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Clairchendelune

vor 3 Jahren

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Tief einatmen und ausatmen. Das war das erste, das ich getan habe, als ich das Buch ausgelesen hatte.

"Tote Mädchen lügen nicht" ist eines der bedrückendsten Bücher, das ich je gelesen habe. Atemlos lässt es den Leser zurück und das, obwohl es nicht mal besonders spannend ist, denn selbstverständlich ist Hannah, das Mädchen, das sich umgebracht hat, am Ende des Buches immer noch tot.
Aber es ist trotzdem packend auf eine ganz andere, viel unerträgliche Art und Weise. Ständig fragt man sich, was wohl auf der nächsten Kassette zu hören sein wird und welche Situation Hannah näher an den Abgrund getrieben hat.

Es ist ungefähr zwei Wochen her, seitdem Hannah gestorben ist, als Clay die Kassetten erhält. Und ihn trifft es bis ins Mark, als er die Stimme des Mädchens hört, in das er verliebt war. Und als Hannah ihm dann auf der Aufnahme auch noch eröffnet, dass alle diejenigen, die dieses Paket erhalten haben, etwas mit ihrem Selbstmord zutun haben, ist er wie gelähmt und man fiebert bzw. fürchtet sich mit ihm, was wohl seine schreckliche Rolle in dieser Geschichte war.

Was dann letztendlich seine Rolle war, ließ mich auf der einen Seite erleichtert aber auch irgendwie sehr traurig zurück. Natürlich erwähne ich jetzt nicht, was es war, aber es ist auf jeden Fall sehr tragisch.

Kommen wir nun zu Clay, dem nichts ahnenden, netten und freundlich wirkenden Protagonisten dieses Buches. Ihn mochte ich eigentlich schon von Anfang an und umso schlimmer war die Wartezeit bis seine Geschichte an die Reihe kam. Sehr beeindruckt war ich auch von ihm, da er unglaublich mit Hannah oder wegen Hannah leidet und man merkt, dass es ihm mit ihr auf jeden Fall ernst war. Er weint, ist kraftlos, fassungslos und war mir als Buchcharakter unglaublich nah und wirkte sehr echt.

Dazu hat aber auch definitiv der geniale Schreibstil Jay Ashers beigetragen. Zwischenzeitlich war es zwar manchmal schwer zu erkennen, was wer erzählt, das hätte man im Buch besser unterscheiden können von der Machart her, aber schriftstellerisch gesehen, ist das Buch absolut genial! Packend, aber auch leise und dramatisch schildert der Autor diese tragische Geschichte und bleibt immer dem Ton der Jugend treu ohne zu gestelzt zu wirken!

Was ich mich zwischendurch allerdings immer gefragt habe, war, warum Hannah das macht. Nicht der Selbstmord, das ist mir zum Ende hin sehr klar gewesen. Nein, warum sie sich die Mühe macht diese Kassetten zu verschicken. Sie hätte ja auch einfach einen Abschiedsbrief schreiben können, aber stattdessen macht sie sich die Mühe und nimmt 13 Kassetten auf, um diesen 13 Menschen ihre Taten klarzumachen.

Letztendlich sage ich, dass "Tote Mädchen lügen nicht" ein absolut geniales Buch ist, dass eigentlich Pflichtlektüre werden sollte, damit die Leute in dieser schnell vorbeirasenden Zeit nicht vergessen, was Empathie und Mitgefühl sind. Und wenn ich in manch anderen Rezensionen sehe,dass diejenigen Rezensenten meinten: das reicht doch nicht um sich umzubringen, man kann es ja auch übertreiben usw. glaube ich, dass es dringend an der Zeit ist, dass wir alle ein bisschen mehr Empathie entwickeln.

Wie kann man denn darüber urteilen, ab wann man sich umbringen darf bzw. ab wann der Selbstmord gerechtfertigt ist?! Wie kann man sich so ein Urteil erlauben!!!? Solche Menschen, die das sagen, haben das Buch nicht verstanden und so hart das jetzt auch klingt: menschlich irgendwie versagt. Stattdessen sollte man doch lieber darauf achten, wie es den eigenen Mitmenschen geht.

Das ist nämlich die abschließende Nachricht des Buches.

Autor: Jay Asher
Buch: Tote Mädchen lügen nicht
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