Es war einmal Aleppo

von Jennifer Benkau 
4,8 Sterne bei42 Bewertungen
Es war einmal Aleppo
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Ennis avatar

Ich habe selten ein so bewegendes, großartiges Buch gelesen. JEDER sollte es gerade in der heutigen Zeit lesen - wirklich!!!

B

Dieser Roman hat etwas zu sagen!

Alle 42 Bewertungen lesen

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Inhaltsangabe zu "Es war einmal Aleppo"

Es ist wie ein Schlag ins Gesicht. Antonia kommt mit ihrer Familie aus dem Urlaub, und plötzlich leben mehrere hundert Flüchtlinge nebenan.
Klar – irgendwo müssen sie unterkommen. Aber ausgerechnet hier?
Doch dann trifft Toni auf Shirvan. Und mit jeder skeptischen Frage, die sie ihm stellt, wird die Sache verzwickter.

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783958692770
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:510 Seiten
Verlag:ink rebels
Erscheinungsdatum:10.12.2016

Rezensionen und Bewertungen

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    Bittermandelvor 5 Monaten
    Kurzmeinung: Dieser Roman hat etwas zu sagen!
    Besonders wichtig

    Flüchtlinge sind Sozialschmarotzer
    Flüchtlinge sind Terroristen
    Flüchtlinge dürfen nichts besitzen, sonst sind sie nicht bedürftig
    Flüchtlinge werden Ärger machen
    Flüchtlinge passen nicht in unsere hiesige Kultur

    Dieses Buch lässt keine Stammtischparole unbeantwortet. Wi schlüpfen in die Rolle von Antonia, einer typisch deutschen Jugendlichen, die ein behütetes Leben führt. Und eines Tages kommt Antonia nach Hause und wird vor vollendete Tatsachen gestellt- gleich gegenüber ist eine Unterkunft für Flüchtlinge. 
    Diese Situation ist etwas, was einigen tatsächlich bekannt vorkommen dürfte- in der Tat mussten im letzten Jahr von heute auf morgen Notunterkünfte bereit gestellt werden, die wie PIlze aus dem Boden schossen. Soweit kein Problem- nur vertraten manche die Ansicht: Gerne, aber nicht vor meiner Tür. In diesem Jugendbuch geschieht genau das, und noch schlimmer: Antonia kann nicht die Augen davor verschließen und sich in die sehr kritische Meinung ihrer Familie hüllen. Nein, ihre beste Freundin nimmt sie mit ins Camp und dort hat das Mädchen dann die Möglichkeit, sich ein eigenes Bild zu machen.
    Die Autorin schreibt tatsächlich sehr differenziert, denn es gibt durchaus Klärungsbedarf oder kulturelle Unterschiede, Konflikte oder Schwierigkeiten. Doch vermag sie es, hinter diese Dinge zu blicken, die im Endeffekt eigentlich eher Symptome eines größeren Problems dahinter sind. Ich mochte es sehr, dass sie kein Blatt vor den Mund nahm und gnadenlos sämtliche Klischees und Parolen ans Tageslicht zerrte, um sie dort hemmungslos zu zerpflücken. Ihr gelingt das so vollendet und kompromisslos, dass man sich am Ende fragt: Wie konnte ich diesen dummen Aussagen nur so vorbehaltlos glauben oder sie überhaupt nur in Erwägung ziehen? 
    Gekleidet wird das ganze in eine Bekanntschaft zwischen Antonia und einem jungen Flüchtling, Shirvan. Ich fand es sehr klug einen solchen Protagonisten einzuführen, denn seine Erzählungen machen die Hintergründe der Flucht und des Krieges weniger abstrakt. Das Ganze bleibt sonst- seien wir ehrlich- recht nebulös durch die wenigen Informationen, die man hierzulande von den Zuständen bekommt. 
    Ein rundum gelungener Jugendroman, der sich auch für alle anderen Altersklassen eignet und vor allem auch für alle, die sich noch nicht so ganz sicher sind, was sie von der aktuellen Situation in Deutschland halten sollen. Und der gerade heute wirklich wichtig ist; ein Roman, der etwas zu sagen hat. Wegen mir könnte und sollte er gerne Schullektüre werden. 

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    Buchsensibelvor 7 Monaten
    Kurzmeinung: Ein bewegendes Jugendbuch über die Flüchtlingsthematik
    Ein bewegendes Jugendbuch über die Flüchtlingsthematik

    Ein Buch, das in eine ähnliche Richtung geht wie „Sommer unter schwarzen Flügeln“ von Peer Martin ist „Es war einmal Aleppo“ von Jennifer Benkau.
    Es ist zwar weniger intensiv und weniger aufwühlend (daher auch für jüngere Leser ab 12 Jahren gut geeignet), doch ebenso einfühlsam geschrieben.

    Als die Protagonistin Toni mit ihrer Familie aus dem Urlaub nach Hause kommt, findet sie plötzlich in ihrer direkten Nachbarschaft ein neu eröffnetes Flüchtlingscamp vor. Während viele Bürger (und auch ihre eigene Familie) vor Empörung laut aufschreien und demonstrieren, überwindet Toni ihre anfängliche Scheu und Unsicherheit und wagt sich ins Camp.

    Nach und nach erfährt sie nicht nur einiges über die politische Situation in Syrien und die Fluchtgründe, sondern vor allem lernt sie Menschen aus dem Camp mit ihrer persönlichen Geschichte kennen und ihr Blickwinkel verschiebt sich: aus Skepsis wird Verständnis, aus Zögerlichkeit wird Freundschaft.

    Denn, egal, woher wir kommen, haben wir doch immer eines gemeinsam: wir haben alle Hoffnungen und Träume für unser Leben, gehen durch Enttäuschungen und sehnen uns nach Verständnis, Geborgenheit und Frieden.

    Doch es bleiben noch einige Herausforderungen zu meistern, denn nicht alle Einwohner der Stadt teilen diese Meinung …

    Jennifer Benkau (die ich als Fantasy-Autorin schon sehr mag) schrieb hier ausnahmsweise ein Buch mit sehr realitätsnahem Inhalt. Angeregt durch ein eigenes Ehrenamt begab sie sich auf weitere Recherche und so fließen in die Geschichte viele Gespräche mit Flüchtlingen, Flüchtlingshelfern, Erstversorgern, aber auch Nachbarn und Gegnern mit ein.

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    Lilli33s avatar
    Lilli33vor 9 Monaten
    Ein tolles Jugendbuch, durchaus auch für Erwachsene lesenswert

    Broschiertes Taschenbuch: 502 Seiten

    Verlag: ink rebels (10. Dezember 2016)

    ISBN-13: 978-3958692770

    empfohlenes Alter: ab 12 Jahren

    Preis: 14,90€

    auch als E-Book erhältlich


    Ein tolles Jugendbuch, durchaus auch für Erwachsene lesenswert


    Zitat:

    Den Krieg interessiert es nicht, ob du vorher arm oder reich warst. Am Ende bist du ein Bettler. (S. 81)


    Inhalt:

    Als die sechzehnjährige Antonia, genannt Toni, mit ihrer Familie aus dem Urlaub zurückkommt, muss sie erst mal schlucken. Schräg gegenüber in dem leerstehenden Tennisclub wurden quasi über Nacht Hunderte von Flüchtlingen untergebracht. Die Familie ist darüber alles andere als glücklich, jeder auf seine Art. Toni musste vor Jahren miterleben, wie ihr Vater von ausländisch aussehenden Männern zusammengeschlagen wurde. Die Angst sitzt ihr immer noch in den Knochen. 


    Doch ihre beste Freundin Fee überredet sie, sich das Flüchtlingscamp von innen anzusehen. Als sie die Menschen dort kennenlernt, kann sie ihre Bedenken immer mehr in den Griff bekommen. Aber nun muss sie einen Spagat hinlegen zwischen ihrer Mithilfe im Camp und ihrer Sympathie für die Asylbewerber und den Vorbehalten ihrer Familie, die ihr nie erlauben würde, sich dem Flüchtlingscamp auch nur zu nähern …


    Meine Meinung:

    Jennifer Benkau schafft es hier mit Leichtigkeit, den jugendlichen Leser*innen sowohl eine spannende und gefühlvolle Geschichte als auch jede Menge Hintergrundwissen zu präsentieren. Denn vor allem in Gesprächen mit dem Syrer Shirvan erfährt Toni viel über dessen Land, über den Bürgerkrieg, der das Land zerstört und über die beschwerliche und gefährliche Flucht, Aber auch die Folgen dieser Traumata werden sichtbar. Was diese Menschen erlebt haben und mitmachen mussten, kann nicht ohne gravierende Folgen bleiben. 


    Die Autorin lässt aber auch die Asylgegner zu Wort kommen. Deren Argumente hat jeder wohl schon zigmal gehört. Besser werden sie dadurch allerdings nicht. Und in Gestalt von Toni entkräftet Benkau jedes einzelne. 


    Dass Toni und Shirvan sich schließlich verlieben, erschien mir fast zwangsläufig. Die Entwicklung der Gefühle wird dabei einfach wunderbar dargestellt. Es ist eine zarte, eine zerbrechliche und doch unausweichliche Verbindung zwischen den beiden. Einfach schön!


    Normalerweise schreibt Jennifer Benkau ja Fantasy. In diesem Roman jedoch ist nichts erfunden. Die Autorin hat lediglich manche zeitlichen und örtlichen Zusammenhänge geändert, damit sie in die Handlung passten. Unendlich viele Gespräche mit Flüchtlingen, Helfern, aber auch Asylgegnern sind in dieses Buch mit eingeflossen und lassen es sehr authentisch wirken. 


    Fazit:

    „Es war einmal Aleppo“ ist eine wunderschöne Liebesgeschichte, bietet aber auch jede Menge Informationen zum Thema Flüchtlinge und Syrien. Gerade für die Zielgruppe der Jugendlichen, die nicht politisch interessiert sind und sich vielleicht noch nicht so sehr mit diesem Thema befasst haben, ist das Buch ein Gewinn. Aber auch für ältere Leser*innen ist es absolut lesenwert.


    ★★★★★


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    black_horses avatar
    black_horsevor einem Jahr
    Kurzmeinung: Wertvoller Einblick in die Ursachen, Realitäten und Folgen der Flucht. Einfühlsame Aufklärung für Jugendliche und Erwachsene.
    Neue Nachbarn

    Als Antonias Familie im Sommer 2015 aus dem Urlaub in ihre ruhige Siedlung zurückkehrt, sind sie schockiert: Der ehemalige Tennisclub gegenüber ist eine Flüchtlingsunterkunft. Was für eine Zumutung! Ausländische Männer, fremde Religion, Anarchie direkt vor der Haustür!

    Während der Vater Widerstand organisiert, lässt sich Antonia von ihrer Freundin Fee überreden, mal in das Camp mitzukommen und zu helfen, denn in der Einrichtung fehlt es noch an Vielem. In der Unterkunft lernt sie Männer, Frauen und Kinder verschiedener Herkunft kennen. Besonders mit Shirvan aus Syrien versteht sie sich gut. Von ihm erfährt sie ganz viel über seine Heimat und die Fluchtursachen.

    Antonia ist zerrissen zwischen der Ablehnung der Flüchtlinge durch ihre Familie - ihr Bruder schließt sich sogar rechter Hetze an - und ihrer Überzeugung, den Menschen im Camp helfen zu wollen.

    Auch wenn die "Flüchtlingskrise" deutlich abgeklungen ist und die chaotischen Verhältnisse vom Sommer 2015 derzeit nicht mehr akut sind, so bringt das Buch dem Leser die Grundproblematik, die bestehen bleibt, sehr eindrücklich nahe. Angst hat man vor dem, was man nicht kennt. Oder gar nicht kennen will.

    Dieses Buch vermittelt Wissen, baut Vorurteile ab, animiert zuzuhören und die Perspektive zu wechseln. Das ist heute weiterhin dringend nötig. Und das nicht nur für die Zielgruppe der 12- bis 15-jährigen, sondern auch für erwachsene Leser.

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    Kitsune87s avatar
    Kitsune87vor einem Jahr
    Es war einmal Aleppo

    Meinung:

    Ich hatte angenommen, alles über den Krieg in Syrien zu wissen, doch durch die Augen von Antonia und die Erzählungen von Shirvan wurde ich eines Besseren belehrt. Benkau bezieht sich dabei auf Tatsachen und Fakten, die sie während ihrer Zeit als freiwillige Helferin aus erster Hand erfahren konnte.


    „Keine Ahnung, warum Leute zu Rassisten werden. Sozialneid? Gier? Mimimi, der Flüchtling kriegt ein Feldbett und ein Dixi-Klo, und was krieg ich?!“ – Seite 314

    Neben der eigentlichen Geschichte, bekommt der Leser einen genauen Einblick in das Leben der Geflüchteten in den Erstunterkünften. Die Autorin räumt des Weiteren mit sämtlichen Vorurteilen auf, die durch die sozialen Medien und Stammtische seit nunmehr über fünf Jahren gestreut werden. Und dies alles, ohne den Zeigefinger zu erheben. Es sind schlussendlich einfach die nüchternen Fakten, die nicht jeder wahrhaben kann oder möchte, die mich trotz, oder eben gerade deswegen zu Tränen gerührt haben. Hatte ich gedacht, das ganze Ausmaß zu kennen, wurde ich Lügen gestraft. Wenn man sich aktuelle Bilder aus dem zerstörten Aleppo ansieht, reicht ein „es schnürt mir die Kehle zu“ nicht, um in Worte zu fassen, wie es sich anfühlen muss, das alles dort erlebt zu haben. Noch viel schlimmer, dies alles verloren zu haben. Shirvans Schilderungen über das Aleppo vor den Angriffen sind daher wunderschön und schmerzhaft zu gleich.


    „Uralt und jeden Morgen neu geboren. Das Licht ist dort zu Hause. […] Reiche fühlen sich sehr klein und gedehmütigt in dieser Stadt, und Arme fühlen sich reich, weil sie dort sein dürfen.“ – Seite 223

    Und zwischen den beiden Fronten der tobenden „Wutbürger“ und den helfenden „Gutmenschen“ stehen zwei junge Menschen die erkannt haben, was wirklich zählt.


    „Es fühlt sich an, als wären Welten miteinander kollidiert.“ – Seite 131

    Während der Lektüre habe ich mir so viele Gedanken und Notizen gemacht und so viele Stellen markiert, die ich für besonders lesenswert oder wichtig erachte. Aber sie alle hier zusammen zu tragen, würde den Rahmen sprengen. Der Roman sollte für sich selbst sprechen und aus diesem Grund von euch gelesen werden.

    Also geht raus und kauft es. Lest es und empfehlt es weiter. „Es war einmal Aleppo“ ist mehr als das x-te Jugendbuch, in dem sich Mädchen A in Jungen B verliebt und trotzdem kommen die Gefühle nicht zu kurz. Denn mittendrin ist da noch diese zarte kleine Liebesgeschichte, die überhaupt nicht fehl am Platz ist.

    Vielleicht sprechen die beiden zu perfekt Englisch miteinander. Und vielleicht geht manchen Lesern „Tooneys“ Wandlung von der politisch Ahnungslosen hin zur aufgeklärten jungen Frau zu schnell vonstatten. Aber in Bezug auf den restlichen Teil des Romans, kann ich über diese Kleinigkeiten gerne hinwegsehen. Mein einziger Kritikpunkt ist das Handeln eines bestimmten Familienmitglieds am Ende des Romans, denn dieses war in meinen Augen tatsächlich zu aufgesetzt und wollte nicht ganz in das bisherige Bild passen.

    Der Schreibstil ist sehr jugendlich gehalten, jedoch nie einfach und immer ein wenig melancholisch angehaucht. Dadurch wird der Roman einem weiten Publikumsspektrum geöffnet.

    Fazit:

    „Es war einmal Aleppo“ ist ein berührendes und bewegendes Buch, das mit seiner jugendlichen Sprache für jeden zugänglich ist.

    Es beschönigt nicht, dichtet nichts dorthin, wo es nichts hinzu zu dichten gibt. Brachte mich zum Weinen, aber auch zum Lachen. „Es war einmal Aleppo“ sollte zur Pflichtlektüre in Schulen werden.

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    Weltentraeumerins avatar
    Weltentraeumerinvor einem Jahr
    Kurzmeinung: Mitreißend, aktuell und authentisch - sehr gut recherchiert regt das Buch zum Nachdenken an, macht fassunglos und berührt
    Mitreißend und aktuell

    Ich habe keine Ahnung, wie ich dieses Buch rezensieren und bewerten sollte.
    Den Schreibstil? Der ließ mich durch die Seiten gleiten, ließ die Gefühle wirklich werden und fasste so manche Grausamkeit eiskalt in Worte.
    Die Charaktere, die an echte Menschen angelehnt sind? Die Handlung, die so in etwa tausendfach passiert ist, ausgenommen die sich wirklich nachvollziehbar und süß entwickelnde Liebesgeschichte?

    Man merkt dem Buch die im Nachwort beschriebene sehr gute Recherche an und vor allem, dass Jennifer Benkau auf ihre eigenen Erfahrungen in ihrem Ehrenamt zurückgegriffen hat. Auf Erzählungen realer Menschen und auf zahlreiche Interviews und Besuche von Erstaufnahmeeinrichtungen.
    Es ist schwer, ein Buch zu bewerten, das irgendwie nur die Situation aus dem Sommer 2015 darstellt, eine Situation, die einem selbst aus den Nachrichten durchaus bekannt ist. Und die mit diesem Buch doch in gewisser Weise alltäglicher, realer wird.

    In dem Buch wird man als Leser vor allem mit zwei Bereichen konfrontiert, die mich dazu veranlasst haben, dass ich das Buch teilweise beiseitelegen musste, weil ich fassungslos und wütend ob dieser Ungerechtigkeit war: Das Schicksal der Flüchtlinge und die Fremdenfeindlichkeit der Deutschen.
    Ersteres reicht von der Grausamkeit des Krieges bin hin zu der Flucht und den Hürden hier in Deutschland - mit Grenzsperrungen, undurchsichtiger Bürokratie oder eben Fremdenfeindlichkeit, ein Thema, das angesichts des steigenden Populismus immer aktueller wird.

    Toni selbst lebt in einer Familie, die alles andere als begeistert davon ist, dass in ihrer Nachbarschaft plötzlich ein Flüchtlingsheim ist. Nachdem Toni als Kind ansehen musste, wie ihr Vater von südländisch aussehenden Männern krankenhausreif geschlagen wurde, hat sie Angst vor Migranten. Auch die Ressentiments in ihrer Familie teilt sie anfangs. Doch dann folgt sie zögernd der Aufforderung ihrer engagierten besten Freundin Fee, in dem Camp zu helfen und beginnt, ihre Ansichten zu überdenken.
    Gleichzeitig begegnet sie in ihrer Familie immer wieder Vorurteilen und hier zeigt die Autorin gekonnt, wie diese auch in einem scheinbar ganz gewöhnlichen, gutbürgerlichen und eigentlich doch gar nicht rassistischen Umfeld auftreten. In der eigenen Familie, bei Menschen, von denen man das so nicht erwarten wollte.
    Die Autorin zeigt auch, wie wenig hinter diesen Vorurteilen steckt, wie sehr diese die Augen vor dem Schicksal der Menschen verschließen und lässt sie so nur noch unfassbarer wirken. Sie gibt Einblicke die jeweiligen Kulturen, in die Hintergründe der Flucht und des syrischen Bürgerkrieges, alles, ohne dass Infodump auftritt. Nur Fassungslosigkeit angesichts der Ungerechtigkeit.
    Gleichzeitig hebt die Autorin auch das Engagement von Flüchtlingshelfern hervor - und deren Hilflosigkeit in Anbetracht der Lage.

    Das Buch hat mich mitgenommen, zum Nachdenken anregt, hat mich berührt, wütend und ungläubig gestimmt und hat mich auch nach dem Lesen nicht losgelassen. In jedem Fall ist es ein sehr empfehlenswertes Buch, gerade weil es so gut geschrieben ist, mit unheimlich vielschichtigen Charakteren und einer mehr als authentischen Handlung.

    Kommentare: 2
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    AprilsBuechers avatar
    AprilsBuechervor einem Jahr
    .....

    Schon seit einer Weile schleiche ich um das Buch herum. Immer wieder fiel mir das Cover zuerst ins Auge. Und Aleppo ist ja auch ein Begriff den man kennt. Nachdem es dann tatsächlich in meine Finger kam, war ich sofort angetan.

    Toni erzählt in ihrer frischen Art, wie sie all das erlebt. Man ist gefangen zwischen den Welten. Zum Teil, weil es gerade sehr aktuell ist. Vieleicht sollten mehr Menschen, Dinge hinterfragen und nicht gleich urteilen......

    Jennifer Benkau ist mit ihrem Buch geglückt, dass man nachdenkt und Dinge hinterfragt. Nicht jeder Mitbürger ist böse oder will nur das Geld. Oft stecken Schicksale dahinter. Aber unsere Denkweise wird durch Medien und Hetze immer neu entfacht.

    Ich danke der Autorin, dass sie so ein brisantes Thema aufgegriffen hat. Durch ihren flüssigen und frischen Schreibstil, schaffte sie es, dass ich sofort von Toni und Shirvan gefangen war. Ich hab mit beiden gelitten und fühlte mich oft erwischt, das auch ich mich von Vorurteilen leiten lassen habe.

    Fazit: Ein Buch, das jeder lesen sollte und dann vielleicht mal nachhaken, statt zu urteilen. Mir wird es auf jeden Fall noch lange im Gedächtnis bleiben

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    theresa_stvor einem Jahr
    sehr emotionale Geschichte

    Erstmal muss ich sagen, dass mir das Cover im Vorhinein nicht ganz so gut gefallen hat - bzw. ich hab es glaub ich einfach nicht richtig verstanden. Denn jetzt nach dem Lesen finde ich es mehr als passend. Der Schmetterling hat mich zuerst ziemlich irritiert, aber jetzt nachdem ich den Zusammenhang mit der Geschichte kenne, finde ich ihn toll. Auch der Stacheldraht gefällt mir.

    Ich muss dazusagen, dass ich dieses Buch schon mal nach blindem Vertrauen gekauft habe, weil ich Jennifer Benkau total vertraue und man von Anfang an gemerkt hat, wie sehr ihr diese Thematik am Herzen liegt. In diesem Buch geht es um Flüchtlinge. Aber auch um viel mehr. Es geht um Freundschaft, um Verständnis, um Neid, Hass, Rassismus, aber auch Liebe. Toll fand ich es, dass Jennifer hier nicht einfach irgendetwas erfindet - nein sie hat viel ehrenamtlich in ihrem Heimatort mitgeholfen. Für das Buch ist sie dann auch noch weitere Flüchtlingsunterkünfte abgefahren und hat sich mit Flüchtlingen unterhalten, sodass hier eine Geschichte entstanden ist, die aus vielen verschiedenen Erfahrungen zusammengeflossen ist, die  alle wirklich passiert sind - die schlechten wie auch die guten Dinge.

    Dabei bedient sich Jennifer wiedereinmal ihres fesselnden Schreibstils, der einen in die Geschichte reinzieht und dazu führt, dass einen das Buch nicht mehr loslässt. Das Buch ist aus der Ich-Perspektive von Toni geschrieben. Die Kapitellänge war sehr angenehm. Was ich auch total toll fand, waren die Zitate aus Medien, Textnachrichten, usw. die man bei einigen Kapitelanfängen vorfand und sehr gut zur Geschichte passten.

    Toni ist am Anfang ziemlich überfordert mit der Situation. Aber zum Glück hat sie ihre beste Freundin Fee, die sie gleich mal in die Unterkunft mitnimmt, sodass Toni sich selbst ein Bild machen kann. Schon bald bildet sie sich ihre eigene Meinung. Nur blöd, dass ihre Eltern das Heim nicht ganz so rosig betrachten wie sie. Ich fand die Entwicklung von Toni in der Geschichte sehr spannend. Am Anfang war sie noch ein Mädchen, dass eher das glaubt, was man ihr sagt. Aber bald schon steht sie auf und wird zu einer ernstzunehmenden jungen Erwachsenen, die sich plötzlich für Politik interessiert und dabei keine vorgefertige Meinung zulässt.
    Das hat sie zumTeil auch Shirvan zu verdanken, den sie im Camp kennenlernt. Sie verbringen viel Zeit zusammen und der Leser erfährt mit Toni gemeinsam Stück für Stück wie es dazukam, dass Shirvan jetzt hier ist und was alles auf dem Weg nach Deutschland passiert ist. Mir haben Shirvans Erzählungen sehr gefallen, auch wenn sie einem teilweise die Tränen in die Augen treiben. Zudem lernt man auch einiges nochmals aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten. Für mich waren auch ein paar spannende Details dabei, die ich so vorher nicht kannte.
    Dann gibt es in diesem Buch auch noch viele sehr unterschiedliche Nebencharaktere, die alle ihren Zweck erfüllen. Wir lernen noch viele andere Flüchtlinge kennen, die teilweise auch sehr unterschiedlich sind. Im Laufe der Zeit beginnt man aber ihr Verhalten zu verstehen. Dann gibt es da natürlich noch Fee und weitere Helfer im Camp, die sich alle von vorne herein sicher sind, dass den Flüchtlingen geholfen werden muss. Als Leser wird man hierbei am Rande auch mit den bürokratischen Schwierigkeiten dieser Krise konfrontiert. Dann gibt es aber natürlich auch die Schattenseite an Charakteren - die schreit "Flüchtlinge raus". Am Anfang ist Tonis gesamte Familie nicht begeistert von der Situation. Vor allem Alex, Tonis Bruder, scheint sich auf den falschen Weg zu begeben. Besteht da noch Hoffnung? - Lest selbst.


    Das Buch hat mich von Anfang bis Ende gefesselt. Es ist definitv eine sehr vielfältige Geschichte. Es gibt sehr viele sehr traurige Szenen - v.a. wenn man etwas über die Vergangenheit der Flüchtlinge erfährt. Generell ist das Buch eine emotionale Achterbahnfahrt. Aber zum Glück gibt der Schluss auch Hoffnung. Diese kann man auch mitnehmen in den Alltag und hoffen, dass diese Menschen, die schreckliches erlebt haben und einfach fliehen mussten, hier bei uns im reichen Europa ein neues Zuhause finden und dafür eines Tages nicht mehr angegriffen werden.


    Fazit:
    Sehr emotionale Geschichte, die jeder lesen sollte - von mir klare 5 von 5 Sternen ;)

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    veronika_lackerbauers avatar
    veronika_lackerbauervor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Ein wichtiges Buch!
    Ein wichtiges Buch!

    Ich wollte, ich könnte jeden hier im Lande dazu verpflichten, dieses Buch zu lesen! Es beleuchtet alle Facetten der Flüchtlingswelle, positive wie negative und räumt gründlich mit hartnäckigen Vorurteilen auf. Dabei bleibt das Buch stets sachlich, ohne zu polemisieren. Die Charaktere sind authentisch, man spürt in ihren Dialogen und Handlungen, dass es sich um Tatsachenberichte und tatsächlich erlebte Ereignisse handelt und nicht um reine Fiktion. Es menschelt in diesem Buch an allen Ecken und Enden.
    Aus meiner Berufspraxis mit Migranten und in den letzten Jahren verstärkt mit Flüchtlingen aus Syrien und dem Nahen und Mittleren Osten kann ich die Grundhaltung der Autorin nur unterschreiben. Fast mehr noch als das Buch selbst hat mich das Nachwort berührt, weil es mir aus dem Herzen gesprochen hat.
    Dieses Buch musste unbedingt geschrieben werden. Aber noch viel wichtiger ist: Es muss unbedingt gelesen werden!

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    IrishKaddas avatar
    IrishKaddavor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Dieses Buch ist wahr! Dieses Buch ist wichtig! Vielleicht sogar das wichtigste Werk unserer Gegenwart!
    Vielleicht das wichtigste Werk unserer Gegenwart!

    Darum geht’s:



    Antonia kommt aus dem viel zu langen Familienurlaub zurück, in dem die komplette Familie von Mama genötigt wurde, wenigstens mal für diese kurze Zeit auf Smartphones, Facebook und Co. zu verzichten. Kaum sind sie wieder in Deutschland angelangt und schalten das Handy an, werden sie geradezu von Nachrichten und SMS bombardiert.


    "Asylanten.
    Hunderte von ihnen.
    Direkt vor unserem Haus!" (S. 6)

    Wir befinden uns im Jahre 2015. Spätsommer. Deutschland. Tausende Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, Irak und einigen anderen Ländern haben sich auf den Weg gemacht. Sie fliehen vor Krieg, Armut, Hunger und einer Ungewissen Zukunft.
    Viele von ihnen kommen nach Deutschland. Und einige von ihnen leben nun auf einem ehemaligen Tennisclub-Gelände. Genau gegenüber vom Haus, in dem Antonias Familie lebt.
    Skandal! Wie kann das sein? Niemand in der Nachbarschaft wurde gefragt. So viele fremde Männer … da ist doch niemand mehr sicher. Vor allem nicht die jungen Frauen hier. Und der Immobilienwert hier wird drastisch gesenkt. Warum denkt denn keiner an dem Wert unserer Häuser …
    So ist die Meinung von Antonias Eltern, ihrem Bruder und den obligatorischen besorgten Wutbürgern. Auch sie ist nicht begeistert von der Situation und ängstlich. Immerhin hat sie keine Ahnung, was genau sie hinter den blickdichten Zäunen erwartet. Und das Ungewisse macht schnell Angst.
    Doch Antonia macht etwas, was viele andere Menschen in ihrem Umkreis auch hätten machen sollen: Sie geht mit ihrer besten Freundin Fee in das Camp. Sie helfen bei der Essensausgabe, räumen auf, spielen mit den Kindern und sprechen mit den Flüchtlingen. Antonia erfährt mehr über die Zustände im Camp, die Gründe ihrer Flucht und über den Weg von Syrien nach Deutschland.
    Und sie lernt Shirvan kennen.

    "Von heute auf morgen sind gefühlte drei Duzend Jungs neu in der Stadt. Viele davon richtig süß. Und was macht Toni? Zieht mit Müllbeuteln und Gummihandschuhen los und fischt auf Anhieb den Hübschesten heraus."

    Antonia beschließt, Shirvan öfter zu besuchen. Sie erzählt ihm von Deutschland und er ihr von seiner Heimatstadt Aleppo. Dem Aleppo, wie er es in Erinnerung hat. Dem Aleppo, das es nicht mehr gibt.
    Und wenn sich ein junges Mädchen und ein junger Mann täglich sehen, Geschichten austauschen, miteinander lachen und sich das Herz ausschütten, ja, dann kann sich auch mehr entwickeln.

    Doch es gibt mehr Widerstände als die eigene geschundene Seele und die kulturellen Differenzen dieser zwei Protagonisten. Die eigene Familie kann nicht nur starrsinnig und peinlich, sondern auch das größte Hindernis sein.

    Fazit:



    Ich hatte so Schiss vor dieser Rezension und habe mich jetzt schon viel zu lange davor gedrückt. Vor allem, weil ich einen heiden Respekt vor der Geschichte und der Autorin Jennifer Benkau habe.
    Denn dieses Buch ist wahr! Dieses Buch ist wichtig! Vielleicht sogar das wichtigste Werk unserer Gegenwart.
    Wie soll man die richtigen Worte finden, um der epischen Geschichte rund um Antonia und Shirvan gerecht zu werden? Wahrscheinlich geht es nicht, egal wie sehr ich mich anstrenge.
    Deshalb schreibe ich jetzt einfach, was ich denke.

    Ja Leute, dieses Buch thematisiert den Krieg in Syrien und es geht um die Flüchtenden, die 2015 in Deutschland angekommen sind. Aber in der Geschichte findet ihr keine grausamen, blutigen Details … falls das jemanden abschrecken sollte. Wir erfahren nur einen Bruchteil der schrecklichen Erlebnisse, die Shirvan erleben musste. Aber manchmal ist es das plötzliche Schweigen und ein verklärter Blick, die ausreichen, um mir eine Gänsehaut zu bereitet. Über vieles will Shirvan nicht sprechen, über vieles kann er nicht sprechen. Noch nicht. Und genau das ist es, was mir als Leser mehr im Kopf bleibt. Denn die Stille und meine Fantasie können schlimmer sein als jedes geschriebene Wort.
    „Es war einmal Aleppo“ ist für jeden geeignet, der süße, fast schon schüchterne Liebesgeschichten mag. Aber vor allem ist es Pflicht für jeden, der sich für die Thematik interessiert. Denn wir erfahren sehr viel über Syrien, die Anfänge des Krieges und die Fluchtursachen. Und wir bekommen ein wunderschönes Bild einer Stadt gemalt, die ich niemals besuchen konnte. Jetzt ist es zu spät. Aleppo ist zerstört und war wohl eine der schönsten und eindrucksvollsten Städte dieser Welt. Shirvan tut alles, um sie mit Geschichten, seinen Erinnerungen und zahllosen Handyfotos am Leben zu erhalten. Und das berührt.

    Wenn ihr die Rezension bis hier hin gelesen habt, dann scheine ich euch zumindest nicht abgeschreckt zu haben. Also: Lest es, empfehlt es, verschenkt es!

    Ich bin der festen Überzeugung, wenn viele Menschen diese Geschichte lesen, wird sich etwas in unserer Gesellschaft ändern. Etwas Gewaltiges. Und zwar zum Positiven!

    "Unter Flüchtlingen ist es doch wie überall auf der Welt. Es gibt gute Menschen, es gibt schlechte Menschen. Und es gibt schlechte Menschen, die aus schlechten Gründen Gutes tun und gute Menschen, die aus guten Gründen Schlechtes tun." (S. 66)

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