Jean-Marie Gustave Le Clézio Onithsa

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Inhaltsangabe zu „Onithsa“ von Jean-Marie Gustave Le Clézio

Wie sein Held Fintan hat Le Clézio seine Kindheit in Afrika verbracht, er hat mit diesem Buch den Roman einer nie vergessenen Initiation geschrieben. Seine Kindheit in Afrika, die kleine Stadt Onitsha am Niger, das Tamtam der Trommeln in der Nacht, wilde tropische Gewitter, riesige Termitenhügel in der Savanne, Fahrten mit der Piroge auf dem gewaltigen Strom - FintanAllen wird das alles nie vergessen. Mit 12 jahren ist er im Frühjahr 1948 an Bord der 'Surabaya' mit seiner Mutter Maou von Frankreich nach Onitsha in Nigeria gekommen. Maou trifft dort ihren Mann Geoffroy wieder, von dem sie durch die Wirren des Krieges getrennt war und von dem sie sich bald entfremdet fühlt. Sie, die von einer afrikanischen Idylle geträumt hatte, erfährt nun die Feindseligkeiten der engstirnigen Kolonialgesellschaft und die vielfältige Brutalität dieses Landes. Geoffrey hat sich neben seiner Arbeit bei einer britsichen Handelsfirma in eine Traumwelt geflüchtet. Um ihn herum zerfällt die koloniale Welt, er aber sucht wie besessen nach den Spuren der mythischen Stadt Meröe, die nach der Legende von einer schwarzen ägyptischen Königin auf einer Insel im Niger gegründet worden sein soll. Während seine Eltern ihren vergeblichen Träumen nachhängen, erlebt Fintan mit seinem schwarzen Freund wilde Abenteuer und taucht immer tiefer in das afrikanische Leben ein. Als eine schwere Malariaerkrankung Geoffroys die Familie zwingt, Afrika zu verlassen, nimmt Fintan ein Stück von Afrika für immer mit sich nach Europa. Die kunstvolle Verknüpfung von persönlichen Schicksalen mit den uralten Mythen des schwarzen Kontinents und den Bildern einer geheimnisvollen, archaischen Welt, die im Biafrakrieg für immer untergegangen ist, machen dieses Buch zu einer unvergesslichen, faszinierenden Lektüre.

KollegeKraftwagen hat hier schon eine großartige und treffende Rezension zu "Onitsha" verfasst. Deshalb werde ich mich darauf beschränken, eine uneingeschränkte Empfehlung auszuprechen. "Onitsha" ist ein faszinierendes Buch, ganz große Literatur. Eine wirkliche Schande, dass dieser Autor bis zur Vergabe des Nobelpreises unbekannt war...

— Wolkenatlas
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  • Rezension zu "Onithsa" von Jean-Marie Gustave Le Clézio

    Onithsa
    Beagle

    Beagle

    19. December 2008 um 13:41

    Ein wunderschönes Buch über eine Jugend in Afrika. Der Titelheld Fintan lernt das Leben dort neu kennen, muss sich zurechtfinden und lebt sich ein, während seine Mutter, die anfangs Feuer und Flamme von dem Land und ihrem lange abwesenden Mann (Fintans unbekanntem Vater) war, sich nicht einstellen kann. Sehr große Literatur!

  • Rezension zu "Onithsa" von Jean-Marie Gustave Le Clézio

    Onithsa
    KollegeKraftwagen

    KollegeKraftwagen

    27. October 2008 um 10:43

    Trotz anfänglicher Widerstände habe ich in dieses Buch hineingelesen, konnte bald nicht mehr anders, als alle übrigen Lektüren stehen und liegen zu lassen und mich ganz diesem verblüffenden Buch zu widmen. Was für eine Atmosphäre, was für ein nüchterner Rausch, reine Literatur, herrlich. LeClézio ist ein würdiger Nobelpreisträger, zweifellos ein ganz großer Erzähler, für den man sich einige Zeit nehmen muß, um ihn würdigen zu können. Dieses Buch ist kein Abenteuerroman, es ist fern von Klischees, eher typologisiert LeClézio, was dann selten mal wirklich klischeehaft wirkt. Dementsprechend erfährt man wenig über die zentralen Figuren. LeClézio erzählt nicht psychologisch, er bleibt außen, an der Oberfläche, die Figuren bewegen sich wie Statuen oder Traumwandler durch eine wundervoll beschriebene afrikanische Landschaft. Nichts geschieht. Innere Vorgänge muß bzw. kann man sich als Leser selbst hinzudenken, sollte man aber vielleicht fgar nicht. Nach seitenlangen Beschreibungsorgien werden dann biographische Details, die durchaus dramatisches Potential hätten, in drei Sätzen abgehandelt. So ähnlich habe ich es schon mal bei Toussaint erlebt, dessen "Sich lieben" ich auch lange unter Kitschverdacht hatte, bis ich dem musikalischen Reiz seines Schreibens verfallen bin. LeClézio ist wieder der Beweis, das große Literatur den Plot nicht braucht. So läßt sich die "abenteuerliche" Handlung auf anderthalb Seiten zusammenfassen: Widerstrebend zieht ein Junge mit seiner Mutter zu seinem Vater, den er noch nie gesehen hat, nach Afrika. Er bleibt ihm fremd, auch die Eltern entfremden sich. Die drei Individuen, die in einem Haus leben, aber nicht Familie genannt werden können, entfremden sich der kolonialistischen Gesellschaft, die Mutter und vor allem der Junge nähern sich den Ureinwohnern an, ohne ihnen jedoch wirklich nahezukommen. Alle haben eine Sehnsucht nach der Ursprünglichkeit der Einheimischen in sich, die nicht gestillt werden kann. Als der Vater seine Stelle verliert, müssen sie widerstrebend nach Europa zurückkehren, nie aber werden sie Afrika vergessen, das ein Teil von ihnen geworden ist. Von Abenteuer keine Spur, ebensowenig von einer Entwicklung. Jedes Spannungspotential wird konsequent unterlaufen. Ein Beispiel: Der Junge macht mit seinem afrikanischen Kameraden einen Ausflug zu einem geheimnisvollen, verbotenen Ort. Nach langem, ausführlich beschriebenem Marsch erreichen sie staunend ihr Ziel. Und was passiert? "Sie schliefen und gingen dann nach Hause." Mit ihrer Nahrung gewissermaßen und durch die Bilder, die sie aufnehmen und im Gedächtnis behalten, werden die Figuren Teil des afrikanischen Kontinents, darum geht es. Sich mit diesen Figuren zu identifizieren ist fast unmöglich, aber man beginnt sich mit Afrika zu identifizieren, sich sinnlich dort einzuleben - natürlich in einem literarischen Afrika, das frei ist von zu viel Denken, zu viel Reflexion, von der mechanistischen Vernunft, dem ökonomischen und hierarchischen Denken der Europäer. Vom Sehnsuchtswert steht der erfolgreiche europäische Mann hier ganz unten, über ihm steht die unschuldigere Frau, noch höher das dem Ursprung noch nähere Kind, dessen wachsweiche Persönlichkeit durch die Umstände bzw. die Natureinwirkung noch geprägt werden kann. Klassisches französisches Gedankengut also. Ganz oben auf der Skala stehen die unnahbaren, fremden, schwarzglänzenden, hartblickenden, mit sich und ihrem Mutterboden in Einklang lebenden Eingeborenen, die eine jahrtausendealte Kultur verinnerlicht haben, von der die dummen Europäer nicht den Hauch einer Ahnung haben. Während die Afrikaner "geschmeidig und lautlos wie eine Wildkatze" in ihrer Landschaft hin und hergehen, "verstecken" sich die Europäer in ihren "Kolonialhäusern mit ihren Palisaden, um die Welt nicht zu hören". Sie zerstören, was sie nicht verstehen, und tun der Welt damit Gewalt an. Das ist schon hart am Rande des exotistischen Klischees, zumindest klingt das sehr nach rousseauistischer Kulturkritik, seit über zweihundert Jahren ein leicht zu habender Garant für die Zustimmung feingeistiger Leser. Allzu originell ist das natürlich nicht, aber es ist nur das Material, das dem Erzählen zugrunde gelegt wird. Und es funktioniert. Gegen allen Widerstand hat mich dieses Buch begeistert, es hallt lange nach und die meisten anderen Bücher, die ich in letzter Zeit gelesen habe, wirken im Vergleich stilistisch verkrampft.

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