Jeannettes Leben ist ein Abenteuer. Ihre Familie zieht von Ort zu Ort. Die Mutter ist Künstlerin, eine unverbesserliche Optimistin, der Vater Erfinder, Geschichtenerzähler, Pokerspieler, Gelegenheitsarbeiter. Während das Herumziehen mit schrottreifen Autos noch als Abenteuer durchgeht, offenbaren sich die Probleme der Familie erst dann deutlich, als sie einen festen Wohnsitz hat und vor Problemen nicht mehr fliehen kann. Sobald ein bisschen Geld da ist, vertrinkt es der Vater sofort und so muss die Familie oft hungern, während es die Mutter nicht schafft regelmäßig zur Arbeit zu gehen. Die Kinder müssen selbst dafür sorgen, dass sie etwas zu Essen finden.
Je älter sie werden, desto deutlicher wird für Jeannette und ihre Geschwister, dass sie sich von den Eltern lösen und ihren eigenen Weg finden müssen.
Obwohl die Autorin dieser Autobiografie eine geradezu desaströse Kindheit beschreibt, ist es viel weniger niederschmetternd als vermutet. Es gibt viele Moment in denen die Eltern liebevoll sind. Sie können sich nicht um die Kinder kümmern, vermitteln ihnen aber immerhin Bildung. Sie können über Physik diskutieren, aber bringen es nicht fertig regelmäßig zur Arbeit zu gehen, das Haushaltsgeld so zu verwaltet, dass es für Essen reicht oder ihre Süchte zu kontrollieren. Gleichzeitig werden viele problematische Dinge sehr beiläufig erzählt und nicht weiter vertieft. Es bricht einem das Herz zu lesen, wie ein Kind schwere Verbrennungen erleidet, weil es im Alter von drei Jahren selbst Kochen muss.
Jeannette Walls erzählt davon, wie schwierig es ist, sich aus Armut und Verwahrlosung zu erlösen. Wie es ist, Eltern zu haben, die man liebt, aber nicht daran hindern kann sich selbst zu zerstören. Wie hart es ist, wenn man den Kontakt nicht ganz abbrechen möchte, aber an sich selbst denken muss, um einigermaßen gesund zu bleiben.
Man merkt, dass die Autorin ihre Lebensgeschichte noch nicht vollständig reflektiert und nicht mit den Geschehnissen abgeschlossen hat. Ich fand es etwas schade, dass man nie die Sichtweise anderer Personen erfährt, aber das ist natürlich der autobiographischen Geschichte geschuldet. Man erfährt nur sehr andeutungsweise, warum der Vater ein derart unstetes Leben führt und was für eine schwere Kindheit er gehabt haben muss und man kann nur vermuten, dass die Eltern psychische Probleme und tiefe Traumata haben.
Auf jeden Fall sehr empfehlenswert.


























