Das Haus der schwarzen Schwäne

von Jelle Behnert 
2,9 Sterne bei36 Bewertungen
Das Haus der schwarzen Schwäne
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Positiv (11):
anderswoundhiers avatar

dunkel, sinnlich, kraftvoll, rebellisch. Was wäre wenn? Eine Erzählung über Spitzen und Tod. I like very much

Kritisch (15):
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Das Buch war nichts für mich...

Alle 36 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Das Haus der schwarzen Schwäne"

Der Aufstand der Spitzenklöpplerinnen

Tøndern 1693, ganz Europa ist verrückt nach Spitze. Doch bei der Herstellung der filigranen Stoffe werden Tausende von Mädchen in Fabriken ausgebeutet und unterdrückt. Falka ist eine von ihnen. Nach dem Tod ihres Vaters hat sie die Heimat verlassen, um in Tøndern ihren Lebensunterhalt durch Klöppeln zu verdienen. Aber anders als ihre Leidensgenossinnen fügen sich Falka und ihre Freundinnen nicht ihrem Schicksal, sondern wagen etwas nie Dagewesenes: Sie lehnen sich gegen die Herrschenden auf. Und während sich auf der Weltbühne der Große Nordische Krieg anbahnt, kämpfen die Frauen ihre eigene Schlacht.

Ein sprachgewaltiger historischer Roman über die Blütezeit der Spitzenmanufaktur

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783746633145
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:491 Seiten
Verlag:Aufbau TB
Erscheinungsdatum:17.05.2017

Rezensionen und Bewertungen

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    anderswoundhiers avatar
    anderswoundhiervor einem Monat
    Kurzmeinung: dunkel, sinnlich, kraftvoll, rebellisch. Was wäre wenn? Eine Erzählung über Spitzen und Tod. I like very much
    plötzlich Rebellion

    Jelle Behnert schreibt anders - dunkel, sinnlich, kraftvoll, rebellisch. Ihre Falka ist kantig und unbequem. Das Buch kratzt an den Gedanken des Lesers und wagt den Gedanken, was wäre wenn sich die Ausgebeuteten nicht länger ausbeuten lassen. Wenn sie nicht einfach den Spieß umdrehten, sondern Neues wagten? Eine Erzählung über Spitzen und Tod und Mut. I like very much

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    Philienes avatar
    Philienevor 4 Monaten
    Kurzmeinung: Mal was ganz anderes
    Düstere Frauenrevolution

    Ich muss zugeben,das ich drei Anläufe gebraucht habe ,um in das Buch reinzukommen. Der Klappentext hat leider nicht viel mit dem Inhalt zu tun, danach habe ich einen Roman über Spitzenklöpplerinnen erwartet, aber das war es absolut nicht. Der Roman war schon sehr düster und manchmal aucg brutal ja und auch nicht so ganz realistisch. Trotzdem hat mich die Geschichte fazieniert . Ich mag Romane in denen die Hauptperson mal nicht die wunderschönen, intelligente und liebenswürdige Blondine ist. Und das ist Falka Auge ja nun wirklich nicht. Sie ist durchweg unsympathisch und egoistisch. 

    Ich glaube der Roman ist nicht für jeden geeignet , wer gerne seichte historische Romane liest der ist hier falsch aber wer mal etwas anderes möchte der hat hier Spass.

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    Booklover88s avatar
    Booklover88vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Interessant, wenn man offen für Neues ist!
    Sprachlich sehr interessant, allerdings mehr Fantasie als Historie

    Mit dem Haus der schwarzen Schwäne hat Jelle Behnert ein sehr interessantes Werk geschaffen. Vor allem auf den ersten Seiten war ich total fasziniert und über sehr weite Teile habe ich die Geschichte auch sehr genossen.

    Was ich dagegen komisch fand, war, dass ab so ca. 2/3 des Buches die Geschichte doch sehr ins Surreale abdriftet und man nicht mehr das Gefühl hat, einen historischen Roman zu lesen. Es wurde teilweise sehr fantastisch. Das fand ich sehr schade, weil es meine Lesefreude dann doch geschmälert hat.

    Nichtsdestotrotz ist es ein sehr interessantes Buch; wenn man sprachliche Rafinesse mag, wird man dieses Buch trotzdem mögen!

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    Blausterns avatar
    Blausternvor einem Jahr
    Das Haus der schwarzen Schwäne

    Dänemärk, Insel Fanø, im Jahre 1693: Falkas Familie ist sehr arm. Sie sammelt für alle im Wattenmeer Würmer, um überleben zu können. Eines Tages kam ihr Vater und Verlobter nicht mehr von der hohen See zurück, und Falka erzeugt in ihrem Aberglauben am Strand eine Gestalt mit dem Leuchter aus der Kirche, der die beiden zurückbringen soll. Daraufhin wird sie von der Insel gejagt und kommt in Tondern in einer Spitzenfabrik unter, wo sie mit anderen Frauen einen harten Arbeitstag von 16 Stunden unter schlechten Bedingungen hat. Sie klöppeln die Tondern-Spitze, die unter der Bevölkerung sehr beliebt ist. Der Arbeitgeber wird reich, und ihre Freundinnen stürzen sich in den Selbstmord. Aus Rache klöppelt Falka dann schwarze Trauerschleier, die eine düstere Aura aussenden, was wiederum Falka nicht bekommt.
    Die Geschichte beginnt spannend und wird so fortgeführt. Man ist gespannt, wie Falkas Leben weitergeht. Doch sie entwickelt einen unglaublichen Aberglauben, ist völlig vernarrt, sodass alles davon bestimmt wird. Sie klöppelt in die Schleier die Macht der Freiheit der Frauen, die diese damals nicht hatten und setzt sich über die Köpfe ihrer Freundinnen hinweg, was sie so manches Mal unsympathisch werden ließ. Die Atmosphäre ist dunkel, Szenen oft kaltblütig, und es wird immer unwirklicher. Man weiß leider nicht, was Realität in der Vergangenheit ist, und ein Nachwort wäre hier wirklich sehr interessant gewesen. Der Sprachstil ist außerordentlich, sehr schön, abwechslungsreich und führt einen die Handlung mitsamt den Gemütern vor Ort vor Augen.

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    Angie*s avatar
    Angie*vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Das Buch war nichts für mich...
    Ekel und Düsterniss!

    INHALT: Wir schreiben das Jahr 1693 in Dänemark. Die junge Falka führt auf ihrer Insel im Wattenmeer kein leichtes Leben mit ihrer Familie. Sie muss Wattwürmer sammeln, essen und verkaufen um das Überleben der Familie zu sichern.
    Der Vater und ihr Verlobter gelten als verschollen auf hoher See. Sie versucht durch abergläubische Praktiken die beiden zurückzuholen, verwendet dazu einen Kerzenhalter aus der Kirche und stellt einen sogenannten  mystischen Angstmann am Strand auf.
    Wegen dieses Vergehens wird sie von der Dorfbevölkerung verstossen und nach Tondern gebracht, um dort 16 Stunden am Tag unter unmenschlichen Zuständen weisse Spitzen zu klöppeln.
    Falka erlernt dieses schwierige Handwerk mit Begeisterung und wird eine begnadete Künstlerin in diesem Handwerk.  Sie arbeitet allerdings nur für magere Kost und eine menschenunwürdige Logis und ihre Unzufriedenheit wegen der harten und ungerechten Arbeitsbedingungen wächst unaufhaltsam. Einige ihrer Freundinnen gehen freiwillig in den Tod oder sterben durch die schrecklichen Lebensumstände.  Falka sinnt auf Rache gegen den Fabrikbesitzer , versucht ein sogenanntes *Mädchenreich* zu gründen und klöppelt nur noch schwarze Spitzen-Trauerschleier....

    MEINE MEINUNG: Dieses Buch war für mich eine kleine Lesekatastrophe und hat mir gar nicht gefallen. Ich hatte wohl einfach andere Erwartungen an diese historische Geschichte gestellt, aber die Umsetzung der Autorin konnte bei mir leider keine Begeisterung beim Lesen auslösen.
    Die Sprache hat zwar sehr bildhaft in diese düstere  Zeit geführt, war mit Aberglauben, Gewalt, menschlichen Leiden gespickt, wie zum Beispiel Schmutz, Krankheit, Hunger. Alles wurde glaubhaft, bunt und facettenreich geschildert , hat bei mir aber hauptsächlich Ekel und Abneigung ausgelöst. Meine  Emotionen konnte ich sachlich nicht im Zaum halten und ich war sehr  enttäuscht von den Schilderungen des ganzen Geschehens in den damaligen Städten und Dörfern. Diese ehrliche und sicher wahre Realität hat mich wirklich verschreckt. Es war eben keine *gute, alte Zeit* , sondern eine Katastrophe für Mensch und Gesellschaft.

    Auch zur Protagonistin Falka und ihren merkwürdigen, abstrusen Gedankengängen fand ich keinen Zugang. Sie hat sich laufend verändert und ihre Gedanken wurden immer boshafter und rachsüchtiger, hauptsächlich gegen Männer. In der Mitte des Buches glitt dieser Roman immer mehr ins SURREALE ab und hat mich leider nicht mehr mitnehmen können. Mir wurde das einfach alles zuviel und ich hatte den Eindruck in einem schwarzen Albtraum zu wandeln. Mit Müh und Not habe ich das Buch beendet und immer auf eine Veränderung dieser dunklen, bösen Stimmung  gehofft - die aber leider nicht kam.

    Diese Lektüre ist kein leicht und amüsant zu lesendes Buch. Ich war froh und erleichtert, als es vorüber war,,,,,

    Meine Bewertung tendiert zwischen zwei und drei Sternen hin und her ,,, interessierte Leser mögen sich nun bitte ein eigenes Bild machen beim Lesen.

    Kommentare: 1
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    nirak03s avatar
    nirak03vor einem Jahr
    historischer Roman oder Fantasie?

    Falka wächst auf einer kleinen Insel auf, doch als der Vater von einer Seefahrt nicht zurückkehrt, muss sie den sicheren Hafen der Heimat verlassen. Sie wird nach Tondern in die Fabrik zur Herstellung von Spitze verkauft. Ihre Geschichte spielt im ausgehenden 17. Jahrhundert in Dänemark. Falka wird gezwungen, sich den Gegebenheiten der Fabrik anzupassen und ihr Schicksal anzunehmen. Genau dies macht sie auch aber anders, als die Männer denken. Schnell wird Falka die beste Klöpplerin, die Tondern je gesehen hat, geschickt nutzt sie ihre Fähigkeiten, um ihre eigenen Ziele zu erreichen.

    Jelle Behnert erzählt hier eine ganz eigene Geschichte über das Leben einer jungen Frau und ihr schweres Schicksal. Die erste Hälfte dieses Romans hat mich völlig in seinen Bann gezogen. Der Erzählstil hat es mir richtig angetan, ich mochte das Buch kaum aus der Hand legen. Mit zielsicheren Worten beschreibt die Autorin Falka. Diese hat ein schweres Schicksal durchzustehen. Sie muss hart arbeiten, um zu überleben, dabei verliert sie aber nie ihre eigenen Ziele aus den Augen. „Liebe dein Schicksal“ ist ihr Motto und dies versucht sie auch, ihren Mitmenschen zu vermitteln. Sie hat damit Erfolg und die Menschen um sie herum können ihr einfach nicht widerstehen.

    Am Anfang erzählt die Autorin nicht nur von Falka, sondern auch davon wie es im 17. Jahrhundert war zu leben und als Frau zu arbeiten. Schwer und Trostlos war es gerade für die jungen Frauen, die mehr Kinder waren und schwer in den Fabriken schuften mussten. Eigentlich war es kaum auszuhalten, davon zu lesen. Aber gerade der Charakter von Falka war es, der Licht und Hoffnung zu diesen Kindern gebracht hat. Genau darum musste ich immer weiter lesen und einfach wissen, wie sich ihr Schicksal wandeln würde. Leider geht dieser schöne historische Roman dann einen Weg, der wohl eindeutig in das Reich der Fantasie gehört.

    Die Mädchen und allen voran Falka organisieren einen Aufstand und wehren sich gegen ihre Herren. Eigentlich eine logische Schlussfolgerung sollte man meinen, leider sind diese Beschreibungen und wie es nun weitergeht so weit her geholt, dass sie einfach nur noch unglaubwürdig wirken und so in einem historischen Roman, meiner Meinung nach, nichts zu suchen haben. Dieser Aufstand wird mit viel Brutalität beschrieben und zeigt alle grausame Härte, die ein Krieg mit sich bringt, leider hat es so einen Aufstand der Klöpplerin und die hier beschriebenen Folgen nie gegeben. Ein Nachwort, in dem Behnert erklärt was Fiktion und Wahrheit ist, gibt es hier nicht. Es wäre interessant gewesen zu erfahren, woher die Autorin ihre Inspiration zu diesem Roman genommen hat.

    Auch wenn ich gerade die zweite Hälfte des Romans dem Reich der Fantasie zuordne, hat mir „Das Haus der schwarzen Schwäne“ gut gefallen. Es ist ein Roman mit viel Herzblut, mit Romantik auf seine ganz eigene Weise und einem Ende, welches zu Falka passt.  

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    PMelittaMs avatar
    PMelittaMvor einem Jahr
    Sprachlich interessant, historisch eher weniger

    Falka wächst Ende des 17. Jahrhunderts in sehr ärmlichen Verhältnissen auf der Insel Fanø auf. Ihr Leben scheint vorbestimmt, sie wird ihren Vetter Peder heiraten und auf der Insel bleiben. Doch dann kommt alles ganz anders und Falka landet in Willem Tondersens Klöppelfabrik in Tondern. Die Verhältnisse, in denen die Klöpplerinnen leben und arbeiten müssen, sind schrecklich, aber es gibt auch Freundschaft und Zusammenhalt unter den Mädchen.

    Das wunderschöne Cover machte mir Lust, den Roman zu lesen, und zunächst fand ich ihn auch sehr interessant. Die Verhältnisse, in denen Falka leben muss, vor allem das Elend der Klöpplerinnen werden eindrücklich dargestellt und auch der historische Hintergrund schien mir interessant.

    Nach etwa 100 Seiten jedoch ging der Roman in eine Richtung, die mir nicht mehr so sehr gefiel, er wurde zunehmend abstrus, Falka verlor immer mehr meine Sympathie und die Geschichte behagte mir auch immer weniger. Für mich wurde der Roman mit jeder Seite weniger historisch. Falka möchte ein Mädchenreich erschaffen, und das mit äußerst extremen Mitteln. Ihr Gedankengut ist stellenweise kaum nachzuvollziehen, für mich geht das schon ins geistig Ungesunde. Sicher ist gesellschaftliche Kritik angebracht, für mich jedoch nicht auf diese Weise, da es einfach immer unrealer wirkt. Das Historische tritt immer mehr in den Hintergrund, auch wenn immer mal wieder das politische Tagesgeschehen mit hineinspielt, jedoch nur am Rande. Ich erwartete einen gut recherchierten, interessanten und spannenden historischen Roman, der mich mit in seine Zeit nimmt. Das habe ich nicht bekommen.

    Sprachlich ist der Roman interessant und besonders, wenn auch manchmal etwas anstrengend. Ich glaube, das war es aber im Wesentlichen, warum ich bis zum Ende dabei blieb.

    Die Charaktere blieben mir durchgehend fremd, auch wenn man manchen recht gut kennen lernt, sie berührten aber nicht mein Herz und ich konnte – außer zu Anfang – kaum mit ihnen mitfühlen. Hin und wieder fesselte mich der Roman für einige Zeit schon, da wurde es interessant und manchmal sogar spannend – leider aber eben nur immer für ein paar Seiten.

    Sehr gefehlt hat mir ein Nachwort. Ich hätte gerne gewusst, warum die Autorin diesen Roman geschrieben hat. Auch ein Glossar hätte dem Roman gut getan, manche Worte konnte ich mir ergoogeln, aber ich weiß bis heute nicht, was „gauchen“ bedeuten soll, ein Wort, das beinahe inflationär verwendet wird. Zum Googeln hat mich der Roman übrigens auch sonst gebracht, ich informierte mich über das Klöppeln, über die Insel Fanø (die tatsächlich Probleme mit Sandstürmen hatte), über den politischen Hintergrund usw. So habe ich immerhin meinen Horizont wieder etwas erweitern können, wenn auch nur indirekt durch den Roman.

    Den Roman zu bewerten, fällt mir schwer, nach langem Überlegen vergebe ich 2,5 Sterne, die ich aufrunde. Sicher wird auch dieser Roman Liebhaber finden, gerade sprachlich wird ihn manch einer genießen können. Wer allerdings einen interessanten und fesselnden historischen Roman lesen will, sollte nach einem anderen Buch greifen.

    Kommentare: 5
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    verirrtes_irrlichts avatar
    verirrtes_irrlichtvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Gewaltige sprachliche Bilder mit Charakteren, die nicht darum buhlen, zu gefallen, sondern sich so zeigen, wie ihre Geschichte sie schuf.
    Mehr Kunst- als historischer Roman, aber dennoch unbedingt lesenswert!

    Ich habe habe lange überlegt, ob ich dieses Buch mit 4 oder 5 Sternen bewerten würde. Letztendlich habe ich mich für die fünf Sterne entschieden, da der eine Punkt, der von mir Kritik erntet, keinen Fehler der Autorin darstellt.
    Aber erst einmal der Reihe nach:

    "Du musst dein Schicksal lieben. Dann ist es schön."

    Der zentrale Satz dieses Buches, um den sich die ganze Handlung rankt. Falka kommt als Spitzenklöpplerin nach Tondern und trotz der widrigen Umstände in der Spitzenfabrik macht sie das Beste aus ihrem Schicksal – mit den Worten der Autorin geschrieben: sie liebt es.
    Jelle Behnert hat einen unglaublich genialen Schreibstil voller Metaphern und ausdrucksstarker sprachlicher Bilder, auf die man sich einlassen muss, um dieses Buch zu genießen. Die ersten 200 Seiten war ich komplett gefesselt.

    Dann jedoch schlägt die Handlung um und der Leser historischer Romane fragt sich, ob es sich hierbei denn noch um einen historischen Roman handelt, als Falka dabei ist, ihr Mädchenreich aufzubauen. Meiner Meinung nach wurde dieser Roman falsch klassifiziert. Ich persönlich finde nicht, dass es ein reiner historischer Roman ist, für mich ist es einer eine Art Kunstroman und vor allem ab dem Moment, in dem die Handlung umschlägt, muss man zwischen den Zeilen lesen. Was sagt uns dieses Buch über die Menschen? Es gibt auf jeden Fall unglaublich interessante Denkanstöße!
    Zunächst war ich etwas enttäuscht, weil ich mich eben auf einen historischen Schmöker gefreut hatte; man muss sich aber einfach auf diese zweite Ebene des Buches einlassen. Das macht es zu etwas Besonderem.

    Allerdings bin ich der Meinung, dass man im Klappentext ruhig einen Hinweis darauf hätte geben können, damit der Leser weiß, womit er es zu tun hat. Wer hier einen „normalen“ historischen Roman erwartet, wird zwangsläufig enttäuscht werden. Aber für den Klappentext kann die Autorin ja nichts.
    Wer also Lust auf sprachliche Raffinesse und eine interessante Karikatur der Gesellschaft hat, sollte dieses Buch unbedingt lesen. Allen anderen rate ich dann doch eher ab.

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    Booky-72s avatar
    Booky-72vor einem Jahr
    Unheil der Spitzen

    Dieser Roman spiegelt  die Verhältnisse der damaligen Zeit gut wieder. Falka hat mich als Charakter sehr beeindruckt. Das Schicksal spielt ihr nicht gut mit, gerade hat sie ihren Vater und ihren Verlobten verloren. Nun muss sie als Spitzenklöpplerin arbeiten, klingt schön, ist aber eine sehr schwere Arbeit für die Mädchen in der Fabrik. Die Mädchen werden schlecht behandelt, Fabrikbesitzer Tondernsen wird reich.

    Doch dann probt sie den Aufstand und die Frauen schließen sich ihr an. Sie klöppeln Spitzen, die sehr viel Aufmerksamkeit erregen werden, aber leider auch den Tod bringen.

    Der Umfang der Geschichte kann leicht abschrecken, doch liest man einmal los, möchte man gerne dranbleiben, auch wenn die leicht düster gestaltete Geschichte nicht jedermanns Geschmack zu sein scheint.

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    Keksisbabys avatar
    Keksisbabyvor einem Jahr
    Falka, dein Reich komme

    Sie wächst in bitterer Armut auf und kämpft seit dem Tod ihrer Brüder um die Anerkennung des Vaters. Doch dieser stirbt mit ihrem Verlobten auf See, als sie dann ein Götzenbild an den Strand trägt, um die beiden zurückzuholen wird Falka, als Hexe der Insel verwiesen. Ihr Onkel übergibt sie in Tondern einer Fabrik in der Spitze geklöppelt wird. Schon bald zeigt sich das Falka ein Talent dafür hat, doch die Mädchen die das begehrte Gut herstellen, hausen unter unmenschlichen Bedingungen. Um auf ihre Missstände hinzuweisen, springen ein paar von ihnen in den Tod. Alsbald ist die Spitze verschrien, doch Falka kann es nicht lassen. Sie klöppelt Witwenschleier und den erstellt sie für Lily, die Nichte des Fabrikanten. Einziger Nachteil Lily ist eine junge Braut aber keine Witwe, aber dem schafft Falka Abhilfe. Schon bald sind die Witwenschleier der Renner und nicht nur dem Pfarrer wird bang, wenn er die wachsende Zahl an Witwen bemerkt und von seiner Kanzel gegen die Tollschönen wettert. Falkas Ambitionen machen jedoch nicht bei den Witwenschleiern halt, sie will die Erschaffung eines Mädchenreiches. Sie hetzt auf und sehnt den Krieg herbei, die große Manntränke, um ihren Traum von einem Matriarchat in Erfüllung gehen zu sehen.

    Ich habe „Das Haus der schwarzen Schwäne“ im Rahmen einer Buchverlosung gewonnen und gelesen. Es ist ein sehr eigenwilliger Roman, insbesondere wenn man ein historisches Werk erwartet. Natürlich beinhaltet es die Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg, die Wende zum 18. Jhd. und der Macht der Spitze, aber gegen Ende hin wird es eine Utopie, denn das Weibsvolk von Tondern erhebt sich und für wenige Tage, übernehmen die Frauen die Herrschaft über Tondern. Die Sprache der Autorin ist so bildgewaltig und an einigen Stellen sogar anschaulich gewalttätig, das sie mich manchmal schier überforderte. Ich konnte irgendwie keine Verbindung zu den Personen herstellen. Falka ist spröde, an einigen Stellen sogar fanatisch. Ihr Wille ein Mädchenreich zu errichten geht über Leichen und erst als sie sieht wie ihre Legion niedergemetzelt wird, muss sie erkennen welch Utopie ihr Wunsch ist. Die einzige der ich so etwas wie Sympathie entgegenbringen konnte war Lily, sie erschien mir mit ihren Gedanken über Kindheit, noch die reellste Figur zu sein. Doch auch sie erliegt Falkas Visionen. Der Plot ist düster, ständig wird ein Krieg mit Tod und Zerstörung herbeigesehnt und die Gewalt an Frauen oder anderen wird nur allzu deutlich beschrieben. Das macht es schwer weiterlesen zu wollen. Es ist halt kein Buch das man nebenbei liest oder zur Erquickung. Es ist gewaltig und an einigen Stellen verstörend. Aber es hebt es sich ab von vielen anderen historischen Romanen, in denen eine Heldin den Widrigkeiten der Geschichte trotzt und triumphiert. Nein Falka verliert am Ende ihr Utopia und doch ist der Gedanke des Matriarchats gesät. Und so wird der Aufstand der Spitzenklöpplerinnen in Todern verwoben mit der Idee der Emanzipation.

    Dieses Buch ist ungeeignet zur Strandlektüre und für Leute mit schwachen Mägen. Da werden Würmer verspeist und Kriege als Reinigung der Gesellschaft glorifiziert. Aber wenn man sich darauf einlässt, dann kann man Falka bei dem Versuch folgen, Frauen an die Macht zu bringen, gegen die Willkürherrschaft der Männer.

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    Gespräche aus der Community zum Buch

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    aufbauverlags avatar
    Der Aufstand der Spitzenklöpplerinnen 

    Tøndern 1693, ganz Europa ist verrückt nach Spitze. Doch bei der Herstellung der filigranen Stoffe werden Tausende von Mädchen in Fabriken ausgebeutet und unterdrückt. Falka ist eine von ihnen. Nach dem Tod ihres Vaters hat sie die Heimat verlassen, um in Tøndern ihren Lebensunterhalt durch Klöppeln zu verdienen. Aber anders als ihre Leidensgenossinnen fügen sich Falka und ihre Freundinnen nicht ihrem Schicksal, sondern wagen etwas nie Dagewesenes: Sie lehnen sich gegen die Herrschenden auf. Und während sich auf der Weltbühne der Große Nordische Krieg anbahnt, kämpfen die Frauen ihre eigene Schlacht. 

    Ein sprachgewaltiger historischer Roman über die Blütezeit der Spitzenmanufaktur.

    Hier zur Leseprobe: http://www.aufbau-verlag.de/media/Upload/leseproben/9783746633145.pdf 


    Über Jelle Behnert
    Jelle Behnert wurde 1962 geboren, studierte in Berlin Publizistik und Literaturwissenschaften, schrieb danach u.a. für das Zeit-Magazin sowie Features für den Hörfunk und Drehbücher. „Liebe Steine Scherben“ war ihr Debüt.

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