Jennifer Haigh

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Autor von Auftauchen, Licht und Glut und weiteren Büchern.

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Jennifer HaighAuftauchen
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Auftauchen
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Erschienen am 01.08.2013
Jennifer HaighLicht und Glut
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Licht und Glut
Licht und Glut
 (8)
Erschienen am 02.07.2018
Jennifer HaighUnd jeden Tag ein neues Leben
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Und jeden Tag ein neues Leben
Und jeden Tag ein neues Leben
 (2)
Erschienen am 20.02.2006
Jennifer HaighAuftauchen: Roman
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Auftauchen: Roman
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Erschienen am 26.07.2013
Jennifer HaighThe Condition
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The Condition
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Erschienen am 11.07.2011
Jennifer HaighHeat and Light
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Heat and Light
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Erschienen am 15.09.2015
Jennifer HaighFaith
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Faith
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Erschienen am 17.01.2012
Jennifer HaighBaker Towers
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Baker Towers
Baker Towers
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Erschienen am 01.01.2006

Neue Rezensionen zu Jennifer Haigh

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Rezension zu "Licht und Glut" von Jennifer Haigh

Präziser Blick in das amerikanische Leben in der Provinz
michael_lehmann-papevor 2 Monaten

Präziser Blick in das amerikanische Leben in der Provinz

Bakerton ist nichts Besonderes. Erstmal. In der Gegenwart. Ein eher verschlafener, ländlicher Ort, der seine Boom-Zeiten (Bergbau, Öl und anderes) schon lange hinter sich hat. Wie so viele Orte der „Mitte“ der USA. Überall gabs mal was, aus dem sich ein Geschäft, Geld machen ließ, der Tross kam, die Dienstleistungen in Form von Bars, Supermärkten und anderen Vergnügungen und, als das vorbei war, zog der Tross genauso weiter. Zum nächsten „Hot-Spot“.

Es ist im Kern diese Fixierung auf „Geschäfte“, die Jennifer Haigh in bester Weise mit den Geschichten und Persönlichkeiten der einzelnen Protagonisten verbindet, die diese ganz bestimmte Melange amerikanischen „ländlichen“ Seins ergeben, in denen sich die scheinbar stete Hoffnung wiederfindet, jederzeit darauf zu achten, bereit zu sein, Chancen zu ergreifen, wenn sie sich denn ergeben.

Eine innere Ausrichtung, die, auch wenn sie scheinbar „schläft“, jederzeit für ein „Fieber“ sorgen kann. Das zu Beginn Bobby Frame entfacht. Reisender in Sachen Nutzungsrechte. Und mit dem Auftrag versehen, Bohrgenehmigungen der Landbesitzer zu sichern, um durch Fracking Schiefergas dort in Pennsylvania zu fördern.

Was umgehend die täglich ums Geld ringende Einwohnerschaft elektrifiziert. Allerdings nicht alle und damit ist die Bühne bereitet für all jene menschlichen Eigenarten, welche die Aussicht auf Gewinn umgehend freisetzt.

Zuvor eine einigermaßen befriedete Gemeinschaft, die nicht umfassend, aber doch aufeinander achtet, die sich, bei allen traditionellen Konflikten zwischen bestimmen Familien, doch einigermaßen bewahrt.

Und nun zeigen sich Risse. Zwischen denen, die verpachtet haben und dringend auf den Beginn der Arbeiten warten (wie nicht unüblich ist der erhoffte Gewinn bereits verplant) und jenen, die aus Sturheit oder Überzeugung eben nicht möchten, dass kilometerlange Seitwärtsbohrungen mit wenig einschätzbaren Risiken den Landstrich beherrschen.

Sei es dabei Devlin, der Gefängniswärter, der auf eine Finanzspritze angewiesen ist, um seinen Ausstiegsplan aus diesem Leben anzugehen, sei es seine Frau, die fast naiv, vor allem aber mit wenig Elan dem Leben begegnet, sei es jenes lesbische Paar auf der anderen Seite (der Gegner des Vorhabens), die mit ihrem Bio-Bauernhof Stück für Stück mehr unter Druck geraten (denn allein schon der Verdacht von Erarbeiten lässt die „Reinheit der Milch“ in zweifelhaftem Licht erscheinen, noch so eine Überreaktion, zu der nicht wenige im Buch neigen) und anonym teils mit drastischen Mitteln „auf Spur gebracht“ werden sollen.

Bis hin zu Devlins Ehefrau, die symbolisch im Roman für jene schlichte, naive, dennoch überaus beharrliche Frömmigkeit steht, die einen nicht geringen Teil des amerikanischen Lebens mitbestimmt.

„Jede Menge Bohrungen da oben. Und es wird noch schlimmer. Der halbe Kreis ist bereits verpachtet“.

Unaufdringlich, aber unverkennbar rückt High das Primat von Geld und Gewinn, des Geschäftes vor dem Zwischenmenschlichem (auch innerhalb von Familien) in den Vordergrund.

Dabei schreibt Haigh durchgehend differenziert und nicht einseitig den „Mammon“ verachtend, sondern bringt dem Leser auch emotional die vielfachen Zwickmühlen ihrer Personen nahe. Von denen viele es sich letztlich auf Dauer gar nicht leisten können würden, auf solche Chancen zu verzichten, ohne ebenso abgelegt und vergessen zu werden, wie der gesamte Ort. Bevor das Gas als „neues Ding“ entdeckt wurde. Auf diese Weise rückt der Leser den Personen sehr nahe und vermittelt den Fakt und die Auswirkung des „irgendwo am Rande Lebens“ ebenso treffend, wie die stetige Hoffnung, eine Chance zu bekommen und zu ergreifen.

Menschen als Spielball großer Gesellschaften, aber auch eigener Ängste, Gier, Hoffnungen und Fixierungen, die doch am Ende innerlich leer zurücklassen werden. Und, wie immer, nur einige Gewinner und viele Verlierer zurücklassen wird. Nicht nur, was die wirtschaftliche Sicht betrifft.

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detlef_knuts avatar

Rezension zu "Licht und Glut" von Jennifer Haigh

ein großartiger Gesellschaftsroman
detlef_knutvor 2 Monaten

Der vorliegende Roman ist ein großartiger Gesellschaftsroman, der in den ländlichen Gegenden der USA, genauer gesagt in Pennsylvania spielt.

Haigh hat sich eines Themas angenommen, das ich ansonsten nur von T. C. Boyle erwarte. Sie beschäftigt sich mit aktuellen gesellschaftlichen Prozessen. Dabei bedient sie sich der Problematik der Gas-Energiegewinnung mittels Fracking. 
Die Kleinstadt Bakerton hatte schon bessere Zeiten erlebt, es gab mal sehr viel Bergbau. Der Bergbau hatte die Menschen dieser Gegend ernährt und für Wohlstand gesorgt. Doch dann wurde er eingestellt und es ging bergab. Die hier lebenden Menschen wurden ärmer und ärmer. Da taucht plötzlich ein texanischer Energiegigant auf und verspricht den Landbesitzern eine riesige Menge Geld. Sie müssten ihr Land nicht einmal verkaufen, sondern lediglich die Bohrrechte übertragen und kassieren daraufhin an den geförderten Gasmengen auf ihrem Land. Für viele hört sich das sehr lukrativ an, außerdem würden auch wieder Arbeitsplätze geschaffen. Doch viele Nachbarn zweifeln auch daran, dass so schnell Geld gemacht werden kann. Als dann die Bohrtrupps anmarschieren, wird die Naivität und Gier eines großen Teils der Bevölkerung sichtbar. Das Grundwasser wird kontaminiert, die Arbeiten werden von texanischen "Gastarbeitern" durchgeführt.

Haigh erzählt die Geschichte anhand ihrer Figuren. Langsam und bedächtig präsentiert sie dem Leser eine Figur nach der anderen. Dabei stehen die einzelnen Familien für die einzelnen Stränge in der Handlung. In der gegenwärtigen Handlung bekommt man die Probleme des Fracking aus verschiedenen Perspektiven (Gegner, Befürworter und Neutrale) geschildert. Damit man versteht, warum jemand gegen oder für das Fracking ist, welche Gründe dazu führten, werden immer wieder Rückblenden auf das Geschehen in diesen Familien geboten. Man lernt so viele verschiedene Menschen kennen, und man erfährt als Leser, dass es schwer wird, sich auf eine Seite zu stellen.

Der Roman fesselt durch die Schilderung eines Themas, welches beispielhaft für so viele Probleme in der heutigen Gesellschaft steht.


© Detlef Knut, Düsseldorf 2018

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Buecherschmauss avatar

Rezension zu "Licht und Glut" von Jennifer Haigh

Fracking
Buecherschmausvor einem Jahr

Tief unter der Nordostamerikanischen Erde, im sogenannten Marcellus Shale, lagern ungeheure Mengen an „unkonventionellem“ Erdgas. Erdgas also, das nicht in sogenannten Erdgasfallen lagert, die relativ leicht erschlossen werden können, sondern das in Rissen oder Poren des Schiefergesteins, teils auch an dies gebunden, vorliegt. Der Energiehunger der Welt ist trotz steigendem Umweltbewusstsein in manchen Gebieten und trotz fortschrittlichen, sparsameren Technologien ungebrochen und steigt nach wie vor. Fast zwangsläufig ist es da, dass solche Gasvorkommen nicht ungenutzt bleiben. Besonders in den USA ist das Fracking (eigentlich Hydraulic Fracturing) eine durchaus akzeptierte Methode der Energiegewinnung, gerade in der neueren Zeit, wo dort das Rad der Erkenntnis in Sachen Umweltschutz, Spätfolgen der rücksichtslosen Ausbeutung der Natur und daraus resultierender Schäden gnadenlos zurückgedreht erscheint. Zumindest bei Teilen der Bevölkerung. Es sind die natürlich die Menschen, die direkt oder indirekt von der Energiewirtschaft abhängig sind, aber auch diejenigen, die sich davon eine bessere Zukunft versprechen. 


Und so befinden wir uns auch in Jennifer Haighs großartigem Roman „Licht und Glut“ unter Menschen, die man neuerdings vielleicht in der Gruppe der Trump-Wähler verorten würde, die gerne zum „Amerika der Abgehängten“ gezählt werden. Es sind Menschen in den Weiten der Provinz, an denen oft genug die Entwicklung vorbei geht, oder die zumindest das Gefühl haben, dass dem so ist. Hier ist es das kleine Nest Bakerton in Pennsylvania, traditionell ein Staat der Energiewirtschaft. In früheren Zeiten florierten die Kohlebergwerke, die Männer schufteten sich unter Tage krank, aber die Gemeinden prosperierten, Geld und Infrastruktur gab es reichlich. Seit dem Niedergang der Kohlewirtschaft kränkeln sie, wer kann, zieht fort, der Rest findet sich mehr schlecht als recht mit der neuen Armut ab, Arbeitslosigkeit ist der neue Normalzustand. Kein Wunder fast, dass Alkoholismus und Drogensucht, vor allem Meth wird reichlich konsumiert, weit verbreitet sind. Und natürlich Wut auf „die da oben“. Man kennt das.

In diese Situation kommt nun ein Vertreter des Energieriesen Darco, Bobby Frame, und weiß, Hoffnung zu wecken. Mit einer einzigen Unterschrift unter einen Pachtvertrag lockt das große Geld. Das eigene Land kann problemlos weiter genutzt werden, während weit in der Tiefe nach Erdgas gebohrt wird. Die Bewohner von Bakerton sind in ihrer Verzweiflung und Resignation leicht zu manipulieren. Reihenweise werden Verträge abgeschlossen, nur wenige „verschrobene Typen“ wie die beiden lesbischen Biofarmerinnen Rena und Mack, verweigern sich. Und ziehen dadurch den Zorn der anderen Anwohner auf sich. Kaum einer liest das Kleingedruckte, niemand durchschaut das Geflecht von Unternehmern, Subunternehmern, Haftungen und Verbindlichkeiten, genauso wenig wie umwelt- oder gesundheitsgefährdende Aspekte erwähnt wurden. Allein die Liste der möglichen Additiva ist schwindelerregend.

So riecht auch bald das Trinkwasser „chemisch“. Ländereien werden verwüstet und in Ödflächen verwandelt, der Lärm ist unerträglich, der Nutzen für die Bevölkerung minimal, werden doch die Arbeiter nicht vor Ort angeworben, sondern aus dem fernen Texas herangeschafft, fließt das Geld doch sehr zögerlich erst nach der Erschließung der Quellen. Auch dass die Landeigentümer im Ernstfall für Lasten der Pächter aufzukommen haben, wurde wohlweislich verschwiegen. Ein weiterer wichtiger Punkt wird im Verlauf der Geschichte deutlich: durch den Fracking-Boom verfällt der Gaspreis derart, dass die geleisteten Investitionen sich kaum noch lohnen. Dass darunter nicht die Energieriesen zu leiden haben, sondern „der kleine Mann“ vor Ort, ist leider eine Tatsache.
Jennifer Haigh gelingt es, diesen hochaktuellen Sachverhalt zwar kritisch, aber keinesfalls polemisch zu schildern. Ihre Recherche ist bewundernswert, ebenso die Fähigkeit, die Sachverhalte packend und verständlich darzulegen.

Sie schafft ein vielschichtiges und facettenreiches Gesellschaftsbild und das figurenreiche Panorama einer amerikanischen Kleinstadt. Alle sind irgendwie vom Frackingboom betroffen. Seien es diejenigen, die schon früh einen Pachtvertrag mit Dark Elefant Energy, einer Tochter von Darco, abgeschlossen haben, wie zum Beispiel der Justizvollzugsbeamte Rich Devlin, sei es seine hypochondrische Frau Shelby, die die ständige Übelkeit ihrer kleinen Tochter Olivia gerne auf das mit Methan kontaminierte Wasser zurückführen würde (dabei steckt dahinter wohl etwas noch düsteres); seien es die beiden Ökofarmerinnen, deren Produkte bald niemand mehr kaufen möchte oder die Pastorin Jess, die mit einem der Bohrarbeiter eine Affäre beginnt. Anhand von Jess, deren Ehemann Wesley vor Jahren an Schilddrüsenkrebs erkrankte, schafft es Haigh sogar ziemlich unangestrengt eine weitere ökologische und menschliche Tragödie in die Handlung einzubauen, nämlich das Reaktorunglück von Three Mile Island/Harrisburg im Jahr 1979. Dort wurden bei einer partiellen Kernschmelze beachtliche Mengen an Radioaktivität freigesetzt. Wesley lebte damals in unmittelbarer Nähe. Der Leser wird auf einen Zusammenhang, auch mit der neuen, umstrittenen Fördermethode nicht sehr sanft, aber auch nicht störend hingewiesen.

Ja, die Autorin hat durchaus eine „message“. Das wird ähnlich schreibenden Kollegen, wie unlängst Juli Zeh in ihrem Roman „Unterleuten“, an den ich tatsächlich immer wieder denken musste, gerne vorgeworfen. Mir sind solche Bücher lieber als artifizielle Sprachkunstwerke ohne Aussage oder Erkenntnisgewinn. Aber das mag jeder Leser für sich selbst entscheiden. Jennifer Haigh schreibt geradlinig, sprachlich absolut souverän, aber eben auch konventionell. Sie schafft ein psychologisch genaues, dichtes und engagiertes Gesellschaftsbild, in dem auch das Arbeitsleben einen Platz hat, das seinem Personal widersprüchliche Facetten zugesteht, sie kritisch, aber durchaus auch liebevoll begleitet, ihre Träume, aber auch Trugbilder anschaulich schildert. Ihre geschickt verwobenen Geschichten brechen große politische, wirtschaftliche, gesellschaftliche Themen auf die (zwischen)menschliche Ebene herab und verdeutlichen sie dadurch. In ihrer Sucht nach Liebe, Anerkennung, Geld, Energie, manchmal auch Drogen, gleichen sie so vielen.

„Licht und Glut“ gingen im Amerikanischen zwei weitere Bücher aus der fiktiven Kleinstadt Bakerton voraus, „Baker Towers“ und „News from heaven“. Ersteres erschien 2006 bei Goldmann unter dem merkwürdigen deutschen Titel „Und jeden Tag ein neues Leben“, ist aber nur noch antiquarisch zu erhalten. Es wäre zu hoffen, dass Droemer beide Titel in einer deutschen Ausgabe herausbringt. „Licht und Glut“ zählt zu meinen bisherigen Lese-Highlight des Jahres 2017.
Da wir aber gerade dabei sind, eine kleine Kritik am Titel. „Light and Heat“, so der Originaltitel, wäre mit „Licht und Wärme“, dem was man sich von Erdgas und anderen Energien erhofft, meiner Meinung nach besser übersetzt worden. Nicht so schlimm wie „Und jeden Tag ein neues Leben“, aber immerhin…

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