Jeanette Walls

 4.4 Sterne bei 25 Bewertungen
Autor von Schloss aus Glas.

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Schloss aus Glas

Schloss aus Glas

 (25)
Erschienen am 13.02.2006

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Rezension zu "Schloss aus Glas" von Jeanette Walls

„Schloss aus Glas“ von Jeanette Walls
Steff8824vor 7 Monaten

Kurzrezi: „Schloss aus Glas“ von Jeanette Walls ~~~ Inhalt: Jeannette Walls wird 1960 in eine sehr ungewöhnliche Familie hineingeboren: Rex und Mary Rose Walls leben ein chaotisches Nomadenleben und ziehen mit Jeannette und ihren Geschwistern Lori, Brian und Maureen von Arizona nach Kalifornien und von dort über Nevada nach West Virginia. Nirgendwo bleiben sie lange, ständig sind sie auf der Flucht vor Gläubigern und Krankenhausrechnungen. Die Familie wohnt in baufälligen Häusern, einem Wohnwagen, in Autos und irgendwann sogar auf der Straße. Während der Vater ein ambitionierter Träumer und hoffnungsloser Säufer ist, widmet sich die egomanische und arbeitsscheue Mutter vollkommen ihrer Malerei und lässt die Kinder verwahrlosen. Weitgehend auf sich selbst gestellt und von einer dürftigen Mahlzeit zur anderen lebend, erleben Jeannette und ihre Geschwister ihr unstetes Leben als ein einziges großes Abenteuer. Bis die Last des Außenseitertums und der bitteren Armut und das Erwachsenwerden sie schließlich zu erdrücken droht. ~~~ Meinung: Was Walls als Kind und Jugendliche erlebt hat, ist unbeschreiblich. Der illusorisch-verlotterte Lebensstil ihrer Eltern, die sich mit aller Macht gegen jede Form der modernen Gesellschaft sträuben, kann selbst die Kinder bald nicht mehr über die gravierenden Mängel hinwegtäuschen. Zwischen glorifizierter Naturverbundenheit und dem Leben nach den “wahren Werten” auf Art der “Indianer und Pioniere von damals” müssen die Geschwister barfuß und in löchrigen Kleidern herumlaufen, in Pappkartons statt in Betten schlafen und sich vor lauter Hunger aus Mülltonnen ernähren. Detailliert, ohne dabei zu ausschweifend zu sein und absolut fesselnd schildert Jeannette Walls ihre außergewöhnliche Kindheit. Dabei gelingt es ihr voller Ehrlichkeit und niemals anklagend oder in geringster Weise Mitleid heischend zu sein. Auch die Figur von Jeannettes Vater ist total interesaant, einem hochintelligenten Mann, der unfähig ist, sich in die Gesellschaft zu integrieren, der seine Kinder abgöttisch liebt, ihnen in seiner Trunksucht aber jegliche Lebensgrundlage entzieht. Walls erzählt voller unerschöpflichem Lebensmut und dabei blitzt immer wieder Humor durch. Sie macht das Beste aus den schwierigen Umständen, unter denen sie aufgewachsen ist und schafft es, selbst den schlimmsten Erfahrungen etwas Gutes abzugewinnen. ~~~ Fazit: Ein ganz erstaunliches Buch über eine außergewöhnliche Kindheit, das allen Widrigkeiten und negativen Erlebnissen zum Trotz durch und durch positiv ist und zeigt, dass man aus ärmlichen Verhältnissen ausbrechen kann, wenn man den den Willen und Mut dazu hat. Im Genre Autobiografie erhält das Buch von mir 5 von 5 ⭐️

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LEXIs avatar

Rezension zu "Schloss aus Glas" von Jeanette Walls

Was für ein Buch!
LEXIvor 5 Jahren

Dieses Hörbuch, in dem Jeanette Walls ihre Kindheit Revue passieren lässt, ließ mich sehr nachdenklich und zwiegespalten zurück.

Einerseits schockiert angesichts der Verantwortungslosigkeit der Eltern, den tragischen Lebensumständen, in denen diese Kinder aufwachsen mussten und der bitteren Armut, in der sie lebten, empfand ich auch große Bewunderung für die Autorin, die es schaffte, dieses Buch zu schreiben, ohne dabei anzuklagen oder Schuldzuweisungen zu geben. Einerseits beschreibt sie das freidenkerische Ehepaar Rex und Rose Mary Walls, das regelmäßige Arbeit verabscheute, umtriebig stets von einem Ort zum anderen zog, ihre Kinder meist sich selbst überließ und sie nicht davon bewahrte, frieren und hungern zu müssen. Andererseits legt Jeanette Walls mit diesem Buch auch Zeugnis der großen Liebe ihres Vaters ab, der ihnen buchstäblich „die Sterne vom Himmel versprach“, ihnen ein „Schloss aus Glas“ bauen wollte, und ihnen auf seine Weise beizubringen versuchte, sich im Leben durchzuschlagen. Die Mutter, ausgebildete Lehrerin, bemühte sich, ihren Kindern Bildung zu vermitteln und brachte ihnen bereits in frühesten Kindheitstagen die Liebe zum gedruckten Wort nahe. Die Walls-Kinder lasen bereits im Alter von fünf Jahren, und die Tradition des „gemeinsamen Lesens“ mit ihren Eltern wurde über viele Jahre beibehalten.

Meine Emotionen hinsichtlich dieses beeindruckenden Inhalts wechselten in beinahe schon rasantem Tempo. Über die sozialen Missstände und die unfassbaren Lebensumstände war ich grenzenlos schockiert. Betreffend die Anhänglichkeit der Kinder und die Liebe zu ihren Eltern hatte ich bei dieser Lektüre einen Kloß im Hals. Angesichts einiger Eskapaden des Vaters wurde ich wütend. Und über bestimmte Ereignisse war ich tief betrübt…

Jeanette Walls spielt in ihrer Biografie mit den Gefühlen ihrer Leser, wühlt sie auf und bringt sie dazu, mit einem großen Fragezeichen im Kopf weiter zu lesen, begierig darauf zu warten, ob und wie es letztendlich zu einem happy end kommen mag.

„Schloss aus Glas“ ist eine Lektüre, die noch lange in mir nachgewirkt, mich nachdenklich gemacht und mich mit großer Dankbarkeit hinsichtlich meiner eigenen Kindheit erfüllt hat. Ein beeindruckendes Buch, dem ich lediglich aufgrund der Vertonung durch Ulrike Grote, mit der ich absolut nicht zurecht kam, einen Punkteabzug gab.

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Bellamis avatar

Rezension zu "Schloss aus Glas" von Jeanette Walls

Eine schrecklich nette alternative Familie
Bellamivor 5 Jahren

Wer wünscht sich nicht coole Eltern, abenteuerlustig, dazu noch  künstlerisch begabt und superschlau.


"Schloss aus Glas"  erzählt genau so eine Geschichte. Doch was nützt es, wenn die Mutter nichts anderes macht, als nur ihrer Selbstwirklichung als Malerin und Schriftstellerin nachzugehen und die Kinder betteln, sogar dafür sorgen müssen, dass sie arbeiten geht,  um Geld zu verdienen.
Was nützt einem ein Vater, der zu Weihnachten Sterne schenkt, die schönsten Geschichten erzählt aber ansonsten faul wie die Sünde ist und zur Krönung noch das Geld der Familie versäuft.
Der Mutter ist das egal, sie sieht nicht, dass die Kinder hungern, frieren und in Klamotten rumlaufen, die nicht nur aussehen, wie von der Müllhalde. 


 


Jeannette Walls ist 3 Jahre als sie beginnt aus ihrer Kindheit zu erzählen.Ihre erste Erinnerung ist ein brennendes Kleid. Sie steht auf einem Hocker vor dem Herd und muss sich selbst was zu Essen kochen, weil sie Hunger hat.


Aber da ist noch der allererste Satz des Buches:


"Ich nestelte an meiner Perlenkette und fragte mich, ob ich nicht doch zu elegant für die Party angezogen war, als ich aus dem Taxifenster schaute und Mom sah, die gerade einen Mülleimer durchwühlte."


Jeanette Walls hat dieses Buch selbst geschrieben und ist eine erfolgreiche Frau geworden.
Wie beruhigend, dass man gleich am Anfang weiß, diese Frau hat es irgendwie geschafft, aus diesem Elend rauzukommen.


Und zwischendurch ein Gefühlschaos. Jeannette Walls und ihre Geschwister Brian, Lori und Maureen halten ihr Leben für normal, nehmen es mit einer Selbstverständlichkeit hin für die man nur Kopfschütteln übrig hat, kräftig Durchschütteln oder anschreiben möchte man die Eltern.
Und doch ist nicht alles nur schwarz. Gerade der Vater ist in seinen nüchternden Phasen voll Liebe und Aufmerksamkeit für seine Kinder. Aber glücklich sind die Kinder, je größer sie werden, nur noch selten.



Beim Hören dieser Geschichte hatte ich immer die Werbung (irgendeines Bankinstituts) im Hinterkopf " Papa, wenn ich groß bin, möchte ich auch Spießer werden"
Und genau dieser Slogan trifft den Nagel auf den Kopf. Das Loch zwischen ihrer Liebe , den von den Eltern vermittelten Werten über ihr alternatives Leben, und dem Wunsch, ein anderes Leben führen zu wollen, wird immer größer.


Sicher wird diese Geschichte bei Jedem der sie liest oder das Hörbuch hört andere Gefühle auslösen.
Ich kann mir vorstellen, dass es auch davon abhängt, wie man seine Kindheit verlebt hat, was man bisher aus seinem Leben gemacht hat, selbst schon Mutter oder Vater  ist  und auf welche Weise man seine eigenen Kinder erziehen will oder welcher Gesellschaftsschicht man angehört.


Mir hat besonders gefallen, dass Jeannette Walls diese Geschichte ohne Wut im Bauch, einfach nur ehrlich und sachlich, irgendwie leise und nicht nach Mitleid und Aufmerksamkeit bettelnd,  erzählt. Sie will nicht anklagen und schon gar nicht habe ich das Gefühl, dass sie vermitteln will " He ihr armen Kinder dieser Welt, auch wenn Mutter Euch vernachlässigt, Papa das Geld versäuft, auch wenn ihr hungern und frieren musstet oder noch Schlimmeres ( ja auch von sexueller Nötigung erzählt Jeannette Walls) erleben musstet, jeder kann aus diesem Teufelskreis rauskommen, wenn er nur will"


Es ist einfach nur ihr Leben als Kind und Jugendliche, das anders verlaufen ist, als die meisten, aber auch auch genauso wie viele andere Kinderschicksale auf der Welt.
Dieses Buch wird zu meinen Unvergesslichen zählen !


Wer das Buch bereits gelesen hat, dem kann ich nochmal die Hörbuchvariante gelesen von Ulrike Grote sehr ans Herz legen. Es ist auf keinem Fall zu Tränen rührend vorgelesen. Einfach nur einfühlsam passt sich ihre Stimme den Erinnerungen  Jeannette Walls an.


 


 


 

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