Jaume Cabré Die Stimmen des Flusses

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Inhaltsangabe zu „Die Stimmen des Flusses“ von Jaume Cabré

Ein großer, dramatischer Roman über das engverflochtene Schicksal einer Handvoll Menschen, die der Spanische Bürgerkrieg zu Gegnern und zu Liebenden macht. Seit Carlos Ruiz Zafóns Der Schatten des Windes hat es keinen Roman aus Spanien gegeben, der seine Leser so in den Sog einer faszinierenden Geschichte zieht wie dieser. 'Ein farbechtes, episches Panorama, von dem man nicht so schnell die Augen wenden kann' Literarische Welt suhrkamp.pocket: Große Bestseller im kleinen Geschenkbuchformat

http://novelero.de/die-stimmen-des-flusses/

— sandro_abbate
sandro_abbate

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    Die Stimmen des Flusses
    KaraBeta

    KaraBeta

    17. October 2015 um 08:02

    Ich habe mich am Anfang auch schwer getan. Eine ganze Flut an Personal mit unvertraut klingenden Namen wird auf wenigen Seiten eingeführt, dazu die allerorts erwähnten unvermittelten, oft innerhalb eines einzigen Satzes stattfindenden und formal nicht gekennzeichneten Wechsel der Perspektiven und Zeitebenen. Die Geschichte entwickelt dennoch recht schnell einen Sog, man gewöhnt sich an den Stil und was anfangs sperrig und wenig geschmeidig ist, macht nach kurzer Zeit einen Großteil der Faszination des Romans aus. Es geht um den Tod des Dorfschullehrers Oriol Fontelles während des spanischen Bürgrkriegs und obwohl sein Schicksal von Anfang an bekannt ist, ist es spannend mitzuverfolgen, wie es dazu kam und was denn schließlich genau in der Kirche damals passierte. Viele Menschen sind in Oriols Leben verwickelt, sei es in der Vergangenheit oder in der Gegenwart und alle haben ihr eigenes Päckchen zu tragen, gerade durch die ungewöhnliche Erzählweise werden die Schicksale gekonnt miteinander verknüpft. Man ist als Leser ständig auf dem Sprung und muss seine Meinung und Sympathien immer neu justieren. Ein vielschichtiger und facettenreicher Einblick in menschliche Abgründe mit nachhaltiger Tiefenwirkung.

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  • Anstrengend und intensiv

    Die Stimmen des Flusses
    MartinaESiemsDahle

    MartinaESiemsDahle

    12. October 2014 um 14:20

    Ch. Westermann (WDR) schreibt: "Lassen Sie sich einfach auf die großartige Geschichte ein, die Begeisterung kommt von ganz allein.(...)" Sicherlich, Jaume Cabré kann mit Wort und Wortbildern meisterhaft umgehen. Dem Erzählstil kann ich leider nicht folgen. Innerhalb von zwei Sätzen wechselt der Autor in andere Handlungzeiten, Erzählperspektiven, ist Außenbetrachter, dann plötzlich Ich-Erzähler. Das Thema (spanischer Faschismus) ist dringend und wichtig, aber wird wie ein zerzuseltes Wollknäuel nur mühsam entflochten.   

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  • Ein umfassendes Zeugnis der Vergangenheit

    Die Stimmen des Flusses
    knuddelbacke

    knuddelbacke

    23. April 2014 um 17:01

    Mit "Die Stimmen des Flusses" hat Jaume Cambre ein nahezu 50 Jahre umfassendes Werk geschaffen, was eine der dunkelsten Epochen der spanischen geschichte thematisiert : den spanischen Bürgerkrieg, ein Werk zwischen Falangismus und Widerstand, Hass und Liebe, Wahnsinn und Vernunft. Selten habe ich einen Roman gelesen, der mir ein solch hohes Maß an Konzentration abverlangte. Dies lag zum einen daran, dass Jaume Cabre häufig zwischen den verschiedenen Zeitebenen ( 1936 ,zweiter Weltkrieg, 70er Jahre und Gegenwart, wobei hier das Jahr 2001 gemeint ist, in dem Tina die Schulhefte entdeckt) wechselt, aber auch an der Vielzahl der beteiligten Charaktere , sowie deren Lebensgeschichten. Der Wechsel zwischen den Erzählebenen und Perspektiven geschieht dabei so apprubt, das mir oftmals erst nach dem lesen einiger Wörter klar wurde, das schon wieder ein Perspektivwechsel stattgefunden hat. Erschwerend kam für mich beim Lesen die Vielzahl an Fremdwörtern hinzu, die das Verständnis für mich enorm erschwert haben. Da war die Rede von Falangisten, Maquisards, um nur einige zu nennen, die leider keinerlei Erklärung erfahren haben und sich nicht immer sofort aus dem Kontext erschließen ließen . Ein kleines Glossar am Ende des Buches wäre also hilfreich gewesen. Begeistern konnte mich der Roman vor allem in inhaltlicher Hinsicht, wobei mir die Grundidee, Gegenwart und Vergangeheit mit einer Vielzahl komplexer Charaktere und Handlungen zu verknüpfen, gut gefallen hat. Neben den bereits erwähnten Schwierigkeiten, hat mir der Hang des Autors zu verschachtelten, langen Sätzen den Einstieg in das Buch weiter erschwert, so dass ich erst nach ca. 250 Seiten das Gefühl hatte ein spannendes und lohnendes Buch in den Händen zu halten. Zusammenfassend kann man sagen, das dem Autor ein umfassender Gesellschaftsroman gelungen ist, der nicht nur Liebesgeschichte und Tragödie vereint, sondern ein umfassendes Geschichliches Panoramo vor dem Hintergrund des spanischen Bürgerkrieges zeichnet. Wer bereit ist einige Mühen vor allem in bezug auf Konzentrationsfähigkeit und Aufmerksamkeit  auf sich zu nehmen, wird am Ende mit einem Roman belohnt, der den Blick des Lesers auf das Vergangene schärft, und zeigt, dass oftmals die Dinge nicht sind wie sie scheinen.

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  • Spanischer Bürgerkrieg...

    Die Stimmen des Flusses
    Armillee

    Armillee

    17. February 2014 um 15:28

    Ich habe nicht  bei Seite 90 abgebrochen, weil es immer neue Handlungsstränge mit vielen neuen Romanfiguren gab, sondern weil mir die Hauptperson von Senyora Elisenda Vilabrú nicht nahe ging. Ihre Handlungsweise sowie ihre Person wirkten auf mich kalt. Sie verkehrt in den höchsten Kreisen (auch im Vatikan), hat Sex nur, weil der Körper es braucht und alle liegen ihr entweder zu Füßen, oder führen ohne lange Fragen ihre Befehle aus. Nicht mein Ding. Das Cover ist toll. Der Titel geheimnisvoll. Knapp 700 Seiten.

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  • Vom Anspruch und der Wirklichkeit

    Die Stimmen des Flusses
    Stefan83

    Stefan83

    17. November 2013 um 16:11

    Zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft oftmals eine gewaltige Lücke. Das wird besonders im Fall des Buches von Jaume Cabré, "Die Stimmen des Flusses", sehr deutlich. Im Jahre 2004 im Original veröffentlicht, wurde es drei Jahre später pünktlich zum Katalonien-Thema der Buchmesse in Frankfurt auf den Markt geworfen, um auf der von Carlos Ruiz Zafón losgetretenen Welle mit zu schwimmen. Als würdiger Nachfolger und neueste katalanische Entdeckung gelobt, vermochte auch dieses Werk anfangs seinen Weg in die Bestsellerlisten anzutreten. Nachdem ich es nun selbst gelesen habe, ist der fühlbare Absturz nach vielerlei Lobeshymnen jedoch ziemlich hoch. Und doch merkt man, dass viel mehr möglich gewesen wäre, denn das interessante Grundthema hätte Potenzial für eine großartige Geschichte gehabt: Aufgeteilt ist diese in mehrere, ineinander verschachtelte Handlungsstränge, welche sich vom Beginn des spanischen Bürgerkriegs im Jahre 1936 bis ins Jahr 2002 ziehen und zu einem großen Teil im abgelegenen Pyrenäendorf Torena spielen. Im Mittelpunkt der Erzählung (sofern es einen gibt) steht der junge Oriol Fontelles, ein Neuankömmling im Ort, der den bis dahin vakanten Posten des Schullehrers übernimmt und dadurch ins Visier des faschistischen Bürgermeisters Valentí Targa gerät. Obwohl er selbst eigentlich unpolitisch ist, hält das überwiegend regimekritische Dorf Fontelles nun für den Feind und meidet ihn schließlich ganz, nachdem der Junge eines spanischen Anarchisten grausam ermordet wird. Angestiftet von der reichen Unternehmerin Elisenda Vilabrú, welche die Manipulation von Männern mittels Geld und Sex perfektioniert hat, geht der Bürgermeister über Leichen, Fontelles stets im Schlepptau, dessen Frau sich samt Kind von ihm abgewandt hat. Von schweren Selbstvorwürfen zerfressen schließt dieser sich heimlich dem Widerstand an. Und während er nach außen hin den regimetreuen Falangisten gibt, schanzt er den Truppen des Maquis Informationen zu. Nach einiger Zeit droht Fontelles am Doppelleben und der Einsamkeit zu zerbrechen. In einem Schulheft beginnt er die Ereignisse aufzuschreiben, um damit seinem Kind später mitzuteilen, welche Rolle er wirklich im Krieg gespielt hat. Knapp sechzig Jahre später werden diese Manuskripte beim Abriss der Schule von der Lehrerin Tina Bros gefunden, die, selbst von privaten Problemen gebeutelt, damit beginnt Nachforschungen anzustellen, um herauszufinden, auf welche Weise Fontelles am Ende zu Tode gekommen ist... Falangisten? Maquisards? Wer wie ich mit diesen Begriffen eher weniger anfangen kann, sollte sich vor der Lektüre noch mal schnell mit der spanischen Geschichte des 20. Jahrhunderts (besonders mit dem Spanischen Bürgerkrieg) befassen, denn Cabré setzt ein großes Maß an Vorkenntnis voraus, ohne das man wohl im sehr komplexen Plot sonst keinen roten Faden erkennen wird. Wer das nun erledigt hat oder bereits das Wissen besitzt, kann sich jetzt auf das Buch stürzen, um gleich am Anfang eine große Überraschung zu erleben. Cabrés Erzählstil ist gelinde gesagt abenteuerlich, springt er doch übergangslos und ohne Absatz innerhalb eines Kapitels zwischen den chronologisch auseinander liegenden Handlungssträngen hin und her, so dass man als Leser meist völlig im Dunkeln tappt, wo und wann man sich gerade befindet. Immer wieder Häppchenweise serviert er Dialoge und überrumpelt uns mit einer Vielzahl an Personen, die der des Coverbilds in nichts nachsteht. Wer hier sofort den Überblick behält: Hut ab. Ich habe gut hundert Seiten gebraucht, um mich auf diese Stilexperimente einzustellen, deren Funktionen sich mir nicht erschlossen haben und die mir bis zum Schluss ein Dorn im Auge geblieben sind. Cabrés literarisches Rumprobieren geht hier eindeutig auf Kosten der Lesbarkeit. Überhaupt unterhält das Buch besonders gegen Anfang relativ wenig. Vielmehr ist die Lektüre ein Kraftakt, fällt es schwer den Erzähler sofort zu identifizieren, wenngleich sich eine Verknüpfung der Handlungsstränge immer wieder andeutet. Zwischen diesen herrscht aber ein großer Qualitätsunterschied. Die Seiten, in denen Cabré sich auf den spanischen Bürgerkrieg konzentriert, sind gelungen, authentisch und mitreißend. Hoffnungslosigkeit und Finsternis wechseln sich mit Momenten der Gerechtigkeit und Rache ab. Oriols Opfer weiß zu berühren, Elisendas nachträgliche Anstrengungen werden überzeugend geschildert. Demgegenüber fällt die Gegenwartsgeschichte um Tina Bros jedoch stark ab. Ihre Probleme wirken zu arg konstruiert, eher wie ein Mittel zum Zweck, das hinzugefügt wurde, um den chronologischen Aufbau zu rechtfertigen. All diesen positiven Elementen versetzt letztendlich der äußerst anstrengende Stil Cabrés den Genickbruch. Seine Ausschweifungen waren für mich ab einem gewissen Punkt nicht mehr zu ertragen, das Ende wurde herbeigesehnt. Das dieses dann auch noch sehr blass und unbefriedigend ausfällt, lässt zusätzlich einen bitteren Beigeschmack zurück. Insgesamt ist "Die Stimmen des Flusses" ein episch strukturiertes Werk, das bei seinem Versuch, Zeitgeschichte mit Unterhaltung zu mischen, leider letztendlich Schiffbruch erleidet und mich immer nur für kurze Strecken begeistern konnte. Kein Vergleich zu Zafón und mit Sicherheit nicht der große Wurf, zu dem man das Buch machen wollte.

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  • Kompliziert - aber es lohnt sich

    Die Stimmen des Flusses
    Frau_Antje

    Frau_Antje

    12. September 2013 um 21:37

    Schlaglichtartig wird die Lebensgeschichte eines katalanischen Dorfschullehrer zur Zeit des spanischen Bürgerkriegs erzählt. Dessen Tagebücher werden 60 Jahre später hinter der Schiefertafel der alten Dorfschule gefunden. Und es zeigt sich, dass die Lügen, Verwirrungen und Verstrickungen der Bürgerkriegszeit Auswirkungen bis in die heutige Zeit haben. Ich gebe zu, dieses Buch ist nicht einfach zu lesen. Auf den geschätzten ersten 40 Seiten werden gefühlte 80 Figuren vorgestellt, die miteinander in ebenso gefühlte 1763 Geschichten verstrickt sind. Noch nie war ich bei einem Buch so dankbar um einen Index, in dem die einzelnen Personen vorgestellt werden. Hat man sich aber irgendwann endlich einen Überblick verschafft und eine grobe Idee davon, wer mit wem warum verbunden ist und in welchem Jahrzehnt wir uns gerade befinden (Denn auch hier springt Cabré fröhlich hin und her), entwickelt dieses Buch eine Dramatik, dem man sich nicht entziehen kann und es wird zum regelrechten Pageturner. Cabré schafft es, den Spannungsbogen quer durch ein ganzes Jahrhundert zu halten. Nach und nach setzt sich die Wahrheit wie ein Mosaik zusammen. Als Leser wird man mehr und mehr in den Bann gezogen und hat man es schließlich zum - fast nicht vorhersehbaren - Ende geschafft, möchte man nur eines: Nochmal lesen!

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  • Rezension zu "Die Stimmen des Flusses" von Jaume Cabré

    Die Stimmen des Flusses
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    12. March 2013 um 18:06

    Wenn Spanienurlauber sich im Nordosten der iberischen Halbinsel einmal aus den Touri-Reservaten herausbegeben, stellen sie oft erstaunt fest, dass sie mit ihren spanischen Sprachkenntnissen nicht so recht weiterkommen. Das liegt daran, dass in Katalonien, Valencia und auf den Balearen eine eigenständige Sprache gesprochen wird. In der Öffentlichkeit, zum Beispiel in den U-Bahnen Barcelonas, auf Werbeplakaten und in vielen Tageszeitungen herrscht die ursprüngliche Landessprache vor, das Katalan. Deutsche, die es gewohnt sind, dass überall bei uns zu Hause und auch in einigen Nachbarländern ein für alle verständliches Deutsch gesprochen wird, wundern sich über diese aus ihrer Sicht merkwürdige Abgrenzung. - Warum werden innerhalb einer Nation mehrere verschiedene Sprachen gesprochen, wo wir doch irgendwo auf dem (zugegebenermaßen steinigen) Weg in eine europäische Einheit befinden? Warum mögen sich Katalanen und Kastilier so wenig? Die Beantwortung dieser Fragen erleichtert die Lektüre des spannenden Romans Die Stimmen des Flusses von Jaume Cabré. Die Romanhandlung spielt in ihrem Hauptteil während der Zeit der Franco-Diktatur, also zwischen der Mitte der Dreißigerjahre und den ersten freien Wahlen im Jahr 1977. Ein zweiter Handlungsstrang zieht sich bis in die aktuelle Zeit der Nullerjahre des einundzwanzigsten Jahrhunderts. Hauptfigur des Romans ist Elisenda Vilabrú, eine wohlhabende Geschäftsfrau, die in einem kleinen, fiktiven Dorf namens Torena in den Pyrenäen an der Grenze zu Andorra und Frankreich lebt. Elisenda kontrolliert das gesamte Dorf, seine Honratioren einschließlich des frankistischen Bürgermeisters Valentín Targa und der Kirchenvertreter der Region. Mit eiserner Hand und mit viel Geld weitet sie ihren Einfluss aus und entwickelt das Tal Vall d'Àssua zur vielversprechenden Skiregion. Die Schreckensherrschaft des Terrorregimes Francos nimmt sie in Kauf und bedient sich dessen Einflusses. Elisendas einzige Schwäche ist ihre Liebe zum Dorfschullehrer Oriol Fontelles, dessen versteckte Aktivitäten im anti-frankistischen Widerstand sie nicht wahrnimmt. Oriol gibt sich nach außen als loyaler Kamerad des grausamen Targa und vertraut seine Widerstandstätigkeiten nur einem geheimen Tagebuch an, das Jahrzehnte später zufällig die Lehrerin Tina Bros während der Abbrucharbeiten am alten Schulgebäude Torenas findet und Nachforschungen anstellt. Aus dem brutalen Auftreten der Falange, den Vertreter der Francodiktatur, dem unterdrückten Hass einiger Dorffamilien, deren Männer in den Widerstand geflüchtet sind, der unklaren Positionierung der Kirche sowie aus dem herrschaftlichen Habitus Elisenda Vilabrús entsteht ein gnadenloser Machtkampf, der ein Todesopfer nach dem anderen fordert. - Auge um Auge, Zahn um Zahn. Das Original des Romans erschien 2004 unter dem katalanischen Titel Les veus del Pamano, der Autor macht keinen Hehl aus seiner Sympathie für die Widerständler. Er erzählt von Gräueltaten der Handlanger des faschistischen Regimes, von Vergeltungsschlägen der katalanischen Guerilla, vom Hass der Unterdrückten und der Unterdrücker, von der Macht der Bestechung ebenso wie von der der Liebe; hauptsächlich der heimlichen und der unerwiderten. Dabei springt Cabré gerne zwischen den verschiedenen Erzählsträngen der Geschichte über Jahrzehnte hinweg in die Vergangenheit oder die Zukunft. Solche Szenenwechsel sind in der Belletristik als Mittel zur Spannungserzeugung grundsätzlich gang und gäbe. Jaume Cabré aber treibt die Zeitsprünge auf die Spitze: Die Handlung springt nicht nur zwischen Kapiteln oder deutlich voneinander abgesetzten Textsequenzen. Bei ihm wechseln Szenen oft ab- und ansatzlos von einer Zeile zur nächsten, ohne jede Ankündigung mitten in Gedankengängen. Diese besondere Erzähltechnik und des Autoren Vorliebe für rätselhafte Szeneneinstiege, in denen keine Namen genannt werden, sondern erst einmal "sie" oder "er" handelnde Personen sind, sorgen dafür, dass sich die Leserschaft ungeheuer sorgfältig durch das Buch arbeiten muss. In der Regel ist es nach Handlungssprüngen nötig, zunächst ein paar Absätze zu lesen, um dann wieder an den Beginn der Szene zurück zu kehren, sobald man begriffen hat, wo im Plot man sich gerade befindet und welche Personen auftreten. Nicht unbedingt hilfreich bei der Orientierung in der Geschichte ist auch ihre Personalstärke. Das gesamte Dorf scheint über mindestens zwei Generationen hinweg in die Geschichte eingebunden zu sein, und darüber hinaus spart der Autor auch nicht an familiären Exkursen, insbesondere dann, wenn es um die verzweigte Familie Elisendas geht, die Vilabrú i Vilabrús. Natürlich kommen auch die typisch katalanischen Vornamen nicht zu kurz, es wimmelt geradezu von Joans, Peres und Jordis. (Bei dieser Gelegenheit kann ich mir einen kurzen Hinweis an spanischkundige Leser nicht verkneifen: Das J wird im Katalanischen nicht wie kastilisch "ch" ausgesprochen sondern wie im Englischen als "dsch".) ~ Das klingt alles sehr merkwürdig? Du fragst Dich, warum man sich Die Stimmen des Flusses antun sollte? - Diese Frage habe ich mir in der Tat auch gestellt. Denn merkwürdigerweise hatte ich trotz der beschriebenen Stolpersteine im Text doch immer Spaß am Lesen und war nie versucht, das Buch zur Seite zu legen. Vielleicht liegt es am Erzähltalent Jaume Cabrés; daran, dass es ihm gelungen ist, die trockene Faktenlage der historischen Begebenheiten während des Franco-Regimes in eine Geschichte zu verpacken, die aus dem Leben gegriffen zu sein scheint und trotz aller offensichtlichen Erfindungen authentisch wirkt. Vielleicht fühle ich mich aber auch nur durch die detailverliebte Wiedergabe all der kleinen Katalanismen an meine eigene Vergangenheit erinnert, was mich durchaus davon abgehalten haben könnte, den Roman an den faderen Stellen (ja, die gibt es) endgültig abzulegen. Die Stimmen des Flusses ist bestimmt nichts für LeserInnen, die schnelle und leicht fassbare Unterhaltung suchen. Aber akribische Bücherwürmer, die nicht davor zurückschrecken, sich einen Text zu erarbeiten, werden wahre Freude an diesem Roman haben. Für mich definitiv eine Geschichte, die ich noch ein zweites und drittes Mal lesen werde. Um die Erwartungshaltung unter der potenziellen Leserschaft nicht zu sehr zu strapazieren, vergebe ich nur drei von fünf möglichen Sternen. Den vierten behalte ich wegen der Erfüllung meiner persönlichen Vorlieben für mich. (Ach ja, ich bedanke mich übrigens bei Jaume Cabré ganz besonders für die prominente Unterbringung meines Lieblingsvornamens: "Oriol" hat auch noch eine zoologische Bedeutung, im Deutschen ist er ein Pirol.)

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  • Rezension zu "Die Stimmen des Flusses" von Jaume Cabré

    Die Stimmen des Flusses
    Ein LovelyBooks-Nutzer

    Ein LovelyBooks-Nutzer

    24. October 2012 um 08:54

    Das war nix. Das Problem für mich mit dieser Geschichte, war weder die Idee des Buches, noch der Schreibstil - beide hätten mich überzeugen können. Doch wenn ich innerhalb der ersten 40 Seiten gefühlte 10 verschiedene und erst einmal voneinander unabhängige Geschichten kennen lernen muss mit x Personen, die scheinbar nichts miteinander zu tun haben - zumindest in diesen ersten Seiten - dann nervt mich das so sehr, dass ich es getrost der Bücherei wieder zurück gebe.

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  • Rezension zu "Die Stimmen des Flusses" von Jaume Cabré

    Die Stimmen des Flusses
    rabbit78

    rabbit78

    28. August 2012 um 13:00

    Es ist sehr selten wenn ich ein Buch vor Frust zur Seite lege. Sehr verworren geschrieben - es lassen sich keine Zusammenhänge erkennen und die Zuordnung der Namen auf Familie und Geschlecht (m/w) ist sehr schwer. Nach 33 Seiten habe ich es aufgeben.

  • Rezension zu "Die Stimmen des Flusses" von Jaume Cabré

    Die Stimmen des Flusses
    Miriam81

    Miriam81

    11. June 2011 um 21:21

    Hat etwas gedauert, bis ich eingelesen war, aber dann super.

  • Rezension zu "Die Stimmen des Flusses" von Jaume Cabré

    Die Stimmen des Flusses
    Ulf_Borkowski

    Ulf_Borkowski

    23. February 2011 um 00:23

    „Die Stimmen des Flusses“ ist der erste, auf deutsch erschienene, Roman des katalanischen Autors Jaume Cabré. Auf fast 700 Seiten erzählt der Autor in mehreren miteinander verwobenen Handlungssträngen die -auch literarisch- wenig aufgearbeitete Geschichte des Spanischen Bürgerkrieges. Der Roman umfasst dabei eine Zeitspanne von über 60 Jahren, von der Zeit kurz nach dem Bürgerkrieg bis in die Gegenwart. Anhand eines kleinen Pyrenäendorfes wird der tiefe Graben zwischen den ehemaligen Bürgerkriegsparteien, der sich auch heute noch durch die spanische Gesellschaft zieht, veranschaulicht. Im Jahre 2004 entdeckt die Lehrerin Tina Bros kurz vor Abriss der Dorfschule des kleinen Pyrenäenortes Torena die Tagebuchaufzeichnungen des 1944 ermordeten Falangisten und damaligen Dorflehrers Oriol Fontelles und lernt dadurch diesen als einen völlig anderen kennen, als der er in der öffentlichen Erinnerung des Dorfes –für die einen ein falangistischer Märtyrer, für die anderen ein faschistischer Günstling- präsent ist. Ausgangspunkt von Cabrés Geschichte ist das Jahr 1936, als der Vater und der Bruder von Elisenda Vilabrú, Angehörige der reichsten und mächtigsten Familie des Dorfes, während des Bürgerkrieges von Anarchisten ermordet wurden. Elisenda Vilabrú macht es sich zur Lebensaufgabe diesen Mord zu rächen und bestimmt den Falangisten Valenti Targa zu ihrem Rachengel, den sie dazu als Bürgermeister von Torena einsetzen lässt. Dieser führt ein blutiges Regime und verfolgt die Widerstandskämpfer des Maquis gnadenlos. Grausamer Höhepunkt wird Targas Mord an einem vierzehnjährigen Schüler, dessen Vater nicht nur einer der mutmaßlichen Mörder der Vilabrús, sondern auch der Anführer der örtlichen Widerstandsgruppe ist. Der Dorfschullehrer Oriol Fontelles wird Zeuge dieser Bluttat, unternimmt aus Angst aber nichts dagegen. Ein Teil der Dorfbewohner beschuldigt ihn daher, den Jungen ausgeliefert zu haben und selber ein Faschist zu sein. Oriol Fontelles plagen Selbstzweifel und nachdem ihm sogar seine Frau mit dem noch ungeborenen Kind verlässt, weil sie ihn für einen Faschisten hält, obwohl er nur aus Feigheit vor Valentin Targa und aus Ergebenheit zu Elisanda Vilabrú, deren Gelibeter er wird, in die Falange eingetreten ist, fasst er den Entschluss, sich für die Widerstandsbewegung des Maquis zu engagieren. Fontelles wird so zum Doppelagenten und mach die Dorfschule zum wichtigsten Versteck für Flüchtlinge und Kämpfer des Maquis. Anhand des Mikrokosmos Torena zeigt Jaume Cabré das Regime Francos und die alltäglichen Widersprüche der spanischen Gesellschaft in dieser Zeit auf. Nach außen hin bleibt Oriol Fontelles der feige Mitläufer der Falangisten und wird zum Märtyrer für Franco, Kirche und Vaterland. Doch wie sich erst durch seine intimsten Tagebuchaufzeichnungen, die er in Form von Briefen an seine unbekannte Tochter führt, zeigt, war er ganz entgegen ein Märtyrer des Widerstandes gegen Franco. Das faszinierende an Jaume Cabrés Geschichte sind die häufigen Überblendungen, in denen er zwischen den zeitlichen Ebenen hin und her springt, teilweise mitten in einem Dialog. „Die Stimmen des Flusses“ ist ein faszinierender Roman, der in wunderbarer Weise die letzten 60 Jahre spanischer Geschichte erzählt, ohne dabei jedoch für die eine oder andere Seite einseitig Partei zu ergreifen oder anzuklagen. Aber auch ohne diesen historischen Hintergrund liest Jaume Cabrés eine bewegende Geschichte von kleinlicher Bosheit und heimlicher Größe, von mörderischem Haß, von Liebe und Verrat und davon, wie die Mächtigen die Geschichte schreiben.

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  • Rezension zu "Die Stimmen des Flusses" von Jaume Cabré

    Die Stimmen des Flusses
    skatile

    skatile

    25. January 2011 um 18:17

    Toller sehr ungewöhnlicher Schreibstil...

  • Rezension zu "Die Stimmen des Flusses" von Jaume Cabré

    Die Stimmen des Flusses
    ninchen1809

    ninchen1809

    30. December 2010 um 21:19

    Im Jahre 2002 findet Tina Bros, eine Gmnasiallehrerin, in einer Schule alte Briefe an seine ihm unbekannte Tochter eines im Jahre 1944 verstorbenen Lehrers Oriol Fontelles. Viele Fragen tun sich auf. Wer ist dieser Mann? Wie hat er gelebt? Warum musste er sterben? Warum ist seine Tochter nicht bei ihm? Warum soll er selig gesprochen werden? Das sind die essentiellen Fragen des Romans von Jaume Cabré. Der Roman spielt in einem kleinen Dorf in Spanien unter dem Regimes Francos. Im Mittelpunkt des Romans steht zum einen die schöne, reiche und mächtige Elisenda und zum anderen der Dorfschullehrer Oriol, dessen Leben sich zwischen Faschisten, Widerstand, Verrat, Ehe, Vaterschaft und Leidenschaft abspielt. Cabré wirft dem Leser immer nur Bissen der Geschichte zu, so dass die Geschichte sich nur ganz langsam wie ein großes Puzzle zusammensetzt. Geschehnisse werden aus verschiedenen Blickwinkeln verschiedener Personen erzählt. Der Roman ist voller Wendungen und Überraschungen und Zeitsprünge. Die Protagonisten sind allesamt überzeugend charakterisiert und psychologisch stimmig. Ein einzigartiges Buch! Genial!

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  • Rezension zu "Die Stimmen des Flusses" von Jaume Cabré

    Die Stimmen des Flusses
    anlana

    anlana

    09. December 2010 um 18:32

    Katalonien 1944 - Katalonien 2002. Zwei unterschiedliche Welten? Ja! Aber auch wieder nicht! Ein tolles Buch, das mich zum großen Teil durch seinen wunderbaren Schreibstil überzeugt hat. Die Verwebung von Vergangenheit und Gegenwart ist äußerst gelungen und trägt somit zum Spannungsaufbau bei. Ebenso zeigt Cabré so, dass auch in der Realität und nicht nur in der Fiktion, beide untrennbar miteinander verwoben sind. Man fühlt sich hin- und hergerissen zwischen den Zeiten, zwischen Mitgefühl, Wut, Zweifel und den "Seiten". Und genau das macht die Spannung dieses Romans aus.

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  • Frage zu "Der Schatten des Windes" von Carlos Ruiz Zafón

    Der Schatten des Windes
    Lieblingsmami78

    Lieblingsmami78

    Der Schatten des Windes hat mich total fasziniert. Meine Frage ist, wer kennt weitere Bücher von spanischen Autoren, die sich mit der Franco Diktatur auseinandersetzen??

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