Jennifer Teege , Nikola Sellmair Amon: Mein Großvater hätte mich erschossen

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Inhaltsangabe zu „Amon: Mein Großvater hätte mich erschossen“ von Jennifer Teege

Es ist ein Schock, der ihr ganzes Selbstverständnis erschüttert: Mit 38 Jahren erfährt Jennifer Teege durch einen Zufall, wer sie ist. In einer Bibliothek findet sie ein Buch über ihre Mutter und ihren Großvater Amon Göth. Millionen Menschen kennen Göths Geschichte. In Steven Spielbergs Film «Schindlers Liste» ist der brutale KZ-Kommandant der Saufkumpan und Gegenspieler des Judenretters Oskar Schindler. Göth war verantwortlich für den Tod tausender Menschen und wurde 1946 gehängt. Seine Lebensgefährtin Ruth Irene, Jennifer Teeges geliebte Großmutter, begeht 1983 Selbstmord. Jennifer Teege ist die Tochter einer Deutschen und eines Nigerianers. Sie wurde bei Adoptiveltern groß und hat danach in Israel studiert. Jetzt ist sie mit einem Familiengeheimnis konfrontiert, das sie nicht mehr ruhen lässt. Wie kann sie ihren jüdischen Freunden noch unter die Augen treten? Und was soll sie ihren eigenen Kindern erzählen? Jennifer Teege beschäftigt sich intensiv mit der Vergangenheit. Sie trifft ihre Mutter wieder, die sie viele Jahre nicht gesehen hat. Gemeinsam mit der Journalistin Nikola Sellmair recherchiert sie ihre Familiengeschichte, sucht die Orte der Vergangenheit noch einmal auf, reist nach Israel und nach Polen. Schritt für Schritt wird aus dem Schock über die Abgründe der eigenen Familie die Geschichte einer Befreiung.

Sehr interessante Geschichte!

— Tadaa
Tadaa

Gutes Buch. Sehr persönlich und ein interessantes Thema (Erinnerung der Täter-/Opfer-Generationen an die NS-Zeit)

— Mixia
Mixia

Bewegend, informativ, erschreckend...mir ging es wirklich unter die Haut & finde es einfach immer nur unfassbar, was die Menschen taten...

— Sabrinas_fantastische_Buchwelt
Sabrinas_fantastische_Buchwelt

Eine Familiengeschichte wie sie niemand erwartet hätte.

— AnniO90
AnniO90

Sehr persönliches & zugleich informatives Buch über die Enkelin eines Kriegsverbrechers zu NS-Zeiten & ihre Geschichte. Absolut lesenswert!

— TinaLiest
TinaLiest

Sehr gut recherchierte und geschriebene Biographie. Hat mir sehr gut gefallen.

— Tsorae
Tsorae

Ein interessantes Buch. Wie ein Familiengeheimnis das eigene Leben beeinflussen kann...

— herzle
herzle

Ein mutiges und vor allen Dingen wichtiges Buch!

— AmiLee
AmiLee

Gut erzählt, besonders wegeb Wechsel zwischen der persönlichen Perspektive und der Darstellung der Fakten.

— Anja_Lev
Anja_Lev

Ein tolles Buch das zum Teil einem erschreckend die damalige Zeit näher bringt.

— BonnieParker
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  • eBook Kommentar zu Amon von Jennifer Teege

    Amon: Mein Großvater hätte mich erschossen
    Nora Kurzreiter

    Nora Kurzreiter

    via eBook 'Amon'

    Spannend zu lesen, man bekommt tiefe Einblicke in die verschiedenen Probleme. Bin von dem Buch begeistert!

    • 3
    Albert Grasel

    Albert Grasel

    16. July 2017 um 11:47 via eBook 'Amon'
  • Für die Taten der Vorfahren kann man selbst nichts..

    Amon: Mein Großvater hätte mich erschossen
    Tadaa

    Tadaa

    29. June 2017 um 12:31

    Das Buch behandelt viele interessante Ansichten aus Jennifers Leben. Ihr Leben mit der Adoption, ihr Leben in Israel und ihre jüdischen Freunde, ihre Beziehung zu ihrer Mutter und Großmutter und ihre Depressionen. Mir hat das Buch sehr gut gefallen, es war nicht nur super interessant mehr über die Nazizeit aus der Sicht einer Enkelin zu erfahren sondern auch mehr Informationen über das Wegschauen vieler Beteiligter zu erhalten. Wie viele Frauen der KZ-Männer einfach verleugnen, dass sie je mitbekommen hätten, dass Menschen einfach so ermordet oder gefoltert wurden, das ist für mich einfach unvorstellbar. Jennifers Ansicht kann ich oftmals aber auch nicht so ganz nachvollziehen. Beispielsweise vermied sie den Kontakt zu ihren jüdischen Freunden, nachdem sie erfahren hat wer ist Großvater ist, weil sie sich Vorwürfe gemacht hat, dass sie ja irgendwo doch Schuld wäre an dem Tod deren Vorfahren. Das ist ein Gedanke, mit welchem ich mich einfach nicht anfreunden kann. Jeder Mensch ist für seine eigenen Taten verantwortlich und nur weil der Großvater ein grausamer Mensch war, muss man selbst nicht so sein. Denn dieses Denken oder die Taten sind nicht vererbbar. Daher hätte ich keinen ihrer Freunde verstanden, der sich von ihr abgewendet hätte, nachdem er das erfahren hätte. Doch Jennifer zerbrach sich so sehr darüber den Kopf, dass sie den Kontakt zu ihnen fast abbrach. Natürlich hätte man das nicht gleich nachdem man selbst damit konfrontiert wurde, weitererzählen müssen, doch mehrere Jahre hätte man damit auch nicht warten müssen. Sie muss oder sollte sich keiner Schuld bewusst sein, sie ist doch wirklich das komplette Gegenteil ihres brutalen Großvaters. Dennoch fühlt sie sich schuldig und schlecht für das, was ihre Großeltern damals getan haben, was ich teilweise auch noch ein wenig nachvollziehen kann, denn das Wegschauen ihrer Großmutter und das Abstreiten, dass sie niemals mitbekommen hätte, dass ihr Großvater einfach so Juden erschossen hätte, das hätte mich auch stutzig und wütend gemacht. Dennoch bin ich der Meinung, dass Jennifer teilweise ein wenig zu sensibel reagiert hat. Beispielsweise als sie herausfand, wer ihre leibliche Eltern sind, hat sich von dem Tag an ihre Adoptiveltern nur noch beim Namen genannt und nicht mehr mit "Mama" oder "Papa" angeredet. Ich mein, was kann es Schlimmeres geben, als dass ein Kind, das man jahrelang großzieht, auf einmal nicht mehr "Mama/Papa" sagt. Das hat mir gezeigt, dass sie ein bisschen zu kleinlich mit all dem umgegangen ist und vielleicht nicht gemerkt hat, wie sehr sie die Menschen um sich herum verletzt hat.Insgesamt ist das Buch dennoch eine Empf ehlung für diejenige, die sich gerne etwas mit der Vergangenheit auseinandersetzen wollen und dies aus der Sicht einer unschuldigen Enkelin eines kranken KZ-Kommandanten.

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  • Bewegend, informativ, erschreckend....

    Amon: Mein Großvater hätte mich erschossen
    Sabrinas_fantastische_Buchwelt

    Sabrinas_fantastische_Buchwelt

    31. January 2017 um 20:05

    Titel: Amon - Mein Großvater hätte mich erschossenAutor: Jennifer TeegeReihe: -Verlag: RowohltGenre: Biografie|NS|KZSeitenanzahl: 266 Klappentext: Es ist ein Schock, der ihr ganzes Selbstverständnis erschüttert: Mit 38 Jahren erfährt Jennifer Teege durch einen Zufall, wer sie ist. In einer Bibliothek findet sie ein Buch über ihre Mutter und ihren Großvater Amon Göth. Millionen Menschen kennen Göths Geschichte. In Steven Spielbergs Film «Schindlers Liste» ist der brutale KZ-Kommandant der Saufkumpan und Gegenspieler des Judenretters Oskar Schindler. Göth war verantwortlich für den Tod tausender Menschen und wurde 1946 gehängt. Seine Lebensgefährtin Ruth Irene, Jennifer Teeges geliebte Großmutter, begeht 1983 Selbstmord. Jennifer Teege ist die Tochter einer Deutschen und eines Nigerianers. Sie wurde bei Adoptiveltern groß und hat danach in Israel studiert. Jetzt ist sie mit einem Familiengeheimnis konfrontiert, das sie nicht mehr ruhen lässt. Wie kann sie ihren jüdischen Freunden noch unter die Augen treten? Und was soll sie ihren eigenen Kindern erzählen? Jennifer Teege beschäftigt sich intensiv mit der Vergangenheit. Sie trifft ihre Mutter wieder, die sie viele Jahre nicht gesehen hat. Gemeinsam mit der Journalistin Nikola Sellmair recherchiert sie ihre Familiengeschichte, sucht die Orte der Vergangenheit noch einmal auf, reist nach Israel und nach Polen. Schritt für Schritt wird aus dem Schock über die Abgründe der eigenen Familie die Geschichte einer Befreiung. Cover: Das Cover zeigt das Gesicht von Jennifer Teege. Es ist in schwarz-weiß gehalten und der Titel ist farbig. Ich finde es passend, kein Schnick Schnack, sondern still. Ich finde es wirklich toll. Meine Meinung: Mein Großvater ist am 28 März 1925 in Sachsen auf die Welt gekommen, meine Großmutter am 28 August 1926 in Kassel. Von ihnen habe ich bereits als Kind vieles über den zweiten Weltkrieg erfahren, wie die Zeit bei der Hitlerjugend war, die Zeit in Gefangenschaft. Deswegen interessierte ich mich schon früh in meiner Jugend für die Zeit von 1933, Hitlers Machtergreifung, bis 1945, Kriegsende. In der Schule war ich für diese Zeit ein Aas...wusste alles, hatte nur Einsen. Dieses Interesse an die Hintergründe, die Abscheulichkeiten, warum die Menschen dies bewusst oder unbewusst taten blieb bis heute. Ich bin 23. Ich bin über einen Zufall über dieses Buch gestolpert und es hat lange gedauert, bis ich mich daran traute. Es hat sich mehr als gelohnt. Jennifer Teege erzählt einfühlsam und sehr sachlich, wie sie durch einen Zufall herausfand, was es mit ihrer leiblichen Familie auf sich hat. Ein Schock. Durch ihren wunderbaren Schreibstil konnte ich mich stets in ihre Lage versetzen und es hat mich mehr als schockiert, was die Frau alles heruasfand. Das Buch besteht aus zwei Sichten. Einmal erzählt Jennifer ihre persönlichen Empfindungen und wird zwischendurch von Nikola Sellmair, einer Journalisten, abgelöst, die geschichtliche Fakten über das Lager Plaszow, die Familie Göth und Amon Göth selber, der das Lager leitete und so unfassbares aus reine Freude tat, dass es mir den Atem raubte. Das Einzigste, was mir nicht gefiel, war, dass es an einigen Stellen doch etwas "langatmig" wurde und es hätte einen Ticken kürzer sein können. Aber ich finde es beeindruckend, dass Jennifer Teege so persönlich ihre Gefühle, ihre Ängste, ihr ganzes Leben so offen den Lesern ihrer Biografie präsentiert. Ich finde das beeindruckend, denn es gehört auch viel Mut dazu. Bewertung: Ein beinahe perfekter Mix aus geschichlichen Fakten und einer bewegenden Familiengeschichte. Von mir gibt es: 5 von 5 Sterne

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    • 4
  • Leserunde zu "Die Indianische Kalenderchallenge 2016/2017"

    Indianisches Horoskop / Geburtstagskalender (Wandkalender immerwährend DIN A3 quer)
    stebec

    stebec

    Halli Hallo meine Lieben, Vorab: Es handelt sich hier um eine Challenge. Der Kalender kann nicht gewonnen werden!.Wie wir es schon angekündigt haben, möchten kattii und ich euch dieses Jahr auch wieder mit einer Horoskop-Challenge bespaßen. Da wir uns gedacht haben, dass zwei Jahre hintereinander das gleiche Horoskop ziemlich langweilig werden kann, haben wir uns dazu entschlossen dieses Jahr die Chinesischen Sternzeichen durch die Indianischen zu ersetzen. Wir haben auch noch ein paar kleine Änderungen vorgenommen, damit das Punktesammeln nicht mehr so kompliziert ist, wie letztes Jahr und somit das Lesevergnügen ganz im Vordergrund steht. Außerdem gibt es am Ende der Challenge auch eine Kleinigkeit zu gewinnen. Kommen wir also erstmal zu dem wichtigsten. Die Regeln:1. Wir sammeln diesmal Totems und keine langweiligen Punkte ;)2. Jeden Monat bekommt ihr zwei Aufgaben zu einem Tierkreiszeichen. Die Aufgaben beziehen sich immer auf eine negative und eine positive Charaktereigenschaft. 2.1. Für jede gelöste Monatsaufgabe gibt es ein Totem.3. Zusätzlich bekommt ihr von uns 12 Jahresaufgaben, die ihr über den gesamten Challengezeitraum lösen könnt. Die sind sozusagen eure Joker, falls ihr mal eine Monataufgabe nicht lösen könnt. Diese sind dafür etwas aufwändiger bzw. kniffliger.3.1. Für jede Jahresaufgabe gelöste Jahresaufgabe gibt es ein Totem.4. Denn um am Ende der Challenge in den Lostopf zu hüpfen, müsst ihr mindestens 24 Totems gesammelt haben.5. Gerne könnt ihr die Jahresaufgaben auch zusätzlich lösen. Eure Chance auf den Gewinn beeinflusst das jedoch nicht. 6. Wie auch letztes Jahr bekommt ihr die doppelten Totems, wenn ihr die Monatsaufgaben zu dem Tier löst, was euer Sternzeichen ist. ACHTUNG: Die Jahresaufgaben sind hiervon ausgeschlossen. 7. Eine Rezension oder Kruzmeinung zu den Büchern ist diesmal Pflicht und muss in einem Sammelpost festgehalten werden. Ob ihr diesen in dem Thread erstellt oder doch lieber mit eurem Blog teilnehmen wollt, ist euch überlassen. 8. Die Rezensionen oder Kurzmeinungen müssen immer bis zum 5ten des Folgemonats online sein. 9. Die Monatsaufgaben postet katti immer am 20ten des vorherigen Monats.10. Da noch nachträglich viele Anfragen eingehen. Ist die Anmeldefrist aufgehoben. Man kann jederzeit in die Challenge einsteigen, aber die gelesenen Bücher können nicht nachträglich gezählt werden. Es gelten die Bücher die ab Zeitpunkt der Challenge gelesen wurden.11. Sagt uns bitte bei der Anmeldung, wann ihr Geburtstag habt, damit wir die doppelten Totems nachvollziehen können.12. Wir behalten uns vor jeden Teilnehmer, der drei Monate abwesend war/ist, anzuschreiben und ggf. aus der Challenge auszuschließen.Natürlich interessiert euch auch, was es zu gewinnen gibt:Die Gewinne:1. Ein Überraschungpaket im Wert von 20-30€2. Zweimal einen Buchgutschein im Wert von 10 € von der Bockumer Buchhandlung.Ihr seht wir haben einiges geändert, sodass die Challenge etwas einfach und vielleicht auch attraktiver wird. Wir wünschen euch jetzt erstmal viel Spaß und hoffen, auf eine rege Teilnahme.Fragen können wie immer gerne im dazu vorgesehenen Thread gestellt werden.Die Teilnehmer:Ann-Kathrin Speckmann 07.09.1995 => 8 TotemsBücherwurm 25.06.=> 6 TotemsBuchgespenst 07.01.1981 => 16 TotemsFederzauber 20.06.1982 => 10 TotemsInsider2199 26.03.1968 => 15 Totemsjanaka 02.10.1965 => 14 TotemsJisbon 06.09.1994 => 8 TotemsLadySamira091062 09.10.1962 => 8 Totemslouella2209 22.09.1978 => 17 TotemsPaulamybooksandme 18.04.1993 => 4 Totemssomebody 01.03.1980 => 3 TotemsTatsu 08.10.1988 => 16 Totems

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    • 367
  • Es regt zum Nachdenken an

    Amon: Mein Großvater hätte mich erschossen
    herzle

    herzle

    28. April 2016 um 09:59

    Jennifer Teege rechnet in diesem Buch mit ihrer Vergangenheit ab. Sowohl das Verhältnis zu ihren Eltern, wie auch (vor allem) zu ihren Großeltern, beleuchtet sie intensiv. Trotz vieler negativer Ereignisse aus der Vergangenheit schafft sie es, positive Resultate daraus zu ziehen und damit gestärkt in die Zukunft zu starten. Das Buch hinterlässt keinen faden Beigeschmack wie manch anderer Lesestoff, der historische Ereignisse oder Personen belichtet. Trotzdem vergißt es nicht den Schrecken der damaligen Zeit authentisch wiederzugeben und schneidet die dahintersteckenden Motive an, über die sich der Leser selbst seine Gedanken machen kann.

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  • Rezension zu "Amon: Mein Großvater hätte mich erschossen" von Jennifer Teege und Nikola Sellmair

    Amon: Mein Großvater hätte mich erschossen
    aba

    aba

    24. January 2016 um 14:50

    "Jeder Mensch möchte herausfinden, wer er ist" Auch wenn sich viele Wissenschaftler und Philosophen diesem Thema widmen, finde ich persönlich, dass das Bedürfnis, alles über sich selber zu wissen, zur Natur des Menschen gehört, es ist wie ein Axiom und einer der Grundsätze für die persönliche Entwicklung jedes Einzelnen. Das Herausfinden bedeutet auch, sich identifizieren zu können, mit dem, was man entdeckt, oder sich bewusst zu distanzieren. Jennifer Teege hat eines Tages eine furchtbare Entdeckung gemacht, für deren seelische Verarbeitung sie Jahre gebraucht hat. Sie ist die leibliche Enkelin von Amon Göth, einem sadistischen Nazi-Verbrecher, vor allem aus dem Film "Schindlers Liste" bekannt. Ich habe Jennifer Teege zum ersten Mal in einem Fernsehinterview gesehen. Sie wurde mir sofort sympathisch und ihre Geschichte hat mich sehr beeindruckt. Noch während die Sendung lief, habe ich ihr Buch, das sie zusammen mit der Journalistin Nikola Sellmair geschrieben hat, bestellt. Dieses Buch, in dem sie ihre Geschichte erzählt, und das mittlerweile in mehrere Sprachen übersetzt wurde, hat mir sehr gut gefallen. Interessant bei diesem Buch sind die zwei unterschiedlichen Perspektiven Frau Teeges und ihrer Co-Autorin. Dies verleiht dem Buch eine bestimmte Struktur, die dem Leser hilft, alles besser zu verstehen und nachvollziehen. Jennifer Teege beschreibt - logischerweise - alles aus ihrer persönlichen Sicht, während Nikola Sellmair für die sachlicheren Erklärungen zuständig ist, und bezieht sich auch auf andere ähnliche Fälle, denn Jennifer Teege teilt ein Schicksal mit Millionen Deutschen. Trotzdem ist bei ihr auch wieder alles anders: ihre Hautfarbe und die Tatsache, dass sie adoptiert wurde. Nach der Entdeckung muss sie ein zweites Mal in ihrem Leben ihre eigene Identität in Frage stellen. Auch die Sprache, die die beiden Autorinnen benutzen, ist sehr gut und dem Thema angemessen. Wenn man Frau Teege in Interviews erlebt, passt alles, was man sieht und hört, zu ihrer Art zu schreiben: ruhig und überlegt, absolut nicht pathetisch und fesselnd. "Amon: Mein Großvater hätte mich erschossen" ist nicht die jämmerliche Geschichte einer Frau, die ein Familiengeheimnis enthüllt, es ist vielmehr ein wichtiger Beitrag zum Thema Nationalsozialismus und dessen Konsequenzen: Frau Teege ist sich bewusst von ihrer Verantwortung, nicht nur als Deutsche, sondern auch als Enkelin eines der schwersten Nazi-Verbrecher. Sie kann stolz sein, mit ihrem Buch einen guten Beitrag geleistet zu haben, damit sich dieser Teil der deutschen Geschichte nicht wiederholt, denn sie sagt nicht: "damit habe ich nichts zu tun, das ist lange vor meiner Geburt passiert". Ich bewundere sie und freue mich sehr, ihr Buch gelesen zu haben.

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  • Amon das Erbe der Vorfahren

    Amon: Mein Großvater hätte mich erschossen
    jackdeck

    jackdeck

    15. September 2015 um 09:29

    Amon Göth ist Jennifers Teege Großvater. Wie nun mit dieser neuen Situation umzugehen ist, das schildert Jennifer Teege einprägsam. Sie, als Tochter eines Nigerianers und Monika Göth. Sie, die hebräisch spricht und in Israel lebte. Sie, für die die NS-Zeit ein interessantes, faktisches Thema war - wie für viele tausende Schüler auch. Sie, die von ihrer leiblichen Mutter und Großmutter wohl nie erfahren hätte, wer ihr Großvater war. An vielen Stellen sorgt die Lektüre für Gänsehaut und besonders die Ausführungen über Amon Göth lassen manchmal hoffen, dass doch bitte alles nur Fiktion wäre. Leider weiß jeder, dass es die harte Realität ist. Ein kluges, reflektiertes und sehr persönliches Buch über Vergangenheit, historische Fakten, Sichtweisen - und über die Liebe. Aus meiner Sicht ein Gewinn für jeden aus der Generation der Nachkommen, der vielem verständnislos und ohnmächtig gegenübersteht, gewisse Fakten seine Familie, seinen Ursprung betreffend nicht begreifen will, es gar nicht kann, denn erstens zeigt uns Jennifer Teege, dass es gar keine optimale, sondern nur eine sehr persönliche Herangehensweise, ein individuelles Begreifen, eine individuelle Verarbeitung gibt. Es gibt auch andere Stimmen, so werden bspw. Stellungnahmen ihrer Adoptivmutter, ihres Adoptivbruders eingeblendet, historische Tatsachen werden mitgeteilt. Was mir bei diesem Buch sehr gut gefallen hat, dass hier die Sicht der Opfer aus einer anderen Perspektive geschildert wird, nämlich aus der Sicht der Angehörigen von NZ Verbrechern. Auch sie waren Opfer, denn es gibt viele, die ein Leben lang unter diesem Trauma lebten und nicht wenige, die sich das Leben nahmen. Fazit: Ein berührendes Buch, in dem sich Jennifer Teege intensiv mit ihrer Familie, allen voran ihrem Großvater, auseinandersetzt.

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  • Rezension zu Amon

    Amon: Mein Großvater hätte mich erschossen
    KruemelGizmo

    KruemelGizmo

    Mit 38 Jahren erfährt Jennifer Teege, die bei einer Adoptivfamilie aufwächst, das sie die Enkeltochter von KZ-Kommandanten  Amon Göth ist. Amon Göth ist den meisten  Menschen durch den Film "Schindlers Liste" bekannt und er verkörpert alles was Jennifer Teege ablehnt. Dieses Buch hat zwei Autorinnen, Jennifer Teege, die hier hier ihre Familien- und Lebensgeschichte erzählt und Nikola Sellmair, die die notwendigen Fakten und  Hintergrundinformationen liefert. Mit 38 Jahren zu erfahren das der rigene Großvater ein Sadist und Psychopath ist, der aus Spaß Menschen tötete und ein KZ leitete wird wohl jeden erstmal aus der Bahn werfen. Jennifer Teege schreibt über ihr Gefühlschaos und das tiefe Loch in das sie fiel nach der Entdeckung, sowie in Rückblenden ihre Lebensgeschichte. Nach und nach setzt sie sich mit ihrer leiblichen Familie auseinander.  Am Anfang fand ich dies wirklich interessant, leider hatte ich bald das Gefühl mich im Kreis zu drehen, immer wieder werden die gleichen Fragen behandelt und  gab mir das Gefühl von Wiederholung. Wer hier eine Aufarbeitung der Vergangenheit in einer Familie erwartet wird enttäuscht werden, hier hatte ich mehr oder besser gesagt anderes erwartet.  Interessant für mich waren die Abschnitte von Nikola Sellmair, die mit einem angenehm zu lesenden Stil Informationen zur Nazi-Zeit liefert um Zusammenhänge zu erklären. Auch erläutert sie Situationen und Fakten als unbeteiligte dritte Person, als bloße Beobachterin. Zum Schluss haben mir diese Passagen sehr viel besser gefallen als der Teil von Jennifer Teege. Mein Fazit : Ein interessantes Buch zweier Autorinnen, welches mich ein wenig zwiegespalten zurücklässt, manchmal hätte ich mir hier mehr Tiefe gewünscht, es plätscherte doch ein wenig vor sich hin. Punkten kann es durch den Anteil von Nikola Sellmair bei mir. Für Einsteiger in diese Thematik ist das Buch gut geeignet.

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    • 8
    Cridilla

    Cridilla

    26. July 2015 um 04:19
    Floh schreibt Lockt mich aktuell eher weniger. Danke für die ehrliche Rezension.

    Dem schließe ich mich an.

  • der Holocaust mal aus einer anderen Sichtweise

    Amon: Mein Großvater hätte mich erschossen
    robbylesegern

    robbylesegern

    12. May 2015 um 12:22

    Jennifer Teege, die dieses Buch zusammen mit der Journalistin Nicola Sellmair geschrieben hat, erfährt erst mit 38 Jahren, dass sie die Tochter eines KZ Aufsehers ist und zwar des KZ Aufsehers Göth,, der aus dem Film "Schindlers Liste", einem Millionenpublikum bekannt ist. Wie geht man mit solch einer Vergangenheit um ? Jennifer wurde schon mit 4 Wochen in ein Heim gegeben, da ihre Mutter sich von dem nigerianischen Vater getrennt hatte und selbst ganze Tage arbeiten musste. Allein durch ihr exotisches Aussehen, hatte sie schon mit vielen Vorurteilen zu kämpfen, aber das Schlimmste war, dass sie als sie älter wurde, ein schlechtes Selbstwertgefühl entwickelte, sie dachte, ihre Mutter lehne sie ab. Kein Kontakt in den ganzen Jahren, auch nicht als Jennifer in eine sehr liebevolle Adoptivfamilie kam und dort mit zwei Brüdern aufwuchs. Doch ihr Selbstwertgefühl stieg, vor allem auch deshalb, weil sie in stabilen Familienverhältnissen groß wurde. Und jetzt das Wissen um einen SS.Vater. In einer Bibliothek findet sie das Buch ihrer Mutter, in der sie von ihrem Vater, Jennifers Großvater erfährt. Sie begibt sich auf Spurensuche, sucht das KZ in dem ihr Großvater Leiter auf und spricht mit Betroffenen. Sie selbst hat 4 Jahre in Israel studiert und viele Freunde unter der jüdischen Bevölkerung , doch sie tut sich nach dieser Offenbarung schwer, Kontakt mit ihren Freunden in Israel zu erhalten. Das Buch Amon wird aus zwei perspektiven geschrieben. Ein Mal aus der Sicht Jennifers, die emotional betroffen ist und aus der Sicht Nikola Sellmaiers, die die geschichtlichen Fakten und Zahlen beisteuert und das Ganze aus einer anderen Sicht beschreibt. Was mir bei diesem Buch sehr gut gefallen hat, dass hier die Sicht der Opfer aus einer anderen Perspektive geschildert wird, nämlich aus der Sicht der Angehörigen von NZ Verbrechern. Auch sie waren Opfer, denn es gibt viele, die ein Leben lang unter diesem Trauma lebten und nicht weinige, die sich das Leben nahmen. Auch Jennifers Mutter ist eine solche Frau, die ihr Leben nicht leben konnte, da sie sich nicht von dem Schatten ihres Vaters lösen konnte. Selbst als Jennifer ihre Mutter nach Jahrzehnten wiedertrifft, fragt sie nicht nach Jennifer und ihrem Leben ohne sie, sondern erzählt nur von ihrem Vater uns seinen Taten unter denen sie heute noch zu leiden hat. Auch die Sicht vieler Angehörigen, die das Geschehene abmildern oder ganz negieren , kommen hier zur Sprache. Vielleicht weil es anders nicht zu ertragen war, eine Art Selbstschutz ? Doch die Quintessenz des Ganzen wird immer wieder klar. Nichts darf totgeschwiegen werden, denn alles worüber man nicht spricht macht krank. Ein sehr beeindruckendes und empfehlenswertes Buch.

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  • Eine spannende Familiengeschichte

    Amon: Mein Großvater hätte mich erschossen
    BonnieParker

    BonnieParker

    Im Buch gibt es zwei Erzähler. Einmal die Fr. Teege selbst und einmal die Co-Autorin, die über Jennifer in der dargestellten Situation berichtet.Es beginnt sehr spannend und interessant. Frau Teege schildert wie sie in einer Bibliothek in einem Buch ein Foto ihrer leiblichen Mutter entdeckt und welche Geschichte sich ihr damit offenbart. Auf der Suche nach ihren Wurzeln mit Besuchen in Cracau und Ausschwitz (Co-Autorin schildert hierbei Fakten zu den KZ sehr interessant) durchlebt sie viele Situation und auch ihr Umfeld hat es nicht immer leicht. Was sie alles herausfindet wie sie sich wieder ihrer Mutter annährt und wie sie heute damit lebt wird in diesem Buch geschildert. Man erhält sehr viele Informationen über die damalige Zeit, sehr bildlich wird einem das Schicksal der KZ-Häftlinge und die Kaltblütigkeit des Amon Göth geschildert. Leider lesen sich die letzten 100 Seiten nur mühselig und es ist schade, da es ansonsten ein sehr ansprechendes Buch ist.

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    • 2
    Arun

    Arun

    21. October 2014 um 19:26
  • Tikva bedeutet Hoffnung

    Amon: Mein Großvater hätte mich erschossen
    Liseron

    Liseron

    Als Jennifer Teege im Alter von 38 Jahren mit der Tatsache konfrontiert wird, dass Sie die Enkelin eines Massenmörders ist, zieht es ihr den Boden unter den Füßen weg. Sie beschließt nach einigen Monaten der Schockstarre und Depression, sich ihrer Vergangenheit zu stellen und geht auf eine Reise in die Finsternis. Mit Mut und Beharrlichkeit setzt sie sich grausamster Wahrheiten über ihre Großeltern aus, versucht eine neue Beziehung zu ihrer traumatisierten Mutter zu knüpfen, findet eine unbekannte Halbschwester und kämpft zwischen Liebe und Abscheu um ihre Identität. Trotz allen Optimismus bangt und hofft der Leser, dass sie nicht nur am Ende des Buches ihre Traurigkeiten überwinden, sondern auf Dauer den Schatten von Amon Göth abschütteln kann. Bei dieser Geschichte stellt sich für mich die Frage, ob nicht nur Lügen, sondern auch Wahrheiten zerstörerische Wirkung bei Unschuldigen entfalten können. Wir sind mittlerweile so an den Gedanken gewöhnt, dass alles aufgedeckt und aus dem Unbewussten herausgezerrt werden muss, dass der Blick auf das Monster alternativlos scheint. Doch wenn man unter dem Blick der Gorgone zu Stein wird, war es das vielleicht nicht wert. Die positive Ausstrahlung der Erzählerin gibt mir allerdings das gute Gefühl, dass sie es schaffen wird.Das Buch wechselt zwischen zwei Ebenen, auf der einen Seite beschreibt Jennifer Teege eindrucksvoll und bewegend ihre Reise in die Vergangenheit, ganz konkret unter anderem an die Stätte, wo Amon Göth sein Unwesen trieb, nach Plaszow. Sie schildert Begegnungen mit Opfern, die schwierige Beziehung zur Mutter, die mit den Toten lebt und unser Mitleid verdient, die befleckte Zuneigung zur Großmutter, einer Frau, deren große Liebe ein Monster war, und die daran zugrunde geht. Sie hat beste Freundinnen in Israel, das Drama ist nicht zu überbieten. Daneben stellt die Journalistin Nikola Sellmair Hintergrundmaterial, Biographien, historische Erläuterungen zusammen. Ihre Gespräche mit Familienmitgliedern und Freunden runden das Bild in der Gegenwart ab, die Probleme im heutigen Israel werden nicht ausgelassen. Eine unglaubliche Geschichte, eine sympathische Frau, eine Menge Stoff zum Nachdenken und Weiterlesen.

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    • 2
    Floh

    Floh

    01. September 2014 um 05:15
  • Biographe Jennifer T

    Amon: Mein Großvater hätte mich erschossen
    Arun

    Arun

    Amon von Jennifer Teese/Nikola Sellmair Untertitel: Mein Großvater hätte mich erschossen. Hatte zu diesem Buch schon einige Rezensionen gelesen. Beim letzten Büchereibesuch lag es bei den neu eingetroffenen Titeln da habe ich es mal kurzerhand ausgeliehen. Zum Inhalt: Es geht um die Biografie von Jennifer Teese, Tochter einer Deutschen und eines Nigerianers. Im Alter von 38 Jahren erfährt sie zufälligerweise durch ein Buch die Hintergründe ihrer Abstammung. Ihre Großmutter Ruth Irene Kalder war die Lebensgefährtin von Amon Göth. Besagter Amon Göth war im dritten Reich ein berüchtigter und brutaler KZ-Kommandant in Plaszów Polen und verantwortlich für den Tod vieler Menschen.Diese Erkenntnisse sind ein großer Schock für Jennifer Teese und bewegen sie sehr stark.Nun begibt sie sich auf Spurensuche um das gut gehütete Familiengeheimnis zu verstehen und um ihre Situation zu verarbeiten. Meine Meinung: Das Buch bietet für den geschichtlich interessierten Betrachter einige Hintergrundinformationen in Bezug auf das dritte Reich und die Vergangenheitsbewältigung der nachfolgenden Generationen. Das persönliche Schicksal und Verhalten von Jennifer Teese blieb mir weitgehend fremd. Mag vielleicht daran liegen, dass ich an solche Bücher immer sehr nüchtern herangehe und die Emotionen außen vor lasse.

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    • 8
  • eBook Kommentar zu Amon von Jennifer Teege

    Amon: Mein Großvater hätte mich erschossen
    Dr. Dirk J. Harten

    Dr. Dirk J. Harten

    via eBook 'Amon'

    Ein hervorragendes Buch, das zur Pflichtlektüre im positiven Sinne aller Jugendlichen und Erwachsenen in Deutschland und darüber hinaus gehören sollte.

    • 7
  • Über Familie, Identität, und Wahrheit

    Amon: Mein Großvater hätte mich erschossen
    rumble-bee

    rumble-bee

    25. July 2014 um 11:58

    Ich bin skeptisch an dieses Buch herangegangen, vor allem des reißerischen Untertitels wegen. Der hätte nun wirklich nicht sein müssen! Erst recht nicht, nachdem ich das Buch beendet habe. Reißerisch ist mit Sicherheit das am wenigsten passende Adjektiv. Im Gegenteil ist das Buch sehr gründlich, reflektiert, und vielschichtig. Jennifer Teege entdeckt erst im Alter von 38 Jahren durch einen puren Zufall ihre wahre Herkunft: sie ist die Enkelin vom Amon Göth, dem Psychopathen aus "Schindlers Liste", den alle Welt kennt und verachtet. Das Buch beginnt wie ein Tagebuch, wie eine Beschreibung eines nervlichen Zusammenbruchs. Es entwickelt sich jedoch immer mehr zu einer tiefgründigen Auseinandersetzung mit der Familiengeschichte, wofür ich den beiden Autorinnen großen Respekt zolle. Ich finde, das Buch ist sehr weiblich geraten. Es beleuchtet vor allem die Perspektive der Frauen: wie konnte die Großmutter Amon Göth lieben, ja sogar freiwillig nach dem Krieg seinen Namen annehmen? Wie konnte die Mutter die Rolle des Vaters verdrängen und schönreden? Inwiefern definieren sich überhaupt Frauen durch Männer? Und was ist die Rolle der Familie? Erfreulicherweise beschränkt sich die Erkundung von Amon Göth selber auf nur ein Kapitel. Das finde ich in einem solchen Buch gerechtfertigt. Man sollte Tyrannen nicht noch im Nachhinein falsche Denkmäler setzen. Es geht Jennifer Teege vielmehr um die Erkundung von seelischen Prozessen bei den Nachkommen. Und wie sie dies gelöst hat, finde ich ausgesprochen beeindruckend. Bei diversen Passagen hatte ich einen Kloß im Hals: als sie bei einer Führung durch ein KZ von einer Zeitzeugin angesprochen wird, und sich nicht traut, sich zu offenbaren. Als sie nach langen Jahren ihren israelischen Freunden wieder begegnet. Und noch etliches mehr. Einen winzigen Wermutstropfen erhält das Buch für mich nur durch die Tatsache, dass die Frage der Autorenschaft (für mich) nicht besser geklärt wird. Es wird zwar eine Journalistin im Klapptentext und Untertitel mit vermerkt, und man kann vermuten, dass sie die kursiv geschriebenen, sachlichen Texte verfasst hat. Aber die Zusammenarbeit mit Jennifer Teege ist mir überhaupt nicht klar. Auch ein Foto der beiden (!) wäre nett gewesen. Insgesamt kann ich das Buch aber durch und durch empfehlen. Es verbindet eine tiefe, zeitgeschichtlich relevante Auseinandersetzung mit ungeschönten Emotionen und gut lesbarer Sprache. Auch sehr gut geeignet für den Einsatz in der Schule.

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  • "Jeder Mensch möchte wissen, woher er kommt"

    Amon: Mein Großvater hätte mich erschossen
    Caillean79

    Caillean79

    30. March 2014 um 18:24

    Dieses Zitat aus dem Buch fasst den Inhalt für mich am besten zusammen. Jennifer Teege, als Kind adoptiert, fehlte immer ein Stück von sich selbst. Bis sie im Erwachsenenalter durch Zufall in einer Bibliothek ein Buch in der Hand hält, das ihre wahre Identität zeigt. Und diese Identität ist ein sehr schweres Erbe… Das Buch schildert die Familiengeschichte von Frau Teege, der Enkelin des KZ-Lagerkommandanten Amon Göth (wer den Namen nicht kennt > bitte „Schindlers Liste“ anschauen!) auf zwei Ebenen. Die eine ist die Ich-Erzählebene, die sehr persönlich gehalten ist. Die andere ist eine etwas nüchternere Erzählebene, die eher an einen Bericht angelehnt ist und Fakten zusammenfasst. Die beiden Erzählstränge sind durch unterschiedliche Schriftarten kenntlich gemacht, passen aber andererseits thematisch immer zusammen. Aus meiner Sicht liest sich die „sachliche Seite“ manchmal ein wenig sperrig, und bei der „persönlichen Seite“ werden zu oft einfach nur Fragen in den Raum geworfen (die dann leider nicht beantwortet werden). Das wäre – sparsam dosiert – gut, um zum Nachdenken anzuregen. In dieser Fülle allerdings erschlägt es einen aber manchmal fast. Daher einen Punkt Abzug für die Sprache. Inhaltlich fand ich das Buch einerseits verstörend angesichts der Gräueltaten des Amon Göth, die hier niedergeschrieben sind. Andererseits war es aber auch sehr interessant zu erfahren, wie die übernächste Generation mit einer solchen Familiengeschichte umgeht. Das Buch greift aber auch an vielen Stellen die psychologischen Folgen von Adoption bzw. dem Aufwachsen im Heim/einer Pflegefamilie auf. Wer Literatur zu dieser Problematik sucht, ist hier – ganz abgesehen von der zweifelhaften Berühmtheit des Großvaters – auch richtig. Die Ängste und Sorgen eines Adoptivkindes werden an vielen Stellen (insbesondere im Mittelteil) deutlich. „Unterhaltung“ ist dieses Buch definitiv nicht. Aber ich finde es trotzdem bzw. gerade deswegen lesenswert.

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