Jean-Marc Rochette

 4,5 Sterne bei 2 Bewertungen

Lebenslauf von Jean-Marc Rochette

Jean-Marc Rochette stammt aus Grenoble in den französischen Alpen. Der begeisterte Bergsportler musste das Klettern nach einem schweren Unfall 1976 aufgeben und wurde Comic-Autor und Zeichner. Er arbeitete an verschiedenen Serien mit, unter anderem an Transperceneige.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Jean-Marc Rochette

Cover des Buches Der Wolf (ISBN: 9783957283788)

Der Wolf

 (1)
Erschienen am 12.03.2020
Cover des Buches Snowpiercer Band 2 (ISBN: 9783770401901)

Snowpiercer Band 2

 (0)
Erscheint am 12.01.2022

Neue Rezensionen zu Jean-Marc Rochette

Cover des Buches Der Wolf (ISBN: 9783957283788)R_Mantheys avatar

Rezension zu "Der Wolf" von Jean-Marc Rochette

Wölfe verhandeln nicht
R_Mantheyvor einem Jahr

Überall in Europa ist bei manchem Zeitgenossen die Liebe zum Wilden ausgebrochen. Ein unfehlbarer Indikator dafür ist die tolerierte Ausbreitung von Wolfsrudeln in Gebiete, in denen der Wolf als ausgerottet galt. Inzwischen betrifft diese Ausbreitung nicht nur ehemaliges Militärgelände, sondern auch dicht besiedelte Gebiete. Nur wenige Kilometer von Dresden entfernt leben Wölfe. Und wie nicht anders zu erwarten war, reißen sie Nutzvieh. Dafür und für die Herdensicherung gibt es vom Staat einen finanziellen Ausgleich. Das eigentliche Problem bleibt dadurch aber ungelöst.

Da man einen Wolf bisher nicht jagen durfte, kennt er auch die Grenzen nicht, an denen für ihn Konflikte mit den Menschen beginnen. Um einen solchen Konflikt geht es in dieser Geschichte. Hoch in den französischen Alpen wohnen ein alter Schäfer und eine Wölfin mit ihrem Jungen. Die Wölfin jagt, denn das entspricht ihrer Natur. Bei einer ungeschützten und nicht wehrhaften Herde verfallen Wölfe in der Regel in einen Blutrausch. Sie töten, was immer ihnen vor die Schnauze kommt, oft mehrere Dutzend Tiere, also mehr als sie je fressen könnten.

Das passiert auch dem alten Schäfer in dieser Geschichte. Er erschießt die Wölfin, nicht aber deren Junges. Und das wird ihm später zum Verhängnis, denn der junge Wolf treibt im Jahr darauf die verängstigte Herde in einen Abgrund. Nun beginnt ein Rachefeldzug, ein Kampf um Leben und Tod, zwischen dem Schäfer und dem Wolf, der mit einem Kompromiss endet, den es nur im Märchen gibt. Hinterher wird dem Betrachter die Geschichte dann noch einmal ausführlich erklärt, damit er sie auch richtig versteht.

Zwar werden in dieser Erklärung die tatsächlichen Probleme benannt, aber keine wirklichen Lösungen aufgezeigt. Vielmehr wird - wie leider inzwischen üblich - um den heißen Brei herumgeredet. Wer ständig seine Tiere verliert, dem geht auch bei finanzieller Entschädigung irgendwann die Motivation aus. Dann stirbt die Schäferei aus, und anschließend kommt das Fleisch aus Übersee, genauso wie es am Ende des Buches beschrieben wird. Mit Wölfen kann man nicht verhandeln. Sie lernen vielleicht, dass ihr Überlebensrisiko in der Nähe von Menschen steigt. Aber so lange man ihnen das nicht vor Augen führen kann, wird sich nichts ändern.

Tatsächlich passiert ein solches Geschehen, wie es in dieser märchenhaften Geschichte erzählt wird, niemals. Das ganze Gegenteil ist wahr: Entweder der Schäfer verschwindet aus der Einsamkeit oder der Wolf. Alles andere ist eine Illusion, die allerdings am Ende des Buches ihren pädagogischen Höhepunkt erlebt. Dort steht: Der alte Schäfer "ist in der Lage umzudenken und seine Beziehung zum Wolf und zur Alm, von der er lebt und die er mit Gämsen, den Schafen, den Bienen und den Raubtieren teilt, zu revidieren. Neue wechselseitige Formen des Zusammenlebens eingehen, Abmachungen treffen und dabei Erfindungsreichtum und Experimentierfreude beweisen, bis sich ein praktikabler Weg gefunden hat: So teilt man die Erde wirklich. Nehmen wir uns ein Beispiel."

Genau. Man trifft sich mit dem Wolf am runden Tisch und lotet neue wechselseitige Formen des Zusammenlebens aus. Mal sehen, was der Wolf uns zu sagen hat. Was für ein kindischer Unfug.

Als Graphic Novel hat mir diese Geschichte gut gefallen. Sie ist ein Märchen für Leute, die keine Ahnung von der Realität haben und einer Romantik verfallen sind, die es in der Natur nicht gibt.

Hier gäbe es nur eine wirklich vernünftige, illusionsfreie Lösung, nämlich den Rückzug des Schäfers oder seinen Verzicht auf Beutetiere des Wolfes. Wenn man den Wolf will, dann braucht er auch ein Revier. Und dort oben muss kein Mensch leben.

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