Middlesex

von Jeffrey Eugenides 
4,3 Sterne bei471 Bewertungen
Middlesex
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Positiv (397):
Stryke83s avatar

Toll, wie man so ein Thema so unterhaltsam aufbereiten kann! Lustig-ernste Familien- und Gen-Saga mit Gesellschaftshistorie verknüpft! Toll!

Kritisch (24):
vanhattems avatar

bin einfach nicht reingekommen ...

Alle 471 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Middlesex"

In einem kleinasiatischen Bergdorf fängt alles an. Ein junger Mann und eine junge Frau, Bruder und Schwester, fliehen vor den Türken nach Smyrna und, als die Stadt brennt, nach Amerika. Es ist das Jahr 1922. Auf dem Schiff heiraten sie und lassen sich später in der Autostadt Detroit nieder. Niemand ahnt das Geheimnis dieses Paares, doch nach Jahrzehnten hat der Tabubruch der beiden ungeahnte Folgen.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783499238109
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:736 Seiten
Verlag:ROWOHLT Taschenbuch
Erscheinungsdatum:01.11.2004
Das aktuelle Hörbuch ist bei DHV Der HörVerlag erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

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    gaby2707s avatar
    gaby2707vor 3 Monaten
    Ein Leben als Hermaphrodit

    Middlesex ist die Geschichte von Cal bzw. Calliope Stephanides, einem Hermaphroditen aus Detroit und ihrer Familie.

    Sie erzählt die Geschichte ihrer Großeltern, den Geschwistern Desdemona und Lefty, die wegen des Türkisch-Griechischen Krieges 1920 aus der Türkei zuerst nach Smyrna und von dort nach Amerika fliehen. Bei der Überfahrt mit dem Schiff heiraten sie. Großmama Desdemona erfährt erst kurz vor ihrem Tod welche Folgen sie mit ihrer Heirat und ihrer Liebe, die nicht hätte sein dürfen, herbei geführt hat.

    Ich lese vom Zusammenkommen ihrer Eltern und ihrer Geburt. Erst im letzten Drittel geht es um ihn/sie selbst, die beide Geschlechter in sich trägt. Wie geht eine junge Frau damit um, wenn sie mit 22 Jahren erfährt, dass sie auch ein Junge ist? Der Intersex wird aber nicht Hauptthema, sondern fließt scheinbar nebensächlich, vor allem sehr leicht, aber doch eindringlich in die Geschichte ein.

    Dieser Roman ist einer der besten, die ich bisher gelesen habe. Eine Familiengeschichte, in der ich meine seit fast 90 Jahren dabei bin. Ich lerne die einzelnen Familienmitglieder recht gut kennen und nehme an allen Abschnitten ihres Lebens teil. Egal ob ihr Leben gerade im Aufwind steht oder sie sich in einer Talsohle befinden. Es ist schön, dabei sein zu dürfen. Denn auch die Alltäglichkeiten haben ihren Reiz und werden niemals langweilig.

    Ich mag den feinen, einfallsreichen, farbigen Schreib- und Erzählstil von Jeffrey Eugenides, der hier so vielfältige, vielschichtige und unterschiedliche Personen erschaffen hat, hier sehr. Haben mich die 700 Seiten zuerst abgeschreckt, fand ich es am Schluss sehr schade, dass die Geschichte schon auserzählt war.

    Eine wunderbare Geschichte voller Menschlichkeit, Humor, Spannungen, Leichtigkeit und Tiefe, manchmal mit einer Träne im Auge, vor allem aber absolutem Lesevergnügen.

    Kommentare: 1
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    Kopf-Kinos avatar
    Kopf-Kinovor 3 Jahren
    "Doch was die Menschen vergessen, bewahren die Zellen."

    Warum sich für Geschichte interessieren? Um die Gegenwart zu verstehen oder sie zu meiden?

    Berlin, 2001: Der einundvierzigjährige Cal Stephanides, ein Abkömmling griechischer Einwanderer, erzählt die Lebens- und Leidensgeschichte dreier Generationen, in deren Mittelpunkt die Transformation steht. Dies ist die Geschichte von Bruder und Schwester, die innerhalb der Kriegswirren und der daraus resultierten Flucht zu Mann und Frau werden, die Geschichte zweier Griechen, die zu Amerikaner werden, und schließlich die Geschichte der Enkelin, die zum Jungen, vom Kind zum Erwachsenen wird. Und noch vieles mehr.

    Nie hatte ich die richtigen Worte, um mein Leben zu beschreiben, und nun, da ich in meine Geschichte eingetreten bin, brauche ich sie mehr denn je. Ich kann mich nicht mehr einfach zurücklehnen und das Ganze aus der Ferne betrachten. Von nun an ist alles, was ich Ihnen erzähle, von der subjektiven Erfahrung gefärbt, Teil der Ereignisse zu sein. Hier spaltet sich, teilt sich meine Geschichte, erfährt eine Meiose. Schon fühlt die Welt sich schwerer an, da ich ein Teil von ihr geworden bin.

    Eugenides' 'Middlesex' verwebt in diesem sowohl skurrilen als auch berührenden Roman mehrere Genres auf wundersame Art und Weise: Familiengeschichte, Entwicklungsroman und Schelmenroman, bei denen sich im Hintergrund das Zeitgeschehen des 20. Jahrhunderts abspielt und den Leser direkt ins Geschehen hineinzieht: der griechisch-türkischer Krieg, Rassenkonflikte der USA, Weltwirtschaftskrise usw.

    Trotz der korrigierenden Brillengläser war die Welt für meine Großmutter weiterhin unscharf. Desdemona begriff nicht, was das ganze Kämpfen sollte.

    Zusätzlich dazu geht der Autor den Fragen nach dem Schicksal und der Identitätsfindung auf der Spur. Hierfür stellt er die neusten Erkenntnisse der Biogenetik der griechischen Mythologie gegenüber und verwebt somit indirekt eine naturwissenschaftliche Sichtweise mit einer fantastischen – ein (meiner Meinung nach) ungewöhnlicher und interessanter Schachzug. Eugenides katapultiert die mythologische Figur des Hermaphroditen in die moderne Psychologie und verleiht somit dem Extremen, Bizarren (mit einer großen Portion Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit) ein normales Gewand, indem er den ernsten Thematiken stille Momente und komische Situationen zuschreibt, dem konfliktreichen Stoff mit Gelassenheit entgegenkommt.

    Da sich 'Middlesex' bereits vieler Rezensionen erfreuen durfte, möchte ich im Folgenden mein Hauptaugenmerk auf die originelle Erzählweise bzw. auf den raffinierten Schreibstil richten, da sich der Autor allerlei stilistischen Spielereien bedient, was für den einen zu überbordend sein könnte, mir jedoch gut gefiel.

    Der Roman weist einen Ich-Erzähler (Erzählerin?) auf, verleiht diesem jedoch gleichzeitig auktoriale Fähigkeiten, indem Cals Erinnerungen bis zur seiner Existenz als Sperma zurückführen.

    Ich hatte noch nicht das Alter, um zu erkennen, dass das Leben den Menschen nicht in die Zukunft, sondern in die Vergangenheit schickt, in die Kindheit und schließlich in die Zeit vor der Geburt, damit er sich mit den Toten austauschen kann.

    Außerdem versetzt sich Cal bei Bedarf in den Kopf anderer Figuren. Somit experimentiert Eugenides geschickt mit Perspektivenwechsel, aber auch grundsätzlich mit Rück- und Vorblenden, Metaphern, Rhythmus, cineastischen Abläufen und sowohl postmodernen als auch altmodischen Elementen. Letzteres erinnert manchmal an den Tonfall der griechischen Tragödien aus der Antike, wobei Eugenides im nächsten Satz wieder überraschend in die Gegenwart zurückkehrt:

    Singe jetzt, o Muse, die Geschichte der rezessiven Mutation auf meinem Chromosom fünf! […] Und singe, wie die Vorsehung in Gestalt eines Massakers das Gen weiterfliegen ließ, wie es einem Samen gleich über den Atlantik nach Amerika wehte, wo es durch sauren Regen trieb, bis es zur Erde fiel, auf den fruchtbaren Bodes des mittelwestlichen Schoßes meiner Mutter. Tut mir leid, wenn ich manchmal ein wenig homerisch werde. Aber auch das steckt mir in den Genen.

    Trotz der gottähnlichen Züge hinterlässt die Erzählweise dem Leser geschickt weiße Lücken, wie beispielsweise:

    Der gellende Schrei, den meine Großmutter ausstieß, als sie von der Katastrophe erfuhr, lässt sich gedruckt nicht angemessen wiedergeben.

    Nebst der flüssigen Lesbarkeit schafft der Autor treffsichere Vergleiche und stimmungsvolle Bilder, die vor allem die realistische Authentizität der Ich-Perspektive unterstützen und Nähe zu den Figuren schaffen:

    Und da er kein Wort über seinen Kummer verlor, begann sein Bart all das, was Milton sich nicht zu sagen gestattete, wortlos zu erzählen, die Knoten und Wirbel verwiesen auf seine zunehmend verschlungenen Gedanken. Der strenge Geruch setzte die Stressketone frei. Im Verlauf des Sommers wurde der Bart struppig, ungemäht, und es war klar, dass Milton über die Pingree Street nachgrübelte; wie die Pingree Street verkam auch er.

    Eugenides' Schreibstil gänzlich zu entschlüsseln, erscheint mir ob der Vielschichtigkeit beinahe unmöglich. Wer sich auf eine Exkursion der sprachlichen und erzählerischen Raffinesse begeben möchte, dem kann ich diesen Roman wärmstens empfehlen. Demjenigen, der der Erzählstimme, die hier entscheidend ist, und nicht dem stilistischen Drumherum folgen möchte, um der uralten Frage nachzugehen, ob nun die Erziehung oder die Vererbung stärker ist, und sich darauf einlassen kann, dass der Leser bestenfalls selbst entscheiden muss, ob der gewählte Tonfall nun weiblich oder männlich ist, dem möchte ich diesen Roman ebenfalls ans Herz legen. Für mich war 'Middlesex' eine anspruchsvolle Unterhaltungslektüre.

    Abschließend möchte ich an Lob an Eike Schönfeld für die Übersetzung, die u.a. aufgrund der langen Satzperioden gewiss nicht leicht war, aussprechen.

    Doch was die Menschen vergessen, bewahren die Zellen. Der Körper, dieser Elefant...


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    SandraWers avatar
    SandraWervor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Ich finde das Buch ist eine sehr schöne Familiengeschichte, eine der schönsten, die ich bisher gelesen habe.
    Vom Mädchen zum Mann

    Das Buch Middlesex erstreckt sich zeitlich über fast ein ganzes Jahrhundert. Beginn der Handlung ist das beginnende 20. Jahrhundert, während das Ende in der heutigen Zeit spielt.
    Der/die Hauptprotagonistin des Buches Cal/Calliope ist zu der Zeit noch nicht einmal geboren (noch lange nicht), doch zeichnet sich bereits der Grundstock ihrer genetischen Wurzeln ab, die vor allem für Callies Geschlecht maßgebend sind.
    Callies Großeltern, die griechscher Herkunft sind, leben in der Türkei und müssen wegen eines Türkisch-Griechischen Krieges nach Amerika fliehen. Da Callies Großeltern beide partnerlos sind und eine große Liebe füreinander empfinden, entscheiden sie sich zu heiraten. In der Neuen Welt wisse ja niemand von ihrer Verwandschaft. Es hat zwar in der Kirche immer geheißen, dass Bruder und Schwester, ja auch Cousin und Cousine nicht heiraten dürfen, aber warum ist ihnen nicht bekannt. Desdemona die Großmutter fürchtet jedoch immer die Auswirkungen dieser verbotenen Ehe und ist glücklich, dass bis in hohem Alter noch immer nichts geschehen ist. Erst kurz vor ihrem Tod erfährt sie, was die Folgen ihrer Ehe sind.
    Als Calliope, Desdemonas Enkelin in die Pupertät kommt, lüftet sich langsam das Geheimnis. Bei ihrer Geburt ist übersehen worden, dass ihr Geschlecht nicht so eindeutig weiblich ist. In der Pubertät zweifelt auch Callie nie an ihrer Weiblichkeit, nur komisch ist, dass ihr keine Brüste Wachsen und auch keine Periode kommt. Auch fühlt sie sich mehr zum weiblichen Geschlecht hingezogen, als zum Männlichen. Selbst die deutlichsten Anzeichen, lassen Callie nicht glauben, keine Frau zu sein. Wie auch? Sie fühlt sich weiblich, hat sich immer weiblich gefühlt. Ihre Genitalien sind zweigeschlechtlich ausgebildet. Sie besitzt einen sehr kleinen verkümmerten Penis ohne Harnausgang (sie muss sich also beim Klogehen hinsetzen) und auch ein verstärkter Haarwuchs beginnt.
    Aufgeklärt wird sie erst, als sie einen Arzt, einen Spezialisten, in New York besucht. Bei ihm erfährt sie, dass sie offensichtlich männlich sei, mit einem weiblichen erlernten Sozialverhalten. Diese Erkenntnis bewegt Callie dazu zu fliehen und ihre Geschlechtsidentität endgültig zu wechseln.

    Ich finde das Buch ist eine sehr schöne Familiengeschichte, eine der schönsten, die ich bisher gelesen habe. Man kennt die Großeltern bereits seit ihrer Jugend und fühlt sich beim Lesen wirklich als Teil der Familie. Die Zeit vergeht, mit ihren "Ups and Downs", genauso wie es sich meist auch im wirklichen Leben verhält. Egal, ob sich gerade eine ereignisreiche oder ruhige Zeit abspielt, es ist immer schön, die Familie auf ihrem Weg zu begleiten.
    Der Schreibstil des Autors gefällt mir sehr. Er ist manchmal witzig, aber immer gut durchdacht und flüssig zu lesen.
    Ich werde ihn doch tatsächlich in die Liste meiner Favourits reinnehmen. Ich bin mir sicher, das Buch ist nicht für jeden, aber doch für viele genau das richtige. Wenn die Zeit reif ist, werde ich bestimmt ein weiteres Buch von Eugenides lesen.
    Abgesehen von der Familiengeschichte behandelt das Buch auch ein ganz besonderes Thema, über das man selbst oft sehr wenig informiert ist. Das des Hermaphroditismus. Aber so etwas kommt wohl immer wieder einmal vor, dass Menschen nicht mit eindeutigem Geschlecht geboren werden. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde dies bald nach der
    Geburt operativ „korrigiert“ und damit ein geschlechtstypisches Aussehen
    hergestellt. Wählen kann der/die Betroffene aber meist nicht. Die Zeit der Pubertät ist hier entscheiden, da man da erst seine eigenen Vorlieben und Gefühle besser verstehen lernt.

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    Sabine17s avatar
    Sabine17vor 5 Jahren
    Hermaphrodit

    Middlesex erzählt die Geschichte von Cal(liope) Stephanides und ihrer griechischen Familie.

    Cal wird als Hermaphrodit geboren, was anfangs niemand erkennt. Er wird als Mädchen erzogen und merkt als Jugendlicher, dass er sich mehr als Junge fühlt.
    Cal erzählt dem Leser die ereignisreiche Familiengeschichte der Stephanides'. Sie beginnt 1922 mit seinen Großeltern und endet mit seiner persönlichen Leidensgeschichte im Jahr 2002.

    Viele geschichtliche Ereignisse erlebt der Leser aus Sicht der Familie Stephanides. Zudem erfährt man sehr viel von der Kultur und dem Leben der Griechen und von Einwanderern in Amerika. Man ist bei Geburten und beim Sterben dabei und schnell wachsen einem die Mitglieder der Familie Stephanides mit ihren Eigenheiten und Macken ans Herz.

    Einen Punkt habe ich abgezogen, weil das Buch ziemlich anstrengend zu lesen war. Der Autor - übrigens selbst ein Enkel griechischer Einwanderer und in Amerika geboren - springt sehr viel in den Zeiten hin und her, so dass man sich beim Lesen sehr konzentrieren muss.
    Trotzdem hat mich das Buch gefesselt und ich wollte unbeding wissen, was aus den einzelnen Personen wird.

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    buchjunkies avatar
    buchjunkievor 5 Jahren
    Ein wirklich sehr gutes Buch

    Middlesex“ erzählt die Geschichte von Cal, der scheinbar als Mädchen geboren wurde und als Calliope erzogen wurde. Erst als sie-/er 14 Jahre ist, stellt ein Arzt fest, dass Cal ein Hermaphrodit ist. Fortan lebt er sein Leben als Junge. 
    Die Geschichte erzählt aber auch von den Anfängen des Genes, das für Cals Andersartigkeit verantwortlich ist. 
    Aus der Sicht von Cal wird erzählt, wie seine Großeltern 1922 aus Smyrna nach Amerika fliehen. Hier findet die Geschichte ihren Anfang. 

    Zuerst einmal, Cover und Titel haben mich überhaupt nicht angesprochen und zu Anfang erwartete ich nicht sehr viel von diesem Buch. 

    Doch schon nach den ersten Seiten war ich gefangen in der Geschichte und schon ziemlich begeistert. Jeffrey Eugenides schreibt sehr bildhaft, man kann sich alles genau vorstellen.Er schmückt einzelne Szenen sehr schön aus. 
    Gefallen hat mir auch, dass zwischendrin immer wieder der Leser des Buches angesprochen wurde.„Leser, ich spüre dich....Nur wir beide, hier im Dunkeln.“ 

    Das Buch war nicht immer leicht zu lesen, da viele Zeitsprünge vorhanden sind, aber dennoch wollte ich immer wissen, wie es weitergeht. 

    Es ist nicht nur die Geschichte von Cal,die erzählt wird. Es ist die Geschichte der Familie Stephanides mit ihren Freuden und Sorgen.Alles wird vor dem geschichtlichen Hintergrund Griechenlands und Amerikas geschildert. 

    „Middlesex“ ist ein großartiger Roman, den man geniessen sollte! Unbedingt zu empfehlen!

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    B
    bookscoutvor 5 Jahren
    Mitgefangen - mitgehangen


    Mann und Frau verlieben sich, heiraten auf der Flucht aus der Türkei, werden in Detroit sesshaft, bekommen Kinder.. 


    So weit, so gut. 

    Wenn, ja wenn da nicht ein kleines Detail seine Finger mit im Spiel hätte: Lefty und Desdemona sind Geschwister. 

    Lefty stört sich daran nicht besonders, er verdrängt. Desdemona hingegen fürchtet sich Zeit ihres Lebens still vor einer Strafe der Götter. Zunächst sieht jedoch alles danach aus, als wäre diese Sorge unbegründet: Die Familie kommt gut über die Runden, die Kinder sind gesund, werden erwachsen, gründen selbst Familien... 

    So weit, so gut. 

    Hätte Lefty und Desdemonas Sohn Milton nur nicht seine Cousine Tessie geheiratet. Und hätten die beiden nach der Geburt ihres Sohnes bloß nicht auf etwas unorthodoxe Weise versucht, das Geschlecht ihres zweiten Kindes zu beeinflussen. 

    So kommt Calliope nämlich als Hermaphrodit zur Welt, lebt die ersten Jahres als Mädchen und stellt mitten in der Pubertät fest, dass sie eigentlich ein männliches Geschlechtsteil hat. Da geht die Odyssee erst richtig los... 

    Keine Frage, Jeffrey Eugenides hat seine Hausaufgaben gemacht. Auf mehr als 700 Seiten beinhaltet das Buch alles, was die Götter verboten haben. Er reißt zahllose Themen an, lässt keine skurrile Pointe aus, mäandert durch die Geschichte, verzettelt sich, kehrt wieder auf den Weg zurück.. 
    Man muss sich schon Zeit nehmen für dieses Buch. Aber irgendwann kann man einfach nicht mehr anders, als diese komplett verrückte griechische Familie in sein Herz zu schließen ;-) 





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    WildRoses avatar
    WildRosevor 5 Jahren
    Außergewöhnliches Leseerlebnis

    "Middlesex" ist meiner Meinung nach einer der besten Romane überhaupt. Jeffrey Eugenides erzählt nicht nur einfach eine Familiengeschichte - er reißt den Leser von der ersten Seite an mit, sodass man mit dem Lesen am liebsten gar nicht mehr aufhören möchte. Die Geschichte beginnt 1922 in einem kleinasiatischen Bergdorf mit der verbotenen Liebe zwischen Lefty und Desdemona, die nicht nur Cousin und Cousine dritten Grades, sondern auch Bruder und Schwester sind, und endet mehrere Jahrzehnte später in Berlin, als Cal Stephanides, der Enkel der beiden, seine eigene Geschichte rekonstruiert. Denn Cal wurde als Calliope Stephanides geboren, wuch als Mädchen auf, wusste nichts von dem genetischen Defekt, der in seinem Inneren schlummerte und in der Pubertät zum Problem werden sollte, als er, sich damals noch für ein Mädchen wie jedes andere auch haltend, darauf wartete, die Periode zu bekommen und sich für seine Flachbrüstigkeit schämte.
    Was dieses Buch so einzigartig macht, ist nicht nur die bewegende, faszinierende, drei Generationen umschließende Familiengeschichte, sondern auch der erfrischende, atmosphärische Schreibstil des Autors, dessen schriftstellerisches Können beneidenswert ist.
    Trotz der über 700 Seiten ist "Middlesex" einer jener Romane, die zum Immer-wieder-Lesen verlocken.

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    Ein LovelyBooks-Nutzervor 6 Jahren
    Rezension zu "Middlesex" von Jeffrey Eugenides

    Jeffrey Eugenides, Amerikaner mit griechischen Wurzeln, hat eine ebenso wunderbare wie wunderliche Familienchronik abgeliefert. Um die Figur des Hermaphroditen Cal (geborene Calliope) Stephanides als Erzähler und Protagonisten spinnt der Autor eine Tragikomödie, die facettenreich sowohl die genetischen Folgen von Inzest, die Geschichte einer amerikanischen Einwandererfamilie aus Griechenland über drei Generationen hinweg, als auch historische Details aus dem zwanzigsten Jahrhundert – beginnend mit dem Exodus der Griechen von heute türkischem Gebiet, bis zu Ereignissen der jüngeren amerikanischen Geschichte.
    Der Autor Jeffrey Eugenides wurde im Jahr 1960 in Amerika, Detroit, geboren. Heute lebt er mit Frau und Tochter in Berlin, wohin es ihn durch ein Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes verschlug. Das selbst gewählte Exil führt der Schriftsteller als Erfolgsfaktor für Middlesex an. Erst in Deutschland fand er die Muße, den Roman zu schreiben, für den er insgesamt neun Jahre Zeit aufwandte. Väterlicherseits ist Eugenides griechischer Abstammung, von Seiten der Mutter hat er britische Vorfahren. Middlesex ist nach den Selbstmordschwestern sein zweiter Roman und wurde im Jahr 2003 mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet.

    Das Buch erzählt einen Abschnitt aus dem Leben dreier Generationen der Familie Stephanides. 1922 verlassen die Geschwister Desdemona und Eleutherios Smyrna – heute Izmir –, als türkische Truppen zum Angriff auf die kleinasiatische Stadt ansetzen. Auf dem Schiff, das die beiden in die USA bringt, nutzen sie die Gelegenheit, ihr Familienverhältnis zu verschleiern und sich gegenseitig zu heiraten. In Detroit schließt sich das Ehepaar Stephanides, Eleutherios nennt sich von nun an nur mehr Lefty, der Familie der Cousine Sourmelina an, die als einzige die wahre Vergangenheit des Paares kennt. Die bereits zu diesem Zeitpunkt verstrickten Familienverhältnisse komplizieren sich in der weiteren Handlung noch einmal, als der Sohn Desdemonas und Leftys, Milton, die Tochter Sourmelinas ehelicht, seine eigene Cousine Tessi. Frucht dieser Beziehung ist Calliope, die als Mädchen aufwächst, im Alter von vierzehn Jahren jedoch feststellt, dass sie genetisch ein Mann ist. In Folge einer Mutation, deren Ursache in den inzestuösen Familienverhältnissen liegt, ist Calliope ein Hermaphrodit. Der geplanten operativen Geschlechtsumwandlung zur Frau entzieht sich Calliope, um als Cal ihren eigenen Weg zu finden.

    Soviel sei zum Gerippe der Handlung gesagt. Erzählt wird die Geschichte von Cal(liope), der Protagonistin oder dem Protagonisten. Diese(r) berichtet grundsätzlich chronologisch aus einer Art Perspektive der Allwissenheit über die Familienhistorie, fügt aber immer wieder Begebenheiten aus seinem späteren persönlichen Leben ein, speziell wenn es sich um Folgen historischer Ereignisse handelt.

    In Interviews weist Jeffrey Eugenides gerne darauf hin, dass ihn die Idee faszinierte, eine Ich-Erzählung aus Sicht eines Hermaphroditen zu schreiben: »Es schien mir, als ob Schriftsteller hermaphroditische Vorstellungskraft haben müssten, da sie in der Lage sein sollten, sich in den Köpfe von Männern und Frauen einzunisten, um Bücher zu schreiben. Was wäre ein besseres Vehikel für diese Fähigkeit als ein hermaphroditischer Erzähler? […] Ich habe den Hermaphroditen nicht gewählt, um eine Geschichte über ein Monster oder eine Abnormität zu erzählen, sondern als Sinnbild der Verwirrung im Sexuellen und in Bezug auf die Identität, die jeder von uns während der Pubertät durchlebt.«

    Middlesex ist ein Roman über Metamorphosen: Die Wandlung vom Geschwister- zum Ehepaar, vom Europäer zum Amerikaner, vom Mädchen zum Mann, oder – wie im Fall einer Nebenfigur – vom unerfüllten Ehemann zum Glaubensstifter. Die willkürliche Odyssee eines mutierten Gens durch Zeit und Raum, die Unwahrscheinlichkeit von verketteten Zufällen, das Kreisen um sich selbst und die letztliche Unabwendbarkeit der Geschehnisse machen die Geschichte zu einem literarischen Ereignis.
    Einmal abgesehen von der Menge an Erkenntnissen, die der Leser gewinnen kann, wenn er nur mag, ist das Buch prall gefüllt mit Randnotizen und Details, mit Charakteren und historischen Begebenheiten, von denen man nie weiß, wie wichtig sie im weiteren Verlauf der Geschichte noch werden. Die Sprache des Romans strotzt nur so vor Freude am Fabulieren. Allein schon der Name der Protagonistin ist ein Omen, war doch Calliope einst die Muse des Erzählens.

    Eine solch ungeheure Fülle muss der Leser erst einmal verkraften können. Es mag sein, dass der eine oder andere der ganzen Geschichte nicht mehr folgen möchte, weil sie ihm zu verwinkelt, zu unwahrscheinlich angelegt ist, oder zu unmittelbar unterbrochen wird von Zeitsprüngen, scheinbar zu ziellos vor sich hin mäandert. Der Autor selbst entschuldigt sich bereits auf den ersten Seiten für den »homerischen Schreibstil«, dem er oft erläge. Doch mir zumindest hat gerade dieser Stil sehr viel Spaß bereitet, diese aus der Zukunft rückwärts gerichtete Erzählwarte, die mit der Vergangenheit beginnt, aber immer wieder kurze Einblicke in spätere Folgen der Geschehnisse gewährt, oder gar zwischendurch wissenschaftliche Abhandlungen einschiebt, wenn es darum geht, das genetische Phänomen zu erklären, das aus Calliope Cal werden lässt.

    Wegen der vergleichbaren Themen und Autoren rückt Eugenides Middlesex unweigerlich an die Seite von Jonathan Franzens Korrekturen. Auch bei Franzen geht es um einen amerikanischen Familienroman, der sich über mehrere Generationen entwickelt. Auch bei ihm spielen physiologische Probleme einer der Hauptfiguren eine tragende Rolle. Aber trotz aller zunächst gefühlten Parallelität unterscheiden sich die Romane letztendlich enorm. Ich möchte einmal ganz absehen davon, dass Eugenides den Prototypus europäischer Einwanderer nach Amerika portraitiert, Franzen hingegen die ebenfalls prototypische Mittelschicht des Mittleren Westens. Denn vollends unterschiedlich sind die sprachlichen Bilder und Stimmungen, die beide Autoren auszeichnen. Franzen ist ein Zyniker, der sarkastisch und mit chirurgischer Präzision seine Figuren zerlegt. Eugenides hingegen schreibt nicht nur mit offenbarem Vergnügen, sondern auch mit einer Gelassenheit, die selbst tragischen Ereignissen eine komische Komponente verleiht.
    Die Vertreibung der Griechen aus Smyrna etwa empfindet man beim Lesen kaum so dramatisch, wie sie es wohl gewesen sein muss. Aber auch das genetisches Schicksal, das sich in einzelnen Erlebnissen von Cal als furchtbar darstellt, schildert der Autor stets mit einem zwinkernden Auge, ganz so als ob alles nur halb so schlimm sei. Mit mediterraner Gelassenheit steigen die Figuren des Romans über Abgründe hinweg, in die Franzens Charaktere mit Sicherheit hinabgestürzt wären.

    Diese über sich selbst und seine eigenen Gefühle erhabene Erzählweise lässt Eugenides auch Passagen meistern, die andere Schriftsteller leicht in eine Zwickmühle gebracht hätten. So seziert er zum Beispiel die sexuellen Experimente des heranwachsenden Zwitters Cal(liope) mit expliziten, minutiösen Beschreibungen körperlicher Handlungen und Reaktionen, die ohne Zweifel in Pornografie hätten abgleiten können, wenn da nicht stets dieses relativierende Achselzucken wäre. Auf diese Weise erlebt der Leser sexuelle Findung nicht in schlüpfrigen Details, sondern vielmehr als überraschende Entdeckung an der Seite eines Menschen, der selbst nicht weiß, wie ihm geschieht.

    Fazit: Middlesex ist ein großartiges Epos über das Leben, die Liebe und über die Geschichte Amerikas. Darüber hinaus aber ist der Roman auch noch eine Aufforderung, das Schicksal zu akzeptieren wie es gerade kommt, das Leben zu lieben, sich selbst zu akzeptieren und zu mögen, dabei aber sich nicht wichtiger zu nehmen, als man ist. Für enormes Lesevergnügen, Lerneffekt und Selbsterkenntnis bleibt mir gar nichts anderes übrig, als Jeffrey Eugenides die vollen fünf Punkte zu verleihen.

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    ninchen1809s avatar
    ninchen1809vor 6 Jahren
    Rezension zu "Middlesex" von Jeffrey Eugenides

    Middlesex ist die Geschichte eines Geschwisterpaares im Griechenland der Zwanziger Jahre, in der heutigen Türkei, im Laufe eines Krieges zueinander finden und sich mehr lieben als dies Geschwister tun sollten. Auf einem Schiff heiraten die beiden und lassen sich kurze Zeit später in Detroit nieder, wo ein Großteil der Handlung spielt. Erst Jahre später hat der Inzest verheerende Folgen: Der Enkel und Erzähler, Cal Stephanides, ist ein Hermaphrodit, der genetisch zwar ein Mann ist, aber als Mädchen aufwächst bis er im pubertären Alter seine zweite Geburt in einem anderen Geschlecht erlebt.

    Middlesex ist unglaublich vielschichtig und bietet mehrere Genres zugleich. Es ist ein Geschichtsbuch (Geschichte der Türkei und dem Streben von Atatürk, Geschichte von Detroit), eine Liebesgeschichte, eine Familiensaga, ein Biologiebuch (Exkurs in die Genetik), ein Buch vom Erwachsenwerden etc.

    Eugenides erzählt die Geschichte leicht und locker mit einem Hauch von Melancholie. Beeindruckend ist auf der einen Seite der Wandel der Zeit den der Autor hervorragend dargestellt hat, sodass man vor dem inneren Auge diesen Wandel der Zeit betrachten kann.
    Aber auf der anderen Seite war das Buch streckenweise zu langatmig und absolut ausufernd.

    Fazit: Toller Roman, aber leider an einigen Stellen zu langatmig…

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    ralluss avatar
    rallusvor 6 Jahren
    Rezension zu "Middlesex" von Jeffrey Eugenides

    Durchhalten!
    Die Geschichte um griechische Aussiedler die bei dem türkischen Angriff 1922 in Smyrna, nach Amerika fliehen, ist anfangs eine recht zähe Angelegenheit.
    Eugenides springt in seiner Erzählung hin und her, bringt wahllos neue Namen ein um sie gleich wieder verschwinden zu lassen, verlässt die Vergangenheit, läßt einen omnipotenten Erzähler zu Wort kommen, ist plötzlich in der Gegenwart - es wird keine Gelegenheit ausgelassen, den Leser zu verwirren.
    Auch ist sein Epos breit ausgelegt, doch frei nach Goethe "Getretener Quark wird breit - nicht stark!"
    So sind die ersten 300(!) Seiten teils eine reine Quälerei für mich, doch nach der Arbeit kommt bekanntlich das Vergnügen!
    Nachdem Calliope geboren wurde, wandelt sich der Stil und Eugenides hält den roten Faden.
    Jetzt gefällt mit der epische Stil, das Aufwachsen eines Mädchen in Detroit mit zu erleben ist sehr einfühlsam und - ja auch witzig geschildert.
    Calliope ist ein etwas anderes Mädchen was in ihrer Pubertät feststellt, dass etwas nicht mit ihr stimmt.
    Doch Anfang der 70er ist die Gesellschaft noch nicht so weit, adäquat auf ein intersexuelles Geschöpf zu reagieren.
    Eugenides umschifft gekonnt die sexuellen Aspekte und verwebt dies leichtfüßig mit den Gedanken und Problemen einer Aufwachsenden Pubertären - ja als Mädchen Geborene.
    Gefüllt wird dies durch den Pfad und die Schuld den einst ihre "jiajia" (Großmutter) anfing und den Jahre später Calliope ausbaden muss.
    Eugenides bleibt nicht nur bei Calli, auch die Familie ist liebenswert beschrieben, das ganze Buch macht nach Seite 300 einen vollständigen Ruck zum Positiven.
    Der geneigte Leser sollte jetzt aber nicht 300 Seiten überblättern, der erste Teil ist zum Verstehen sehr wichtig, hier wird der Samen gelegt, der in späteren Jahren - nach der rezessiven Phase - aufgeht.
    Am Schluss will man dann gar nicht mehr aufhören zu Lesen.
    Fazit: am Anfang zu lang, am Ende zu kurz, insgesamt verdiente 4 Sterne

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    [Middlesex] ist ein unerhörter, wundervoller Roman.

    Ein wunderbares Buch, reich an Geschichte und Geschichten, an Liebe, Glück Leid, Trauer und Tiefsinn, an Witz und an Fabulier- und Erinnerungslust.

    Eugenides ist ein Erzähler, der seine Leser schamlos in seinen Bann zu schlagen versteht. Und sein Buch ein Geschenk an die literarische Welt.

    Ein spannender, origineller und sehr witziger Roman.

    Locker, vielschichtig, tiefgründig, genial.

    Ein hinreißend reicher, kühner Roman - zu Recht ein großer Erfolg.

    Der nächste große Wurf der neuen US-Literatur.

    Vorfreude! So freuen sich unsere Leser auf das Buch

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    Ophiuchusvor 3 Monaten
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