Jean-Marie Blas de Roblès

 3 Sterne bei 3 Bewertungen
Autor von Der Mitternachtsberg, Wo Tiger zu Hause sind und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Jean-Marie Blas de Roblès

Jean-Marie Blas de Roblès, 1954 in Algerien geboren, studierte Philosophie und Geschichte in Paris. Er lehrte an Universitäten in Brasilien, China, und Italien, und unternimmt längere Reisen nach Peru, Indonesien und in den Jemen. Er ist auch Mitglied der Archäologischen Gesellschaft Frankreichs und nahm an Tiefseeausgrabungen im Mittelmeer teil. Für seinen Roman ›Wo die Tiger schlafen‹ wurde er vielfach ausgezeichnet, so mit dem Prix Médicis und dem Prix Giono.

Alle Bücher von Jean-Marie Blas de Roblès

Der Mitternachtsberg

Der Mitternachtsberg

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Erschienen am 05.10.2017
Wo Tiger zu Hause sind

Wo Tiger zu Hause sind

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Erschienen am 23.05.2012
Wo Tiger zu Hause sind: Roman

Wo Tiger zu Hause sind: Roman

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Erschienen am 23.05.2012
La montagne de minuit

La montagne de minuit

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Erschienen am 18.06.2012
L'île du Point Némo

L'île du Point Némo

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Erschienen am 08.09.2014

Neue Rezensionen zu Jean-Marie Blas de Roblès

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M

Rezension zu "Der Mitternachtsberg" von Jean-Marie Blas de Roblès

Feinfühlig, bildkräftig, teils ätherisch poetisch verfasst
michael_lehmann-papevor einem Jahr

Feinfühlig, bildkräftig, teils ätherisch poetisch verfasst

Es ist am Ende Paul, der zum Zeitpunkt der Ereignisse, von denen der Roman berichtet, ein Buch über all dies schreiben wird. Im Austausch mit seiner Mutter, die, erst langsam, dann aber gewaltig, eine große Nähe zu jenem Bastian Lhermine entfaltet, der in der fünften Etage des Gebäudes, ganz schlicht und minimalistisch, seine Dienstwohnung bewohnt.

Was sich wohl ändern wird. Denn in der Jesuitenschule, an der Lhermine seit Urzeiten Hausmeister ist, weht ein neuer Wind. Und nachdem die schützende Hand des alten Direktors der Schule in den Ruhestand entschwunden ist, fällt auch der „Artenschutz“ des alten, aber schlanken, fitten und tiefgründigen Lhermene der Zeit anheim. Immerhin, ein Zimmer in einem Heim, das bietet ihm der schneidige, neue Direktor an. Denn von dem wenigen Geld, dass Lhermine als Hausmeister verdient hat, wäre die Obdachlosigkeit wohl der zwingende Folgeschritt, wenn seine Dienstwohnung nicht mehr zur Verfügung steht.

Was aber in Lhermines Denken eher Nebensache zu sein scheint. Denn seine eigentliche Leidenschaft gilt von Kindesbeinen an Asien und dort speziell Tibet. Sein Lebenstraum wäre, den Palast in Lhasa mit eigenen Augen real betrachten zu können. Studenten stehen Schlange bei ihm in der Bibliothek, wenn es an tibetische Texte, an Übersetzungen, wenn es um sein ausuferndes Wissen um die Geschichte und Traditionen Tibets geht.

„Er war ein jugendlicher alter Herr, einer jener wie falsch wirkender Greise mit Kindergesicht“.

Und er gibt gerne Auskunft.

Durch die Feder Blas de Roblés, der dem Inneren des Mannes, im Stil luftiger Leichtigkeit, eine intensive Füllung zu geben versteht. Zumindest ist an wenigen anderen Orten auf eine so poetisch zarte Weise das Entstehen und die innere Bedeutung eines Mandalas beschrieben, wie es Blas de Roblés unter anderem im Buch vollzieht.

„Das bedeutet, bevor Du in das magische Zimmer gelangen kannst……nach langer Zeit, wenn Du ganz ehrlich gewesen bist, öffnet sich lautlos eine Geheimtür auf einer Treppe aus lauter Diamanten. Wenn Du mutig genug bist, sie zu betreten, führt sich Dich für immer und ewig……zum Zimmer der höchsten Glückseligkeit“.

So erklärt es Lhermine Paul, dem empfindlichen Kind. Und so hört es Pauls Mutter, die aus der Inspiration heraus den Entschluss fasst, mit diesem Mann auch ihren Weg zu suchen. Nicht als Liebespaar, zunächst zumindest auf keinen Fall, aber als Reisegefährten. Denn Mutter und Hausmeister machen sich auf nach Tibet.

Trotzdem, und das gibt dem Roman noch eine verborgene, dunkel wirkende Seite, dieser alternde Mann etwas Schwieriges in seiner Vergangenheit zu tragen scheint. Schwierig genug, dass auf seine Einladung an alle Kinder im Haus zu einer Adventsfeier außer halbgaren Ausreden der entsprechenden Eltern keine Resonanz erfolgt.

Aber kann das sein, dass dieser innerlich wie äußerlich so klare, minimalistische und aufgeräumte Mensch, auch andere Seiten in sich getragen hat? Die er auf dem „Weg zum fünften Raum“ ebenfalls dringend „abzuwaschen“ hat? Wobei auf dem Weg zum Sehnsuchtsort Lhasa jede Menge andere „dunkle Geschichten“ von Land und Leuten und aus dem persönlichen Erleben der Protagonisten heraus den Weg säumen werden.

Was sprachlich durchgehend schön erzählt ist, allerdings an nicht wenigen Stellen einfach zu glatt daherkommt und, teil, auch mit künstlicher Tiefe (vielfach pathetisch wirkender buddhistischer Lebensweisheiten) aufgeladen wird.

Nichtsdestotrotz insgesamt ein flüssig zu lesender Roman über die Reinigung des Menschen durch Wahrheit, die Lasten des Lebens und die Sehnsucht, die innerlich antreibt und nicht lockerlassen will, bis sie erfüllt ist.

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Rezension zu "Wo Tiger zu Hause sind" von Jean-Marie Blas de Roblès

Rezension zu "Wo Tiger zu Hause sind" von Jean-Marie Blas de Roblès
michael_lehmann-papevor 7 Jahren

Brasilien (und die Welt) in epischer Breite

Lang ist dieses Buch, das ist der vorherrschende Eindruck nach der Lektüre. Lang und in epischer Breite erzählt, mit verschiedenen Erzählsträngen und vielfachen Verflechtungen, bei denen es nicht einfach ist, den roten Faden der jeweiligen Erzählfäden fest im Auge zu behalten.

Voller „Bildungsanspielungen“, philosophischen Reflektionen, vielfach auch religiösen Erläuterungen (einer der Erzählstränge nimmt sich der Biographie eines ehemals im 17. Jahrhundert in Brasilien tätigen Jesuitenpaters an). Aber auch Zitate, Verweise, Rückgriffe auf die Literaturgeschichte kommen nicht zu kurz in diesem breiten, literarischen Roman. Gerade im Blick auf diesen Kricher, der, als echter Jesuit, vielfach interessiert durch diese „neue“ Welt seinen Weg geht und, neben religiösen Überlegungen, auch die Naturwissenschaft nicht zu kurz kommen lässt.

Im Groben lassen sich so zwei Hauptgeschichten (neben den vielen Nebenschauplätzen und sonstigen Figuren im Roman) ersehen.

Zum einen bietet de Roblès eine (fiktive) Biographie des (real damals existierenden) Jesuitenpaters Kircher im Buch an. Ein Blick in die Geschichte, die religiösen Verästelungen, die kirchliche „Herrschaft“ im Brasilien des 17. Jahrhunderts, welche ebenso voll ist von Entdeckungen, Abenteuern, Erforschungen des riesigen Landes, Eindrücke, lebendige Geschichte, die durch die Augen Kirchers reflektiert und dargestellt werden.

Zum anderen bietet de Roblès an verschiedenen Personen und Situationen ein tiefreichendes und breites Bild des „modernen“ Brasiliens. Geschickt wählt er vom Politiker über gebildete Bürger der Mittelschicht, über das Leben in den Elendsvierteln bis zum Milieu der Drogenkriminalität eine durchaus spannende Bandbreite des Lebens in Brasilien samt seiner spannungsgeladenen, aneinander sich stark reibenden sozialen Unterschiede, wo im „Leben auf der Strasse“ vielleicht ein (kleiner) Schlüssel für all dieses zu finden wäre.

„Sie sind alle Kenner der Materie, und sie nehmen kein Blatt vor den Mund....... genau sie - ich meine die Hilfskräfte, die Kellner in den Cafès und Barmädchen – müsste man zur psychologischen Analyse unserer Welt heranziehen – sie haben da mehr Einblick als jeder andere sonst“.

Eine „Analyse unserer Welt“, die de Roblès dann aber doch nicht unbedingt durch die Augen von Kellnern und Barmädchen Revue passieren lässt, sondern seine diversen Hauptfiguren dieser sich drehenden, nicht wirklich einheitlich zu fassenden, brasilianischen Welt aussetzt.

Mit durchaus Längen hier und da und durchaus leichten bis mittelschweren Verwirrungen an anderen Stellen beim Leser, die es nötig machen, des Öfteren einige Seiten zurück zu blättern, um neuen Anlauf zum Verstehen zu nehmen. Dies gilt zwar nicht für die stringend erzählte Geschichte um den Jesuiten Kircher herum, wohl aber für weite Teile der „modernen“ Geschichte im Roman.
Lässt man sich aber auf die vielen Sprünge und die diversen Handlungen und Figuren im Buch ein, so entdeckt man eine durchaus intensive und kluge Darstellung der Welt in vielen einzelnen Teilen, ganz anders einander gegenüber und doch verbunden.

Ein Buch voller Geschichten in den Geschichten, mit vielfachen Reflektionen der Welt, in der wir leben und wie sie so wurde, wie sie ist. Beileibe nicht einfach und flüssig zu lesen, durchaus in den einzelnen Darstellungen und Elementen interessant und lesenswert.

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