Jelle Behnert Liebe Steine Scherben

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Inhaltsangabe zu „Liebe Steine Scherben“ von Jelle Behnert

---- "Jelle Behnerts Debütroman besticht durch liebevollen Witz, durch einen eigenen Sound." (Tobias Becker, Kulturspiegel) ---- Liebe Steine Scherben - drei sind einer zu viel Eigentlich ist es ein ehernes Gesetz: Johann und Tilda, Tilda und Johann. Das Baumhaus in Tildas Garten hat Johanns Vater gezimmert, also wird es nicht mehr lange dauern, bis Johann dort mit ihr schlafen wird. Der wartet nur noch auf eins: Schamhaare. Doch dann bricht alles aus den Fugen. Das Land versinkt im Terror der RAF, Tilda schreibt Liebesbriefe an Andreas Baader und bringt dann einen älteren Jungen mit, der genauso aussieht, Sebastian. Johann weiß: Paar ist eine Sache für zwei. Ohnmächtig den Gegebenheiten ausgeliefert, reift in ihm ein gewaltsamer Plan: Mach kaputt, was dich kaputt macht. Denn drei sind einer zu viel. Trial and Terror, Ohnmacht und Gewalt, wie ein Junge, ein Mädchen und ein ganzes Land gleichzeitig die Unschuld verlieren, verbindet Jelle Behnert zu einer messerscharfen Geschichte. So hat die bleiernen Jahre der späten Siebziger noch niemand erzählt.

Abgebrochen, weil einfach nicht mein Ding es zu lesen.

— Ein LovelyBooks-Nutzer
Ein LovelyBooks-Nutzer

Hochambitionierter, künstlicher unauthentischer verquirlter Quark. Ein unerquickliches Buch.

— rallus
rallus

Interessantes Romangerüst um eine Teenager-Dreiecksbeziehung, allerdings sprachlich für mich zu abgehoben und unauthentisch.

— Gulan
Gulan

Großartiges Debüt! Die explosive Wucht pubertärer Fantasien.

— Himmelfarb
Himmelfarb

Jelle Behnert transportiert, was verborgen hinter der Stirn von Jugendlichen ablaufen kann - von aussen sieht alles so normal aus ...

— wandablue
wandablue

Ein Geschenk für jeden, der in den 1970ern Teenager war: Zack! und man ist wieder dreizehn, vierzehn und alles ist so wie damals. Wahnsinn!

— TochterAlice
TochterAlice

Was für ein KRASSES "Scheißschönes" Buch!!! ♥♥♥

— 19angelika63
19angelika63

Eine verstörende Geschichte zweier Jugendliche in den von Terror beherrschten 70igern. Harmloses Cover mit explosivem Inhalt...

— Floh
Floh

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  • Liebe, Steine, Scherben – kein Leseglück für mich

    Liebe Steine Scherben
    serendipity3012

    serendipity3012

    Johann ist 13 und fast sein komplettes Denken kreist um Tilda, seine beste Freundin, die er schon seit seiner frühen Kindheit kennt. Mir ihr möchte er sein erstes Mal erleben, aber Tilda taucht plötzlich mit dem 15-jährigen Sebastian auf, Johann ist erstmal abgeschrieben. So die Ausgangssituation in Jelle Behnerts Debütroman „Liebe Steine Scherben“. Die Ankündigung zur Leserunde versprach „erstmals die bleiernden Jahre der RAF aus genuin literarischer Perspektive“ zu erzählen, „ein packendes Coming of Age im Zeichen deutscher Nachkriegswirklichkeit“. Ich bin an diesen Roman wohl mit falschen Erwartungen herangegangen. Der Roman konzentriert sich auf die Dreiecksgeschichte zwischen Tilda, Johann und Sebastian, und er hat auch ein paar überraschende Momente für den Leser parat, hier ist eigentlich zu jeder Zeit alles möglich, was den weiteren Verlauf der Geschichte angeht. Johann erzählt aus der Ich-Perspektive, manchmal geschieht das sehr umgangssprachlich, dann plötzlich folgen mehr oder weniger tiefsinnige Gedanken, die ich dem 13-jährigen nicht abnehmen konnte. Die Bilder, die er dabei malt, waren mir oftmals zu unausgegoren, zu „schief“, bzw. nicht besonders aussagekräftig. Der Themenkomplex RAF taugt leider nur als Hintergrund, vor dem die Geschichte der Jugendlichen, dieser Fast-noch-Kinder (tatsächlich hatte ich ältere Jugendliche erwartet), erzählt wird. Der Roman konzentriert sich so sehr auf die pubertäre Nabelschau Johanns, dass die bleierne Stimmung im Land, das von den Berichten über die Entführung Hanns Martin Schleyers und der Entführung der Landshut in Atem gehalten wird, kaum zu mir durchdringen konnte. Darüber hinaus haben mich die Gewaltphantasien der Jungen irritiert und abgestoßen, ebenso konnte ich mit der teils derben Sprache nichts anfangen. Mich konnte „Liebe Steine Scherben“ leider weder fesseln, noch unterhalten, noch zum Nachdenken anregen. Ich gehöre aber sicher nicht zur Zielgruppe des Romans und hätte ich geahnt, dass der Schwerpunkt des Buchs deutlich anders gelagert ist, als die Ankündigung mich vermuten ließ, hätte ich mich sicher nicht für das Buch beworben oder es aus eigenen Stücken gelesen.

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    • 2
  • Pubertät als Hölle

    Liebe Steine Scherben
    Buecherschmaus

    Buecherschmaus

    Eine wahre Achterbahn der Gefühle verlangt uns Jelle Behnert mit ihrem Debütroman ab. Es geht um drei Kinder an der Schwelle zum Erwachsenwerden im heißen Sommer 1977. Tilda und Johann sind " Freunde für immer", auch wenn die Macht ungleich verteilt ist. Tilda ist diejenige die bestimmt, beherrscht. Johann ist ihr völlig ergeben. Da stößt ein Dritter hinzu, Sebastian. Er ist schon 15, anders als die anderen Jungen, ein Außenseiter. Tilda himmelt ihn an, Johann ist zumindest vorübergehend aus dem Rennen. Was sich hier wie eine typische "Coming-of-Age"-Geschichte anhört, entwickelt sich zu einer atemlosen, verstörenden, befremdlichen Geschichte aus der "Hölle der Pubertät". Fantasien voller Gewalt, Sex, Machtausübung beherrschen die Heranwachsenden diesen Sommer über, das kann nicht gutgehen. Die Erwachsenen bieten keinen Halt, werden von den Kindern nicht einmal als mögliche Hilfe in Erwägung gezogen. Zu sehr sind sie mit sich selbst beschäftigt. Die Geschehnisse in diesem heißen Sommer und Herbst des Jahres 1977, heute auch als deutscher Herbst bekannt, die Entführungen und Attentate der RAF bilden nur einen Rahmen, eine zeitliche Verortung. Das ist nicht immer schlüssig, die Parallele Kinder und Gesellschaft die beide in Geschehnisse verwickelt werden, denen sie eigentlich nicht gewachsen sind, die sie überfordern und überrumpeln, ist zu zart angedeutet. Das Zeitgeschichtliche bleibt sehr im Hintergrund, taucht nur als Nachrichtenschnipsel auf. Auch die Gedanken und Handlungen der Kinder waren für mich oft nicht nachvollziehbar, ihre Welt für mich so fremd, dass ich mich kaum einfühlen konnte. Krasse, gewaltgesättigte Fantasien, Extremerfahrungen, das Ausreizen von Situationen, für manch einen Pubertierenden aber vielleicht Alltag. Ich habe das Buch nicht "gerne" gelesen, obwohl Jelle Behnert eine packende, schöne Sprache besitzt und es auch einige wunderbar poetische Betrachtungen gibt. Zu gewaltvoll, zu extrem, die Protagonisten und ihre Handlungen zu abstoßend. Aber es hat meinen Kopf durchgerüttelt, mich tagelang beschäftigt und auch bis heute nicht losgelassen. Und das ist keine kleine Leistung !

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    • 2
  • Die explosive Wucht pubertärer Fantasien

    Liebe Steine Scherben
    Himmelfarb

    Himmelfarb

    Was für ein unerhörtes Debüt hat die Autorin Jelle Behnert da nur hingelegt! Eine "Coming - of - Age" Story der ganz bitteren Art. Und welch' unglaublich starke Charaktere hat sie mit den Teenagern Johann, Tilda und Sebastian geschaffen! "Liebe Steine Scherben" - von der Liebe bleiben Scherben, und der Weg dahin ist steinig und tragisch. Kein Jugendbuch, nein, bewahre! Ein Buch für Erwachsene, um die Jugend, egal in welcher Zeit sie lebt, zu verstehen. Ein Roman, so grausam, wie Computerspiele, nur gab es die 1977, die Zeit, in der dieser Roman angesiedelt ist, noch nicht. Aber es gab die Realität. Mehr Realität als heute, wo man vor Allem in virtuelle Welten flüchtet. Grausam war das Leben schon immer. Tilda, 14, und Johann, 13, sind ein eingeschworenes Team seit Kindertagen, aber nichts bleibt, wie es war, wenn die Pubertät beginnt, wenn die Hormone alles andere beherrschen. Die explosive Wucht pubertärer Fantasien bahnt sich ihren Weg. Liebe, Sex, Qual, Scham, Tod, und immer wieder die Frage, wer man ist. Parallel zum Teenager -Universum von Tilda und Johann, wird die Bundesrepublik von den Taten der RAF und der daraus resultierenden Entführung der Lufthansa Maschine "Landshut", erschüttert. Tilda schwärmt für Andreas Baader, als sei der Terrorist, der zum Säulenheiligen für Verirrte wird, ein Popstar. Tilda ist egoistisch, grausam und manipulativ, aber eigentlich nur unendlich einsam. Johann betet Tilda an, und glaubt, ohne sie nicht leben zu können. Sebastian, als Dritter im Bunde, wird schicksalhaft für beide werden. Dass alles erzählt Jelle Behnert in einer rohen, philosophisch durchwirkten, lebendigen Sprache, die sich nur leider manchmal der Ausdrucksweise des 21. Jahrhunderts bedient. Cool und krass sind Wörter, die es so 1977 noch nicht gab. Es gibt auch andere Ungereimtheiten, wie die Tatsache, das Johann im Februar 1964 gezeugt wurde, also im Oktober 1977 eigentlich noch 12 sein muss. Dass ist zwar ärgerlich, schadet aber dem Gesamteindruck nicht. Was eher schadet, ist eine gewisse Geschwätzigkeit im ersten Teil des Romans, bei dem ich das Gefühl hatte, die Handlung kommt nicht voran. Am Ende dann überstürzen sich die Ereignisse. Das Ende der Kindheit ist von Anfang an besiegelt. Die Zeit der Pubertät Ist grausam. Gibt es Erlösung? Wir wissen, dass die Zeit der RAF vorbei ging. War diese Zeit die Pubertät der Bundesrepublik? Dann allerdings habe ich wenig Hoffnung, dass Johann und Tilda glücklich werden...

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    • 2
    dieFlo

    dieFlo

    19. August 2014 um 15:12
  • Kopfschmerzen statt Kopfkino

    Liebe Steine Scherben
    rallus

    rallus

    Ich hätte es eigentlich wissen müssen - hätte ich. "Experimentelle Sprache" "Packend" "Poetisch" Überhaupt poetisch! Wenn es ein "In"- Wort gibt dann dieses. Was sagt mir Wiki? "Der Begriff bezeichnet im übertragenen Sinn ferner eine bestimmte Qualität. So spricht man etwa von der „Poesie eines Moments“ oder einem „poetischen Film“ und meint damit in der Regel, dass von dem Bezeichneten eine sich der Sprache entziehende, oder über sie hinausgehende Wirkung ausgeht, etwas Stilles, ähnlich wie von einem Gedicht, das eine sich der Alltagssprache entziehende Wirkung entfaltet." Also wenn das so ist, dann ist der - hochprämierte - Roman "Liebe, Steine Scherben" alles, aber dieses nicht. Wir sind im Jahre 1977 und erzählt wird die Geschichte von Johann und Tilda, Tilda und Johann. Beide um die 13 und eigentlich gehören sie ja zusammen. Wenn da nicht Hasenscharten-Sebastian wäre, der sich dazwischendrängt. Dann geht der Rollladen herunter und "sssssssssseeeeexxxxxx". So denkt sich das Johann - ist aber nicht so. Dazwischen sind Einschübe von den damaligen RAF-Terrortaten, wahllos ohne Zusammenhang, eingebracht. Oder ein etwas künstlicher Halt wie: Johann klaut das Poster aus einer Polizeistation, Tilda ist in Baader verliebt. Aber so richtig passt das alles nicht zusammen. Und die Liebesgeschichte? Voller pubertärer Phantasien die Jelle Behnert so irgendwie "experimentell" zusammenmixt. Was das experimentelle ist, habe ich leider nicht feststellen können. Die Sprache des Buches ist grässlich, sich wirr durch die Geschichte mäandernd, voller Ausrufezeichen, unpoetisch, im Telegrammstil und der Geschichte (wenn denn mal eine da ist) vollkommen abträglich. Die wilden Gewalt-Sex-Phantasien von Johann sollen wohl das Aufwachsen beschreiben. Dabei passieren der Autorin als Frau, die im Ich-Erzähler Johann 'lebt', auch handwerkliche Fehler. Einerseits ist es schwierig die erst 13-jährige Perspektive des Jungen, der Autorin abzunehmen, auch beschreibt sie z.B. den Zustand der Phimose vollkommen falsch: "Meine Vorhaut nimmt meine Eichel dauernd in den Schwitzkasten" Als Mann und Leidensgenosse weiß ich wovon ich spreche, bei einer Phimose ist die Eichel von der Vorhaut umschlossen, aber nicht als - schmerzender - Schwitzkasten. Weiterhin bekommt der Junge nach der erfolgten Operation (auf die gar nicht eingegangen wird) seine Vorhaut mit, auf die Tilda dann herumtrampelt. Schwarze Magie, schaurige Atmosphäre? Pustekuchen, wieder ein Mix der überhaupt nicht passt und fehl am Platze wirkt. "Wir haben schwarze Magie gespielt[…]. Aber das ist kein Spiel. Das ist etwas wirklich Böses. Du merkst nicht, wie es kommt und dich holt. Das Böse. Wir spielen was. Wir tun was. Es tut was mit uns. Nicht wir spielen das Spiel. Das Spiel spielt mit uns." Die vielen Sprünge und Wendungen, verquickt mit den unauthentischen Figuren und der gewollten Sprache, erschaffen eine künstliche, überambitiöse Atmosphäre, die mich dann wirklich schaudern lassen. Nach knapp 170 Seiten voller Wust, Wut und Unerquicklichem habe ich das Buch erleichtert verlassen. Schade, gehofft hatte ich auf eine poetische, experimentelle Sprache und eine Liebesgeschichte die geschickt die politischen Elemente in Deutschland mit einbindet. So habe ich das irgendwo gelesen. Gelesen habe ich einen pappigen Quark aus vielen falsch gemengten Zutaten, gewürzt mit einer rohen, rauen unerträglichen Sprache. Knapp an den 0 Sternen vorbei.  

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    • 7
    awogfli

    awogfli

    20. April 2014 um 09:37
  • Das ungewöhnliche Verhalten pubertierender Teenager

    Liebe Steine Scherben
    SandraWer

    SandraWer

    Inhalt: Der Ich-Erzähler des Buches ist der anfangs 12 jährige Johann. Die meiste Zeit verbringt er mit der um ein Jahr älteren Matilda, in die er verliebt ist. Tilda, die typisch für ein Mädchen ihres Alters, für Jungs schwärmt - einerseit Sebastian ein realer junge; dann die Sänger der Rockbands; und plötzlich kommt auch Andreas Baader ins Spiel, der in Stuttgart Stammheim im Hochsicherheitstrakt gefangen ist. Johann ist vor allem auf Sebastian eifersüchtig und möchte Tilda für sich haben, obwohl sie Johann nicht sehr gut behandelt. Aber ganz so friedlich spielt sich die Handlung nicht ab und es ereignen sich unerwartete Dinge. Parallel zur Handlung des Buches erfährt man immer wieder was zu dieser Zeit in Deutschland geschieht, vor allem sind hier die Terroraktionen der RAF im Mittelpunkt. Meinung: Der Schreibstil der Autorin hat mir wirklich sehr gut gefallen. Er ist einfach zu lesen und trotzdem sehr besonders. Alleine deshalb empfinde ich das Buch schon lesenswert. Die Sätze haben eine gewisse Poesie und ich musste sie manchmal mehrmals lesen, um den schönen Klang der Sätze einzufangen. Im Buch geht es um die Schrecken des Erwachsen werdens und die Neuorientierung, die in diesem Alter stattfindet. Ich bin mir aber nicht ganz sicher, ob Tildas Liebe zu Andreas Baader von ihr reflektiert werden kann und ob sie die Ernsthaftigkeit der Sache wirklich erkennt. Andererseits weiß sie aber auch was passiert, sollte man ein RAF-MItglied bei sich zuhause verstecken. Tilda himmelt Baader auf eine Art und Weise an, die ihn abheben lässt aus der Realität Ich denke, dass die Parallele zur RAF einen Vergleich mit den Aktionen der pubertierenden Jugendlichen in ihrer rebellischen Phase darstellen soll. Die dargestellten Jugendlichen sind wirklich nicht zart besaitet. Gewalt und Mord spielen schon in dem Leben der Heranwachsenden eine wichtige Rolle. Die RAF kommt allerdings in dem Buch nur am Rande vor und soll unter anderem das Leben in den 1970er Jahren in Deutschland verdeutlichen. Die Stimmung in der Gesellschaft, die Tag für Tag die Ereignisse im Fernsehen verfolgte und die Nähe der Ereignisse, die sich direkt in Deutschland und nicht am Ende der Welt abspielen, machten die Menschen betroffen. Es hätte jeden erwischen können. Die Stabilität und Sicherheit des Landes war in einer gewissen Weise bedroht. Die Geschichte im Buch handelt zwar in den 1970er Jahren, veröffentlicht wurde das Buch aber erst 2013, was bedeutet, dass die Autorin sehr wohl einen reflektierenden Blick auf die RAF hat, als auch weiß, wie sich diese damals sehr bedrohlichen Ereignisse dann in den folgenden Jahren entwickelt haben. Die RAF konnte also Deutschland nicht langfristig erschüttern und die RAF als Phänomen hat sich in ihrer Bedeutung heute verändert. So wie beispielsweise Che Guevara, wurde auch die RAF und ihre Symbole als Teil der Populärmode übernommen und haben ihren terroristischen Charakter deshalb teilweise verloren. Fazit: Das Buch ist sehr besonders und anders, als ich es mir erwartet habe. Die Story ist zwar schon fast etwas überspitzt, aber durch den schönen Schreibstil der Autorin, sehr schön zu lesen.

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    • 2
  • Leserunde zu "Liebe Steine Scherben" von Jelle Behnert

    Liebe Steine Scherben
    Blumenbar

    Blumenbar

    Liebe Lesende, verliebte und verlotterte, liebreizende und lebensmüde, launige und lüsterne, lobende und löhnende, lachende und lächelnde, Blumenbar geht in die zweite Runde: Mit Jelle Behnerts Debüt »Liebe Steine Scherben« möchten wir Euch einen Roman vorstellen, wie es ihn noch nicht gab. Jelle Behnert erzählt darin erstmals die bleiernen Jahre der RAF aus genuin literarischer Perspektive. Drei Jugendliche im Jahr 1977 erleben in ihrem kleinen Kosmos die Mechanismen von Ohnmacht und Gewalt, die auf großer Bühne ein ganzes Land in Atem halten – ein packendes Coming of Age im Zeichen des Deutschen Herbst und eine scharfsinnige Betrachtung deutscher Nachkriegswirklichkeit. Worum geht´s: Eigentlich ist es ein ehernes Gesetz: Johann und Tilda, Tilda und Johann. Das Baumhaus in Tildas Garten hat Johanns Vater gezimmert, und es wird nicht mehr lange dauern, bis Johann dort mit ihr schlafen wird. Denkt er. Doch dann versinkt das Land im Terror der RAF, Tilda schreibt Liebesbriefe an Andreas Baader im Gefängnis und schleppt dann einen Jungen an, Sebastian. Der ist groß, schön, alleine. Johann weiß: Von einem Tag auf den anderen ist er in sein Zimmer verbannt, kämpft mit Fieber und seinen Phantasien davon, was die beiden hinter Tildas heruntergelassenen Rollos alles tun. Von den Fernsehnachrichten zur RAF angeregt, reift in ihm ein Plan. Mach kaputt, was dich kaputt macht. Denn drei sind einer zu viel. Trial and Terror, liebe und Tod - wie ein Junge, ein Mädchen und ein ganzes Land gleichzeitig die Unschuld verlieren, verbindet Jelle Behnert zu einer gnadenlosen und packenden Geschichte. So hat die bleiernen Jahre der späten Siebziger noch niemand erzählt. »Liebe ist heilig. Steine sind magisch. Scherben bringen Glück.« Jelle Behnert Kurz zur Autorin: Jelle Behnert wurde 1962 geboren, studierte in Berlin Publizistik und Literaturwissenschaften, schrieb danach u.a. für das Zeit-Magazin sowie Features für den Hörfunk und Drehbücher. »Liebe Steine Scherben« ist ihr Romandebüt, für das sie in diesem Jahr den Klaus-Michael-Kühne-Preis des Harbour Front Literaturfestivals in Hamburg erhielt. Da Jelle Behnert – man höre und staune (!) - nur aller zwei Wochen ins Internetcafé geht, um ihre Mails zu lesen, wird sie diese Leserunde zu unserem Bedauern nicht begleiten können. Aber wir haben würdigen Ersatz gefunden. Tom Müller, Lektor von Blumenbar und Digital Native, wird die Autorin bestens vertreten. Wer sich jetzt angesprochen fühlt, kann sich bis einschließlich 14.11. für die Leserunde bewerben. Wir stellen 25 Freiexemplare zur Verfügung. Eine zeitnahe Teilnahme an der Leserunde sowie eine abschließende Rezension setzen wir voraus. Wir sind gespannt und freuen uns auf Euch! Blumenbar

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    • 310
  • Abschreckung pur

    Liebe Steine Scherben
    Mimi19

    Mimi19

    15. December 2013 um 17:06

    Tilda und Johann. Johann und Tilda. Ein Gesetz, dass für immer bestehen sollte. Doch es bricht, als Sebastian die Zweisamkeit stört. So wird der heiße Sommer 1977 einer der komplexesten Sommer für drei von der Pubertät verwirrte Jugendliche. Kraftvoll berichtet Jelle Behnert von der aufwühlenden Zeit des Jahres 1977, von der RAF und vom komplizierten Erwachsenwerden. Sprachlich ein großes, wuchtiges Werk, Verständlich teilweise gleich null. Die Charaktere wirken mit ihren maximal 14-15 Jahren derart übertrieben und keineswegs altersgerecht. Zudem werden die Jugendlichen oft unauthentisch und künstlich gezeichnet. Alle 3 haben einen sehr seltsamen Charakter, auch ihr handeln selbst ist nicht nachvollziehbar. Die Geschichte an sich war für mich durchgängig verstörend und schockierend. Selbst die Gedanken der Heranwachsenden sind abstoßend und von Hass und Gewalt gezeichnet. Wahnvorstellungen, Hirngespinster und fast schon „Teufelsbesetzungen“ sind nicht selten im Buch zu finden. Mein Fazit: Abstoßend, eklig, komplex – nicht zu empfehlen!

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  • irgendwie gut aber auch irgendwie komisch

    Liebe Steine Scherben
    pamN

    pamN

    14. December 2013 um 15:08

    In Liebe, Steine, Scherben geht es um Tilda und Johann, beide gerade in der Pubertät und in einer abhängigen Freundschaft zueinander. Als Sebastian in ihr Leben wird es kompliziert. Die Story und der Schreibstil ist sehr interessant, jedoch finde ich die Freundschaft zwischen Tilda und Johann und die Ereignisse, die sich daraus ergeben etwas komische. Vielleicht bin ich einfach zu alt für diese Story. 

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  • Rezension zu "Liebe Steine Scherben" von Jelle Behnert

    Liebe Steine Scherben
    kathrineverdeen

    kathrineverdeen

    13. December 2013 um 21:01

    Nachdem ich die letzten Zeilen von „Liebe Steine Scherben“ gelesen hatte, ließ dieses Buch mich ratlos zurück. Aber eigentlich erging es mir während des ganzen Buches so. Ratlos, weil mich einerseits die Handlung und ihre literarischen Figuren oft abschreckten und schockierten, zum anderen, weil ich mich ihnen auch nicht entziehen konnte. Es ist fast wie ein unerschütterliches Gesetz: Johann und Tilda, Tilda und Johann. Die beiden kleben förmlich aneinander und verbringen schon seit ihrer Kindheit jede freie Minute zusammen. Als die Tage ihrer Kindheit gezählt sind und sie zu jungen Erwachsenen heranreifen, wächst in Johanns noch kindlichem Körper ein besonderes Verlangen nach Tilda. Er setzt alles daran, seine erwachende Sexualität mit ihr auszuprobieren. Als Tilda eines Tages einen älteren Jungen mitbringt, in den sie sich scheinbar verliebt hat, bricht alles aus den Fugen und es entwickelt sich eine komplizierte Dreiecksbeziehung. Dreh und Angelpunkt dieser etwas anderen Geschichte, ist die Dreiecksbeziehung und ihre Folgen. Drei pubertierende Jugendliche, die mit den Schrecken des Erwachsenwerdens zu kämpfen haben. Begleitet wird diese Handlung von den Begebenheiten aus dem Sommer 1977, als die RAF einem ganzen Volk das Gefühl von Sicherheit nahm. Obwohl es keine große Abhandlung zu diesen Ereignissen gibt, bieten sie einen passenden Kontrast zu den drei Protagonisten. Auch in ihren Körpern tobt eine Revolution, die sie auf sehr unterschiedliche Weise zum Ausdruck bringen. Unkontrolliert, gewalttätig, dominant und manchmal sehr leidenschaftlich und liebevoll. Jelle Behnert verleiht durch ihre sehr ausdrucksstarke Sprache jedem ihrer Figuren besondere und ungewöhnliche Charaktermerkmale. Und doch konnte mich keine von ihnen wirklich überzeugen. Keine hat mich wirklich berührt, aber schockiert und aufgewühlt durch extreme und maßlose Taten. Sie wirkten auf mich durchgehend übertrieben, aufgesetzt, zu künstlich und morbide. Oft war es die sehr kultivierte und philosophische Sprache, die nicht zu den Heranwachsenden passte, aber manchmal auch ihre sehr dramatischen Taten, mit denen sie ihr Gegenüber und den Leser provozieren wollten.Und obwohl ich dieses Buch beim Lesen manchmal gerne mit Schwung ins Regal zurück befördert hätte, musste ich weiterlesen. Jelle Behnert konnte mich mit ihrem Debüt „Liebe Steine Scherben“ nicht komplett überzeugen. Zu verstörend, radikal und derb waren mir die Handlung und ihre Figuren. Es hat mich mit den Gefühlsexplosionen seiner Protagonisten verstört und abgeschreckt und gleichzeitig angezogen. Auch einige Tage nach dem Lesen kann ich mich diesem sehr ungewöhnlichen Buch immer noch nicht ganz entziehen.

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  • Ein verstörendes Buch

    Liebe Steine Scherben
    gst

    gst

    Nachdem ich dieses Buch gelesen hatte, war ich innerlich ziemlich aufgewühlt. Die Autorin hat mit ihrem Erstlingswerk eine tiefe Kerbe in mein Weltbild geschlagen. Doch worum geht es? Johann steht mit seinen 13 Jahren an der Kippe zwischen Kindheit und Pubertät. Sein Körper ist noch kindlich, doch in Gedanken verzehrt er sich schon nach der ein Jahr älteren Tilda, mit der er seine Kindheit verbrachte. Noch sieht er sie mit Schmetterlingsspangen im Baumhaus vor sich, während sie schon versucht, ihre Macht über andere auszuspielen. Da drängt sich Sebastian zwischen die beiden – das alte Gleichgewicht gibt es nicht mehr … Während die Nachrichten voll sind von den Terrorangriffen der RAF, gehen die drei durch ihre ganz eigene Hölle. Die zeigt sich schon in den Farben des Covers: Die roten Haare von Tilda verwischen sich zu einem brennenden Dornbusch … Dieses Buch habe ich nach dem Lesen gerne auf die Seite gelegt. Was anfangs relativ „harmlos“ begann, steigerte sich zu einem emotionalen Donnerwetter. Deshalb Vorsicht: das ist nichts für empfindliche Seelen! Die Sprache der Autorin ist direkt und zog mich in ihren Bann. Auch die Bearbeitung des Themas war vollendet. Trotzdem kann ich nicht mehr als vier Sterne geben: der ursprüngliche Hinweis auf die Zeit der RAF hatte mich auf eine falsche Fährte gelockt.

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    • 2
  • Fehlende Authenzität

    Liebe Steine Scherben
    Gulan

    Gulan

    Tilda und Johann sind Nachbarskinder und spielen seit langem gemeinsam. Die etwas ältere Tilda ist deutlich Ton angebend, erst recht seitdem die beiden in die Pubertät gekommen sind. Johann ist total auf Tilda fixiert und rechnet fest damit, seine aufkommende Sexualität mit Tilda zu erkunden. Doch im heißen Sommer 1977 bringt Tilda plötzlich Sebastian mit, in den sie sich offenbar verguckt hat. Johann ist mit der neuen Situation völlig überfordert und es entwickelt sich eine komplizierte Dreiecksgeschichte mit einigen überraschenden Momenten. Das Buch ist ein sprachlich sehr wuchtiger und teilweise auch sperriger Roman. Die verwirrenden Emotionen der pubertierenden Teenager werden auch sprachlich umgesetzt. Leider ist dies auch mein entscheidender Kritikpunkt an diesem Debüt: Die Charaktere wirken auf mich oft sehr unauthentisch, weil ihr Verhalten und ihre Emotionen oft sprachlich überspitzt dargestellt werden oder nicht altersgerecht. In der Szene zwischen Sebastian und Johann im Bunker hatte ich die Hoffnung, endlich den Zugang zu den Personen zu finden, aber leider hat das nicht angehalten. Dass diese Geschichte im Jahr 1977 spielt und im "deutschen Herbst" ihren Höhepunkt erreicht, wird im Buch hier und da verflochten, aber spielt leider anders als in der Verlagsankündigung eine völlig untergeordnete Rolle. Letztlich hat mich das Buch nicht überzeugt. Das grobe Handlungsgerüst fand ich schon interessant, aber die Figuren waren mir letztendlich zu unauthentisch.

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    • 2
  • Die persönliche Hölle der Pubertät in einem politisch heissen Klima

    Liebe Steine Scherben
    wandablue

    wandablue

    Die Pubertät ist eine schwierige Phase im Leben, doch für die zwei Jahre ältere und deshalb dominante, wild phantasierende, sich in jeder Spielart ausprobierende Tilda und den zarten, leidenschaftlichen Johann, die einander einzige Freunde und Spielkameraden sind, wird dieser letzte heisse Sommer ihrer Kindheit unerträglich. Die Sonne sticht ihnen in den Kopf und sexuelle Fantasien, gewalttätig, wahnhaft, unkontrolliert, wühlen ihre Seelen auf. Werden die Kinder ihre Gefühle am Ende des Sommers wieder in den Griff bekommen oder wird der wie aus dem Nichts auftauchende Sebastian das komplizierte, aber gleichgewichtige Spiel der beiden sprengen und eine dritte, unbeherrschbare, noch explosivere Komponete hinein bringen? Fest steht, dieser Sommer ist ein Pulverfass. Denn Jelle Behnert setzt ihre jugendlichen Protagonisten in die Zeit, in der Andreas Baader und Gudrun Ensslin das Land aufschreckten, es herrscht eine Atmosphäre latenter Angst und Unruhe. Ob es wirklich nötig war Tilda, Johann und Sebastian in den zeitlichen Kontext der RAF zu setzen, muss bezweifelt werden, der zeitgenössische Rahmen spielt nur eine untergeordnete Rolle. Man darf sich keine inhaltliche Auseinandersetzung mit der RAF erwarten. Andererseits setzt die Zeitkomponente interessante Akzente. Doch was besonders hervorsticht, ist die Sprache der Autorin, sie ist weder kindgerecht noch auf Kinder zugeschnitten, es handelt sich auch nicht um einen Jugendroman. Sondern die Autorin transportiert in ganz ungewöhnlichen, krassen Bildern und Wortzusammenstellungen die wirren Gefühle und Handlungen der Kinder nach aussen und sorgt für deren Klarsichtigkeit. Über die Liebe sagt Johann zum Beispiel: „Ich habe immer gedacht das ist Kitsch, in den man mit der Kalaschnikoff hineinschiessen muß.“ In Jelle Behnerts Roman über diese ausgehende Phase der Kindheit zum Jugendlichen in der Zeit der RAF ist alles drin: Rivalität und Eifersucht, Dominanz und Unterlegenheit, Demütigung und Ohnmacht, Spott und Rache, Mordgelüste und Todessehnsucht, Gewalt, Ekstase und Liebe. Und Scherben. Denn es gibt Tote. Ponto ist tot, Buback ist tot, auch in Mogadischu gibt es Tote. Die politische und die persönliche Wirklichkeit ist unerträglich. Johann sagt rückblickend über diesen Sommer: „Ich würde alles darum geben, um wieder das Unerträgliche von damals zu ertragen, statt das Unerträgliche von jetzt.“ Fazit: Ein unerträglicher, wunderbarer, herausragender Roman über die Hölle der Pubertät in einem unsäglich heißen politischen Sommer.

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    • 4
    alasca

    alasca

    07. December 2013 um 01:00
  • Zwischen Pubertät und Erwachsensein

    Liebe Steine Scherben
    Julia_20

    Julia_20

    Inhalt: Johann und Tilda, seit Jahren Nachbarn, sind Gegensätze wie sie im Buche stehen. Tilda, ein herzloser Kontrollfreak, dem es nur um Macht geht steht über Johann, der unendlich in Tilda verliebt ist und alles dafür tut, um ihre Anerkennung zu erhalten. Doch dann gerät alles aus den Fugen. Das Land versinkt im Terror der RAF, Tilda schreibt Liebesbriefe an Andreas Baader und bringt dann einen älteren Jungen mit, der genauso aussieht, Sebastian. Johann, das nun dritte Rad am Wagen, wird nicht mehr von Tilda gebraucht und verstoßen. Ohnmächtig den Gegebenheiten ausgeliefert, reift in ihm ein gewaltsamer Plan: Mach kaputt, was dich kaputt macht. Denn drei sind einer zu viel. Trial and Terror, Ohnmacht und Gewalt, wie ein Junge, ein Mädchen und ein ganzes Land gleichzeitig die Unschuld verlieren, verbindet Jelle Behnert zu einer messerscharfen Geschichte. Schon in den ersten Seiten des Buches entsteht eine großartige Spannung, die einem immer wieder zum Lesen animiert. Die zwar einfache aber doch spannende Lebensgeschichte von Tilda und Johann fesselt einen so sehr, dass man kaum das Buch aus der Hand legen kann. Die Emotionen beim Lesen reichen von Ärger, Zorn und Trauer über Freude, Glück und Zufriedenheit. Es ist wirklich ein Wechselbad der Gefühle! Charaktere: Die Personen waren so wundervoll gestaltet und detailliert beschrieben, dass man sie sich leicht vorstellen kann. Über Tilda musste ich mich oft ärgern - sie fand ich zwar nicht so sympatisch (was natürlich auch nicht ihre Aufgabe war) , passt aber perfekt in diese Geschichte hinein. Johann tat mir oft leid, da er seine Abhängigkeit von Tilda einfach nicht los wird - dennoch findet auch er sein Glück am Schluss, auch, wenn es nur von kurzer Dauer ist. Eigene Meinung: Die Geschichte ist von Anfang bis zum Schluss sehr stimmig. Man wird oft durch Wendungen in der Geschichte überrascht, mit denen ich persönlich überhaupt nicht gerechnet habe. Ich hätte mir zwar etwas mehr zum Thema RAF vorgestellt, hat mir dann aber schlussendlich überhaupt nichts ausgemacht, da die Story mit Tilda und Johann mehr als genug hergibt. Für mich ein absoluter Lesetipp!

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    • 2
  • Pubertät und RAF – Jugend in den späten 70ern

    Liebe Steine Scherben
    Arizona

    Arizona

    Sommer 1977: Johann (13) und Tilda (14) sind Nachbarn und schon ewig befreundet. Unser Ich-Erzähler Johann, von seiner Mutter „Süßling“ genannt, er ist Tilda verfallen. Tilda und vor allem ihren roten Haaren, die um ihren Kopf schwirren wie ein Koma um einen Kometen. Sie ist seine ganze Welt, seine „Miss Sweet“, für ihn gibt es nur ein Gesetz: Tilda und Johann, Johann und Tilda. Aber Tilda hat anderes im Sinn, z.B. den ein Jahr älteren Sebastian. Sebastian, den gazellenhaften Jungen, der ein Geheimnis hat. Und Johann fühlt sich wie das dritte Rad am Wagen. Die Autorin Jelle Behnert beschreibt in ihrem kraftvollen Debüt die Wirren der Jugend, erzählt im heißen Sommer 1977 - ein Sommer, in dem der Teer auf der Straße schmilzt und die RAF um sich schiesst. Andreas Baader wird zu Tildas neuestem Idol auserkoren, Buback wird erschossen, Schleyer entführt und schließlich folgt die Flugzeugentführung der Landshut. Der Titel Liebe, Steine, Scherben findet sich auch in den Überschrift der drei Abschnitte des Buches wieder. Und er beschreibt damit auch die Entwicklung der Kinder und ihrer Gefühle. Eventuell ist der Titel auch eine Anspielung auf die politisch linke Band „Ton, Steine, Scherben“ aus der Zeit (Sänger: Rio Reiser), die u.a. den Song „Macht kaputt, was euch kaputt macht“ hatten. Was ist nun das Besondere an dem Buch: Zunächst die Sprache, sie ist außergewöhnlich, manchmal zwar kraftvoll-derb, aber trotzdem immer fein. Die Metaphern und Ausdrücke des Buches sind einfach unglaublich. Durch die Sprache drückt sich das Gefühlschaos der Jugendlichen aus. Dieses Buch beschönigt nichts, es ist zum Teil morbide, aber eben auch sehr ehrlich, was die wirre Gefühlswelt der Pubertät angeht. Die Protagonisten wissen noch nicht so genau, wohin sie wollen, aber sie dürsten nach dem großen Gefühl. Das Ende der Kindheit und der Verlust der Unschuld wird dem Leser hier sehr deutlich vor Augen geführt, und das nicht nur durch das Ablegen von Tildas Schmetterlingshaarspangen und das Entrümpeln ihrer Barbie-Puppen. Nein, auch auf der Gefühlsebene wird entrümpelt, und so werden allerdings morbide und gewalttätige Dinge freigesetzt. Und ich muss auch ehrlich sagen, dass das zum Teil etwas verstörend auf mich gewirkt hat. Der Terror bildet quasi die Klammer zwischen der Innen- und Aussenwelt. Um es mit den Worten der Autorin auszudrücken: Dieses Buch ist „Punk“, ist „geil“ und es „killt“. Deshalb gibt es von mir ein klares, knappes Fazit: Dieser Roman ist alles, nur kein Mainstream. Und klingt deshalb noch lange nach, eben weil er herausragt aus dem doch manchmal etwas faden Einheitsbrei auf dem deutschen Buchmarkt. Auch der Blumenbar-Verlag hat daher einen zweiten Blick verdient!

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    Blumenbar

    Blumenbar

    05. December 2013 um 11:32
    Arizona schreibt Um es mit den Worten der Autorin auszudrücken: Dieses Buch ist „Punk“, ist „geil“ und es „killt“. Deshalb gibt es von mir ein klares, knappes Fazit: Dieser Roman ist alles, nur kein Mainstream. ...

    Wow, toll auf den Punkt gebracht. Vielen Dank für die auch »geile« Rezension! ;-) Vielleicht auf einen zweiten Blick bei einer nächsten Leserunde, Blumenbar

  • Marmor, Stein und Eisen bricht...

    Liebe Steine Scherben
    TochterAlice

    TochterAlice

    Liebe und Freundschaft leider auch: es ist hart, jung zu sein in den späten 1970ern, in einer Zeit, in der für Eltern und Großeltern Krieg und Verlust noch mehr als lebendig sind, der Zeit des wirklich und wahrhaftig eisKalten Krieges, der jeden Tag losgehen konnte... und der Zeit des Krieges in Deutschland. Ja, dieses Buch spielt im Jahr des deutschen Herbstes, in dem viele von uns, die damals jung waren, ein Stück erwachsener wurden. Wer sich zurückversetzen will in diese schwierige und doch so lebendige Zeit, der kommt um dieses Buch nicht drumherum. Sommer und Herbst 1977: Erzählt wird aus der Perspektive des 13jährigen Johann, der liebt : schmerzvoll und seit langer Zeit. Objekt seiner Begierde ist die Nachbarstochter Tilda, schon fünfzehn, die mit ihm den Molly macht - ihn springen lässt, wie es ihr beliebt... und auch ihrerseits verliebt ist, nur nicht in Johann, sondern in den gleichaltrigen Sebastian. Eine Dreiecksgeschichte voller seltsamer Begierden, Entwicklungen, Ränke und Hoffnungen - und immer schwebt der Zeitgeist über allem. Andreas Baader - Bedrohung oder fast Pop-Star? So unterschiedlich sind die Wahrnehmungen der Akteure, aber auch diese ändern sich von Tag zu Tag - man ist schließlich in der Pubertät, da darf man das. Was Jelle Behnert hier schreibt, das trifft ganz, ganz tief ins Mark - mich jedenfalls. Es schockiert, macht betroffen, befangen, erheitert, verblüfft, verärgert, verstört... und lässt vor allem Erinnerungen an eine längst vergangen geglaubte Zeit aufkommen, eine Zeit der Unsicherheit, der inneren Unruhe, unendlich vieler Ängste - aber auch an eine Zeit der Hoffnungen: das Leben lag ja noch vor einem. Richtig, auch ich war 13 in diesem schicksalhaften Jahr 1977, was das Buch für mich ganz besonders ergreifend, begreifend und zugreifend werden lässt ... doch ich bin sicher, es lässt keinen so ganz kalt. Es polarisiert unendlich und Jelle Behnerts Sprache, die mich tief berührt, mag auf andere abstoßend wirken. Doch das ist wahre Literatur, die lange, lange in mir nachwirken wird, mit der ich leben werde. Warum dann keine bedingungslose Begeisterung von meiner Seite - ganz einfach: es waren Kleinigkeiten, die nicht ganz reinpassten, nichtsdestotrotz mein Lesevergnügen aber ein wenig hemmten - unzeitgemäße Begriffe wie "Cliffhanger", die 1977 im deutschen Sprachraum sicher noch nicht verwendet wurden, Unstimmigkeiten in bezug auf Johanns Alter, dies und das eben - nichts Großes, aber es summierte sich halt. Trotzdem ein Buch, was ich vor allem der in den 1960ern geborenen Generation ans Herz legen möchte, aber auch allen anderen, die sich mal wieder wachrütteln, nein: die sich so richtig durchrütteln lassen wollen von einem ungewöhnlichen Stück deutscher Literatur.

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