Javier Marías

 3.8 Sterne bei 542 Bewertungen
Autor von Mein Herz so weiß, Die sterblich Verliebten und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Javier Marías

Javier Marías Franco wurde am 20. September 1951, als viertes von fünf Kindern, in Madrid, Spanien geboren. Sein Vater bekannte sich zur republikanischen Politik und wurde daher vom Franco-Regime verfolgt und bekam ein Berufsverbot ausgesprochen. Zeitweise lebte die Familie in den USA, wo Javier María Francos Vater an verschiedenen Universitäten lehrte. Von 1968 bis 1973 studierte er Literaturwissenschaft und Philosophie an der Universität Complutense in Madrid. Marías war während seines Studiums Anhänger einer kommunistischen Gruppe. Später aber distanzierte er sich hiervon und verwies immer wieder auf seine politische Unabhängigkeit. Mit Übersetzungen und Kurzauftritten in Filmen seines Onkels verdiente der Autor sein erstes Geld. Seit 1974 lebte er in Barcelona und war für ein Verlagshaus angestellt, bis es ihn 1978 wieder nach Madrid zog. Er schrieb Artikel für verschiedene Zeitschriften und Zeitungen, arbeitete als Übersetzer und schrieb an eigenen Romanen und Erzählungen. 1983 verschlug es den Autor nach Oxford. Dort unterrichtete er an Universitäten spanische Literatur. Ab 1986 lebte und arbeitete er in Venedig. Seit 1987 lebt er erneut in Madrid und lehrt an verschiedenen Universitäten. Bereits mit 11 Jahren begann er zu schreiben. Im Alter von 15 Jahren hatte er seinen ersten Roman geschrieben, welcher nie veröffentlicht wurde. In Deutschland erschien 1986 der erste Roman - "Der Gefühlsmensch". Im Jahr 1996 erschien in Deutschland "Mein Herz so weiß". Dieser Roman wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt und war ein Welterfolg. Den Nelly-Sachs-Preis bekam er 1997 für sein Gesamtwerk zugesprochen.

Alle Bücher von Javier Marías

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Mein Herz so weiß

Mein Herz so weiß

 (280)
Erschienen am 07.03.2013
Die sterblich Verliebten

Die sterblich Verliebten

 (53)
Erschienen am 07.03.2013
Morgen in der Schlacht denk an mich

Morgen in der Schlacht denk an mich

 (48)
Erschienen am 26.09.2012
Alle Seelen

Alle Seelen

 (35)
Erschienen am 26.09.2012
Als ich sterblich war

Als ich sterblich war

 (17)
Erschienen am 01.05.2000
Während die Frauen schlafen

Während die Frauen schlafen

 (16)
Erschienen am 01.11.2001
So fängt das Schlimme an

So fängt das Schlimme an

 (11)
Erschienen am 26.10.2017
Der Gefühlsmensch

Der Gefühlsmensch

 (12)
Erschienen am 25.08.2016

Neue Rezensionen zu Javier Marías

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W

Rezension zu "Mein Herz so weiss. Roman" von Javier Marías

Mein Herz so nweiß
wallivor 2 Monaten

vor zwei Tagen ausgelesen und erstmal sacken gelassen.
Im Nachwort steht der Autor gilt in seiner Heimat als anspruchsvoller Autor, er setze auf nachdenkliche Leser.
Und somit ist es nicht verwunderlich, dass der Roman unterhaltsam, aber kein Unterhaltungsroman ist.

Die Haupthandlung geriet mir oftmals als nebensächlich, wichtiger waren mir die An-und Einsichten des Ich-Erzählers, die allesamt mich sehr zum Nachdenken brachten. Am einfachsten nachvollziehbar waren seine Gedanken zum Thema Ehe. Da wird vom Unbehagen berichtet nicht mehr die Spannung zu haben wo der Abend endet, sondern es gibt nur noch ein gemeinsames Ziel. Auch die These einen Großteil seines bisherigen Ichs der Beziehung zu opfern, war bedenkenswert. Nun kann man nicht mehr allein über Wohnungseinrichtung, Freizeitgestaltung ja sogar Karriere entscheiden. Ich hab mal nachgerechnet: seit 37 Jahren lebe ich ohne ehe-oder eheähnlichen Partner in meiner Wohnung. Olli kommt zwar jeden Tag, aber ich habe auch viel Zeit für mich, wie jetzt zum Beispiel. Die Auslegungen zum Thema Ehe in diesem Buch sorgten für gute Gespräche mit Olli. Ja, wir finden es gut so, dass jeder seinen eigenen Raum sprich Wohnung hat, dass wir frei wählen wann wir zusammen und wann wie jeder für sich sind.
Viel verwirrender ist da die These, dass reale Wahrheit nur das ist, was noch nicht gesagt oder erzählt wurde. Sowie Du die Wahrheit sagen willst, bist Du schon dabei sie für den Zuhörenden passend zu formulieren, zu beschönigen, auszuschmücken, abzuschwächen etc. Da grübel ich immer noch . Überhaupt setzt der Autor sich mit Zeit, der Augenblick, der nicht wiederholt werden kann, die dabei vorhandenen Emotionen nicht erinnert werden können oder bedingt, wenn ein Foto oder ein Video ihn festgehalten hat, auseinander. Und mit Worte, die gesprochen wurden, um vergessen zu werden oder die zu nicht geahnten Taten führten. Die Idee, die Geschichte des Romans in Anlehnung an "Macbeth " von Shakespeare aufzubauen, ist großartig. Die endlosen Schachtelsätze, mehrmals hintereinander auch laut von mir gelesen, um den Faden nicht zu verlieren, mühsam , aber auch toll wie das Gehirn arbeiten, sich konzentrieren muss. Mir fällt ein, dass ich erst vor kurzem las, wie sehr ein Autor sich bemüht die richtigen Wörter zu finden, nicht einfach so drauf los schreibt.
Zu guter Letzt hat der Autor mir noch ein Geschenk gemacht: Die wunderbare Beschreibung eines Gemäldes von Rembrandt ,Artemesia. Ich mag Rembrandts Bilder.
Obwohl viel geschrieben, hab ich nur einen kleinen Ausschnitt von diesen 400 Seiten wiedergegeben. Ich glaube, man kann es immer wieder lesen und wird immer wieder neu drüber nachdenken.


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sabatayn76s avatar

Rezension zu "Keine Liebe mehr" von Javier Marías

' [...] ohne dass vorher in Wahrheit überhaupt Wünsche bestanden hätten.‘
sabatayn76vor 2 Jahren

‚[...] normal ist, dass die Leute glauben, sich das, was ihnen ohnehin passiert, was ihnen zustößt, was sie erreichen oder was ihnen in den Schoß fällt, zu wünschen, ohne dass vorher in Wahrheit überhaupt Wünsche bestanden hätten.‘

‚Keine Liebe mehr‘ beinhaltet 30 Erzählungen von Javier Marías, die der spanische Autor zwischen 1968 und 2005 geschrieben hat. Diese wurden zum Teil bereits in den beiden Erzählbänden ‚Während die Frauen schlafen‘ und ‚Als ich sterblich war‘ veröffentlicht, einige Erzählungen waren mir allerdings nicht bekannt, so dass ich annehme, dass sie bislang unveröffentlicht waren.

Ich schätze Marías als Romanschriftsteller sehr und kenne sowohl seine frühen Romane ‚Der Gefühlsmensch‘, ‚Mein Herz so weiß‘ und ‚Morgen in der Schlacht denk an mich‘ als auch seine in den letzten Jahren erschienenen Bücher ‚Die sterblich Verliebten‘ und ‚So fängt das Schlimme an‘. Mit seinen Essays (‚Das Leben der Gespenster‘) und seinen Erzählbänden ‚Während die Frauen schlafen‘ und ‚Als ich sterblich war‘ konnte ich mich, als ich diese vor mehr als 15 Jahren gelesen hatte, jedoch nur zum Teil anfreunden, wobei ich die Erzählung ‚Während die Frauen schlafen‘ schon damals als echtes Kleinod empfand, vor allem in der brillanten Lesung von Otto Sander. Da ich Marías als meinen absoluten Lieblingsautor betrachte und manche Bücher erst beim zweiten Lesen und/oder mit mehr Lebenserfahrung ihre wahre Bedeutung und Tiefe entfalten, war ich gespannt auf den Erzählband ‚Keine Liebe mehr‘, der im Herbst 2016 anlässlich des 65. Geburtstags des spanischen Autors veröffentlicht wurde.

Auch in Marías‘ Erzählungen finden sich die für den Autor so typischen Schachtelsätze mit unzähligen Einschüben, die es dem Leser nicht immer einfach machen, für die ich den Autor jedoch sehr schätze, denn er ist schlichtweg ein Meister darin. Wie immer bei Marías ist kein Wort zu viel, und die Satzstruktur ist perfekt durchdacht und geschickt konstruiert.

Marías erzählt in ‚Keine Liebe mehr‘ kluge Geschichten mit bisweilen außergewöhnlichen Protagonisten, die allesamt hervorragend charakterisiert wurden. Dabei erinnern manche Erzählungen stark an seine Romane, und ‚Auf der Hochzeitsreise‘ ist extrem an die Szene in Havanna angelehnt, die man im Roman ‚Mein Herz so weiß‘ findet. Andere Erzählungen haben Bezüge zu Marías selbst, z.B. die Verweise auf den König von Redonda in ‚Ein Treue-Epigramm‘. Wieder andere Erzählungen sind schlichtweg genial und sehr typisch für Marías, wie z.B. ‚Während die Frauen schlafen‘, ‚Gualta‘ und ‚Ein riesiger Gefallen‘.

Zu manchen Erzählungen habe ich trotz meiner Faszination für Marías und seine Schreib- und Erzählkünste keinen Zugang gefunden, aber das halte ich für völlig normal in einem Erzählband mit 30 Texten, die inhaltlich so unterschiedlich sind und über mehrere Jahrzehnte hinweg geschrieben wurden. Alles in allem haben mir die sogenannten ‚akzeptierten‘ Erzählungen deutlich besser gefallen als die sogenannten ‚akzeptablen‘ im zweiten Teil des Buches.

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sabatayn76s avatar

Rezension zu "Der Gefühlsmensch" von Javier Marías

‚eine Liebesgeschichte, in der die Liebe weder sichtbar ist noch lebt [...]'
sabatayn76vor 2 Jahren

‚eine Liebesgeschichte, in der die Liebe weder sichtbar ist noch lebt, sondern angekündigt und erinnert wird‘

Inhalt:
Auf einer langen Zugfahrt lernt der Ich-Erzähler - ein Opernsänger - drei Menschen kennen: den belgischen Bankier Hieronimo Manur, dessen Ehefrau Natalia und den Gesellschafter Dato, der Natalia die Zeit vertreiben soll, wenn der Bankier beschäftigt ist.

Der Ich-Erzähler, Natalia und Dato verbringen schließlich viel Zeit miteinander und werden ein ‚unzertrennliches Trio‘, wobei die Anziehungskraft zwischen dem Ich-Erzähler und der verheirateten Natalia stetig wächst, bis sich das Leben aller Beteiligten ändert.

Mein Eindruck:
Javier Marías ist mein Lieblingsautor, und obwohl ich Romane wie ‚Mein Herz so weiß‘, ‚Morgen in der Schlacht denk an mich‘ sowie die neueren Bücher ‚Die sterblich Verliebten‘ und ‚So fängt das Schlimme an‘ mehrmals mit großer Begeisterung gelesen und als Hörbuch gehört habe, ist ‚Der Gefühlsmensch‘ jahrelang ungelesen auf meiner Leseliste geblieben. Durch die Neuauflage des Fischer-Verlages habe ich nun dieses Frühwerk des spanischen Autors gelesen, und obwohl man beim Lesen deutlich merkt, dass ‚Der Gefühlsmensch‘ noch nicht die Perfektion und den Schliff späterer Werke erreicht, hat mir die Lektüre sehr gut gefallen.

Meiner Meinung nach ist ‚Der Gefühlsmensch‘ ein typisches und unverwechselbares Marías-Buch: Endlossätze mit unzähligen Verschachtelungen, Bezüge zu William Shakespeare, alles dreht sich um Liebe, Tod und zwischenmenschliche Beziehungen. Die Themen ziehen sich jedoch noch nicht so stringent durch das Buch, wie man dies von späteren Büchern gewohnt ist, und was man in dem Roman, den Marías bereits 1986, also im Alter von 35 Jahren, geschrieben hat, noch vermisst, sind die Wiederholungen bestimmter Phrasen und der damit verbundene, sehr dominante rote Faden, die sich durch das gesamte Buch ziehen. Man sieht an ‚Der Gefühlsmensch‘ sehr gut, welche Themen bereits den jungen Marías beschäftigt haben und wie eloquent er erzählen kann, doch dass er seinen Stil über die Jahre sogar noch perfektionieren konnte.

Wie immer bei Marías wird der Leser gleich mit dem ersten Satz in die Geschichte gezogen, obwohl ich finde, dass er dies in späteren Werken noch ausgeprägter und geschickter geschrieben und konstruiert hat. Typisch finde ich auch, dass es nach einem spannenden Einstieg zunächst weitschweifig wird und man sich ein wenig zum Lesen animieren muss. Im weiteren Verlauf kommt man jedoch auch bei ‚Der Gefühlsmensch‘ an den Punkt, an dem es kein Halten und keine Lesepause mehr geben kann, weil man atemlos der Geschichte folgen muss, bis das Buch mit einer Art Paukenschlag und einer philosophischen Betrachtung endet.

Mein Resümee:
‚Der Gefühlsmensch‘ ist ein gelungener Roman, der einem Vergleich mit den oben genannten Romanen Marías‘ zwar nicht standhalten kann, der aber dennoch meisterhaft erzählt und konstruiert wurde.

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Javier Marías wurde am 20. September 1951 in Madrid (Spanien) geboren.

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