Jean Rhys

 3.5 Sterne bei 31 Bewertungen
Autor von Wide Sargasso Sea, Sargassomeer und weiteren Büchern.

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Das Rauschen des Flusses

Neu erschienen am 01.10.2018 als Buch bei Golden Luft Verlag.

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Sargassomeer

Sargassomeer

 (6)
Erschienen am 01.01.2005
Die weite Sargassosee

Die weite Sargassosee

 (5)
Erschienen am 09.06.2017
Guten Morgen, Mitternacht

Guten Morgen, Mitternacht

 (2)
Erschienen am 01.01.2005
Irrfahrt im Dunkel

Irrfahrt im Dunkel

 (1)
Erschienen am 01.01.2005
Das Rauschen des Flusses

Das Rauschen des Flusses

 (0)
Erschienen am 01.10.2018
Wide Sargasso Sea

Wide Sargasso Sea

 (19)
Erschienen am 12.01.2016
Good Morning, Midnight

Good Morning, Midnight

 (1)
Erschienen am 03.08.2000

Neue Rezensionen zu Jean Rhys

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RosaEmmas avatar

Rezension zu "Die weite Sargassosee" von Jean Rhys

Die Hölle der Mrs. Rochester
RosaEmmavor 3 Jahren

Dieser einzigartige Klassiker, den ich euch heute vorstellen möchte, hat meine Sicht auf einen meiner Lieblingsromane des Viktorianismus – Jane Eyre von Charlotte Brontë – grundlegend verändert, denn bis dato zählte der düstere Protagonist mit der romantischen Seele, Edward Rochester, in den Jane Eyre sich hoffnungslos verliebt, zu meinen favorisierten literarischen Anti-Helden. Charlotte Brontë zeichnete ihn als einsamen, verbitterten Mann, der seine wahnsinnige Frau Bertha auf dem Dachboden seines Herrenhauses Thornfield Hall vor aller Welt versteckt hält, um sie vor sich selbst zu beschützen. Bertha, die aus der Karibik stammt, beschreibt Brontë als völlig außer Kontrolle geratene, gewalttätige Frau, die Rochester das Leben zur Hölle macht.  Mehr erfährt der Leser über diese mysteriöse Frau nicht.

Die tragische Geschichte der Mrs. Rochester

In ihrem großartigen Roman Die weite Sargassosee gibt Jean Rhys Rochesters wahnsinniger Frau, der „Mad Woman in the Attic“1, eine Stimme und erzählt ihre tragische Lebensgeschichte, die sowohl Bertha als auch Rochester in einem völlig anderen Licht erscheinen lässt. Als ich den Roman das erste Mal las, war ich von Jean Rhys‘ literarischer Ausdruckskraft begeistert: Sie ist eine geniale Erzählerin, die diese Vorgeschichte von Jane Eyre so brillant konzipiert hat, dass man als Leser das Gefühl hat, die beiden Romane seien parallel zueinander entstanden, obwohl dies nicht der Fall ist (Jane Eyre wurde 1847 veröffentlicht, Wide Sargasso Sea 1966).

Traumatisiertes Kind und willensstarke Heranwachsende

Der Bewußtseinsroman, der im Jamaika des 19. Jahrhunderts und in England spielt, besteht aus drei Teilen: Teil 1 entfaltet sich auf Coulibri, einer einst glanzvollen, aber nun heruntergekommenen Plantage auf Jamaika. Die Protagonistin Antoinette Cosway (so lautet der richtige Name von Bertha, Rochester hatte ihr diesen weniger wohlklingenden Namen gegeben, weil ihm Antoinette nicht gefiel) erzählt von tragischen und unglücklichen Ereignissen ihrer Kindheit und Jugend, die von der Krankheit ihres kleinen Bruders und der mentalen Instabilität ihrer Mutter geprägt waren. Darüber hinaus fühlt sich Antoinettes Familie von der wachsenden Feindseligkeit der Schwarzen, die nach der Abschaffung der Sklaverei zu Recht aufbegehren, mehr und mehr bedroht, bis schließlich eine Katastrophe über sie hereinbricht, nach der nichts mehr so ist wie es war.

Die fremde karibische Ehefrau

In Teil 2 lässt Rhys die Leser abwechselnd in Rochesters, dessen Namen Rhys nie erwähnt, und Antoinettes Gedankenwelt eintauchen. Beide berichten von ihren unterschiedlichen Eindrücken ihrer Hochzeitsreise nach Granbois/Dominica. Für Rochester war es keine Liebesheirat, und er gibt zu, dass seine Frau für ihn eine Fremde ist, deren Ansichten und Umfeld er nicht versteht. Für ihn ist sie ein „Produkt“ der Karibik, das absolut unenglisch ist und mit dem er nicht das Geringste gemeinsam hat. Als er dann auch noch einen Brief erhält, in dem Antoinette und ihre Mutter auf das Übelste diffamiert werden, steht seine Meinung fest: Er muss diese ungezähmte Wilde, deren Sinnlichkeit ihm unheimlich ist, in ihre Schranken weisen. Doch Antoinette, die sich in Rochester verliebt hat, ist nicht gewillt, so schnell aufzugeben. Sie bittet ihre alte Nanny Christophine, die Vodoo praktiziert und Antoinettes Ehemann verabscheut, ihm ein Mittel unterzumischen, das ihn in leidenschaftlicher Liebe zu ihr entbrennen lässt. Doch ihr Plan geht schief und Rochester setzt alles daran, um seine Frau endgültig zu brechen.

Die Gefangene

Teil 3 ist der kürzeste und für mich berührendste Teil des Romans, der besonders unter die Haut geht. Rhys lässt uns in Antoinettes Bewußtseinsstrom eintauchen, die von Rochester nach England gebracht wurde und nun in einem geheimen kalten Dachzimmer auf seinem englischen Landsitz vor sich hin vegetiert. Erinnerungsfetzen an die besonderen Blumendüfte, das Meer, die Wärme und die wunderbaren Farben der Karibik vermischen sich mit abgrundtiefer Verzweiflung und Aussichtslosigkeit. Doch ein Funke Rebellion in ihr ist geblieben:  Immer wenn ihre strenge Aufpasserin, die Dienstmagd Grace Poole, schläft, verlässt sie ihr Gefängnis und erkundet das Haus, obwohl sie weiß, dass es für sie kein Entkommen gibt. Und so entschließt sie sich letztendlich, den einzigen Ausweg auf Selbstbestimmung zu wählen, der ihr geblieben ist..

Ein Meisterwerk von berührender psychologischer Tiefe

Dieser Roman ist ein großartiges Psychogramm einer Frau des 19. Jahrhunderts, deren innere Zerrissenheit durch die destruktiven Mechanismen ihres gleichgültigen und vorurteilsbehafteten Ehemanns forciert wird und sie schließlich zu einem einsamen und verzweifelten Wesen macht, dem man nur allzu gerne das Etikett „wahnsinnig“ anheftet. Von der leidenschaftlichen Frau, die ihr leuchtend rotes Kleid mit so viel Stolz trug, ist nichts geblieben – außer der Erinnerung an glückliche Momente, die mehr und mehr verblassen. Die weite Sargassosee ist aber auch ein ebenso gelungenes Psychogramm Rochesters, das ungewöhnliche Einblicke in die männliche Gedankenwelt der damaligen Zeit eröffnet und dieser literarischen Figur eine ganz andere Dimension gibt. Alles in allem ist Jean Rhys mit diesem Roman ein Meisterwerk gelungen, das für mich ein absolutes Must Read ist – auch wenn ihr Jane Eyre nicht gelesen habt.

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StSchWHVs avatar

Rezension zu "Good Morning, Midnight" von Jean Rhys

Jean Rhys - Good Morning, Midnight
StSchWHVvor 4 Jahren

Ein herzzerreissender Klassiker. Eine junge Frau, hoffnungslos von einem Café zum anderen wandernd, weil sie nicht allein sein will, aber auch nicht so recht unter Leuten, weil sie Angst hat und doch so gern wollen würde. RHYS kann so großartig erzählen und dabei ein Gefühl rüber bringen. Wir sind mit ihr zynisch und traurig und antriebslos und verzweifelt und wollen lieben und haben angst davor und... das Ende, das Ende macht es alles wert.

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The iron butterflys avatar

Rezension zu "Guten Morgen, Mitternacht" von Jean Rhys

"Drum gute Nacht, Tag..."
The iron butterflyvor 5 Jahren

Eine namenlose Frau wird von einer guten Freundin zu einer Auszeit nach Paris geschickt. Dort treibt sie durch die trüben Tage, hin- und hergerissen zwischen einer schmerzhaften Vergangenheit und einer aussichtslosen Zukunft. Kein Tag vergeht ohne die Zuflucht zu ihrem Trostspender, dem Alkohol.
Jean Rhys schrieb 1939 die Geschichte einer jungen Engländerin, die sich in einer von Abhängigkeit geprägten Beziehung wiederfindet. Nachdem sie ihrem Mann ins verheißungsvolle Paris folgt, verbessert sich weder die finanzielle Lage der frisch Vermählten durch die prognostizierten großen Aufgaben, noch gewinnt die Frau Sicherheit und Zuversicht in der Beziehung. Die Partnerschaft lebt von großen Versprechungen und dem Streben nach barer Aussichtslosigkeit. Als sie dann ihr Baby bei der Geburt verliert, tröstet sie sich mehr und mehr mit Alkohol. Die Beziehung leidet, das Vertrauen ist gebrochen, der Mann verlässt sie. Zurück in London findet sie nicht wirklich den Halt, den sie sucht und droht immer weiter abzugleiten. Im Irgendwann leiht sich die Freundin Geld, schickt sie in der Hoffnung, die Erinnerung an glücklichere Tage sowie der Abglanz einer mondäne Umgebung könnte sie trösten, nach Paris zurück.
Aber auch dort ist die mittlerweile nicht mehr so junge Engländerin allein und auf sich gestellt. Sie gehört weder zur französischen Gesellschaft, die in Parks flaniert, noch ist sie die junge Frau vergangener Tage, die mit Schönheit und deren Reizen aufwarten kann. Sie ist "la vieille", die Alte, die Ausgediente, wird von jungen Schönen belächelt oder mitleidig vom Barmann mit dem nächsten Drink versorgt. Ihr tristes Hotelzimmer verhöhnt sie bei jedem Eintreffen und die Herren, die sich für sie begeistern sind selbst fremd in der Stadt bzw. gestrandete Persönlichkeiten, wie der Gigolo, der zwar um ihren Sex wirbt, sie aber auch als dumm bezeichnet.
Die Geschichte ist von einer großen Melancholie getragen und vermittelt ganz deutlich das tiefe Gefühl von nie endender Einsamkeit. Die Protagonistin ist nicht nur namenlos, sie ist auch nirgends verwurzelt. Niemand scheint auf sie zu warten, keiner scheint sie zu vermissen. Die Gesellschaft um sie herum ist ihr überlegen und lässt sie das mit Blicken, Gesten und Worten spüren.
Die Erzählweise ist geprägt von den ruhelosen, zwischen gestern und heute pendelnden, Gedanken der Engländerin. Jean Rhys war, wie dem Vorwort des Literatur-Nobelpreisträgers V. S. Naipaul zu entnehmen ist, selbst eine entwurzelte Persönlichkeit, die Armut und Alkoholsucht am eigenen Leib erfahren musste.
Ihre Sprache ist fließend und unproblematisch zu lesen, Einwürfe oder kurze Passagen in französischer Sprache lassen sich leicht aus dem Kontext heraus verstehen oder für den im Französisch ungeübten Leser übersetzen.

Bitte nur lesen, wenn man Melancholie mag und nicht in Traurigkeit zu ertrinken droht.

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