Jean Echenoz Laufen

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Inhaltsangabe zu „Laufen“ von Jean Echenoz

Die Welt jubelt ihm zu. Sein Laufstil lässt zu wünschen übrig, aber er ist sein eigener Coach, trainiert mit schwerem Schuhwerk und Gewichten an den Beinen, und bei den ersten Wettkämpfen nach dem Krieg erläuft er zwei Rekorde und olympisches hes Gold für die C°SR. Und er läuft immer in Rot, der Farbe der proletarischen Revolution: Emil Zátopek wurde zur Symbolfigur für den Erfolg des Sozialismus gemacht. Sein Protest beim Prager Frühling jedoch wird ihm zum Verhängnis, und als er nach Jahren der Verbannung eine Arbeit bei der Müllabfuhr bekommt, jubeln die Leute ihm noch immer zu, wenn sie ihm auf der Straße begegnen. Eine atemberaubende Sportlerkarriere, so eng mit der Geschichte verwoben, dass dieser Roman, den Echenoz aus Zátopeks Leben spinnt, zu einer Parabel der Diktatur wird.

Schwungvolles Büchlein über die "tschechische Lokomotive" bzw. den "Greatest Runner of All Time".

— Soeren83

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  • Die tschechische Lokomotive

    Laufen

    Buecherschmaus

    30. August 2017 um 12:55

    Emil Zátopek – „die tschechische Lokomotive“, Ausnahmesportler, Olympiasieger 1948 und 1952, vier olympische Goldmedaillen, davon drei allein 1952, jahrelanger Weltrekordhalter in allen Distanzen ab 5000m, insgesamt 18 Weltrekorde. Es ist die Magie der Literatur, mir als mäßig an Sportereignissen und nahezu gar nicht an Leichtathletik Interessierter, der das Langstreckenlaufen schon immer als eine der ödesten aller auszuübenden Sportarten erschien, diesen lange vor meiner Zeit aktiven Athleten nahezubringen, mich seine Wettkämpfe mit Spannung verfolgen und an seinem Schicksal Anteil nehmen zu lassen. Es ist die besondere Magie der Literatur von Jean Echenoz, wie leise, unaufdringlich und eindrücklich das geschieht. Echenoz hat bereits in seinem ebenso schmalen Roman „Ravel“ ein an den biographischen Eckdaten des Komponisten Maurice Ravel orientiertes, bestimmte Lebenssituationen herausgreifendes literarisches Porträt geschaffen. Dabei ging es ihm genauso wenig wie in „Laufen“ um biographische Genauigkeit, geschweige denn Vollständigkeit, auch wenn die Fakten genauestens recherchiert sind. Er schafft mit seinen Romanen elegante Lebensminiaturen, in denen das Zeithistorische lediglich, wenn auch erhellendes, Beiwerk bleibt. Er schafft stattdessen ein Gefühl für das geschilderte Leben und ein Porträt, das man so schnell nicht vergisst.Emil Zátopek kam eher unfreiwillig zum Leistungssport. Zur Zeit der deutschen Besatzung arbeitete er in einem ungeliebten Beruf bei den Bata-Schuhwerken. Es war die Zeit der körperlichen Ertüchtigung und die Werke mussten eine Leichtathletikmannschaft aufstellen, gefragt wurde da nicht lang. Emil erwies sich überraschenderweise als guter Läufer. „Du läufst merkwürdig, aber du läufst gar nicht schlecht.“ So der Trainer. Aus dem „gar nicht schlecht“ wurde mit den Jahren einer der erfolgreichsten Läufer aller Zeiten. Goldstandard sozusagen. Das brachte Zátopek auch zu einer steilen Karriere in der sozialistischen Tschechoslowakei nach dem Krieg. Er lief nicht gern, aber eben gut. Und das ihm angebotene Amt in der Armee war seiner Schuhfabrikzeit weitaus vorzuziehen. Viel Raum nehmen im Roman themenbedingt Trainingseinheiten und Wettkämpfe ein. Zeithistorische, politische Gegebenheiten fließen nur nebenbei ein. Natürlich werden Zátopek und seine spätere Frau, die Speerwerferin Dana bespitzelt, werden ihre Auslandsreisen argwöhnisch überwacht. Aber Emil ist eigentlich kein politischer Mensch, er will in Ruhe leben, vielleicht ein wenig seine Privilegien genießen. Er arrangiert sich. Umso überraschender, dass er sich 1968, die russische Armee bereitet dem Prager Frühling durch ihren Einmarsch ein Ende, politisch positioniert und einen Olympiaausschluss Russlands für die kommenden Spiele fordert. Ein vielleicht unbedachter Schritt, der ihn sofortigen Ausschluß aus Partei und Armee, sechs Jahre Zwangsarbeit als Lagerist in den berüchtigten Uranminen von Jachymov und danach eine Karriere als Müllmann beschert. Erst nach einer offiziellen Reueerklärung – und weil er, hinter den Müllwagen her joggend und von der Bevölkerung dabei bejubelt, Unruhe bringt -, wird er als Archivar im Sport-Dokumentationszentrum in Prag eingesetzt.Echenoz versucht nie, in seinen Protagonisten hineinzukriechen. Fiktive Gedankengänge, intime Innenschau sind ihm fremd. Bei aller Nähe wahrt er eine immer auch ironische Distanz, ohne seine Figur jemals Bloßzustellen. Unaufdringlich, dezent und anrührend, erzählt er auch skurrile Details. Immer wieder bindet er dabei auch den Leser ein. Und schafft dadurch ein ungeheuer elegantes, ebenso kluges wie heiteres Lebensbild. 

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    • 5
  • Der Beweis: Ein Biographie muss nicht 600 Seiten haben, um den Leser jmd. "kennenlernen" zu lassen

    Laufen

    Soeren83

    02. May 2016 um 12:13

    Ich habe meine ganz persönliche Vorstellung von Emil Zatopek, die geprägt ist von Youtube-Videos seiner Siege, dem Besuch seines Museums in seiner Heimatstadt Koprivnice, wo auch mein Vater geboren wurde, und den Mythen rund um seine unmenschlichen Trainingsprogramme (x-Mal 400 Meter in Militärstiefeln). Dieses Gefühl trifft Jean Echenoz in seinem Büchlein punktgenau. Ich habe es in einem Tag verschlungen und sofort weitergereicht - an meinen Vater, einen anderen Emil aus Koprivnice.

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  • Skurrile kleine Parabel

    Laufen

    Himmelfarb

    19. July 2014 um 12:01

    Skurrile kleine Parabel zum Thema "Sport und Politik/ Diktatur". Echenoz beschreibt das in einer lakonischen Sprache, die ganz nebenbei den Individualismus Emil Zaropeks beschreibt. Die "tschechische Lokomotive" ist einem, dank ihrer Bescheidenheit und Kauzigkeit, sofort sympathisch, und man leidet mit Zatopek, wenn er während des Prager Frühlings kaltgestellt wird. Ein schönes, stilles Buch!

  • Rezension zu "Laufen" von Jean Echenoz

    Laufen

    WinfriedStanzick

    17. August 2012 um 08:22

    Für die Älteren wird sein Name immer verbunden bleiben mit dem "Laufen", auch wenn sie ihn, wie der 1954 geborene Rezensent, nie haben laufen sehen. Die Rede ist von der "tschechischen Lokomotive" Emil Zatopek, dem der französische Schriftsteller Jean Echenoz mit dem vorliegenden, nur schlanken 125 Seiten umfassenden Roman ein wunderbares literarisches Denkmal gesetzt hat. Schon in seinem Buch über Maurice Ravel hat Echenoz gezeigt, wie er ein Leben in seinen Facetten so zwischen zwei Buchdeckel bringen kann, dass man das Gefühl hat, man wäre mitten in diesem Leben drin. Zunächst hatte der später berühmte Läufer mit dem Sport nichts im Sinne. Bei einem Wettkampf im "Reichprotektorat" wird, er ist gerade siebzehn Jahre alt, das Talent Emil Zatopeks entdeckt. Er läuft, um anderen einen Gefallen zu tun, und gewinnt erst mit der Zeit eine eigene Freude an der laufenden Bewegung. Zwar hebt er sich durch einen eigenen Laufstil von allen anderen ab - er sollte ihm bald den Vergleich mit der Lokomotive einhandeln, den er nie wieder loswurde-, er besteht auch bis zum Ende seiner Laufbahn auf seinen eigenen Trainingsmethoden, doch schon vor dem Krieg , und erst unter den neuen kommunistischen Machthabern nach 1945 wird er zum Objekt andere Interessen. Seine Erfolge und Siege sind für die kommunistischen Diktatoren unter der Fuchtel Moskaus willkommene Zeichen für die Überlegenheit ihres Systems, das glauben sie tatsächlich. Emil läuft immer in einem roten Trikot, der Farbe der Revolution, um seine Vorgesetzten im Militär zu beeindrucken, in das er bald aufgenommen wird und in dessen Hierarchie er mit jedem seiner glorreichen Siege weiter aufsteigt. 1948 bei der ersten Nachkriegsolympiade in London holt er Gold und 4 Jahre später in Helsinki, läuft er über 5000 Meter, über 10 000 Meter und über die Marathonstrecke zu unglaublichen drei Goldmedaillen. Jean Echenoz nähert sich dem Leben dieses Ausnahmesportlers sehr feinfühlig und zurückhaltend. Dabei wechselt er dauernd ab zwischen Nähe und auch ironisch getönter Distanz. Als Emil Zatopek, seine aktive Laufbahn ist längst vorbei, während des Prager Frühlings 1968 zum ersten Mal in seinem Leben auf der falschen Seite steht, wird er aus der Armee ausgeschlossen und in die Uranminen geschickt. Später, als man ihn wieder nach Prag zurücklässt und ihn als Müllfahrer beschäftigt, hat das auch keine lange Dauer, denn die Menschen kommen morgens aus ihren Häusern und feuern ihren Müllmann an wie früher. "Laufen" ist so nicht nur eine wunderbare erzählte, zum Teil fiktionale Geschichte über einen beeindruckenden Menschen, sondern es ist gleichzeitig eine stille Anklage gegen die Diktatur in jeder Form. Das Buch ist ein absoluter Lesegenuss, seine Sprache ist stellenweise fast poetisch.

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