Jaume Cabré

 3.8 Sterne bei 299 Bewertungen
Autor von Die Stimmen des Flusses, Das Schweigen des Sammlers und weiteren Büchern.
Jaume Cabré

Lebenslauf von Jaume Cabré

Jaume Cabré, geboren 1947 in Barcelona, gehört zu den von Kritik und Publikum heute am meisten geschätzten katalanischen Autoren. Sein Roman »Die Stimmen des Flusses« wurde mit dem Preis der spanischen Kritik ausgezeichnet.

Neue Bücher

Eine bessere Zeit

Erscheint am 12.08.2019 als Taschenbuch bei Insel Verlag.

Alle Bücher von Jaume Cabré

Sortieren:
Buchformat:
Die Stimmen des Flusses

Die Stimmen des Flusses

 (182)
Erschienen am 11.04.2016
Das Schweigen des Sammlers

Das Schweigen des Sammlers

 (59)
Erschienen am 15.04.2013
Eine bessere Zeit

Eine bessere Zeit

 (30)
Erschienen am 25.03.2018
Senyoria

Senyoria

 (19)
Erschienen am 15.11.2010
Die Stimmen des Flusses: Roman

Die Stimmen des Flusses: Roman

 (2)
Erschienen am 16.11.2010
Eine bessere Zeit

Eine bessere Zeit

 (0)
Erscheint am 12.08.2019
Senyoria: Roman (suhrkamp taschenbuch 4204)

Senyoria: Roman (suhrkamp taschenbuch 4204)

 (0)
Erschienen am 16.11.2010
Claudi

Claudi

 (0)
Erscheint am 09.09.2019

Neue Rezensionen zu Jaume Cabré

Neu

Rezension zu "Das Schweigen des Sammlers" von Jaume Cabré

Verwickelter Roman über Schuld
Henk_Bleuvor 3 Monaten

Ich weiß noch, dass ich über dieses Buch in der FAZ eine hymnische Besprechung las. Es sei einer der besten spanischen Romane der letzten Jahre, hieß es darin. Ich weiß nicht mehr, wie das genau begründet wurde, aber mein Interesse war geweckt.

 

„Das Schweigen des Sammlers“ heißt im Original „Ich bekenne“ und das ist der weitaus treffendere Titel für diesen verwickelten Roman. Formal ein Briefroman, lesen wir die Memoiren des spanischen Gelehrten Adria Ardevol an seine Frau Sara Voltes-Epstein, die große Liebe seines Lebens. Es ist ein Buch über Schuld und die Hoffnung auf Wiedergutmachung. Denn Ardevol fühlt sich schuldig am Schicksal seiner Frau, und daran, dass sie ihn verließ – weil er eine Geige nicht zurückgab, die seiner Familie nicht gehörte. Das klingt vielleicht banal, aber die Geschichte dieser Geige bildet neben Ardevols Lebensgeschichte die zweite große Stütze des Romans. Sie spannt einen riesigen zeitlichen Bogen vom Mittelalter bis zur Gegenwart, von Geistlichen in Klöstern bis zu Nazischergen in Auschwitz. Und der Streit über ihren Besitz ist Ausgangspunkt für umfangreiche Schilderungen über Gut und Böse, Schuld und Moral.

 

Damit hat sich Cabre viel vorge-, aber nicht übernommen. Ihm gelingt es, die stattlichen 850 Seiten intelligent und spannend zu füllen. Vor allem hat Cabré die Handlungsebenen kunstvoll und trickreich verknüpft. Oft springt er mitten in einem der vielen Dialoge auf eine andere Ebene. Oder er wechselt in einem Dialog die Erzählperspektive, vom Er zum Ich oder Du. Das ist oft nicht gleich zu verstehen, sondern erfordert die Aufmerksamkeit des Lesers, ist aber absolut faszinierend gemacht und trägt dazu bei, dies Buch nicht nur inhaltlich, sondern auch formal komplex zu machen. Es führt vor allem dazu, dass der Leser näher an die Handlung herankommt und von ihr stärker berührt wird. Und es macht das Buch einzigartig.

 

Kritikpunkte sehe ich bei der Hauptfigur. So facettenreich sie einerseits angelegt ist, so einseitig ist das Motiv von Ardevols Handlungen: Das Gefühl der Schuld und die überbetonten Gefühle für seine Frau wirken über die ganze Länge fast schon penetrant. Aber vielleicht ist das eine Mentalitätssache, und deutsche Leser empfinden hier anders als der spanische Autor. Zum anderen ist Ardevol als Intellektueller angelegt, der über die Natur des Bösen forscht. Dann müsste dazu auch was Intellektuelles kommen, doch das fehlte mir. Dafür gibt er durch die Romanhandlung vielfältige Antworten dazu.

 

Vielleicht hat Cabre nicht alles einlösen können, aber ihm ist in achtjähriger Arbeit unterm Strich ein bemerkenswertes Buch gelungen, das ich empfehlen möchte

Kommentieren0
0
Teilen

Rezension zu "Eine bessere Zeit" von Jaume Cabré

Faszinierende Familiengeschichte
smayrhofervor 5 Monaten

Nach vielen Jahren kommt Miquel eher unfreiwillig in sein Elternhaus zurück (das inzwischen ein Restaurant ist). Eine Bekannte (Julia) hat ihn gebeten, über den gerade unter die Erde gebrachten alten Freund Bolós zu erzählen. Und so kommt eine Geschichte ins Rollen, die sich über mehrere Generationen erstreckt, aber hauptsächlich zur Zeit des Franquismus und des Übergangs zur Demokratie („Transición“) spielt. Aufgewachsen in guten Verhältnissen, bekommt Miquel in den ersten Wochen seines Studiums Kontakt zu antifaschistischen Gruppen, die sich gegen das Franco-Regime richten. Der Bruch mit der Familie, die mit Fabrikbesitz eher zu den wohlhabenden des Landes zählt, scheint unausweichlich. Alles in allem scheint Miquel aber eher von etwas getrieben als seinen eigenen Überzeugungen folgend...

Jaume Cabrés Roman „Eine bessere Zeit“ ist im Original bereits 1996 unter dem Titel „Der Schatten des Eunuchen“ veröffentlicht worden. Für mich war es zu Beginn zunächst ein schwer zugängliches Werk. Das liegt sowohl an der Vielzahl der eingeführten Personen, als auch an den "Stilmitteln" (Wechsel in der Erzählperspektive, Zeitsprünge), die oft sehr unvermittelt kommen. Man muss schon konzentriert bleiben und sich darauf einlassen. Mit fortschreitender Lesedauer habe ich mich aber an die Zeit- und Perspektivwechsel gewöhnt und fand sie regelrecht spannend. Wie der Autor es schafft, alles miteinander zu verflechten und das "Große Ganze" im Auge zu behalten, ist schon bemerkenswert und zeugt von hoher Erzählkunst. Auch die teils überraschenden Wendungen tragen nicht unerheblich zum Lesegenuss bei. Mir kam die Geschichte vor wie eine Zwiebel, bei der nacheinander Schichten entfernt werden und immer neue Sachen ans Licht kommen...

Von der Stimmung her fühlte ich mich ein wenig an Zafóns Barcelona-Bücher erinnert, in denen die Stadt ständig als grau und regnerisch beschrieben wird. Auch die vielen Namenswiederholungen in der Familie haben mich an ein anderes bekanntes Buch erinnert, nämlich Hundert Jahre Einsamkeit von Gabriel García Márquez. Und wie auch dort gibt es in „Eine bessere Zeit“ einen Familienstammbaum, um den Überblick zu behalten. Moment, es gibt sogar drei Versionen, aber wer wissen möchte, was dahintersteckt, muss schon selbst zum Buch greifen…

Insgesamt eine faszinierende Familiengeschichte aus dem Spanien des 20. Jahrhunderts. Wer angesichts der Buchbeschreibung mehr Politik (Die Zeit Francos und danach) erwartet, wird vielleicht etwas enttäuscht sein. Aber manchmal bekommt man etwas anderes als erwartet und ist trotzdem höchst zufrieden - so ging es mir jedenfalls. Und deshalb gibt’s von mir die volle Punktzahl.

Kommentare: 1
1
Teilen

Rezension zu "Eine bessere Zeit" von Jaume Cabré

‚Denn von den wenigen ausschlaggebenden Momenten unseres Lebens bekommen wir nichts mit [...].'
sabatayn76vor einem Jahr

‚Denn von den wenigen ausschlaggebenden Momenten unseres Lebens bekommen wir nichts mit, und hinterher verbringen wir den Rest unserer verzweifelten Existenz im sinnlosen Bemühen, sie wiederzuerlangen.‘ (Seite 13f)

Josep Maria Bolós ist tot. Seinem Freund Miquel Gensana, dem Ich-Erzähler in ‚Eine bessere Zeit‘, hat er am Tag vor seinem Tod eine Nachricht auf dessen Anrufbeantworter hinterlassen: ‚Jemand ist hinter uns her‘.

Am Abend der Beerdigung trifft sich Miquel mit seiner Kollegin Júlia, die einen Nachruf auf Bolós schreiben möchte und Miquel deshalb um Informationen bittet.

Miquel erinnert sich an sein Leben: an seine Kindheit im Can Gensana, seinem Elternhaus, in dem sich nun ausgerechnet das Restaurant befindet, in dem er und Júlia essen, an sein Studium und seine Freundschaft mit Bolós, an Geliebte und Gefährten, an seine Arbeit im antifranquistischen Untergrund und an die Geschichte seiner Familie.

Ich habe alle bisher in deutscher Sprache erschienenen Werke von Jaume Cabré gelesen und zähle den katalanischen Schriftsteller zu meinen Lieblingsautoren. Vor allem ‚Das Schweigen des Sammlers‘ hat mich nachhaltig beeindruckt, und so war ich sehr gespannt auf den frühen Roman Cabrés, der nun ins Deutsche übersetzt wurde.

Um es kurz zu machen: Cabrés Roman hat mich anfangs sehr mitreißen können, hat mich aufgrund des für Cabré typischen Schreibstils, der an eine Parallelmontage im Film erinnert, sprachlich genauso faszinieren und begeistern können wie ‚Das Schweigen des Sammlers‘. Diese Art Parallelmontage sorgt dafür, dass Cabrés Bücher nicht ganz einfach zu lesen sind, da er mitten im Satz die handelnden Personen, die Epochen, die Orte wechselt.

Die anspruchsvolle Sprache, die langen Sätze und die Verschachtelungen haben mein Lesevergnügen nicht getrübt - im Gegenteil: aus sprachlicher Sicht hat mir ‚Eine bessere Zeit‘ ausgezeichnet gefallen.

Auch inhaltlich konnte mich ‚Eine bessere Zeit‘ anfangs sehr fesseln, doch irgendwann kam der Punkt, an dem ich den Roman sehr schwerfällig und weitschweifig fand, an dem ich mich zum Weiterlesen zwingen musste, an dem ich die Geschichte wenig stringent erzählt fand.

Ich finde, man spürt bereits bei diesem Frühwerk, mit welchem schriftstellerischen Können der Autor gesegnet ist. Die Sprache Cabrés hat mich genauso fasziniert wie bei späteren Werken, und er lässt (wie bei seinen späteren Büchern) ganze Epochen aufleben. Doch erkennt man meiner Meinung nach auch, dass sein Stil noch geschärft werden musste, dass ihm Erfahrung gefehlt hat und er sich in ‚Eine bessere Zeit‘ bisweilen verzettelt bzw. den Leser aufgrund seiner eher verwirrenden Geschichte manchmal unterwegs verloren hat.

Kommentieren0
4
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu

Ein Haus in Katalonien, sieben Generationen und zweihundert Jahre Familiengeschichte

In seinem Roman Eine bessere Zeit erzählt der Weltbestsellerautor Jaume Cabré die Geschichte von Miquel Gensana, seiner traditionsreichen Familie und den vielen Geheimnissen, die ihn und seine Vorfahren umgeben.

»Cabré erzeugt ein selten anzutreffendes Glücksgefühl.« Frankfurter Allgemeine Zeitung

Worum geht’s genau?

Mit nicht einmal zwanzig Jahren bricht Miquel mit seiner Familie und zieht für sein Studium nach Barcelona, wo er ein Leben führen will, das nicht dem Geld, sondern seinen politischen Überzeugungen folgt. Bald zieht es ihn und seinen Freund Bolós in den antifranquistischen Untergrund. Als Franco stirbt und Spanien sich verwandelt, muss Miquel nach und nach zurückfinden. In episodenhaften Rückblicken erzählt Cabré vom Aufbegehren gegen die eigene Familie, von der Kraft der Tradition und vom Glauben an das Schöne angesichts der verlorenen Zeit.

Neugierig geworden? Hier geht’s zur Leseprobe »

Ihr wollt erfahren, welche Geheimnisse Miquel und seine Familie umgeben? Dann bewerbt Euch einfach bis zum 28. März über den blauen „Jetzt bewerben“-Button* für die Leserunde – und beantwortet uns dazu folgende Frage:

Mit der eigenen Familie brechen, weil die politischen Überzeugungen auseinanderklaffen – ist das für Euch denkbar oder unbegreiflich?

Über den Autor: Jaume Cabré, geboren 1947 in Barcelona, gehört zu den von Kritik und Publikum heute am meisten geschätzten katalanischen Autoren. Sein Roman Die Stimmen des Flusses wurde mit dem Preis der spanischen Kritik ausgezeichnet. Eine bessere Zeit erschien 1996 erstmals in Katalonien.

PS: Um über alle Leserunden und Buchverlosungen aus dem Insel Verlag auf dem Laufenden zu bleiben, schaut mal hier vorbei ...

* Im Gewinnfall verpflichtet Ihr Euch zur zeitnahen und aktiven Teilnahme am Austausch in allen Leseabschnitten der Leserunde innerhalb von 4 Wochen nach Erhalt des Buches sowie zum Veröffentlichen einer ausführlichen Rezension auf LovelyBooks.de, nachdem Ihr das Buch gelesen habt. Bestenfalls solltet Ihr vor Eurer Bewerbung für eine Leserunde schon mindestens eine Rezension auf LovelyBooks veröffentlicht haben. Bitte beachtet, dass wir die Bücher nur innerhalb Europas verschicken.
Zur Leserunde

Zusätzliche Informationen

Jaume Cabré im Netz:

Community-Statistik

in 527 Bibliotheken

auf 89 Wunschlisten

von 11 Lesern aktuell gelesen

von 5 Lesern gefolgt

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks