Jean-Paul Sartre Der Teufel und der liebe Gott

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Inhaltsangabe zu „Der Teufel und der liebe Gott“ von Jean-Paul Sartre

"Wenn du die Hölle verdienen willst, brauchst du nur im Bett zu bleiben. Die Welt ist Ungerechtigkeit; wenn du sie hinnimmst, bist du ein Mitschuldiger, wenn du sie veränderst, bist du ein Henker." (Heinrich in "Der Teufel und der liebe Gott")

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    Der geteilte Visconte
    Kopf-Kino

    Kopf-Kino

    07. January 2017 um 20:51

    „Jede Begegnung zweier Wesen auf der Welt ist ein Sichzerfleischen.“ Mit nur einem Auge, einem Ohr, einem halben Mund, einem Arm und einem Bein überlebt der Visconte Medardo di Terralba den Türkenkrieg, nachdem eine Kanonenkugel ihn in der Mitte spaltete, und kehrt halbiert, um fortan seine Grafschaft mit grausamer Hand zu führen, heim, bis eines Tages ein alter Bekannter auftaucht... „Du wirst die Hälfte deiner selbst und der Welt verloren haben, aber die verbliebene Hälfte wird tausendmal tiefer und kostbarer sein. Und auch du wirst wollen, daß alles zerrissen und gespalten sei nach deinem Bilde, denn Schönheit und Weisheit und Gerechtigkeit finden sich nur in der Zerstückelung.“ Italiens bedeutsamster Schriftsteller der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts gelang eine märchenhafte und angenehm zu lesende Erzählung, die hinter der Fassade einiges zu entdecken anbietet. Erzählt werden die Ereignisse aus der Perspektive des ca. 6-jährigen Neffen, was den surrealen Elementen einen recht realistischen Zug verleiht, da sie nicht reflektiert, sondern lediglich wiedergegeben werden, was somit geschickt mit der kindlichen Sichtweise auf die Welt einhergeht. Dem phantastischen Grundton liegt somit ein gewisser Charme zugrunde, der der mitunter düsteren Stimmung und den grausamen Szenen eine feine Brise Ironie verleiht. Mir kam es vor, als zwinkere mir der Autor hier und da zwischen den Zeilen zu. Die Sprache ist einfach gehalten und weist eine gradlinige, gute Leserlichkeit auf. Obgleich die Lektüre angesichts der wenigen Seiten rasch gelesen werden kann, empfehle ich ein langsames Lesetempo, um den gut gemachten Feinheiten eine gewisse Aufmerksamkeit schenken zu können. Mithilfe einiger Merkmale klassischer Märchen, wie beispielsweise magische Zahlen, wird die bereits märchenhaft anmutende Erzählweise zusätzlich gestützt; diese zu finden, bereitete mir bereits viel Vergnügen. Auch biblische Anspielungen in Form von Namen, wie Esau oder Ezechiel, wurden in die Geschichte verwoben und geben dem Ganzen eine zusätzliche Note. Inmitten der schlichten Schilderungen mischen sich eindrucksvolle Bilder, die es mir besonders angetan haben, wie beispielsweise: „Es gibt keine Mondnacht, in der nicht in ruchlosen Seelen die bösen Gedanken sich ineinander verschlingen wie eine Schlangenbrut und in menschenfreundlichen Gemütern Lilien der Entsagung und Hingabe aufsprießen.“ Das Büchlein arbeitet mit einem beinahe schon archaischen Motiv der Literatur, welches hier köstlich verarbeitet wurde, dennoch ernste philosophische Themen (wie u.a. die Vollkommenheit des Menschen) anspricht und sich konsequent als roter Faden durch das Buch schlängelt. Kurz bevor ich befürchtete, die Erzählung könne in eine allzu pädagogischen Richtung abdriften, kam eine überraschende Wendung um die Ecke und versöhnte mich wieder mit dem bisher Gelesenen. „Wohin ich auch sah: Trelawney, Pietrochiodo, die Hugenotten, die Aussätzigen – wir alle standen im Bann des Halbierten; er war der Herr, dem wir dienten und von dem wir uns nicht zu befreien mochten.“ Die im Zitat erwähnten Figuren treten hier als Repräsentanten auf, was dem Buch eine zusätzliche Ebene verleiht. Die Entwicklungen der Figuren ist in der Hinsicht besonders spannend zu beobachten. So stehen 'die Aussätzigen' beispielsweise für dekadente Künstler, die sich - quasi abseits der Gesellschaft - in einer eigens kreierten Gemeinschaft aufhalten, über die u.a. gesagt wird, nachdem der Visconte einer seiner vielen Grausamkeiten auslebte: „Sie alle erlitten Brandwunden, aber empfanden keinen Schmerz und hatten sogar ihren Spaß daran, wie das ihrem Geisteszustand entsprach.“ Selbst der gewählte Name des Ortes, in dem die Aussätzigen leben, lädt zum Spekulieren ein, setzt er sich doch aus den italienischen Wörtern 'Prato' (zu deutsch Wiese,Gras) und 'Fungo' (Pilz) zusammen, was in mir eine wahre Assoziationskette, wie verhinderter Wachstum, kranker Lebensraum usw., auslöste. Derartige kleine Spielereien konnten meine Leselust immer wieder aufs Neue entfachen. Demnach ist es vermutlich nicht verwunderlich, welchen Spaß mir das schmale Büchlein summa summarum bereitete. Mich konnte Calvino mit dem kleinen, aber kurzweiligen Buch Neugierde auf weitere Werke aus seiner Feder machen. Wie gut, dass sich 'Wenn ein Reisender in einer Winternacht' bereits griffbereit in meinem Regal befindet! Für mich stellte die Erzählung die perfekte Einstiegslektüre in Calvinos ungewöhnliche Welt dar. Ich bin gespannt, wohin mich die weitere Reise führen mag. ;-) Außerdem erinnerte mich die Lektüre daran, mal wieder Sartres 'Der Teufel und der liebe Gott' zur Hand zu nehmen.

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