Gebete für die Vermissten

von Jennifer Clement 
4,2 Sterne bei73 Bewertungen
Gebete für die Vermissten
Bestellen bei:

Neue Kurzmeinungen

Positiv (60):
Y

Hat mir super gefallen. Einfacher Schreibstil, bewegend und spannend

Kritisch (7):
Krimifee86s avatar

Ein Buch von dem ich mir wesentlich mehr versprochen habe und das einfach nicht hält was der Klappentext verspricht.

Alle 73 Bewertungen lesen

Auf der Suche nach deinem neuen Lieblingsbuch? Melde dich bei LovelyBooks an, entdecke neuen Lesestoff und aufregende Buchaktionen.

Inhaltsangabe zu "Gebete für die Vermissten"

Ladydi wächst in den mexikanischen Bergen auf, in einem Dorf ohne Män-
ner, denn die sind auf der Suche nach Arbeit über die Grenze oder längst
tot. Es ist eine karge und harte Welt, eine Welt, in der verzweifelte Mütter
ihre Töchter als Jungen verkleiden oder sie in Erdlöchern verstecken, so-
bald am Horizont die schwarzen Geländewagen der Drogenhändler auftau-
chen. Aber Ladydi träumt von einer richtigen Zukunft, von Freundschaft,
Liebe und Wohlstand. Ein Job als Hausmädchen in Acapulco verspricht die
Rettung, doch dann verwickelt ihr Cousin sie in einen Drogendeal. Und
plötzlich hält sie ein Paket Heroin in den Händen, und ein gnadenloser
Überlebenskampf beginnt ...

Buchdetails

Aktuelle Ausgabe
ISBN:9783518466407
Sprache:Deutsch
Ausgabe:Flexibler Einband
Umfang:228 Seiten
Verlag:Suhrkamp
Erscheinungsdatum:06.12.2015
Das aktuelle Hörbuch ist am 15.09.2014 bei Random House Audio erschienen.

Rezensionen und Bewertungen

Neu
4,2 Sterne
Filtern:
  • 5 Sterne35
  • 4 Sterne25
  • 3 Sterne6
  • 2 Sterne3
  • 1 Stern4
  • Sortieren:
    Ay73s avatar
    Ay73vor einem Jahr
    Kurzmeinung: Das Leben eines Mädchens ist nichts wert, wenn du in Mexiko im Bergdorf Guerrero lebst.. unglaublich und gnadenlose Geschichte
    Gebete für die Vermissten

    In einem mexikanischen Bergdorf, Guerrera, wächst Ladydi abseits der Zivilisation auf. Sie lebt alleine mit ihrer Mutter auf dem Berg, Vater nach Amerika ausgewandert und nach Jahren den Kontakt zur Familie abgebrochen. Der Alltag für Ladydi und ihre besten Freundinnen Paula (hübscher als JLo), Estefani (Mutter stirbt an Aids), und Maria (Hasenscharte und ihre Halbschwester) ist nicht einfach. Die Mütter verunstalten ihre Töchter, behaupten sie haben Söhne zur Welt gebracht, die Mädchen werden regelrecht hässlich gemacht damit die Drogen-Kartelle und deren Bosse die Mädchen nicht entführen.. doch der Schutz der Mütter gelingt nicht immer.

    Das Buch ist gnadenlos offen geschrieben aber flüssig zu lesen. Die Problematik die rund um Acapulco spielen und die damit verbundenen Konflikte der Drogen-Kartelle aufzeigt ist sehr ernüchternd. Jeden Tag, den die Mädchen überleben ist ein Geschenk Gottes.. der Autorin gelingt es wahnsinnig gut, die Charaktere der Mädchen und aus der Sicht von Ladydi so trocken zu erzählen aber trotzdem eine Emotionalität aufbaut. ich habe das Buch an einem Tag gelesen.. konnte es nicht weglegen und war auch in meinem Mexiko Urlaub.. aber es hat mich nicht abgeschreckt sondern zutiefst berührt.

    Kommentare: 1
    28
    Teilen
    Greedyreaders avatar
    Greedyreadervor 2 Jahren
    Kurzmeinung: Ein außergewöhnliches Buch.
    Leben und Sterben im rechtsfreien Raum

     In Jennifer Clements Roman “Gebete für die Verstorbenen“ berichtet die 14jährige Ich-Erzählerin Ladydi Garcia Martinez aus ihrem Leben in einem Dorf auf einem Berg in der Provinz Guerrero, die als die gefährlichste in Mexiko gilt. In diesem Dorf leben nur Frauen, denn die Männer sind entweder auf der Suche nach Arbeit in die USA gegangen oder längst tot. In diesem Dorf werden nur Jungen geboren. Auch Ladydis Mutter Rita nennt ihre Tochter “Junge“ , kleidet sie als Junge und lässt sie bewusst hässlich aussehen, damit sie nicht von den Drogenbossen und ihren Helfern geraubt wird. Die Frauen haben in ihren Gärten sogar Erdlöcher gegraben, in denen sich die Mädchen verstecken, wenn sie die schwarzen Limousinen der Drogenbarone den Berg hinauffahren hören. Ladydis beste Freundin Paula, das schönste Mädchen der Gegend, entgeht ihrem Schicksal nicht. Sie wird entführt, und als sie wider Erwarten nach einem Jahr zurückkommt, ist sie physisch und psychisch für immer gezeichnet. Für Ladydi scheint sich eine Zukunftsperspektive zu eröffnen, als sie einen Job als Hausmädchen in Acapulco angeboten bekommt. Ihr Cousin bringt sie in das Haus der abwesenden reichen Familie, lässt sie jedoch unterwegs im Auto warten, um noch etwas zu erledigen. Wie sich später zeigt, hat er in einem Haus mehrere Morde begangen. Da er Ladydi als Entlastungszeugin nennt und bei ihr ein Päckchen mit Drogen versteckt, wird sie in diese üble Geschichte hineingezogen und kommt ins Frauengefängnis in Mexico City.
    Jennifer Clement zeigt, dass ein Menschenleben, vor allem ein Frauenleben, nicht viel zählt in Mexiko. Schöne Mädchen leben hier gefährlich. Sie werden entführt, missbraucht, weitergereicht, an Bordelle verkauft und sind letztlich eine lohnendere Ware als Drogen, die man nur einmal verkaufen kann. Niemand interessiert sich für das Schicksal von Hunderttausenden, die für immer verschwinden oder irgendwann verstümmelt und ermordet wieder auftauchen wie vor zwei Jahrzehnten im berüchtigten Ciudad Juarez. Korruption reicht in die höchsten Ränge von Polizei und Regierung. Die Kartelle haben das Sagen im Land.
    Die Autorin hat den größten Teil ihres Lebens in Mexiko gelebt. Sie hat über zehn Jahre lang recherchiert und Hunderte von Frauen interviewt. Ihr enormes Faktenwissen präsentiert sie als Fiktion – alles andere wäre zu gefährlich gewesen für die Betroffenen und für sie selbst. Entstanden ist ein gut lesbarer berührender Roman, in dem es nicht nur immer wieder Beispiele für die alltägliche Gewalt, sondern auch für den Mut, die Widerstandskraft und Solidarität der Frauen gibt sowie heitere Episoden und Humor. Mir gefällt die lakonische, teilweise aber auch ausgesprochen poetische Sprache. Man kann nur hoffen, dass sich der Wunsch der Autorin erfüllt, die fest daran glaubt, dass Literatur die Welt verändern kann. Ein außergewöhnliches Buch. 

    Kommentieren0
    6
    Teilen
    Nespavanjes avatar
    Nespavanjevor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Jennifer Clement kreierte in ihrem Roman eine ganz eigene Atmosphähre und hat mich mit ihrer Fabulierkunst in den Bann gezogen.
    Entführte Töchter und verschwundene Männer

    Ladydi Gonzales wächst in den mexikanischen Bergen auf, dort wo fast nur noch Frauen in einer matriarchalischen Gesellschaft zusammenleben. Die Männer sind entweder nach Amerika ausgewandert, wo sie ihre Familien nach und nach vergessen haben, oder sind irgendwo in einem brutalten Drogenbandenkrieg ums Leben gekommen. Ladydis Vater ist nach Amerika gegangen und hat dort anscheinend eine neue Familie gegründet. Ihre Mutter hat mit der eigentümlichen Namensgebung ihres Kindes, keineswegs ihre eigene Sehnsucht nach einem vermeidlichen prinzessinenhaften Leben kundgetan, sondern wollte damit ein Statement für all die von Männern verlassenen Frauen setzen. Zur deren eigenen Sicherheit wachsen die Mädchen allerdings als Jungen auf. Das Geschlecht wird so lange wie möglich verborgen gehalten, damit wenn die großen, schwarzen Autos der Drogenbarone kommen, die Mädchen nicht als solches erkannt werden.

    Clement hat für ihren deutschen Debütroman „Gebete für die Vermissten“ 10 Jahre lang in Mexico recherchiert und hat Hunderte von Interviews mit Mädchen und Frauen geführt. Dieses immense Hintergrundwissen, dass sie dabei angehäuft haben muss, rückt allerdings nicht in den Vordergrund. Die grandiose Schriftstellerin schafft es, jenes einfach ganz beiläufig im Hintergrund zu halten und was dem geneigten Leser nun vielleicht ein wenig verwundert ist, dass sie es vollbringt die Bestürzung und die Fassungslosigkeit darüber nur ansatzweise durchscheinen zu lassen und dadurch Ladydi einen realitätsnahen Touch verleiht, aus deren Perspektive diese Geschichte nunmal erzählt ist. Die Fabulierkunst ist ihr wohl in die Wiege gelegt worden. Denn diese poetische Sprachintensität, mit der Clement die Erzählung aufgreift und auch dadurch die brutale, mexikanische Gesellschaft porträtiert, fesselt beim Lesen, sodass man gar nicht mehr aufhören möchte. „Gebete für die Vermissten“ ist aber mehr als nur ein rotziger Pubertätsroman, so wie eine deutsche Tageszeitung schmählich behauptet hat. Es ist ein beeindruckendes Buch, hinter dem eine gehörige Portion Realität steckt, und bei dessen Lektüre einem der Schrecken in die Glieder fährt. Die Schriftstellerin Jennifer Clement, die laut Verlagsseite in New York und in Paris Literaturwissenschaft studierte, hat auf alle Fälle mein Interesse geweckt. Ich bin schon sehr gespannt was sie noch in petto hat.

    Kommentieren0
    11
    Teilen
    Krimifee86s avatar
    Krimifee86vor 3 Jahren
    Kurzmeinung: Ein Buch von dem ich mir wesentlich mehr versprochen habe und das einfach nicht hält was der Klappentext verspricht.
    Poetische Sprache ohne Inhalt

    Klappentext: Ladydi wächst in den mexikanischen Bergen auf, inmitten von Mais- und Mohnfeldern, in einem Dorf ohne Männer, denn die sind auf der Suche nach Arbeit über die Grenze oder längst tot. Es ist eine karge und harte Welt, in der ein Mädchenleben wenig zählt. Eine Welt, in der verzweifelte Mütter ihre Töchter als Jungen verkleiden oder sie in Erdlöchern verstecken, sobald am Horizont die schwarzen Geländewagen der Drogenhändler auftauchen. Aber Ladydi träumt von einer richtigen Zukunft, sie träumt von Freundschaft und Liebe und Wohlstand. Ein Job als Hausmädchen in Acapulco verspricht die Rettung, doch dann verwickelt ihr Cousin sie in einen Drogendeal. Und plötzlich hält sie ein Paket Heroin in den Händen, und ein gnadenloser Überlebenskampf beginnt.

    Cover: Ein sehr schönes Cover. Ich mag es, weil es nur in zwei Farben gehalten und damit sehr schlicht ist. Das gefällt mir gut. Auch die Gestaltung mit den Mohnblumen finde ich schön. Kritisch sehe ich nur, dass das Cover eher romantisch anmutet und somit in meinen Augen nicht so gut zum Inhalt des Romans passt. Dennoch würde es mich im Geschäft dazu verleiten, mir das Buch näher anzuschauen.

    Schreibstil: Jennifer Clement nutzt eine Sprache, die ich fast schon als poetisch bezeichnen möchte. Sie ist sehr vielseitig in ihrer Wortwahl und das gefällt mir. Trotzdem kann auch die schöne Sprache nicht darüber hinwegtäuschen, dass es dem Buch an Inhalt fehlt. Denn auch die Charaktere bleiben leider farb- und glanzlos. Es gelingt einem nicht, sie richtig kennenzulernen, denn sie alle sind irgendwie distanziert. Man kann sie nicht greifen, denn sie selbst schweigen über das, was ihnen passiert.

    Die Story: Die Geschichte beschreibt das Aufwachsen des Hauptcharakters Ladydi in einem kleinen Dorf in den mexikanischen Bergen. Beschrieben wird die Beziehung zu ihren Eltern / ihrer Mutter und zu ihren drei besten Freundinnen – das Ganze natürlich flankiert von der ein und anderen Geschichte, die sich in dem Dorf ereignet. Nachdem Ladydi die Schule beendet hat, zieht sie nach Acapulco, um als Kindermädchen zu arbeiten. Die Geschichte dümpelt auch hier mehr vor sich hin, als dass wirklich etwas geschieht. Dann wird sie plötzlich des Drogenhandels beschuldigt und ins Frauengefängnis gesteckt. Aber auch hier passiert nicht wirklich etwas – also von „gnadenloser Überlebenskampf“ kann so gar keine Rede sein. Insgesamt bin ich eher enttäuscht – vor allem das Ende, von dem ich nicht zu viel verraten will, fällt extrem mager aus.

    Fazit: Mich hat das Buch leider ein wenig enttäuscht zurückgelassen. Von der Dramatik, die der Klappentext verspricht, war leider wenig zu spüren. Die Geschichte dümpelt eher so vor sich hin und viele Dinge werden auch gar nicht richtig erklärt. Auch mit den Charakteren konnte ich nicht richtig warm werden, sie alle blieben irgendwie zu distanziert und man konnte keinen von ihnen wirklich kennen lernen. Schade. Aufgrund der schönen, leicht poetischen Sprache vergebe ich dann noch zwei Punkte.

    Kommentare: 1
    9
    Teilen
    Barbara62s avatar
    Barbara62vor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Kein literarisches Meisterwerk, aber ein eindrucksvoller Roman über die hoffnungslose Situation in Mexiko.
    Wo bleibt die Hoffnung?

    Trotz aller Zeitungsmeldungen - so hoffnungslos und brutal wie in diesem Buch geschildert hätte ich mir die Situation in Mexiko doch nicht vorgestellt. Ein Land im Würgegriff der Drogenkartelle, in dem ein (Frauen-)Leben nichts wert ist, geschildert aus der Sicht eines jungen Mädchens, das keine Kindheit hatte, auf erschreckend fatalistische Art und Weise. Schade nur, dass das Ende relativ offen bleibt. Gerne hätte ich erfahren, wie es mit Ladydi und ihrem Kind weitergeht!

    http://xn--mit-bchern-um-die-welt-wlc.de/jennifer-clement-gebete-fuer-die-vermissten/

    Kommentieren0
    31
    Teilen
    Poccis avatar
    Poccivor 4 Jahren
    Traurig und schockierend

    Ladydi wächst in einem kleinen Dorf im Dschungel Mexicos auf. Genau wie alle anderen Mädchen in der Umgebung bekommt sie von ihrer Mutter vor allem beigebracht, wie man sich hässlich macht und schnell versteckt, damit man nicht von Menschenhändlern und Drogendealern entführt wird. Denn ihre Heimat ist kein guter Ort, um ein Mädchen zu sein, und jeder dort kennt mindestens ein Mädchen, das entführt wurde und nie wieder aufgetaucht ist. Als sie nach der Schule in Acapulco als Kindermädchen arbeiten soll, scheint es so als könnte sie auf ein besseres Leben hoffen, doch schon auf der Reise dahin wird sie doch in die Geschäfte der Drogenkartelle verwickelt.

    Jennifer Clement hat ein trauriges und schockierendes Buch geschrieben, das dem Leser das Leid der Frauen in vielen Teilen der Welt noch deutlicher vor Augen führt, als es Nachrichten können. Hier erfährt man, was für Auswirkungen diese Lebensumstände während des gesamten Heranwachsens und Lebens haben, wie sehr sie den Alltag beeinflussen und das Leben der Betroffenen einschränken. Der Schreibstil ist eingängig und als die Geschichte Fahrt aufnimmt, möchte man als gar nicht mehr aufhören mit dem Lesen, in der Hoffnung, dass es doch etwas wie ein Happy End für Ladydi geben wird.

    Kommentieren0
    3
    Teilen
    Sommerregens avatar
    Sommerregenvor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Bewegendes und packendes Buch, dessen Thema viel häufiger in der Öffentlichkeit besprochen werden sollte.
    Bewegendes und packendes Buch, dessen Thema häufiger in der Öffentlichkeit besprochen werden sollte!

    Ladydi lebt in einem mexikanischen Bergdorf, in dem Mädchen immer wieder in Erdlöchern verschwinden müssen und es, wie sich Ladydis Mutter ausdrückt, das Beste ist, wenn man ein hässliches Mädchen ist. Ein Ort, an dem man seine Töchter als Jungen verkleidet. Denn schöne Mädchen werden zu erst geholt. Von den Männern in den schwarzen Geländewagen. Von Drogen- und Menschenhändlern.
    Ladydi malt sich ihre Zähne schwarz an, hat immer kurz geschnittene Haare, sieht kein bisschen weiblich aus und darf niemals einfach vor die Tür gehen, um zum Beispiel zu spielen. Das wäre nämlich viel zu gefährlich, denn jederzeit könnten die Männer auftauchen und sie holen.
    Dort zählt das Leben einer Frau oder eines Mädchens kaum etwas.
    In dem Dorf gibt es keine Männer mehr. Sie sind ausgewandert, auf der Suche nach Arbeit und schließlich ganz weggeblieben- oder sie sind einfach tot.
    Doch träumt Ladydi von einer besseren Zukunft: Sie möchte nicht ewig bei ihrer alkoholabhängigen Mutter bleiben, möchte sich nicht verstecken müssen, sondern Liebe, Freundschaft, Freiheit und Wohlstand kennen lernen.
    Und dann bietet sich ihr eine einmalige Chance, die ihr ganzes Leben verändern soll: Sie darf in Acapulco als Hausmädchen bei einer sehr reichen Familie arbeiten. Doch Mike, der auch aus ihrem Dorf stammt, verwickelt sie in einen Drogendeal. Ohne dass Ladydi etwas davon geahnt hätte. Doch kann sie sich nicht wehren, sie nimmt das Päckchen Heroin an sich.
    Und schon bald wird Ladydi noch größere Probleme bekommen und um ihre Freiheit und ihr Überleben kämpfen müssen.

    Die Autorin des Buches, Jennifer Clement, wuchs in Mexiko-Stadt auf. Für das Buch recherchierte sie über zehn Jahre lang und führte hunderte Interviews mit vom Drogenkrieg betroffenen Mädchen und Frauen vor Ort.

    Dem Buch lag auch noch ein Heft bei, in dem wichtige und vor allem schockierende und alarmierende Fakten und Schicksale errläutert und beschrieben werden.
    So erfährt man beim Lesen des Heftes zum Beispiel, dass laut Regierungsstatistiken die Zahl der Entführungen in Mexiko im letzten Jahr um 31% stieg. Diese Erhebungen erfassen aber lediglich die Fälle von Entführungen mit anschließender Lösegelderpressung.
    Ausschnitte aus Interviews verdeutlichen eindrucksvoll, dass dort eine Frau zu keinem Mann "Nein" sagen darf.
    Und der Polizei traue man nicht, da diese vielfach in die lokalen Mafiastrukturen verstrickt sei.
    Die Fälle von Zwangsarbeit, Schuldknechtschaft und Sexhandel nähmen im alarmierendem Maße zu.
    Außerdem habe der Kampf gegen die Drogenkartelle in den letzten sechs Jahren an die 70.000 Menschen das Leben gekostet.
    Darüber hinaus schätzen Regierungsorganisationen die Zahl der Entführungen im Jahr 2012 auf 105.682, es gäbe eine Dunkelziffer von 99%. Nur 1.446 Entführungen wurden im Jahre 2013 zur Anzeige gebracht.

    Beim Lesen des Buches merkt man, wie intensiv sich die Autorin mit diesem Thema auseinandergesetzt hat. Man erhält sehr tiefe Einblicke in das Leben der Frauen Mexikos und liest über mehrere Schicksale. Das Buch ist sehr packend geschrieben, ich hatte es nach wenigen Stunden durchgelesen. Während des Lesens ist man immer erleichterter darüber, dass man an einem sicheren Ort lebt, sich nicht verstecken muss und seinen eigenen Willen haben darf, und vor allem, dass man als Mensch angesehen wird und nicht als ein Gegenstand, wie etwas dass man sich einfach nehmen darf, behandelt wird.
    Die verschiedenen Schicksale der Personen, auf die Ladydi trifft, und auch ihr eigenes, sind sehr berührend und fein ausgearbeitet, sodass die Charaktere sehr real wirken und man sie sich sehr gut vorstellen kann.
    Auch die Thematik des Buches finde ich ausgesprochen wichtig und meiner Meinung nach sollte sie viel häufiger in der Öffentlichkeit behandelt werden.

    Ich kann dieses Buch jedem weiter empfehlen, da es zum einen sehr gut geschrieben ist, den Leser also keineswegs mit Trockenheit langweilt, und zum anderen wegen des wichtigen Themas über das man sich informiert haben sollte.

    Kommentare: 7
    67
    Teilen
    bieberbrudas avatar
    bieberbrudavor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Ein eindrucksvolles und bewegendes Buch!
    Ein Highlight: Unbedingt lesen!

    Was für ein tolles Buch. Bewegend, spannend grausam und trotzdem voller Hoffnung. Für mich ist es ein richtiges Highlight, das sicherlich noch lange im Kopf bleiben wird.

    Die Story:
    Im mexikanischen Bergdörfchen Guerrero, in der Nähe von Acapulco, ist das Leben hart. Hier leben keine Männer, denn diese werden entweder Drogendealer oder flüchten in die USA. Die Frauen leben in ständiger Furcht vor den Drogenkartellen: Mädchen werden als Jungen aufgezogen und "hässlich" gemacht. Wenn ein Auto naht, verstecken sie sich in selbst gegrabenen Löchern, denn hübsche Mädchen werden entführt und kehren nie wieder zurück. So geht es auch der kleinen Ladydi. Für sie und ihre Freundinnen ist dieses Leben trauriger Alltag und es ist auch keine Besserung in Sicht. Maria ist durch ihre Hasenscharte gekennzeichnet, Ladydi's Mutter ist Alkoholikerin, die hübsche Paula wird entführt und das "Müllbaby" Ruth verschwindet auch. Als Ladydi die Schule abschließt, besorgt ihr Marias Bruder einen Job als Hausangestellte in Acapulco - für Ladydi eröffnet sich eine neue Welt, abseits vom trostlosen Leben in Guerrero. Doch dem Dorf kann sie leider nicht so entkommen, wie sie es sich gewünscht hätte...

    Meine Meinung:
    Ich nahm das Buch in die Hand und konnte es nicht mehr weg legen. Das traurige Schicksal der Einwohner von Guerrero hat mich sofort in den Bann gezogen und nicht mehr los gelassen. Man ist eigentlich auf jeder Seite erschüttert von dem, was man hier liest. Das Leben in Guerrero ist grausam, trostlos und gefährlich und Jennifer Clement beschönigt nichts.
    Ladydi und ihre Freundinnen versuchen das Beste aus dem Leben zu machen und halten zusammen. Deshalb schwingt trotz dem ganzen Elend immer ein Fünkchen Hoffnung mit.

    Fazit:
    Ein eindrucksvolles und bewegendes Buch. Man ist zwar entsetzt von dem, was man hier list, aber man wird regelrecht in den Bann gesogen und kann es erst aus der Hand legen, wenn das Buch vorbei ist. Für mich ein Highlight des Lesejahres 2014: Ich vergebe 5 Sterne und kann es uneingeschränkt weiterempfehlen.

    Kommentieren0
    3
    Teilen
    Buchstabenliebhaberins avatar
    Buchstabenliebhaberinvor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Mein Favorit des Jahres! Das erbarmungslose Leben mexikanischer Frauen, die Drogenbossen ausgeliefert sind. Welch hoffnungslose Region.
    Wenn nur noch Gebete helfen können

    Soeben war ich in Guerrero, einem männerleeren Dorf in den Bergen Mexikos. Der Name klingt nach Krieg, und wer dort nicht acht gibt, ist vor dem nächsten Atemzug tot. Dort gibt es keine Arbeit, dafür eine mörderische Hitze, Skorpione, Paraquat und patroulliernde Drogenbarone in ihrem gepanzerten SUVs, immer auf der Jagd nach blutjungen, gutaussehenden Mädchen.

    Wer kann, flüchtet über die Grenze nach Amerika. Es sind die Familienväter und Söhne, die die riskante Flucht wagen. Die Geld verdienen. Und die irgendwann abtauchen, eine neue Familie gründen, ihre hoffenden Frauen und Kinder zurücklassend.
    Hier lebt Ladydi, die Protagonistin. Mit ihrer frustrierten, fernsehsüchtigen Mutter. Die genau wie die anderen Mütter dafür sorgt, dass die Mädchen hässlich aussehen, die immer mit einem Ohr lauschen, nach den schwarzen Wagen Ausschau halten, um bei Gefahr die Mädchen in ihre schützenden, mit den eigenen Händen gegrabenen Erdlöcher zu scheuchen.

    Die Gefahr lauert hier überall. In illegalen Mohnfeldern, links und rechts der Schnellstraße, in der Luft, wo die Polizei wahllos giftiges Pflanzengift abkippt - mit den Drogenbossen legt sich hier niemand freiwillig an.

    Ladydi scheint es zu schaffen, sie bekommt einen Job in Acapulco. Als Dienstmädchen. Bei einer reichen Familie. Alles scheint sich zum Guten zu wenden, doch dann überschlagen sich die Ereignisse. Sie ist gefangen in einem Sumpf aus Lügen, Gewalt und Drogen, und die Spirale scheint sich nur abwärts zu bewegen.

    Herzzereißend die Frauen der Geschichte. Der Zusammenhalt, trotz all des Betrugs und der Armut und Not. Die Liebe, die keine so richtig zeigen kann, die wenigen Freundschaften, die über schwere Zeiten hinweg helfen. Zum Heulen, die Hilflosigkeit der verlassenen Frauen, die Aussichtslosigkeit. Die Gewalt, ein Land am Boden, in dem die Drogen alles bestimmen.

    Grandios die Sprache. Jennifer Clement beschönigt nichts, sie erzählt in knappen, messerscharfen, präzisen Sätzen. Sie erschafft eine grausame Realität, die auch ihre poetischen, zärtlichen Momente hat, eine unausgesprochene Solidarität. "Einmal lag ich mit hohem Fieber in der Hängematte, und meine Mutter schaukelte mich tagelang und wedelte mir die Fliegen vom Leib, bis ihr wahrscheinlich der Arm schmerzte. Jemandem die Fliegen vom Leib zu wedeln, ist bei uns auf dem Berg so ziemlich die netteste, liebevollste Geste, die man sich vorstellen konnte. Es regte mich wirklich auf, wenn ich im Fernsehen sah, wie die Fliegen die Flüssigkeit aus den Augen afrikanischer Kinder tranken." (S. 146)

    Das Buch hat mich völlig in seinen Bann geschlagen.Die Geschichte von Ladydi und ihrer Familie und ihren Freundinnen hat mich sehr bewegt. Zu gern würde ich den Frauen helfen. Ich überlege noch, wie.

    Die Geschichte ist harter Tobak, brillant geschrieben. Eine wichtige Geschichte, und deswegen: Meine absolute Leseempfehlung!

    Kommentieren0
    50
    Teilen
    JulesBarroiss avatar
    JulesBarroisvor 4 Jahren
    Kurzmeinung: Ein wichtiges Buch über ein Thema, das viel mehr Öffentlichkeit verdient. Das Buch gibt den Schwächsten eine Stimme.
    Wenn du weniger als nichts bist

    Die Hauptfiguren in diesem Buch sind ein Quartett von Mädchen: Paula, eine bemerkenswerte Schönheit; Estefani, deren Mutter an AIDS stirbt; Maria, die uneheliche Halbschwester der Erzählerin; und die Erzählerin selbst, LadyDi (wie in England Lady Di). Sie wachsen in Guerero, einem fast menschenleeren Bergdorf, unter den strengen Augen ihrer Mütter auf, die ihre Töchter als Söhne ausgeben. Und wenn das nicht mehr möglich ist, versuchen sie ihre Töchter hässlich zu machen, in der Hoffnung, dass dies sie vor Entführung schützt: das Haar ist kurz und unordentlich geschnitten, die Zähne mit Filzstift angefärbt. „Vielleicht muss ich dir die Zähne einschlagen, sagte meine Mutter.“ (Seite 9)

    LadyDi lässt uns teilhaben an ihrer Kindheit und an ihrer Teenagerzeit, bis sie das Dorf verlässt und in Schwierigkeiten gerät. Sie zieht uns in eine ebenso bunte wie trostlose Welt. Eine außergewöhnliche Geschichte voller Widrigkeiten, aber auch der gegenseitigen Hilfsbereitschaft der Frauen                                

    Das Thema ist die Not der ländlichen Mexikaner, vor allem der Frauen. Das Buch, eher eine Novelle als ein Roman, enthält nicht nur die Geschichte von LadyDi und ihren Freundinnen, sondern auch die von vielen komplexen Nebenfiguren, von Entführungen durch Drogenhändlern, von AIDS-Kranken, von Verzweifelten, die versuchen, die Grenze nach den USA zu überqueren. Es gibt keine unwichtigen Charaktere: Jeder hat seine eigene Geschichte, bis ins kleinste Detail real und oft ergreifend.

    Keine der Figuren ist tief oder mehrdimensional angelegt. Sie scheinen mehr wie normierte Vertreter einer ewigen Tragödie zu sein.

    Die Lektüre ist keine leichte Kost, aber sehr brillant geschrieben, rustikal, rau und ungeschminkt. gut recherchiert. Vor allem aber wegen seiner klaren Prosa, die sich nicht endlos bei unnötigen Details aufhält, sondern ehrlich von diesem grausamen und verzweifelten Leben berichtet. Jennifer Clement findet eine feine Balance zwischen Sachlichkeit und Emotion, sowie einen ganz ausgezeichneten neutralen Ton, fast unterkühlt um diese unerträglichen Ereignisse zu beschreiben, die nichts Außergewöhnliches sind, sondern der ganz normale Alltag. „Eine vermisste Frau ist nur ein Blatt, das der Regen in die Gosse treibt.“ (Seite 68)

    Dieses Buch hat kein Happy End. Dennoch ist es auf seltsame Art hoffnungsvoll. Jeden Tag, den man überlebt, ist ein Triumph, auch wenn diese Triumphe unspektakulär bleiben und auch zu keiner Veränderung der Lebensverhältnisse und -umstände führen.

    Jennifer Clements „Gebete für die Vermissten“ ist ein intimer Blick auf Armut und Menschenhandel in Mexiko von innen heraus. Aber es macht auch den globalen Kontext deutlich, und erlaubt uns nicht unserer Verantwortung zu entkommen. Für alle, die Mexiko nicht kennen, wirft das Buch einen tiefen Blick in die dunkle Seele dieses Landes. Das Buch wird niemanden unverändert lassen.

    Dieses Buch gibt den Schwächsten eine Stimme. Man sollte es immer wieder lesen. Ein wichtiges Buch über ein Thema, das viel mehr Öffentlichkeit verdient. Für alle, die bereit sind auch unangenehme Wahrheiten zu ertragen.

    Kommentare: 2
    4
    Teilen

    Gespräche aus der Community zum Buch

    Neu

    Starte mit "Neu" die erste Leserunde, Buchverlosung oder das erste Thema.

    Was ist LovelyBooks?

    Über Bücher redet man gerne, empfiehlt sie seinen Freunden und Bekannten oder kritisiert sie, wenn sie einem nicht gefallen haben. LovelyBooks ist der Ort im Internet, an dem all das möglich ist - die Heimat für Buchliebhaber und Lesebegeisterte. Schön, dass du hier bist!

    Mehr Infos

    Buchliebe für dein Mailpostfach

    Hol dir mehr von LovelyBooks