Jennie Seitz

Lebenslauf

Jennie Seitz, seit 2013 freischaffende Übersetzerin aus dem Russischen, hat u. a. Nadeschda Tolokonnikowa, Oleg Senzow, Dmitry Glukhovsky ins Deutsche gebracht und überträgt regelmäßig journalistische Texte für das Russland-Portal Dekoder. Für Katerina Gordeevas Nimm meinen Schmerz war sie 2024 für den Preis der Leipziger Buchmesse nominiert.

Quelle: Verlag / vlb

Neue Bücher

Cover des Buches Der Schlüssel würde noch passen (ISBN: 9783426446669)

Der Schlüssel würde noch passen

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Neu erschienen am 03.11.2025 als Gebundenes Buch bei Droemer.

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Neue Rezensionen zu Jennie Seitz

Cover des Buches Der Schlüssel würde noch passen (ISBN: 9783426446669)
Alriks avatar

Rezension zu "Der Schlüssel würde noch passen" von Irina Scherbakowa

Alrik
Ein Leben gegen das Vergessen

Man schlägt dieses Buch auf und merkt nach wenigen Seiten: Das ist kein gemütlicher Rückblick, das ist ein Lebensprotokoll mit offenen Nerven. Irina Scherbakowa schreibt nicht, um zu gefallen, sondern um festzuhalten, was sonst verloren geht. Gedanken schießen durch den Kopf wie: Wie viel Mut passt eigentlich in ein einziges Leben?




Zwischen Moskauer Küchen, politischen Hoffnungen und bitteren Enttäuschungen entfaltet sich eine Geschichte, die gleichzeitig persönlich und erschreckend exemplarisch ist. Kein Pathos, keine Selbstverklärung. Stattdessen Erinnerungen, die manchmal leise daherkommen und dann plötzlich treffen wie eine kalte Hand im Nacken. Immer wieder dieses Gefühl: Geschichte ist nichts Abstraktes, sie sitzt mit am Tisch.




Besonders stark wirkt, wie selbstverständlich Scherbakowa Verantwortung denkt. Bürgerrechte, Aufarbeitung, Widerstand – das sind hier keine großen Begriffe, sondern tägliche Entscheidungen mit echtem Risiko. Beim Lesen wächst Bewunderung, aber auch ein unangenehmes Ziehen im Bauch. In Westeuropa redet man gern über Haltung, hier wird gezeigt, was sie kostet.




Das Buch hat kluge, ruhige Momente, dann wieder Passagen voller Bitterkeit und Müdigkeit. Und genau darin liegt seine Kraft. Kein Abgesang, keine Abrechnung, sondern ein ehrlicher Blick auf ein Leben, das an die Idee geglaubt hat, dass Erinnerung etwas verändern kann.




Am Ende bleibt man still sitzen, klappt das Buch zu und denkt: Der Schlüssel würde noch passen – aber die Tür dahinter ist schwerer geworden. Ein Buch, das nachwirkt, fordert und lange im Kopf bleibt.

Cover des Buches Nimm meinen Schmerz (ISBN: 9783426279175)
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Rezension zu "Nimm meinen Schmerz" von Katerina Gordeeva

Buecherseele79
Realität aus dem Ukraine-Krieg

"Ich glaube daran, dass diese Geschichte Zeitzeugnisse sind, Dokumente der Kriegszeit, die uns in einer wie auch immer gearteten Zukunft dabei helfen werden, nicht zu vergessen, weder den Krieg noch die Feindseligkeit noch die Gewalt, die uns angetan wurde." (Seite 17)

Katherina Gordeeva erzählt Geschichten aus dem Krieg.

In ihrem Buch geht es um den Kriegsausbruch in der Ukraine. Und hier ist es nun mal wie es ist - die Realität und Ehrlichkeit, der Schmerz um den Verlust von Heimat, Familie, zu Hause und eigenes Leben trifft bei jeder Geschichte wie eine Kugel.

Jede Geschichte ist mit einem Stichwort versehen was sich dann um die Erzählung dreht. Das berührt sehr oft, geht es doch um manch banale Dinge die im Alltag nicht immer die Aufmerksamkeit bekommen.

Die Autorin selbst ist Russin, hat aber auch Bezug zur Ukraine, steht bei den Gesprächen immer unter "Beschuss" durch Worte oder Hass. Selten kann jemand über seinen Schatten springen und Katherine "verzeihen" dass sie Russin ist.

Und für die Autorin ist es schwer zu verstehen, wie für viele andere Menschen auch, warum dieser Krieg angezettelt wurde. Natürlich steht Putin auf der einen Seite und verbreitet seine Rechtfertigung und Propaganda. Aber durch die Erzählungen wird sehr deutlich - alles Lüge. Natürlich ist das Leben in der Ukraine nicht leicht, aber die Menschen waren glücklich und von Nazis und ähnliches - keine Spur.

Auch die Frage welche Soldaten welche Gruppen beschießt war für die Autorin immer wichtig - hier merkt man dass es nicht immer so eindeutig scheint wie vielleicht in den Nachrichten gezeigt. Wir erhalten nur eine Seite der Erklärung mit Bildern und Berichten. Hier, mit diesem Buch, schreibt die Autorin die Erinnerungen und Geschichten von Heldinnen und Helden nieder. Und diese gehören gelesen und gehört!

Nicht nur dass viele Russen dem Krieg zustimmen müssen um nicht in ein Gulag oder Gefängnis zu landen - Nein! Auch (russische) Soldaten haben die Nase voll, beschreiben ihre Fahnenflucht und dass sie keine Lust haben auf Brüder zu schießen. Dass kaum einer einen "Sinn" in diesem Krieg mit seiner Propaganda sieht.

Die meisten sind Heldinnen die ihre Geschichte erzählen. Geschichten die von Mut und Hoffnung, von Wut, Tränen und Verlust erzählen. Jede einzelne Geschichte hat mich geschockt, berührt und mitgenommen. 

Diese Menschen haben soviel, wenn nicht alles, verloren. Für nichts. Für Habgier eines Diktators. Man bekommt beim lesen eine immense Wut mit der ich persönlich kaum umgehen konnte.

Ein unglaublich wichtiges und intensives Buch. Und ein unbekanntes Danke an alle die ihre Geschichte erzählt haben.


Cover des Buches Nimm meinen Schmerz (ISBN: 9783426279175)
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Rezension zu "Nimm meinen Schmerz" von Katerina Gordeeva

Thomas_Lawall
"Was habt ihr nur angerichtet..."

Selten ist mir die Rezension eines Buches so schwer gefallen wie diese hier. Wie oft habe ich angefangen und rein gar nichts zu Papier gebracht. Die auf den schmalen Zettel wie immer notierten Zeilen ergaben einfach keinen Anfang und kein Ende, wohl analog zu den nicht enden wollenden Kriegen auf diesem blauen Planeten.

In den Nachrichten hören und sehen wir täglich Berichte von irgendwelchen Eroberungen, Landgewinnen und Opfern, die nicht selten ein recht diffuses Licht auf das wahre Ausmaß jener kriegerischen Auseinandersetzungen werfen. Jene Opfer, welche sog. Staatsoberhäupter als "Verluste" scheinbar von vornherein eingeplant haben, verschwinden hinter der nüchternen Aufzählung diffuser Zahlenberge und werden nicht Wenigen gar zu viel, denn "man kann es ja schon fast nicht mehr hören"...

Ganz andere Wege geht Katerina Gordeeva, die russische TV-Reporterin und Kriegsberichterstatterin, welche nach der Annexion der Krim 2014 ihre Heimat verließ und nunmehr im Exil in Lettland lebt. "Nimm meinen Schmerz", der nüchterne Buchtitel, verrät kaum etwas über den Inhalt jener "Geschichten aus dem Krieg". Erst jene Zeile, die dem Vorwort vorangeht, und wie eine Warnung klingt, lässt nichts Gutes ahnen.

Die Autorin stellt uns Menschen vor, die sie ihre "Heldinnen und Helden" nennt, welche den Krieg in der Ukraine unmittelbar erlebt haben. Ukrainische Zivilistinnen und Zivilisten gleichermaßen wie desertierte russische Soldaten, die mehr oder weniger alle etwas gemeinsam haben: Sie alle wollten diese "militärische Spezialoperation" nicht. Die einen hat man überfallen, die anderen am 24. Februar 2022 zu einer "Übung" an die ukrainische Grenze geschickt.

Leserinnen und Leser erleben diesen Krieg in Zeitlupe und in Episoden, die in Nachrichten selten oder nie zu sehen sind. Katerina Gordeevas Fokus liegt auf den Einzelschicksalen ihrer Heldinnen und Helden. Das gelingt nicht immer, da sie als gebürtige Russin keinen leichten Stand hat, aber wenn es gelingt, ist es furchtbar.

Wir lernen Irina kennen, die insgesamt 25.000km unterwegs war, um ihren Sohn zu suchen, einen Mann, der Frauen und Kinder mitten im Gefecht mit seinem Auto in Sicherheit bringt und noch einmal in die "Hölle" zurückfährt, Menschen, die sich einen "Zaubermantel wie bei Harry Potter" wünschen, oder jenen Opa, der in jungen Jahren bei einem Hausbau einen "Erschießungsgraben" fand.

Flüchtlingsfamilien in ihrer "neuen Heimat" begleiten wir ebenfalls, und was es bedeuten kann, am schönsten Platz der Welt aufgenommen worden zu sein. Und wir lernen, was pure Verzweiflung ist, wenn die Menschen einfach nicht begreifen können, was sie verbrochen haben, was man von ihnen will oder von wem oder was man sie "befreien" will.

"Was habt ihr nur angerichtet...
Wir haben doch nur dieses eine Leben."

Katerina Gordeevas "Geschichten" zeigen auf fast unerträgliche Weise das wahre Gesicht des Krieges, der größtmöglichen aller Katastrophen. Reduziert auf entsetzliche Einzelschicksale multipliziert dieses Buch die gewohnte Berichterstattung weit über das gegebene Maß hinaus.

Es gibt deshalb unendlich viele Fragen, die aber ausnahmslos nicht beantwortet werden können. So wird auch "Irynas" Frage unbeantwortet bleiben:

"Was hat man ihnen eingeflößt, was ist in ihnen zerbrochen, dass sie ganz normale Menschen so hassen?"

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