Jean-Claude Kaufmann Sex@mour

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Inhaltsangabe zu „Sex@mour“ von Jean-Claude Kaufmann

Online-Dating ist zum Volkssport geworden. Innerhalb weniger Jahre hat das Internet die Kontaktaufnahme revolutioniert. Millionen von Singles tummeln sich in Online-Kontaktbörsen auf der Suche nach dem passenden Partner fürs Leben – oder für eine Nacht.

Der französische Soziologe Jean-Claude Kaufmann hat sich unter sie gemischt, ihre lebhaften Diskussionen in Foren verfolgt und die Erfahrungsberichte in ihren Blogs studiert, um herauszufinden, wie sich das neue Medium auf die zwischenmenschlichen Beziehungen auswirkt. Er hat sich in diesen riesigen Supermarkt der Liebe und/oder Sexualität begeben, in dem jeder zugleich Käufer und Verkäufer ist, seine Wünsche äußert und sie so schnell und effizient wie möglich zu befriedigen versucht. Frauen genauso wie Männer: Mit einem Klick landet der Wunschpartner im virtuellen Warenkorb, nach einem Chat, einem Telefonat und einem Drink in einer Bar oft schon im realen Bett.

Die Liebe führt nicht mehr zum Sex, sondern, wenn überhaupt, der Sex zur Liebe. Er ist zu einer Freizeitbeschäftigung geworden. Man plant, miteinander eine angenehme Nacht zu verbringen, wie man beschließt, zusammen ins Kino zu gehen. Alles scheint so einfach und so leicht. Aber kann ein soziales Netzwerk aus »regelmäßigen gefühlvollen Bettgeschichten« auf Dauer funktionieren? Warum gelten für Frauen andere Regeln als für Männer? Und was passiert, wenn man sich verliebt? Jean-Claude Kaufmann erklärt es.

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  • Rezension zu "Sex@mour" von Jean-Claude Kaufmann

    Sex@mour

    michael_lehmann-pape

    03. October 2011 um 12:42

    Jean-Claude Kaufmann – Sex@amour Vom Bett zur Liebe statt aus Liebe ins Bett Das Jean-Claude Kaufmann Franzose ist (ohne direkt einem Klischee zu verfallen), ist dem Buch in Stil und Richtung durchaus abzuspüren. Denn jene gallische Verbindung von amour und fou, von diskreter Offenheit der körperorientierten Rendezvous einerseits und dem doch beständig im Hintergrund mitschwingendem romantischen Aspekt des sich Verliebens, sehr elegant vermischt Kaufmann diese Ebenen und benennt so bei seinen Betrachtungen immer wieder einerseits die „oberflächlich-körperliche“ Realität des „Internetdatings“ in teils klaren und strikten Beispielen (die durchaus an sich zurückhaltend und sittsam geprägte Frau, die sich eines Abends leichtgeschürzt unter einem Trenchcoat am Hotel einfindet um einen völlig Fremden zu treffen, mit eindeutigen Absichten), wie er andererseits beredt offen zu legen versteht, dass doch immer die tiefere, emotionale Sehnsucht eine Rolle spielt. Das es gut passieren kann „das Liebe hinzutritt“. Und die hat es dann nicht einfach, wie das Buch zeigt. In seiner Betrachtung dessen, wie sich das reale und wahre Liebesleben und –erleben der Menschen durch den ständig breiter werdenden Einfluss des Internet mitsamt seiner besonderen Form der Kommunikation tatsächlich verändert. Hier sind es zwei Kernbeobachtungen, die Kaufmann vor Augen legt und denen er immer wieder im Buch weiter nachgeht. Das eine ist, dass sich „beim ersten realen Date“ bedingt durch den „Vorlauf“ im Net zwei Menschen treffen, bei denen das Unbefangene kaum mehr möglich ist. In den meisten Fällen (und Kaufmann führt viele Beispiele an), war die Kommunikation im Vorfeld bereits recht eindeutig und fantasievoll entfaltet. Nun, beim ersten realen Date, sind die Hemmschwellen hin zur körperlichen Nähe somit letztlich stark reduziert. Zum anderen aber, paradoxerweise, führt Kaufmann ausführlich an, wie sehr beim dann realen Treffen (von denen übrigens eine Vielzahl erst gar nicht stattfinden, auch hiezu liefert Kaufmann Beispiele und Begürnudnungen) doch wieder alles auf Null gestellt wird. Fast auf weniger als Null, denn ein starkes Bemühen kann Kaufmann im realen Leben dann feststellen, eine betone Distanz zu zeigen. Gerade weil Distanzen im Vorfeld virtuell oft überschritten wurden. Und weniger zur Zeit um den reinen Sex, die reine Körperlichkeit geht es. Viele legen Wert auf die Erläuterung, dass Emotionen vorhanden sind, eine „gefühlte Nähe“. Das aber häufig. Was aber heißt es auf Dauer für ein „Liebesleben“, wenn die Verweildauer solch emotionaler Nähe sich mehr und mehr reduziert und Vielfachkontakte in den Raum treten, eine immer weitere, sich steigernde, fast suchtartige Suche und Verweilen im Net? Das Net, welches die Abfolge des Flirts fast umkehrt. Statt unverhofftem Kontakt zu jemand Fremden, statt hohem Puls und leichter Nervosität im realen Erleben, bietet das Net Distanz, vermeintliche Offenheit, sicheres Terrain (auch wenn „Körbe“ im Net oft härter formuliert und durchaus mit Wirkung treffen). So entstehen verschiedene Umgangsweisen der Menschen mit der „Liebe im Net“, die Kaufmann in drei Kategorien bringt. Zum einen Sucher, die tatsächlich auf das Reale stoßen wollen und dann mehr als Möglichkeit auch in den Raum setzen (die brauchen viel Geduld und Hartnäckigkeit, um fündig zu werden im Net). Zum Zweiten reine Sex-Sucher, die alles verbal zugestehen und erzählen werden, nur um „den Abschuss“ wieder einmal hinzubekommen. Und zum Dritten jene (auch hier schildert er Episoden), bei denen der umworbene Part dann einsam und allein auf weiter Flur beim Date erscheint. Weil sie auf Menschen trafen, die nur im Net ihre emotionale Befriedigung suchen und ausleben. Gut, dass Kaufmann nicht dem Fehler verfällt, ins seinem Buch Strategien, Tipps und Analysen des „Menschen im Net“ in den Vordergrund zu stellen (auch wenn all dies an passenden Orten angedeutet wird), sondern vor allem elegant und leicht in der Sprache dem Leser vor Augen führt, wie sehr sich das althergebrachte Spiel mit Flirt und Sex durch die Weiten des Internet verändert, breiter, aber auch oberflächlicher wird, wie sehr auch all jene Offenheiten im Net das „reale“ Leben eher beschweren, denn befördern. Vor allem aber, wie wenig Sicherheit mittlerweile in auch erfolgreichen Annäherungen letztlich liegt. Denn der nächste Klick lockt. Die Tausende von Möglichkeiten lassen nicht mehr wirklich in Ruhe. Es braucht Kraft, sich in dieser Welt der austauschbaren und immer noch mehr Möglichkeiten in den Raum setzenden „Liebes- und Sexversprechen“ zu konzentrieren und damit erst tatsächlich dauerhaft zu finden. Locker und leger, dabei aber sachkundig und gut recherchiert, legt Kaufmann den Status Quo des Liebeslebens in der großen Rahmung des Internet, in diesem „Supermarkt der Begierde“ unterhaltsam und reflektiert vor. Und zeigt kritisch jene Folgen auf, die Menschen durch das Net trotz aller Dates und Nähe eher voneinander wegführen denn dauerhaft zueinander bringen. Im Letzten dann doch vielleicht eher eine „bedauerliche Banalisierung“ dessen, was Menschen eigentlich in tiefe Wallung versetzen könnte (und das nicht nur für 30 Minuten).

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