Grau

von Jasper Fforde 
4,3 Sterne bei153 Bewertungen
Grau
Bestellen bei:

Neue Kurzmeinungen

Positiv (134):
R

Ich hab ein bisschen gebraucht, um reinzukommen und das Format war gewöhnungsbedürftig, aber die Welt war sehr interessant und spannend!

Kritisch (8):
Rebekka_NPs avatar

Bisschen Brazil, bisschen Farbkasten. Leider nichts für mich, trotz toller Ideen!

Alle 153 Bewertungen lesen

Auf der Suche nach deinem neuen Lieblingsbuch? Melde dich bei LovelyBooks an, entdecke neuen Lesestoff und aufregende Buchaktionen.

Inhaltsangabe zu "Grau"

»Genial! Ich werde Mr. Fforde aufmerksam im Auge behalten müssen.« Terry Pratchett Grau ist das neue Meisterwerk des britischen Erfolgsautors Jasper Fforde. Ein spektakuläres Ideenfeuerwerk und phantastisches Abenteuer um Liebe, Verrat und die unüberschätzbare Macht der Neugier. Es läuft gut für Eddie Russett: Seine Rotsicht ist exzellent, er wird mit etwas Glück auf der Farbskala nach oben heiraten, und sein Leben plätschert angenehm ereignislos dahin - bis zu dem Tag, an dem er sich unrettbar und wider jede Vernunft verliebt. Denn Jane ist nicht nur geheimnisvoll und wunderbar stupsnasig, sie ist auch komplett farbenblind und gehört damit der gesellschaftlichen Unterschicht an: eine Graue! Jane hebt Eddies geordnete Welt aus den Angeln: Plötzlich hat er einflussreiche Feinde, wird mit unbequemen Wahrheiten konfrontiert, und zu allem Überfluss versucht seine Angebetete auch...

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783821861401
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:490 Seiten
Verlag:Eichborn
Erscheinungsdatum:30.08.2011
Das aktuelle Hörbuch ist am 26.08.2011 bei Eichborn erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

Neu
4,3 Sterne
Filtern:
  • 5 Sterne81
  • 4 Sterne53
  • 3 Sterne11
  • 2 Sterne4
  • 1 Stern4
  • Sortieren:
    Anidays avatar
    Anidayvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Richtig klasse! Ich hoffe, dass die Reihe (bald) fortgesetzt wird!
    Genial und abgedreht!

    Eddie Russett ist ein Roter in einer Welt, die von Farben bestimmt wird. Denn nicht jeder kann Farben wahrnehmen, wenn dann meist nur eine oder zwei. Eddie hat eine excellente Rotsicht und steuert damit auf eine gesicherte Zukunft zu. Doch erst einmal muss er nach Ost-Karmin, zur Strafe eine Stuhlzählung durchführen. Was halb so schlimm wäre, hätte er dort nicht Jane - und einen Teil der Wahrheit - kennen gelernt...

    Jasper Fforde hat mich überrascht. Um es kurz zu sagen. Überrascht wie lange kein Autor mehr. Das Buch ist genial. Intelligent, skurril, fantasievoll, seltsam und immer wieder aufs neue überraschend!
    Eddie Russett lebt in einer Welt, in der Farbsicht alles ist. Denn nicht jeder hat sie und nur wenige können viel natürliche Farbe wahrnehmen. Eddie kann rot sehen, was ihn nicht ganz oben in die Hackordnung bringt, aber dennoch ein privilegiertes Leben sichert. Doch er muss sich in Demut üben, weshalb er zusammen mit seinem Vater, einem Mustermann, nach Ost-Karmin abgeschoben wird. Auf Zeit, weitab der Zentren. Hier geht es etwas anders zu, die allen so wichtigen Regeln werden gerne mal etwas freizügig ausgelegt. Und da ist Jane, von deren Nase er fasziniert ist. Doch Jane ist eine Graue, ohne Farbwahrnehmung, und sie ist alles andere als umgänglich.

    Durch diese Umstände muss Eddie manches überdenken und er gerät in Situationen, von denen er nie gedacht hätte, dass sie möglich sind. Eddie ist ein sympathischer Charakter: Nett, träumerisch, gedankenlos und mit einer jahrelangen Gehirnwäsche versehen. Kurz gesagt: Hoffnungslos naiv und überfordert. Ich mochte ihn, musste über das, was ihm zustieß, gleichermaßen lachen und den Kopf schütteln. Überhaupt bietet die Welt viele absurde Regeln und Möglichkeiten, sodass einem beim lesen nie langweilig wird. Manches ist so absurd, dass man sich nur fragt "Warum?", aber genau das ist der Punkt dabei. Und man spürt, dass man nicht der einzige ist, der sich das denkt... Die Charaktere sind so klasse und glaubwürdig, der Plot macht süchtig, man fiebert mit und zum nachdenken gibt es auch noch was.

    Ich hoffe wirklich sehr, dass es bald weitergeht! Und da mich Jasper Fforde so überzeugen konnte werde ich es zwischenzeitlich mit anderen Büchern von ihm versuchen.

    Kommentieren0
    15
    Teilen
    Jisbons avatar
    Jisbonvor 2 Jahren
    Wann kommt endlich Band 2?

    "Grau" war so gar nicht, was ich erwartet hatte. Ich dachte (vielleicht auch, weil ich noch kein Buch von dem Autor kenne und nicht wusste, in welchem Stil und worüber er schreibt), dass es schwerpunktmäßig um eine Art unmöglicher Liebesgeschichte à Romeo und Julia ginge, die in einer uns fremdartig erscheinenden Gesellschaft spielt und mit dramatischen Elementen angereichert ist. Wie gesagt habe ich mich dabei gründlich geirrt, aber das Buch hat mir trotzdem gut gefallen.

    Hauptsächlich habe ich mir das Buch gekauft, weil ich die Idee einer Gesellschaft, in der die Individuen nach ihrer Farbsicht beurteilt werden, sehr interessant fand - und Fforde ist es zweifellos gelungen, seine Welt um diesen Aspekt herum glaubwürdig aufzubauen, zumindest im Großen und Ganzen. Für die synthetischen Farben, die jeder sehen kann, hätte ich mir auch eine Erklärung gewünscht, da es aber für die Handlung keine große Rolle spielt, konnte ich darüber hinwegsehen. Abgesehen davon ist die Gesellschaft, die der Autor schildert, unglaublich faszinierend - wenn auch zweifellos düster. Alles ist sehr streng geregelt (die vor jedem Kapitel abgedruckten Regeln zeigen sehr schön, dass quasi alles gesetzlich geregelt ist), die Hierarchien sind genau festgelegt und die Klasseneinteilung ist alles.
    Insgesamt ist die Welt also keine ideale, was aber nichts daran ändert, dass sie sehr interessant ist. Auf den ersten Blick ist sie unserer sehr ähnlich, doch dadurch, dass die Menschheit in verschiedene Farb-Gruppen eingeteilt wird, gibt es zahlreiche Details, die sich daraus ergeben und die Unterschiede zu unserer Realität darstellen. Ich muss sagen, dass ich gerne noch mehr über diese Welt gelesen hätte, denn zweifellos der interessanteste Aspekt des Romanes war für mich alles, was mit dem "Worldbuilding", der Gesellschaft und dem Leben der Menschen zu tun hatte. 
    Ein Problem war, dass die Geschichte von jemandem erzählt wird, der in dieser Welt aufgewachsen ist und sie als normal empfindet. Wieso also sollte er alle Unterschiede zu unserer Welt, die er gar nicht kennt, erklären? Es ergibt erzählerisch Sinn, machte es aber am Anfang schwer, sich einzulesen, da wenig erklärt wurde. Erst nach und nach wurden immer mehr Details aufgedeckt und man lernte langsam, die fremdartige Gesellschaft zu verstehen - davor war es zwar interessant, die Unterschiede selbst festzustellen, aber trotzdem verwirrend.

    Die Geschichte von Edward ist auch nicht uninteressant. Er ist ein guter Protagonist, der seine Fehler hat, zweifelhafte Entscheidungen trifft und sich im Laufe des Buches weiterentwickelt. Die Nebenfiguren sind, wenn auch nicht liebenswert, doch alle gut beschrieben und ihre Interaktionen mit dem Protagonisten geben der Geschichte ihre Würze. Gerade zu Ende des Buches ergeben sich einige Konstellationen, die die Folgebände spannend machen werden.
    Die Liebe zu Jane spielt eine entscheidende Rolle, nimmt aber in der Handlung nicht übermäßig viel Platz ein, sondern entwickelt sich so nebenbei. Die Geschichte der beiden hat mir ganz gut gefallen. Sie ist nicht besonders romantisch oder voll leidenschaftlicher Gefühle, aber sie wirkt echt und scheint gut zur Welt zu passen, in der sie spielt. Ich bin auf jeden Fall gespannt, wie der Autor die ausweglos erscheinende Situation der beiden in den Folgebänden aufzulösen gedenkt.

    Zwischendurch hatte die Handlung einige Längen, doch da Eddie nach und nach mehr über die Hintergründe seiner Welt herausfindet, wurde das Buch nie langweilig, und gerade am Schluss wurden einige Karten noch einmal durchgemischt.
    "Grau" bekommt von mir 3,5 Sterne, vor allem für die fantastische Welt, die Fforde erschaffen hat. Aber auch die Handlung hat mir gut gefallen und da das Ende noch einiges offen lässt, hoffe ich, dass Band zwei bald erscheint.

    Kommentieren0
    13
    Teilen
    wlatatas avatar
    wlatatavor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Wie immer bei Fforde: ein unglaublich kreativer, verrückter Spaß mit Tiefgang!
    Verrückt, knallbunt und trotzdem zum Nachdenken

    Inhalt: Wie das immer so bei den Jasper Fforde Romanen ist, ist es nicht ganz leicht den Inhalt kurz zu beschreiben, da es vor kreative und verrückten Kuriositäten nur so wimmelt! Nur soviel: Der Roman spielt in der Zukunft, in der die Fähigkeit Farben zu sehen, nur noch einer kleinen Schicht von Menschen möglich ist. Die Fähigkeit zur Farbwahrnehmung öffnet die Türen zu Oberschicht und ohne sie gehört man zur Arbeiter-Unterschicht. Eddie Russett steht kurz vor dem alles entscheidenden Test zur Farbwahrnehmung, der entscheiden wird, ob er sich die adlige Constanze angeln und mit ihr ein Bindfadenimperium übernehmen wird, als er und sein Vater in die Randzonen geschickt werden. Hier begegnet er der Grauen Jane, die viele Geheimnisse hat und schon bald steckt er in einem Abenteuer voller Intrigen, Stuhlzählungen, Eheligen und menschenfressender Bäume.

    Fazit: Wer Jasper Ffordes Thursday Next Romane so wie ich gelesen und geliebt hat, der wird auch von Grau nicht enttäuscht sein. Wie immer ist das Buch sehr locker und gut lesbar geschrieben, wobei es ab und zu ein klein wenig langatmig wird, wenn der Autor näher auf die Details seiner perfekt entworfenen und sehr detailreichen Zukunftsvision eingeht.

    Die Einfälle sind aber wie immer einfach klasse. Unheimlich abgedreht, aber klasse! Und genau mit diesen verrückten Einfällen schafft es der Autor einmal mehr eine leise gesellschaftskritische Studie so zu verpacken, dass man die ganze Zeit lachen muss. Der Roman mutet an vielen Stellen wie eine sehr gut geschriebene Satire an.

    Auch die "Liebes"-Geschichte zwischen den zwei Protagonisten wird mit einem Augenzwinkern und auf vollkommen verrückte Art erzählt.

    Wie immer ist auch dieser Fforde absolut lesenswert!

    Kommentieren0
    5
    Teilen
    dominonas avatar
    dominonavor 3 Jahren
    defintiv farbenfroh

    In dieser Gesellschaft sind die Akteure farbenblind und in einer Farbendemokratie darauf bedacht, den ihnen zugewiesenen Farbton prozentual aufzuwerten, indem sie sich günstig mit anderen Farben vermählen. Man braucht eine Weile, um sich daran zu gewöhnen, aber es wird nie uninteressant und die Figuren sind absichtlich spannungsgeladen gewählt. Gut zu wissen, dass dies nur der erste Teil ist und noch zwei weitere kommen. Die Lehre des Buches ist auf jeden Fall, dass man nicht alles glauben soll, was einem erzählt wird.

    Kommentieren0
    5
    Teilen
    Ullarullas avatar
    Ullarullavor 4 Jahren
    Die besten Lügen sind die, die alle glauben wollen.

    Der erste Teil einer Trilogie und schon so wahnsinnig gut. Es geht um den 20 Jährigen Eddie Russett, der von heute aus betrachtet einige hundert Jahre später auf dieser Erde lebt. In dieser Welt haben die Menschen die Fähigkeit verloren alle natürlichen Farben zu sehen. Bei vielen sticht eine besondere Farbe hervor und bei Edward ist das die Farbe Rot. Alles andere erscheint ihm grau, außer es ist synthetisch gefärbt worden. (Das System ist am Anfang vielleicht ein bisschen unersichtlich, zeigt sich aber mit der Zeit. Die solltet ihr dem Buch geben.)

    Auf Grund eines Fehlverhaltens bekommt er die Aufgabe Stühle zu zählen und reist mit seinem Vater nach Ost-Karmin. Sein Vater ist ein Mustermann, was so etwas wie ein Arzt ist. Er trägt Farbenmuster mit sich herum, welche bei den Menschen verschiedene Funktionen haben. Sie können einen dazu bringen geradezu high zu werden oder eben auch körperliche Beschwerden lindern.

    Die Politik dieser Welt ist um einen Mann namens Munsell aufgebaut, welcher unfehlbar ist und so ziemlich alle Regeln aufgestellt hat, die es zu befolgen gilt. Das Ziel ist komplette Stagnation bzw. alles soll so bleiben wie es ist, denn so geht es allen gut.

    Dass alles in diesem Kollektiv rosig läuft, auch wenn es nach den Regeln Munsells angeblich so sein müsste, stimmt natürlich nicht. Je nachdem wie gut man welche Farbe sehen kann, desto mehr Privilegien genießt man und es wird auch nicht davor zurückgeschreckt sich diese Privilegien zu erschleichen indem man Menschen verheiratet, die sich nicht lieben oder Erbgut kauft. Doch es wäre nicht Politik, wenn Regeln nicht umgangen würden. Den Satz, den ich als Titel wählte und der auch im Buch vorkommt, kennt man sicherlich auch aus der heutigen Zeit.

    Der naive Eddie trifft recht früh auf seinem Weg nach Ost-Karmin auf die rebellische Jane, welche sein Leben für immer verändern soll. Das Verhalten von Jane ist höchst aggressiv. Sie regt sich hauptsächlich darüber auf wie naiv und blind Edward im Bezug auf das System ist. Jane ist eine Graue und die Grauen sind die Menschen mit den wenigsten Privilegien. Sie arbeiten als Diener, Postboten, Fabrikarbeiter und wohnen in abgegrenzten Gebieten, denn nach Munsells Motto heißt es: "Nur getrennt sind wir vereint". Man erfährt sehr wenig über diese Grauen, denn der Hauptprotganist ist nunmal ein Roter und in der Gesellschaft um einiges höher gestellt. Doch es ist ja auch erst der erste Teil.

    Die Charaktere sind teilweise sehr einfach gehalten, aber so soll diese Welt auch sein. Problemlos. Harte anerzogende Indoktrination. Ich habe mich Sachen gefragt wie: Was hat es mit den Blitzen auf sich? Dieser ominösen Straße, die irgenwie organisch ist und dadurch immer befahrbar, außer sie kommt mit Bronzeteilen in Verbindung? Riesenschwäne? Ist der Fernwahrnehmer ein Fernseher? Strichcodes auf Tieren? Was geht mit dem nackten Kerl? Keine Löffel? Viele Fragen die ich mir stellte und einige werden auf höchst clevere Art und Weise schon in diesem Teil beantwortet.

    Es gibt typische Idioten, Feiglinge, nervige Zicken, dumme, gemeine, liebevolle und mutige Menschen. Das Buch ist nicht wirklich lustig, sondern grenzt sich stark von Ffordes anderen Büchern ab. Obwohl ich gelegentlich doch schmunzeln musste. Eine Welt in der absolut nichts ist wie es scheint und in der es noch so viel zu entdecken gibt. Wahnsinnig kreativ und nicht wirklich farben"froh".

    Kommentare: 1
    9
    Teilen
    B
    Benqvor 5 Jahren
    Tolle Ideen

    Die Ideen des Autors finde ich klasse und habe ich so auch noch nirgendwo sonst gelesen: eine Gesellschaft in der Zukunft, in der der eigene soziale Rang mit der eigenen Farbwahrnehmung verknüpft ist. Leider ist die Geschichte sehr langatmig erzählt, es kommt nur gegen Ende ein bisschen Schwung in die Geschichte, sodass ich trotz der tollen Ideen froh war, dass das Buch endlich zuende war. Komisch finde ich auch, dass sich die gesamte Handlung des Buches auf nur 4 Tage erstreckt. Mir schien es, als hätte der Autor selbst manchmal nicht gewusst, wohin sich seine Geschichte entwickeln sollte und aus diesem Grund dem Leser Hintergrundinformationen schuldig bleibt.
    Sollte es eine Fortsetzung geben, würde ich sie vermutlichen lesen - in der Hoffnung mehr über die Hintergründe und Entwicklungen bis zum Status Quo zu erfahren.

    Kommentieren0
    0
    Teilen
    Wortwanderins avatar
    Wortwanderinvor 5 Jahren
    Kurzmeinung: Fforde bleibt sich treu und kredenzt abgefahrene Lektüre, die vor genialen Ideen nur so sprüht. Spannend und kreativ bis zum Schluss. Lesen!
    Shades of Grey...ja genau!

    Die Welt der Farben

    "Grau" spielt in einer Zeit weit nach der unseren, wobei eine genaue Jahreszahl nicht angegeben wird. Das Leben richtet sich nach den aufgestellten Regeln eines gewissen Munsell, dessen Ideologien nicht in Frage gestellt werden. Auf ihn gehen auch diverse Rücksprünge zurück, bei der die Menschheit sich immer weiter sehr ursprünglichem Leben nähert (z.B. durch das Verbot industrialisierter Landwirtschaft und Wiedereinführung des Ackerbaus durch Pferde). Die Bevölkerung ist inzwischen nicht mehr in der Lage alle Farben zu sehen, sondern kann nur noch jeweils eine Farbe erkennen. Die Gesellschaft wird dementsprechend strikt hierarchisch nach Farbsicht unterteilt, wobei die Purpurnen zur Spitze gehören, während Graue ein geradezu sklavenartiges Leben am Boden der Pyramide führen. Geheiratet wird demnach kaum noch aus Liebe, sondern zum Zweck des sozialen Aufstiegs. Im Alter von 20 Jahren legt jedes Mitglied des Kollektivs den sogenannten "Ishihara" ab - einen Sehtest, der über die Einordnung in die verschiedenen Farbsichten entscheidet. Krankheiten werden ebenfalls durch den Einsatz von Farben kuriert, diese ehrenvolle Aufgabe ist dem Beruf der Mustermänner vorbehalten. Edward "Eddie" Russett ist der Sohn eines eben solchen.

    Ein Mann sieht Rot - wortwörtlich

    Eddie Russett (zu Deutsch Rostrot) reist mit seinem Vater in die Randzone, denn er wurde wegen ungebührlichen Benehmens dazu verdonnert, sich in Demut zu üben. Zu diesem Zweck soll er alle Stühle in der Randzone zählen. Eddie ist zur Hälfte einer Oxblood versprochen, die seine rote Farblinie aufwerten soll. Seine Rotsicht ist besser als er zugeben mag, was ihn hoffen lässt, einmal Präfekt zu werden. Engagiert fügt er sich vorerst den Regeln der Gesellschaft, doch dann wird Eddie Zeuge eines seltsamen Todesfalls. Da Eddie, zum Leiden des Kollektivs, über ein Gewissen und Neugier verfügt, stellt er Nachforschungen an. Schon bald treiben sie ihn in die Arme von Jane Grey, einer Grauen mit einer hinreißenden Stupsnase. Es kommt, wie es kommen muss. Eddie verliebt sich in das kratzbürstige Dienstmädchen, das ihm ständig mit seiner Ermordung droht. Ein Roter und eine Graue? Nach unten in der Farbskala heiratet nun wirklich niemand. Aber das Schicksal lässt die beiden nicht mehr los und letztlich machen sich beide daran, die grausigen Geheimnisse des Kollektivs aufzudecken. Denn nichts ist, wie es scheint.

    Eindrücke

    "Grau" ist ein typischer Fforde. Der Roman strotzt nur so vor kreativen Einfällen (das Kollektiv fürchtet Schwäne), schrägen Ideen (asphaltierte Straßen reinigen sich selbst) und unvorstellbaren Tatsachen (jedes Tier verfügt über einen Strichcode). Und auch wenn die erste Beschreibung der Welt in diesem Roman nahezu erschreckend erscheint, so schreibt Fforde gewohnt leichtfüßig. So wird die Dystopie zu einem Stück Humor und verliert ihren Schwermut. Nicht selten muss man also schmunzeln, wenn mal wieder eine sinnbefreite Erklärung fällt.

    Der Autor versteht es, wichtige Informationen zurück zu halten und einen Spannungsbogen aufzubauen, an dem man klebt wie eine Motte an der Kerze. Auch die Ausarbeitung der Charaktere ist sehr gelungen. Fforde verzichtet auf Stereotypen und enthüllt im Verlauf der Geschichte immer weitere Wesenszüge. Die Entwicklung der Figuren gefällt und wird nicht dröge, auch wenn man natürlich mit diversen Wendungen rechnet. Nebenfiguren sind Fforde-typisch abgedreht und liebenswert. Die amüsanteste Erscheinung ist der Apokryphe Mann. Einfach herrlich, zum sich wegschmeißen lustig.

    Eddie war mir durchweg sympathisch. Charmant ist besonders, dass er ursprünglich eigentlich gar nicht einsehen will, dass er gegen die Munsell'schen Regen verstoßen möchte. Der Zugang zu Jane fiel mir schwerer, denn sie war dermaßen auf Konfrontation ausgelegt, dass es wirklich bis zur zweiten Buchhälfte gebraucht hat, bis ich mit ihr warm wurde. So erging es mir auch mit der Liebesgeschichte der beide. Ihre Liebe ist nicht romantisch, sondern versprüht eher einen eiskalten, trockenen Charakter - aber das passt.

    Zuletzt: Der deutsche Titel gefällt mir weniger. Er greift zwar die Welt des Buches auf, ist aber viel zu weit gestreut. Immerhin geht es im Kern nicht um Grausehen, sondern die Reise in eine Stadt names Hoch-Safran.
    Insofern bin ich gespannt, wie der Titel des zweiten Bandes im Deutschen lautet.

    Fazit

    Eine mal ganz andere Dystopie. Sie zieht den Leser nicht runter, sondern ist zum Bersten gefüllt mir Kuriositäten und Lachern. Darin verwoben ist eine hoch spannende Geschichte mit sympathischen Charakteren und einer Welt, die sowohl verwirrend als auch faszinierend ist. Von mir also eine ganz dicke Leseempfehlung und verdiente 5 Sterne.

    Kommentieren0
    4
    Teilen
    W
    WilmaWitchvor 6 Jahren
    Rezension zu "Grau" von Jasper Fforde

    Eine Welt, die möglicherweise in mehreren Jahrhunderten Realität werden kann, wird von einer Colorkratie regiert, da die Menschen Farbensehen und Nachtsicht fast vollständig verloren haben. Es gibt strenge gesellschaftliche Regeln, die die Stagnation der Verhältnisse sichern und Langeweile ist das am meisten erstrebenswerte Prädigkat. Wer gegen Regeln verstößt, wird bestraft, wie Eddie, der mit seinem Vater in die Randzone des Reiches zur Stuhlzählung reist. Dort verliebt er sich in Jane und sein ganzer, sorgfältig langweilig geplanter Lebensentwurf wird hinfällig, er kultiviert seine Neugierde, macht Entdeckungen, gerät in Lebensgefahr und als Leser wird man erfreut dadurch, dass eine Abenteuergeschichte Fahrt aufnimmt. Der Anfang liest sich etwas zäh, diese fremde Welt mit den fremden Gesetzmäßigkeiten muss erst erklärt werden, bevor sich der Leser mit den Protagonisten darin bewegen darf. Es sollen noch zwei Bände folgen.

    Kommentieren0
    2
    Teilen
    Webbees avatar
    Webbeevor 6 Jahren
    Rezension zu "Grau" von Jasper Fforde

    Um eine richterlich angeordnete Stuhlzählung als Bestrafung für einen Regelverstoß durchzuführen, begibt sich der 20jährige Eddie Russet mit seinem Vater auf die Reise von Jade-unter-der-Limone nach Ost-Karmin. Eddie und sein Vater sind Rote – heißt, ihre visuelle Wahrnehmung beschränkt sich ausschließlich auf den roten Bereich des Farbspektrums. Die Roten kommen in der Farb-Hierarchie, dem Colorismus, direkt nach den Grauen – sind also farblich recht niederwertig und müssen sich gegenüber höherwertigen, wie den Grünen oder Gelben in Demut üben.
    Gut für Eddie, dass er nicht allein reisen muss. Sein Vater, der ein Mustermann ist, tritt eine Vertretungsstelle in Ost-Karmin an. Der dortige Mustermann ist in Urlaub oder Tod. Bei einem Zwischenstopp in Zinnober trifft Eddie auf die Graue Jane, sie bedroht ihn ohne Umschweife mit dem Tod aber er findet sie einfach faszinierend.
    In Ost-Karmin angekommen, bekommen die beiden kaum Zeit, sich erst einmal einzugewöhnen. Die roten, gelben und purpurnen Präfekten geben sich nacheinander die Ehre in ihrem Haus, ein apokrypher Mann (jemand den es nicht gibt, weil es die Regeln so besagen und den man deshalb auch nicht sehen, ansprechen oder erwähnen darf) lebt in ihrem Haus und das ihnen zugeteilte Dienstmädchen ist eine enorm aggressive Graue – Jane!
    Eddie, der eigentlich eher regelkonform, etwas naiv und zurückhaltend ist, kommt durch seine Neugier einem Geheimnis auf die Spur. Zunächst sind es seltsame Vorkommnisse aber er ahnt einen Zusammenhang. Glauben will ihm jedoch niemand, (nur Jane scheint mehr zu wissen) – im Gegenteil, durch seine Fragen gerät er in den Focus der Präfekten und wird am Ende hart bestraft. Seine einzige Chance, die Strafe wieder auszugleichen und sich somit das Wohnrecht und das Recht auf Heirat zu erhalten, ist, eine Expedition nach Hoch-Safran anzuführen, um die dortigen Farbvorkommen zu erheben und auszukundschaften, ob die Stadt von Gesindel, Megafauna oder Mehltau befallen ist. Das Problem dabei: Noch nie ist jemand von einer Expedition nach Hoch-Safran zurückgekehrt.
    Trotz des tristen Titels (der englische Originaltitel „Shades of Grey – The Road to High Saffron“ trifft es viel besser) ist „Grau“ ein Feuerwerk an Farben. Die Idee, eine Gesellschaft zu beschreiben, in der Farben das höchste Gut darstellen und das Farbensehen bzw. die Veranlagung dazu über allem stehen und die gesamte gesellschaftliche Struktur begründen, ist außergewöhnlich, absurd und hörte sich für mich sehr spannend an. Stagnation ist das Ziel, ein ereignisloses Leben erstrebenswert, Fortschritt wird regelmäßig durch sogenannte Rücksprünge und die Entfaktung verhindert, Regeln werden nicht in Frage gestellt, Dinge die es nicht geben darf, werden ignoriert und deshalb gibt es sie auch nicht. Fforde bedient sich aus der Palette der Methoden totalitärer Systeme und kombiniert diese mit einem hierarchisch geordneten Farb-Kasten-System (siehe das religiöse Kastensystem in Indien). Mit viel Fantasie und Witz entstand daraus eine ungewöhnliche und unvorhersehbare Geschichte.
    Das Buch selbst ist nur für den Leser spannend der versucht, zu verstehen, was eigentlich vor geht und wie diese Gesellschaft funktioniert. Es werden keine Erklärungen auf der Tablett serviert, man muss beim Lesen gut aufpassen und die Fakten selbst zu einem Gesamtbild zusammenfügen.
    Diesen Band liest man am besten mit dem Wissen, dass es sich um den ersten einer ganzen Reihe handelt. Dann kann man auch gut damit umgehen, nicht zu wissen, was „das große Ereignis“ war oder wer eigentlich der „große Munsell“ ist.
    Fazit: Kein Buch, das man mal „so nebenbei“ lesen kann. Schräge Sachen sollte man schon mögen (Aldous Huxley’s Brave New World ist ein guter Indikator ;-)). Aber wenn man sich die Zeit nimmt und in die Geschichte eintaucht, wird man es lieben. Ich tue es jedenfalls und bin gespannt auf die Fortsetzung.

    Kommentieren0
    4
    Teilen
    Schumi_HBs avatar
    Schumi_HBvor 6 Jahren
    Rezension zu "Grau" von Jasper Fforde

    Der Autor Jasper Fforde nimmt den Leser mit in die bizarre Welt von Chromatopia - eine Welt wie sie vielleicht in mehreren hundert Jahren existieren könnte. Es herrscht eine Colorkratie - eine Gesellschaft, deren soziale Ränge durch die individuelle Farbwahrnehmung und der damit einhergehenden Zugehörigkeit zu Farbgruppen bestimmt werden. Ganz oben im Ranking der Kasten stehen die Purpurnen, gefolgt von Grünen, Roten, Gelben und Blauen. Ganz am untersten Ende der sozialen Skala befinden sich die Grauen, die allen ranghöheren Wesen zu Diensten sein müssen.

    Das Regelbuch sagt den Menschen detailliert, was richtig und was falsch ist und man tut gut daran, sich an diese teils absurden Regeln zu halten. Die bedingungslose Einhaltung der Regeln ist das Fundament, auf das die Gesellschaft ruht. Das funktioniert so lange, wie niemand diese Regeln in Frage stellt und alle mit dem Strom schwimmen

    Der Protagonist Eddie Russet gehört zur gesellschaftlichen Kaste der Roten. Dadurch, dass er sich in eine im sozialen Range niederstehende Person, eine Graue, verliebt, zieht er nicht nur den Zorn seines Vaters auf sich. Darüber hinaus pflegt er eine Neugierde, die sich auch durch behördliche Repressionen nicht bremsen lässt. Freiwillig meldet er sich als Leiter eines Himmelfahrtskommandos, welches eine verbotene Gegend bereisen soll, aus der noch niemand lebendig zurückgekehrt ist. Dabei stößt er auf ein unglaubliches Geheimnis.

    Je mehr ich mich in das bizarre Leben dieser verrückten Welt einlas, desto spannender wurde die Geschichte. Die eindrucksvolle Weise wie der Autor die neue Weltordnung darstellte, machte mir angst und bange. So stellte der Ausspruch "Du musst mir zu Diensten sein, denn ich bin ein Grüner" bei mir sofort einen Bezug zur Gegenwart her, der bestimmt nicht zufällig gesetzt wurde! Die bizarren gesellschaftlichen Regeln von Chromatopia kann man auch ohne ausgeprägte Phantasie getrost als überspitzte Darstellung europäischer Regulierungswut interpretieren. Als Beispiel: "Rückwärts Einrad fahren mit hoher Geschwindigkeit ist verboten". Den Handlungsverlauf des Buches empfand ich als etwas ausgewalzt, dennoch spannend genug, um wissen zu wollen, ob und wie es der sympathische Protagonist schafft, das Geheimnis um Chromatopia zu enthüllen.

    Fazit: Eine Empfehlung für Menschen, die sich von gewohnten Regeln und Denkmustern lösen können/wollen, um dann in eine Phantasiewelt abzutauchen.

    Kommentieren0
    8
    Teilen

    Gespräche aus der Community zum Buch

    Neu
    kathrineverdeens avatar
    ,VOLL! Ich habe vor einiger Zeit "Grau" von Jasper Fforde gelesen und war sehr begeistert. Nun steht es in meinem Regal und verstaubt. Ich bin aber der Meinung es sollte gelesen werden und deshalb mache ich ein Wanderbuch daraus. Wer Interesse hat meldet sich hier und wird in eine Liste eingetragen. Das Buch sollte gut behandelt werden, denn es wird am Schluss wieder mich erreichen. Sollte das Buch unterwegs verloren gehen, so teilen sich Sender und Empfänger den Preis für die Neuanschaffung. Es können 6 Leser teilnehmen. Jeder Leser hat max. 2 Wochen Zeit es dann weiter zu verschicken. Hier noch eine Beschreibung: ( Link zu meiner Rezension ) http://www.lovelybooks.de/autor/Jasper-Fforde/Grau-643103482-w/rezension-712350719/ 1. Melanie_Reichert: erhalten 2. Queenelyza: erhalten 3. Aba: erhalten 4. Buecherwurm: erhalten 5. Fruehlingsgewitter 6. Zitrosch zurück zu mir :-)
    abas avatar
    Letzter Beitrag von  abavor 6 Jahren
    Endspurt!
    Zum Thema
    Ein LovelyBooks-Nutzer
    Guten Abend allerseits :-) Ich möchte unbedingt die Neuerscheinung von Jasper Fforde Grau lesen, da ich super viel Gutes davon gelesen habe! Nun habe ich gehört, dass das Buch Teil der sogenannten Eddie Russett Reihe ist. Ist Grau der erste Band oder wie heißen die anderen Teile? Würde mich über Hilfe in diesem "grauen" Dschungel sehr freuen ;-)
    Zum Thema
    Katjas avatar
    Hallo! Als großer Jasper-Fforde-Fan hoffe ich, dass nächste Woche ein Vorabexemplar (erscheint offiziell erst im September) vom Eichborn-Verlag in meinem Briefkasten landet. Wer hat Lust "mitzulesen"? Der Link führt zu einem Interview über "Grau": http://www.jasperfforde.net/interview/ Und vielleicht habt ihr Glück bei der Verlosung vom Eichborn Verlag: "Ihr wollt nicht warten, bis ihr GRAU werdet? Erfahrt als erste deutschen Leser, was sich Jasper Fforde für sein neues Meisterwerk "Grau" ausgedacht hat! Für ein exklusives Vorabexemplar beantwortet uns folgende Frage: Warum bist du der größte Jasper Fforde-Fan unter der Sonne? Schickt eure Antworten an jasperfforde@eichborn.de
    Zur Leserunde

    Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

    Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach

    Hol dir mehr von LovelyBooks