Jennifer L. Rohn Experimental Heart

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Inhaltsangabe zu „Experimental Heart“ von Jennifer L. Rohn

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  • Rezension zu "Experimental Heart" von Jennifer L. Rohn

    Experimental Heart

    sabisteb

    24. October 2010 um 18:45

    Andy O'Hara ist Postdoc in einem Londoner Krebsforschungszentrum. Sein Leben ist ruhig, vorhersehbar und ausgefüllt mit Arbeit. Er verbringt seine Tage, Abende und Nächte im Labor mit wenigen Höhepunkten in Form prestigeträchtiger Veröffentlichungen. Er ahnt nicht, dass der Blick aus seinem Fenster sein Leben verändern wird. Heimlich beobachtet er Gina, wie sie in ihrem Labor zu Musik tanzt. Gina arbeitet für eine kleine pharmazeutische Firma, die ihren Sitz im selben Gebäude hat wie Andys Labor. Es kommt wie es kommen muss, Andy verliebt sich in Gina, aber sein Timing ist schlecht und Gina in ernsthaften Schwierigkeiten. Sie kooperiert mit einem zwielichtigen deutschen Wissenschaftler, hat aber nichts gegen ihn in der Hand. Gegen sein besseres Wissen erklärt sich Andy bereit ihr bei heimlichen, illegalen Experimenten zu helfen, und riskiert damit nicht nur seine Karriere sondern auch ihrer beider Leben und Zukunft in mehrfacher Hinsicht. Dieses Buch ist Jennifer L. Rohns Debut. Dennoch ist sie kein Neuling, was das Schreiben angeht. Sie hat seit 2005 einen eigenen Blog namens LabLit.com und einen blog bei der renommierten Wissenschaftszeitung Science. Jeniffer L. Rohn machte ihren PhD auf dem Gebiet der Retroviren und war später wie ihre Hauptperson Andy Postdoc in einem Krebsforschungszentrum in London. Anschließend ging sie zu einer kleinen niederländischen Biotechfirma, die vier Jahre später Konkurs anmelden musste (während dieser Zeit schrieb sie Experimental Heart). Sie wechselte anschließend als Editor zum Onlinepublisher BioMed Central, vermisste die Wissenschaft jedoch bald so sehr, dass sie wieder zurück ins Labor wechselte. Eines ihrer Ziele ist es das Genre der Lablit mit ihrem Blog bekannter zu machen aber auch das Image des nerdy Wissenschaftlers zu verbessern. Experimental Heart spielt in dem Labor, in welchem die Autorin ihren eigenen Postdoc machte. Das Gebäude ist auch auf dem Cover zu sehen und das erleuchtete Fenster ist ihr ehemaliges Labor. Die Hauptperson des Romans Andy O'Hara ist der typische englische Postdoc/Wissenschaftler, den die junge Amerikanerin Jeniffer L. Rohn während ihrer Zeit in London kennenlernte. Es verwunderte und faszinierte sie, wie diese intelligenten jungen Männer gleichzeitig so zögernd sein konnten, wie sie immer nur redeten ohne wirklich zu handeln. Als sie eines Tages wieder lange im Labor arbeitete schaute sie aus ihrem Fenster und sah ein weiteres, einsames, erleuchtetes Labor und da kam ihr die Idee zu diesem Roman. 2000 schrieb sie dann diesen Roman in etwa vier Monaten. Letztendlich brauchte sie jedoch weitere acht Jahre, bis das Buch veröffentlicht wurde, da man glaubte, niemand wäre an einer so wissenschaftlichen Geschichte interessiert, das Buch würde sich nicht verkaufen. 2008 jedoch entschloss sich John Inglis von Cold Spring Harbour Press (einem reinen Wissenschaftsverlag, der nur zwei Romane verlegt, nämlich diesen und den zweiten Roman der Autorin) diesen Roman zu verlegen und ging damit ein großes Risiko ein, das sich jedoch tatsächlich bezahlt gemacht hat (Diese Informationen stammen aus einem Interview bei Lab Times 4-0210 S. 24-29). Dieses Buch ist wirklich ungewöhnlich und das in mehrfacher Hinsicht. Es ist der erste Roman, der wirklich realistisch und wahrheitsgetreu beschreibt, wie es in den Laboren der Biologen wirklich zugeht (ich muss es wissen, ich bin selber einer von der Sorte). Die Geschichte strotzt von Insiderwitzen, wie der Seminarszene oder den Diskussionen wie ein Experiment aufgebaut sein müsste mit dem man beweisen kann ob es nun heißt „Bier auf Wein, das ist fein“ oder „Bier auf Wein, das lass sein“ (S. 118) (diese Diskussionen habe ich genau so bei diversen Grillfeiern geführt), dass Biologen Kittel hassen und von der Existenz ausgedehnter Schnorrnetzwerke zwischen den Laboren und wie man schnell erst mal abcheckt, dass der Angebetete auch Atheist ist. Die gemischten Partys zwischen Wissenschaftlern und Normalos entwickeln auch immer genau diese im Buch beschriebenen Diskussionen und auch die Argumentation ist Weltweit ein und dieselbe. Die Autorin beschreibt sehr genau wie Wissenschaftler ticken und denken und wie sie die Welt immer gleichzeitig aus zwei (teils widersprechenden) Blickwinkeln sehen, dem emotionalen und der wissenschaftlichen. Diese beiden Welten liegen oft im Widerstreit und jeder Wissenschaftler kennt es, wie man trotz Verliebtheit doch zu gleichen Zeit genau weiß, was Schuld an diesen Gefühlen ist und welche Hormone gerade für den aktuellen Zustand zuständig sind, ohne sich dagegen wehren zu können. Und das ist eines der Hauptprobleme in der Fast/Nicht/IrgendwieBeziehung von Andy und Gina, beide (besonders Andy) denken zu viel und wägen permanent logische Gründe gegen Gefühle ab. Was das Buch auch besonders macht ist die Sprache. Ein Germanist würde sagen, dass die Sprache die Handlung wunderbar widerspiegelt, ein wunderbarer Kunstgriff. Ich als Biologe muss jedoch sagen, das ist kein Kunstgriff, so reden wir Biologen/Wissenschaftler tatsächlich immer. „The sunlight formed a diffracted pattern on the opposite wall […] photons diving through with Heisenbergian uncertainty (S. 249). Oder S. 252: I kept loosing the linear progression of my thoughts. Oder S. 266: “I felt the xenograft of foreign and possibility malignant ideas start to divide and colonize.” Zu der sehr schwierigen Beziehung zwischen Andy und Gina kommen dann noch die Freunde im Labor, die sich permanent in alles einmischen und einem Beziehungsratschläge erteilen, da man wie eine große Familie den ganzen Tag aufeinanderhockt. In so einer engen Gemeinschaft ist es schwer Geheimnisse für sich zu bewahren, ganz besonders, wenn diese langsam gefährlich werden. Dies ist der zweite Aspekt der Geschichte neben der sehr schwierigen Romanze: Ein Krimi. Dieser Krimi spielt sich jedoch zum Großteil im Labor und auf Gelen und Röntgenfilmen ab und ist der Teil, der für einen Nichtwissenschaftler schwer nachzuvollziehen und zu verstehen sein dürfte. Für mich als Biologen war diese Krimihandlung sehr spannend (auch wenn sämtliche Proteine erfunden waren ebenso wie die Krankheit), ein Nichtwissenschaftler dürfte teils doch Probleme haben diesen Spuren zu folgen. Fazit: Wer wissen will wie es in der Welt der modernen Wissenschaft wirklich zugeht, wer wissen will wie Wissenschaftler denken, fühlen, handeln und reden, der sollte dieses Buch unbedingt lesen. Die Sprache ist wie wir Wissenschaftler täglich tatsächlich sprechen und somit teils doch sehr anders von normalen literarischen Vergleichen, die man als Leser so gewohnt ist. Der Krimiaspekt ist wissenschaftlich korrekt beschrieben, für Biologen sehr spannend, für einen Nichtwissenschafler teilweise jedoch wohl schwer nachzuvollziehen. Last euch einfach mal auf unsere Welt ein, wir leben schließlich täglich in der Euren. Die Seitenangabe von 364 Seiten ist ein wenig irreführend, denn das Seitenlayout ist sehr anders von einem normalen Krimi. Auf jeder Seite ist deutlich mehr Text als in normalen Taschenbüchern, so dass das Buch wohl in normalem Format eher in Richtung 500 Seiten gehen würde. Hier also endlich eine intelligente, moderne Beziehung. Romantik trotz moderner Technik und ganz ohne übersinnliche Vampire. Hier stehen sich einfach zwei Menschen permanent selber im Weg.

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