Jean Cocteau

 4.1 Sterne bei 32 Bewertungen
Autor von Kinder der Nacht, Thomas der Schwindler und weiteren Büchern.

Alle Bücher von Jean Cocteau

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Kinder der Nacht

Kinder der Nacht

 (18)
Erschienen am 01.12.2010
Thomas der Schwindler

Thomas der Schwindler

 (4)
Erschienen am 23.04.2018
Dramen

Dramen

 (1)
Erschienen am 01.01.1959
Taschentheater

Taschentheater

 (1)
Erschienen am 01.01.1965
Les Enfants Terribles

Les Enfants Terribles

 (2)
Erschienen am 01.06.1967

Neue Rezensionen zu Jean Cocteau

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Giselle74s avatar

Rezension zu "Thomas der Schwindler" von Jean Cocteau

Ein charmanter Schwindler
Giselle74vor 6 Monaten

Jean Cocteau. Mir natürlich schon seit Ewigkeiten durch seine Zusammenarbeit mit den Ballets Russes bekannt. Bekannt war mir auch sein Dasein als etwas überkandidelter Dandy. Aber gelesen hatte ich von Cocteau noch nichts.
Nun hat der Manesse Verlag gerade eine manessetypisch schöne Ausgabe von "Thomas der Schwindler" herausgebracht, die Gelegenheit also, eine Bildungslücke zu schließen und das auch noch mit Stil.

Erster Weltkrieg. Der junge Thomas sieht das Leben als großes Abenteuer an, tänzelt hindurch wie die berühmte Grille aus der Fabel, sucht die Gefahr, findet Liebe und Kameradschaft, kann aber selbst nur oberflächliche Gefühle empfinden. Eine Namensverwechslung, die ihn als Neffe eines großen Generals erscheinen lässt, öffnet ihm Tür und Tor, für die Dauer seines kurzen Lebens kann er seiner Abenteuerlust frönen und die Realität ausblenden.

Ein Roman, für den ich mich nur oberflächlich begeistern konnte. Oberflächlich deshalb, weil Personal und Geschichte mich völlig kalt liessen. Wobei das gar nicht stimmt, "irritiert zurück liessen" wäre korrekter formuliert. Die Schützengräben des Ersten Weltkrieges als großen Abenteuerspielplatz darzustellen, die Gräuel dabei auszublenden und einen amüsanten Schelmenroman darzubieten, dazu gehört schon eine gewisse Kaltschnäuzigkeit. Der Krieg als Spektakel, wieviel gepflegte Langeweile muss jemand in sich tragen, um diese Sichtweise anzunehmen?
Begeistern konnte mich trotzdem die Sprache, die kristallklaren Formulierungen, die eleganten Wendungen. Cocteau gelingt der Spagat zwischen moderner Sprache und "Bel Ami"- Ambiente. Er verlegt einen für das 19.Jahrhundert typischen Erzählstil in die damalige Neuzeit, ein Schelmenroman im neuen Gewand sozusagen.

Aber reichen gewandte Formulierungen, um einen Roman groß zu machen? Laut Iris Radisch handelt es sich hier um ein Meisterwerk. Wenn es denn so ist, dann handelt es sich um einen kalt funkelnden, perfekt geschliffenen Diamanten, bei dem man Wärme oder Mitgefühl vergeblich suchen wird. Das Leben als Spiel, als russisches Roulette, immer das Risiko ausblendend, dass die Kugel einen auch treffen könnte.

Für mich leider kein Roman, der einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Vielleicht bin ich aber auch einfach schon zu fern dieser Zeit, um diese Lebenseinstellung nachvollziehen zu können.

Ich danke dem Manesse Verlag sehr herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar.

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Lichtscheues avatar

Rezension zu "Kinder der Nacht" von Jean Cocteau

Rezension zu "Kinder der Nacht" von Jean Cocteau
Lichtscheuevor 7 Jahren

Ein seltsames Werk: zwei Geschwister leben in ihrer eigenen Welt, in der nur Auserwählte Zugang finden. Wer nicht meine Abneigung gegen eine der Figuren hegt, wird das Buch sicherlich gut finden können. Ich habe Elisabeth vom ersten Augenblick an gehasst und das Gefühl war so stark, dass ich das Werk nicht genießen konnte. Allerdings ist das wohl auch eine große Kunst, so ein übermächtiges Gefühl zu erzeugen.

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Brian Brazzils avatar

Rezension zu "Kinder der Nacht" von Jean Cocteau

Rezension zu "Kinder der Nacht" von Jean Cocteau
Brian Brazzilvor 8 Jahren

"Ob ich schreibe, ob ich filme, ob ich male - ich errege Anstoß."
Jean Cocteau

Cocteau ist einer dieser Dichter (denn als Dichter bezeichnete er sich sein Leben lang, auch wenn er vor allem Filme machte und auch sehr begabte Erotische Zeichnungen) die einem das Herz erwärmen, weil sie so originell und doch im Ganzen so natürlich sind. Seine belebenden Gedichte, seine fassende Art zu erzählen und seine klar ausgerichtete künstlerische Freiheit (Cocteau war auf beinahe allen künstlerischen Ebenen aktiv, befreundet mit Picasso und hatte Verhältnisse mit Männern und mit Frauen) machen ihn und auch dieses wundervolle Buch zu Lichtgestalten in einer oftmals heute erstarrten Grautönigkeit.

Dabei ist an diesem Buch vom Inhalt her nichts Lichtes. Die ganze Zeit schwankt es in einer unbedrohlichen Dämmerung umher; der Hauptteil der ganzen, lebendigen Gefühlsoffenbarungen spielt sich in der Nacht ab, denn die beiden Geschwister Elisabeth und Paul, sind nun mal "Kinder der Nacht".

Ich zögere genaure Angaben über den Inhalt zu machen, denn jede Festlegung scheint mir bei diesem Buch wie eine Ausfahrt, wie ein Ablenken von diesem wunderbaren, ganz in sich stimmigen Traumrausch, den man während des Lesens erlebt. Weder ist dieses Buch ein surrealistisches Buch, noch kann man es ein reales Buch nennen. In wunderlicher Weise bezieht es aus beidem sein Nötigstes und lebt zwischen beidem wie im Schwebezustand. Jeder Satz, jeder Absatz ist wie ein kleiner Atemzug, im ganzen Leben des Buches; das ganze Buch eine kleine, aufs wunderbarste in den Zauber des Behütenden eingefasste Welt.

Es ist eine wunderbare Liebesgeschichte; es ist eine wunderbare Erfahrung von Kindheit, Furcht, lebendiger Regungen und traurigbizarrer Atmosphäre. Jeder sollte dieses Buch auf seine Weise erfahren, denn es steckt darin ein Urbild unser selbst, die wir, der Kindheit entwachsen, immer noch glauben, dass unsere Welt mehr zählt, als diese dort draußen.

Cocteau hatte also Recht: Er erregt Anstoß, aber nicht irgendwo draußen in der rohen Materie, sondern ganz drinnen, vielleicht bei etwas ganz vergessenem...

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