Jaume Cabré

 3.8 Sterne bei 303 Bewertungen
Autor von Die Stimmen des Flusses, Das Schweigen des Sammlers und weiteren Büchern.
Autorenbild von Jaume Cabré (©Luis Miguel Palomares/Insel Verlag)

Lebenslauf von Jaume Cabré

Jaume Cabré, geboren 1947 in Barcelona, gehört zu den von Kritik und Publikum heute am meisten geschätzten katalanischen Autoren. Sein Roman »Die Stimmen des Flusses« wurde mit dem Preis der spanischen Kritik ausgezeichnet.

Alle Bücher von Jaume Cabré

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Cover des Buches Die Stimmen des Flusses (ISBN: 9783518467008)

Die Stimmen des Flusses

 (185)
Erschienen am 11.04.2016
Cover des Buches Das Schweigen des Sammlers (ISBN: 9783458359265)

Das Schweigen des Sammlers

 (59)
Erschienen am 15.04.2013
Cover des Buches Eine bessere Zeit (ISBN: 9783458177395)

Eine bessere Zeit

 (33)
Erschienen am 25.03.2018
Cover des Buches Senyoria (ISBN: 9783518462041)

Senyoria

 (19)
Erschienen am 15.11.2010
Cover des Buches Claudi (ISBN: 9783458194699)

Claudi

 (0)
Erschienen am 09.09.2019
Cover des Buches Die Stimmen des Flusses (ISBN: 9783867174251)

Die Stimmen des Flusses

 (3)
Erschienen am 01.01.2009
Cover des Buches Senyoria (ISBN: 9783844503074)

Senyoria

 (1)
Erschienen am 05.08.2009
Cover des Buches Eine bessere Zeit (ISBN: 9783833738692)

Eine bessere Zeit

 (0)
Erschienen am 29.03.2018

Neue Rezensionen zu Jaume Cabré

Neu

Rezension zu "Eine bessere Zeit" von Jaume Cabré

Der letzte Spross
leseleavor 9 Monaten

Ich kann nicht aufhören zu reden. Ein ganzes Leben lang habe ich nicht geredet. (S. 227) – Und so redet Miquel II Gensana. Beziehungsweise er erzählt – und zwar nicht weniger als seine ganze Lebensgeschichte. In einem Restaurant, das früher einmal sein Elternhaus war, breitet er vor seiner Kollegin Julia nach dem Tod seines besten Freundes Boló sein Leben aus: Er erzählt von seiner Familie, deren Stammbaum sich bis ins 18. Jahrhundert nachvollziehen lässt und die in dieser Zeit mehr als ein Geheimnis gehütet hat; von seinem Ausbruch aus dem traditionellen Elternhaus und seinen Weg in den Untergrund während der Franco-Zeit; von seinen suchenden Jahren, die nie wirklich vorübergegangen sind; und von seiner großen Liebe zur Kunst – und einer Frau namens Teresa.

Ein üppiges, beinah überquellendes Epos stellt der neue 550 Seiten starke Roman Eine bessere Zeit von Jaume Cabré dar, der – so die erste Überraschung – im Original schon 1996 erschienen ist und somit deutlich vor den beiden Werken erschienen ist, die mich und viele andere Leser so begeistert haben, nämlich Die Stimmen des Flusses und Das Schweigen des Sammlers. Das erklärt vermutlich auch die zweite Überraschung, auf die ich während der Lektüre stoßen musste: Das mich dieses Buch deutlich weniger überzeugen und begeistern konnte als die oben genannten. Zwar beeindruckt Cabré auch schon hier mit einer Verflechtung verschiedenerer Zeitebenen sowie dem Dirigieren unzähliger Figuren und weiß vor allem durch ein kontinuierliches Spiel mit der Erzählperspektive sein literarisches Können zu zeigen. Allein: Er tut dies nicht so meisterhaft wie in seinen späteren Werken. Wo diese sich nämlich durch eine vollendete und wohldurchdachte Komposition auszeichnen, bleiben in Eine bessere Zeit zu viele Erzählfäden lose, zu viele Charaktere in ihrer Funktion undeutlich.

Auch die thematische Fülle handhabt Cabré nicht so wie ich es von ihm gewohnt bin, sondern scheint bisweilen eher überfordert zu sein. Eine bessere Zeit soll oder will Familienroman, politischer Roman und Bildungsroman in einem sein, doch werden diese verschiedenen Ansätze, vom Leben von Miquel zu erzählen, nicht optimal miteinander verwebt. Dies führt gleichzeitig zu Längen und zu Brüchen, vor allem der zweite Teil, der dann auch noch Liebesroman sein will, fügt sich meiner Meinung nach nicht reibungslos in das vorab Erzählte ein und setzt auf zu viel Tragik und Gefühl.

Dennoch bleibt alle Kritik letztlich ein Meckern auf hohem Niveau. Cabré setzt in Eine bessere Zeit ein starkes Zeichen, welche Art des Erzählens er verfolgt. Ein nicht-lineares, ein assoziatives und vor allem ein den Leser forderndes Erzählen, das durchaus – oder gerade deswegen – etwas ungemein Einnehmendes hat. Seine Romane, so auch dieser neue alte, erzeugen einen ganz eigenen Sog, sind durchaus spannungsgeladen und bestechen eher durch die Art, wie erzählt wird und nicht unbedingt, was erzählt wird. Insgesamt bleibt Eine bessere Zeit zwar hinter meinen Erwartungen zurück, dennoch bleibt es ein typischer Cabré, der mich mit seiner Erzählkunst fesseln konnte. Sicherlich ein Buch für Leser, die bereits Fan des Autors sind und nicht unbedingt für Neu-Entdecker. 3,5 Sterne!


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Rezension zu "Das Schweigen des Sammlers" von Jaume Cabré

Verwickelter Roman über Schuld
Henk_Bleuvor einem Jahr

Ich weiß noch, dass ich über dieses Buch in der FAZ eine hymnische Besprechung las. Es sei einer der besten spanischen Romane der letzten Jahre, hieß es darin. Ich weiß nicht mehr, wie das genau begründet wurde, aber mein Interesse war geweckt.

 

„Das Schweigen des Sammlers“ heißt im Original „Ich bekenne“ und das ist der weitaus treffendere Titel für diesen verwickelten Roman. Formal ein Briefroman, lesen wir die Memoiren des spanischen Gelehrten Adria Ardevol an seine Frau Sara Voltes-Epstein, die große Liebe seines Lebens. Es ist ein Buch über Schuld und die Hoffnung auf Wiedergutmachung. Denn Ardevol fühlt sich schuldig am Schicksal seiner Frau, und daran, dass sie ihn verließ – weil er eine Geige nicht zurückgab, die seiner Familie nicht gehörte. Das klingt vielleicht banal, aber die Geschichte dieser Geige bildet neben Ardevols Lebensgeschichte die zweite große Stütze des Romans. Sie spannt einen riesigen zeitlichen Bogen vom Mittelalter bis zur Gegenwart, von Geistlichen in Klöstern bis zu Nazischergen in Auschwitz. Und der Streit über ihren Besitz ist Ausgangspunkt für umfangreiche Schilderungen über Gut und Böse, Schuld und Moral.

 

Damit hat sich Cabre viel vorge-, aber nicht übernommen. Ihm gelingt es, die stattlichen 850 Seiten intelligent und spannend zu füllen. Vor allem hat Cabré die Handlungsebenen kunstvoll und trickreich verknüpft. Oft springt er mitten in einem der vielen Dialoge auf eine andere Ebene. Oder er wechselt in einem Dialog die Erzählperspektive, vom Er zum Ich oder Du. Das ist oft nicht gleich zu verstehen, sondern erfordert die Aufmerksamkeit des Lesers, ist aber absolut faszinierend gemacht und trägt dazu bei, dies Buch nicht nur inhaltlich, sondern auch formal komplex zu machen. Es führt vor allem dazu, dass der Leser näher an die Handlung herankommt und von ihr stärker berührt wird. Und es macht das Buch einzigartig.

 

Kritikpunkte sehe ich bei der Hauptfigur. So facettenreich sie einerseits angelegt ist, so einseitig ist das Motiv von Ardevols Handlungen: Das Gefühl der Schuld und die überbetonten Gefühle für seine Frau wirken über die ganze Länge fast schon penetrant. Aber vielleicht ist das eine Mentalitätssache, und deutsche Leser empfinden hier anders als der spanische Autor. Zum anderen ist Ardevol als Intellektueller angelegt, der über die Natur des Bösen forscht. Dann müsste dazu auch was Intellektuelles kommen, doch das fehlte mir. Dafür gibt er durch die Romanhandlung vielfältige Antworten dazu.

 

Vielleicht hat Cabre nicht alles einlösen können, aber ihm ist in achtjähriger Arbeit unterm Strich ein bemerkenswertes Buch gelungen, das ich empfehlen möchte

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Rezension zu "Eine bessere Zeit" von Jaume Cabré

Faszinierende Familiengeschichte
smayrhofervor 2 Jahren

Nach vielen Jahren kommt Miquel eher unfreiwillig in sein Elternhaus zurück (das inzwischen ein Restaurant ist). Eine Bekannte (Julia) hat ihn gebeten, über den gerade unter die Erde gebrachten alten Freund Bolós zu erzählen. Und so kommt eine Geschichte ins Rollen, die sich über mehrere Generationen erstreckt, aber hauptsächlich zur Zeit des Franquismus und des Übergangs zur Demokratie („Transición“) spielt. Aufgewachsen in guten Verhältnissen, bekommt Miquel in den ersten Wochen seines Studiums Kontakt zu antifaschistischen Gruppen, die sich gegen das Franco-Regime richten. Der Bruch mit der Familie, die mit Fabrikbesitz eher zu den wohlhabenden des Landes zählt, scheint unausweichlich. Alles in allem scheint Miquel aber eher von etwas getrieben als seinen eigenen Überzeugungen folgend...

Jaume Cabrés Roman „Eine bessere Zeit“ ist im Original bereits 1996 unter dem Titel „Der Schatten des Eunuchen“ veröffentlicht worden. Für mich war es zu Beginn zunächst ein schwer zugängliches Werk. Das liegt sowohl an der Vielzahl der eingeführten Personen, als auch an den "Stilmitteln" (Wechsel in der Erzählperspektive, Zeitsprünge), die oft sehr unvermittelt kommen. Man muss schon konzentriert bleiben und sich darauf einlassen. Mit fortschreitender Lesedauer habe ich mich aber an die Zeit- und Perspektivwechsel gewöhnt und fand sie regelrecht spannend. Wie der Autor es schafft, alles miteinander zu verflechten und das "Große Ganze" im Auge zu behalten, ist schon bemerkenswert und zeugt von hoher Erzählkunst. Auch die teils überraschenden Wendungen tragen nicht unerheblich zum Lesegenuss bei. Mir kam die Geschichte vor wie eine Zwiebel, bei der nacheinander Schichten entfernt werden und immer neue Sachen ans Licht kommen...

Von der Stimmung her fühlte ich mich ein wenig an Zafóns Barcelona-Bücher erinnert, in denen die Stadt ständig als grau und regnerisch beschrieben wird. Auch die vielen Namenswiederholungen in der Familie haben mich an ein anderes bekanntes Buch erinnert, nämlich Hundert Jahre Einsamkeit von Gabriel García Márquez. Und wie auch dort gibt es in „Eine bessere Zeit“ einen Familienstammbaum, um den Überblick zu behalten. Moment, es gibt sogar drei Versionen, aber wer wissen möchte, was dahintersteckt, muss schon selbst zum Buch greifen…

Insgesamt eine faszinierende Familiengeschichte aus dem Spanien des 20. Jahrhunderts. Wer angesichts der Buchbeschreibung mehr Politik (Die Zeit Francos und danach) erwartet, wird vielleicht etwas enttäuscht sein. Aber manchmal bekommt man etwas anderes als erwartet und ist trotzdem höchst zufrieden - so ging es mir jedenfalls. Und deshalb gibt’s von mir die volle Punktzahl.

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Gespräche aus der Community

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Cover des Buches Eine bessere Zeit

Ein Haus in Katalonien, sieben Generationen und zweihundert Jahre Familiengeschichte

In seinem Roman Eine bessere Zeit erzählt der Weltbestsellerautor Jaume Cabré die Geschichte von Miquel Gensana, seiner traditionsreichen Familie und den vielen Geheimnissen, die ihn und seine Vorfahren umgeben.

»Cabré erzeugt ein selten anzutreffendes Glücksgefühl.« Frankfurter Allgemeine Zeitung

Worum geht’s genau?

Mit nicht einmal zwanzig Jahren bricht Miquel mit seiner Familie und zieht für sein Studium nach Barcelona, wo er ein Leben führen will, das nicht dem Geld, sondern seinen politischen Überzeugungen folgt. Bald zieht es ihn und seinen Freund Bolós in den antifranquistischen Untergrund. Als Franco stirbt und Spanien sich verwandelt, muss Miquel nach und nach zurückfinden. In episodenhaften Rückblicken erzählt Cabré vom Aufbegehren gegen die eigene Familie, von der Kraft der Tradition und vom Glauben an das Schöne angesichts der verlorenen Zeit.

Neugierig geworden? Hier geht’s zur Leseprobe »

Ihr wollt erfahren, welche Geheimnisse Miquel und seine Familie umgeben? Dann bewerbt Euch einfach bis zum 28. März über den blauen „Jetzt bewerben“-Button* für die Leserunde – und beantwortet uns dazu folgende Frage:

Mit der eigenen Familie brechen, weil die politischen Überzeugungen auseinanderklaffen – ist das für Euch denkbar oder unbegreiflich?

Über den Autor: Jaume Cabré, geboren 1947 in Barcelona, gehört zu den von Kritik und Publikum heute am meisten geschätzten katalanischen Autoren. Sein Roman Die Stimmen des Flusses wurde mit dem Preis der spanischen Kritik ausgezeichnet. Eine bessere Zeit erschien 1996 erstmals in Katalonien.

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