Jeff Jensen

 3.2 Sterne bei 5 Bewertungen

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Green River Killer

Green River Killer

 (4)
Erschienen am 25.02.2014
Green River Killer

Green River Killer

 (1)
Erschienen am 13.09.2011

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Svenjas_BookChallengess avatar

Rezension zu "Green River Killer" von Jeff Jensen

Eine erschreckende, grausame und doch faszinierende Geschichte
Svenjas_BookChallengesvor 10 Monaten

Dieses spannende Buch hat überraschend den Weg zu mir gefunden, denn ein lieber Freund hat es mir zum Geburtstag geschenkt und damit mein gerade erst aufkommendes Interesse an Graphic Novels nochmal befeuert. Ich bin nicht unbedingt der große Comicleser, mag es lieber realistischer und wenn die Geschichte auf wahren Begebenheiten beruht - umso besser! Green River Killer - Die wahre Geschichte eines Serienmörders von Jeff Jensen und Jonathan Case passt also perfekt in mein Beuteschema. Vor allem Serienmörder üben auf mich (wie vermutlich auch auf viele von euch) eine dunkle, morbide Faszination aus. Es ist einfach eine besondere Art von schaurigem Nervenkitzel, in die Psyche eines vielfachen Killers abzutauchen.

Die Geschichte von Gary Ridgway ist dabei in vielerlei Hinsicht einzigartig. Zum einen ist er mit mindestens 49 Opfern (vermutet werden über 70) ein besonders brutaler, grausamer und ja, produktiver Serienmörder. Zum anderen mordete er beinahe über 20 Jahre hinweg (von 1982 bis 2001), ohne geschnappt zu werden. Und (und das ist für mich der verstörendste Aspekt): So wie Jeff Jensen ihn nach den Erinnerungen seines Vaters schildert, wirkt der Green River Killer erschreckend normal, harmlos, einfach menschlich. Und das ist es, was mich an dieser Graphic Novel so fasziniert. Sie stellt Gary Ridgway natürlich als den skrupellosen Mörder dar, der er ist, aber sie zeigt auch, dass er trotz allem ein Mensch ist - sie zeigt die zwei Seiten eines Killers und nicht einfach nur die entmenschlichte Bestie, als die man ihn so gerne sehen möchte. Denn ich finde, wenn über Serienmörder geschrieben, gesprochen, erzählt (was auch immer) wird, wird allzu oft ausgeblendet, dass sie immer noch Menschen sind, denn auch Brutalität ist ein Aspekt des Menschseins - ein wesentlicher sogar.

Spannend finde ich auch den Handlungsverlauf, denn Jeff Jensen erzählt die Geschichte des Green River Killers nicht chronologisch, sondern auf ganz eigene, ziemlich faszinierende Art und Weise. Zunächst teasert er das Geschehen sozusagen an, skizziert dann auf wenigen Seiten den beruflichen Werdegang seines Vaters, von dem er überleitet zu den ersten Leichenfunden. Und ab da fällt der Leser Knall auf Fall mitten in das Verhör von Gary Ridgway im Jahr 2003. Und während dieser für alle Seiten Nerven zehrenden und belastenden Prozedur werden immer wieder Zeitsprünge zurück in die Zeit der Morde eingefügt - sowohl aus der Perspektive des Killers als auch durch die Augen des Ermittlers Tom Jensen. Ich muss ganz ehrlich sagen: Anfangs fand ich diese Art des Erzählens etwas befremdlich, denn ich hatte ganz einfach etwas anderes erwartet. Jeff Jensen zeichnet in Green River Killer aber eben nicht die Suche nach dem Täter nach (zumindest nicht zum großen Teil), sondern die Suche nach dessen Motiv. Und das ist ein unheimlich interessanter Blickwinkel, eine wahnsinnig spannende Herangehensweise. Sodass ich zu dem Schluss komme: Storytechnisch genial gemacht und wirklich ganz, ganz groß erzählt!

Wenn einen die Geschichte schon verstört, betroffen macht, aber eben auch auf morbide Weise fasziniert und auf jeden Fall in ihren Bann schlägt, dann unterstreicht Jonathan Case das Ganze mit seinen Zeichnungen noch einmal hundertfach. Diese sind in Schwarz-Weiß gehalten, was allein schon für eine düstere, bedrückende Atmosphäre sorgt, und wahnsinnig realistisch. Teilweise auch etwas bizarr und fast schon schaurig - einfach wunderbar passend zu dieser grausamen Geschichte, die einen emotional durchaus an die eigenen Grenzen bringen kann. Auf jeden Fall eine unheimliche, aber schaurig schöne Erfahrung.

Mein Fazit:

Graphic Novels faszinieren mich, weil sie auf gewisse Weise noch einmal eine ganz andere emotionale Erfahrung bieten als klassische Romane. Ebenso ist es mir mit Jeff Jensens und Jonathan Case' Green River Killer ergangen. Ich finde diese Graphic Novel wahnsinnig gelungen und einfach unglaublich intensiv, so realistisch und doch irgendwie abgedreht. Eine ganz große Leseempfehlung von mir! Aber Achtung: Leicht verdaulich ist die Geschichte und vor allem die intensive Auseinandersetzung mit Täter und Motiv absolut nicht.

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Krinkelkrokens avatar

Rezension zu "Green River Killer" von Jeff Jensen

Berührendes wie bedrückendes Portrait einer Lebensaufgabe
Krinkelkrokenvor 5 Jahren

Wer von euch hat schon einmal den Namen Gary Ridgway gehört? Sagt euch nichts? Das ist nicht verwunderlich, denn im Gegensatz zu Ted Bundy oder Jeffry Dahmer ist dieser berühmt-berüchtigte Serienkiller, der vermutlich mehr als 90 Frauen ums Lebens gebracht hat, nicht unter seinem bürgerlichen Namen, sondern unter dem Titel, der ihm von der Presse verliehen wurde, in die Geschichte eingegangen: Der Green River Killer wütete in den 80er Jahren bis zum Jahre 2001 in Seattle und hatte es vor allem auf Prostituierte und Ausreißerinnen abgesehen - Menschen, die vermeintlich niemand vermisste. Diese Vorgehensweise machte es Polizei und Behörden schwer, dem Täter auf die Spur zu kommen. Doch ein kleines Einsatzkommando, darunter Detective Tom Jensen, verlor nie den Glauben daran, den Mörder fassen zu können, sodass nach über 30 Jahren Ermittlung durch eine DNA-Probe schließlich der Gerechtigkeit genüge getan wurde. Nun hat der Sohn des inzwischen pensionierten Jensen die Geschichte seines Vater in einer biographischen Graphic Novel mit Unterstützung von Zeichner Jonathan Case verarbeitet - und liefert ein ebenso berührendes wie bedrückendes Portrait einer Lebensaufgabe.

Im Zentrum der Geschichte steht nicht die Figur des Serienmörders, sondern der Detektiv Tom Jensen. 30 Jahre seines Lebens hat dieser der Ergreifung eines Täters gewidmet und für dieses Lebensziel Familie und Privatleben vernachlässigt. Als Leser erscheint seine Wahl eher fragwürdig und fanatisch als heroisch und diszipliniert. Wie sinnvoll ist es tatsächlich, sein eigenes Leben und das all seiner Lieben von einem psychopathisches Sadisten abhängig zu machen? Da es nicht maßgeblich Tom Jensens Mitarbeit zu verdanken ist, dass der Gary Ridgway schließlich doch noch gefasst wurde, bleibt der Jubelschrei am Ende aus - und eine merkwürdige Leere zurück: Der Täter kann sich an die meisten Morde nicht mehr erinnern, die Suche nach seinen Opfern bleibt oft vergeblich, das 30 Jahre lang verpasste Familienleben kann von Tom Jensen nicht aufgeholt werden. Für eine derart unbefriedigende Wahrheit und letztlich erschreckend geringe Konsequenz erscheint der gezahlte Preis der Selbstaufopferung als zu hoch. 
Obwohl Jeff Jensen mit allen Mitteln versucht, eine liebevolle Biographie seines Vaters zu entwerfen, wirken die angedeuteten Erklärungsversuche für das wenig familienfreundliche Verhalten entschuldigend, rechtfertigend.

Der Zeichenstil Jonathan Cases trägt leider nicht zur Lesbarkeit bei. So unentschlossen die Aussage der Geschichte ist, so überladen wirken die Comic-Strips aus kräftigen Strichen in schwarz-weiß. Zwar werden die Gesichtszüge der realen Vorlagen durchaus getroffen, doch das Karikatureske lässt Gesichter ähnlich wirken und erschwert hierdurch eine Unterscheidung der verschiedenen Zeitebenen, welche durch Vorausdeutungen und Rückschauen vermischt werden. Trotz der stilistisch ansprechenden Konzeption wäre beispielsweise eine Farbunterlegung des "neuzeitlichen" Zeitstranges wünschenswert gewesen. Das atmosphärische Dichte Setting, die Idylle der Wälder Seattles, bildet einen starken Kontrast zum schauerlichen Flair - wird also leider durch einen erschwerten Lesefluss getrübt.

Jensen gelingt - wenn auch unbeabsichtigt - das Augenmerk in einem vermeintlich reißerischen Killer-Szenario auf ein viel weniger offensichtliches Element zu legen und auf diese Weise den Leser zum Nachdenken anzuregen. Der Killer, der seine eigenen Taten fast schon vergessen hat; die Opfer, die längst nicht mehr gefunden werden; die Angehörigen, die sich mit dem Tod ihrer Lieben seit langer Zeit abgefunden haben; der Kriminalarbeiter, dessen tödliche Krankheit ihn das Ende des Falles nicht mehr erleben lässt; der Detektiv, der nach 30 Jahren mit dem Rauchen aufhören kann - all diese Elemente bilden zusammen ein Konglomerat aus merkwürdig einsam-freudloser Fügungen, das grausame Willkür des Schicksals unterstreicht.

Gary Ridgway - ein Name, den man nach der Lektüre nicht mehr vergisst. Die Geschichte des Detektivs Tom Jensen verdeutlicht, wie sinnlos das menschliche Streben - sei es die Ermordung zahlreicher Opfer oder die Jagd nach Gerechtigkeit - sein kann. Am Ende wird der Leser mit mehr zurückgelassen als mit dem Wissen um ein historisches Ereignis - es ist vielmehr der Gedanke an die eigene Lebensaufgabe, die einem Schauer über den Rücken jagen wird.

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