Jean-Louis Fournier

 3.5 Sterne bei 91 Bewertungen
Autor von Wo fahren wir hin, Papa?, Umgebracht hat er keinen und weiteren Büchern.

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Wo fahren wir hin, Papa?

Wo fahren wir hin, Papa?

 (84)
Erschienen am 01.01.2017
Umgebracht hat er keinen

Umgebracht hat er keinen

 (3)
Erschienen am 01.11.2010
Le C.V .de Dieu

Le C.V .de Dieu

 (0)
Erschienen am 03.12.2010
Poète et paysan

Poète et paysan

 (0)
Erschienen am 18.10.2011
La servante du seigneur

La servante du seigneur

 (0)
Erschienen am 01.08.2014

Neue Rezensionen zu Jean-Louis Fournier

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Rezension zu "Wo fahren wir hin, Papa?" von Jean-Louis Fournier

Die schmerzhafte Wahrheit
DarthEnivor 9 Monaten

Wie fühlt man sich, wenn man erfährt, dass das eigene Kind körperlich und geistig behindert ist?
Einige - nicht betroffene - Menschen sind der Meinung, dass es nicht schlimm ist. Dass man diese Kinder genauso lieben kann wie normale Kinder. Und dass diese Kinder einem genauso viel Liebe zurückgeben. Bis auf einige Schwierigkeiten macht es keinen Unterschied, ob das Kind normal oder behindert ist. Doch ist das wirklich so?
Jean-Louis Fournier ist Vater von zwei geistig und körperlich behinderten Kindern und erzählt in diesem Buch offen und ehrlich, wie es wirklich ist, wie man sich fühlt und welche Probleme auftauchen. Alle Eltern wollen das Beste für ihre eigenen Kinder - doch was ist, wenn man den Kinder nicht das Beste geben kann? Wenn die Zukunftsaussichten von Anfang an trostlos aussehen? Wenn es keine Aussicht auf (geistige) Entwicklung gibt? Fournier beschreibt diesen Zustand der Machtlosigkeit mit folgenden Worten sehr treffend: "Wir brauchten uns nicht den Kopf zu zerbrechen, was einmal aus euch werden würde, denn daran gab es schon bald keinen Zweifel: nichts."

Gern wäre er ein ganz normaler Vater, der seinen Kindern vorliest und mit ihnen Fußball spielt. Doch was soll man tun, wenn die Kinder fast nichts von dem behalten, was man ihnen erzählt? Oder noch schlimmer: Was ist, wenn man ihnen gar nichts erzählen kann, weil sie taub sind? Wie soll man ihnen Aufmerksamkeit schenken, wenn man sich unfähig fühlt, diese Kinder so zu behandeln, wie sie es verdient hätten? Fournier schreibt in dem Buch, dass man für diese beiden Kinder eine Engeldgeduld braucht, er aber kein Engel ist und mit der Situation nicht so umgehen kann, wie er es gerne möchte, da er überfordert und verzweifelt ist. Er bezeichnet seine eigenen Kinder als Weltuntergänge und vergleicht sie nach dem Aussehen her mit E.T. Das ist verdammt hart, zeigt aber, dass Fournier seine Verzweiflung mit Sarkasmus zu überspielen versucht. Im Laufe des Buches schreibt er auch: "Ich will mich gar nicht über dich lustig machen, sondern im Grunde nur über mich selbst und mir beweisen, dass ich über mein Unglück lachen kann."

Obwohl Fournier es abzustreiten versucht, merkt man doch, dass er sich auch selbst bemitleidet. Er schafft es einfach nicht, diese schwierige Situation zu meistern, und doch fällt auf, dass er seine Kinder liebt. Besonders schön finde ich folgenden Satz: "Nicht sein wie die andern, heißt nicht zwangsläufig schlechter sein als die andern, es heißt, anders sein als die anderen." Das zeigt immerhin, dass er seine Kinder langsam so akzeptiert hat, wie sie sind. Fournier beschreibt kleine Alltagssituationen, um den Lesern zu zeigen, dass man mit einem behinderten Kind nicht normal umgehen kann. Obwohl er seine Gedanken und Gefühle humorvoll verpackt, fällt doch auf, dass er überfordert ist und sich hilfslos fühlt. Das merkt man zum Beispiel in der Situation, in der sein Sohn Thomas ihn im Auto immer wieder fragt, wohin sie fahren. Erst antwortet Fournier noch wahrheitsgemäß, doch irgendwann gibt er es auf. Er malt sich aus, wie es wäre, das alles zu beenden, sich nicht mehr mit den Problemen auseinandersetzen zu müssen. Auf Thomas Frage, wohin sie fahren, fallen ihm nämlich folgende Möglichkeiten ein:

"Wir fahren auf die Autobahn, wir spielen Geisterfahrer.
Wir fahren nach Alaska. Wir streicheln die Bären. Und lassen uns fressen.
Wir fahren Pilze suchen. Wir sammeln Schleierlinge und machen daraus ein leckeres Omelett.
Wir fahren ins Schwimmbad, wir springen vom höchsten Turm in ein Becken ohne Wasser.
Wir fahren ans Meer. Zum Mont-Saint-Michel. Wir gehen im Treibsand spazieren. Und versinken.
Wir fahren in die Hölle."

Beim Lesen hat man allerdings das Gefühl, dass Fournier sich bereits in seiner persönlichen Hölle auf Erden befindet.
Ich finde es sehr positiv, dass er ehrlich und offen ist und nichts verharmlost oder beschönigt. Klar ist es hart, seine eigenen Kinder als Weltuntergang zu bezeichnen, aber zumindest in dem Moment hat er es so empfunden und steht auch dazu. Das Buch macht traurig und nachdenklich und  lässt leider einige Fragen offen. Es wird beispielsweise nicht weiter auf das dritte, nicht behinderte Kind von Fournier eingegangen. Allerdings wird angedeutet, dass die Tochter früh verstorben ist.
Meiner Meinung nach ist das Buch lesenswert, da der Autor es mit wenigen Worten schafft, seinen Zustand so zu beschreiben, dass man seine Gedanken und Gefühle auch dann nachvollziehen kann, wenn man selbst keine (behinderten) Kinder hat. Respekt für diese Ehrlichkeit!

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Giselle74s avatar

Rezension zu "Wo fahren wir hin, Papa?" von Jean-Louis Fournier

Zwiespältig
Giselle74vor einem Jahr

Ein Vater schreibt offen und frei, ohne gesellschaftliche Konventionen zu beachten, über seine beiden behinderten Söhne. Über Freud und Leid, schöne und traurige Momente, aber vorallem über sich selbst. Er hadert, er hätte sich das Leben mit seinen Kindern anders vorgestellt, er hätte ihnen gern die Welt gezeigt, mit ihnen gespielt und gelesen. Und er verbittert offensichtlich darüber, sein Humor ist ebenso schwarz wie seine Weltsicht.

Bei mir blieb ein schales Gefühl zurück, eine unbestimmte Wut von dem Moment an, wo Fournier erwähnt, daß es eine gesunde Tochter gibt, eine mit der er das hätte erleben können, was seine Söhne ihm nicht ermöglichen konnten: Vatertagsbilder, Schulaufführungen, "Tim und Struppi" lesen... Vielleicht ist es ja eine Fehleinschätzung, aber der Eindruck war schnell da: Fournier wollte gesunde Söhne, die Tochter ist da kein Ersatz.

Das Buch ist in einzelne Abschnitte unterteilt, einzelne Schnipsel aus dem Leben von Vater und Söhnen. Das Fazit ist immer gleich, die Kinder haben nur "Stroh im Kopf", der Vater unerfüllte Wünsche, die Kinder haben so ein Leben nicht verdient, er aber auch nicht. Trotz allem aber spürt man doch, er hat sie sehr lieb und übernimmt die Verantwortung, ihr kurzes Leben bestmöglich zu gestalten.

Das Buch ist zwar schnell gelesen, aber es läßt einen nicht ganz so schnell wieder los. Es gibt genügend Stoff zum Nachdenken, Diskutieren und Überdenken und vielleicht ermuntert es ja auch andere Eltern behinderter Kinder, offen über ihre Situation zu sprechen und sonst unterdrückte Gefühle zuzulassen, in dem Wissen, es geht anderen nicht anders als ihnen....

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CocuriRubys avatar

Rezension zu "Wo fahren wir hin, Papa?" von Jean-Louis Fournier

Ein sehr ehrliches Buch - vielleicht zu ehrlich für viele
CocuriRubyvor 2 Jahren

Das Buch ist tatsächlich (wie angekündigt) entwaffnend ehrlich, besitzt dabei aber auch einen gewissen Humor, der allerdings in die sehr schwarze Richtung geht (ich finde ihn übrigens nicht zynisch, wie viele behaupten).

Denn das Buch zeigt die ehrlichen und ungefilterten Gedanken eines Vaters von zwei scherbehinderten Kinder.

Es geht also nicht wirklich um die beiden behinderten Kinder, sondern es geht um den Vater und seinen Empfindungen – trotzdem liegt der Fokus ausschließlich auf diesem Teil seines Lebens. Man erfährt nichts weiter aus seinem Leben und wenn dann nur als Halbsatz am Rande.

Das ist natürlich ein schwieriges Thema, mit dem aber auch viel Scheinwahren und Lügen einher gehen. Denn irgendwie erwartet man, dass eine Familie der sowas passiert, sich der Situation annimmt und sie irgendwie meistert ohne sich zu beklagen.

Aber diese Kraft haben eben nicht alle, vermutlich nur die allerwenigsten und genau das greift dieses Buch auf.

Denn dieser Vater kommt mit dieser Situation eben nicht gut zurecht und man spürt oft seine Wut, Verzweiflung oder Resignation. Es wird einfach gesagt und beschrieben wie es ist und das ist eben nicht immer schön und heldenhaft

Dabei drückt das Buch aber nicht auf die Tränendrüse oder gerät im vertieften Selbstmitleid (ein wenig vielleicht schon).

Trotz des eher nüchternen Schreibstils, kann man trotzdem große Emotionen herauslesen.  Wie man (vielleicht auch zwischen  den Zeilen) die Gefühle des Vaters herauslesen muss, hinter seinen Schilderungen/Fassaden gucken muss, fand ich sehr gut gemacht und dort findet man durchaus auch Schuldgefühle und Liebe für seine Söhne.

Das Buch zeigt aber  auch die Reaktionen von Menschen außerhalb der Familie und damit auch unter welchen Druck man als Elternteil steht und wie der Druck der Gesellschaft auf  ihnen lastet.

Letztendlich halte ich dieses Buch für ein Plädoyer, welches sehr gut gelungen ist. Obwohl es auch viele Wiederholungen in dem Buch gab, die ich etwas störend fand.

Außerdem kam es mir ab und an so vor, als wäre das gesagt doch recht Frankreich spezifisch, was mir dann als deutsche nicht unbedingt einleuchtete, worauf gerade angespielt wurde.

 

Fazit

Sensibel ist dieses Buch nicht und wenn man damit nicht umgehen kann, sollte man einen Bogen um das Buch machen, stattdessen bietet es einen Gegenpol und ist (vllt auch manchmal brutal) ehrlich. Das fand ich sehr erfrischend und auf eine andere Art und Weise berührend, als ich vermutet hatte.

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