Jean-Paul Sartre

 4,2 Sterne bei 1.370 Bewertungen
Autor von Geschlossene Gesellschaft, Der Ekel und weiteren Büchern.
Autorenbild von Jean-Paul Sartre (©kein Urheberrecht mehr)

Lebenslauf von Jean-Paul Sartre

Jean-Paul Charles Aymard Sartre wurde 1905 in Paris geboren und war Autor, Dramatiker, Philosoph und Hauptvertrer des Existenzialismus. Nach seiner Schulzeit widmete er sich dem Lehramtsstudium und verfasste bereits in dieser Zeit einzelne Romankapitel und Novellen. 1938 erschien mit "Der Ekel" in Frankreich sein erster Roman, der ihm internationale Beachtung einbrachte. Von da an war Sartre sehr erfolgreich als Denker und Publizist. Außerdem war er lange Zeit mit der Philosophin Simone de Beauvoir liiert.

Alle Bücher von Jean-Paul Sartre

Cover des Buches Geschlossene Gesellschaft (ISBN: 9783499157691)

Geschlossene Gesellschaft

 (288)
Erschienen am 04.05.1987
Cover des Buches Der Ekel (ISBN: 9783499105814)

Der Ekel

 (272)
Erschienen am 01.05.1975
Cover des Buches Das Sein und das Nichts (ISBN: 9783499133169)

Das Sein und das Nichts

 (35)
Erschienen am 01.07.2004
Cover des Buches Die Kindheit eines Chefs (ISBN: 9783499155178)

Die Kindheit eines Chefs

 (33)
Erschienen am 01.04.1985
Cover des Buches Die schmutzigen Hände (ISBN: 9783499124853)

Die schmutzigen Hände

 (25)
Erschienen am 01.02.1989
Cover des Buches Tote ohne Begräbnis (ISBN: 9783499124877)

Tote ohne Begräbnis

 (22)
Erschienen am 01.05.1986
Cover des Buches Die ehrbare Dirne (ISBN: 9783150093252)

Die ehrbare Dirne

 (25)
Erschienen am 01.01.1986
Cover des Buches Im Räderwerk (ISBN: 9783499122071)

Im Räderwerk

 (20)
Erschienen am 03.04.1989

Neue Rezensionen zu Jean-Paul Sartre

Cover des Buches Das Spiel ist aus (ISBN: B00282HRA4)Schnuppes avatar

Rezension zu "Das Spiel ist aus" von Jean-Paul Sartre

über hoffnungslose Situationen
Schnuppevor 5 Monaten

 

Sartre hat dieses Drehbuch bereits 1943 geschrieben, und es weiß immer noch zu begeistern. 

In einem faschistischen fiktiven Staat treffen sich Ève und Pierre in einer ungewöhnlichen Situation. Sie sind gestorben, müssen in einem Büro dafür quittieren und können sich fortan in der Welt bewegen, ohne von den Lebenden wahrgenommen zu werden. (Das man als Toter weiterhin ungesehen und unbeachtet sein Lebensumfeld weiter bewohnt, mag ich mir nicht weiter ausmalen.)

Beide sind gewaltsam aus dem Leben geschieden, weil sich jemand daraus einen Vorteil erhoffte, beide können jetzt nur noch zusehen, was weiter geschieht, Einfluss nehmen können sie nicht. 

Als wäre ihre Situation nicht bereits kompliziert und quälend genug, verlieben Ève und Pierre sich ineinander. Das sie aus völlig gegensätzlichen Lebensverhältnissen kommen, ist ein weiteres Problem. Sie war eine reiche Dame, er ein politischer Aktivist. 

Aufgrund eines bürokratischen Fehlers dürfen die Beiden für 24 Stunden in ihre Leben zurück, wenn ihre Liebe dort besteht, dürfen sie bleiben. Begeistert stimmen sie zu. 

Die Probleme sind vorprogrammiert: jeder möchte die Probleme seines Lebens lösen, dabei gilt es hauptsächlich die Liebe zu beweisen und die sozialen Unterschiede zu überbrücken. Die Zerrissenheit, der die Protagonisten ausgesetzt sind, ist gut herausgearbeitet. Egal, wie sie sich entscheiden, das Scheitern ist unausweichlich.

Ève und Pierre treten von Anfang an als Verlierer an, aber sie kämpfen für ihre Ziele in einer gleichgültigen, grausamen Welt, die ihnen zu spät die Wahrheit offenbart. Der Titel des Werkes ist überaus passend gewählt.

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Cover des Buches Geschlossene Gesellschaft (ISBN: 9783499157691)nana_what_elses avatar

Rezension zu "Geschlossene Gesellschaft" von Jean-Paul Sartre

"Geschlossene Gesellschaft" von Jean-Paul Sartre
nana_what_elsevor 7 Monaten



… die Hölle, das sind die anderen.

Aus: Geschlossene Gesellschaft von Jean-Paul Sartre, Seite 59


Das sagt der Verlag: Geschlossene Gesellschaft: Drei Personen, die im Leben einander nie begegnet sind, werden nach ihrem Tod für alle Ewigkeit in einem Hotelzimmer zusammen sein. Das ist die Hölle.


Aufmachen! Aufmachen! Ich nehme alles hin: Beinschrauben, Zangen, flüssiges Blei, Halseisen, alles, was brennt, alles, was quält, ich will richtig leiden. Lieber hundert Stiche, lieber Peitsche, Vitriol als dieses abstrakte Leiden, dieses Schattenleiden, das einen streift, das einen streichelt und das niemals richtig weh tut.

Aus: Geschlossene Gesellschaft von Jean-Paul Sartre, Seiten 54-55


Persönlicher Leseeindruck: L’enfer, c’est les autres. Die Hölle, das sind die anderen. Auch, wenn ich mir als Agnostikerin mit Tendenz zu Wurschtigkeit/Frust gegenüber religiösen Themen nicht viele Gedanken darüber mache, was auf uns zukommt, wenn wir erstmal über die Regenbogenbrücke gegangen sind, den Löffel abgegeben, das Zeitliche gesegnet, ins Gras gebissen und schlussendlich die Radieschen von unten betrachtet haben, hat den nie-müden Ungustl in mir dieses Zitat immer auf verdrehte Weise angesprochen. Als Österreicher/in bekommt man das misanthrope Grantler-Gen ja praktisch frei Haus mitgeliefert und deshalb schien’s – nachdem mir diese eine Zeile immer wieder in der Zeitung, in Podcasts, Träumen und dem Kaffeesatz unterkam und ich mich irgendwann beim Sehen der Nachrichten dabei erwischt habe, wie ich sie passiv-aggressiv wie ein Mantra vor mich hinmurmelte – quasi meine heilige Pflicht zu sein, den Text, aus dem diese weisen Worte stammen, mal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Scherz beiseite. Ich wollte mich schon seit Ewigkeiten etwas genauer mit Sartre befassen und wann ließe sich ein Text mit dem Titel „Geschlossene Gesellschaft“ wohl besser lesen als während einer globalen Quarantäne?


Wir nämlich machen die Augenlider auf und zu. Zwinkern nannte man das. Ein kleiner schwarzer Blitz, Vorhang zu, Vorhang auf: Das war die Unterbrechung. Das Auge wird feucht, die Welt verschwindet. Sie können sich gar nicht vorstellen, wie erholsam das war. Viertausend Pausen in einer Stunde. Viertausend kleine Fluchten.

Aus: Geschlossene Gesellschaft von Jean-Paul Sartre, Seiten 13-14




Das Stück kommt erwartungsgemäß mit sehr überschaubarem Personal aus: Inés, Estelle und Garcin sind die verblichenen ProtagonistInnen, die nach und nach von einem höflich-distanzierten Kellner in das Hotelzimmer geführt werden, welches die wiederum recht kleine, aber außergewöhnliche Bühne für die gesamte Handlung darstellt.


Kurz, es fehlt hier jemand: der Folterknecht.

Aus: Geschlossene Gesellschaft von Jean-Paul Sartre, Seite 28


Ein fensterloser Raum, drei verschiedenfarbige Sofas – hellblau, spinatgrün und bordeauxrot, eine Büste, keine Spiegel, eine verschlossene Tür samt Klingel, die nicht funktioniert. Das Zimmer enthält praktisch nichts, was Zerstreuung bieten könnte. Wie trostlos und qualvoll eine Ewigkeit in solch kargem Umfeld ist, geht den drei Verdammten jedoch nicht gleich auf: Denn zunächst warten sie noch getrieben und verzweifelt auf das Erscheinen eines Folterknechts. Den jedoch scheint es nicht zu geben; Inès, Estelle und Garcin sind einander fortan die einzige Gesellschaft und langsam kommt die höllische Ménage-à-trois zu der Erkenntnis:

Die Hölle, das sind die anderen. Nicht, wegen der Gräueltaten, die sie begehen oder weil das ewige Aufeinanderhocken, von dem es kein Entrinnen gibt, irgendwann unerträglich wird. Sondern deshalb, weil wir uns nur erkennen, wenn andere Augen uns sehen. Das Bild, das andere von uns haben, ist der Rahmen, in dem wir unser Leben leben und erleiden, ein Gefängnis zu Lebzeiten und danach.


Man stirbt immer zu früh – oder zu spät. Und nun liegt das Leben da, abgeschlossen; der Strich ist gezogen, fehlt nur noch die Summe. Du bist nichts andres als dein Leben.

Aus: Geschlossene Gesellschaft von Jean-Paul Sartre, Seite 57



Ist man, wenn man von anderen nicht wahrgenommen wird? Kann man etwas anderes sein, als das, was die anderen in einem sehen?

Besonders schön finde ich, dass in der Rowohlt Ausgabe das gesprochene Vorwort zur Schallplattenaufnahme abgedruckt ist, in der Sartre mit Missinterpretationen aufräumt: „Man glaubte, ich wolle damit sagen, dass unsere Beziehungen zu andren immer vergiftet sind, dass es immer teuflische Beziehungen sind. Es ist aber etwas ganz anderes, was ich sagen will. Ich will sagen, wenn die Beziehungen zu andern verquer, vertrackt sind, dann kann der andre nur die Hölle sein. Warum? Weil die andren im Grunde das Wichtigste in uns selbst sind für unsere eigene Kenntnis von uns selbst. Wenn wir über uns nachdenken, wenn wir versuchen, uns zu erkennen, benutzen wir im Grunde Kenntnisse, die die andern über uns schon haben. Wir beurteilen uns mit den Mitteln, die die andern haben, uns zu unserer Beurteilung gegeben haben. Was ich auch über mich sage, immer spielt das Urteil anderer hinein. Was ich auch in mir fühle, das Urteil andrer spielt hinein, Das bedeutet, wenn meine Beziehungen schlecht sind, begebe ich mich in die totale Abhängigkeit von andren. Und dann bin ich tatsächlich in der Hölle.“ (Seite 61)


Wir sind in der Hölle, meine Kleine, es kommt nie ein Versehen vor,

und die Leute werden niemals für nichts verdammt.

Aus: Geschlossene Gesellschaft von Jean-Paul Sartre, Seite 27


Fazit: Wir sehen in uns, was andere uns sehen lassen. Jean-Paul Sartres Stück ist ein kurzweiliges und intensives Lesevergnügen mit viel Tiefgang und einer Botschaft, die nie aktueller war als heute.


Geschlossene Gesellschaft von Jean Paul Sartre. Stück in einem Akt.

Originaltitel: Huis clos | Übersetzung: Traugott König | Taschenbuch, 75 Seiten

Rowohlt Taschenbuch | ISBN: 978-3-499-15769-1

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Cover des Buches Geschlossene Gesellschaft (ISBN: 9783499157691)chumas avatar

Rezension zu "Geschlossene Gesellschaft" von Jean-Paul Sartre

Die Hölle, das sind die andern ...
chumavor 2 Jahren

... ein viel zitierter Satz aus dem Stück "Geschlossene Gesellschaft" (OT: Huis clos) des französischen Schriftstellers und Philosophen Jean-Paul Sartre. Oft falsch verstanden – wie Sartre selbst in den Anmerkungen erklärt und doch ist es die wichtigste Erkenntnis, die dem Leser nach der Lektüre bleibt.

Doch beginnen wir am Anfang – einem gewöhnlichen Zimmer mit Empire-Möbeln ausgestattet und einer Bronzefigur darin. Spiegel, Fenster, einfach alles, worin man sich selbst sehen könnte, fehlen allerdings. Warum das so ist und welche Auswirkung es auf die Protagonisten haben wird, erklärt sich im Verlauf des Dramas. Garcin wird vom Kellner ins Zimmer geführt, das immer hell ist, seine Augen kann er nicht schließen. "Also man muß mit offenen Augen leben ...", erkennt Garcin schockiert. "Es wird heller Tag in meinen Augen sein. Und in meinem Kopf." Die Hölle nimmt langsam Gestalt an. Als dann noch Inés und Estelle ins Zimmer geleitet werden und die Tür kurzum verschlossen wird, nimmt das Drama seinen Lauf. Alle drei waren im Leben nicht aufrichtig und sind es im Tod ebenfalls nicht. Sie möchten Absolution, Vergebung und Anerkennung durch die anderen beiden Personen erfahren, doch diese sind natürlich nicht in der Lage sie zu erteilen. Garcin, der Feigling; Estelle, die Kindermörderin sowie die lesbische Inés, die hochintelligente Verführerin, die ihre Geliebte in den Selbstmord getrieben hat – sie alle sind darauf angewiesen, sich im Blick des anderen zu erkennen, denn Flucht oder Tod sind kein Ausweg.

"(..) ich bin nichts als der Blick, der dich sieht, als dieses farblose Denken, das dich denkt."

Für mich ist dieses Stück ein absolut lesenswerter Klassiker, der nachdenklich stimmt und zeigt wie wichtig eine gesunde Interaktion miteinander ist.

"Sie sehen also, Beziehungen zu den andren, Verkrustung und Freiheit, Freiheit als die nur angedeutete andre Seite, das sind die drei Themen des Stücks. Ich möchte, daß man sich daran erinnert, wenn man den Satz hört: Die Hölle, das sind die andern." (Zitat: Sarte)

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Jean-Paul Sartre wurde am 20. Juni 1905 in Paris (Frankreich) geboren.

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