Jean Rhys

 3.7 Sterne bei 36 Bewertungen
Autor von Wide Sargasso Sea, Sargassomeer und weiteren Büchern.

Lebenslauf von Jean Rhys

Ella Gwendoline Rees Williams wurde 1890 als Tochter eines walisischen Arztes und seiner kreolischen Ehefrau schottischer Abkunft auf der Karibikinsel Dominica geboren. Mit 16 Jahren ging sie nach England, wo sie sich, nach einer gescheiterten Schauspielausbildung, in der Welt der Revuetheater bewegte und in wechselnden Beziehungen Halt suchte. Die 20er Jahre verbrachte sie im Umkreis der Pariser Künstlerszene und avancierte dort unter dem Pseudonym Jean Rhys zur Schriftstellerin. 1927 erschien die Kurzgeschichtensammlung „Left Bank“, ein Jahr später der Schlüsselroman „Postures“ (später „Quartet“). Es folgten drei weitere Romane im psychologisch-experimentellen Stil des Modernismus: „After Leaving Mr Mackenzie“ (1931), „Voyage in the Dark“ (1934) und „Good Morning, Midnight“ (1939). Das Erscheinen des Romans „Wide Sargasso Sea“ führte 1966 zu einer spektakulären Wiederentdeckung der Autorin, die 1979 starb und heute als etablierte Vertreterin der postkolonialen anglo-karibischen Literatur gilt.

Quelle: Verlag / vlb

Alle Bücher von Jean Rhys

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Cover des Buches Sargassomeer9783833302640

Sargassomeer

 (7)
Erschienen am 01.01.2005
Cover des Buches Die weite Sargassosee9783423145718

Die weite Sargassosee

 (5)
Erschienen am 09.06.2017
Cover des Buches Guten Morgen, Mitternacht9783833302626

Guten Morgen, Mitternacht

 (2)
Erschienen am 01.01.2005
Cover des Buches Das Rauschen des Flusses9783981855548

Das Rauschen des Flusses

 (1)
Erschienen am 01.10.2018
Cover des Buches Irrfahrt im Dunkel9783833302633

Irrfahrt im Dunkel

 (1)
Erschienen am 01.01.2005
Cover des Buches Wide Sargasso Sea9780393352566

Wide Sargasso Sea

 (22)
Erschienen am 12.01.2016
Cover des Buches Good Morning, Midnight9780141183930

Good Morning, Midnight

 (1)
Erschienen am 03.08.2000

Neue Rezensionen zu Jean Rhys

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H

Rezension zu "Das Rauschen des Flusses" von Jean Rhys

Juwel
Helke_Voss_bechervor 8 Monaten

Jean Rhys gelingt es in dieser dichten Kurzprosa, die Beziehung eines Paares im Verlauf weniger entscheidender Stunden zu "dekodieren": Die Kluft zwischen Gedachtem und Gesprochenem offenbart die Kluft zwischen den beiden vor dem Hintergrund einer wachsenden, einer "gelben" Angst, die sich der Frau aus und in der Natur nähert.

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Rezension zu "Die weite Sargassosee" von Jean Rhys

Die Hölle der Mrs. Rochester
RosaEmmavor 4 Jahren

Dieser einzigartige Klassiker, den ich euch heute vorstellen möchte, hat meine Sicht auf einen meiner Lieblingsromane des Viktorianismus – Jane Eyre von Charlotte Brontë – grundlegend verändert, denn bis dato zählte der düstere Protagonist mit der romantischen Seele, Edward Rochester, in den Jane Eyre sich hoffnungslos verliebt, zu meinen favorisierten literarischen Anti-Helden. Charlotte Brontë zeichnete ihn als einsamen, verbitterten Mann, der seine wahnsinnige Frau Bertha auf dem Dachboden seines Herrenhauses Thornfield Hall vor aller Welt versteckt hält, um sie vor sich selbst zu beschützen. Bertha, die aus der Karibik stammt, beschreibt Brontë als völlig außer Kontrolle geratene, gewalttätige Frau, die Rochester das Leben zur Hölle macht.  Mehr erfährt der Leser über diese mysteriöse Frau nicht.

Die tragische Geschichte der Mrs. Rochester

In ihrem großartigen Roman Die weite Sargassosee gibt Jean Rhys Rochesters wahnsinniger Frau, der „Mad Woman in the Attic“1, eine Stimme und erzählt ihre tragische Lebensgeschichte, die sowohl Bertha als auch Rochester in einem völlig anderen Licht erscheinen lässt. Als ich den Roman das erste Mal las, war ich von Jean Rhys‘ literarischer Ausdruckskraft begeistert: Sie ist eine geniale Erzählerin, die diese Vorgeschichte von Jane Eyre so brillant konzipiert hat, dass man als Leser das Gefühl hat, die beiden Romane seien parallel zueinander entstanden, obwohl dies nicht der Fall ist (Jane Eyre wurde 1847 veröffentlicht, Wide Sargasso Sea 1966).

Traumatisiertes Kind und willensstarke Heranwachsende

Der Bewußtseinsroman, der im Jamaika des 19. Jahrhunderts und in England spielt, besteht aus drei Teilen: Teil 1 entfaltet sich auf Coulibri, einer einst glanzvollen, aber nun heruntergekommenen Plantage auf Jamaika. Die Protagonistin Antoinette Cosway (so lautet der richtige Name von Bertha, Rochester hatte ihr diesen weniger wohlklingenden Namen gegeben, weil ihm Antoinette nicht gefiel) erzählt von tragischen und unglücklichen Ereignissen ihrer Kindheit und Jugend, die von der Krankheit ihres kleinen Bruders und der mentalen Instabilität ihrer Mutter geprägt waren. Darüber hinaus fühlt sich Antoinettes Familie von der wachsenden Feindseligkeit der Schwarzen, die nach der Abschaffung der Sklaverei zu Recht aufbegehren, mehr und mehr bedroht, bis schließlich eine Katastrophe über sie hereinbricht, nach der nichts mehr so ist wie es war.

Die fremde karibische Ehefrau

In Teil 2 lässt Rhys die Leser abwechselnd in Rochesters, dessen Namen Rhys nie erwähnt, und Antoinettes Gedankenwelt eintauchen. Beide berichten von ihren unterschiedlichen Eindrücken ihrer Hochzeitsreise nach Granbois/Dominica. Für Rochester war es keine Liebesheirat, und er gibt zu, dass seine Frau für ihn eine Fremde ist, deren Ansichten und Umfeld er nicht versteht. Für ihn ist sie ein „Produkt“ der Karibik, das absolut unenglisch ist und mit dem er nicht das Geringste gemeinsam hat. Als er dann auch noch einen Brief erhält, in dem Antoinette und ihre Mutter auf das Übelste diffamiert werden, steht seine Meinung fest: Er muss diese ungezähmte Wilde, deren Sinnlichkeit ihm unheimlich ist, in ihre Schranken weisen. Doch Antoinette, die sich in Rochester verliebt hat, ist nicht gewillt, so schnell aufzugeben. Sie bittet ihre alte Nanny Christophine, die Vodoo praktiziert und Antoinettes Ehemann verabscheut, ihm ein Mittel unterzumischen, das ihn in leidenschaftlicher Liebe zu ihr entbrennen lässt. Doch ihr Plan geht schief und Rochester setzt alles daran, um seine Frau endgültig zu brechen.

Die Gefangene

Teil 3 ist der kürzeste und für mich berührendste Teil des Romans, der besonders unter die Haut geht. Rhys lässt uns in Antoinettes Bewußtseinsstrom eintauchen, die von Rochester nach England gebracht wurde und nun in einem geheimen kalten Dachzimmer auf seinem englischen Landsitz vor sich hin vegetiert. Erinnerungsfetzen an die besonderen Blumendüfte, das Meer, die Wärme und die wunderbaren Farben der Karibik vermischen sich mit abgrundtiefer Verzweiflung und Aussichtslosigkeit. Doch ein Funke Rebellion in ihr ist geblieben:  Immer wenn ihre strenge Aufpasserin, die Dienstmagd Grace Poole, schläft, verlässt sie ihr Gefängnis und erkundet das Haus, obwohl sie weiß, dass es für sie kein Entkommen gibt. Und so entschließt sie sich letztendlich, den einzigen Ausweg auf Selbstbestimmung zu wählen, der ihr geblieben ist..

Ein Meisterwerk von berührender psychologischer Tiefe

Dieser Roman ist ein großartiges Psychogramm einer Frau des 19. Jahrhunderts, deren innere Zerrissenheit durch die destruktiven Mechanismen ihres gleichgültigen und vorurteilsbehafteten Ehemanns forciert wird und sie schließlich zu einem einsamen und verzweifelten Wesen macht, dem man nur allzu gerne das Etikett „wahnsinnig“ anheftet. Von der leidenschaftlichen Frau, die ihr leuchtend rotes Kleid mit so viel Stolz trug, ist nichts geblieben – außer der Erinnerung an glückliche Momente, die mehr und mehr verblassen. Die weite Sargassosee ist aber auch ein ebenso gelungenes Psychogramm Rochesters, das ungewöhnliche Einblicke in die männliche Gedankenwelt der damaligen Zeit eröffnet und dieser literarischen Figur eine ganz andere Dimension gibt. Alles in allem ist Jean Rhys mit diesem Roman ein Meisterwerk gelungen, das für mich ein absolutes Must Read ist – auch wenn ihr Jane Eyre nicht gelesen habt.

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Rezension zu "Good Morning, Midnight" von Jean Rhys

Jean Rhys - Good Morning, Midnight
a_boatfullof_booksvor 5 Jahren

Ein herzzerreissender Klassiker. Eine junge Frau, hoffnungslos von einem Café zum anderen wandernd, weil sie nicht allein sein will, aber auch nicht so recht unter Leuten, weil sie Angst hat und doch so gern wollen würde. RHYS kann so großartig erzählen und dabei ein Gefühl rüber bringen. Wir sind mit ihr zynisch und traurig und antriebslos und verzweifelt und wollen lieben und haben angst davor und... das Ende, das Ende macht es alles wert.

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