Inhalt:
Die beiden Schwestern Maggie und Rose könnten kaum unterschiedlicher sein: Während die „graue Maus“ Rose als Anwältin erfolgreich ist und nur für ihren Beruf lebt führt Maggie ein unstetes Leben voller Partys und wird von Männern umschwärmt. Trotzdem haben die beiden Schwestern immer zusammengehalten. Das ändert sich jedoch schlagartig als Maggie das Vertrauen ihrer Schwester in einer Weise verletzt, die unverzeihlich ist. Der Kontakt zwischen Maggie und Rose reißt ab und es ist unklar ob sie eines Tages wieder zueinander finden werden…
Schuhe waren Schuhe waren Schuhe, und selbst wenn man sie zu den falschen Klamotten trug, konnte man sie nicht falsch tragen. Ihre Füße würden immer gut aussehen. (S. 78)
Meine Meinung:
Eines vorweg: Ich habe die Verfilmung dieses Buches schon mehrfach gesehen und mag diese sehr. Deshalb wollte ich unbedingt das gleichnamige Buch kennenlernen und habe dementsprechend mit großen Erwartungen und Vorfreude mit dem Lesen begonnen.
Die Grundidee klingt vielversprechend und verspricht sowohl dramatische als auch herzerwärmende und rührende Momente. In ihrer gemeinsamen Vergangenheit haben Maggie und Rose zusammen schlimme Zeiten durchgestanden und die damaligen familiären Probleme werden sehr zu Herzen gehend beschrieben. Auch der ungewollte Kontaktabbruch mit der Großmutter und die Vorwürfe, die sich diese deshalb macht werden sehr bewegend beschrieben. Der die Großmutter betreffende Handlungsstrang und die Rückblenden in die Vergangenheit werden feinfühlig und gefühlvoll beschrieben. Man wünscht es der Großmutter sehr, dass es ihr gelingt wieder Kontakt mit ihren Enkelkinder aufzunehmen.
Es hat mich jedoch enttäuscht, dass die Geschichte insgesamt nur sehr wenige positive Gefühle transportiert und dafür umso mehr negative. Es überwiegen die eher traurigen und bedrückenden Szenen, die gefühlt ¾ des Buches ausmachen. Besonders das eigentliche Herzstück der Geschichte – die Schwesternbeziehung zwischen Maggie und Rose – hat mich enttäuscht und ist ganz anders als ich es erwartet hatte. In dem 450-seitigen Buch haben Rose und Maggie etwas 200 Seiten lang überhaupt keinen Kontakt mehr und die beiden scheinen sich das auch über weite Strecken hinweg nicht sonderlich zu Herzen zu nehmen. Schon bevor Maggie Rose durch einen großen Verrat zutiefst verletzt und es zu einem vorübergehenden Kontaktabbruch kommt konnte ich keine wirkliche Verbundenheit und keinen richtigen familiären Zusammenhalt zwischen den beiden spüren. Sie haben gefühlt 90% der Zeit nur miteinander gestritten, sich gegenseitig kritisiert und Schlechtes übereinander gedacht. Schon vor dem großen Streit hatte ich über weite Strecken den Eindruck, dass die beiden nicht gut füreinander sind und alleine vielleicht sogar besser dran wären. In manchen Situationen fand ich es schwer erträglich und richtig traurig wie unsensibel die beiden miteinander umgehen. Hier ein paar Beispiele: Maggie weiß wie sehr Rose schon immer mit ihrem Aussehen und ihrem Gewicht gehadert hat und dass dieses Thema ein „rotes Tuch“ für sie ist. Trotzdem gibt sie ihr ständig ungefragt gut gemeinte Tipps, die in Wahrheit überaus verletzend sind. Maggie legt ihr Ausschnitte aus Beautyzeitschriften hin, schlägt ihr vor endlich Sport zu treiben, damit sie abnimmt, schlägt ihr vor ihr schlechtes Hautbild mit einer Gesichtsbehandlung zu verbessern und sucht ihr ungefragt einen Artikel zum Thema Fettabsaugung heraus. Dann wirfst Maggie auch noch ungefragt Kleidung ihrer Schwester weg, weil sie diese zu hässlich findet. Zu allem Überfluss beschimpft Maggie ihre Schwester dann während eines Streits auch noch als „fettes Schwein“. Rose wiederum hat einige Male viel zu wenig Verständnis dafür, dass Maggie sich wegen ihrer Lernbehinderung neben ihrer erfolgreichen Schwester wie eine Versagerin vorkommt. Rose stellt ihre Schwester vor einer dritten Person bloß indem sie sagt, dass diese dumm sei und nicht mal ein Wort mit nur drei Buchstaben buchstabieren könne. Natürlich kommen Streitereien vor, aber die Art und Weise wie beide die verwundbarsten Stellen der jeweils anderen für ihre Beschimpfungen auswählen ist richtig traurig und schrecklich. Hier ein paar Beispiele für die vielen abfälligen Bemerkungen, die im Laufe des Buches fallen:
Rose hatte sich zwar gehen lassen und war ein richtiger Fettkloß geworden – wahrhaft „große“ Schwester –, aber sie beide hatten noch immer die gleiche Schuhgröße. (S. 10/11)
„In dieses Kleid würde nicht mal ein Bein von dir passen.“ (S. 24)
Maggie hatte bei Rose auch bereits die ersten Anzeichen des gefürchteten Doppelkinns entdeckt. (S. 54)
Rose, die fette, faule, altbackene Rose, der es egal war, wie ihre Fingernägel aussahen. (S. 54)
Rose war unscheinbar, fett und ungepflegt. (S. 64)
„Ich habe immer gewusst, dass du kein Hirn hast. Jetzt weiß ich, dass du auch kein Herz hast.“ – „Fettes Schwein“, murmelte Maggie. (S. 183/184)
Ein großes Problem hatte ich auch mit dem Grund für den großen Streit zwischen Rose und Maggie. Wie bereits im Klapptext angekündigt geht der Freund von Rose fremd – und das ausgerechnet mit ihrer Schwester Maggie. Das ist wirklich ein extremer Vertrauensbruch und es ist absolut verständlich, dass Rose das unverzeihlich findet und der Kontakt anschließend abreißt. Was mir gar nicht gefallen hat (und das Ganze noch viel schlimmer macht als es ohnehin schon ist) ist die Tatsache, dass Maggie bei diesem bedauerlichen Vorfall völlig nüchtern zu sein scheint und extrem offensiv versucht den Freund von Rose zu verführen. Sie begrüßt ihn nämlich an der Tür gleich mit folgenden Worten:
„Vielleicht“, fuhr Maggie fort, „wollen Sie auch uns beide. Ist es das? Ein Schwesternsandwich?“ (S. 179)
Anschließend beginnt Maggie sofort damit sich vor ihm auszuziehen. Maggie zögert nicht eine Sekunde und denkt überhaupt nicht darüber nach wie sehr Rose das verletzten wird. Das fand ist sehr abstoßend und hat mir Maggie extrem unsympathisch gemacht.
Überhaupt muss man in dieser Geschichte mit vielen Szenen fertigwerden, die Haupt- bzw. Nebenfiguren extrem unsympathisch erscheinen lassen und die alles andere als schön zu lesen sind. Ein gutes Beispiel ist die Stiefmutter von Maggie und Rose, die ein richtiges Biest ist. Sie hat vor allem Rose die Jugend zur Hölle gemacht hat. Obwohl Rose nur leicht übergewichtig war hat ihre Stiefmutter Buch über ihr Gewicht geführt, ihr Essverhalten unablässig kritisiert, sie mit ihren Bemerkungen gedemütigt und ihr Selbstbewusstsein nachhaltig beeinträchtigt. Selbst als Rose schon erwachsen ist macht die Stiefmutter damit weiter: Sie reibt Rose immer wieder unter die Nase, dass ihre leibliche Tochter so schlank ist, dass Größe 34 für diese viel zu groß ist. Trotzdem wird die Stiefmutter deswegen nie zur Rede gestellt und so macht diese munter weiter. Ich finde es schrecklich, dass Rose‘ Vater sich nie auf die Seite seiner Tochter gestellt hat und sie nie vor der Stiefmutter in Schutz genommen hat. Keiner hat der Stiefmutter je klipp und klar gesagt, dass ihr Verhalten absolut unangebracht ist und so hat sie immer weitergemacht und mit ihren Sticheleien nie aufgehört. Ebenso abstoßend und schwer zu ertragen ist es wie sich Maggies Mitmenschen ihr gegenüber verhalten. Von Männern wird sie (mit einer Ausnahme) stets nur auf ihr Aussehen reduziert, sexuell ausgenutzt und später sofort wieder fallengelassen wird. Maggie wird von ihrer Umgebung ständig das Gefühl gegeben, dass sie unfähig und dumm ist. In ihrer Kindheit hat man sich einmal sogar darüber lustig gemacht, dass sie wegen ihrer Lernbehinderung Bücher gelesen hat für die sie als „zu alt“ angesehen wurde.
Ereignisse und Begebenheiten, die für schöne und herzerwärmende Lesestunden sorgen sind zu rar gestreut und werden nicht so ausführlich beschrieben wie niederschmetternden Momente. Wie Rose die Liebe ihres Lebens findet wird viel zu kurz abgehandelt: Diese Liebesgeschichte macht insgesamt nur ca. 20 Seiten des 450-seitigen Buches aus, denn es werden nur zwei recht unspektakuläre Dates beschrieben und schon folgt ein Zeitsprung und man wird vor die vollendete Tatsache gestellt, dass der besagte Mann die Liebe ihres Lebens ist. Der Mann, der Rose‘ große Liebe ist hätte aus meiner Sicht wahrlich mehr Seiten verdient gehabt als ihr fremdgehender Exfreund – zumal letzterer gegen Ende des Buches nochmals einen kurzen Auftritt bekommt und für ein überflüssig wirkendes Drama zu sorgen, das dann anschließend aber ohnehin im Handumdrehen beseitigt wird. Maggies Liebesgeschichte wird sogar noch kürzer abgehandelt.
Zum Schluss gibt es ein Happy End mit einer großen Geste, das einem mit einem guten Gefühl zurücklässt und das sehr rührend ist. Allerdings kam es mir etwas zu überstürzt vor wie extrem schnell und problemlos die Schwestern ihre Streitigkeiten letztendlich beilegen. Immerhin haben sie ja zuvor mehr als ein halbes Jahr überhaupt keinen Kontakt mehr zueinander gehabt.
Fazit:
Ich bin der Autorin dankbar, dass sie mit ihrem Buch die Grundlage für die tolle gleichnamige Verfilmung geschaffen hat. Leider ist es einer der seltenen Fälle in denen mir das Buch nicht so gut gefallen hat wie der Film. Die Personen sind mir im Film sympathischer gewesen und die Geschichte von Maggie und Rose finde ich im Film überraschenderweise mitreißender, emotionaler und mehr zu Herzen gehend.

















