-- Reread nach über 10 Jahren --
Jetzt heißt es für Gwen Frost, den Helheim-Dolch zu finden und zu verhindern, dass die Schnitter ihn benutzen, um den bösen Gott Loki zu befreien. Doch das gestaltet sich alles andere als einfach, denn es wird zu einem Rennen gegen die Zeit.
“Hätte ich eine Hand, würde ich mir ungläubig gegen die Stirn schlagen. Nein, eigentlich würde ich sie verwenden, um ein wenig Vernunft in dich hineinzuprügeln, Gwen.” -Vic, unser sprechendes Schwert
Allmählich nähern wir uns der Halbzeit der Buchreihe an und ich bin noch genauso gut dabei wie am Anfang. Ich muss schon jetzt zugeben, dass vieles von der Vergangenheit geprägt sein wird, denn für den Kitsch (besonders bei der Liebesgeschichte) und die Klischees hätte ich bei einem anderen Buch längst einen Stern abgezogen, aber hier kann ich es nicht übers Herz bringen, weil die ganze Geschichte so unglaublich gut ist. So reichen einzelne Szenen, die mich zu 160% überzeugt haben, aus, um die auszugleichen, die nur halb so gut waren. Das Buch bleibt aber voller Spannungen, unvorhergesehenen Plottwists und einer starken Entwicklung, sowohl was die Geschichte, als auch was die Charaktere angeht.
Gwen gefällt mir immer mehr und sie hangelt sich auf meiner Liste der besten Protagonisten immer weiter nach oben. Zwar lässt sie sich von Zeit zu Zeit zu stark von ihren Gefühlen leiten und manche Situationen, als sie beispielsweise Logans Ex-Freundin verdächtigt, ein Schnitter zu sein, sind deswegen voller Fremdscham und es tut fast körperlich weh, sie zu lesen. Auf der anderen Seite trainiert sie immer weiter an ihrer Kampfkraft und ihrer Magie und verlässt sich auf ihre Freunde. Dabei ist Gwen gefühlvoll, verständnisvoll, mutig und psychisch stark und vor allem die Kämpfe lese ich super gern. Besondere Szenen, als sie zum Beispiel ihren neuen Tierfreund gefunden hat, sind so schön anzusehen und es macht einfach Spaß, die Geschichte aus ihrer Sicht zu erleben.
Außerdem wird den Nebencharakteren mehr Inhalt eingeflößt, wie ich schon in den ersten zwei Büchern angedeutet habe. Daphne wird eine bessere Freundin, auch wenn nicht immer alle Schwarz-Weiß ist und Logan wird fast zu einem festen Liebespartner. Auch andere Personen bringen Abwechslung und Spannung in die Story, so könnte ich ohne Oliver oder Vic das Buch nie so genießen wie mit ihnen. Hier muss ich natürlich (für manche leider) ein paar Worte zur Liebesgeschichte sagen, denn diese fordert immer mehr Raum, auch wenn der Plot nicht aus den Augen gelassen wird. Gwen und Logan sind ein süßes Paar und ihre Entwicklung ist langsam und natürlich. Es ist zwar etwas vorhersehbar und klischeehaft, aber es passt zum Inhalt und ohne deren Verbindung würde der Kampf, den beide jeweils für den anderen kämpfen, keinen Sinn machen. Ihr Ende in diesem Buch habe ich gefühlt übersprungen, weil es völlig überspitzt dargestellt wurde, aber ich gönne den beiden ein Happy End, soweit das in weiteren drei Büchern noch möglich ist.
Auch die Geschichte lässt nicht nach. Im Gegenteil, sie nimmt rasant an Fahrt auf und überzeugt in ihrer Originalität, Action und der ungeheuren Spannung, insbesondere in den letzten 100 Seiten. Wie zuvor wurde am Anfang sehr viel wiederholt und neu erklärt, sodass man ganze Absätze überspringt, aber der Rest macht es wieder wett. Nach einem starken Kampf auf den ersten Seiten, ist Gwen auf der Suche nach Schnittern auf der Academy und nach Lokis Champion. Es gibt immer wieder kleine Hinweise für uns als Leser, sodass wir mitraten können, aber das Ergebnis bleibt überraschend. Die Spannung baut sich immer weiter auf und entlädt sich in dem bisher besten Finale der Buchreihe. Hier kam es zu so vielen Twists und unvorhersehbaren Überraschungen, dass man das Ende erst einmal verarbeiten muss. Dabei bietet es eine perfekte Grundlage für das nächste Buch und ich bin selbst jetzt, während dem Schreiben von dieser Rezension, immer noch überwältigt.
Kleinigkeiten, die mir noch sehr gut gefallen haben, sind die Beschreibungen der verschiedenen Magieformen, besonders Gwens, die Einbindung von allerlei Artefakten und der Aufbau der magischen Kämpfe. Diese Sachen machen das Buch besonders und die mythischen Aspekte versetzen den Leser ins Staunen. Die Balance zwischen Magie, Action und Emotionen ist perfekt, wodurch man mit dem Lesen nicht mehr aufhören kann. So genieße ich Jennifer Esteps Werke aufs Äußerste und danke meinem Gehirn, dass es Geschichten auch wieder vergisst und sich nicht mehr an alle Details erinnern kann.
Insgesamt ein würdiger Nachfolger in der Mythos-Academy-Reihe und ein absolutes Muss aus der Sicht einer Person mit Fan-Brille auf den Augen!