So fängt das Schlimme an

von Javier Marías 
4,2 Sterne bei11 Bewertungen
So fängt das Schlimme an
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Ein Buch voller Ironie und Feinsinn, in das ein wunderbarer Autor sein ganzes Können und seine Überzeugung gelegt hat. Unbedingt lesen!

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Inhaltsangabe zu "So fängt das Schlimme an"

Der große spanische Bestseller-Autor Javier Marías in seinem Roman 'So fängt das Schlimme an' in Höchstform - Liebe, Leidenschaft und ein rätselhafter Todesfall.

Welches Geheimnis verbirgt sich hinter der unglücklichen Ehe von Eduardo und Beatriz? Auch Juan, Freund und engster Vertrauter der beiden, kennt die Wahrheit nicht. Als er Beatriz‘ Geliebter wird, überstürzen sich erschütternde Ereignisse. Jahre später schaut Juan zurück auf die Turbulenzen dieser Zeit, als Spaniens Demokratie ihren Anfang nahm, das Leben pulsierte, das Verlangen nach Freiheit, Sex und Drogen unendlich war. Juan erkennt: Wenn wir uns der Vergangenheit nicht stellen, wird alles Leben aus der Lüge kommen.

Javier Marías ist ein erbarmungsloser Kenner der menschlichen Herzen, ihrer dunklen Seiten und verborgenen Winkel. Ein überwältigendes Meisterwerk.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783596033669
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:640 Seiten
Verlag:FISCHER Taschenbuch
Erscheinungsdatum:26.10.2017
Das aktuelle Hörbuch ist am 24.09.2015 bei Argon erschienen.

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    walli007s avatar
    walli007vor 2 Jahren
    Verborgen

    In den Jahren nach dem Franco-Regime ist der junge Juan de Vere froh, eine Anstellung bekommen zu haben. Sein Arbeitgeber Eduardo Muriel ist Filmregisseur und bietet dem jungen Mann damit Zugang zu einer spannenden Branche. Gleichzeitig fungiert de Vere als Privatsekretär und Vertrauter, der mehr von der Familie Muriel mitbekommt als ein einfacher Angestellter. So erfährt Juan schon bald, dass es mit der Ehe der Muriels nicht zum Besten steht. Doch weshalb das so ist, verrät Muriel nicht, ebensowenig wie er zu seiner Augenklappe kam. Dennoch bittet er seinen jungen Adepten, einen älteren Arzt zu bespitzeln, von dem Muriel ein Gerücht zu Ohren gekommen ist, das ihn den Freund in einem anderen Licht sehen lässt.


    Es ist eine Zeit des Aufbruchs in Spanien. Die Diktatur ist vorbei und eine neue Freiheit beginnt. Natürlich ist die Vergangenheit nicht verarbeitet, die Opportunisten, die sich durch die Franco-Herrschaft gewunden haben, wollen nichts mehr von den Verbindungen wissen. Am liebsten soll alles vergeben und vergessen sein. Mal wieder haben die Opfer keine Stimme. Auf die Jungen ist man in gewisser Weise neidisch, da ihnen ganz andere Möglichkeiten der Entfaltung offen zu stehen scheinen. In dieser Ära, in den ersten Jahren nach Ende der Diktatur, tritt de Vere seine erste Anstellung an. So viel freier als es die Älteren gewesen sein mögen, so unsicher ist er doch. Wie ist seine Stellung, was muss er alles für seinen Chef tun, was sind Muriels Beweggründe, was hat zum Scheitern der Ehe seines Arbeitgebers geführt. Zwischen gehorsamen Recherchen und neugierigen Nachforschungen driftet der junge Mann, der schließlich alles wissen will.


    Mit seinen Schilderungen der Gesellschaft Spaniens nach dem Regime, mit seiner Darlegung der Gedanken und Empfindungen seiner handelnden Personen fesselt Javier Marías in seiner typischen und bekannten Weise. Auch wenn seine Ausführungen manchmal etwas ausschweifen, kommt er doch immer zu dem Punkt, wo ihm der Leser zustimmt oder doch meint, besser hätte man es kaum sagen können. Selbst zur einer ähnlichen Zeit jung gewesen, aber doch für eingehende politische Kenntnisse zu jung, ist man erstaunt, wie lange in Spanien eine Diktatur herrschte. Gut nachvollziehbar jedoch, das Gefühl der Befreiung und der leider weit verbreitete Wunsch des unter den Teppich Kehrens. Zwar fehlt der besondere Kniff, der einige der Romane des Autors auszeichnet, aber gerade dieses Werk macht etwas anderes leicht, was bei manchen anderen der Bücher gelegentlich nicht ganz einfach ist - das Durchhalten. Von Beginn an sehr interessant und gut lesbar bleibt man während der gesamten Lektüre neugierig auf die nächste treffende Schilderung, den nächsten Baustein, einen weitern herausragenden Satz. Für den Leser ist es ein besonderer Genuss, am großen Können des Autors teilhaben zu können.

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    sabatayn76s avatar
    sabatayn76vor 3 Jahren
    'Thus bad begins and worse remains behind'

    Inhalt:
    Der 23-jährige Juan de Vere arbeitet als Assistent für den Filmemacher Eduardo Muriel, der mit seiner Frau Beatriz Noguera und ihren drei Kindern in Madrid lebt. Juan übernachtet häufiger bei Eduardo, da die beiden bis spät in die Nacht mit ihrer Arbeit beschäftigt sind, und wird so Zeuge der sonderbaren Beziehung zwischen Eduardo und Beatriz, beobachtet, wie herablassend und abweisend Eduardo seine Frau behandelt, die dem Ganzen mit Hoffnung, Demut und scheinbar ohne jeden Selbstrespekt entgegentritt.

    Juan möchte erfahren, was in der Vergangenheit zwischen Eduardo und Beatriz passiert ist, was zu der Veränderung zwischen den beiden geführt hat. Doch obwohl er Beatriz verfolgt und beobachtet, dadurch Einblicke in ihre Geheimnisse und ihre Sehnsüchte bekommt, findet er keine Antwort darauf, was den Bruch zwischen ihr und Eduardo verursacht hat.

    Mein Eindruck:
    Javier Marías ist einer meiner Lieblingsautoren, und ich habe 'Mein Herz so weiß' und 'Morgen in der Schlacht denk an mich' unzählige Male gelesen und war/bin jedes Mal aufs Neue begeistert. Auch 'Die sterblich Verliebten' hat mir sehr gut gefallen, doch 'So fängt das Schlimme an' hat mich ähnlich fasziniert und aufgewühlt wie die beiden erstgenannten Romane.

    Javier Marías macht es dem Leser nicht sehr einfach: die Sätze sind lang und verschachtelt, weisen unzählige Einschübe auf. Doch die konzentrierte Lektüre lohnt sich, denn er ist ein exzellenter Beobachter, der detailgenau beschreibt, Situationen minutiös wiedergibt, dabei häufig die Zeit dehnt, den Leser so an den Ort des Geschehens versetzt, ihn beinahe zum Augenzeugen seiner Geschichte macht.

    Der Einstieg ins Buch hat mir sehr gut gefallen, doch die nächsten 100 Seiten empfand ich bisweilen als Herausforderung, denn die Geschichte kommt erst recht spät in Schwung, auch wenn man am Ende weiß, dass kein Satz zu viel war und alle Details bedeutsam gewesen sind. Wie immer bei Javier Marías ziehen sich Gedanken und Bemerkungen durch das gesamte Buch, Themen wiederholen sich immer wieder, werden bisweilen im gleichen Wortlaut wiedergegeben, bisweilen von unterschiedlichen Seiten beleuchtet. In 'So fängt das Schlimme an' ist dies unter anderem der Satz aus Shakespeares Hamlet ('Thus bad begins and worse remains behind'), der sich als Leitmotiv durch den gesamten Roman zieht. Und wie immer bei Javier Marías möchte man sich beim Lesen Sätze anstreichen, die einen beim Lesen bewegt oder nachdenklich gemacht haben oder schlichtweg Bekanntes auf so pointierte Weise wiedergeben, wie man es selbst nie schaffen würde.

    Ich bin eine sehr schnelle Leserin, aber an 'So fängt das Schlimme an' habe ich fast zwei Wochen gelesen und musste zwischendurch sogar eine Lesepause einlegen. Doch ab der Hälfte des Romans habe ich das Buch kaum noch zur Seite gelegt und habe die letzten 300 Seiten fast am Stück gelesen.

    Mein Resümee:
    'So fängt das Schlimme an' ist sicher keine einfache Lektüre für zwischendurch, aber spätestens ab der Hälfte des Romans übt die Geschichte einen unglaublichen Sog auf den Leser aus. Sehr empfehlenswert!

    Kommentare: 2
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    Annette69vor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Ein Buch voller Ironie und Feinsinn, in das ein wunderbarer Autor sein ganzes Können und seine Überzeugung gelegt hat. Unbedingt lesen!
    Ganz großes Kino

    Die Ereignisse, die Juan de Vere - inzwischen selbst Ehemann und Familienvater - schildert, liegen weit zurück. Fünf Jahre nach dem Tod Francos trat er als 23jähriger seine erste Anstellung an, als Privatsekretär des erfolgreichen Filmemachers Eduardo Muriel an. Juan darf dessen Bibliothek sortieren und einige Drehbücher übersetzen. 
    Sein Chef wird für den jungen Juan zu einem väterlichen Freund, den er bewundert und zu beeindrucken sucht.Schnell gehen Juans Sympathien auch auf Muriels Frau und die gesamte Familie über. Ihm entgeht nicht, mit welcher Verachtung der sonst so distinguierte Muriel seine Ehefrau straft. Sie steigern Juans Mitgefühl für Beátriz und verleiten ihn dazu, übermäßig viel Anteil an ihrem Privatleben zu nehmen. Kurz, er spioniert ihr hinterher.  
    Und das bleibt nicht Juans einzige Mission. Als Muriel ihn auffordert, einen Freund des Hauses, der Kinderarzt Dr. van Vechten, auszuspionieren, kann Juan ihm die Bitte nicht abschlagen. Mit großem Eifer will er den Gerüchten auf den Grund gehen, die einen Schatten auf van Vechtens lupenreine Weste werfen. Im Laufe des Romans gerät er so immer tiefer in Ereignisse, die in die Zeit des spanischen Dikatur zurückreichen. 
    Für mich ist „So fängt das Schlimme an“ (ein Shakespeare-Zitat, wie sollte es bei Marías anders sein), das bisher politischste Buch des Autors, das ich gelesen habe. Wenn die Schuldigen nach einer Diktatur nicht zur Rechenschaft gezogen werden, weil man den gerade gewonnenen gesellschaftlichen Frieden nicht gefährden will, wenn sich Täter neue Biografien erfinden und niemand sie an ihre Machenschaften erinnert, was wird dann aus den Opfern und ihrem Leid? 
    Doch „So fängt das Schlimme an“ ist auch das Buch eines Kinoliebhabers mit zig Verweisen auf längst vergessene Schauspieler der 50er und 60 Jahre, auf alte Kinoschinken und Klassiker, die der Filmmensch Muriel in und auswendig kennt und die der Autor Javier Marías in seiner Figur zu neuem Leben erweckt. 
    Ein emotionales Buch voller Ironie und Feinsinn, in das ein wunderbarer Autor sein ganzes Können und seine Überzeugung gelegt hat. Unbedingt lesen!

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    Desireepvor 10 Tagen
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    Nadine_Riedevor 14 Tagen
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    hat die Dramaturgie einer klassischen Komposition, in der auf die Ouvertüre rasante Passagen folgen, retardierende Momente und eindringliche Abschnitte und vergnügliches Gezwitscher.

    Einmal mehr erweist sich der spanische Autor auch als ein Meister darin, wunderbar leicht formulierte, aber doch tiefgehende Gedanken über die Psyche des Menschen einzustreuen.

    Der geduldige Leser von ›So fängt das Schlimme an‹ wird mit Weltliteratur belohnt.

    Aus weniger Gegenstand entsteht mehr Freiheit des Denkens. Darin liegt Javier Marías' Kunst.

    Wieder einmal erweist sich Marías als Moralist und Pessimist, […] dies in einem ebenso mäandernden wie suggestiven Roman, der ihn auf der Höhe seiner Meisterschaft zeigt.

    Javier Marías Sprache, […]erzeugt einen derartigen Sog, dass 638 Seiten wie im Flug vergehen.

    Marías zieht uns kunstvoll hinein in eine quälende, geheimnisvolle eheliche Beziehung.

    Hier liegt ein Buch vor, das mit voller Wucht ins Tiefschwarze trifft.

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