Jean-Marc Dreyfus

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Geheime Depeschen aus Berlin

Geheime Depeschen aus Berlin

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Erschienen am 01.03.2018
Nazi Labour Camps in Paris

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Erschienen am 01.01.2014

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Rezension zu "Geheime Depeschen aus Berlin" von Jean-Marc Dreyfus

Geheime Depeschen aus Berlin
Sikalvor 7 Monaten

„Die französische Öffentlichkeit neigt dazu, die nationalsozialistische Revolution als überwiegend politisch motiviertes, gewagtes Unterfangen abzutun, das durch Arbeitslosigkeit und Armut beflügelt und von schlichten Abenteurern in die Tat umgesetzt worden sei“, erklärt eine Depesche schon im Juni 1933.

 

Als französischer Botschafter in Deutschland war André Francois-Poncet von 1931 bis 1938 mitten im politischen Umbruch durch die Nazis direkt vor Ort. Er dokumentierte sehr ausführlich, hatte die Presse ständig unter Beobachtung und tat seinen Unmut kund. Bereits zu Beginn seiner Tätigkeit in Berlin ging er auf die beunruhigenden Vorfälle ein, man merkt seine Unruhe durch den fortschreitenden Erfolg der NSDAP.

 

Francois-Poncet war sehr engagiert im Zusammentragen von Informationen, schickte auch seine Botschaftsmitarbeiter zu Aufmärschen und Versammlungen, um die Veränderungen des politischen Geschehens zu beobachten. Von deren privaten Reisen ließ er sich berichten, was sie innerhalb Deutschlands erlebt und gesehen hatten.

 

Der Autor Jean-Marc Dreyfus unterrichtet an der University of Manchester und publizierte bereits Görings Kunstsammlung in einem Katalog. Er hat in diesem Buch „Geheime Depeschen aus Berlin“ den diplomatischen Schriftverkehr zwischen Berlin und Paris zusammengestellt. Nach Themen strukturiert, werden innerhalb der einzelnen Kapitel die Dokumente chronologisch geordnet, wobei die Dokumente teilweise gekürzt wurden oder nur Ausschnitte wiedergeben werden. Trotzdem – oder gerade deshalb – werden die politischen Veränderungen sehr gut nachvollziehbar, wird das „Dritte Reich“ und der Nationalsozialismus auf dem Weg nach oben begleitet.

 

Bereits 1931 wird auf einer Kundgebung Goebbels verkündet, dass die NSDAP die deutschen Arbeiter aus den Klauen der Sozialdemokraten zu befreien hat. Das Motto lautete: „Hinein in die Betriebe“.

Die Botschaftsberichte begannen schon 1933 auf diverse autokratische und totalitäre Entwicklungen hinzuweisen – bereits vor der Wahl Hitlers zum Reichskanzler…

 

„Zum ersten Mal kann die Nazi-Partei in den Dienst ihrer Propaganda sämtliche Mittel stellen, auf die sie dank ihrer Regierungsbeteiligung Zugriff hat, und man weiß, dass sie diese skrupellos nutzen wird. Innerhalb weniger Tage hat die Partei Männer ihres Vertrauens an Spitzenpositionen in den Verwaltungen der Länder und in der Polizei gesetzt. Der Rundfunk ist inzwischen zum bevorzugten Instrument der Regierungspropaganda geworden.“


Doch Poncet kritisiert auch die Haltung der Opposition (5. April 1933): „Besonders traurige Aspekte des Schauspiels, dem wir seit zwei Monaten in Deutschland beiwohnen, sind die Kleinmütigkeit der Gegner des neuen Regimes, der schwache Widerstand der Oppositionsparteien gegen die Errichtung von Hitlers Diktatur …“

 

Erschreckend finde ich, dass es in der heutigen politischen Landschaft etliche Parallelen zu diversen Aussagen Francois-Poncets gibt und natürlich werden diese auch erkannt und dokumentiert. Doch sind die Gegenstimmen auch jetzt wieder zu schwach oder zu leise? Die Zukunft wird zeigen, ob aus der Vergangenheit gelernt wurde oder ob sich die Geschichte wiederholt…

 

Das Buch ist ein sehr wichtiges Zeitdokument. Die Botschafter-Texte werden durch Analysen und Bemerkungen des Autors ergänzt, zusätzlich finden sich einige Fotos dieser Zeit. Ich kann dieses Werk für Geschichtsinteressierte uneingeschränkt empfehlen und vergebe gerne 5 Sterne.

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