Jennie Godfrey

 4,4 Sterne bei 100 Bewertungen

Lebenslauf

Jennie Godfrey ist in Yorkshire geboren und aufgewachsen. Ihr Debüt ›Unser Buch der seltsamen Dinge‹ war in Großbritannien ein sensationeller Erfolg und stand wochenlang an der Spitze der ›Sunday Times‹-Bestsellerliste. ›Das Gartenfest‹ ist ihr zweiter Roman. 

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Das Gartenfest (ISBN: 9783423285414)

Das Gartenfest

(3)
Neu erschienen am 16.07.2026 als Gebundenes Buch bei dtv Verlagsgesellschaft.

Alle Bücher von Jennie Godfrey

Cover des Buches Unser Buch der seltsamen Dinge (ISBN: 9783423221450)

Unser Buch der seltsamen Dinge

(97)
Erschienen am 29.12.2025
Cover des Buches Das Gartenfest (ISBN: 9783423285414)

Das Gartenfest

(3)
Erschienen am 16.07.2026

Neue Rezensionen zu Jennie Godfrey

Cover des Buches Das Gartenfest (ISBN: 9783423285414)
ingaburgs avatar

Rezension zu "Das Gartenfest" von Jennie Godfrey

ingaburg
Eine Nachbarschaft mit vielen Geheimnissen

Der Roman spielt im Sommer in den 80er-Jahren und es geht um eine Nachbarschaft in Hufeisenform und eine Gartenparty, auf die sich alle vorbereiten. Auf den ersten 200 Seiten lernen wir die unterschiedlichen Bewohner aus wechselnden Perspektiven kennen und erfahren viel über ihr Leben, ihre Beziehungen und ihre Sicht auf die anderen Nachbarn.

Erst in der zweiten Hälfte findet das Gartenfest tatsächlich statt. Während im Hintergrund das Live-Aid-Konzert im Fernsehen läuft und immer mehr Nachbarn ins Haus der Familie Gordon kommen, werden nach und nach Geheimnisse aufgedeckt. Es entsteht eine schöne Spannung und so manches Bild, dass man sich von den Nachbarn gemacht hat, gerät ins Wanken.

Besonders gut gefallen haben mir die unterschiedlichen Charaktere, auf die man sich definitiv einlassen muss, denn in dem Roman geht es weniger um einen spektakulären Plot, sondern um die Menschen hinter den Fassaden einer perfekten Nachbarschaft. Ich konnte mich sehr gut in die einzelnen Personen hineinversetzen und ich habe mit ihnen gelitten und gelacht. Die Vorbereitung auf das Fest erzeugt eine schleichende Spannung, die sich während der Feier immer weiter zuspitzt. Und natürlich passieren einige unvorhergesehene und unausgesprochene Dinge, aber da möchte ich jetzt nichts verraten.

Mir hat der Roman großes Vergnügen bereitet.

Fazit: Ein fein beobachteter und atmosphärischer Roman über Menschen, Beziehungen und die Geheimnisse hinter der Fassade einer scheinbar perfekten Nachbarschaft. Wer gerne in vielschichtige Charaktere eintaucht und sich Zeit für ihre Geschichte nimmt, wird diesen Roman mögen.

 

Cover des Buches Das Gartenfest (ISBN: 9783423285414)
S

Rezension zu "Das Gartenfest" von Jennie Godfrey

Simone_081
Starker zweiter Roman

Das Konzept von Jennie Godfreys zweitem Roman "The Barbecue at No. 9" ist nicht neu. Es geht um eine Gruppe Nachbarn, die sich auf eine Gartenparty vorbereiten, die in der zweiten Hälfte des Buchs stattfindet. Vorher erfährt man aus der Perspektive unterschiedlicher Personen deren Geschichte und Meinung zu den verschiedenen Nachbarn. Natürlich werden während des Fests dann einige Geheimnisse aufgedeckt und es kommt zu Spannungen.
Dieses Konzept kennt man normalerweise von Familienromanen. Das Zusammentreffen von einigen Nachbarn, um das Live-Aid-Konzert (80er Jahre) zu feiern, hat es noch nicht so oft gegeben.
Mir hat diese Idee gut gefallen, da die verschiedenen Charaktere, aus deren Sicht die Geschichte erzählt wird, sympathisch sind; man kann definitiv mit ihnen mitfühlen, weil sie sehr menschlich sind. Trotzdem kommt Jennie Godfrey hier nicht ganz ohne Klischees aus, denn die dargestellten Probleme der Personen sind nicht wirklich neu und zurzeit eher "Trend", wenn man das so sagen kann. Man muss sich auch auf ein paar kleinere Längen einstellen, die jedoch nicht weiter stören.
Die 80er Jahre und auch die Idee, das Live-Aid-Konzert in den Mittelpunkt zu stellen, finde ich super, allerdings spielt das Konzert eine eher untergeordnete Rolle. Man merkt, dass es lediglich als zeitliches Rahmenereignis dient, um der Geschichte einen realen Bezug zu geben.

Das Buch reicht nicht ganz an Jennie Godfrey Debüt heran, das mir sehr gut gefallen hat, trotzdem muss es sich nicht verstecken. Man sollte sich aber auf einen Roman einlassen, der die Charaktere, nicht den Plot, ins Zentrum stellt.

Cover des Buches Unser Buch der seltsamen Dinge (ISBN: 9783423221450)
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Rezension zu "Unser Buch der seltsamen Dinge" von Jennie Godfrey

Ron_Robert_Rosenberg
Yorkshires junge Hoffnungen

„Ich bin mir sicher, es sind sehr nette und anständige Leute“, hatte Tante Jean über Shazias (pakistanische) Familie gesagt, „aber ich hoffe, dass sie unter ihresgleichen bleiben.“

„Gepflegter“ Alltagsrassismus, wie dieser, Radikalisierung von jungen Neo-Nazis, Misogynie in der Mittelschicht, Coming-of-Age, Bigotterie in der Kirche sind die Themen – um nur einige Beispiele zu nennen –, die in Jennie Godfreys Jugendbuch mit dem Titel „Unser Buch der seltsamen Dinge“ zu finden sind. Marketingtechnisch wird die Story clever beworben, schließlich ist die Geschichte eingebettet in die Rahmenhandlung des Yorkshire-Killers. Einem Serienmörder, den es Ende Siebziger tatsächlich gegeben hat und dessen Opfer namentlich am Ende des Buches aufgelistet sind. Dennoch drehen sich die Geschehnisse nur hintergründig um die Jagd nach dem Täter. Somit darf man nicht den Fehler begehen, dieses Buch dem Krimi-Genre zuzuordnen. Zwar würde ich nicht so weit gehen, es als Mogelpackung anzusehen, da es mit dem Titel und dem Klappentext suggeriert, hier handele es sich eben um eine Mörderjagd oder zumindest um ein Mystery-Plot. Aber irreführend und verlockend ist es dadurch allemal.

Die eigentliche Heldin ist die elfjährige Miv, die im Laufe der Geschichte älter wird. Sie stammt aus unterprivilegierten, bescheidenen Verhältnissen, wird täglich mit der traumatisierten und verstummten Mutter konfrontiert und muss sich gedanklich nun mit dem drohenden Ortswechsel, raus aus ihrem geliebten Yorkshire, quälen. Keine einfache Situation für Miv. Ihre Hoffnung ist, mit der Entlarvung des umtriebigen Yorkshire-Killers den Umzug abwenden zu können. Zusammen mit ihrer Freundin Sharon sowie mit dem freundschaftlich verbundenen Pakistani Ishtiaq begibt sie sich auf Spurensuche. Und das ist bereits alles, was die Rahmenhandlung hergibt. Die eigentliche Stärke des Romans liegt klar in den vielen, kleinen Alltagsgeschichten, die zunächst losgelöst daherkommen, sich aber bis zum großen Finale miteinander verknüpfen. Und diese Geschichten beinhalten genau diese schwergewichtigen Themen, die ich eingangs aufgeführt habe. Ob prügelnde Ehemänner, Ausländerhass oder Schulprobleme – Miv durchlebt ihre anfängliche Teenagerzeit in einem Strudel aus Gewalt, Hetze und Ablehnung, aber auch Kompromissen, Liebe und Zusammenhalt. Diese Episoden sorgen für eine angenehmes Erzähltempo und eine eigene Spannung. Der Nervenkitzel bezüglich des Serienmörders verliert sich jedoch auf den ersten Seiten. Zu dilettantisch gehen die beiden Mädchen auf der Suche nach dem Ripper vor, was einerseits aufgrund ihres Alters erwartbar ist, aber auch keinen Schub durch äußere Umstände erfährt – nicht einmal durch den berühmten Kommissar Zufall. Über das ganze Buch hinweg verfolgen sie jede und jeden, der merkwürdig aussieht oder sich unfreundlich verhält. Das entpuppt sich bald als eine gewisse Lächerlichkeit. Mit Raffinesse darf nicht gerechnet werden, daher ja auch meine obige Warnung für Krimi-Liebhaber.

Stilistisch überzeugte mich der Roman durch seine sympathischen Protagonisten und schlüssigen Szenen. Etwas genervt hat mich die zu dick aufgetragene, naiv-kindliche Erzählweise durch Mivs Blickwinkel. Ständig erröten die Menschen bei kleinsten Äußerungen oder es wird pausenlos gekichert. Diese Wiederholungen ermüden beim Lesen und wirken rasch einfältig. Dabei ist Miv durchaus zu tiefen und philosophischen Gedanken fähig. Es ist das Handwerkliche der Autorin Godfrey (die manchmal, wenn auch selten dürftige Figurenzeichnung), was mich gelegentliche störte. Außerdem fällt auf, dass weitere Perspektivwechsel eingestreut werden, um dem Fortschritt der Story eine Wendung zu geben. Das ist ein bewährtes Mittel, jedoch wirkten die Personen, die man als Leser kurzzeitig begleiten darf, zufällig ausgewählt und nicht immer passend. Manchem Charakter wird nur einmal in dem Buch diese Ehre zuteil. Das betrachte ich eher als Schwäche bei der Plotentwicklung, statt als gelungenen Kniff der Autorin. Gelungen sind wiederum die Cliffhanger und liebevollen Einschübe zu Yorkshire, die sehr gut recherchiert wurden.

Im Ergebnis ist es ein unterhaltsamer Roman, der etwas von seinem Potenzial verschenkt, dessen Lektüre sich aber dennoch lohnt. Man darf nur eben keinen Krimi erwarten. Fans von Coming-of-Age-Romanen kann ich „Unser Buch der seltsamen Dinge“ wärmstens ans Herz legen. Diese werden nicht enttäuscht. Alles Weitere – das Eintreten von Mivs Befürchtungen und vor allem das Ende in Sachen Yorkshire-Ripper – wird nicht verraten. Nur so viel: immerhin bleiben keine losen Enden. Etwas, was ich ebenfalls gut finde.

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