Jeff Cohen

 4 Sterne bei 27 Bewertungen

Alle Bücher von Jeff Cohen

Eine Leiche riskiert Kopf und Kragen

Eine Leiche riskiert Kopf und Kragen

 (14)
Erschienen am 17.10.2016
Eine Leiche auf Abwegen

Eine Leiche auf Abwegen

 (13)
Erschienen am 15.01.2018

Neue Rezensionen zu Jeff Cohen

Neu

Rezension zu "Eine Leiche auf Abwegen" von Jeff Cohen

Tanzt aus der Reihe
Thomas_Lawallvor 7 Tagen


Samuel Hoenig hat ein Problem. In gewisser Weise. Das Problem ist, dass er sich gar nicht mit Problemen befassen will (und es in jenem speziellen Fall auch gar nicht kann). Lösen kann er sie schon gar nicht, weshalb er sein Unternehmen dementsprechend benannt hat. Es nennt sich "Fragen beantworten". Für alle Leserinnen und Leser, die Samuels ersten "Fall" bereits kennen, ein alter Hut. 

Für den Rest der Leserschaft aber ebenso neu wie erstaunlich, denn schnell wird klar, dass Jeff Cohen hier eine Geschichte aufrollt, die sich von anderen des Genres grundlegend unterscheidet. Dem aufmerksamen Beobachter wird aber ebenso schnell auffallen, dass der Klappentext die Wahrheit etwas verdreht. Der schon genannte Fall kann ja eigentlich gar kein solcher sein, denn bereits auf Seite 21 lässt der Autor seinen Hauptdarsteller ausführen, dass er nicht nur keine Probleme lösen möchte, sondern auch keineswegs daran denkt, irgendwelche "Fälle" zu übernehmen. Er beantwortet lediglich Fragen.

Allein die Bemühungen, dies seiner "Kundschaft" klar zu vermitteln, bereitet ein ungewöhnliches Lesevergnügen. Deren Abschweifungen und Sonderwünschen begegnet Samuel mit einer geradezu selbstverständlichen Vehemenz und Beharrlichkeit seine ganz klar definierten Ansichten betreffend, was er nicht zuletzt einem gewissen Syndrom zu verdanken hat. Herr Dr. Asperger hätte seine Freude daran. 

Der Wiener Kinderarzt (*18. 2. 1906; †21. 10. 1980) ging nicht unbedingt davon aus, dass es sich um eine Krankheit im üblichen Sinne handelt, eher von einer Abweichung der Norm. Samuel Hoenig ist selbstverständlich ähnlicher Ansicht und er dreht den Spieß sogar um. Er definiert sich als "Träger einer neurologischen Besonderheit", weshalb auch nicht er ein Mensch mit seltsamen, unverständlichen Verhaltensweisen ist, sondern alle anderen!

Aus diesen scheinbar unüberbrückbaren Gegensätzen ergibt sich eine ganze Reihe urkomischer Situationskomik, indem Samuel jedes Wort und jeden Satz wörtlich nimmt. So nebenbei entlarvt er unsinnige Redensarten, die wir im tagtäglichen Sprachgebrauch längst übernommen haben, ohne den eigentlichen Sinn und Zweck einmal zu hinterfragen. 

Das Angebot, ihm den "Rücken freizuhalten", kann er beispielsweise weder verstehen noch nachvollziehen und antwortet auf die entsprechende Frage mit der für ihn ganz selbstverständlichen Logik: "Meinen Rücken? Sollte ich nicht nach vorn gehen?" Unbegreiflich sind ihm auch Dinge wie ein trockener Martini, denn wie sollte eine Flüssigkeit "trocken" sein?

Auf Minenspiel reagiert er gar nicht und zwischenmenschliche Interaktionen sind ihm ebenso unbegreiflich. Freundschaften einzugehen ist ihm nicht möglich, wobei der Begriff "Ehe" in diesem Zusammenhang den Gipfel der Unverständlichkeit darstellt. Dass starke Gefühle für einen anderen Menschen existieren und man dann auch noch sicher ist, "dass er oder sie jeden verbleibenden Moment des eigenen Lebens dem anderen widmen möchte", ist "irrational und unwahrscheinlich" (was die Scheidungsrate bestätigt).

Seine Beobachtungsgabe ist deshalb frei von jeder Emotion und damit ungestört sachbezogen. Für unabdingbare Dinge im emotionalen Bereich hat er ja seine Mitarbeiterin Janet Washburn, die ihm die eine oder andere Hilfestellung im Dschungel der Gefühle jener Personen leisten kann, die es im Rahmen seiner Ermittlungen, die letztlich zur Beantwortung einer bestimmten Frage führen sollen, zu verstehen gilt.

Seine Hauptperson charakterisiert Jeff Cohen durch einen ebenso kauzigen, wie spitzfindigen Schreibstil, der zudem nicht nur umständlich und verschraubt wirkt, sondern regelrecht aus der Amtssprache abgeleitet wirkt und herrlich verstaubte Formulierungen ("Dieser Möglichkeit eingedenk ...") ebenso berücksichtigt. Im Gegensatz dazu steht Samuel Hoenigs hochmodernes Arbeitsgerät. Die allzu oftmalige Erwähnung des Markennamens grenzt an Schleichwerbung.  

"Sie haben wirklich Nerven", könnte man ihm vorwerfen. Samuel würde auch das befremden, denn schließlich haben die alle Menschen. Es kommt sehr oft vor, dass man an solchen Stellen eine spontane Denkpause einlegen muss. Die nächste Floskel im realen Leben wird dann womöglich vorab erst einmal auf die Goldwaage gelegt ...

Jeff Cohen hat also ein ebenso nicht alltägliches wie nachhaltiges Szenario entworfen und wer auf der Suche nach einem völlig aus der Reihe tanzenden Kriminalroman ist, wird mit "Eine Leiche auf Abwegen" fündig werden.

Kommentieren0
0
Teilen

Rezension zu "Eine Leiche riskiert Kopf und Kragen" von Jeff Cohen

Erfrischend anders!
Frau-Aragornvor 2 Monaten

Mein erstes Buch des Autors, aber ich werde mir mit Sicherheit den zweiten Band der Reihe auch zulegen. 


Der Hauptprotgonist Samuel Hoenig ist Authist mit Asperger und daher sehr inselbegabt und erfrischend anders. Auch alle weiteren Protagonisten sind gut und interessant angelegt. 
Die Geschichte ist schlüssig, spannend und gut durchdacht. Ich würde sie jederzeit wieder lesen. 

Kommentieren0
20
Teilen

Rezension zu "Eine Leiche auf Abwegen" von Jeff Cohen

Unterhaltsam
NataschaSuennenvor 5 Monaten

 „Eine Leiche auf Abwegen“ ist der zweite Teil der Samuel Hoenig – Reihe und obwohl ich den ersten Teil noch immer nicht gelesen habe, hatte ich keine Probleme, der Geschichte zu folgen. Man erfährt einiges über Samuels Eigenarten, aber der Focus bleibt immer auf der Haupthandlung. Der unbekannte Ehemann hatte viele Geheimnisse und es hat Spaß gemacht, Samuel beim Ermitteln zu begleiten. Ich mochte Samuel als Hauptprotagonisten, er scheint mir eine Mischung aus Monk und Sheldon Cooper zu sein, was ich sehr interessant und spannend fand. Es gibt keine actiongeladenen Szenen oder ähnliches, aber das Buch erfüllt seinen Zweck; man fühlt sich unterhalten. Der Schreibstil ist angenehm zu lesen und das Cover finde ich auch passend. Ich mochte das Buch und werde den ersten Teil auf jeden Fall auch noch lesen.

Kommentieren0
1
Teilen

Gespräche aus der Community

Neu

Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

Community-Statistik

in 35 Bibliotheken

auf 2 Wunschlisten

von 2 Lesern aktuell gelesen

Was ist LovelyBooks?

Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

Mehr Infos

Buchliebe für dein Mailpostfach

Hol dir mehr von LovelyBooks