24) Kapitalismus und Hautkrankheiten ist ein sehr spezieller, manchmal etwas zu überzeichneter Roman, der aber gerade aufgrund seiner Eigenheiten und seines ironischen Humors absolut lesenswert ist.

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  • Enthüllung ungewöhnlicher Familienbande

    Kapitalismus und Hautkrankheiten
    TochterAlice

    TochterAlice

    24. June 2014 um 21:53

    Die erwachsenen Zwillinge Teresa und Ture Kugler, ihre Eltern Bärbel und Dietrich: ein eigener Kosmos, in dem die Protagonisten dieses Romans jeweils vorgestellt werden. Auch das Umfeld hat seine ureigene Dynamik, die - der Leser erschließt es sich allmählich - mit Familie Kugler steht und fällt. Familie? Kann das sein? Es ist doch ein überaus undefinierbares Gefüge und so langsam offenbart es sich: Eine ungewöhnliche Familie, eine die sich verloren hat - jeder sich selbst und vor allem die anderen. Eine eigenartige Dynamik, es findet keine Interaktion statt, alles wirkt ein bisschen wie ein Schauspiel mit Regieanweisungen. Jedes Familienmitglied scheint auf seinem eigenen Planeten herumzunavigieren, Empathie füreinander oder gar für Dritte empfinde keiner von jeden. Im Gegenteil, die Wirkung nach außen spielt eine maßgebliche Rolle, zudem droht der ein oder andere, in Selbstmitleid zu ersticken. Und so langsam offenbart es sich: ein Familiengeheimnis existiert, eines, das vor allem vor Theresa, die noch am ehesten als hauptsächliche Protagonistin des Romans, als Hauptfigur durchgeht, verborgen wird. Was hat es damit auf sich? Frühere Reisen der Eltern nach Nicaragua kommen zutage, verloren geglaubte Familienfreunde spielen wieder eine Rolle. Und alles ist irgendwie anders: anders als in vielen Roman, demaskierender, entblößender, ja, auch peinlicher. Ein mutiges Buch, mit dem die Autorin es nicht darauf anzulegen scheint, von anderen gemocht zu werden. Enthüllend schildert Jasmin Ramadan die einerseits enthemmten, auf der anderen Seite verborgenen Belange eines jeden Familienmitglieds - und enthüllt ihr Geheimnis. Demaskierend, manchmal verabscheuungswürdig gestattet es dem Leser auch Einblicke in sich selbst. Kein liebens- aber ein lesenswertes Buch.

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  • Kapitalismus und Hautkrankheiten

    Kapitalismus und Hautkrankheiten
    Lunamonique

    Lunamonique

    13. June 2014 um 15:57

    2009 veröffentlichte Jasmin Ramadan den Roman „Soul Kitchen“, der als Vorgeschichte für die Filmkomödie „Soul Kitchen“ mit Moritz Bleibtreu diente. Danach folgten die Short Story „Der unhöfliche Selbstmörder“ und der Roman „Das Schwein unter den Fischen“. In „Kapitalismus und andere Hautkrankheiten“ dreht sich alles um skurrile Typen und ein Geheimnis, das die Freundschaft zwischen zwei Familien zerstört hat.   Werbemodel und Möchtegernschauspielerin Teresa und ihr Zwillingsbruder Ture haben eines gemeinsam. Sie kämpfen beide mit ihren Macken und Neurosen. Seit einem Ereignis in der Vergangenheit belastet Ture ein in Stresssituationen auftretender Ausschlag mit hässlichen Pusteln. Bei Teresa ist es ein unsichtbarer Schleim, der sich rasend schnell ausbreitet. Zeit sich mit der Vergangenheit auseinander zu setzen und der Ursache für ihr unnormales Verhalten und den Neurosen auf den Grund zu gehen. Warum kann Teresa keine innige Liebesbeziehung aufbauen und warum stellen sich bei Ture nach dem Sex sofort schlimme Aggressionen ein?   Die wunderschöne Teresa kann zu den Typen, mit denen sie ins Bett geht, einfach keine Gefühle entwickeln. Die Geschichte startet in der Bar „Mahoni“ mit einem seltsamen Gesprächsverlauf, deren Ende vorprogrammiert scheint. „Kapitalismus und Hautkrankheiten“ lebt von skurrilen Begegnungen und Vergleichen. Model, Schauspieler, Sprecher, Regisseur, in der Welt der Schönen und Reichen dreht sich alles um Perfektionismus, Beziehungen und Geld. Teresa ist weder perfekt, noch hat sie die richtigen Beziehungen oder ausreichend Geld. Ihre Mutter ist eine bekannte Schauspielerin und macht ihr als Vorbild das Leben schwer. Ihr Vater leidet an Schuppenflechte, arbeitet seit Jahren an einem Buch, das nie fertig wird. Es sind die Charaktere, die diese Geschichte ausmachen und die flapsige, ganz eigene Sprache der Autorin. Sex, Drugs und Musik ziehen sich wie ein roter Faden durch die Story. Um aus der Rolle zu fallen, reichen bei Teresa seltsame Gefühlsphasen und der unsichtbare, bedrohlich einengende Schleim. Ture wird, sobald er sich auf Sex einlässt, zur explosiven Bedrohung. Krimielemente sorgen im letzten Drittel für Spannung. Auch das Rätsel um das Familiengeheimnis lässt die Neugierde nicht los. Was hat die Freundschaft der Tinns und Kuglers zerstört? Jasmin Ramadan hat eine ganz eigene Art, das Leben, die Gefühlszustände ihrer Figuren auf die Spitze zu treiben. Der Humor kommt nur unterschwellig in den übertriebenen Darstellungen durch. Tatsächlich hat die Geschichte gerade aufgrund der Hautkrankheiten wie Schuppenflechte und Hautausschlag, die heutzutage immer weiter verbreitet sind, eine gewisse Aktualität und Ernsthaftigkeit. Jeder erlebt eine andere Art von Stress, wehrt sich auf seine Weise gegen folgenschwere Erinnerungen, den Druck von außen oder andere Belastungen.   Der Titel lässt erahnen, was auf einen zukommt. „Kapitalismus und Hautkrankheiten“ nimmt die Gesellschaft auf ganz eigene Weise auf die Schippe. Die Sprache, die Charaktere und ihre Probleme überraschen. Das Cover gibt einen Hinweis auf die Herkunft des Titels. Die Skurrilität, ein Buch für die Gestaltung einer Covervorder- und Rückseite zu fotografieren, passt zur Geschichte. Das Hellblau bis Türkis als Hintergrundfarbe hebt die Details unaufdringlich hervor. Humor blitzt bei der ungewöhnlichen Gestaltung durch. Bleibt die Frage, wie die Autorin auf die abgedrehte Geschichte gekommen ist. Wer ungewöhnliche, unterhaltsame Bücher mag, liegt mit „Kapitalismus und Hautkrankheiten“ richtig. Der Ekelfaktor tritt in akzeptablen Maßen auf und ist dadurch erträglich. Das offene Ende provoziert und ist klug gewählt.

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