Jean-Claude Izzo

 4.4 Sterne bei 140 Bewertungen
Autor von Die Marseille-Trilogie, Total Cheops und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Jean-Claude Izzo

Jean-Claude Izzo wurde am 20. Juni 1945 in Marseille geboren und wuchs auch dort auf. Er arbeitete als Journalist und engagierte sich nebenbei sehr für Politik, was ihm zum Verhängnis wurde, als seine Stelle als Chefredakteur in Paris aufgrund dessen gekündigt wurde. Nun betätigte er sich immer mehr als freier Schriftsteller und veröffentlichte Drehbücher und Kriminalgeschichten. Seine bekanntesten Bücher sind die drei Bände der "Marseille-Trilogie", die er 1998 abschloss. Am 26. Januar 2000 starb er in Marseille an Lungenkrebs. Internationale Berühmtheit erreichte er erst nach seinem Tod. Für seinen zweiten Band der "Marseille-Trilogie" - "Chourmo" - erhielt er posthum den Deutschen Krimi Preis.

Alle Bücher von Jean-Claude Izzo

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Jean-Claude IzzoDie Marseille-Trilogie
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Die Marseille-Trilogie
Die Marseille-Trilogie
 (42)
Erschienen am 17.02.2012
Jean-Claude IzzoTotal Cheops
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Total Cheops
Total Cheops
 (29)
Erschienen am 16.01.2013
Jean-Claude IzzoSolea
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Solea
Solea
 (20)
Erschienen am 16.01.2013
Jean-Claude IzzoChourmo
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Chourmo
Chourmo
 (19)
Erschienen am 16.01.2013
Jean-Claude IzzoAldebaran
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Aldebaran
Aldebaran
 (17)
Erschienen am 08.07.2003
Jean-Claude IzzoLeben macht müde
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Leben macht müde
Leben macht müde
 (4)
Erschienen am 11.07.2007
Jean-Claude IzzoDie Sonne der Sterbenden
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Die Sonne der Sterbenden
Die Sonne der Sterbenden
 (3)
Erschienen am 16.02.2012
Jean-Claude IzzoAldebaran
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Aldebaran
Aldebaran
 (2)
Erschienen am 21.02.2011

Neue Rezensionen zu Jean-Claude Izzo

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Rezension zu "Total Cheops" von Jean-Claude Izzo

Eine Stadt versinkt in Kriminalität
Liebes_Buchvor 7 Monaten

Die Bücher von Jean-Claude Izzo habe ich gern gelesen.

Die Vertonung des 3. Teils mit Hans-Peter Hallwachs ist gelungen.
Hallwachs passt sehr gut in die Rolle des ausgebrannten Polizisten, der mit seinem Leben nicht mehr klar kommt.
Eine befreundete Studentin, die in ihn verliebt ist, wird vergewaltigt und ermordet.
Sehr rührend: das Buch, das sie ihm schenken wollte, führt zum Mörder.
Izzo beschreibt die verschiedenen Einwanderergruppen und die rivalisierenden kriminellen Mächte. Für die Regierung hat er nur Verachtung.
Der Hintergrund der Figuren oder besondere Szenen werden gekonnt durch entsprechende Musik dargestellt.

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Gulans avatar

Rezension zu "Total Cheops" von Jean-Claude Izzo

Formidable!
Gulanvor 3 Jahren

Aber was dann kam, war wie im Western. 16.59 Uhr. Er zog das Helmvisier herunter. Die Pistole lag gut in seiner Hand. Und die Hände waren trocken. Er gab kaum merklich Gas und fuhr am Bürgersteig entlang, die linke Hand am Lenkrad geklammert. Der Pudel tauchte auf, hinter ihm Zucca. Eine innere Kälte stieg in ihm auf. Zucca sah ihn kommen. Er blieb am Kantstein stehen und hielt den Hund zurück. Er begriff, aber zu spät. Sein Mund öffnete sich, ohne dass er einen Laut von sich gegeben hätte. Die Augen weiteten sich. Die Angst. Das hätte schon gereicht, dass er sich in die Hose geschissen hätte. Er drückte auf den Abzug. Angewidert. Von sich. Von ihm. Von den Menschen. Und von der Menschheit. Er leerte das Magazin in seine Brust. (S.24)

Innerhalb kurzer Zeit sterben zwei alte Freunde des Polizisten Fabio Montale im Marseiller Gangster-Milieu. Kurz darauf verschwindet die junge Studentin Leila, eine Freundin Montales, und wird wenig später vergewaltigt und ermordet aufgefunden. Fabio begibt sich mitten in einen tobenden Kampf der Marseiller Banden, um die Taten zu rächen.

Fabio Montale ist ein alleinstehender Mittvierziger mit italienischen Wurzeln. Er lebt in einer Fischerhütte etwas außerhalb von Marseille. Zu Beginn erzählt Fabio von seiner Freundschaft zu Manu und Ugo. Die drei begannen als Halbstarke ihre ersten krummen Dinger zu drehen. Als bei einem Überfall ein Mann ernsthaft zu Schaden kommt, ist dies ein Wendepunkt. Manu bleibt ein Gangster, Ugo bleibt beim Militär und der Fremdenlegion, Fabio wird Polizist. Er wird abkommandiert, um die Vorstädte zu befrieden, doch er ist kein „Null Toleranz“-Bulle, sondern versucht, im Dialog die Dinge zu regeln. Doch das Klima wird zunehmend rauer. Neben den schon immer dagewesenen Reibereien, schleicht sich zunehmend der Rassismus in die französische Gesellschaft. Privat ist Fabio ein Melancholiker, der seinen verflossenen Lieb- und Freundschaften nachtrauert. („Es fehlte mir nicht an Mut. Ich hatte kein Vertrauen. Nicht genug, nicht ausreichend, um mein Leben und meine Gefühle in irgendjemandes Hand zu legen. Und ich rieb mich mit dem Versuch auf, alles selbst zu lösen. Der Stolz eines Verlierers.“, S.127)

Der Kriminalroman ist zum einen ein knallharter französischer Krimi über den Kampf um die Vorherrschaft über die Marseiller Unterwelt. Marseille wird seit jeher von neapolitanischen Clans beherrscht, daneben mischen in bestimmten Zweigen auch arabische Gangster mit. Durch die Inhaftierung eines Mafia-Bosses in Italien gerät das fragile Gleichgewicht aus der Waage. Einige nutzen die Chance, um aus dem Hintergrund aufzusteigen und um alte Rechnungen zu begleichen. Fabios alte Kumpels Manu und Ugo werden in diesem Machtkampf als Bauernopfer verheizt. Fabio kann das nicht so einfach hinnehmen. Sein Kollege Pérol fasst zusammen: „Es ist einfach dieses Gefühl, dass es Dinge gibt, die man nicht durchgehen lassen kann. Weil du sonst nicht mehr in den Spiegel schauen kannst.“ (S.207)

Daneben ist der Roman aber auch eine Ode an Marseille. Marseille war seit jeher ein Schmelztiegel, eine Stadt der Einwanderer. Zahlreiche Nationen prägen noch noch heute die kulturelle Vielfalt der Stadt. Dabei ging und geht es aber auch durchaus rau zu. Doch Autor Jean-Claude Izzo hat eine große Bedrohung für seine Stadt ausgemacht: Der beginnende Vormarsch der Neo-Faschisten des „Front National“. Izzo benutzt seine Hauptfigur Fabio Montale, um uns die Hafenstadt am Mittelmeer mit allen Sinnen näher zu bringen. Fabio zieht durch die Straßen Marseilles und zeigt dem Leser dabei aber nicht nur die Schokoladenseiten. Er kehrt in zahlreiche Bars ein, um kurz einen Pastis, einen Cognac oder Lagavulin zu trinken. Daheim lässt er sich von seiner verwitweten Nachbarin bekochen. Fabio zitiert Gedichte oder Songtexte und hört zuhause Platten von Thelonious Monk oder Paolo Conte.

Marseille ist keine Stadt für Touristen. Es gibt dort nichts zu sehen. Seine Schönheit lässt sich nicht fotografieren. Sie teilt sich mit. Hier muss man Partei ergreifen. Sich engagieren. Dafür oder dagegen sein. Leidenschaftlich sein. Erst dann wird sichtbar, was es zu sehen gibt. Und dann ist man, wenn auch zu spät, mitten in einem Drama. Einem antiken Drama, in dem der Held der Tod ist. In Marseille muss man sogar kämpfen, um zu verlieren. (S.31)

Das Buch wurde im Original im Jahr 1995 veröffentlicht und bildet mit den nachfolgenden Bänden „Chourmo“ und „Solea“ die sogenannte Marseille-Trilogie. Der 2000 verstorbene Izzo meinte hierzu selbst: „Der Kriminalroman ist ein exzellentes Mittel, die komplexe Wirklichkeit in den Griff zu bekommen, ein perfektes Werkzeug, sie ins Licht zu rücken. Und Marseille ist eine schillernde Stadt, ein Knäuel von Fantasien und Lügen, Trugbildern und Täuschungen“ (S.251). Der Originaltitel „Total Khéops“ ist übrigens ein Songtitel der bekannten Marseiller Hip-Hop-Band IAM, veröffentlicht auf dem Mixtape „Concept“ im Jahr 1990, und steht sinngemäß für eine verworrene, komplizierte Situation.

Ein Regionalkrimi – aber was für einer! Eine Hommage an eine raue, ungestüme und komplexe Stadt. Gleichzeitig persönlich-emotional und allgemein politisch. Formidable!

Kommentare: 14
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WolfgangHaupts avatar

Rezension zu "Aldebaran" von Jean-Claude Izzo

Marseille, Izzo...
WolfgangHauptvor 4 Jahren

Marseille, Izzo, das war untrennbar verbunden. Das ist auch der Kern von Aldebaran. Die Schifffahrt, das Mittelmeer, die Stadt. Eine Ode an die eine ewige Liebe, die ihn fasziniert hat wie sonst nichts. 
Dort mit einem Schiff liegenzubleiben eine Strafe, zumindest anfangs, als die Aldebaran an Ketten gelegt wird. Abdul Aziz, Diamantis und Nedim, den drei Verbliebenen, stößt ihr ungewollter Aufenthalt sauer auf. Wäre da nicht die alte Liebe von Diamantis, des ersten Maats des Schiffs.  Eine Liebe, die nur dort so stattfinden hätte können, und nur dort wieder so aufzuflammen imstande ist. Darum dreht sich alles, zieht nicht nur ihn wieder hinein, sondern auch Nedim, den beschränkten Schiffsjungen, und Abdul Aziz, den Kapitän. Es geht um Alkohol, Drogen, Prostitution, die Härte des Hafens, das Meer und die Sehnsucht, den Wunsch, aufzubrechen in ein besseres Leben. Es kommt anders und vor allem härter. Die Figurenzeichnung ist stark, die Charaktere erscheinen vor dem geistigen Auge, lassen einen ob oder gerade wegen ihrer Unfähigkeit, sich zu adaptieren, mitleiden. Das muss desaströs enden und tut es am Ende dann auch.Wer Zeit hat, Marseille liebt oder lieben lernen möchte, sich keinen actiongeladenen Kracher erwartet, wird hier bestens bedient.

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Jean-Claude Izzo wurde am 19. Juni 1945 in Marseille (Frankreich) geboren.

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