Wenn belesene Leute an Sartre denken (unbelesene denken vielleicht an "diesen Franzosen", der soviel geschrieben hat), denken sie meistens an den Sartre der "Das Sein und das Nichts" schrieb - den Anführer, den theoretischenn Begründer und Former des frz. Existenzialismus, den Autor berühmter Theaterstücke, den Lebensgefährten von Simone de Beauvoir.
In diesem Band finden sich 5 Erzählungen von Sartre. Gleich die erste, "Die Mauer" (Ich habe mir davon sonst was für eine Parabel oder philosophische Betrachtung versprochen) entpuppt sich als Erzählung aus dem spanischen Bürgerkrieg. Zwar geht es auch um einige kleinere philosophische Anhängsel, aber im ganzen ist die Geschichte doch eher psychologischer Natur und am Ende steht eher ein Lacher (wegen dem Ende) als ein tiefer Gedanke.
Die anderen Erzählungen, namentlich "Das Zimmer", "Herostratos" (-> Artemistempel in Ephesos für nähere Erklärung des Namens), "Intimität" und "Die Kindheit eines Chefs", zeigen allesamt Menschen in bestimmten prekären Situationen - in dem Text Intimität beleuchtet er z.B. die Nähe die wir uns alle trotz Abseits von Berührung und Sexualität wünschen und in "Das Zimmer" geht es um einen Wahnsinnigen, den seine Frau nicht verlassen will.
Philosophie wird man hier sicher nicht so dicht finden wie sonst bei Sartre, aber vor allem wegen der drei mittleren Erzählungen lohnt sich der Kauf; die letzte Erzählung, eher eine Novelle (wegen der Länge) ist auch vielseitig und stark, weißt aber eine gewisse Zerstreuung auf.
Wenn man Sartres "Gesammelte Erzählungen" mit Albert Camus "Das Exil und das Reich" vergleicht (zusammen mit "Der Fall" in "Jonas oder der Künstler bei der Arbeit - Gesammelte Erzählungen") zeigt sich bei Sartre doch eine Ungeübtheit beim Gebrauch von Bildern und Prosapoesie. So sind seine Geschichten zwar Handfest, aber nicht wirklich ein Erlebnis.
Jean-Paul Sartre

Lebenslauf
Alle Bücher von Jean-Paul Sartre
Geschlossene Gesellschaft
Der Ekel, Sonderausgabe
Das Spiel ist aus
Das Sein und das Nichts
Huis clos
Tote ohne Begräbnis
Die schmutzigen Hände
Im Räderwerk
Neue Rezensionen zu Jean-Paul Sartre
Jean-Paul Sartres Theaterstück Tote ohne Begräbnis (Morts sans sépulture, 1946) hat mich tief bewegt – nicht nur als dramatisches Werk, sondern auch als ethisches und politisches Statement über den Sinn von Freiheit, Verantwortung und Opfer in Zeiten der Gewalt. Das Stück spielt während des Zweiten Weltkriegs in Frankreich und zeigt eine Gruppe von fünf Widerstandskämpfer:innen, die von den Nazis gefangen genommen wurden und nun in einem Gefängnis auf ihr Schicksal warten. (Mehr zu Sartre: https://love-books-review.com/de/rezensionen-nach-autor/jean-paul-sartre/ )
Der Text entfaltet sich fast vollständig innerhalb eines einzigen Raumes, was die psychische Enge und Bedrängnis eindringlich spürbar macht. Sartre verzichtet auf äußere Handlungsmomente und konzentriert sich stattdessen auf die inneren Konflikte seiner Figuren: Angst, Loyalität, Verrat, Hoffnung, Schuld.
Was mich besonders fasziniert hat, war die psychologische Tiefe, mit der Sartre seine Charaktere zeichnet. Kein Mensch ist hier bloß Held oder Feigling – vielmehr offenbaren sich komplexe Mischungen aus Stärke und Schwäche, Mut und Zerrissenheit. Dabei stellt sich unaufhörlich die Frage: Was ist Freiheit wert, wenn sie zum Tod führt? Und kann ein Mensch wirklich autonom entscheiden, wenn die Umstände jede Wahl unmenschlich machen?
Sartres Sprache ist klar, dialogisch zugespitzt, ohne überflüssiges Pathos – und gerade darin liegt ihre Kraft.
Tote ohne Begräbnis ist für mich nicht nur ein Theaterstück über den Widerstand, sondern über die radikale Konfrontation mit dem Menschsein unter extremen Bedingungen. Sartre zwingt uns, hinzusehen, zu urteilen – und dann diesen Urteilssinn gleich wieder zu hinterfragen.
Am Ende bleibt kein Trost, keine heroische Erhöhung. Nur eine bittere, aber ehrliche Anerkennung dessen, was Menschen im Angesicht des Todes füreinander – und gegen sich selbst – sein können. Ein unbequemes, intensives, notwendig menschliches Stück.
Mein drittes Buch von Sartre- und wieder mochte ich es sehr. Ein kurzes Theaterstück, aus dem der Satz „Die Hölle, das sind die anderen" stammt. Drei Verstorbene in einem Raum, und die eigentliche Hölle ist, die Meinung der Anderen. Lädt zum reflektieren ein.
Möchte noch irgendwann „Das Sein und das Nichts“ von ihm lesen.
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Jean-Paul Sartre wurde am 20. Juni 1905 in Paris (Frankreich) geboren.
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