Jean Prévost

 3.8 Sterne bei 5 Bewertungen

Lebenslauf von Jean Prévost

Jean Prévost (1901–1944) war ein französischer Schriftsteller. Er arbeitete u.a. als Politik- und Kulturjournalist. Er entdeckte Saint-Exupéry und war mit Hemingway befreundet. Der glühende Verfechter der französischen Republik fiel als Résistancekämpfer am 1. August 1944 in den westlichen Alpen.

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Das Salz in der Wunde

Das Salz in der Wunde

 (5)
Erschienen am 11.05.2015

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Rezension zu "Das Salz in der Wunde" von Jean Prévost

Der Schein trügt - zumindest mich
HarIequinvor 3 Jahren

Dieudonné Crouzon verliert auf einen Schlag seinen Freundeskreis und damit auch sein bisheriges Leben. Gekränkt verlässt er Paris und zieht nach Chateauroux, einer kleinen Provinzstadt. Vom Gedanken an Rache angetrieben, arbeitet er sich vom unbedeutenden Journalisten einer Wahlkampfzeitung hoch, bis er sein eigenes kleines Imperium besitzt.

Ich habe wirklich viel von diesem Roman erwartet. 1934 geschrieben und jetzt endlich auf Deutsch übersetzt, interessanter Klappentext und ein sehr atmosphärisches Cover – eigentlich alles perfekt für mich.

Vorweg möchte ich sagen, dass er sich trotz der folgenden Kritikpunkte sehr gut lesen lässt. Die Kapitel sind weder zu lang, noch zu kurz, der Schreibstil ist angenehm und es kommt das altmodische Feeling auf, auf das ich gehofft hatte.

Zum Roman selbst gibt es noch einige hilfreiche Anmerkungen, die im Text mit kleinen Nummern versehen sind und man hinten im Buch nachschlagen kann.

Die Ernüchterung kam für mich schon nach den ersten paar Seiten. Den „Skandal“ fand ich absolut albern und die Reaktion darauf vollkommen unverständlich. Aber gut, als Auslöser für den Rest der Geschichte konnte ich das „Skandälchen“ noch hinnehmen. Nur hat diese mich leider auch nicht überzeugen können. Ereignisse folgen Knall auf Fall, bei Crouzons Arbeit hatte ich oft keine Ahnung, was er eigentlich gerade macht und anfangs werden so viele verschiedene Personen eingeführt, dass ich schnell den Überblick verloren habe. Bei manchen Sätzen wusste ich nach dreimaligen Lesen noch nicht, was Jean Prévost mir eigentlich sagen wollte.

Hinzu kommt, dass ich noch nie über einen Haufen so unsympathischer Menschen gelesen habe, wie in diesem Buch. Crouzon konnte ich noch als den kühlen Emporkömmling hinnehmen, aber der Rest seiner Umgebung war für mich leider genauso unerträglich wie er selbst. Ich hatte anfangs wirklich Probleme in die Geschichte hineinzukommen und erst ab 1/3 des Romans bin ich wenigstens ein bisschen wärmer damit geworden. Für Rache-Geschichten bin ich eigentlich zu haben, aber in diesem Fall war sie mir schlicht zu trocken und belanglos. So konnte sich die erhoffte Begeisterung leider bis zur letzten Seite nicht einstellen.

Vielleicht habe ich „Das Salz in der Wunde“ anfangs auf ein zu hohes Podest gestellt, aber so war es für mich leider Enttäuschung pur. Trotz solidem Grundgerüst blieb der Roman für mich weit unter meinen Erwartungen.  

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Rezension zu "Das Salz in der Wunde" von Jean Prévost

Nur für absolute Klassiker-Liebhaber
wandabluevor 3 Jahren

Nur für absolute Klassiker-Liebhaber.
Das „Salz in der Wunde“ ist der Roman eines französischen Autors, der 1934 veröffentlicht und 2015 neu aufgelegt wurde. Wohl weil der Autor in der Résistance gekämpft hat, mit 43 Jahren von den Deutschen im Zweiten Weltkrieg erschossen wurde und weil er 1943, ein Jahr vor seinem Tod, den Großen Literaturpreis der Académie française für diesen Roman erhielt.  Ich habe eine alte Fassung gelesen.

Es geht um die kurze Geschichte Dieudonné Crouzons, eines Juristen, den es Umstände halber in die Provinz verschlägt, wo er zuerst als Wahlhelfer für die republikanischen Kreiskandidaten mittels des Postens als Chefredakteur Schützenhilfe leistet, sich deren Gunst verscherzt und bei der konkurrierenden Zeitung, die sich sinnigerweise auf der Straßenseite gegenüber befindet, anheuert, anschliessend dank innovativer Ideen wohlhabend wird und wieder nach Paris zurückkehrend, triumphierend „mein Haus, mein Boot, mein Pferd“ etc. spielt.

Interessant dürften Gemütslage und Motivation des reichlich unsympathischen Protagonisten sein und seine Denke über die leicht zu manipulierende Oberschicht, für die er hauptsächlich Verachtung empfindet. Waren diese Innerlichkeiten preiswürdig? Anscheinend.

Persönliches Leseerlebnis: Nachdem mich Personen, Ereignisse und Stil zu Anfang gründlich langweilten und ich über „den Franzosen in der Kunst an und für sich“ gründlich seufzte, gelang es dem Büchlein, mich durch die erstaunliche unternehmerische Findigkeit des Protagonisten ein wenig für sich einzunehmen. Charakter und Motivation fand ich zwar verwunderlich; aber nicht faszinierend und schon gar nicht nachvollziehbar, sondern ziemlich "französisch". Der Stil ist altertümelnd und blieb mir fremd.

Fazit: Mäßig spannende Lektüre. Muss man diesen Klassiker gelesen haben? Meine Antwort darauf könnt ihr leicht erraten.

Kategorie: Klassische Literatur
Verlag: Manesse, Zürich, 2015



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Rezension zu "Das Salz in der Wunde" von Jean Prévost

Vom Fall und Aufstieg eines jungen Mannes in den 20er Jahren in Frankreich
Marina_Nordbrezevor 3 Jahren

Dieses Buch ist toll. Man schlägt die erste Seite auf und - WUSCH - ist man direkt in der Handlung. Keine langen Erklärungen, kein Prolog, nix. Der erste Satz - "Kennst du dich eigentlich, Crouzon?" - wirft einen direkt in das Wohnzimmer von Dousset, einem Freund von Crouzon, dem Hauptprotagonisten. Aus dieser einfachen Frage, an die ein Vorwurf geknüpft ist (Dousset behauptet nämlich Crouzon hätte ihm die Brieftasche geklaut) entspinnt sich die komplette Handlung, auch, wenn die Szene im Wohnzimmer gerade mal vier Seiten andauert, der Vorwurf des Diebstahls ist bis dahin auch widerlegt. Es folgen aber noch 239 Seiten, auf denen wir Crouzon ins selbstgewählte Exil aufs Land begleiten und dort seinen Aufstieg zu einem mächtigen Mann erleben dürfen. Das Buch dreht quasi die Redewendung "Aufstieg und Fall" um und beschäftigt sich mit dem Fall und Aufstieg eines jungen Mannes, der sich in der Provinz durch kluge Ideen und geschickte Investments vom Wahlkampfhelfer bei einer Wahlkampfzeitung zum Besitzer einer eigenen Zeitung und Druckerei wandelt. 

In einer Zeit, in der es das Wort "Marketing" noch nicht gab bzw. einfach nur "Reklame" hieß, schafft es Crouzon durch Konzentration auf die Region - Ansprache der örtlichen Händler statt Werbeanzeigen für Kaufhäuser in Paris, Veröffentlichung von regionalen Nachrichten und Kleinanzeigen - seine Zeitung sowie seine Druckerei, trotz anfänglicher Skepsis der Landbewohner, erfolgreich zu etablieren. Diese Zeitreise in die Werbebranche (mehr oder weniger Werbebranche) fand ich sehr spannend. "Das Salz in der Wunde" hat mal wieder den 20er-Jahre-Vorteil. Und es spielt in Frankreich. Auch wenn ich einige Begriffe und Zusammenhänge nicht ganz verstanden habe, aber dafür hat das Buch einen sehr nützlichen Anmerkungsteil. 

"Das Salz in der Wunde" ist die erste deutsche Übersetzung, die es von Jean Prévost gibt. Das Nachwort verrät, dass es noch ein paar mehr Romane von ihm gibt, die aber alle noch nicht übersetzt wurden. Schade, mir hat nämlich der sehr kühle, sachliche Schreibstil, der Aufbau der Geschichte und die Charaktere sehr gut gefallen. Vielleicht kommt da ja noch mehr. 

Und - mir gefällt das Buch optisch sehr gut. Schwarz-weißes Foto als Cover, orange Highlights im Titel, die Farbe findet sich im Lesebändchen wieder, grauer Leinenumschlag. Ja, doch. Sehr schick. Und hinten im Buch ist noch Werbung für weitere Bände aus der Reihe "Klassiker der Modernen", die mich neugierig gemacht hat. Glücklicherweise habe ich entdeckt, dass ich einen Band davon ("Die Party bei den Jacks" von Thomas Wolfe) sogar schon besitze, ein anderer Band ("Dämmerschlaf" von Edith Wharton) ist auf meine Wunschliste gewandert. 

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Jean Prévost wurde am 13. Juni 1901 in Frankreich geboren.

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