Jean Liedloff

 4.1 Sterne bei 40 Bewertungen

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Auf der Suche nach dem verlorenen Glück

 (38)
Neu erschienen am 25.05.2020 als Taschenbuch bei C.H.Beck.

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Rezension zu "Auf der Suche nach dem verlorenen Glück" von Jean Liedloff

Ein Gefühl von Richtigkeit
Janine2610vor 10 Monaten

Buchrückseite:

Im Dschungel Venezuelas trifft Jean Liedloff, eine junge Amerikanerin, auf die Yequana-Indianer. Fasziniert vom offenkundigen Glück dieser "Wilden", bleibt sie insgesamt zweieinhalb Jahre bei dem Stamm und versucht, die Ursachen dieses glücklichen und harmonischen Zusammenlebens herauszufinden. Sie entdeckt dessen Wurzeln im Umgang dieser Menschen mit ihren Kindern und zeigt, wie dort noch ein bei uns längst verschüttetes Wissen um die ursprünglichen Bedürfnisse von Kleinkindern existiert, das wir erst neu zu entdecken haben.

Meine Meinung:

Empfohlen wurde das Buch von einer YouTuberin und ich bin sehr froh, dass ich es mir gekauft habe, denn schon während des Lesens habe ich das starke Gefühl bekommen, dass es das wichtigste Buch meines Lebens ist. Dieses Gefühl hat sich bis zum letzten Satz nicht verändert. Ich bedauere sogar, es nicht schon viel früher gelesen zu haben.

Jean Liedloff hat auf einer Expeditionsreise in den venezolanischen Urwald den Yequana-Stamm kennengelernt und war sofort enorm fasziniert davon, wie glücklich diese Menschen sind und welche Zufriedenheit sie ausstrahlen. Weil sie herausfinden wollte, warum es bei den Yequana kein Wort für Unglück oder Unzufriedenheit gibt, ist sie geblieben. Insgesamt 2,5 Jahre lebt und beobachtet sie den venezolanischen Stamm und zieht logische Schlüsse. In dieser Zeit erkennt sie, dass es der Umgang mit den Babys und Kindern ist (der sich zu dem unsrigen größtenteils stark unterscheidet), der sie zu glücklichen, zufriedenen und selbstbewussten Erwachsenen werden lässt.

Babys sind Traglinge

Der Zeitraum in der gesamten Menschheitsgeschichte, in dem wir unsere Babys nicht mehr tragen, ist so unbedeutend kurz. Jedes Baby, das heute zur Welt kommt, erwartet getragen zu werden. In seinem inneren Bauplan ist es quasi vorgesehen, so behandelt zu werden wie die Babys vor tausenden von Jahren. Das Gitterbett (alleine in einem anderen Zimmer zu schlafen), Laufställe, Wippen, Autoschalen und nicht zuletzt Kinderwägen, sind höchst unnatürliche, irritierende Dinge für ein Baby. Es sind Erfindungen der Neuzeit/Gegenstände, die einem den Alltag erleichtern sollen. In Wahrheit schaffen sie vor allem eines: Distanz zu deinem Kind. Das schöne, beruhigende Gefühl des Getragenwerdens, das Nähe, Selbstvertrauen, Urvertrauen, Wärme, Liebe, Sicherheit, das Gefühl von Richtigkeit und viele weitere Kompetenzen entstehen lässt, erfahren Babys durch diese Erfindungen nicht. Es gibt genug Babys, die es lautstark einfordern, getragen zu werden. Es gibt leider aber auch viele, die mucksmäuschenstill sind und es nicht einfordern. Letztere erwarten und brauchen das Getragenwerden aber ganz genauso.

Bis etwa zur Mitte des Buches beschreibt Liedloff das Leben eines Babys bei den Yequana und das Leben eines Babys in der Zivilisation. Die Beschreibungen über das Yequana-Baby fand ich hochinteressant. Ich war erstaunt darüber, dass die Yequana-Babys, bis sie anfangen zu kriechen, in ständigem Körperkontakt mit einem anderen Menschen sind. Wie dieser Stamm mit ihren Babys umgeht, ist faszinierend und hat in mir eine große Motivation und Zustimmung hervorgerufen. Zutiefst anregend ist es, wie das Yequana-Baby seinen Tag verbringt.
Das Baby hingegen in der Zivilisation ... fürchterlich! (Hinzu kommt hier, dass das Buch in den 1970er-Jahren geschrieben wurde und es da bei uns ja noch gang und gäbe war, seine Babys weinend in andere Zimmer zu schieben, um sie auf keinen Fall zu "verwöhnen"!) Die Autorin schildert das triste, wenig bis gar nicht anregende, Dasein eines Säuglings, der seine ersten Lebensmonate hauptsächlich liegend verbringt. Und das macht sie auf so eindringliche Art und Weise, dass es mich tief berührt und sehr traurig gemacht hat. Wenn man sich in so ein Baby hineinversetzt, was ich getan habe, dann bleibt einem eigentlich auch nichts anderes übrig als zu weinen. Dieser Abschnitt hat mich sehr mitgenommen und mich noch einmal zusätzlich bestätigt, dass ich es ab nun bei meiner Tochter anders machen werde und sie nur mehr getragen wird.

Das Gefühl, dass etwas fehlt

Im zweiten Teil des Buches widmet sich Liedloff sehr viel und ausgiebig den verschiedensten Auswirkungen vom Nichtgetragenwerden/einer nicht artgerechten Erziehung. Und auch das fand ich sehr spannend, denn viele der Gefühle, die beschrieben werden, konnte und kann ich nach wie vor fühlen und das war für mich wie eine Offenbarung. Zu wissen und zu verstehen, warum man sich ab und zu so fühlt, wie sich bestimmt der Großteil der Menschen in unseren Breitengraden fühlt, ist zum Teil tröstlich, zum Teil befreiend.

Jeder, der ein Baby bzw. Kinder hat oder vorhat, Kinder zu bekommen, sollte dieses Buch lesen! Der Inhalt ist SEHR wichtig und enorm bereichernd und ich würde mir wirklich wünschen, dass er mehr Beachtung erfährt. Am liebsten würde ich ja hergehen und jedem, den ich kenne, dieses Buch schenken.

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Rezension zu "Auf der Suche nach dem verlorenen Glück" von Jean Liedloff

Abgebrochen!
ErleseneBuechervor 3 Jahren

Ich kann immer wieder betonen: Ich
breche so ungern Bücher ab und zwinge mich oft zähe, langweilige,
schlechte Bücher weiterzulesen und ihnen eine Chance zu geben. Aber
manchmal merke auch ich, dass es einfach verschwendete Lebenszeit ist.
So war es leider auch hier und ich weiß, einige schwören auf dieses Buch
und werden diese Rezension nicht lesen oder gleich denken, die hat es
wohl nicht verstanden. Aber doch hat sie! Die Botschaft von Frau
Liedloff ist enorm wichtig und gerade zu der damaligen Zeit, als das
Buch erschienen ist, unglaublich fortschrittlich (oder eher archaisch)
und revolotionär. Keine Frage! Ich selbst bin eine Verfechterin des
Langzeitstillens, des Familienbettes und weiß um die Bedeutung des
Tragens.

Jetzt kommt das „Aber“. Aber ich habe von
dem Buch anderes bzw. mehr erwartet. Ich dachte, es geht viel mehr um
ihre Expeditionen zu den Yequana-Indianern. Es fing so vielversprechend
an, aber dann ging es seitenlang nur noch um ihre „Kontinuumhypothese“.
Die ich auch gut finde, die aber dann auch verstanden wurde und nun
hätte ich sie gerne mit konkreten Beispielen aus der eigenen Lebenswelt
oder eben aus der Welt der Yequana-Indianer gefüllt gesehen. Dem war
aber nicht so (zumindes bis S. 64). Für mich war das lauter zäher,
theoretischer und leider auch sehr dogmatischer Kram.


Wie gesagt, möchte ich auf keinen Fall
die Bedeutung von Liedloffs These schmälern, aber dieses Buch war für
mich unerträglich und eben enttäuschend, da anderes erwartet wurde. Ich
denke, dass ich es noch nicht weggebe und noch behalten werde,
vielleicht überkommt es mich ja doch noch. Allerdings werden meine
Kinder ja eher älter und da ich sowieso auf mein Inneres höre, soll ich
mir ja – wie Liedloff sagt – nicht reinquatschen lassen.


Bewertung: 1 von 5 Punkten

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Rezension zu "Auf der Suche nach dem verlorenen Glück" von Jean Liedloff

empfehlenswert
susanne_schenkvor 4 Jahren

hier wird deutlich wie weit "überzivilisierung" uns von unseren natürlichen instinkten entfernt.

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