Der weite Raum der Zeit

von Jeanette Winterson 
4,1 Sterne bei32 Bewertungen
Der weite Raum der Zeit
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Der weite Raum der Zeit - ist eine Version von - Das Wintermärchen - und handelt von Eifersucht, Neid und Missgunst.

Kritisch (2):
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Grauenvoll, geschmacklos und vulgär!!! Ich bereche es ab! Sowas muss ich mir nicht antun! Verschwendete Lebenszeit und Nerven!

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Inhaltsangabe zu "Der weite Raum der Zeit"

Blinde Eifersucht und zerstörerischer Zorn – doch die Zeit heilt alle Wunden
Der Londoner Investmentbanker Leo verdächtigt seine schwangere Frau MiMi, ihn mit seinem Jugendfreund Xeno zu betrügen. In rasender Eifersucht und blind gegenüber allen gegenteiligen Beweisen verstößt er MiMi und seine neugeborene Tochter Perdita. Durch einen glücklichen Zufall findet der Barpianist Shep das Baby und nimmt es mit nach Hause. Jahre später verliebt sich das Mädchen in einen jungen Mann – Xenos einzigen Sohn. Zusammen machen sie sich auf, das Rätsel ihrer Herkunft zu lösen und alte Wunden zu heilen, damit der Bann der Vergangenheit endlich gebrochen wird.
Jeanette Winterson spielt souverän mit Figuren und Handlung aus Shakespeares "Das Wintermärchen" und erzählt eine verblüffend moderne Geschichte über rasende Eifersucht, blinden Selbsthass und die tiefe Sehnsucht in uns, die Fehler der Vergangenheit wieder gut zu machen.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783813506730
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Fester Einband
Umfang:320 Seiten
Verlag:Knaus
Erscheinungsdatum:11.04.2016

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    Giselle74s avatar
    Giselle74vor 8 Monaten
    Winter der Seele

    "Der weite Raum der Zeit" ist ein weiterer Band der Hogarth Shakespeare-Reihe, in der bekannte Autoren Werke von Shakespeare auf ihre ganz besondere Art nacherzählen. In diesem Falle hat sich Jeanette Winterson dem "Wintermärchen" gewidmet.
    Die 1959 in Manchester geborene Winterson bekam schon für ihr Erstlingswerk "Orangen sind nicht die einzige Frucht" den angesehenen Whitbread-Prize. Inwischen ist sie eine weithin bekannte Feministin und Autorin, die diverse Bestseller veröffentlicht hat.

    Leo, MiMi und Xeno sind bereits sehr lange befreundet. Doch urplötzlich vermutet Leo, seine hochschwangere Frau MiMi habe eine Affaire mit seinem Jugendfreund Xeno. In rasender Eifersucht versucht er Xeno zu ermorden, lässt das neugeborene Mädchen Perdita wegschaffen und verliert bei dem Versuch, das Land zu verlassen, seinen älteren Sohn Milo am Flughafen. Nachdem auch MiMi gegangen ist, bleibt Leo allein zurück.
    Jahre später. Aus der kleinen Perdita ist eine junge Frau geworden, die sich durch Zufall in den Sohn Xenos verliebt. Und nach und nach lösen sie gemeinsam die Rätsel ihrer Vergangenheit.

    Wintersons Interpretation bewegt sich sehr nah am Original. Im Grunde ist der Roman eine Übertragung der Geschehnisse in die heutige Zeit. Erstaunlich ist, welche Wucht diese uralte Erzählung entwickelt, wenn man das Märchenhafte vorsichtig abstreift und Sprache und Setting dabei anpasst und wie glaubhaft diese doch eigentlich völlig unglaubhafte Geschichte dadurch wird. Winterson gibt ihren Charakteren einen Unterbau, eine Herkunft, die ihre Handlungsweise erklärt und sie nutzt die Gegebenheiten, die unsere Welt heute bietet. Es ist einfach, in einer Großstadt wie Paris spurlos zu verschwinden, ein Mädchen kann im ländlichen Amerika unbemerkt vom in London weilenden Vater aufwachsen und trotzdem ist alles nur wenige Flugstunden voneinander entfernt.
    Einzig der Strang um das Computerspiel mit den verlorenen Engeln ist für mich zu übertrieben, will sagen esoterisch dargestellt. Und eigentlich hätte das Buch ihn gar nicht gebraucht, denke ich, denn die Wirkung ist auch ohne herumflatternde Federn enorm.

    Das Schöne an den Büchern der Hogarth-Reihe ist, dass jeder Autor einen anderen Weg wählt, Zugang zu den Werken Shakespeares zu finden. Dass jedes Buch völlig anders ist in Stil, Umsetzung und Herangehensweise. Das zeigt, wie vielseitig dieses Werk ist, aber auch, wie viele Interpretationsmöglichkeiten es gibt. "Der weite Raum der Zeit" ist für mich eine sehr gelungene Mischung aus einem Teil Shakespeare und einem Teil Winterson. Jeanette Winterson verschwindet nicht hinter dem Meister, sie bringt ihren eigenen Stil und ihre eigenen Schwerpunkte in die Geschichte und schafft damit, nicht ganz mühelos, aber trotzdem sehr wirkungsvoll, den Spagat zwischen Alt und Neu, zwischen Gestern und Heute.

    Ich danke dem Knaus Verlag sehr herzlich für das zur Verfügung gestellte Leseexemplar.

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    Nespavanjes avatar
    Nespavanjevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Der weite Raum der Zeit - ist eine Version von - Das Wintermärchen - und handelt von Eifersucht, Neid und Missgunst.
    Das Wintermärchen

    Nachdem mir bereits Margaret Atwoods - Hexensaat - sehr gut gefallen hat - wurde es an der Zeit einem weiteren Werk der Interpretationen Shakespeares, meine Aufmerksamkeit zu schenken. Der weite Raum der Zeit - ist eine Version von - Das Wintermärchen - und handelt von Eifersucht, Neid und Missgunst. Leo (=Leontes) und Xeno (=Polixenes) sind Freunde von Jugend an. Das sie in ihrer Jugend manchmal mehr als Freunde waren und auch gelegentlich Liebhaber stößt Leo sauer auf. Aber nicht nur das: Xeno versteht sich seiner Meinung nach ein wenig zu gut mit seiner schwangeren Frau Mimi (=Hermione) und verdächtigt sie, ihn mit seinem Jugendfreund zu betrügen. In rasender Eifersucht und blind den Tatsachen gegenüber, dass er mit seinen Verdacht falsch liegt, verstößt er Mimi und seine Neugeborene Tochter Perdita.

    Das shakespearsche Themen sehr wohl auch in unsere Zeit passen und 400 Jahre nach dem Tod des Meisterbarden noch immer spannend und interessant interpretiert werden können ist der Hogarth Press und dem deuten Knaus Verlag zu verdanken. Jene sind im Jahr 2016, mit einem sehr ambitionierten Vorhaben gestartet: Zeitgenössische Autoren von Rang und Namen widmen sich mit eigenen Werken dem wohl größten Erzähler der Menschheit: William Shakespeare.

    Der weite Raum der Zeit ist mein erster Roman von Jeanette Winterson und meiner Meinung nach ist die Zeichnung der Figuren ihr größtes Talent. Sie schafft es ihren Figuren Lebendigkeit und Authentizität zu geben. Leo ist daher viel mehr als bloß eine Karikatur der blinden Eifersucht. Zwischen den Zeilen gelesen merkt der geneigte Leser, wie sehr er seine Frau und seinen Jugendfreund liebt und hin und hergerissen ist zwischen seinen Gefühlen zu diesen zwei Menschen. Hier offenbart sich eine schreckliche Tragödie. In ein oder zwei Kritiken wird die ordinäre und vulgäre Sprache bekrittelt, aber genau hierin liegt soviel Leidenschaft verborgen die eben dem Gefühlsausbruchs zugrunde liegt. Niemand ist rasend vor Eifersucht und spricht in ausgewählten Worten. Selbst in Shakespeares Werken ist nicht immer alles frei von vulgärer oder zweideutiger Sprache.

    Der Rest ist Geschichte und wer das Stück um den vermeintlichen Verrat Polixenes kennt - kennt auch dessen Ende. Der geneigte Leser, der sich nun mit diesem Roman dieser Modernen Interpretation Shakespearischer Werke nähert, dem kann ich nun auch die oben bereits erwähnte Margaret Atwoods Hexensaat wärmstens empfehlen.

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    Janinezachariaes avatar
    Janinezachariaevor einem Jahr
    Kurzmeinung: 2,5 Sterne, schade, aber ...
    Shakespeares Das Wintermärchen neu erzählt bei Knuas aus der Hogarth Reihe zum 400. Todestag

    Ich bin enttäuscht. So viel habe ich mir darunter vorgestellt und erhofft. Aber es gibt eine Sache, die für mich ein absolutes NO GO ist:

    vulgäre Sprache, wenn ich es nicht erwarte.

    Ausdrücke, die in so einem Buch nichts zu suchen haben.

    Nur weil Leo glaubt, sein bester Freund würde mit seiner Frau schlafen und ein Kind gezeugt haben, muss man nicht gleich mit Wörtern um sich schmeißen, die rein GAR NICHTS in dieser Geschichte zu suchen haben. Shakespeare würde sich schämen!

    Als das Baby auf die Welt kommt, will Leo Mimi nicht einmal helfen oder einen Krankenwagen rufen (Baby wird zu Hause geboren), nein, dass soll der 9 jährige Sohn machen (kann auch sein, dass er erst 8 war). Leo bittet seinen Gärtner, das Baby zu Xeno zu bringen. Doch Perdita kommt nie bei Xeno an, stattdessen wird der Gärtner ermordet (nachdem das Kind in einer Babyklappe Sicherheit gefunden hat, doch keine Krankenschwester holt es). Perdita wird von einem Vater mit seinem Sohn gefunden und sie wächst bei ihnen auf.

    So viel zum Anfang und eigentlich wäre auch alles gut, wenn die Sprache nicht ständig abrutschen würde oder der Schreibstil allgemein nicht meiner gewesen wäre. Mir waren das einfach ständig zu große Sprünge, gedanklich und auch zeitlich.

    Ich hab am Ende eines jedes Kapitels etwas zu geschrieben, aus Angst, ich würde einfach beim Schluss des Buches nicht mehr wissen, was ich eigentlich gelesen habe – so nichtssagend fand ich es.

    Doch gibt es natürlich auch wirklich fantastische Szenen und als alter ‘Zurück in die Zukunft’ – Fan hab ich mich unfassbar gefreut, als es einige Anspielungen auf diese Trilogie (die meisten kennen übrigens nur den ersten Teil) gegeben hat.

    Das Cover ist ein Traum und wirklich sehr sehr schön gestaltet, auch den Epilog finde ich sehr ergreifend.

    Und doch möchte ich nicht, dass man glaubt, Shakespeare hätte nur Quatsch geschrieben. Denn – ganz ehrlich – nur anhand dieses Buches hätte ich Shakespeare für vulgär, einfältig und eigenartig empfunden. Zum Glück weiß ich es besser und viele ebenfalls. Warum kann man nicht einfach ein Stück nehmen und daraus etwas wirklich sehr schönes machen. William Shakespeare hätte es verdient. Auch wenn die Autoren ihn sehr schätzen und vielleicht sogar länger lesen und kennen als ich, stört mich einfach, wie sie damit umgehen.

    William Shakespeare hatte im Grunde nichts anderes gemacht:

    Er hat sich etwas bekanntes genommen und in seiner Art neu erzählt und geschrieben. Vieles war schon da, er brauchte nur die richtigen Worte, um daraus etwas zu machen, was einfach unsterblich ist.

    Ich weiß, das William Shakespeare kein Kind der Traurigkeit war (war er schon, aber er wusste durchaus sich zu amüsieren …), aber diese Ausdrücke gehen zu weit.

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    killmonotonys avatar
    killmonotonyvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Eine Neuauflage Shakespeares, die rasant und sprunghaft ist – und mit ihrer Sprache briliert!
    Rezension: Der weite Raum der Zeit

    Jeanette Winterson erzählt im Zuge des Hogarth Shakespeare Projekts „Das Wintermärchen“ von Shakespeare neu. Das Original habe ich nicht gelesen, aber Winterson macht es einem leicht und fügt vor ihrer Neuerzählung noch eine knappe Zusammenfassung der Geschehnisse des Originals bei. Und dann geht es auch schon spannend los: Shep und sein Sohn Clo werden Zeuge eines Überfalls auf einen alten Mann, der scheinbar verfolgt wurde und von zwei Männern brutal zusammengeschlagen wird. Diesen Überfall vorausahnend, hat der Mann einige Augenblicke vorher ein Baby samt Aktenkoffer in der naheliegenden Babyklappe deponiert, mit der Absicht, es später wieder zu holen. Doch so weit kommt es leider nicht. Der Mann stirbt am Ort des Überfalls und kurzerhand birgt Shep das Baby sowie den Aktenkoffer aus der Babyklappe, nicht ahnend, dass es dabei noch zu einigen Verstrickungen kommen wird. Zu einem früheren Zeitpunkt in England lässt der paranoide Leo Überwachungskameras in das Schlafzimmer seiner schwangeren Frau MiMi einbauen, denn er hat sie im Verdacht, eine Affäre mit seinem besten und ältesten (und schwulen) Freund Xeno zu haben. Als das Baby später zur Welt kommt, verfällt Leo in eine wilde Raserei, tötet Xeno beinahe und entreißt MiMi in einem durchgeplanten Akt dann das Baby, um es von seinem Angestellten Tony in die USA zu Xenos Anwesen zu bringen, da er der Meinung ist, ebendieser sollte sich gefälligst um sein Kind kümmern. Das Baby schafft es jedoch nie zu Xeno, und hier treffen sich die beiden Erzählstränge. Der weitere Teil der Geschichte spielt 16 Jahre später und das Baby, zur 16-Jährigen Perdita herangewachsen, beginnt Fragen zu ihrer Herkunft zu stellen. Sie lernt über Umwege den jungen Zel kennen, der zufälligerweise der Sohn Xenos ist, und gemeinsam machen die beiden sich auf den Weg nach England, um ihren Vater ausfindig zu machen.

    Die komplette Rezension findet ihr auf meinem Blog: http://killmonotony.wordpress.com

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    leserattebremens avatar
    leserattebremenvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Eine tolle und moderne Umsetzung von Shakespeares Wintermärchen!
    Eine großartige Neubearbeitung von Shakespeares Wintermärchen

    Leons Frau MiMi ist schwanger, doch er ist sich sicher, dass das Kind das Ergebnis einer Affäre mit seinem besten Freund Xeno ist. Nach Perditas Geburt soll das Kind zu Xeno geschafft werden, er will es nicht sehen und glaubt den Unschuldsbeteuerungen seiner Frau kein Wort. Doch Perdita kommt nicht bei Xeno an. Jahre später will Perdita mit ihrem Freund Zel mehr über ihre Vergangenheit herausfinden und stößt auf Leons Geschichte.
    In „Der weite Raum der Zeit“ bearbeitet Jeanette Winterson Shakespeares „Wintermärchen“ neu und sehr modern. Trotzdem bleibt das Grundkonzept erhalten, die Namen erinnern an die Originale und die Story ist auch sehr ähnlich, wird jedoch in eine moderne, sehr kapitalistische Welt katapultiert. Mir hat der Schreibstil von Winterson besonders gut gefallen, die Story wird dadurch spannend und beim Lesen taucht man völlig ein in die Welt von Perdita und Leon. Die blinde Eifersucht, die ihn treibt und damit MiMi sogar fast das Leben kostet, ist beängstigend und nur schwer nachvollziehbar für mich, aber er zerstört damit nicht nur sein Leben, sondern auch das aller Menschen um sich herum. Nach diesem speziellen Tag, an dem er Perdita weg gibt, ist nichts mehr wie es je war, weder für seine Frau, noch für Xeno oder Leons Sohn Milo. Sehr gut beschreibt Winterson die umfassende Gewalt, die in der der destruktiven Kraft der Eifersucht wohnt. Perdita bildet einen regelrechten Gegenpol, behütet aufgewachsen glaubt sie an die Kraft von Liebe und Vertrauen und ist von ihrer Vergangenheit sehr schockiert.
    Jeanette Wintersons Bearbeitung von Shakespeares „Wintermärchen“ für das Hogarth Shakespeare Projekt ist spannend, bewegend und sehr modern geschrieben. Auch ohne die Kenntnis vom Originalstoff ist das Buch absolut empfehlenswert. 

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    Buecherschmauss avatar
    Buecherschmausvor 2 Jahren
    Das Wintermärchen

    Im Rahmen des Hogarth Shakespeare Projects, im Herbst 2015 anlässlich des 400. Todestages des großen Dramatikers 2016 gestartet, erschien im April 2016 Jeanette Wintersons Adaption von „Das Wintermärchen“ („The Winter´s tale“) unter dem Titel „Der weite Raum der Zeit“ auf Deutsch (Originaltitel: „Gap of time“).
    Dieses Stück des großen Dramatikers gehört zu den eher seltener gespielten. Zunächst den Komödien zugeordnet, zählt es nun präziser zu den Romanzen Shakespeare. Hier paaren sich durchaus komödiantische Züge mit eher düsteren Themen und Grundkonstellationen. Typisch ist die in lang vergangener Zeit und märchenhaft verfremdeten Orten spielende Handlung.
    Dabei befinden wir uns zunächst am sizilianischen Königshof. König Leontes wütet, da er seine Ehefrau Hermione des Ehebruchs mit seinem alten Freund Polyxenes verdächtigt. Die neugeborene Tochter Perdita soll zunächst getötet, dann in der Fremde ausgesetzt werden. Sowohl der erstgeborene Sohn als auch Hermione überleben diese Tragödie nicht, Polyxenes kann fliehen. Perdita wird von Schäfern an der Küste (!) Böhmens gefunden und großgezogen. Viele Jahre später trifft sie dort auf Polyxenes Sohn, der sich in sie verliebt und mit ihr vor seinem Vater nach Sizilien flieht. Dort treffen alle Personen aufeinander und nach all den turbulenten Verwicklungen kommt es zu einem großen Happy-End.
    Diese typisch verworren-verwickelte Geschichte verlegt nun Jeanette Winterson nach London bzw. die USA der heutigen Zeit. Dabei gelingt es der Autorin großartig, die Handlung einerseits zu entwirren und zu klären, andererseits aber auch ganz eng am Original zu bleiben.
    Leo ist hier der „König“ eines äußerst erfolgreichen Hedgefonds namens „Sicilia“, die Eifersucht auf seinen Freund Xeno treibt ihn in eine regelrechte Raserei, deren Opfer die neugeborene Tochter wird, die (ebenfalls übers Meer) in die Südstaatenregion „New Bohemia“ zum vermeintlichen Vater Xeno gebracht werden soll, aber auch der Überbringer Tony, der dort von Gangstern überfallen und getötet wird. Zuvor gelingt es ihm noch, Baby und Geldkoffer in einer Babyklappe zu platzieren, wo sie von dem Afroamerikaner Shep (!) gefunden und quasi adoptiert wird. Opfer werden auch Leos Sohn Milo, der verunglückt, und Ehefrau MiMi, die den Verlust beider Kinder nicht verwindet und sich völlig von der Welt zurückzieht. Schon dieser Teil der Inhaltsangabe zeigt, wie eng Jeanette Winterson am Original bleibt, und auch der weitere Handlungsverlauf bleibt diesem Ansatz treu. Es ist frappierend, wie scheinbar mühelos die Autorin zu dem 400 Jahre alten Text die zeitgenössischen Äquivalente findet. Das Orakel von Delphi, das über die wahre Vaterschaft entscheiden sollte, wird hier zum DNA-Test, der König zum Hedgefonds-Manager. Das Umfeld ist modern, die Gefühle und viele Reaktionen des Personals archaisch. Wieder einmal ist man überrascht über die Zeitlosigkeit der Werke Shakespeares. Jede Zeit scheint aus ihnen „Ihren“ Shakespeare herauslösen zu können, sei es in Nachdichtungen, Filmen oder auch im Fernsehen). Auch Autoren wie John Updike („Gertrude und Claudius“) oder unlängst Ian McEwan in „Nussschale“ nehmen immer wieder Bezug auf ihn.
    Einige Rezensenten haben Winterson die allzu enge Anlehnung an das Originalwerk vorgeworfen, die gezwungene Modernisierung des Plots oder auch das allzu glückliche Happy-End.
    Mir hat gerade diese Transformation ausgesprochen gut gefallen, ich war immer wieder überrascht, wie stimmig die Autorin diese Aktualisierungen hinbekommen hat, wie eng sie am Text entlang schrieb, wie sie auch immer wieder Anspielungen auf Shakespeare einstreut,
    „Eigentlich ein perfekter Satz, schoss es Cameron durch den Kopf: Adjektiv, Substantiv, Verb, alles eins und alles gesagt. Natürlich kein Shakespeare, aber absolut zweckmäßig.“
    „„Es gibt da einen alten Spruch, erwiderte Pauline. „Wo keine Hilfe ist, sollt´ auch kein Gram mehr sein.“ „Das ist Shakespeare.“, sagte Tony, „Das Wintermärchen.““
    „Pausen“ in die Geschichte einbaut, auch die „Zeit“, die in Shakespeares Stück als Chorus einen eigenen Auftritt bekommt, einbindet.
    Die Zeit, der weite Raum der Zeit, in dem sich Positionen verändern, Vergebung möglich sein kann, die aber niemals angehalten oder gar zurückgedreht werden kann. Auch Xeno, der Spieleerfinder, arbeitet an einem Computerspiel namens „Der weite Raum der Zeit“.
    Das hat etwas ungemein verspieltes, (sehr amüsant zum Beispiel auch die Ödipus-Nacherzählung von Autolycus – übrigens auch ein Shakespeare-Charakter – für einen völlig unbedarften amerikanischen Jugendlichen), ohne ganz auf kritische, aktuelle Positionen zu verzichten.
    „Der (Börsen)Crash war nichts anderes als ein Spiel namens Reise nach Jerusalem: Solange die Musik lief, fragte keiner, ob es genug Stühle gab. Wer will schon sitzen, wenn man tanzen kann.“
    „Die Armen wurden ärmer, die Reichen reicher. Menschen schlachten sich gegenseitig ab. Was war das für ein Gott (…)“
    Das Buch kann natürlich auch für sich allein stehen. Dennoch ist zumindest eine oberflächliche Kenntnis des Originals zu empfehlen. Nur so sind die vielen Anspielungen, die liebevollen Adaptionen, aber auch der größte Teil des Handlungsverlaufs gänzlich zu genießen.
    Besonders das Ende ist ohne den Shakespeare-Bezug eher weniger überzeugend. In einem heutigen Buch würde ich ein derartiges Happy-End nicht durchgehen lassen. Aber was wären Shakespeares Dramen ohne den großen Auftritt am Ende, an dem sich alles klärt und sich alle in den Armen liegen (es sei denn, wir sitzen in einer der Tragödien, dann liegen fast alle bereits im Grabe). Winterson hat ein klein wenig früher geendet. Ob es tatsächlich zur Klärung oder gar Versöhnung kommen wird, können wir nicht wirklich wissen, der Boden ist nur bereitet. Ein Zugeständnis an den heutigen Leser.
    Und so verlassen wir am Ende beglückt mit der Autorin die Personen, die übrigens ganz theatralisch auf einer Bühne, im Londoner Roundhouse, stehen.
    „Lassen wir sie nun alle samt Musik in diesem Theater zurück. Auf einem der hinteren Plätze habe ich darauf gewartet, was noch geschehen würde, und nun stehe ich draußen in der Sommernacht, der Regen tastend in meinem Gesicht. Ich habe diese Cover-Version geschrieben, weil das Wintermärchen seit mehr als dreißig Jahren ein sehr persönlicher Text für mich ist.“
    Noch vier weitere Bücher aus dem Hogarth Projekt werden sich mit den Tragödien Shakespeares beschäftigen. Man darf gespannt sein.

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    Maerchenbuchs avatar
    Maerchenbuchvor 2 Jahren
    moderne Neuerzählung von Shakespeares "Das Wintermärchen"

    „Der weite Raum der Zeit“ von Jeanette Winterson ist Teil eines spannenden Projektes des Knaus Verlages, bei dem acht zeitgenössische und international bekannte Autoren die Möglichkeit bekommen, ihre persönliche Neufassung eines Werkes von William Shakespeare zu präsentieren. Zum 400. Geburtstag des großen englischen Dramatikers erscheinen also nach und nach moderne Neuerzählungen seiner Klassiker. Jeanette Winterson hat sich dem Spätwerk „Das Wintermärchen“ angenommen und die Handlung sowie die Figuren in die moderne Gegenwart verlegt.

    Wer Shakespeares Theaterstück „Das Wintermärchen“ nicht kennt, kann sich gleich zu Beginn des Buches über eine komprimierte Zusammenfassung des Werkes freuen. In aller Kürze erfährt der Leser mehr über die Geschichte rund um den eifersüchtigen König Leontes, der seiner schwangeren Frau Hermione vorwirft, ihn mit seinem Freund Polixenes zu betrügen. Als das Kind, Perdita zur Welt kommt, glaubt Leontes nicht an seine Vaterschaft, verstößt seine Frau und lässt das Baby Perdita verschwinden.

    Jeanette Winterson greift die Handlung und die Charaktere auf und erschafft eine beachtliche Neuinterpretation. Aus König Leontes, wird der erfolgreiche, londoner Investmentbanker Leo, der mit seiner hübschen Frau Mimi das zweite Kind erwartet. Rasend vor Eifersucht und blind vor Hass, verdächtigt er Mimi eine Affäre mit seinem homosexuellen Jugendfreund Xenos zu haben. Als die kleine Perdita geboren wird, will er das Mädchen nicht als seine Tochter anerkennen und lässt das Baby von seinem Gärtner entführen. Der soll Perdita zum vermeintlichen Vater Xenos nach Amerika bringen, doch Leos Plan geht schief. Perdita landet schließlich  in einer Babyklappe und wird von dem schwarzen Musiker Shep gefunden und groß gezogen.
    Viele Jahre später verliebt sich Perdita in Zel, Xenos Sohn und das Schicksal führt alle Protagonisten wieder zusammen.

    Mit „Der weite Raum der Zeit“, zeigt die Autorin in gekonnter Art und Weise, wie aktuell und zeitlos die Themen aus Shakespeares historischem Werk sind und wie neuartig eine Verlegung der Schauplätze auf den Leser wirken kann.
    Die zentralen Themen Liebe, Eifersucht, Neid und Missgunst werden in die Neuinterpretation aufgenommen und vor allem die Vergebung findet, wie beim Originalstück, am Ende der Geschichte ihren Platz.
    Besonders gefesselt war ich allerdings von Leos verrückten Wesenszügen. Es war sehr interessant seine absurden Wahnvorstellungen mitzuverfolgen und seine derbe Ausdrucksweise war abstoßend und schockierend zugleich. Auch die anderen Protagonisten wurden gut beschrieben und durch die verschiedenen Handlungsstränge gekonnt miteinander verwoben.

    „Der weite Raum der Zeit“ ist eine unterhaltsame, spannende und eigenständige Geschichte, doch unter dem Aspekt der modernen Neuinterpretation eines Shakespeare Werkes, war die Lektüre für mich noch mal um ein Vielfaches interessanter.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Rasant und modern erzählt, vor allem sprachlich ein Vergnügen!
    Eine rasante, moderne Neuerzählung Shakespeares Wintermärchen.

    „Der weite Raum der Zeit“ von Jeanette Winterson ist Teil der Hogarth Shakespeare Reihe, bei der anlässlich des 400. Todestags Shakespeares acht seiner Werke von bekannten Autoren/Autorinnen neu erzählt werden. Da ich ‚Hag-Seed‘ von Margaret Atwood (erscheint in Deutschland im Frühjahr 2017) erst kürzlich gelesen und besprochen habe, war ich ziemlich neugierig, wie Winterson Shakespeares „Das Wintermärchen“ umsetzt. Schon vorab: Bei beiden Autorinnen erkennt man deutlich den eigenen Stil, der raffiniert mit der Originalerzählung verwoben ist. Das macht die Neuerzählungen sowohl für Shakespeare-Fans als auch Nicht-Fans zu einem Lesevergnügen der besonderen Art.

    In „Der weite Raum der Zeit“ geht es um den cholerischen Leo (=Leontes), der rasend eifersüchtig auf seine hochschwangere Frau MiMi (=Hermione) und seinen alten Freund Xenos (=Polixenes) ist. Leo redet sich ein, dass MiMi und Xenos eine Affäre hätten und lässt dabei alle Vernunft an sich abprallen, denn er sieht Beweise für diese, wo keine sind. Daher glaubt er auch nicht, dass das Kind von ihm ist und verstößt es. Das Kind, Perdita, wird von Shep (=dem Schäfer vom engl. ’shepherd‘) und dessen Sohn Clo in einer Babyklappe gefunden. Als Perdita erwachsen ist, verliebt sie sich, ausgerechnet in den Sohn Xenos. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg, Leo zu suchen, um das Geheimnis um Perditas Vergangenheit und somit ihrer Herkunft zu lüften.

    In drei Teilen, dem Vorbild nachempfunden, erzählt Jeanette Winterson eine rasante Geschichte, die nah am Original, aber doch sehr viel moderner und unglaublich temporeich ist. Sie versucht im Fließtext eines Romans das Tempo eines Bühnenstücks wiederzugeben und das gelingt ihr außerordentlich gut, auch wenn es teilweise so rasant ist, dass man manchmal nicht mehr weiß, wo man sich gerade befindet. Ihre Sprache ist modern, manchmal leicht vulgär und sehr knapp und präzise, wodurch sie der Geschichte noch mehr Tempo verleiht.

    Besonders gefallen haben mir der Wortwitz und der äußerst trockene Humor. Auch gut gewählt ist der Einstieg, der mit einer sehr knappen, aber gelungenen Zusammenfassung des Originals daherkommt. (Da kann man dann auch immer mal nachsehen und vergleichen.) Winterson bleibt nicht nur inhaltlich relativ nah am Original, sondern auch mit den Namen der Figuren. Das macht es umso einfacher, ein eigentlich komplexes Stück zu verstehen.

    Mir persönlich war es an ein paar Stellen, wie bereits erwähnt, ein wenig zu schnell und sprunghaft. Dennoch ist „Der weite Raum der Zeit“ ein äußerst gelungener, moderner Roman über Liebe, Eifersucht, Neid, Missgunst, dem allgegenwärtigen Drang sich selbst zu zerstören und letzten Endes der Vergebung. Shakespeare hätte mit Sicherheit seine Freude daran gehabt. Vielleicht wäre er aber auch rasend vor Eifersucht geworden. Wer weiß?

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    passionelibros avatar
    passionelibrovor 2 Jahren
    Das Wintermärchen von Shakespeare in der heutigen Zeit


    Der Londoner Investmentbanker Leo glaubt, dass seine hochschwangere Frau und Künstlerin MiMi ihn mit seinem besten Freund Xeno betrügt und vor lauter Zorn und Eifersucht verstößt er sie. Seine neugeborene Tochter schickt er mit seinem Gärtner nach Amerika zum angeblichen Vater, doch es geht etwas schief und dort wird sie zufällig vom Wittwer Shep gerettet und wächst in Louisiana auf. Hier trifft sie später auf Xenos einzigen Sohn und sie verlieben sich. Nachdem sie die Zusammenhänge ihrer Vergangenheit anfangen aufzudecken, wollen sie zusammen ihre Wurzeln und Herkunft verstehen und alte Wunden heilen.
    Dabei versteht es die Autorin einen bunt gewürfelten Haufen an Charakteren, sozialen Schichten und Hautfarben auszuarbeiten, in den beiden ersten Teilen die Erzählstränge spannend aufzubauen und im dritten Teil alles gekonnt zusammenzuführen, ohne den Leser zu überfordern oder zu langweilen. Die Themen gehen von Eifersucht, Hass über Sehnsucht, Vergebung bis hin zu Hoffnung und die Sprache lässt den Leser in die emotionalen Abgründe der einzelnen Charaktere eintauchen.
    Shakespeares Werk erschien 1611 und diese neuartige Fassung von Jeanette Winterson zeigt, dass die größten Gefahren noch immer die gleichen sind und von uns selbst kommen ...

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    eulenmatzs avatar
    eulenmatzvor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Sehr gute Neuinterpretierung von Shakesspears "Wintermärchen"...modern, spannend und dabei oft poetisch und regt zum Nachdenken an
    Richtig tolle Neuinterpretation von Shakespeares "Wintermärchen" für Fans und Neulinge

    INHALT:
    Der Londoner Investmentbanker Leo verdächtigt seine schwangere Frau MiMi, ihn mit seinem Jugendfreund Xeno zu betrügen. In rasender Eifersucht und blind gegenüber allen gegenteiligen Beweisen verstößt er MiMi und seine neugeborene Tochter Perdita. Durch einen glücklichen Zufall findet der Barpianist Shep das Baby und nimmt es mit nach Hause. Jahre später verliebt sich das Mädchen in einen jungen Mann – Xenos einzigen Sohn. Zusammen machen sie sich auf, das Rätsel ihrer Herkunft zu lösen und alte Wunden zu heilen, damit der Bann der Vergangenheit endlich gebrochen wird.

    Jeanette Winterson spielt souverän mit Figuren und Handlung aus Shakespeares "Das Wintermärchen" und erzählt eine verblüffend moderne Geschichte über rasende Eifersucht, blinden Selbsthass und die tiefe Sehnsucht in uns, die Fehler der Vergangenheit wieder gut zu machen.

    COVER:
    Man könnte fast meinen, dass sowohl Titel als auch Cover des Buches recht unscheinbar sind. Was sich hinter dem Titel und der abgebildeten Feder verbirgt, erschließt sich erst im Laufe des Lesens. Die Autorin hat hier, wie viele andere bereits vor ihr, das Engelsmotiv in ihrem Roman verarbeitet. Das Buch und damit gleichzeitig auch das Hogarth Shakespeare Projekt würde sicher noch ein wenig mehr Aufmerksamkeit bekommen, wenn ein kleiner Aufkleber auf der Folie angebracht werden würde. Der Zusammenhang zu Shakespeare wird erst ersichtlich, wenn man sich den Klappentext durchliest.

    MEINUNG:
    Der weite Raum der Zeit ist der zweite Roman, der im Rahmen des Hogarth Shakespeare Projekt im Knaus Verlag (Teil der Randomhouse Verlagsgruppe) erschienen ist. Das Projekt umfasst acht Neu-Interpretationen von Shakespeares berühmtes Werken geschrieben von acht internationalen Top-Autoren. In diesem Jahr sind bereits drei Romane erschienen: Howard Jacobson – Shylock (basierend auf Der Kaufmann von Venedig), Anne Tyler – Die störrische Braut (basierend auf Die widerspenstige Zähmung) und Jeanette Winterson – Der weite Raum der Zeit (basierend auf Das Wintermärchen).
    Außer Romeo und Julia habe ich leider kein weiteres Werk von Shakespeare gelesen und das ist schon lange her. Ich habe Der weite Raum der Zeit durch Zufall mal im Buchladen entdeckt und es hat mich gleich angesprochen. Vom Knaus Verlag haben ich dieses Exemplar freundlicherweise als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt bekommen. Ehrlich gesagt habe ich vom Wintermärchen noch nie etwas gehört, aber keine Bange, falls es euch auch so gehen sollte. Zu Beginn des Romans wird die ganze Geschichte, die aus drei Akten besteht, noch zusammengefasst. Dieser Aspekt hat mir sehr gut gefallen und ohne es gelesen zu haben, war ich im Bilde.
    Natürlich ist von Anfang klar wie die Geschichte beginnt und wie sie endet, aber das Dazwischen ist in dem Fall das Interessante. Jeanette Winterson hat alle Namen der Protagonisten an das Original angelehnt, aber quasi „modernisiert“. Shakespeare Stück spielt eigentlich in Sizilien. In Jeanette Wintersons Adaption spielt die Geschichte in London bzw. in den USA, in New Bohemia (Lousiana) und ist ebenfalls in dreie Teile geteilt, wie das Original.
    Selten habe ich ein Buch gelesen, was nachdenklich, poetisch, aber gleichzeitig auch vulgär und einfach in der Sprache ist. Das Buch vereint Themen wie Eifersucht, Rache, Vergebung, Sehnsucht, Trauer, Hoffnung, Liebe so harmonisch miteinander, so dass hier keine Seite überflüssig ist und am Ende auch alles gesagt worden ist. Die Geschichte lässt sich leicht und flüssig lesen und klingt trotzdem noch lange nach. Vor allem regt sie zum Nachdenken an und liefert eine interessante Sicht auf die eigene Vergangenheit und mit deren Umgang in der Gegenwart, die ich wirklich „open minded“ fand. Bei Shakespeare steht das Stück auch im unter dem Stern, des Vergebens und des Verzeihens. Der Roman zeigt auf, dass die Fehler, die Menschen begehen und seien sie noch so groß und eigentlich unverzeihlich, trotzdem eines Tages ein gutes Ende nehmen können.
    Die Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet und bieten eine bunter Mischung an Hautfarben, sozialen Stand und Sexualität. Dieser Aspekt hat mir sehr zugesagt und spricht auch für die Autorin. Die Geschichte kommt hier ohne Stereotypen aus. Die verschiedenen Erzählstränge, die in den ersten beiden Teilen aufgebaut werden, werden im dritten und letzten Teil zusammen geführt. Die Autorin greift auch innerhalb des Romans viele Anspielungen zu Klassikern, wie z.B. Ödipus auf. Man bekommt also nicht nur eine stimmige Geschichte, sondern kann sich mit diesem Roman auch gleichzeitig noch bilden. ;-)

    FAZIT:
    Der Roman von Jeanette Winterson als Teil des Hogarth Shakespeare Projekts bietet allen interessierten Lesern einen Einblick in die bekanntesten Werke von Shakespeare, ohne sich dabei mit der doch sehr anspruchsvollen Sprach- und Schreibweise des bekannten Dramatikers im Detail auseinandersetzen zu müssen. Mir hat der Roman außerordentlich gut gefallen. Ganz besonders die Schreib- und Sprachweise von der Autorin, die sich durch ihre Heterogenität auszeichnet und trotzdem harmonisch und in sich stimmig ist. Ich freue mich auf die weiteren Romane und werde mir auch die beiden bereits erschienen noch besorgen.

    Ich vergebe 5 von 5 Sternen.

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