Jean-Jacques Schuhl Auftritt der Geister

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Inhaltsangabe zu „Auftritt der Geister“ von Jean-Jacques Schuhl

Spannender, weil rätselhaft, voller unerklärlicher Wendungen, neuer Perspektiven und neuer Themen kann ein Buch nicht sein. Charles, ein Schriftsteller, macht sich daran, einen Roman zu schreiben über ein sonambules Mannequin, das der Verfolgung durch ihren nicht mehr zurechnungsfähigen Ex-Freund zu entkommen versucht. Er kommt mit dem Stoff allerdings nicht voran, erst recht nicht, als die mysteriösen Umstände aus dem von ihm Erfundenen in sein wirkliches Leben ausgreifen. Eines Abends begegnet er dem Regisseur Raúl Ruiz, der ihm eine Filmrolle anbietet: Charles soll den Chirurg in einem Remake von Orlacs Hände spielen, er soll die Rolle jenes übernehmen, der dem Klaviervirtuosen, der nicht mehr spielen kann, die Hände eines verstorbenen Mörders annäht. Die Operation gelingt, die Hände aber suchen weiterhin nach einem Opfer. Der Roman, der jenen Übergriff eines unvollendeten Romans auf die Wirklichkeit und in die Kinowelt – und von dort zurück in den Roman – erzählt, leitet den Leser durch ein perfekt aufgebautes Spiegelkabinett: In ihm treffen Literatur, bildende Kunst und Film aus den unterschiedlichsten Epochen aufeinander, werden aufeinander geblendet und gehen ineinander über. Schuhl macht in diesem schmalen und dichten Meisterwerk ein zentrales Merkmal der Gegenwart erfahrbar: Die Realität ist brüchig geworden, jedes ihrer Teile verweist in die Vergangenheit wie in die Zukunft, auf diese Bilder und jene Filmszenen und diese Literatur. Das Resultat: Geister betreten die Bühne und beherrschen sie.

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  • Rezension zu "Auftritt der Geister" von Jean-Jacques Schuhl

    Auftritt der Geister
    Wolkenatlas

    Wolkenatlas

    15. November 2012 um 13:16

    Ein Zusammentreffen von Literatur, bildender Kunst und der Welt des Films Der 1941 in Marseille geborene französische Schriftsteller Jean-Jacques Schuhl ist ein bisher im deutschsprachigen Raum mehr oder weniger unbeschriebenes Blatt. Seine bisher einzige und mittlerweile auch vergriffene Veröffentlichung in deutscher Sprache ist sein mit dem "Prix Goncourt" ausgezeichneter Roman "Ingrid Caven", der sich, Jean-Jacques Schuhl ist mit der deutschen Schauspielerin Ingrid Caven verheiratet, offensichtlich der Gattin des Autors widmet. Ein Schriftsteller versucht, einen Roman zu schreiben. In diesem Roman steht ein ungreifbares Mannequin im Mittelpunkt, ebenso wie ein Kardinal und der eigentlich nicht mehr zurechnungsfähige Ex-Freund des beliebten Fotomodells. Der fiktive Schriftsteller kommt mit seinem Roman (im Roman) aber nicht weiter und verstrickt sich immer heftiger in Widersprüchen, Ungereimtheiten und vermeintlich sinnlosen Verknüpfungen von Ideen, bis er bemerkt, dass die von ihm erfundenen Gestalten und Handlungen offenbar in sein wirkliches Leben eingreifen bzw. dabei sind, das zu tun. Was hier alles auf den verhältnismäßig wenigen Seiten vorkommt, das ist eigentlich schon fast auf gewisse Art und Weise berauschend. Ist der sich in Andeutungen erschöpfende Beginn noch im Stil einer Art "aventure noire" gehalten, geht es bald um eine dubiose Einladung, einen noch geheimnisvolleren Klub. Fast jeder Versuch, eine Erzählung wirklich in Gang zu bringen, endet in einer wahren Orgie der Beschreibungswut, die nicht ganz zum knappen Umfang dieses Romans passt, der sich doch anstrengender liest, als man anfänglich annimmt. "Die gewellte Form der dünnen Sohle kontrastierte mit der Strenge des hohen Absatzes. Es war eine Form, die den Fuß sorgsam einhüllt und ihn zugleich verdreht und aufrichtet, der Schuh schwebte in der Luft, in der leeren Transparenz der Glasvitrine. Am Boden der Vitrine lag ausgerollt ein feines Lederstück, Chevreauleder, und daneben, beinahe vergessen, ein Blatt knittriges Papier, aus einem Bestellungsheft ausgerissen ..." Die Einnahme von Drogen, Gespräche über vermeintlich geplanten Organhandel, ein immer wieder penetrant läutendes Mobiltelefon, Weihnachtskugeln und die ehemalige Nummer 9 Brasiliens, "Sócrates", wechseln sich in weiterer Folge in diesem wahnhaften Romanversuch ab, bis sich der doch immer wieder Fahrt aufnehmende Impetus dieses ersten Teils im spannendsten Moment erschöpft. Im zweiten Teil begegnet der Autor des Romans des ersten Teils eines Abends einem bekannten Filmemacher, der ihm für eine Neuverfilmung eines Horrorstreifens aus den 1920er-Jahren, "Orlacs Hände", die Rolle des Chirurgen anbietet, der einem Pianisten, der seine Hände nicht mehr verwenden kann, die Hände eines Mörders annähen soll. Während in diesem zweiten Teil, der die Verwirrung weitertreibt, weil darin alle Ebenen der Wahrnehmung endgültig verschwimmen, immer wieder großartige Passagen auftauchen, die stilistisch überzeugend und erzählerisch ganz fein sind, schweift das Passierende immer wieder ab, was den Erzählfluss doch sehr stört. Nun spricht ja nichts dagegen, den Erzählfluss immer wieder vehement zu stören, wenn dieser Aspekt der formalen Struktur des Texts erkennbare Gründe hat und einen dem Leser verständlichen Sinn ergibt. Leider ist das in diesem kurzen Roman von Jean-Jacques Schuhl nicht der Fall. Dazu kommt eine Verschmelzung mit der Filmwelt, die durch konstantes Suhlen in bekannter Gesellschaft, oder mit Namenserwähnungen dargestellt wird. Von Isabelle Huppert, Malcolm Lowry, John Malkovich, William Dafoe, Gabriel García Márquez, Ingrid Caven bis Marlene Dietrich geht das bunte Treiben, das sich oft wie eine Anekdotensammlung eines mittlerweile alten Schauspielers liest, der seine Gäste auf einem Stehempfang mit Ereignissen aus der Vergangenheit unterhält: Damals, mit Marlene Dietrich ... oder als wir damals mit John (Malkovitch) und Jim (Jarmusch) den Strand von St. Tropez unsicher gemacht haben ... Bald mischen sich die fiktiven Figuren des Autors des erstens Teils in die Geschichte ein und erheben Anspruch auf Realität. So treibt die Erzählung rasch dem Ende zu, was man zufrieden zu Kenntnis nimmt, auch wenn man unbefriedigt akzeptieren muss, dass einem vieles unklar geblieben ist. Die Übersetzung von Christiane Landgrebe ist, wie immer, ausgezeichnet und stilistisch perfekt. So ergibt sich am Ende eine etwas durchwachsene Lektüre, die von wirklich starken Passagen und schwachen Episoden geprägt ist, eine Lektüre, die man viel lieber loben als rügen würde, und ein Roman, der möglicherweise von einer zweiten Lesung stark profitieren würde ... (Erstveröffentlicht auf www.sandammeer.at)

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