Ich schreibe Ihnen im Dunkeln

von Jean-Luc Seigle 
4,6 Sterne bei27 Bewertungen
Ich schreibe Ihnen im Dunkeln
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Sehr emotional, tiefgehende, ergreifende, intensive Literatur über eine Verurteilte und ihrer Geschichte hinter der Geschichte!

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Eine wahre Begebenheit, als Roman neu erzählt. Berührend und fesselnd zu lesen.

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Inhaltsangabe zu "Ich schreibe Ihnen im Dunkeln"

Einfühlsam und poetisch erzählt Jean-Luc Seigle in diesem dichten, intensiven Roman von der Leidenschaft und den Wünschen einer Frau, die, attraktiv und talentiert, mit ihrem Begehren immer wieder scheitert. Es ist eine wahre Begebenheit, die Jean-Luc Seigle in seinem neuen Roman von der Hauptfigur Pauline erzählen lässt, als sie, in einem Haus in Marokko sitzend, ihre Geschichte aufschreibt. Die tragische Geschichte einer jungen und begabten Frau, die während der deutschen Besatzung Frankreichs für einen deutschen Militärarzt arbeitet und dessen Geliebte wird. Nach der Befreiung Frankreichs üben Männer der Résistance fürchterliche Rache an ihr. Später studiert Pauline in Paris, will sich ihrer großen Liebe Félix offenbaren und wird wegen ihrer Vergangenheit von ihm abgewiesen. Im Affekt tötet sie Félix. Sie wird 1950 zum Tode verurteilt, die Strafe wird in lebenslänglich umgewandelt. Währenddessen dreht der Regisseur Henri-Georges Clouzot auf der Grundlage ihres Schicksals den Film "Die Wahrheit" mit Brigitte Bardot in der Hauptrolle. Aus dem Gefängnis entlassen, muss Pauline sich mit diesem Film konfrontieren und weicht schließlich nach Marokko aus. Wieder verliebt sie sich, wieder will sie sich erklären, will herausfinden, was denn ihre Wahrheit ist.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783406697197
Sprache:Deutsch
Ausgabe:E-Buch Text
Umfang:207 Seiten
Verlag:C.H.Beck
Erscheinungsdatum:03.02.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    Book-worms avatar
    Book-wormvor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Ein berührendes Buch was vermittelt : es gibt viele Arten von Kindsmissbrauch und man sollte sich selbst immer vor Vorverurteilungen hüten
    Ich schreibe Ihnen im Dunkeln

    Jean-Luc Seigle beschreibt das Leben eines französischen Mädchens während der deutschen Besatzung. Sie ist sehr auf ihren Vater fixiert und um ihm zu gefallen, geht sie eine  Beziehung zu einem deutschen Arzt ein.
    Was sie erlebt, nachdem Frankreich befreit wurde und die Besatzer abgerückt sind ist ,kaum zu beschreiben.
    Sie wird sich von den Misshandlungen und Demütigungen nicht mehr erholen. Als sie dann Jahre später an einen Mann gerät, der sie aufgrund ihrer Vergangenheit erneut demütigt und verlässt, bringt sie ihn um.
    Nachdem sie ihre Strafe verbüßt hat, verliebt sie sich erneut und hofft auf ein besseres Leben. Aber wieder holt sie die Vergangenheit ein, sie sieht keinen Ausweg mehr und bringt sich um.


    Fazit: Ein Buch, was man zwischendurch schwer erträgt und eine Geschichte die man nicht vergisst.

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    Ravens avatar
    Ravenvor 8 Monaten
    Kurzmeinung: Sehr emotional, tiefgehende, ergreifende, intensive Literatur über eine Verurteilte und ihrer Geschichte hinter der Geschichte!
    Intensives Werk!

    Das Buch "Ich schreibe Ihnen im Dunkeln" von Jean-Luc Seigle hat einen Umfang von 207 Seiten und ist bei C.H. Beck erschienen.

    Das Werk ist als Hardcover- und Ebookausgabe erhältlich. In der Ebookausgabe ist es ordentlich und übersichtlich gegliedert, angenehm zu lesen.

    Das Schicksal der Französin Pauline Dubuisson (1927-1963), welches 1960 mit Brigitte Bardot in der Hauptrolle verfilmt wurde. „Die Wahrheit“ von Regisseurs Clouzot beruht auf wahrer Begebenheit. Seigle bemängelt die einseitige Darstellung der jungen Frau Pauline als kaltblütige Mörderin. In seinem Werk beleuchtet Seigel Paulines tragisches Schicksal in einem anderen Licht. Seigle hat sich mit dem schicksalhaften Leben von Pauline lange Zeit befasst, über welches man auch heute noch nach Jahrzehnten in Frankreich kontrovers diskutiert. Er versucht mit seinem Werk die Lücke zu schließen, die durch den Verlust der Tagebücher und Hefte nach 1963 entstanden ist.

    Das Buch ist in drei Heften unterteilt, die Pauline in Marokko schreibt. Einen Teil ihrer Abschrift möchte sie ihrem neuen Lebensgefährten auszuhändigen. Pauline, die unter anderem Namen mittlerweile Frankreich verlassen hat und in Marokko lebt, möchte die Wahrheit über ihre Vergangenheit offenbaren vor der sie geflohen ist und sie schaut mit Angst, aber auch einer leisen Hoffnung, in die Zukunft. Seigle greift ein Familiendrama und Frauenschicksal in Frankreich während und am Ende des zweiten Weltkrieges auf. Die zeitweise Besetzung Nazideutschlands nach Scheitern der Verteidigung mittels der Maginot-Linie steht im Zusammenhang. Das Werk ist sehr emotional, tiefgehend, ergreifend, intensiv, dicht und klingt noch lange nach. Sensibel, einfühlsam und atmosphärisch lässt Seigle Paulines Geschichte lebendig werden. Es ist eine Geschichte hinter der Geschichte.

    Fazit: Sehr emotional, tiefgehende, ergreifende, intensive, dichte, atmosphärische, einfühlsame Literatur über eine Verurteilte und ihrer Geschichte hinter der Geschichte. Ein Familiendrama und Frauenschicksal um die Zeit des zweiten Weltkrieges in Frankreich. Eine absolute Literaturempfehlung!

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    Hortensia13s avatar
    Hortensia13vor 10 Monaten
    Kurzmeinung: Eindruckvolles Psychogramm einer jungen Frau in den Weltkriegszeiten
    Eindruckvolles Psychogramm

    Pauline sitzt in Marokko und versucht durchs Schreiben ihr Leben zu reflektieren. Was hatte sie bewegt ihre Verlobten zu erschiessen? Was bewirkte der Gerichtsprozess? Langsam schlüsselt sie die einzelnen Puzzleteile aus. Der zu verehrende Vater, die unbeteiligte Mutter, die toten Brüder, Paulines Leiden als heranwachsendes Mädchen in den Wirren der Weltkriege.
    Alles spielt eine Rolle. In drei Tagebuchheften setzt sich Pauline damit auseinander.
    Einfühlsam und poetisch erzählt Jean-Luc Seigle diese Geschichte, die auf einer wahren Begebenheit beruht. Ihm gelang so ein eindruckvolles Psychogramm einer jungen Frau in den Weltkriegszeiten, die ihren Dämonen in die Augen sieht.

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    TochterAlices avatar
    TochterAlicevor einem Jahr
    Der Mensch hinter der Tat

    Der Mensch hinter der wahren Tat, dem Mord am ehemaligen Verlobten: das ist Pauline Dubuisson. Ein Mord im Affekt war es, einer, der von einer schon vorher geschundenen und mißhandelten Frau begangen wurde, einer, der nach dem Ende der deutschen Besetzung Frankreichs, also dem Ende von Vichy-Frankreich, die Haare geschoren wurden. Was das heißt, weiß jeder, der sich zumindest ein wenig mit dem historischen Hintergrund, den Zusammenhängen, beschäftigt hat. Nichts Gutes jedenfalls, ganz und gar nicht.

    Der Autor Jean-Luc Seigle gibt Pauline Dubuisson eine Stimme: sie ist die Erzählerin in diesem Buch, sie schildert ihre Sicht der Dinge. Selbstverständlich eine fiktive Sicht: Pauline hat bereits Anfang der 1960er Jahre das Zeitliche gesegnet, einer der vielen Selbstmordversuche war irgendwann erfolgreich.

    Ein trauriges, ein ungerechtes Ende. Das arbeitet Jean-Luc Seigle ganz klar heraus und noch mehr: auf eine gewisse Art und Weise gibt er Pauline Dubuisson ihre Würde wieder. Es ist keine Rehabilitation, die hier stattfindet, das liegt nicht in der Absicht des Autors, denn er verurteilt Pauline Dubuisson gar nicht erst. Er zeigt sie als Menschen, dem tiefste Ungerechtigkeit widerfahren ist, schon früh - ja, und dann ergab eines das andere.

    Dabei bleibt er - da er ja Pauline sprechen lässt, gewissermaßen außen vor, er lässt nicht andere urteilen. Im Gegenteil, er erklärt sich mit Pauline in der Hinsicht solidarisch, dass er sie berichten lässt, sie ihre Geschichte erzählen lässt. Eine Geschichte, die schmerzhaft ist für den Leser, so war es jedenfalls bei mir. Denn es ist die Geschichte eines unglücklichen Menschen, die hier geschildert wird, ein Leben, das nicht glücklich enden kann.

    Jean-Luc Seigle schreibt sich einen Wolf, könnte man sagen: kraftvoll und stimmgewaltig auf eine stille Art und Weise ist das Buch, das ich dennoch nicht gern gelesen habe. Die Gründe dafür können sie oben lesen. Selbstverständlich empfehle ich es dennoch aus ganzem Herzen. Wenn auch nicht jedem: wenn sie sich auf diese Lektüre einlassen, benötigen Sie richtig, richtig viel Kraft. Aber dies ist ein Wagnis, das sich lohnen könnte!

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    Sikals avatar
    Sikalvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Eine traurige, aber lesenswerte Geschichte, die von der tollen Sprache des Autors untermalt wird.
    Tote weinen nicht – das Leben der Pauline Dubuisson

    Der Roman beruht auf einer wahren Begebenheit und hat auch Jahrzehnte danach noch nichts an Schrecklichkeit verloren.

     

    Die Französin Pauline Dubuisson beginnt als ganz junges Mädchen eine Beziehung zu einem deutschen Militärarzt. Nach der Besatzungszeit wird Pauline zum Opfer der Männer der Résistance, wird missbraucht, kahlgeschoren und überlebt nur knapp diese Tortur. Paulines einziger Wunsch ist es, Ärztin zu werden. Sie studiert, verliebt sich in Felix und zerbricht an dieser Liebe, als Felix sie aufgrund ihrer Vorgeschichte abweist. Im Affekt erschießt sie Felix und wird den Richtern als männermordende Bestie vorgeführt.

     

    Als sie nach Jahren der Haft wieder beginnt ein neues Leben zu leben, auch mit einem Film über ihr Leben konfrontiert wird, flieht sie unter falschem Namen nach Marokko, wo sie endlich die Liebe wieder findet. Doch als sie sich ihrem Geliebten erklären will, ihre Sicht der Dinge erzählen möchte, weiß sie bereits im Vorfeld was nun passieren wird…

     

    Der Autor Jean-Luc Seigle hat aus dieser schrecklichen Geschichte einen wunderbaren Roman gemacht, der hauptsächlich von der poetischen Sprache lebt und so den Ereignissen teilweise die Tragik nimmt und teilweise diese unterstreicht.

    Das Buch fesselt von Anfang an und man schafft es, sich in Pauline hineinzuversetzen, möchte sie verstehen, beschützen und wünscht ihr, dass sie ein Leben in Wahrheit finden möge. Ihre Geschichte, die aus der Perspektive von Pauline erzählt wird, berührt und schockiert zugleich. Welche Tragödie hat diese Frau erfahren müssen?

     

    Jean-Luc Seigle kann hier nur ein großes Lob ausgesprochen werden, er hat Pauline Dubuisson eine Stimme gegeben – und man darf nur hoffen, dass sie endlich gehört wird.

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    miss_mesmerizeds avatar
    miss_mesmerizedvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Eine beeindruckende Geschichte basierend auf einer wahren Begebenheit.
    Jean-Luc Seigle - Ich schreibe Ihnen im Dunkeln

    Pauline Dubuisson, einer der bekanntesten Kriminalfälle im Frankreich der 1950er Jahre. Jeder kennt ihre Geschichte, denn sie wurde unter dem Titel „La Vérité“ von Henri-Georges Clouzot mit Brigitte Bardot in der Hauptrolle verfilmt. Doch ist das wirklich die Geschichte der Pauline Dubuisson? Jean-Luc Seigle hat sich des Stoffes noch einmal angenommen und lässt Pauline nun selbst erzählen. Das Mädchen, in das die Eltern so hohe Erwartungen setzten, da sie überdurchschnittlich intelligent war und das Medizinstudium immer vor Augen hatte. Nach dem Tod ihrer älteren beiden Brüder im Zweiten Weltkrieg zieht sich die Mutter immer mehr zurück. Die Not ist groß im besetzten Frankreich und Paulines Vater, den sie abgöttisch verehrt und dessen Aufmerksamkeit alles für sie bedeutet, kann für das Mädchen eine Stelle als Krankenschwester bei einem deutschen Arzt finden, was der Familie Zugang zu Lebensmitteln verschafft. Nach dem Krieg fällt das Urteil hart über das Mädchen aus. Eine Deutschenhure wurde sie genannt, mehrfach vergewaltigt als Strafe dafür, dass sie mit dem Feind kollaboriert hat, und letztlich zum Tode verurteilt. Doch dieses Urteil wurde jedoch nicht vollstreckt. Hart kämpft sie sich zurück ins Leben und lernt im Studium zum ersten Mal die richtige Liebe kennen. Doch sie möchte nicht, dass ihre Vergangenheit zwischen ihnen steht und offenbart sich ihrem zukünftigen Mann. Dessen Ablehnung und Demütigung kann sie nicht ertragen. Sie will sich das Leben nehmen, doch ihre letzte Begegnung verläuft anders als geplant und am Ende ist sie eine Mörderin.

    Es ist unglaublich wie sehr sich Seigle in diese Figur eindenken konnte und wie glaubwürdig dieser Bericht erscheint. Er ist fiktiv, nur die Eckdaten sind belegt, und dennoch kann man sich nur vorstellen, dass dies die Gedanken und Gefühle waren, die Pauline durch den Kopf gingen, sondern entwickelt auch ein gänzlich anderes Bild der Frau als das, das in der Öffentlichkeit von ihr gezeichnet wurde. Vor allem durch die Verfilmung wurde die Vorstellung von ihr geprägt und das, wo weder sie noch ihr Umfeld daran mitgearbeitet haben. Seigle fasst dies so zusammen:

    „Ein Drehbuch über meine Geschichte kam mir umso unwahrscheinlicher vor, als ich bisher überhaupt nichts von der Wahrheit gesagt hatte, nicht einmal bei meinem Prozess; niemand außer mir wusste, was in der Nacht des Verbrechens vorgegangen war.“

    Symptomatisch für ihr Leben wird folgender Satz:
    „Ich glaube, man kann nur daran sterben, dass man nicht mehr geliebt wird. Und das bedeutet nicht, aus Liebe zu sterben, sondern eher das Gegenteil.“

    Als Kind und Jugendliche liebt sie ihren Vater und befolgt seine Befehle unhinterfragt, was ihr zum Verhängnis wird. Als Erwachsene wird sie wiederum von zwei Männern, die sie liebt, zurückgewiesen und als Konsequenz wünscht sie sich den Tod. Nur dieser kann sie erretten. Mehrfach misslingen ihre Suizide, Pauline ist zum Leben verdammt scheint es:
    „am Tag vor der Eröffnung meines Prozesses, als ich zum dritten Mal versucht habe, mir das Leben zu nehmen. Alle sagten, ich sei abermals «gerettet» worden, während ich dachte, ich sei abermals am Sterben «gehindert» worden.“

    Besonders bestürzend waren die Lynchjustiz und Racheakte der vorgeblichen Résistance. Erbarmungslos schildert der Autor, was man dem jungen Mädchen antut. Die Zeilen sind drastisch, kaum zu ertragen vor Brutalität und man fragt sich, ob der Krieg wirklich alles Menschliche in der Bevölkerung ausgelöscht hat und dass sie vorgefertigte Wahrheiten der tatsächlichen Realität vorziehen. Vieles im Leben von Pauline ist durch die Umstände und vor allem den Krieg bestimmt. Ihr Leben wäre ein gänzlich anderes gewesen, wäre sie in anderen Zeiten großgeworden. Aber so funktioniert nun einmal das Schicksal, es sind die Umstände, die die Menschen zu dem werden lassen, was sie letztlich sind. Und es sind die Worte, die wir gebrauchen, um sie zu beschreiben, die sie zu dem werden lassen, was wir in ihnen sehen wollen. Doch manchmal ist auch die Sprache nicht ausreichend:
    „Die Vorsätzlichkeit qualifiziert das Verbrechen als Mord, als assassinat. Doch das Substantiv assassine, mit dem eine Frau zu bezeichnen wäre, die vorsätzlich gemordet hat, existiert in der französischen Sprache nicht; die Form ist nur als Adjektiv gebräuchlich. Maître Floriot und die anderen arrangierten sich mit dieser Unzulänglichkeit des Französischen.“
    Aber man findet Wege, sich zu arrangieren.

    Ein beeindruckend und nachhaltig wirkendes Buch über eine Frau, die so viel Hoffnung hatte und die in ihrem Leben einfach kein Glück finden konnte. Wie es wirklich war, wird sich nie herausfinden lassen. Ihr Abschiedsbrief, in dem sie sich offenbar erklärte, ist verschollen und so bleiben nur die Prozessakten, ein Film und das, was wir uns über sie zusammenreimen. Aber das ist nicht wichtig, Jen-Luc Seigle hat ihr eine Stimme gegeben, endlich ihre Version der Wahrheit zu erzählen.

    Interessanterweise habe ich gestern ein Feature über „Erfundene Wahrheiten“ in der Fiktion gehört. Es scheint seit einiger Zeit einen Trend auf dem Buchmarkt zu geben, dass sich Bücher, die auf realen Begebenheit beruhen, besonders gut verkaufen. Welche Gefahren darin liegen, wird dabei sehr schön auch aufgezeigt. Letztlich ist aber doch Realität eine Konstruktion, die sich jeder selbst macht. Wir kreieren unsere Welt und darin ist glücklicherweise auch Platz für lesenswerte Geschichten. 

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    Bibliomanias avatar
    Bibliomaniavor einem Jahr
    Kurzmeinung: Eine traurig-tragische Geschichte, die auf wahrer Begebenheit beruht. Eindringlich und bewegend!
    Das Leben der Pauline Debuisson

    Pauline Debuisson musste einiges in ihrem doch recht kurzen Leben mitmachen. Als Französin geboren, die im Leben mehr erreichen wollte als Hausfrau zu sein, flieht sie nach Marokko, um ihrer Vergangenheit zu entkommen.
    Als junge Frau erschießt sie ihren ehemaligen Verlobten und kommt dafür hinter Gitter. Währenddessen wird ihre Geschichte verfilmt, mit Brigitte Bardot in der Hauptrolle, was sie fast verzweifeln lässt. In Marokko scheint sich wieder eine Chance für sie zu ergeben und sie schreibt ihre Geschichte auf. Für Jean, ihren Geliebten, der sie heiraten möchte. Pauline Debuisson will ihm die Wahrheit sagen. Will ihm sagen, was in ihrer Vergangenheit passierte, wer sie wirklich ist. Diesen Bericht hat Jean-Luc Seigle fiktiv in diesem Roman verarbeitet, der jedoch auf wahren Begebenheiten beruht.
    Ein Buch, das mich von Anfang an gefangen nahm. Eine mutige, starke Frau, die eine so tragische Lebensgeschichte hinter sich hat, dass es verwunderlich ist, wie lange sie versucht hat damit umzugehen. Sie war nicht hysterisch, überängstlich oder überempfindlich. Sie wollte Ärztin werden und hat auch als solche ihren Bericht niedergeschrieben. Sachlich, ehrlich und trotzdem schockierend. Was kann eine Frau alles aushalten? Was muss sie aushalten? Pauline Debuisson hat meine volle Anteilnahme und alles mögliche noch dazu, aber weder Ekel, noch Abweisung oder Abkehr. Diese Frau hätte es verdient den guten Teil des Lebens zu leben. Ein sehr lesenswerter Roman!

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    Susibelles avatar
    Susibellevor einem Jahr
    Die Warheit

    Dieses Buch wirkt unglaublich lange nach. Dies hat mich dazu veranlasst eine uneingeschränkte Lese-Empfehlung auszusprechen und es mit fünf Sternen zu bewerten. Dieser, auf einer wahren Begebenheit beruhende Roman, ist so einfühlsam und poetisch erzählt wie es nur große Literatur kann. Der Leser wird von der wunderschönen Sprache und den schrecklichen und tragischen Ereignissen emotional mitgerissen und aufgewühlt. Das Buch beschreibt die wahre Geschichte hinter der offiziellen Geschichte. (Film:"Die Wahrheit", mit Brigitte Bardot aus dem Jahr1960 ) Ich finde man sollte vorsichtig mit Schuldzuweisungen und Vorurteilen sein und Menschen mit einem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn lässt das Buch fassungslos, wütend und traurig zurück!

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    sursulapitschis avatar
    sursulapitschivor einem Jahr
    Kurzmeinung: Mich hat dieses Buch, trotz der tragischen Thematik, sehr schnell gelangweilt. Mir war es zu viel, zu blumig, zu gewollt.
    Zu viel Poesie für mich

    Pauline Dubuisson hat im Affekt ihren Verlobten erschossen. Sie war 21 Jahre alt, als sie dafür verurteilt wurde, ein Mordfall, der in den 50er Jahren in Frankreich viel Aufsehen erregt hat. Das Gericht ging sehr gnadenlos mit ihr um, wollte ihr keine mildernden Umstände zugestehen, weil sie im Ruf stand, die Geliebte eines Nazis gewesen zu sein, eine gewissenlose Hure. Sie war erst 16, als ihr bei Kriegsende Resistancekämpfer Grauenhaftes antaten, weil sie diese Gerüchte für wahr hielten.
    Pauline ist auf tragische Art Unrecht getan worden. Ein Verbrechen, das in ihrer Jugend an ihr verübt wurde, wird ihr ihr Leben lang zum Verhängnis. Dieses Buch ist ihre fiktive Lebensbeichte, die die Geschehnisse ins rechte Licht setzen soll.

    Das ist ein tolles Thema. Paulines Geschichte ist schrecklich und an Dramatik und Schicksalhaftigkeit nicht zu überbieten. Leider konnte ich mit der Erzählweise dieses Buches überhaupt nichts anfangen.

    „Einfühlsam und poetisch erzählt Jean-Luc Seigle in diesem dichten, intensiven Roman von der Leidenschaft und den Wünschen einer Frau, die, attraktiv und talentiert, mit ihrem Begehren immer wieder scheitert.“

    So wird das Buch beworben und das kann man nur unterschreiben, leider ist Jean-Luc Seigles Poesie geradezu ausufernd. Hier hat sich ein Autor mit viel Vorstellungskraft in eine zutiefst verzweifelte Frau hineinversetzt, was eine reife Leistung ist. Mir war es zu viel, zu blumig, zu gewollt.

    "Man muss gesehen haben, wie er Gegenstände anfasst, ohne sie je zu zerbrechen; und jedes Mal, wenn er mich berührt, lässt er mich unter seinen Händen neu erstehen."

    Natürlich kann man solche Sätze schön und berührend finden. Mit dem gleichen Recht kann man sie aber auch recht bemüht und kitschig finden. (Ich fasse öfter mal Gegenstände an, ohne sie zu zerbrechen.)
    Mich hat dieses Buch, trotz der tragischen Thematik, sehr schnell gelangweilt. Wer sowas mag, mag es lesen. Ich mag es nicht.

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    M
    michael_lehmann-papevor einem Jahr
    Geht ans Herz

    Geht ans Herz

    Man kann als Leser gar nicht umhin, sich im Zuge des Sogs der Sprachfertigkeit Seigles und seines tiefen Eindringens in die Psychologie der Persönlichkeit der Pauline Dubuisson mehr und mehr emotional dieser Frau zuzuwenden.

    Die, in Deutschland wohl kaum bis gar nicht bekannt, in Frankreich in reger Erinnerung ist.

    Als junges, eigentlich „jüngstes“ Mädchen während der Besatzungszeit in „Liebe“ entbrannt zu einem Deutschen Offizier. Nach der Befreiung voller Hass auf die Kollaborateure mit einem radikalen „Schandzeichen“ versehen. Wenige Zeit später als Mörderin ihres Verlobten verurteilt, mit gnadenloser Härte des Gesetztes. Und dann, wieder in Freiheit, folgt das Scheitern im Leben ihr wie an ihr festgeklebt.

    Vier Suizid Versuche sprechen da ihre ganz eigene Sprache.

    Während aber in Frankreich „die Schande“ und „der Mord“ alles beherrschen; was das Bild dieser Frau ausmacht, versteht es Seigle intensiv in die Tiefe zu gehen und in seinem biographischen Roman mit großer Feinfühligkeit das Gesamtbild der Person zu zeichnen.

    Denn all jene „Liebe“ und die Reaktionen auf dieses, bei Pauline überaus subjektiv gefärbtes Gefühl, haben einen Ursprung in ihrer Kindheit. Und genau diese „Prägung“ ist es, die dieses Leben so immens immer wieder an sich selbst und den äußeren Umständen scheitern lässt.

    Es ist eben nicht so, wie es noch 1991 im „Paris Match“ heißt:

    „Auch wenn es um grässliche Verbrechen geht, hat man das Bedürfnis „etwas zu verstehen“…….Mit Pauline, diesem harten Biest, funktioniert das nicht. Sosehr ich es befrage, mein Herz bleibt kalt“.

    Aber nicht das des Lesers, wenn er die einzelnen Etappen dieses Lebens aus der „Innensicht“ Paulines liest. Mit dem zentralen Dreh- und Angelpunkt, der nicht alles, aber das Grundsätzliche völlig klar auf den Punkt setzt:

    „Wenn ich nicht geliebt werde, bin ich wie tot……Man ist, ohne wirklich zu sein. Wie tot sein heißt, lebendig sein und bereits wie eine Leiche zu riechen“.

    In diesem kleinen Satz steckt bereits das gesamte Psychodrama dieses Lebens und wird klar, warum ein Zurückweisen für Pauline letztlich innerlich nie hinnehmbar war, einerseits. Ums nackte Überleben kämpfen, das hieß für sie, Liebe. Ebenso, wie diese „Sucht“ sie immer wieder anfällig machte, gerade in diesen jungen Jahren und gar nicht wirklich unterschieden werden kann zwischen aufrechten Gefühlen zu einem „zufällig“ deutschen Soldaten und einer immensen „Sucht“ zu Gefallen, geliebt zu werden, das „Objekt der Begierde“ ganz und gar „besitzen“ zu müssen.

    Ein Schicksal, dass aufrüttelt, das dem Leser ans Herz geht und das in bester sprachlicher Form genau mit der richtigen Dosierung zwischen Emotionalität und betrachtender Distanz von Seigle auf die Seiten gebannt wurde.

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